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Ein trügerisches Wässerchen

Natur pur – denkste! Der unterste Teil des Furtbachs nahe der Shoppingbrücke (Foto: Hans Arnold).
Der Furtbach ist aus unserem Dorf nicht wegzudenken. Die Spazierwege an den Bachufern sind beliebt. Auch wenn das Gewässer meist bolzengrad und kanalisiert der Limmat zustrebt, vermögen idyllische Bachpartien das Auge zu erfreuen – eine längere Betrachtung darüber von Mitblogger Hans Arnold findet sich hier. Doch zum Bade lädt der Bach auch an heissesten Sommertagen nicht, und das Giessen des Salats im eigenen Garten mit Wasser aus dem nahen Bach ist keine besonders gute Idee.

«Der Furtbach ist das am meisten belastete Gewässer im ganzen Kanton.» Das sagt Pius Niederhauser in der März-Ausgabe der Zeitschrift «NZZ Folio», die dem Thema Wasser gewidmet ist. Niederhauser ist Chef Gewässerschutz des Amtes für Abfall, Wasser, Energie und Luft – im Kanton Zürich. Doch das macht seine Aussage für uns Aargauer nicht weniger interessant. Denn es liegt in der Natur der Sache, dass diejenigen, die zuunterst an einem Fliessgewässer leben, die Suppe auslöffeln müssen, die ihnen weiter oben eingebrockt wird.

Diese Suppe, die als durchaus klares, nicht besonders übel riechendes Wässerchen unser Dorf durchströmt, hat es in sich. «NZZ Folio»-Autor Thomas Schenk schildert in seiner Furtbach-Reportage anschaulich, was auf den rund 11 Kilometern bis zur Würenloser Grenze so zusammen kommt.

Der Furtbach entspringt im Katzensee an Zürichs Stadtrand. Der See und das Sumpfland ringsum haben keinen oberirdischen Zufluss, sondern speisen sich aus dem Grundwasser. In Regensdorf schon gelangen giftige Schwermetalle in hoher Konzentration in den Bach, sie stammen aus dem Siedlungsgebiet und aus metallverarbeitenden Betrieben. Einige Kilometer weiter, bei der Kläranlage Wüeri zwischen Regensdorf und Buchs, wird der Furtbach sozusagen zur Apotheke – völlig rezeptfrei zu haben gibts Hormone, Antibiotika und Weiteres aus der Pharmaküche. Im weiteren Verlauf durch Gemüsefelder und den Golfplatz wird der Chemiecocktail angereichert durch allerlei Pestizide und Biozide.

Fast keine Seitenbäche führen dem Furtbach sauberes Wasser zu. Vor allem in langen Trockenperioden stammt das meiste Furtbachwasser aus Kläranlagen und Drainagerohren, mit denen seinerzeit aus Sumpfland Flächen für Acker- und Gemüsebau gewonnen wurden. Obwohl im Laufe der Jahrzehnte mit immer effizienteren Reinigungsstufen ausgerüstet, sind die Kläranlagen nicht in der Lage, Problemstoffe gänzlich zu eliminieren. Erst ab 2025 soll etwa die Kläranlage Regensdorf mit einer dafür notwendigen weiteren Reinigungsstufe (mit Ozon oder Aktivkohlefilter) ausgerüstet sein. Doch auch dann werden noch zu viele Gifte – Insektizide oder Unkrautvertilgungsmittel aus Privatgärten und der Landwirtschaft – in den Furtbach gelangen. Es sei denn, Hobbygärtner und Landwirte senken ihren Giftverbrauch freiwillig bzw. die gesetzlichen Vorschriften werden verschärft.

Die Schadstoffe sind dank modernsten Analysengeräte im Bachwasser aufzuspüren. Sie lagern sich auch im Erdreich ab und sind im Grundwasser zu finden. Nirgendwo mehr muss jemand Grundwasser, das direkt vom Furtbach gespeist wird, als Trinkwasser konsumieren. Würenlos hat ja unlängst ein neues Grundwasser-Pumpwerk im Tägerhardwald in Betrieb genommen. Dennoch können Gifte aus dem Furtbach in die menschliche Nahrungskette gelangen. Das zürcherische Furttal ist ein bedeutendes Gemüseanbaugebiet. Bewässert werden die Gemüsefelder mit dem stark belasteten Wasser aus dem Furtbach. Das kantonale Labor Zürich hält dies seit Jahren für bedenklich.

