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Unser Verkehr in der Gesamtschau

Der Kreisel bei der Raiffeisenbank: Mitten im Dorf treffen regionale Verbindungsstrassen aus vier Himmelsrichtungen aufeinander.
Am 30. März, einem Samstag, findet wiederum ein allgemein zugänglicher Workshop im Rahmen der Gesamtrevision der Würenloser Nutzungsplanung statt. Thema ist der Verkehr. Die Teilnehmenden erhalten Einblick in einen Kommunalen Gesamtplan Verkehr, der von Fachleuten und einer Arbeitsgruppe in den letzten Monaten ausgearbeitet wurde. Wenn das nicht eine hoch spannende Veranstaltung zu werden verspricht!

Es ist Segen und Fluch zugleich: Würenlos liegt verkehrsmässig vorzüglich. Durchs Limmattal verlaufen die meistbefahrenen nationalen Verkehrsadern. Und mitten in unserem Dorf kreuzen sich wichtige regionale Verkehrsachsen. Der Kreisel bei der Raiffeisenbank ist Schnittpunkt von insgesamt 12 Verkehrsströmen aus allen vier Windrichtungen. Für nicht wenige Leute ist die gute Verkehrslage ein wichtiger Grund, in unserer Gemeinde Wohnsitz zu nehmen. Gleichzeitig aber spürt die Bevölkerung die negativen Auswirkungen des Verkehrs.

Die gewachsene Dorfbevölkerung liess auch den hausgemachten Verkehr beträchtlich anschwellen. Während der öffentliche Verkehr (S-Bahnen, RVBW) stark ausgebaut wurde in den letzten Jahrzehnten, haben die Verkehrswege für Fussgänger, Velos und teilweise auch für Autos mit der Entwicklung unseres Siedlungsgebietes nicht Schritt gehalten.

Grosse bauliche Würfe, wie das in den 1970er-Jahren gescheiterte Projekt für eine 4-spurige Expresstrasse von Wettingen nach Oetwil a.d.L., die am Rande des damaligen Siedlungsgebietes verlaufen sollte, sind heute undenkbar. Mögliche Trassen sind längst überbaut. Im Dorfzentrum kann der Strassenraum nicht erweitert werden, ohne den Charakter und das Bild des Dorfes massiv zu verändern. Was man auch immer tut: Irgendwer hat immer das Nachsehen.

Kein Wunder, ist das Thema «Verkehr» ein hoch emotionales. Zuweilen nehmen in der Verkehrspolitik Ideologie und Rechthaberei überhand. Da fighten Autofahrer gegen Velofahrer, Fussgänger gegen Velofahrer, als ginge es um den richtigen Weg in den Himmel. Aber wer, bitteschön, ist ausschliesslich im Auto, zu Fuss oder per Velo unterwegs?

Das Verkehrsgeschehen folgt keinem Naturgesetz, auch nicht in unserem Dorf. Es ist von Menschen gemacht. Wir alle prägen es mit unseren eigenen Verhaltensweisen und Bedürfnissen mit. Und wir alle können es mit entschlossenem Handeln ein Stück weit in die eine oder andere Richtung lenken. Die Möglichkeit, sich selber, aber auch Waren rasch und sicher von A nach B zu bewegen, ist einer der Pfeiler unseres Wohlstandes. Aber wir haben auch das Recht, uns vor schädlichen Auswirkungen des Verkehrs zu schützen.

Soll ein Kommunaler Gesamtplan Verkehr nicht blosses Papier bleiben, ist er zwangsläufig ein Kompromiss. Dies bedeutet aber nicht, dass er keine Bestandteile enthalten soll, die aus heutiger Sicht zu gewagt oder zu einschneidend erscheinen mögen. Schliesslich soll ein solcher Plan aufzeigen, wie das Verkehrsgeschehen auch in 20 Jahren noch zu bewältigen ist.

