Wir müssen jetzt am Kunstrasenplatz dranbleiben (Gastbeitrag)

Nach der gemeinderätlichen Orientierungsversammlung vom
12. November 24 erschien im würenblicker ein Beitrag zum kurzfristig abgesetzten Traktandum der Gemeindeversammlung vom 3. Dezember, dem Verpflichtungskredit für einen neuen Kunstrasen-Sportplatz im Tägerhard. Dazu ist ein Kommentar von Daniel Zehnder eingetroffen. Weil die Reaktion aus Kreisen des SV Würenlos die Länge eines Blog-Kommentars sprengt, wird sie  als Gastbeitrag veröffentlicht.

Wir sind froh, dass würenblicker die Thematik eines zweiten Sportplatzes im Tägerhard in Form eines Kunstrasenplatzes im Würenblicker aufgreift. Zu den Ausführungen braucht es jedoch ein paar Berichtigungen und Ergänzungen.

Der SV Würenlos ist in der Sportkommission genau mit einer Stimme vertreten. Ich, Dani Zehnder, darf den SVW seit 2011 in dieser Kommission vertreten. Damit bin ich mit recht grossem Abstand langjährigstes Kommissionsmitglied und meine zu wissen, was in der Sportkommission mit Erfolg lanciert werden kann und was eher nicht. Weiter ist der SVW in dieser separat für die Ausarbeitung des Kunstrasenprojekts durch den Gemeinderat beauftragten Arbeitsgruppe ‘Erweiterung Sportplatz Tägerhard’ zwar mit zwei Mitgliedern auch vertreten, aber nur unser Präsident Edgar Gut hat dort ein Stimmrecht. Ich darf in der Arbeitsgruppe auch mittun und versuche dabei, mein Wissen zweckmässig einzubringen, darf aber nicht mitstimmen, wenn es um die Wurst geht.

Der Vorschlag bzw. Antrag des SVW an der Wintergemeinde 2023 war es, wie Peter Früh richtig schreibt, die Ausarbeitung des Bauprojekts inkl. einem belastbaren Verpflichtungskredit selbständig vorzubereiten, im Sinne einer Vorfinanzierung. Dass wir, der SVW, das mit der nötigen Sorgfalt gemacht und die jetzt aufgetretenen Schwierigkeit ebenfalls rechtzeitig erkannt hätten, kann ich Dir gerne versichern (vielleicht wäre es einfach etwas schneller gegangen…). Dass der Gemeinderat an der Versammlung dann das Tempo etwas rausnahm und anpasste, um dann an Sommergemeindeversammlung 2024 vorerst über den Projektierungskredit abstimmen lassen zu können, wurde von den anwesenden Würenloserinnen und Würenlos verstanden. Mit der Deutlichkeit der Zustimmung haben sie aber gleichzeitig klar signalisiert, dass mit dem Kunstrasenplatz im Tägerhard vorwärts gemacht werden soll. Genau das war auch die Absicht des SVW, und nichts anderes.

Nun müssen wir etwas ausholen: Im Herbst des Jahres 2019 hat uns der Gemeinderat an einer Sitzung zur Klärung der baurechtlichen Situation auf der Parzelle im Tägerhard, dort wo heute das Garderobengebäude steht, folgendes mitgegeben (festgehalten in einem Kurzprotokoll zu dieser Sitzung): «Ein zweiter Sportplatz im Tägerhard ist in sehr weiter Ferne. Man hält den Platz einfach frei.» Die Situation mit den Würenloser Sportplätzen war aber schon damals nicht viel anders als heute. Die Plätze waren sehr gut belegt und teilweise auch bereits übernutzt. Zu was dann ein wettertechnisch nasses Jahr führen kann, haben alle erfahren, die sich in diesem Jahr auf den Rasenplätzen von Würenlos sportlich betätigt haben. Und die Hallenbelegung stellt schon seit vielen Jahren eine besondere Herausforderung dar, und eben nicht nur für den Fussball, sondern auch für die anderen  Sportvereine.