Die Alternative wäre, Wasser aus der Limmat auf den Hüttikerberg hoch zu pumpen und von dort auf die Felder im Furttal zu verteilen. Das wäre auch in Würenlos willkommen, würde doch der Furtbach in Trockenperioden etwas mehr Wasser führen als heute. Die hohen Wassermengen, die zürcherische Bauern (und auch der Golfplatz Otelfingen) aus dem Furtbach pumpen dürfen, wurden von unserer Gemeinde immer wieder beanstandet. Doch das Limmatwasser-Projekt verzögert sich. Die Konzessionen für den Wasserbezug aus dem Furtbach wurden bis 2022 verlängert.

Renaturierungen, wie sie am zürcherischen Furtbach erfolgten, werten zwar das Landschaftsbild auf und senken die Hochwassergefahr, die Wasserqualität verbessern sie aber nur bedingt. Die zu hohe Schadstoffbelastung des Wassers bekommt vor allem die Tierwelt zu spüren. Vom Katzensee bis zur Mündung in Würenlos nimmt der Bestand an Insektenlarven, Schnecken und Kleinlebewesen immer mehr ab. Um einen Bachflohkrebs zu finden, müsse man unterhalb von Buchs schon Glück haben, zitiert «NZZ Folio» den obersten Zürcher Gewässerschützer.

Viel Petri Heil braucht auch der Würenloser Hobbyfischer Michael Hauser, der zusammen mit Kollegen den untersten Bachabschnitt bis zur Mündung in die Limmat gepachtet hat: Gerade mal 15 bis 20 Fische ziehen sie laut «NZZ Folio» pro Fangsaison von März bis September aus dem Wasser. Hauser, der auch den Fischerverein Würenlos präsidiert, sei sich bewusst, in einem der dreckigsten Gewässer der Schweiz zu fischen, verspeise den raren Fang aber gerne. Man schmecke nichts, und eine Bachforelle aus dem Furtbach sei ihm immer noch lieber als Pangasius aus Thailand, so «NZZ Folio».

Eine Einzelnummer der März-Ausgabe von «NZZ Folio» kann hier bestellt werden. Preis: CHF 13.80 inkl. Versandkosten.

«Kreuzfahrt» auf dem Furtbach

Die ersten…

1-furtbachbruecke

… und die letzten Meter des Furtbachs auf Würenloser Boden:

50

 

Dazwischen liegen rund 3,5 Kilometer, auf denen es links und rechts viel Altbekanntes, Vertrautes zu entdecken gibt. Aber ebenso viel Unbekanntes, Überraschendes, auch unscheinbar Wichtiges oder Schönes. Vieles von dem zeigt und kommentiert Hans Arnold in einer reich bebilderten Dokumentation.

«Der Furtbach, seine Häuser, Gärten und Brücken» kann gratis im Format PDF heruntergeladen und bei Bedarf auch ausgedruckt werden. Sie benötigen dazu Adobe Reader. Bitte haben Sie Geduld. Der Download benötigt einige Zeit.   Link anklicken zum Herunterladen:

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Viel Vergnügen auf der «Flussfahrt». Und übrigens: Hans Arnolds viel beachteten und gelobten zweiteiligenBeitrag über Würenloser Brunnen finden Sie hier und hier. (PF)

 

Osterüberraschungen für einen frisch Umgezogenen

Wegen Kanlabauarbeiten in derAltwiesenstrasse: Der 11er auf neuer Route durch die Buechzelglistrasse.
Wegen Kanalbauarbeiten in der Altwiesenstrasse: Der 11er auf neuer Route durch die Buechzelglistrasse.

Kurz vor unserer Züglete von der Buechmatt an die Haselstrasse stand eines Tages eine Fahrplantafel für den Bus 1 Würenlos-Killwangen an der Einfahrt zur Buechmatt. Zuerst fragte ich mich, ob mir als seinerzeitigem Mitinitianten des  Ortsbusess zum Abschied eine kleine Freude bereitet werden sollte. Doch das wäre doch etwas zu viel der Ehre gewesen. Es stellte sich heraus, dass der Ortsbus  wegen der Sanierung der Werkleitungen in der Altwiesenstrasse  umgeleitet wird und nun vorübergehend vor unserer früheren Haustür Halt macht.

Da freut sich selbst der Osterhase: Der neu gekieste Furtbachweg.
Da freut sich selbst der Osterhase: Der neu gekieste Furtbachweg.

Der Fussweg entlang dem Furtbach, ein Weg den ich oft gegangen bin, wenn ich von der Buechmatt  ins Dorf  oder zum Bus nach Wettingen gelangen wollte, ist wie auch ich in die Jahre gekommen. Bei regnerischem Wetter war er voller Pfützen. Doch nun, nachdem ich ein letztes  Mal zwischen unserem alten und neuen Heim  auf dem Weg unterwegs war, freute ich mich über das schöne Bild, das sich mir bot. Der Weg ist ausgebessert und mit gelblichem Mergel neu belegt worden. Obwohl er in Zukunft nicht mehr mein Weg von Zuhause ins Dorf  sein wird, werde ich diesen Weg  gerne gelegentlich nutzen und mich über einen schönen Spaziergang enlang dem Furtbach freuen.