Als Mitglied der Arbeitsgruppe für den Gesamtplan Verkehr darf und will ich der Präsentation der Ergebnisse unserer Arbeit nicht vorgreifen. Drei Feststellungen aber erlaube ich mir:

1. Die Verkehrsproblematik in Würenlos und seinen Quartieren wird – je nach persönlicher Interessenlage – sehr unterschiedlich wahrgenommen und beurteilt. Es braucht aber den Blick aufs Ganze, um Lösungen zu finden, welche uns die Lebensqualität sicherzustellen oder gar erhöhen.

2. Problematisch sind auch Verkehrsachsen, deren Ausgestaltung die Gemeinde nur beschränkt beeinflussen kann: Bei der Bahnlinie, der Autobahn sowie bei den Kantonsstrassen (Land- und Schulstrasse) haben Andere das Sagen. Da brauchts für Verbesserungen eine gute Kooperation mit Nachbargemeinden, dem Kanton Aargau, dem Nachbarkanton Zürich oder dem Bund.

3. Abgesehen von diesen Hauptachsen sind die Gemeindeautonomie und damit der Handlungsspielraum des Gemeinderates und der Gemeindeversammlung grösser als zuweilen angenommen wird.

Ein positives Beispiel dafür ist Tempo 30 auf Quartierstrassen. Schon vor rund 20 Jahren begann Würenlos, Tempo-30-Zonen einzuführen. Es gab teilweise Opposition, andernorts aber verlangten ganze Quartiere das tiefere Tempolimit. Bis auf zwei Gemeindestrassen (Bünten- und Bahnhof-/Grosszelgstrasse) haben wir heute flächendeckend Tempo 30 auf Quartierstrassen. Um diesen Zustand, den sich wohl nur noch wenige wegwünschen, beneiden uns andere Gemeinden. Und wir wundern uns beispielsweise über das Kleinstädtchen Brugg, das sich gerne als Hoochschulstandort mit Zukunft brüstet, aber unlängst Tempo 30 in den Quartieren bachab geschickt hat.

Mit einem Grossaufmarsch zum Workshop am 30. März kann die Bevölkerung demonstrieren, dass sie mitreden will beim Verkehr. Und sie nimmt die Gelegenheit wahr, Einfluss zu nehmen auf Weichenstellungen – dies losgelöst von einzelnen Bau- oder regulatorischen Massnahmen wie einem einer Strassenverbreiterung da oder einem Abbiegeverbot dort. Denn eben: Der Blick aufs Ganze ist wichtig.

Deutliche Reaktionen aus der Bevölkerung helfen dem Gemeinderat, sich nicht in Planungen zu verrennen, die zuletzt an der Gemeindeversammlung Schiffbruch erleiden. Und sie bestärken ihn vielleicht auch, gewisse Massnahmen, vor denen er bisher zurückgeschreckt ist, energischer voranzutreiben.

Ob zu Fuss, ob auf dem Velo oder E-Bike oder am Autosteuer – alle, die in unserem Dorf unterwegs sind, seien ermuntert, sich in diese Diskussion einzubringen.

Details zum Workshop gibts hier. Anmeldungen bis 15. März an die Bauverwaltung, (056 436 87 50 / bauverwaltung@wuerenlos.ch. Diesen Text erst nach dem 15.3. gelesen? Bestimmt drückt die Bauverwaltung bei der einen oder anderen verspäteten Anmeldung ein Auge zu.

Am liebsten gar kein Wachstum

Würenlos ist gut, so wie es ist. So wenig Bevölkerungswachstum und so wenig Veränderung wie möglich in den nächsten 20 Jahren – dies die Quintessenz des Ziel-Workshops für die Bevölkerung im Rahmen der Gesamtrevision der Allgemeinen Nutzungsplanung.

Thema Nutzungsplanung

Die Gesamtrevision bestimmt ein Stück weit die Zukunft unseres Dorfes. Die Spezialkommission für das Vorhaben ist seit März dieses Jahres an der Arbeit. Am Workshop vom 20. Oktober hat sie erste Resultate vorgestellt: neben einer Analyse aller Quartiere auch den Entwurf eines räumlichen Entwicklungsleitbildes. Seine sechs Hauptziele sind:
1. Erhalten und Entwickeln der Standortattraktivität und der Identität als eigenständige, gut vernetzte Gemeinde unter Berücksichtigung der vorhandenen dörflichen Strukturen.
2. Weiterführung einer kontinuierlichen Bevölkerungsentwicklung, welche mit gut in die dörflichen Strukturen integrierten Bauten erreicht wird und sich primär an qualitativen Wachstumszielen orientiert.
3. Erhaltung bestehender und Schaffung neuer Arbeitsplätze im kleinteiligen dörflichen Kontext wie auch in den beiden grossflächigen Arealen Grosszelg und Tägerhard.
4. Qualitative und massvolle (innere) Siedlungsentwicklung.
5. Gesamthaft optimierte Abstimmung Siedlung und Verkehr, in welcher eine sorgfältige und gleichberechtigte Abwägung der funktionalen, wirtschaftlichen und gestalterischen Belange vorgenommen wird.
6. Beibehaltung der vielfältigen Kulturlandschaften und Naturräume sowie des breiten Freizeit- und Erholungsangebotes.

Ein Musterbeispiel für verständliche, anschauliche Sprache sind diese Formulierungen gewiss nicht. Gleichwohl haben die Workshop-Teilnehmer die Hauptziele in zehn Diskussionsgruppen engagiert diskutiert. Im grossen Ganzen stiess die Stossrichtung auf Zustimmung, auch wenn da und dort die Akzente von den Bürgerinnen und Bürgern etwas anders gesetzt und die Formulierungen präziser gewählt worden wären.

Einhellig – so scheint es – wünscht man, dass Würenlos einen dörflichen Charakter behält. «Keine Urbanisierung, auch wenn wir Agglo sind» brachte es der Sprecher einer Gruppe auf den Punkt. Grosse Einigkeit auch darüber, dass sich das Wachstum im vergangenen Jahrzehnt in der kommenden Planungsperiode nicht in gleichem Masse fortsetzen darf. Die Bevölkerungsentwicklung solle darum nicht «kontinuierlich» weitergeführt werden. Eine Atempause täte dem Dorf ab und zu gut, findet man.

Wie viele Menschen sollen Deiner Meinung nach im Jahre 2035 in Würenlos wohnen können? Jetzt abstimmen in der rechten Randspalte.

Diese Haltung passt nicht unbedingt zu dem, was die kantonale Raumplanung für Würenlos vorsieht: Urbaner Entwicklungsraum sollen wir sein. Und das sind wir wohl bereits, wenn wir mal ganz ehrlich zu uns selber sind. Unser Lebensstil ist näher bei jenem in Zürich-Höngg als bei jenem in Mettau oder Zeiningen. Vom urban-dörflichen Bau-Mischmasch ganz zu schweigen.

Der Gemeinderat hatte die Stimmung in der Bevölkerung wohl richtig erfasst, als er vor zwei Jahren in seinem Leitbild zwar nicht gerade von Null-Wachstum, aber doch von einem «quantitativ moderaten Wachstum» in den nächsten 15 Jahren sprach und von einer Obergrenze von 7300 Einwohnern. Dagegen wäre eine Bevölkerung von etwa 8400 Einwohnern, wie sie eine kantonale Bevölkerungsprognose von 2013 fürs Jahre 2044 voraussagt – offenbar der blanke Horror. Zum Glück ist es nur eine Prognose und nicht etwa ein vom Kanton diktiertes Ziel.

Eine Vorgabe gibt der kantonale Richtplan aber doch: Die Dichte im Siedlungsgebiet soll neu 70 Einwohner pro Hektare betragen, heute sind es in Würenlos 60 Einwohner/ha, bei einer Bauzonenfläche von 107 ha. Rechne: Für etwa 7500 Einwohner müsste geplant werden. Mit dem Wachstumsziel des Gemeinderates würde die verlangte Dichte um wenige Prozentpunkte verfehlt. Im Entwicklungsleitbild der Spezialkommission ist Verdichtung des überbauten Baugebietes durch grossflächige Aufzonierungen, z. B. W 3 statt W 2, nicht vorgesehen.
Wird der Kanton im Laufe des Genehmigungsverfahrens darauf bestehen, dass wir in unserer Nutzungsplanung die höhere Dichte erreichen?

Ein noch geringeres Wachstum als das vom Gemeinderat anvisierte, wäre vollends unrealistisch. Denn 7300 Einwohner werden laut Paul Keller, dem Projektleiter für die Nutzungsplanrevision, schon erreicht, wenn alle heute angedachten und in Planung befindlichen Überbauungen realisiert sein werden (v.a. Steinhofareal, Im Grund, Gatterächer). Totalrevision der Nutzungsplanung hin oder her.

Zu Beginn des Workshops hatten die Teilnehmenden die Ergebnisse der oben erwähnten Quartieranalysen diskutiert – dies in Gruppen, die vorwiegend aus Bewohnern des jeweiligen Quartiers bestanden. Die Spezialkommission scheint die Stärken und Schwächen der Quartiere recht gut eruiert zu haben. Mal empfanden die Quartierbewohner eine Schwäche ihres Quartiers als weniger gravierend, mal beurteilten alteingessenene Bewohner ihr Quartier gnädiger als neu zugezogene, mal kamen innerhalb eines Quartiers Bewohner von Mehrfamilienhäusern zu einem anderen Befund als Bewohner von Einfamilienhäusern. Das zeigt, wie anspruchsvoll eine mehrheitsfähige und in sich schlüssige Nutzungsplanung ist.

Auffallend war, wie oft die Lärmbelastung (Auto-, Flug-, Bahnverkehr) als Schwachpunkt mancher Quartiere genannt worden ist. Unter den Nägeln brannte auch das Thema Verkehr, obwohl es an diesem Samstag nicht im Vordergrund stand. Es wird Schwerpunkt eines weiteren Workshops für die Bevölkerung im Frühling 2019 sein. Ob dann die originellsten zwei Vorschläge dieses Samstags _ ein Dampfschiff-Shuttle auf dem Furtbach und ein Lift von der Mühlegasse zum Areal der katholischen Kirche – nochmals zur Sprache kommen?

Leider reichte die Zeit nicht, um die Quartieranalysen vertiefter zu studieren. Das wird die Spezialkommision sicher berücksichtigen müssen, wenn sie die Rückmeldungen aus dem Workshop in ihre Arbeit einfliessen lässt. Zu beachten haben wird sie auch, dass am Ziel-Workshop – wie ein Teilnehmer richtig bemerkte – die 20- bis 40-Jährigen eher schwach vertreten waren.

Gleichwohl ist es positiv, wieviel Interesse die Bevölkerung an der oft abstrakten und komplexen Nutzungsplanung zeigt. Das Echo war schon gross, als Mitglieder für die Spezialkommission und die Arbeitsgruppen gesucht wurden. Und dass nun an diesem ersten Workshop rund 80 Frauen und Männer teilnahmen, hat Projektleiter Paul Keller nach ganz anderen Erfahrungen in ähnlich grossen Gemeinden überrascht.

Jetzt greift das Volk ins Steuer

Die Revision der Nutzungsplanung ist im Gange.

Ziemlich genau 18 Jahre, nachdem die heute noch gültige Bau- und Nutzungsordnung von der Gemeindeversammlung beschlossen worden ist, kann sich die Bevölkerung in die laufende Gesamtrevision der Allgemeinen Nutzungsplanung einschalten. An einem Ziel-Workshop am 20. Oktober kann sie ihre Vorstellungen von der künftigen Entwicklung unserer Gemeinde einbringen.

Die vom Gemeinderat eingesetzte Spezialkommission für die Revision der Nutzungsplanung und die beigezogenen Fachleute haben bereits Etliches erarbeitet. Die Ergebnisse einer Analyse der Quartiere und der Entwurf eines räumlichen Entwicklungsleitbildes werden am Workshop erstmals der Öffentlichkeit präsentiert.

Erstmals wird es konkreter. Im Leitbild zur Gemeindeentwicklung, das der Gemeinderat im Januar 2016 verabschiedet hat, hat er die Marschrichtung für die Revision in groben Zügen skizziert – aber das waren ziemlich allgemein gehaltene Vorschläge, mehr nicht.

Der Workshop ist ein erster Test, ob die Vorstellungen des Gemeinderates und der Spezialkommission mit jenen der bisher nicht beteiligten Bevölkerung übereinstimmen. Der Gemeinderat erwartet vom Workshop im Wesentlichen Antworten auf drei Fragen:
Wie und wohin soll sich Würenlos entwickeln?
Was gilt es zu bewahren?
Wie möchte sich Würenlos in der Region positionieren?

Diese Fragen sind nicht so einfach zu beantworten, wie es scheinen mag. Mit ein paar Gemeinplätzen wird es nicht getan sein. Klar, würden die meisten Würenloserinnen und Würenloser sofort unterschreiben, dass sie auch in Zukunft gerne in einem Dorf mit hoher Wohnqualität leben wollen. Unter Wohnqualität kann man Unterschiedliches verstehen: Geringe Lärmbelastung oder Autobahnnähe. Nähe oder Distanz zu den Nachbarn. Heimelig oder urbaner Chic. Die Empfindung, was Wohnqualität ist, kann sich im Laufe der Zeit verändern. Was erst nach erbittertsten Auseinandersetzungen eingeführt wurde, wird zuweilen schon wenige Jahre später als wohltuende Annehmlichkeit empfunden, Beispiel Tempo 30 in den Quartieren.

Möglichst wenig am Bestehenden zu verändern, ist darum nicht die beste Lösung, um die Wohnqualität zu erhalten.Schon bei der Nutzungsplanung im Jahre 2000 war es eines der erklärten Hauptziele, «die hohe Lebensqualität des Lebensraumes Würenlos zu erhalten » (siehe Protokoll der Gemeindeversammlung vom 26. Oktober jenes Jahres). Unterm Strich ist dies wohl gelungen. Jedenfalls ist die Attraktivität von Würenlos als Wohnort anhaltend hoch. Doch das Dorf hat sich in den letzten 20 Jahren stärker verändert, als man sich das im Jahre 2000 wohl vorgestellt hat.

Nutzungsplanung ist ein Spagat: Nicht nur zwischen den verschiedensten Auffassungen darüber, was ein lebenswertes Umfeld ausmacht. Auch zwischen wirtschaftlichem Druck und öffentlichem Interesse, zwischen Anpassungszwängen und Festhalten am Liebgewordenen. Nicht immer gelingt der Spagat. So ging beispielsweise – von den Siedlungsrändern abgesehen – der ländliche Charakter im Siedlungsgebiet weitgehend verloren. Dabei lautete eine der Prämissen der Nutzungsplanung von 2000: «Würenlos soll eine eigenständige Gemeinde mit ländlichem Charakter bleiben.»

Das stürmische Wachstum der letzten Jahre und der Verlust an Ländlichkeit wurden möglich, weil die letzten Nutzungsplanungen auf quantitatives Wachstum setzten. Seit der letzten Nutzungsplanung wuchs die Bevölkerung um rund ein Drittel von 4800 auf 6400 Ende 2017. Das entsprach einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von fast 2%. Ginge es ihm gleichen Takt weiter, würde unsere Gemeinde 2035 etwa 8500 Einwohner zählen.

So weit soll es aber nicht kommen. «Wir wollen in den nächsten 15 Jahren quantitativ moderat wachsen (auf maximal 7300 Einwohner)» schreibt der Gemeinderat 2016 in seinem Leitbild. Das entsprach damals einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von gut 1 %.

Die Raumplanung des Bundes und des Kantons verhindern eine Ausdehnung des Baugebietes, die über minimale Einzonungen hinausgeht. Ist das eingezäunte Bauland einmal überbaut – und die Reserven an unüberbautem Bauland sind bereits ziemlich gering – wird Wachstum nur noch durch verdichtetes Bauen möglich sein. Wer zu einem Wachstumsziel Ja sagt – wie moderat dieses Ziel auch sein mag – wird also auch zu einer gewissen Verdichtung Ja sagen müssen. Die Frage ist eher, wo sie erfolgen soll und in welcher architektonischen Qualität.

Die Allgemeine Nutzungsordnung wird erfahrungsgemäss etwa 20 Jahre Bestand haben müssen. Wir leben in einer schnellebigen Zeit. Unmöglich sind einigermassen zuverlässige Prognosen darüber, wie sich die wirtschaftliche Lage und – davon abhängig – die Nachfrage nach Wohnraum in 20 Jahren präsentieren wird.

Wie die Erfahrungen mit der vor 50 Jahren in der Bundesverfassung verankerten Raumplanung in der Schweiz zeigen, hat sie einen schweren Stand gegenüber der Macht des Faktischen und den Bedürfnissen des Marktes. Realistischerweise und vorausschauend sollte das Korsett der Allgemeinen Nutzungsplanung nicht allzu eng geschnürt werden. Zum Beispiel sollten Aufzonierungen an geeeigneten Orten im bestehenden Baugebiet kein Tabu sein. Und hat ein Quartier seinen Charakter durch Neubauten schon teilweise verloren und ist der gebliebene Rest nicht besonders erhaltungswürdig, sollte der Wandel durch planerische Massnahmen eher beschleunigt als aufgehalten werden.

Würenblicker wird über den Verlauf des Ziel-Workshops berichten.

Früher zum Thema Revision der Nutzungsplanung erschienene Beiträge: hier und hier

Hoffnungsvoller Auftakt

Die Revision der Nutzungsplanung ist angelaufen.

Wer hätte das gedacht! Als letztes Jahr der Gemeinderat Würenloserinnen und Würenloser suchte für die Mitarbeit an der Gesamtrevision der Nutzungsplanung, staunte er nicht schlecht: Auf die Ausschreibung hin gingen nicht weniger als 40 Bewerbungen ein. Von wegen lokalpolitischem Desinteresse!

Dabei geht es ja nicht um einen unverbindlichen Karaoke- oder Kleidertauschabend, sondern um ein längeres Engagement mit grösserem Zeitaufwand – und um eine ziemlich wichtige Sache. Es gibt also noch Bürgerinnen und Bürger, welche die Zukunft ihres Wohnumfeldes mitgestalten wollen und sie nehmen ihre Mitarbeit ernst. Zur Startveranstaltung der Gesamtrevision im Gmeindschäller erschienen sie vollzählig – ohne Ausnahme.

Gut, hat der Gemeinderat – anders als anfänglich beabsichtigt – keine Auswahl aus all den Bewerbungen getroffen. Weil man längst nicht alle Bewerber gekannt habe, wäre dies auch schwer gefallen, sagt Gemeindeammann Toni Möckel. Für alle fand sich ein Plätzchen in einem Gremium.

Ich kam in der Arbeitsgruppe Verkehr unter, in dieser Gruppe als einziges Mitglied im Rentenalter übrigens. Die Arbeitsgruppe leistet Vorarbeiten für einen Kommunalen Gesamtplan Verkehr. Meinungsbildung und Ergebnisse der Arbeitsgruppe sind vertraulich, ich werde darüber an dieser Stelle nicht berichten. Die Nutzungsplanung dürfte trotzdem immer wieder Thema im würenblicker sein.

Die Nutzungsplanung ist kompliziert. Vorbereitet, gesteuert und begleitet wird sie denn auch von einem Team aus Fachleuten (Raum- und Verkehrsplaner, Juristen, Landschaftsarchitekt usw.). Primavista überzeugt deren Auswahl. Man könnte aufgrund früherer Erfahrungen (etwa in der Bürgergruppe der Testplanung 2009/10) befürchten, die Bürgermitwirkung bleibe eine reine Alibiübung. Ich glaube das nicht. Denn mittlerweile scheint beim Gemeinderat die Einsicht vorhanden zu sein, dass engagierte Bürger ernst genommen werden wollen und mit konstruktiven Beiträgen viel zum guten Gelingen komplexer Planungsprozesse beitragen können.

Letztlich muss in einer Demokratie ja die Bevölkerung sagen, welche Entwicklung die Gemeinde in den nächsten Jahrzehnten nehmen, welches Gesicht sie erhalten soll. Spätestens ums Jahr 2021 wird die Stunde der Wahrheit kommen, wenn die neue Bau- und Nutzungsordnung den Demokratietest an der Gemeindeversammlung bestehen muss.

Die jetzige Totalrevision unterscheidet sich von der letzten markant – in der Sache wie im Vorgehen. Materiell steht nicht länger die Ausweitung des Baugebiets im Vordergrund, sondern die Entwicklung nach innen: Im jetzigen Siedlungsgebiet sollen dereinst mehr Menschen wohnen als heute – wie viele mehr, das ist eine der Fragen, die gemeinsam zu klären sind.

Für den Einbezug der Bevölkerung wurde mit der Ausschreibung ein gänzlich neuer Ansatz gewählt. Das letzte Mal noch war die Spezialkommission weitgehend mit Parteileuten und Interessenvertretern besetzt. Dies hat meiner Ansicht nach zu einigen fragwürdigen und unzweckmässigen Festlegungen geführt.

Wie werden nun all die interessierten Bürger mitwirken?
– als Mitglied der Spezialkommission, die das ganze Geschäft bis zur Abstimmungsreife bringt, oder
– als Mitglied einer der drei thematischen Arbeitsgruppen (Natur + Landschaft/Landwirtschaft, Bau- und Nutzungsordnung, Verkehr) oder
– als Mitglied der Resonanzgruppe, welche die Arbeitsergebnisse der anderen Gremien laufend beurteilt, damit ja nicht an der Bevölkerung vorbei geplant wird.
Der Zeitaufwand ist unterschiedlich. Für Kommissionsmitglieder ist er erheblich grösser als für uns in einer Arbeitsgruppe.

Die Auftaktveranstaltung im Gmeindchäller hat mich hoffnungsvoll gestimmt. Ein breiter Mix von Leuten hatte sich da versammelt: Weniger der «üblichen Verdächtigen», denen man an lokalpolitischen Anlässen sonst begegnet. Um gefühlte 10 bis 20 Jahre niedriger war der Altersdurchschnitt als an einer durchschnittlichen Gemeindeversammlung, an der es nicht gerade um Schulbauten oder Sportanlagen geht.

Erfreulich viele Leute traf ich, die erst in den letzten Jahren zugezogen sind. Dass sie ihren neuen Wohnort mitgestalten wollen, ist sehr wertvoll, können sie das doch unbelastet von Vorgeschichten tun. Auch Frauen sind glücklicherweise dabei. Ihr Anteil hätte aber noch etwas grösser ausfallen dürfen, sind Frauen doch von raumplanerischen Entscheiden auf Gemeindeebene oft stärker betroffen als Männer – zum Beispiel als Mütter oder Konsumentinnen, die täglich im Dorf unterwegs sind.

Klar, der Tatbeweis ist erst noch zu erbringen, dass die gewählte offene Form der Bürgerbeteiligung zu einem guten Ergebnis führt. Aber die Vorfreude auf spannende und fruchtbare Diskussionen war im Gmeindschäller bei allen spürbar– auch beim Gemeinderat. Und das ist doch schon mal nicht wenig.

Liebe Leserin, lieber Leser, Sie haben sich aus irgendwelchen Gründen nicht um die Mitarbeit an der Nutzungsplanung beworben, möchten sich aber trotzdem in die Diskussion einbringen? Schreiben Sie als Gastautorin oder -autor einen Beitrag auf würenblicker! Bitte nehmen Sie mit mir Kontakt auf, damit wir die Modalitäten besprechen können. (Kontaktformular in der Kopfleiste).