Dass wir nun unter diesen Voraussetzungen versucht haben, den Bau eines zweiten Sportplatzes im Tägerhard voranzutreiben, ist, meinen wir, nachvollziehbar. Dass Peter Früh hier von einem ‘Trumpschen Powerplay’ des SVW spricht, ist in unseren Augen schon ein polemischer Missgriff der gröberen Art und für uns absolut nicht verständlich. Es geht uns um die zweckmässige Nutzbarkeit und Attraktivität der Sportanlagen in Würenlos als Gesamtes, wovon schliesslich alle Sportvereine profitieren würden. Und dies umso mehr, als ein zweiter Sportplatz im Tägerhard im ‘Ganzheitlichen Sportanlagenkonzept’ der Gemeinde aus dem Jahr 2015 nämlich bereits vorgesehen war.

Und nun zu den Kosten: Es ist in Fachkreisen unbestritten, dass ein neuer Kunstrasenplatz auf einer grünen Wiese – d.h. in einem einigermassen horizontalen Gelände, mit vernünftig sickerfähigem Untergrund und verkehrlich erschlossen – für rund CHF 2.0 bis 2.5 Mio. realisiert werden kann. Auf einem bestehenden Naturrasen kann ein Kunstrasen sogar für CHF 1.5 Mio realisiert werden, wie das vor wenigen Tagen an der Fislisbacher Gemeindeversammlung genehmigte Projekt belegt. Nun haben wir im Tägerhard eine andere Ausgangslage: Wir bauen auf einer ehemaligen Kiesgrube, wo bis in eine Tiefe von rund 40 Meter Kies abgebaut und mit Material wiederaufgefüllt wurde. Dieses Material ist setzungsempfindlicher und vor allem deutlich undurchlässiger als das abgebaute Kies, was das Bauen aufwendiger und somit teurer macht. Wieviel teurer das am Ende sein wird, muss und soll in dieser Arbeitsgruppe nun genauer analysiert werden.

Aufgrund eines ersten Projektentwurfs wurden vom beauftragten Planer mit CHF 4.6 Mio deutlich höhere Kosten abgeschätzt als erwartet wurde oder auch erwartet werden konnte. Diese Mehrkosten gegenüber den ‘Standardkosten’ sind auf die oben beschriebenen Mehraufwendungen infolge der notwendigen Baugrundverbesserung und dem Bau einer funktionstüchtigen und den Vorgaben entsprechenden Versickerungsanlage zurückzuführen. Diese Mehrkosten von gut CHF 2.0 Mio sind der wesentliche Kostentreiber, welcher im Übrigen auch entstehen würde, wenn dort ein Naturrasenplatz erstellt würde.

Dass im Tägerhard die baulichen Randbedingungen nicht ganz einfach sind, ist natürlich keine neue Erkenntnis und führte beim Bau des ersten Sportplatzes für eine fast einjährige Bauverzögerung  und zu Mehrkosten. Der im Jahr 2018 fertiggestellte Naturrasenplatz kostete schliesslich CHF 1.54 Mio und wurde mit einem Beitrag von CHF 0.25 Mio vom Swisslos-Fonds unterstützt.

Die Kostenabschätzung für CHF 4.6 Mio. liegt nun seit Mitte September 2024 vor. Eine erste Sitzung in der Arbeitsgruppe fand leider erst vergangene Woche statt, zwei Monate nach Bekanntwerden dieser neuen Zahlen. Rückblickend müssen wir sicher sagen, dass Angaben zu Kosten erst nach Vorliegen eines Projekts sinnvoll sind, da haben wir uns als SVW sicher etwas zu stark auf die ‘Standardkosten’ für Kunstrasenplätze, aber auch auf die Kosten des im Tägerhard realisierten Naturrasenplatzes berufen.