Das Wöschhüsli

Wer hat sich nicht schon gefragt, zu welchem Zweck dieses hübsche Häuschen neben der Furtbachbrücke im Kempfhof gebaut wurde?

Das schmucke Wöschhüsli nahe der Brücke an der Bachstrasse.
Das schmucke Wöschhüsli nahe der Brücke an der Bachstrasse.


Wie mir die heutige Eigentümerin, Frau Michèle Meier, erzählte, wird sie immer wieder von Leuten befragt, wenn diese dort vorbeigehen. Auch Kinder meinten schon: «Gäll das isch doch es Häxehüsli?». Ob sie denn wie eine Hexe aussehe, habe sie gegengefragt.

Weshalb ich mich der Geschichte des kleinen Hauses annehme, hat einen besonderen Grund: Anfang der Siebzigerjahre erwarb die Bauunternehmung Schildknecht und Haderer in Wettingen die Liegenschaft Bachstrasse 53 und nutzte sie als Werkhof. Weil dieses kleine Haus auch dazugehörte und man dessen Platz gut als Deponieplatz hätte nutzen können, wollte man es abbrechen. Ich wehrte mich dagegen und konnte die Unternehmer davon überzeugen, dass es als historischer Bau erhaltenswert sei. Anerkennenswert sei erwähnt, dass die Bauunternehmung das Häuschen danach in Stand stellte.

Immer wenn ich heute daran vorbeikomme frage ich mich, welche Geschichten mir dieses Häuschen erzählen könnte, wenn ich die Tür öffnen würde, ähnlich einer Musikdose, bei der Musik ertönt, wenn man den Deckel öffnet.  Mit Erlaubnis von Michèle Meier öffne ich nun die Türe und lasse das Häuschen uns seine Geschichte erzählen.

Die Treppe zum Furtbach.
Die Treppe zum Furtbach.

Tatsache ist, dass ich schon viele Jahre auf dem Buckel habe, sicher an die zweihundert. Weil ich unbedeutend bin, wurde das Geburtsjahr nicht in den Türsturz eingemeisselt.  Sicher ist, dass ich als Wöschhüsli gedient habe. Hier im hinteren Teil des einzigen Raumes stand früher ein Holzofen mit einem kupfernen Kessi darüber. Gegenüber dem Eingang ist ebenfalls eine Türe und dahinter eine Treppe, die zum Furtbach hinunter führt.

In der rückwärtigen Wand kannst du noch zwei Löcher sehen. Sie dienten als Auflager für zwei Balken. Genau kann ich mich nicht mehr erinnern, aber die Konstruktion dürfte etwa so wie die Zeichnung unten ausgesehen haben.

Jede Woche trafen sich bei mir Frauen aus dem Kempfhof, um ihre Wäsche zu waschen. Zuerst feuerten sie tüchtig an und mengten dem Wasser geraffelte Kernseife bei, denn es gab damals noch
kein Waschpulver. War das Wasser heiss genug,

Die Löcher in der Wand für die Balkenkonstruktion.
Die Löcher in der Wand für die Balkenkonstruktion.

taten sie die Kochwäsche ins Kessi. Während dann
der Sud so vor sich hin köchelte, rührten und

stampften sie mit einer grossen Holzkelle öfters darin, damit die Seifenlauge die ganze Wäsche durchdringen konnte. Das war eine schwere Arbeit und der ganze Raum war so voller Dampf, dass sich die Frauen oft kaum sehen konnten. Das hinderte sie aber nicht daran, sich ihre Sorgen und Freuden zu erzählen und darüber zu berichten, was sich im Dorf so alles ereignet hatte.

Überm offenen Feuer wurde das Wasser im Kessel zum Kochen gebracht.
Überm offenen Feuer wurde das Wasser im Kessel zum Kochen gebracht.

War die Wäsche gekocht, wurde
sie mit einer grossen gelochten Kelle aus dem heissen Wasser gefischt und mit einem Korb zum Furtbach hinunter getragen. Dort wurde sie gespült und falls notwendig auf dem Waschbrett nochmals tüchtig geschrubbt.

Die Hausierer wussten, wann Waschtag war und dass sie dann fast alle Frauen dort antreffen würden. Zu dieser Zeit gab es noch kein Shoppingcenter und auch keinen Coop. Alles, was man zum täglichen Bedarf nötig hatte und nicht im eigenen Garten wuchs, kaufte man beim Hausierer. Nebst Nadeln, Faden, Wolle, Stoffen etc. hielt er auch Pülverchen und Salben gegen Hexenschuss oder Rheumaschmerzen, aber auch schöne Ringlein oder Ketten feil.

Ja, das war eine schöne Zeit. Dann aber wurden im Kempfhof Wasserleitungen verlegt und die meisten Familien hatten danach fliessendes Wasser im Haus. Das bedeutete auch das Ende meiner Funktion als Wöschhüsli.

Damit ich nicht nur unnütz herumstand, war ich bereit, einige Zeit als Unterkunft für Kälber zu dienen. Daran kann sich Isidor Moser, der seit seiner Geburt im Kempfhof lebt, noch gut erinnern. Als Bub kam er immer zu mir, um im Furtbach zu fischen. Hier fand er auch die nötigen Köder, nämlich Würmer, das hatte mit dem Kälbermist zu tun.

Das vom Verfall bedrohte Wäschhüsli vor der Aussenrenovation.
Das vom Verfall bedrohte Wöschhüsli vor der Aussenrenovation.

Bald ging auch diese Zeit vorbei. Die Tiere mussten sich an eine andere Bleibe gewöhnen, denn der Bauer, dem die Scheune mit Wohnhaus Bachstrasse 53 und meine Wenigkeit gehörten, verkaufte die Liegenschaft an einen Bauunternehmer. Ich fürchtete das Schlimmste.  Warum sollte ein Baumeister mich armes Hüsli, das am Verfallen war, noch erhalten? Meinen Platz konnte er als Deponieplatz besser nutzen. Ich versuchte mich unter dem Efeu zu verstecken. Das half aber nichts. Eines Tages warfen Bauarbeiter meine Ziegel vom Dach in eine Mulde und ich war überzeugt, meine letzte Stunde habe geschlagen.

Aber nein, statt mit dem Abbruch zu beginnen, ersetzten die Männer einige der morschen Balken und deckten mich mit schönen, handgefertigten Ziegeln wieder ein. Auch an meine Schönheit dachten sie und machten ein gründliches Facelifting. Die runzelige Steinfassade wurde sauber ausgefugt; Fenster und Türe wurden ersetz oder repariert. Ich sah schön aus und freute mich sehr darüber, und war dann auch gerne bereit als Magazin der Firma gute Dienste zu leisten.

Einige Jahre vergingen, das Baugeschäft wurde grösser. Die Liegenschaft genügte den Bedürfnissen nicht mehr. Mein Wohltäter verkaufte mich an Peter Frey, Cheminéebau Wettingen und der verkaufte mich dann später an Stefan Meier, Gipsergeschäft Wettingen. Damit begann für mich wieder ein anderes Leben.

Michèle Meier.
Michèle Meier.

Für die Tochter dieses Unternehmers, Michèle Meier, war ich ein beliebter Ort zu verweilen . Weil mein Inneres nicht mehr sehr gesund war und gelegentlich Steine aus den Wänden brachen, sagte Vater Meier zu seiner Tochter, er werde meine Innenseite auch einmal in Ordnung bringen, habe aber jetzt keine Zeit dazu. Sie solle alle Steine und den Ort wo sie heraus gefallen sind mit einer Nummer versehen. Als es dann aber viele Steine waren verlor Michèle die Übersicht, und so nahm sich der Gipsermeister Zeit, die Innenseite zu renovieren. Ihm muss ich ein grosses Kompliment machen. Er nahm nicht einfach einen Fertigmörtel, sondern mischte einen nach altem Rezept, der genau auf meine Bedürfnisse abgestimmt war. Ganz besonders freute ich mich darüber, dass die Mutter von Michèle für mich schöne Vorhänge nähte und mich so auch im Innern gut aussehen liess.

Es gab aber auch viele Momente des Schreckens, wenn Lastwagen mir zu nahe kam und mein Dach beschädigte. Der Dachdecker Wagner aus Wettingen pflegt mich dann und brachte den Schaden wieder in Ordnung.

Für die Nachbarskinder von Michèle war ich ein beliebter Aufenthaltsort. Gelegentlich übernachteten sie bei mir in Hängematten, die an meinen Balken befestigt waren. Inzwischen ist es bei mir wieder ruhiger geworden. Ich diene Michèle jetzt als Gartenhüsli und das ist mir auch recht so.  Nun aber genug der Geschichten. Schliesse mir die Türe, ich möchte nun meine Ruhe haben!