Ein Sechstel ist 65 oder älter

In keiner anderen Gemeinde des Furttals mit Ausnahme von Boppelsen ist der Anteil der Bevölkerung im Alter 65plus so hoch wie in Würenlos.

Im Jahre 2016 gehörten 1109 Würenloserinen und Würenloser dieser Altersgruppe an, also jede und jeder Sechste. Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung betrug 17,4 Prozent (Boppelsen: 18,8 %). In Buchs ZH und Dänikon hingegen war bloss ein Achtel der Bevölkerung 65 Jahre alt oder älter (Anteil 12,2 bzw. 12,6%). Im Durchschnitt aller Furttalgemeinden (7 zürcherische und eine aargauische, Würenlos, betrug der Anteil der 65plus-Gruppe 15,6%.

Die statistischen Angaben stammen aus dem 47. Jahrheft der Heimatkundlichen Vereinigung Furttal mit dem Titel «Im Furttal alt werden – einst und heute». Die Autoren Kurt Bannwart und Barbara Gasser haben viel Wissenswertes zum Thema zusammengetragen – Historisches und Aktuelles. Eine Erklärung für die doch beachtlichen Unterschiede beim Seniorenanteil in den Gemeinden liefern sie allerdings nicht.

Woran könnte es liegen, dass bei uns mehr Leute im Rentenalter als fast im ganzen übrigen Furttal leben? Hat, wer im Aargau lebt, eine bessere Konstitution? Ist unser Klima besonders gesund oder liegts gar gar an der starken Energie, welche unser Kraftort, die Emma-Kunz-Grotte, ausstrahlt? Die Erklärung dürfte prosaischer sein. Erheblichen Einfluss hat wohl unsere Siedlungsstruktur. Unsere Gemeinde zählt überaus viele Einfamilienhäuser und Eigentumswohnungen. Dies zeugt auch von einem gewissen Wohlstand. Reiche Menschen leben länger als arme, Studien belegen dies. Überdies bleiben die meisten Eigenheimbesitzer so lange, wie es geht, in den eigenen vier Wänden wohnen. Andere Gemeinden im Furttal mögen insgesamt eine etwas jüngere Bevölkerung aufweisen, weil sie später vom Bauboom erfasst wurden als Würenlos.

Werfen wir noch einen Blick in den Kanton Aargau. Der hat einen ungefähr gleich grossen 65plus-Anteil wie das ganze Furttal, nämlich 15,8%. In unserer Nachbargemeinde Wettingen aber ist der Anteil mit 18,8% noch höher als in Würenlos. Fast jeder fünfte Wettinger, jede fünfte Wettingerin ist 65 oder älter. (Zahlen aus dem Wettinger Rechenschaftsbericht 2016).

Anders als Würenlos entstanden im zürcherischen Furttal schon vor Jahrzehnten erste Heime und Wohnsiedlungen für solche Seniorinnen und Senioren, denen ein selbständiges Leben nicht mehr möglich ist. Das erste Altersheim entstand schon 1935 in Watt, auf rein privater Basis. Es hatte bis 1960 Bestand und trug den namen «Friedenshort». Der Pensionspreis für ein Einerzimmer, inklusive Mahlzeiten, Wäsche und Heizung, betrug anfänglich 3 bis 4 Franken pro Tag. «Wer 4 Franken bezahlte, wurde mit Handschuhen angefasst», erinnert sich die heute auch schon 90-jährige Tochter der Altersheim-Gründerin. Nur ein Jahr später, 1936, entstand auch in Boppelsen ein privates Altersheim. 1985 wurde in Regensdorf das Alters- und Pflegeheim Furttal bezogen, ein Gemeinschaftswerk aller zürcherischen Furttalgemeinden mit Ausnahme von Hüttikon und Boppelsen. Das Eintrittsalter liegt mittlerweile bei über 90 Jahren, das Heim ist längst mehr Pflege- als Altersheim. «Das Altersheime ist ein Auslaufmodell», lässt sich die Leiterin zitieren.

Diese Entwicklung ist auch ablesbar an der nun schon 60-jährigen Planungsgeschichte des Würenlosers Alterszentrums. Ihr ist im Heft ein ganzes Kapitel gewidmet. Und wenn die Menschen auch stetig älter werden, der Tod ist allen gewiss. Damit setzt sich das letzte Kapitel im Heft auseinander. Längst verschwunden sind die Leichenzüge am Tag der Beerdigung. In Würenlos führte letztmals 1973 der von Pferden gezogene Leichenwagen ein sogenanntes Leichengeleit an. Dahinter begleiteten die Trauerfamilie und die weiteren Trauergäste den Sarg mit dem Verstorbenen vom Wohnhaus zur Kirche und zum Friedhof. Der stark zunehmende Autoverkehr verunmöglichte schliesslich die Leichengeleite. Der Wagen aber ist noch heute vorhanden, ebenso fand Gemeindeschreiber Daniel Huggler im Gemeindearchiv die Rechnung über 750 Franken, die sein Erbauer, ein Schmied namens J.C.Raths, 1909 der Gemeinde gestellt hat.

Der 1909 beschaffte Leichenwagen, der bis 1973 in Gebrauch war und noch heute im Gemeindebesitz ist (Bild: Gemeinde Würenlos).

Das reich illustrierte Heft „Im Furttal alt werden – einst und heute“ kann bestellt werden bei: Françoise Roth, Lettenring 29, 8114 Dänikon, E-Mail: philippe.roth@bleuwin.ch, Preis Fr. 20.–

Ein Plätzchen als Schätzchen

Aufwertung für die Dorfstrasse, das neue Plätzchen bei der Einmündung der Haselstrasse.
Wie mit planerischer Sorgfalt und mit relativ geringem Aufwand das Ortsbild verschönert und der Aufenthalt im öffentlichen Raum erfreulicher gestaltet werden kann, zeigt sich nun an der Dorfstrasse. Bei der Einmündung der Haselstrasse ist in den letzten Wochen ein schmuckes Plätzchen entstanden.

Das teils gekieste, teils gepflästerte Plätzchen ist zurückhaltend «möbliert»: Ein Baum samt Sitzbank rundherum, ein alter Brunnen, zwei mächtige Holzbalken und ein Steinkreis als weitere Sitzgelegenheiten und einige Steinblöcke gegen Wildparkierer. Sponsoren der Sitzbalken sind die Ortsbürger, es wird darauf diskret für vermehrte Verwendung einheimischen Holzes geworben. Der Brunnen ist eine Leihgabe des früheren Brunnenmeisters Felix Brunner.

Das Auge des Dorfflaneurs nimmt das Plätzchen mit Dankbarkeit wahr. Statt mit öden Sicht- und Lärmschutzwänden (wie gleich gegenüber an der Dorfstrasse) abgewertet, ist hier der Strassenraum aufgewertet worden. Eine neue Wegmarke ist entstanden. Im vordersten Teil der Überbauung Gatterächer West hat zwar das einstige Bauernhaus Haselstrasse 1 weichen müssen. «… mit seinem grossen (inzwischen verwilderten) Vorgarten trägt es wesentlich zum lebendigen und abwechslungsreichen Strassenraum bei», schrieb Martin Brogle in den Würenloser Blättern 2010 in seinem zusammen mit Felix Wyss verfassten Beitrag «Fünf vor zwölf für die Dorfstrasse». Nun hat der Vorgarten wenigstens einen würdigen Ersatz gefunden.

Das neue Plätzchen ist nicht nur Schmuck, es hat auch eine Funktion. Es macht es attraktiver, zu Fuss im Dorf unterwegs zu sein. Denken wir nur an die älteren und alten Menschen, die in immer grösserer Zahl anzutreffen sind. Auf ihrem Spaziergang oder Einkaufsweg schätzen es viele von ihnen gewiss, da kurz ausruhen zu können. Wenn der Baum im Sommer ausreichend Schatten spenden wird, werden vielleicht auch junge Mütter mit Kindern hier verweilen. Und die Kindergärtler vom Gatterächer werden wohl dank des Brunnens öfters nässer nach Hause kommen, als es die Wetterlage erwarten liesse. Das mag die Eltern nicht erfreuen, steigert aber den von Pädagogen hoch gepriesenen Erlebniswert des Schulwegs ungemein.

Zu lange sind in Würenlos die Strassenräume gestalterisch ziemlich vernachlässigt worden. Wie gut täte doch eine gestaltete Freifläche wie hier an der Ecke Dorf-/Haselstrasse dem «zusammengemosteten» Bickackerquartier! In seinem Leitbild zur Gemeindentwicklung von 2015 hatte es sich der Gemeinderat zum Ziel gesetzt, der Gestaltung des Strassenraumes mehr Aufmerksamkeit zu schenken und so die qualitative Entwicklung zu fördern sowie die Verkehrssituation im Dorf zu verbessern. Mit dem Plätzchen an der Dorfstrasse ist ein Anfang gemacht worden.

Musste der Neuüberbauung Gatterächer West weichen: Das Bauernhaus Haselstrasse 1 mit seinem zuletzt verwilderten Vorgarten.