Ein gutes Bauprojekt braucht Zeit, insbesondere wenn die Randbedingungen anspruchsvoll sind, das versteht auch der SV Würenlos. Geben wir der Arbeitsgruppe ‘Erweiterung Sportplatz Tägerhard’ diese Zeit, um alle Möglichkeiten zu prüfen, wie die Kosten reduziert und optimiert werden können. Aber wir müssen jetzt dranbleiben! Und selbstverständlich werden die Würenloserinnen und Würenlos am Ende mit transparenten Zahlen bedient, um schliesslich selbst entscheiden zu können, ob dieser dringend benötigte zweite Sportplatz im Tägerhard in Form eines Kunstrasenplatzes realisiert werden soll.

Dass im Journalismus auch eine etwas weniger polemische Berichterstattung möglich ist, zeigt übrigens der Artikel im Badener Tagblatt zur kürzlich durchgeführten Fislisbacher Abstimmung. Der Kunstrasen in Würenlos ist kein Ellenbogenprojekt fanatischer Trumpfans, sondern eine wirklich bitter benötigte Voraussetzung für tausende von ehrenamtlich geleisteten Stunden in der dörflichen Jugendarbeit, die auch dann gewertschätzt werden sollte, wenn die eigenen Interessen in der ebenfalls wichtigen (und von der Gemeinde ihrerseits bestens unterstützten) Kulturarbeit liegen.

3 Gedanken zu „Wir müssen jetzt am Kunstrasenplatz dranbleiben (Gastbeitrag)“

  1. Zum Beitrag von Daniel Zehnder halte ich nur Folgendes fest. Ich habe keineswegs alle Kunstrasen-Unterstützenden aus dem SVW als «Trumpisten » bezeichnet. In zugegeben polemischer Art habe ich jene zwei Votanten zitiert, die offenbar glaubten, aus taktischen Gründen die möglichen Kosten eines neuen Kunstrasenplatzes «kleinreden» zu müssen. Wie vor allem der eine aufgrund «eigener Berechnungen» auf Kosten von CHF 1,5 bis 2 Mio. kommen konnte, war und ist nicht nachvollziehbar. War doch laut Gastbeitrag von D. Zehnder der Naturrasenplatz im Tägerhard mit Bruttokosten von CHF 1,54 Mio. abgerechnet worden und kostet Kunstrasen statt Naturrasen CHF 700’000 mehr. Gemeinderat Lukas Wopmann hatte im Juni von möglichen Kosten in der Höhe von 2,5 bis 3,5 Millionen gesprochen – lag damit zwar aus heutiger Sicht zu tief, aber es bestand damals für die beiden SVW-«Influencer» kein Anlass, seine Angaben in Zweifel zu ziehen.

    1. Schön, dass würenblicker im Sinn einer belebten Diskussion den Gastbeitrag von Dani Zehnder veröffentlicht. In Peter Frühs Replik bleibt er allerdings bei der Unterstellung, die Kosten seien von zwei Votanten des SVW taktisch kleingeredet worden. Dies geben jedoch alleine schon die Fakten nicht her. Denn auch noch ohne vertiefte Analyse des ersten Kostenentwurfs ist allen mit der Materie einigermassen Vertrauten klar, dass das Problem der Untergrund ist, für den die Sportvereine im Dorf nun wahrlich nichts können. Dass der Planer in seinem ersten Entwurf hier CHF 2 Mio Mehrbedarf sieht, war in dieser Höhe nun wirklich für niemanden vorhersehbar. Auch die Erfahrung mit dem Tägi 1 gibt das in dieser Höhe schlicht nicht her. Ob nun die Untergrundstabilisierung tatsächlich in dieser Höhe einschenken muss oder ob es Alternativszenarien dazu gibt, wird sich nun in der weiteren Bearbeitung zeigen. Übrigens, kein Sportverein im Dorf strebt eine gesunde Infrastruktur zur Trump’schen Selbstverwirklichung an: Die Menge und Qualität ehrenamtlicher Jugendarbeit im Würenloser Sport kann ich dir gerne bei Gelegenheit einmal vorrechnen. Mein Argument ist dasselbe wie ich es in Diskussionen um unsere beiden Kirchen im Dorf vorbringe: Malen wir uns doch einfach einmal aus, was für ein Dorf Würenlos noch wäre, hätten wir eines Tages nicht nur keine Post mehr, sondern auch keine Sportvereine, keine Kirchen und auch keinen Kulturkreis und die vielen anderen Vereine mehr. Jeder Franken für die viele ehrenamtliche Arbeit, die in diesen Bereichen geleistet wird, ist sehr, sehr sinnvoll investiertes Geld.

