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Hoffnungsvoller Auftakt

Die Revision der Nutzungsplanung ist angelaufen.

Wer hätte das gedacht! Als letztes Jahr der Gemeinderat Würenloserinnen und Würenloser suchte für die Mitarbeit an der Gesamtrevision der Nutzungsplanung, staunte er nicht schlecht: Auf die Ausschreibung hin gingen nicht weniger als 40 Bewerbungen ein. Von wegen lokalpolitischem Desinteresse!

Dabei geht es ja nicht um einen unverbindlichen Karaoke- oder Kleidertauschabend, sondern um ein längeres Engagement mit grösserem Zeitaufwand – und um eine ziemlich wichtige Sache. Es gibt also noch Bürgerinnen und Bürger, welche die Zukunft ihres Wohnumfeldes mitgestalten wollen und sie nehmen ihre Mitarbeit ernst. Zur Startveranstaltung der Gesamtrevision im Gmeindschäller erschienen sie vollzählig – ohne Ausnahme.

Gut, hat der Gemeinderat – anders als anfänglich beabsichtigt – keine Auswahl aus all den Bewerbungen getroffen. Weil man längst nicht alle Bewerber gekannt habe, wäre dies auch schwer gefallen, sagt Gemeindeammann Toni Möckel. Für alle fand sich ein Plätzchen in einem Gremium.

Ich kam in der Arbeitsgruppe Verkehr unter, in dieser Gruppe als einziges Mitglied im Rentenalter übrigens. Die Arbeitsgruppe leistet Vorarbeiten für einen Kommunalen Gesamtplan Verkehr. Meinungsbildung und Ergebnisse der Arbeitsgruppe sind vertraulich, ich werde darüber an dieser Stelle nicht berichten. Die Nutzungsplanung dürfte trotzdem immer wieder Thema im würenblicker sein.

Die Nutzungsplanung ist kompliziert. Vorbereitet, gesteuert und begleitet wird sie denn auch von einem Team aus Fachleuten (Raum- und Verkehrsplaner, Juristen, Landschaftsarchitekt usw.). Primavista überzeugt deren Auswahl. Man könnte aufgrund früherer Erfahrungen (etwa in der Bürgergruppe der Testplanung 2009/10) befürchten, die Bürgermitwirkung bleibe eine reine Alibiübung. Ich glaube das nicht. Denn mittlerweile scheint beim Gemeinderat die Einsicht vorhanden zu sein, dass engagierte Bürger ernst genommen werden wollen und mit konstruktiven Beiträgen viel zum guten Gelingen komplexer Planungsprozesse beitragen können.

Letztlich muss in einer Demokratie ja die Bevölkerung sagen, welche Entwicklung die Gemeinde in den nächsten Jahrzehnten nehmen, welches Gesicht sie erhalten soll. Spätestens ums Jahr 2021 wird die Stunde der Wahrheit kommen, wenn die neue Bau- und Nutzungsordnung den Demokratietest an der Gemeindeversammlung bestehen muss.

Die jetzige Totalrevision unterscheidet sich von der letzten markant – in der Sache wie im Vorgehen. Materiell steht nicht länger die Ausweitung des Baugebiets im Vordergrund, sondern die Entwicklung nach innen: Im jetzigen Siedlungsgebiet sollen dereinst mehr Menschen wohnen als heute – wie viele mehr, das ist eine der Fragen, die gemeinsam zu klären sind.

Für den Einbezug der Bevölkerung wurde mit der Ausschreibung ein gänzlich neuer Ansatz gewählt. Das letzte Mal noch war die Spezialkommission weitgehend mit Parteileuten und Interessenvertretern besetzt. Dies hat meiner Ansicht nach zu einigen fragwürdigen und unzweckmässigen Festlegungen geführt.

Wie werden nun all die interessierten Bürger mitwirken?
– als Mitglied der Spezialkommission, die das ganze Geschäft bis zur Abstimmungsreife bringt, oder
– als Mitglied einer der drei thematischen Arbeitsgruppen (Natur + Landschaft/Landwirtschaft, Bau- und Nutzungsordnung, Verkehr) oder
– als Mitglied der Resonanzgruppe, welche die Arbeitsergebnisse der anderen Gremien laufend beurteilt, damit ja nicht an der Bevölkerung vorbei geplant wird.
Der Zeitaufwand ist unterschiedlich. Für Kommissionsmitglieder ist er erheblich grösser als für uns in einer Arbeitsgruppe.

Die Auftaktveranstaltung im Gmeindchäller hat mich hoffnungsvoll gestimmt. Ein breiter Mix von Leuten hatte sich da versammelt: Weniger der «üblichen Verdächtigen», denen man an lokalpolitischen Anlässen sonst begegnet. Um gefühlte 10 bis 20 Jahre niedriger war der Altersdurchschnitt als an einer durchschnittlichen Gemeindeversammlung, an der es nicht gerade um Schulbauten oder Sportanlagen geht.

Erfreulich viele Leute traf ich, die erst in den letzten Jahren zugezogen sind. Dass sie ihren neuen Wohnort mitgestalten wollen, ist sehr wertvoll, können sie das doch unbelastet von Vorgeschichten tun. Auch Frauen sind glücklicherweise dabei. Ihr Anteil hätte aber noch etwas grösser ausfallen dürfen, sind Frauen doch von raumplanerischen Entscheiden auf Gemeindeebene oft stärker betroffen als Männer – zum Beispiel als Mütter oder Konsumentinnen, die täglich im Dorf unterwegs sind.

Klar, der Tatbeweis ist erst noch zu erbringen, dass die gewählte offene Form der Bürgerbeteiligung zu einem guten Ergebnis führt. Aber die Vorfreude auf spannende und fruchtbare Diskussionen war im Gmeindschäller bei allen spürbar– auch beim Gemeinderat. Und das ist doch schon mal nicht wenig.

Liebe Leserin, lieber Leser, Sie haben sich aus irgendwelchen Gründen nicht um die Mitarbeit an der Nutzungsplanung beworben, möchten sich aber trotzdem in die Diskussion einbringen? Schreiben Sie als Gastautorin oder -autor einen Beitrag auf würenblicker! Bitte nehmen Sie mit mir Kontakt auf, damit wir die Modalitäten besprechen können. (Kontaktformular in der Kopfleiste).

Zukunft des Dorfes aktiv mitgestalten

Red. Hinweis: Carte Blanche für die politischen Akteure

Alle Ortsparteien und Gruppierungen, die sich mit Kandidaten an den Gemeindewahlen beteiligen, sowie alle Gemeinderatskandidaten, die ohne Ortspartei oder Gruppierung im Rücken antreten, können sich an dieser Stelle zu einem frei gewählten lokalpolitischen Thema äussern. Jeder Beitrag steht nach Möglichkeit vier Tage an erster Stelle im Blog. Den Anfang machten die SVP und BDP-Gemeinderat Lukas Wopmann. Nach dem Beitrag der Initiative 5436 folgen noch die Beiträge der FDP (26.8.) und der CVP (30.8.).

Drei Kandidaten, unterstützt von der Initiative 5436
(Autorin: Initiative 5436)

Die noch junge Initiative 5436 ist ein überparteilicher Verein, der wichtige Themen in unserem Dorf aufgreifen, diskutieren und Lösungsansätze jenseits der festgefahrenen Parteienlandschaft bieten möchte. Unsere Mitglieder haben alle einen engen Bezug zur Gemeinde und möchten dazu beitragen, dass unser Dorf weiterhin gut gedeiht und Gemeindeentwicklungsfragen in allen Belangen breit diskutiert werden. Dabei haben alle Mitglieder das Ziel, dass die sehr hohe Lebensqualität im Dorf erhalten oder sogar erhöht werden kann. Fragen der Raumplanung, Verkehrsführung, Schule, des Wohnens im Alter sowie kulturelle Veranstaltungen stehen im Vordergrund. Um unseren Zielen Nachdruck zu verleihen, haben sich drei Mitglieder bereit erklärt, für ein politisches Amt zu kandidieren.

Katrin Brunner (links), Leonie Brogle (Mitte) und Corinne Jakob Egger (rechts).
Gemeinderat: Corinne Jakob Egger lebt seit einem Jahr mit ihrem Sohn in Würenlos und fühlt sich hier sehr gut aufgehoben. Als Teamleiterin ist sie in der IT bei einem grossen Versicherungskonzern in Oerlikon tätig. Sie ist naturverbunden und geniesst die schöne Landschaft in und um Würenlos auf dem Velo oder Pferd. An Würenlos schätzt Corinne die gute Infrastruktur der Gemeinde mit ihrem vielfältigen Angebot und dass Würenlos trotz des rasanten Wachstums den Dorfcharakter beibehalten konnte.

Corinne bringt bereits politische Erfahrung als Gemeinderätin in ihrer früheren Wohngemeinde mit. Sie verfügt über grosse Führungserfahrung aufgrund ihrer beruflichen Tätigkeit und ist es gewohnt, lösungsorientiert und effizient zu arbeiten. Corinne liegen vor allem raumplanerische Fragen und die langfristige Entwicklung in unserem Dorf am Herzen. Sie erachtet die Revision der Bau- und Nutzungsverordnung als grosse Chance. Damit stellt die Gemeinde die Weichen für ein strukturiertes Wachstum, Schule und Verkehr. Hier wird sie sich aktiv und mit Herzblut einbringen, damit die Grundlage sorgfältig erarbeitet wird und alle Einwohner daran teilnehmen können.

Schulpflege: Katrin Brunner lebt seit über 20 Jahren mit ihrer Familie in unserer Gemeinde. Auch Katrin ist mit dem Dorf stark verbunden. In ihrer Freizeit liest sie gerne, widmet sich ihren beiden Teenietöchtern oder ist im Dorf mit dem Hund unterwegs. Würenlos ist für sie ein Ort, in dem man nicht nur wohnen, sondern auch leben sollte. Katrin ist dipl. Steuerexpertin und hat genaue Vorstellungen, was das Amt als Schulpflegerin beinhaltet. Sie konnte die Schule Würenlos bereits als Klassenassistentin und als Mitglied der Elternmitwirkung kennenlernen. Aufgrund ihrer breiten Ausbildung sowie ihrer hohen Sozialkompetenz wird sie das Team der Schulpflege mit Sicherheit gut ergänzen und verstärken. Ein wichtiges Anliegen ist ihr hier der Ausbau und die Finanzierung des Mittagstischs. Ausserdem wird sie sich dafür einsetzten, dass eine offene und respektvolle Informations- und Gesprächskultur zwischen der Schule und den Eltern gefördert wird.

Stimmenzählerin: Leonie Brogle besucht die Kantonschule in Wettingen im dritten Jahr. In ihrer Freizeit spielt sie leidenschaftlich gerne Volleyball. Sie ist in Würenlos aufgewachsen und auch sie betrachtet unser Dorf als Heimat und findet es wichtig, sich auch als junge Person zu engagieren. Leonie hat die Politik in ihren Adern. Sie hat bereits zwei Mal an der Eidgenössischen Jugendsession in Bern teilgenommen. Ab November wird sie als Gruppenleiterin für die Jugendsession tätig sein. In unserem Dorf möchte sie sich für die Erhaltung und bessere Nutzung der Zentrumsscheune einsetzen, damit dieses schöne und markante Gebäude erhalten werden kann und als Treffpunkt der Generationen genutzt wird.

Wir von der Initiative 5436 sind stolz darauf, drei so gut versierte Kandidaten gefunden zu haben und freuen uns auf die Zukunft unseres Dorfes, die wir aktiv mitgestalten werden.

Bitte beachten Sie auch den neu aufgeschalteten Beitrag über das Parkieren auf dem Schulhausplatz.

Das rote Häuschen

Würenlos wird in den nächsten vier Jahren seine Nutzungsplanung überarbeiten. Das wird noch viel zu reden geben, auch im würenblicker. Denn es geht um Weichenstellungen für die kommenden Jahrzehnte. Würenlos wird weiter wachsen – die kantonalen Raumplanung zählt unser Dorf zum so genannten «urbanen Entwicklungsraum». Anders als bei früheren Revisionen steht nun nicht mehr die Ausweitung des Siedlungsgebietes im Vordergrund, sondern die bauliche Entwicklung «nach innen». Ein fast schon philosophischer Einstieg ins Thema von Hans Arnold. (Red.)

Inmitten von Neubauten steht das renovierte, dunkelrote Häuschen im Zentrum von Rüti ZH*. (Foto: Leonhard Arnold)

Nicht ganz dicht – unter diesem Titel erschien im «Tages-Anzeiger»  vom 25. Januar ein Text über die bauliche Verdichtung inZentrum von Rüti im Kanton Zürich. Links vom roten Haus (auf dem Bild oben in der Mitte) war ein kleines Hochhaus geplant, als Ergänzung zu den anderen Neubauten. Es gab Einsprachen, und schliesslich einigte man sich auf diese Lösung. An Stelle des Hochhauses entstand ein Neubau (links), der sich architektonisch dem Dorfbild anpasst, und das Häuschen blieb stehen.

Auch Würenlos muss sich in Zukunft mit der Frage der Verdichtung befassen. An der letzten Gemeindeversammlung wurde ein Kredit von Fr. 525’000 für die «Gesamtrevision der Allgemeinen Nutzungsplanung». gesprochen. Überarbeitet wird also das lokale Gesetzeswerk, das besagt, wo und wie gebaut werden darf.

In der Vorlage ist nachzulesen:«Das Raumplanungsgesetz fordert verstärkte Anstrengungen zu einer nachhaltigen Siedlungsentwicklung nach innen.» Mit dieser Umschreibung wurde der ungeliebte Begriff «Verdichten» geschickt umgangen.

Mich erinnert das Bild dieses Häuschens an ein Szenario, das Sie wahrscheinlich auch bei sich zu Hause antreffen. Als sie Ihre Wohnung einrichteten, kauften sie zeitgemässes Mobiliar. Von Ihrer Grossmutter haben sie einen alten Sekretär oder ein anderes schönes Möbelstück geerbt. Sie freuen sich immer wieder über das Erbstück, denn es ist mit vielen  Erinnerungen verbunden, während sie die anderen Möbel weniger beachten.

Wahrscheinlich nutzen sie dieses Erbstück, um Kinderzeichnungen, Liebesbriefe aus schönerer Zeit oder ähnliche Kostbarkeiten aufzubewahren. Also Sachen, die Sie nicht täglich brauchen, denn die Schubladen sind schwergängig und können nicht voll herausgezogen werden. Gegenstände, die wir täglich gebrauchen, versorgen wir lieber in einem modernen Möbel, bei dem sich die Schubladen auf Rollen ganz herausziehen lassen und sich  von selber wieder schliessen.

Und ist es mit diesem roten Häuschen nicht ähnlich? Alle sehen das Kleinod, viele halten es für das schönste Haus an diesem Ort. Stehen sie aber vor der Wahl, im Altbau oder im Neubau wohnen zu dürfen, werden sie Vergleiche anstellen.

Dieses rote Bijou hat keinen Lift, also wie gelange ich ins Obergeschoss mit meinem kaputten Rücken? Die Türen haben Schwellen, und das ist für meinen Rollator schwierig. Der Balkon ist nur 2 Quadratmeter gross, wie soll ich da einen Liegestuhl und einen Tisch mit Stühlen platzieren? Das Wohnzimmer misst nur 18 Quadratmeter, wie kann ich da meine Sofalandschaft unterbringen? Die Küche ist klein und das Haus hat auch keine Garage, also muss ich mein geliebtes Auto draussen stehen lassen.

Im Neubau hingegen finde ich einen Lift, das Wohnzimmer ist mit 40 Quadratmeter angemessen gross, auf dem Balkon kann ich meine Outdoor-Sofalandschaft unterbringen, ja, und die Küche steht im Wohnzimmer und ist mit den neuesten Apparaten wie Steamer und Mikrowellenofen ausgerüstet. Das erlaubt mir, in Anwesenheit meiner Gäste diese von meinen Kochkünsten zu überzeugen. Schaue ich aus den Fenstern des hübschen Häuschens, sehe ich nebenan stillose Neubauten. Umgekehrt aber, wenn ich aus den Fenstern der Neubauten schaue, habe ich eine schöne Sicht auf das rote Kleinod.

Vielleicht ist die Überbauung in Rüti deshalb ein guter Kompromiss.  Wir wohnen so, wie es unseren Bedürfnissen entspricht und freuen uns am Erbstück in Sichtweite, das von der Vergangenheit erzählt.

*  Rüti ZH figuriert im Inventar der schützenswerten  Ortsbilder der Schweiz von nationaler Bedeutung (ISOS) und zwar in der Kategorie  «verstädtertes Dorf». Würenlos figuriert nicht im ISOS, wohl aber das zu unserer Gemeinde gehörende Kloster Fahr und zwar in der Kategorie «Spezialfall».  Zur Liste aller 1274  schützenswerten Ortsbilder von nationaler Bedeutung geht es hier: ISOS