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Sperrzone Ötlikon

Es war einmal. Während Jahrzehnten war der Müliwiesenweg längs der historischen Mühle im Weiler Ötlikon Teil der beliebten Spazier- und Veloroute entlang des Furtbachs. Das Teilstück war sogar signalisiertes Teilstück der nationalen Veloroute Nummer 5 vom Boden- bis zum Genfersee. Jetzt versperren rot-weisse Abschrankungen einer Baufirma den Zugang von beiden Seiten.

Das gesperrte Wegstück ist eine Privatstrasse und gehört zur Mühle. Ein Fuss- und Fahrwegrecht zugunsten der Allgemeinheit besteht nicht, die Grundeigentümerin ist also berechtigt, den Weg abzusperren. «Uns sind die Hände gebunden», heisst es bei der Bauverwaltung.

Neben der Abschrankung ein altes Schild mit einem richterlichen Verbot aus den 1970er-Jahren, das schon immer da war: Unbefugten ist das Befahren des Wegstückes unter Androhung von Busse untersagt. Vom Richter nicht verboten wurde damals das Begehen des Weges. Dies zu verbieten fanden die damaligen Eigentümer, das Ehepaar Eric und Ruth Funk, wohl unnötig oder unverhältnismässig. Später haben sie auch das Befahren mit Velos grosszügig toleriert. Jetzt verbietet ein zweites Schild auch das Begehen, doch ein richterliches Verbot ist das nicht.

Auch auf der anderen Seite ist der Zutritt verboten.
Eigentümerin der Mühle und damit auch des Wegstücks ist nun die Erbengemeinschaft der verstorbenen Ruth Funk-Hardmeier. Ihr gehören die frühere Würenloser FDP-Gemeinderätin Karin Funk Blaser und deren zwei Geschwister an. Karin Funk hat mit ihrer Familie früher einen Teil des Mühlengebäudes bewohnt. Von 2009 bis 2015 war sie Gemeinderätin der FDP, 2013 hatte sie die Wiederwahl nur knapp geschafft, 2015 trat sie aus beruflichen Gründen zurück.

Die Erbengemeinschaft möchte die Mühle, die seinerzeit vom erfolgreichen Reinigungsunternehmer Funk erworben und 1971 umfassend umgebaut und saniert wurde, loswerden. Auf dem Internetportal Homegate steht die 4400 Quadratmeter grosse Liegenschaft zum Verkauf. Den Preis für das «herrschaftliche Anwesen mit dem Charme früherer Jahrhunderte», so der Inserattext, gibt die Maklerfirma Walde und Partner nur auf Anfrage bekannt. Die Wohnfläche des Gebäudes mit Baujahr 1637 beträgt 753 Quadratmeter. Im parkartigen Garten befindet sich eine Schwimmhalle.

Was veranlasste die Erbengemeinschaft zur Sperrung des Weges? Errichtet wurden die Sperren im Zusammenhang mit einer Erneuerung des Daches im Sommer. Weshalb sie jetzt weiterhin bestehen, darüber kann man nur mutmassen. Wenn nicht mehr Kretipleti am Gebäude vorbei marschiert oder radelt, mag das den Wert der Liegenschaft und deren Verkaufschancen erhöhen. Vielleicht will man auch nur neugierige Gaffer oder gar mögliche Besetzer fern halten. Oder will man einfach jegliche Haftung ausschliessen, falls jemand auf dem Privatweg verunfallt?

Jedenfalls werden Fussgänger und Velofahrer nun auf einen Umweg geschickt, Er führt hinter dem Bauernhaus von Ueli Markwalder auf die Otelfingerstrasse. Die ist in Spitzenzeiten ziemlich stark befahren. Es gilt zwar Tempo 30, doch das mit einem gelben Streifen markierte sogenannte «Aargauer»- (oder besser Alibi-) «Trottoir» bietet Familien mit Kindern nur unzureichenden Schutz und lässt alte Menschen sich unsicher fühlen.

Der Gemeinderat hat bisher über die Sperrung des viel benützten Wegstücks nicht informiert. Will er keinen Staub aufwirbeln, um mögliche Verhandlungen mit der Eigentümerschaft um ein Wegrecht nicht zu gefährden? Oder ist es den Gemeindebehörden gar etwas peinlich, dass sich die Gemeinde nie um eine rechtliche Absicherung eines Fuss- und Fahrwegrechts gekümmert hat? Spätestens mit der Markierung als nationale Veloroute hätte Anlass dazu bestanden.