  2. 4 Millionen Franken sind eine Menge Geld. Viele Sportler aus den Nachbargemeinden trainieren in Würenlos. Daher muss auch geprüft werden, ob es in den Nachbargemeinden geeignete Flächen geben kann, wo mit weniger Kosten gebaut werden kann. Der wiederaufgefüllte Untergrund mag sich auch später noch setzen. Ein denkbarer Ansatz mag daher sein, einen normalen Rasenplatz zu bauen. Wenn sich der Boden langfristig beruhigt hat, und es keine Nachsetzungen mehr gibt, dann kann man später einen Kunstrasen setzen. Wichtig ist, dass ein Geologe gehört wird.

    Die Aussage „finanzielle Dribbelkünstler“ ist zugegeben sehr erfrischend. Ich unterstelle aber niemandem Vorsatz, weder in den Vereinen noch sonstwo. Denn da müsste man auch bei anderen Punkten schauen… Was das Alterzentrum anbelangt, gäbe es wohl 2 Millionen Gründe.

    An der Winter-Gemeindeversammlung 2023 sollte eigentlich über einen Verpflichtungskredit für den Neubau eines grösseren Trinkwasserreservoirs abgestimmt werden. Der geplante Betrag wäre CHF 3-4 Mio gewesen, knapp die Kosten eines Sportplatzes. Bisher wird das Reservoir nachts gefüllt. Tagsüber sind die Pumpen abgestellt. Die Sommer GV 2023 hiess einen Vernehmlassungsantrag aus ihren Reihen gut: zu untersuchen sei, ob man zukünftig tagsüber Wasser fördern könnte, anstatt ein grösseres Reservoir zu bauen. Dies auch, um überschüssige PV-Energie tagsüber zu nutzen. Der Gemeinderat liess speditiv die Untersuchung durchführen. Sie liegt jetzt vor und wird ausgewertet. Die Erkenntnisse werden auch für die Nachbargemeinden und deren Reservoirbewirtschaftung federführend sein.

    Mit einem kritisch konstruktiven Ansatz bei der Infrastrukturplanung sind Einsparpotentiale grösser CHF 4 Mio nicht unrealistisch. Überraschungen bieten dabei insbesondere unbeachtete Themen. Würenlos ist Mitglied des Zweckverbandes der KVA Turgi. Für CHF 323 Mio soll die jetzige Kehrichtverbrennungsanlage durch eine neue ersetzt werden. Im letzten Jahr bewilligte die Delegiertenversammlung ein Budget von CHF 17 Mio zur Ausarbeitung des Bauprojektes. Der erste Haken: Das Konzept und die Wirtschaftlichkeit basieren auf der Annahme eines konstanten Verkaufspreises für elektrische Energie in der Höhe von 10 Rp/kWh. Dies ist komplett unrealistisch. Im Sommer sind die Energiepreise tagsüber negativ. Dies hätte in der Konzeptentwicklung als Planungsbasis beachtet werden müssen. Der zweite Haken: die Planungsbasis war nicht in der Beschlussvorlage für die Delegiertenversammlung erwähnt. Es ist ja nur ein Projekt für 0,3 Milliarden CHF… Eigentlich wäre es Zeit für einen Antrag, damit die Delegierten von Würenlos den Vorstand auf die Thematik hinweisen… Ich bitte darum, von den Sportvereinen keine höhere Planungskompetenz zu erwarten als von jenen, welche die Planung von Kehrichtverbrennungsanlagen in Auftrag geben.

    Ich bin Mitglied der FIKO, ich äussere mich aber im privaten Namen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert