{"id":4208,"date":"2021-06-26T15:48:53","date_gmt":"2021-06-26T13:48:53","guid":{"rendered":"https:\/\/wuerenblicker.ch\/wp\/?p=4208"},"modified":"2021-06-29T11:34:58","modified_gmt":"2021-06-29T09:34:58","slug":"auch-das-doerfliche-hat-seinen-preis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wuerenblicker.ch\/wp\/auch-das-doerfliche-hat-seinen-preis\/","title":{"rendered":"Auch das D\u00f6rfliche hat seinen Preis"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>\u00abDas D\u00f6rfliche soll bleiben\u00bb, \u00abW\u00fcrenlos soll nicht um jeden Preis wachsen\u00bb \u2013 so und \u00e4hnlich lauten die beh\u00f6rdlichen Kommentare zur Gesamtrevision der allgemeinen Nutzungsplanung (<a href=\"https:\/\/www.badenertagblatt.ch\/aargau\/baden\/wuerenlos-bauboom-sorgt-fuer-700-neue-einwohner-bis-2030-migros-sucht-standort-im-zentrum-ld.2154760\">Link zu BT-Bericht<\/a>). Am 15. Juli startet das \u00f6ffentliche Mitwirkungsverfahren zu dieser Planungsvorlage, die das k\u00fcnftige Gesicht von W\u00fcrenlos pr\u00e4gen wird.&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/wuerenblicker.ch\/wp\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Konkordia_Personal.tif\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/wuerenblicker.ch\/wp\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Konkordia_Personal.tif\" alt=\"\" class=\"wp-image-4211\"\/><\/a><figcaption>Einkaufsfreuden im  Dorf von einst: Auslage mit Frischprodukten und Personal (Paula Lienhammer, links, und R\u00f6sli G\u00fcnter) vor dem fr\u00fcheren Kaufhaus Konkordia an der Bachstrasse, vor 1962. (Bild: Familienbesitz Dahinten)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Die Stossrichtung der Revision \u2013 <strong>weder Einzonungen noch Aufzonungen in gr\u00f6sserem Ausmass<\/strong> \u2013&nbsp; d\u00fcrfte  der vorherrschenden Stimmung in der Bev\u00f6lkerung Rechnung tragen. Es war jedenfalls der Tenor an den \u00f6ffentlichen Workshops zur Nutzungsplanung. In der W\u00fcrenblicker-Langzeit-Umfrage zur Bev\u00f6lkerungsentwicklung (siehe rechte Randspalte) finden gar \u00fcber die H\u00e4lfte der 329 bis heute Antwortenden, das der Nutzungsplanrevision zugrundegelegte <strong>Wachstumsziel von 7300 Einwohnern<\/strong> in 15 Jahren sei zu hoch. Dabei erwartet der Kanton in seiner Bev\u00f6lkerungsprognose, welche die allgemeine Dynamik im Raum Limmattal ber\u00fccksichtigt, f\u00fcr W\u00fcrenlos eine Bev\u00f6lkerungszunahme auf fast 7600 Einwohnerinnen und Einwohner im gleichen Zeitraum.<\/p>\n\n\n\n<p>D\u00f6rflicher Charakter eines Ortes ist gut und recht, aber <strong>was ist eigentlich darunter zu verstehen<\/strong>? Ganz Unterschiedliches, wie die W\u00fcrenloser Bev\u00f6lkerung mit ihrem Verhalten zeigt.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die einen ist es vor allem der <strong>bauliche Charakter<\/strong>. Die &#8222;H\u00e4uschen-Schweiz&#8220;, aus der Kindheit vertraute Giebeld\u00e4cher, gepflegte Vorg\u00e4rten, gem\u00fctliche G\u00e4sschen und Ecken. Ob es noch die Wurst vom Dorfmetzger und den Sonntagszopf vom Dorfbeck gibt, ist ihnen egal. Man deckt sich ohnehin im T\u00e4gi oder Shoppy ein.<\/p>\n\n\n\n<p>Andere verstehen unter dem D\u00f6rflichen vor allem ein bestimmtes <strong>soziales Zusammenleben<\/strong>. Man gr\u00fcsst sich auf der Strasse, man kennt das halbe Dorf. Man verbringt die Freizeit im eigenen Verein und an geselligen Anl\u00e4ssen anderer Vereine.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr andere wiederum ist <strong>das Funktionale<\/strong> wesentlich. Man kann im Dorf fast alles kaufen, was man f\u00fcrs t\u00e4gliche Leben so braucht. Wenn der Wasserhahn rinnt oder wenn der Zahn schmerzt, ist der Fachmann oder die Fachfrau nicht weit. Die Schulwege sind kurz, und zum Spielen sind die Kinder nicht auf das sterile Spielpl\u00e4tzchen hinter dem Haus angewiesen, irgendwo im Dorf warten auf sie gr\u00f6ssere Abenteuer.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich bedingen sich diese verschiedenen d\u00f6rflichen Aspekte ein St\u00fcck weit gegenseitig. Doch f\u00fcr ein Lebensgef\u00fchl in pitoreskem Dorfbild hat man ja sein Chalet im B\u00fcndnerland. Und wer einen netten Pool im Garten hat, kann auf das d\u00f6rfliche Schwimmbad pfeifen. Wer lieber zur\u00fcckgezogen lebt, verzichtet noch so gern auf den zeitraubenden Schwatz mit Kretipleti beim Einkaufen. Und wer sein Kind ohnehin mit dem SUV zur Schule karrt, dem sind die Schulwege anderer Kinder schnurz. Kurzum: Jede und jeder kann<strong> auf seine Art gl\u00fccklich <\/strong>werden. Und dies ist eigentlich das pure Gegenteil des D\u00f6rflichen. Denn schon vor Jahrhunderten hiess es: Stadtluft macht frei!<\/p>\n\n\n\n<p>Dass jetzt der <strong>Dorfkern vermehrt Beachtung<\/strong> finden soll, ist bemerkenswert.&nbsp; Denn einen Dorfkern nach landl\u00e4ufiger Auffassung hatte W\u00fcrenlos nie. Die fr\u00fchere Siedlung zog sich <strong>drei wichtigen Strassenz\u00fcgen entlang<\/strong> \u2013 der Land, Schul- und Dorfstrasse und mittendrin die Zentrumswiese. Dichter war die Bebauung auch noch an der M\u00fchlegasse und am mittleren Teil des Furtbachs. An der Land- und Schulstrasse ist der d\u00f6rfliche Charakter von fr\u00fcher nur noch bruchst\u00fcckhaft ablesbar. <\/p>\n\n\n\n<p>Es hat also schon seine Richtigkeit, dass, wer durch unser Dorf f\u00e4hrt (oder geht!), gar nicht richtig mitbekommt, wo eigentlich das Zentrum liegt. Das Dorfzentrum muss neu erfunden werden. Doch <strong>was geh\u00f6rt in ein Dorfzentrum des 21. Jahrhunderts<\/strong>? Mehr Einkaufsl\u00e4den \u2013 die immer mehr vom Online-Shopping konkurrenziert werden? Mehr Beizen \u2013 wo schon einige der bestehenden kaum \u00fcber die Runden kommen? Die Post \u2013 wo wir um die bestehende f\u00fcrchten m\u00fcssen? Mehr Gesundheits- und Wohlf\u00fchlpraxen \u2013 ob wir uns das auch k\u00fcnftig leisten k\u00f6nnen?&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die <strong>Nachfrage nach Wohnraum<\/strong> \u00fcbersteigt heute schon das Angebot betr\u00e4chtlich. Wohnen in W\u00fcrenlos ist <strong>sehr teuer <\/strong>geworden. Sollte der Boom anhalten und sollten sich die Baulandreserven und Verdichtungsm\u00f6glichkeiten trotz Revision der Nutzungsplanung fr\u00fchzeitig ersch\u00f6pfen, w\u00fcrde es noch viel teurer werden. Dieser Preis w\u00e4re nicht in Geld zu bezahlen und h\u00e4tte einen Namen: <strong>Gentrifizierung<\/strong> \u2013 einkommensschw\u00e4chere w\u00fcrden durch wohlhabendere Haushalte aus der Gemeinde <strong>verdr\u00e4ngt<\/strong>. Gut zu beobachten im Kanton Zug, in Ausserschwyz, an beiden Z\u00fcrichseeufern.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Das Leben in W\u00fcrenlos und dessen d\u00f6rflicher Charakter sind heute <strong>stark gepr\u00e4gt von einer sehr gemischten Bev\u00f6lkerung<\/strong> und einem <strong>breiten Mittelstand<\/strong>. Sollte dessen einkommensschw\u00e4chere Teil aus der Gemeinde vertrieben werden, weil er sich das Wohnen hier nicht mehr leisten kann, dann w\u00e4re der Preis des D\u00f6rflichen endg\u00fcltig <strong>zu hoch<\/strong>!&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-green-color has-light-gray-background-color has-text-color has-background\"><strong>Kampfwahl um Gemeinderatssitze<\/strong><br \/><br \/>Am 29. September kommt es bei der Gesamterneuerungswahl des Gemeinderates zu einer Kampfwahl: Die w\u00e4hlerst\u00e4rkste Ortspartei, die SVP, will auch wieder im Gemeinderat vertreten sein und hat den 40-j\u00e4hrigen <strong>Steven Schraner<\/strong> als Kandidat nominiert. Dies hat dieser selbst  in der Facebook-Gruppe \u00abDu bisch vo W\u00fcrelos\u00bb bekannt gegeben. Bankfachmann Schraner ist bekannt geworden durch seinen Kampf <strong>gegen die Maskenpflicht<\/strong> an aargauischen Primarschulen. Nun setzt er sich f\u00fcr den <strong>Bau eines Pumptracks<\/strong> (Piste mit Buckeln und Steilw\u00e4nden f\u00fcr BMX-Bikes) in W\u00fcrenlos ein und hat daf\u00fcr einen Verein mitbegr\u00fcndet.<br \/><br \/>Nun meldet das &#8222;Badener Tagblatts&#8220;  am 29. Juni,  dass auch die FDP beschlossen hat, ihren durch R\u00fccktritt von Markus Hugi (FDP) auf Ende der Amtsperiode freiwerdenden zweiten Sitz zu verteidigen. Neben dem bisherigen <strong>Nico Kunz <\/strong>kandidiert f\u00fcr die FDP deren Ortsparteipr\u00e4sident <strong>Consuelo Senn<\/strong> (58). Ausserdem kandidieren erneut Gemeindeammann Ton<strong>i M\u00f6ckel<\/strong> (parteilos) sowie <strong>Barbara Gerster<\/strong> <strong>Rytz<\/strong> und <strong>Lukas Wopmann<\/strong> (beide Die Mitte (ehemals CVP). <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-dark-gray-color has-light-gray-background-color has-text-color has-background\"><em>(Dieser Textkasten ersetzt eine fr\u00fchere Meldung \u00fcber die SVP-Kandidatur.)  <\/em><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00abDas D\u00f6rfliche soll bleiben\u00bb, \u00abW\u00fcrenlos soll nicht um jeden Preis wachsen\u00bb \u2013 so und \u00e4hnlich lauten die beh\u00f6rdlichen Kommentare zur Gesamtrevision der allgemeinen Nutzungsplanung (Link zu BT-Bericht). Am 15. 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