Die arrogant wirkende Sperrung des Müliwiesenweges erinnert an die mittlerweile wieder aufgehobene Sperrung des Fussweges zwischen der Florastrasse und dem Emma-Kunz-Zentrum. Das in Ötlikon gesperrte Wegstück ist pittoresk – ein Highlight an der beliebten Wander- und Veloroute entlang des Furtbachs. Die Öffentlichkeit sollte nicht darauf verzichten müssen.

Der Gemeinderat schöpft hoffentlich all seine rechtlichen und politischen Möglichkeiten aus, um ein Fuss- und Fahrwegrecht zu erwirken. Von der jetzigen und künftigen Eigentümerschaft darf ein grosszügiges Entgegenkommen erwartet werden. Allenfalls wäre der Bau eines Weges oder Steges auf dem schmalen Uferstreifen entlang der Mühle eine Notlösung. Dieser Streifen am Furtbach gehört nämlich dem Kanton und nicht der Erbengemeinschaft.
(Mitarbeit: Ernst Rohrbach. Alle Eigentümerangaben gemäss Geografisches Informationssystem Kanton Aargau, agis, Stand 1.11.2018)

Wie gross soll die Bevölkerung von Würenlos im Jahre 2035 sein? Stimmen Sie ab! In der rechten Randleiste. Auch das bisherige Zwischenresultat kann dort abgerufen werden.

Eröffnungen

Zwei Projekte, über die würenblicker in den letzten Monaten berichtet hat, finden nun ihren Abschluss. Am Montag, 22. Oktober, eröffnet Beck Arnet seinen neuen Laden mit Café in den Räumlichkeiten der früheren Drogerie am Bach. Und am Samstag, 3. November, wird der neu gestaltete Hasel-Platz an der Einmündung der Hasel- in die Dorfstrasse offiziell eingeweiht.

Über die Rückkehr von Beck Arnet mit einem eigenen Laden habe ich vor allem darum berichtet, weil die alt eingesessene Bäckersfamilie einen Teil ihres Geschäfts in Würenlos auf eine unkonventionelle Art finanziert hat: Mit Crowdfunding (Link zum ursprünglichen Bericht). Die sonst eher von Start-ups gewählte Teilfinanzierung auf der Plattform wemakeit.ch (Link) wurde am vergangenen 8. Juli, 17.12 Uhr, erfolgreich abgeschlossen. 121 Unterstützer zahlten insgesamt 25 720 Franken ein. Das sind 102% von dem, was sich die Arnets als Ziel gesetzt hatten und natürlich nur ein Bruchteil dessen, was der schön gestaltete neue Laden kostet. Jedem Unterstützer winkte eine Belohnung, abhängig von der Höhe des Beitrags. Am meisten, nämlich 46 Mal, gewählt wurde ein Beitrag von 50 Franken. Belohnung: Champagnerbrunch an einem Sonntag.

Der im Januar erschienene Artikel über das neue Plätzchen an der Dorfstrasse war eine eigentliche Liebeserklärung: „Ein Plätzchen als Schätzchen“, so der Titel. Jetzt hat dieses Schätzchen nicht nur einen Namen erhalten – Hasel-Platz –, es wird auch angemessen eingeweiht. Am 3. November, um 10.00 Uhr. Die Ortsbürger spendieren allen Teilnehmenden einen Imbiss! Diese Ankündigung gibt mir Gelegenheit, eine Scharte auszuwetzen. Ein junger Ortsbürger hat mich nämlich schon im Sommer freundlich darauf hingewiesen, dass die Ortsbürgergemeinde die gesamte Gestaltung des Plätzchens finanziert und nicht bloss – wie von mir vermeldet – die hölzerne Bank gespendet habe. Eine Ausnahme ist der aus dem Jahre 1895 stammende Brunnen. Er ist eine Gabe des ehemaligen Brunnenmeisters Felix Brunner.

Beim Rüeblischälen miteinander ins Gespräch kommen


Es leben noch immer junge Flüchtlinge in der unterirdischen Zivilschutzanlage Wiemel beim Schwimmbad. Und es sind noch weitgehend die gleichen, welche die Unterkunft schon im Spätherbst 2016 bezogen haben.

Viele leben also bald zwei Jahre im Würenloser Untergrund. Offiziell wenigstens. Denn mittlerweile scheint sich die Zahl jener, die ständig in der Zivilschutzanlage übernachten, auf ein gutes Dutzend reduziert zu haben.

Die anderen haben irgendwo anders einen Unterschlupf gefunden, die meisten bei Kollegen oder Verwandten, die wenigsten bei hiesigen Familien oder Einzelpersonen. Manche erscheinen gerade noch einmal wöchentlich in der Würenloser Unterkunft, um beim Betreuer der von der Gemeinde beauftragten Firma ORS (früher ASB) das ihnen zustehende Wochengeld abzuholen. Mit dem wenigen Geld berappen sie vor allem Lebensmittel, Kleider, Handygebühren und weitere persnliche Auslagen.

Dank der Auswärtsübernachtungen und weil seit wenigen Monaten ein dritter Schlafraum der Zivilschutzanlage zur Verfügung steht, hat sich die unbefriedigende Wohnsituation leicht entschärft. Aber solange Auswärtsübernachter nicht offiziell einer anderen Gemeinde zugeteilt sind und ihren Lebensunterhalt selber bestreiten können, gibts für die Gemeinde und ihre Steuerzahler keine Entwarnung: Diese Leute sind in wenigen Jahren von der Gemeinde Würenlos aus eigenen Mitteln zu unterstützen. Das Ziel, den jungen Leuten mit einer menschenwürdigeren Unterkunft den Einstieg ins Arbeitsleben zu erleichtern, muss also weiterhin ganz oben auf der Pendenzenliste des Gemeinderates stehen.

Vereinzelt hat das inoffizielle auswärtige Logis damit zu tun, dass die betreffenden Männer nur an weit entfernten Orten eine Arbeit gefunden haben. So arbeiten von zwei Bewohnern, die im Gemüsebau als Hilfskräfte tätig sind, der eine in Wohlen, der andere gar in Laufenburg. Orte, die von hier aus mit öffentlichen Verkehrsmitteln nur schwer bzw. frühmorgens gar nicht zu erreichen sind.

Warum arbeiten die denn nicht bei den Gmüeslern im Furttal? Weil vorläufig Aufgenommene, und um solche handelt es sich hier, nicht ohne Weiteres ausserhalb des zugewiesenen Wohnkantons arbeiten dürfen. Dazu braucht es Ausnahmebewilligungen, was für den Arbeitgeber mit Mehraufwand verbunden ist. Die «Verwaltung der Asylsuchenden» treibt zuweilen seltsamste Bürokratieblüten. Das spüren vor allem Gemeinden und Regionen nahe der Kantonsgrenze.

Noch immer hat ein beträchtlicher Teil der Wiemel-Bewohner keine Lohnarbeit Darunter sind auch solche, die sich überhaupt nicht um einen Job und um einen Platz in unserer Gesellschaft bemühen – sei es, weil sie zu bequem dazu sind, sei es, weil sie von unserer Kultur restlos überfordert und längst in Depression oder Drogensucht abgestürzt sind.

Aber es gibt eben auch nicht wenige, die hier vorwärts kommen wollen – allen Widerwärtigkeiten zum Trotz. Als freiwillige Helfer am Kreisturnfest und an der diesjährigen Bundesfeier haben sie sich von ihrer besten Seite gezeigt. Und dennoch tun sich mit der Stellensuche selbst jene oft schwer, die länger eine Schule besucht haben und leidlich gut deutsch sprechen.

Aber es gibt Erfolgsmeldungen: Zum Beispiel von Sh, einem jungen, stets freundlichen Afghanen. Seinerzeit hatte er einen Job im hiesigen Döner- und Pizzalokal beim Bahnhof gefunden, diesen durch einen Wirtewechsel aber bald wieder verloren. Doch er liess nichts anbrennen, schon nach wenigen Tagen konnte er dank Eigeninitiative eine neue Stelle in der gleichen Branche antreten.

Oder von M. Der Eritreer hat mit Erfolg den zweijährigen Integrationskurs an der Kantonalen Schule für Berufsbildung absolviert. Vor wenigen Wochen konnte er eine Ausbildung als Storenmonteur antreten in einer Firma, die neu in Würenlos ansässig ist.

Gute Deutschkenntnisse sind bei der Stellensuche hilfreich, aber kein absolutes Muss. Auch Solidarität in der eigenen Volksgruppe spielt eine Rolle, wie das Beispiel von Mu. zeigt. Der Kurde aus Syrien hat Arbeit gefunden in der Firma eines anderen Kurden, obwohl er bisher nicht einmal einen Deutschkurs besucht hat. In seiner Heimat hat er als Eisenleger im Betonbau gearbeitet, nun bricht er als Taglöhner auf Zürcher Grossbaustellen Betonschalungen ab.

Liebe Leserin, lieber Leser – Interesse, einige dieser liebenswerten Menschen näher kennzulernen? Bald bietet sich eine vortreffliche Gelegenheit dazu. Am Samstag, 22. September organisiert das Team der freiwilligen Betreuer zusammen mit der darauf spezialisierten Organisation «Jass» ein gemeinsames Kochen und Essen mit Bewohnern der Wiemel-Unterkunft im Gmeindschäller. Der Anlass wird vom Gemeinderat, beiden Kirchgemeinden und von Swisslos unterstützt. Siehe oben.

    Der nächste aktuelle Beitrag auf würenblicker erscheint ferienbedingt voraussichtlich erst Anfang Oktober. Danke für das Verständnis.

Schmutzige Wäsche und Sisyphusarbeit

Es ist stets peinlich, als Aussenstehender dabei sein zu müssen, wenn andere schmutzige Wäsche waschen. Es gibt doch Angelegenheiten, die sollen die Betroffenen unter sich regeln. So auch das Problem, von dem wir alle ausführlichst ins Bild gesetzt worden sind – zuerst mit einer Verlautbarung der Landwirtschaftskommission und dann in einem 2/3-seitigen «Limmatwelle»-Bericht. Landwirte «ohne Moral» sollen da mit ihren Traktoren und Mähdreschern durchs neue Wohnquartier rasen. Davon fühlt sich eine Anwohnerfamilie in ihrer unlängst erworbenen Idylle gestört, ja gefährdet.

Solange in der Agglomeration gebauert wird, sind Nutzungskonflikte zwischen Anwohnern und Landwirtschaft wohl unvermeidlich. Mit verständnisvoller Rücksichtnahme auf beiden Seiten sind sie meistens zu entschärfen. Ob die vorwiegend aus Bauern zusammengesetzte Landwirtschaftskommission das richtige Gremium war, um die Reklamation zu behandeln, bleibe dahingestellt (Link dazu). Jedenfalls hat sie mit ihrer Stellungnahme eher Öl ins Feuer gegossen als vermittelt. So ist ihre Bemerkung, die grossen Maschinen könnten nicht rasen, weil sie gar nicht schneller als 30 km/h fahren können, eine faule Ausrede. Je nach Situation sind doch auch 30 km/h massiv zu hoch – Zeitdruck hin oder her. Und die Belehrung, «dass die Strassen primär für den Verkehr da sind und nicht für spielende Kinder», ist rechthaberisch und realitätsfremd.

Umgekehrt sind die schwach befahrenen Strassen im Hungerbühl kaum das überzeugendste Beispiel dafür, wie nötig die Umwandlung von Tempo-30-Zonen in so genannte Begegnungszonen (mit Tempo 20) ist. Es sind ja – neben den «bösen Bauern» – vorwiegend die Anwohner selbst (und ihre Zulieferer), welche diese Strassen befahren. Da sollte es doch ohne zusätzliche Regeln und Schilder vernünftig zu und her gehen. Es gäbe alarmierendere Beispiele im Dorf.

Ich weiss aber nicht, ob sich die Bevölkerung selbst da, wo’s dringender wäre, für solche Massnahmen gewinnen lässt. Verunsichert hat mich das klare Ja der Gemeindeversammlung zum neuen Landi-Standort. Es wird nach unbenützter Referendumsfrist dieser Tage rechtskräftig und dereinst zu erheblichem Mehrverkehr führen. «Wir arbeiten mit Hochdruck an der Verbesserung der Verkehrssituation in unserem Dorf» steht im aktuellen Leitbild des Gemeinderates. Wie ernst ist der Satz noch zu nehmen und steht auch die Dorfgemeinschaft dahinter? Mit Interesse werde ich den Versuch beobachten, den Bären zu waschen, ohne sein Fell nass zu machen.

Im Rahmen der Nutzungsplan-Revision sucht eine Arbeitsgruppe nach Wegen, die allgemein als hoch empfundene Verkehrsbelastung im Dorf irgendwie in den Griff zu kriegen. Als ihr Mitglied komme ich mir vor wie ein Helfer in einem von Hochwasser bedrohten Ort. Zusammen mit anderen füllt er eilends Säcke mit Sand, um das Überschwappen des Baches in die Strassen, Gassen und Häuser zu verhindern. Doch in den Bergen über dem Dorf ist die Mehrzahl der Dorfbewohner fleissig daran, einen Damm aufzupickeln. Damit auch noch das Wasser des dortigen Stausees ins Dorf donnern kann. – Schwer, da nicht zynisch zu werden und die Dinge einfach ihren Lauf nehmen zu lassen.