Archiv der Kategorie: Dorfleben

Welche Ruhe!

Die Wette, wäre ich sie mit irgend jemandem eingegangen, hätte ich glatt verloren. Nein, nicht eine Wette wie jene des 25-jährigen Wunderkindes mit  Babyface namens Leopold Aschenbrenner, der mit grossen Wetten auf  KI laut NZZ soeben Milliarden verloren haben soll. 

Nein, darauf hätte ich gewettet, dass das Feuerwerk- und Feuerverbot von irgendwelchen Ignoranten oder Blödianen am 1. August irgendwo im Dorf gebrochen würde. Doch junge und alte Würenloserinnen und Würenloser haben sich vorbildlich an das wegen Dürre und Rekordhitze ausgesprochene Verbot von jeglichem Feuerwerk und offenen Feuern draussen und mit Ausnahmen auch drinnen gehalten. Und aus den meisten Gemeinden im Lande wurde Gleiches berichtet.

So gut ich meine Ohren auch spitzte, kein Frauenfürzchen – Sprachpolizei ganz ruhig bleiben, so oder auch Lady-Cracker, Klein- oder Jugendfeuerwerk heissen die Dinger im Handel – zerriss die Ruhe vom frühen Morgen bis in die späte Nacht. Ganz zu schweigen von jenen Überseekoffer-grossen Feuerwerksbatterien, mit welchen an früheren Bundesfeiertagen (und Silvestern) jung gebliebene Mannsbilder mit Vorliebe nach Mitternacht Böllersalven gen Himmel schickten, währenddessen ihre Gattinnen im tiefen Keller hockten und  ihren vierbeinigen Liebling sedierten.

Und nun das. Gespräche konnten mit normaler Stimmstärke geführt werden, die Natur atmete auf. Jugendliche entdeckten den Reiz, auf lautlosen Elektro-Scootern und mit deren LED-Lampen auf dunklen Quartierstrassen stille Lichterballette aufzuführen. 

Beste Werbung für die sogenannnte «Feuerwerksinitiative». Ein Organisationskomitee aus parteilosen Privatpersonen hat sie lanciert. Sie kommt vors Volk, nachdem das Bundesparlament sich nicht auf einen griffigen indirekten Gegenvorschlag einigen konnte.

Laut einer Umfrage sind die Chancen gross, dass in der Bundesverfassung künftig stehen wird: «Der Verkauf und die Verwendung von Feuerwerkskörpern, die Lärm erzeugen, sind verboten». Nichtlärmendes Feuerwerk wie Vulkane oder Bengal-Hölzer blieben erlaubt. Auch lärmiges öffentliches Feuerwerk bliebe ausnahmsweise erlaubt. Für Anlässe von überregionaler Bedeutung, zum Beispiel Seenachtsfeste, könnten die Kantone Bewilligungen erteilen. 

Und auch unser Höhenfeuer auf dem Bick gäbe es wieder, falls nicht Dürresommer wie der jetzige zur Regel werden sollten. Wie würdevoll und friedlich ist doch so ein traditionelles Feuer im Vergleich zur privaten, martialischen Billig-Ballerei made in China.  

«Un moment inoubliable» für Fussballerinnen (Gastbeitrag)

Friedlich vereint: Fussballerinnen aus Würenlos/Windisch und dem nordfranzösischen Linselles.

Die FF19 Spielerinnen des SV Würenlos spielten in Nordfrankreich einen denkwürdigen Freundschaftsmatch.

«Ce sera un moment inoubliable pour Paula et les joueueses – et pour moi!», sagt Guillaume Benon beim Einlaufen. Guillaume war bis 2011 Profispieler, zuletzt bei Dijon FCO und USL Dunkerque. Er hat 2004 immerhin vor ausverkauftem Haus den Halbfinal zum französischen Cup bestritten. Und doch steht er nun zum ersten Mal überhaupt in seinem Leben auf dem schönen Kunstrasen seines Heimatstädtchens Linselles und fiebert dem Anpfiff entgegen. Wie ist es dazu gekommen?

Ende August 2024 spielt die Würenloser Spielerin Paula Brunner ihr vorerst letztes Meisterschaftsspiel für das Würenlos-Windischer FF19. Sie wächst über sich hinaus und führt das Team zu einem ungefährdeten Auswärtssieg beim jahrelang ungeschlagenen FC Erlinsbach. Danach geht es für Paula schulisch für ein knappes Jahr von der Kanti Wettingen nach Linselles in Nordfrankreich. Und ihr Gastvater dort wird ebendieser Guillaume Benon. Schnell findet man sich beim Thema Fussball und Paula kann vor Ort in der u18 des FC Linselles einsteigen. 

Über whatsapp bleibt Paula in Kontakt mit ihrem alten Team. Irgendwann Anfang Jahr mal so dahingeschrieben: „Und wenn wir dich besuchen kommen für ein Freundschaftsspiel?“ Une idée folle… dazwischen liegen immerhin 715 Kilometer. Linselles ist ganz in der Nähe von Lille im Département Nord. Die Nordsee in Sprungweite.

Paula Brunner und ihr französischer Gastgeber Guillaume Benon.

Doch die Idee gärt weiter. Bei Paula, bei ihrem französischen Trainer Corentin, bei ihren Gasteltern Guillaume und Anouk, beim örtlichen Rotaryclub (der Paulas Austausch organisiert hat und beschliesst, die Idee zu unterstützen), bei Dominique Sinnaeve, dem Vize-Bürgermeister  (der im Rotaryclub von den Plänen erfährt und die Übernachtungsmöglichkeit und alles Administrative organisiert), bei den Eltern von Paula (die den Rückflug stornieren und sich selber ins Auto setzen, um Paula und einige Spielerinnen mit zurück nach Würenlos zu fahren), beim Gönnerverein des SV Würenlos (der die Reise finanziell unterstützt – merci!), bei uns Würenlos-Windischer Trainern und vor allem bei unseren Spielerinnen, die offen sind für einen solchen Kraftakt, und finden, dass man sich so eine einmalige Chance im Leben nicht entgehen lassen darf. Hinzu kommen zwei weitere Spielerinnen von anderen Vereinen aus der Region, die die Idee cool finden.  

Eins gibt am Ende das andere. Und so steht das FF19 Würenlos-Windisch am Freitag nach Fronleichnam nach 10 Stunden Autofahrt in Linselles vor dem «Clubhouse» und kommt bei flämischen Fritten schnell ins Gespräch mit allen, die diesen Besuch ermöglicht haben. Auf dem Fussballplatz ist danach schnell auch schon ein gemischter Match im Gange. Die Jungs vor Ort haben gefagt und nicht locker gelassen, und irgendwann läuft der Ball… solange, bis es dunkel wird. Und das ist an einem 20. Juni spät

Bei 35 Grad Hitze hart umkämpftes Freundschaftsspiel auf dem schönen Kunstrasenplatz.

Am Samstagmorgen ein Ausflug ins schöne Lille, eine flämisch geprägt Stadt, in der übrigens bis ins Mittelalter niederländisch gesprochen wurde und in Belgien heute noch  ihren alten Namen Rijsel (ter Ijssel ‘bei der Insel’) hat. Am Nachmittag begeben sich dieTeams bei erbarmungslosen 35° in voller Sonne auf den Kunstrasen. Und dies führt dazu, dass neben den Teamtrainern auch Guillaume seinen ersten halboffiziellen Einsatz in einem FF-Match hat – einfach um den Spielerinnen immer wieder eine Pause zu gönnen. Trotz der hohen Temperatur ist es ein rassiger Match mit ausgeprägter Vertikalität. Der Kunstrasen erlaubt chirurgisch genaues Passspiel. Lange auf hohem Niveau torlos, erzielt Linselles. kurz vor Schluss nach einem Fehler im Mittelfeld das 1:0. Dies provoziert aber die bis dahin in Schönheit sterbenden Schweizer Stürmerinnen, mit dem Schlusspfiff doch noch eine ihrer vielen hundertprozentigen Chancen im Nachschuss zum verdienten 1:1 zu verwerten. Ein perfektes Resultat für diesen Match.

Mit Spalier und Dusche wird Paula, die im Match für beide Teams gespielt hat, auf dem Spielfeld standesgemäss verabschiedet. Bei einigen französischen Spielerinnen fliessen Tränen, es ist ein bewegender Moment.

Nach der sportlichen Leistung gemeinsam Chillen im Nachbardorf.

Am Abend chillen die Spielerinnen im Nachbarort an der fête de la musique bei gut gemixten Beats in einem Kulturbauernhof, bevor sie auf dem Fussballplatz ihre Schlafsäckeausrollen und  à la belle étoile ziemlich genudelt einschlafen.  Nicht nur für Guillaume Benon  Des moments vraiment inoubliables!

Nachtlager unter freiem Sternenhimmel auf dem Fussballplatz.
Nachtlager unter freiem Sternenhimmel auf dem Fussballplatz.

(Link zum Porträt des Gastautors)

Wieder Dorffest statt Bauprofile und verspätete Busse

Thema 1: Kurz vor dem Regierungsratsentscheid zum Alterszentrum Margerite werden Pläne für ein abermaliges Dorffest auf der Zentrumswiese geschmiedet. – Thema 2: Das Bundesamt für Verkehr rügt die RVBW, weil «unsere» Buslinie 1 schweizweit die unpünktlichste Buslinie sein soll. Eine Pförtneranlage als Lösung?

Das Dorffest 2022 soll nicht das letzte auf der Zentrumswiese gewesen sein. Werden die Profilstangen fürs Alterszentrum Margerite ein weiteres Mal abgebaut und wieder aufgestellt? (Bild reporter on tour)

Ums Alterszentrum ist’s still geworden. Seit Anfang Jahr in einer Referendumsabstimmung das Geld bereitgestellt wurde, um das weitere Funktionieren der gemeindeeigenen AG als Bauherrin zu ermöglichen und die Verweigerung der Baubewilligung auf dem Rechtsweg anzufechten, heisst es warten und warten. Der Rekursentscheid des Regierungsrats werde noch vor den Sommerferien vorliegen. Dies habe der kantonale Rechtsdienst in Aussicht gestellt, sagte Hochbauvorsteher und Gemeinderat Consuelo Senn an der Gemeinderats-Infoveranstaltung im Mai.

Und nun das: Ein kleiner Veranstaltungshinweis im «Badener Tagblatt» und eine Website ohne Impressum künden ein weiteres Dorffest an. Es soll vom 21. –  23. August 2025 stattfinden.  «Mit einem abwechslungsreichen Programm wird die Zentrumswiese zum Mittelpunkt des Dorffestes», so der Text im BT.  Nanu, im Ab- und Wiederaufbau der Margerite-Bauprofile hat man ja Erfahrung. Interessierte Beizer  erhalten am kommenden 5. Juni  im Gmeindschäller nähere Infos.

Wer jetzt für den nächsten Sommer auf der Zentrumswiese ein Dorffest plant und das wird ja wohl nicht ohne Wissen der Gemeinde passieren, geht offensichtlich davon aus, dass es auch nach einem positiven Entscheid der Kantonsregierung noch lange dauern wird, bis die Bagger auffahren, wenn sie dies überhaupt jemals tun werden.  Alles andere wäre ja  ein bitzeli naiv. Ein Riesenprojekt im Dornröschenschlaf, dass lässt sich nicht mit einem Prinzenkuss zum Leben erwecken.

Was taten eigentlich die Verwaltungsräte der Alterszentrum Würenlos AG in der Zeit des Wartens auf den Entscheid aus Aarau? Erstmals ist im Rechenschaftsbericht des Gemeinderates fürs Jahr 2023 nachzulesen, was die gemeindeeigene AG so tat: «Der Verwaltungsrat behandelte insbesondere die Themen interne Organisation (Entwurf Organisationsreglement), Finanz- und Liquiditätsplanung (Planungstool, Zusammenarbeit mit Treuhandstelle) sowie Öffentlichkeitsarbeit (Stake-holder-Analyse, Entwurf Website). Es wurde ein AZWAG-Logo erarbeitet; dies als klares Bekenntnis des Verwaltungsrats zum Projekt „Margerite“ und um diesem künftig mehr Sichtbarkeit zu geben. Die Finanz- und Liquiditätsplanung ist ständiges Traktandum der Vorstandssitzungen.» 

Von grösseren Planungsschritten ist nicht die Rede. Angesichts der unsicheren Rechtslage wären solche kaum vernünftig gewesen. Vorläufig gilt es hohe Ausgaben zu vermeiden. Es werden noch genug hohe Planungskosten anfallen bis zu einem allfälligen Baustart. Allein die Vorbereitung der Auftragsvergabe für die Baugrube kann etliche Monate in Anspruch nehmen.

Freuen wir uns also aufs nächste Dorffest! Das letzte von 2022 ist noch in bester Erinnerung. Falls noch Ideen für eine Volksbelustigung gefragt sind, so schlage ich statt eines Säuli- oder Schneckenrennens ein Wettbüro vor: «Kommt das Alterszentrum oder kommt es nicht? – Auszahlung der Gewinne am übernächsten Dorffest. Wer weiss, vielleicht wieder auf der Zentrumswiese.

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Die Spitzen des Regionalen Verkehrsbetriebe Baden-Wettingen RVBW (Würenlos ist Aktionärin) sind muff. Das  Bundesamt für Verkehr hat ihnen laut einem «BT»-Bericht für die Unpünktlichkeit ihrer Busse die schlechteste Note landesweit gegeben. Die RVBW-Sprecherin monierte: «Getestet wurde nur die Linie 1, die zwischen Würenlos und Gebenstorf verkehrt. Und dort sind die Voraussetzungen sehr schwierig.» So sorge der Bahnübergang in Würenlos und im vergangenen Jahr Jahr die Grossbaustelle auf der Kantonsstrasse in Gebenstorf für Verzögerung. Die Linie 1 sei für das ganze Liniennetz nicht repräsentativ. 

Immerhin ist die Linie 1 knapp vor der Linie 2 absoluter Spitzenreiter im RVBW-Netz. Fast jeder Fünfte aller 15 Millionen RVBW-Fahrgäste benützte 2023 den Einer. Und im laufenden Jahr ist die Unpünktlichkeit gefühlt grösser denn je. Mehr als eine Stunde habe ich mit etlichen Würenloserinnen und Würenlosern am Abend des 13. März auf den Bus nach Wettingen-Baden gewartet.

Die Linie 1 würde viel pünktlicher verkehren, wenn eine Pförtner- oder Dosieranlage auf der Kantonsstrasse von Oetwil her die abends immer wieder auftretenden Totalblockaden beim Kreisel Ländli verhindern würde. Was zwischen Freienwil und Hertenstein zugunsten von Obersiggenthal möglich ist (Link), müsste doch auch vor Würenlos möglich sein. Auch die Linie 11 Würenlos – Killwangen würde davon profitieren. Für eine solche Lösung sollten sich das kantonale Bau-, Umwelt- und Verkehrsdepartement, BadenRegio, die RVBW und der Gemeinderat Würenlos energisch einsetzen.

Völlig unverständlich ist, dass von dem mit viel Getöse vorangetriebenen «Gesamtverkehrskonzept Aargau Ost» die Gemeinden Würenlos und Spreitenbach von Anfang an ausgeschlossen blieben und BadenRegio das einfach hingenommen hat. So erfolgten Verkehrsmessungen zwar auf der Autobahnausfahrt Wettingen Ost und auf der Wettinger Landstrasse, nicht aber auf der Strecke Oetwil – Würenlos. Die sich vor allem in den frühen Abendstunden in die Quere kommendenVerkehrsströme beim Kreisel Ländli (Oetwil – Furttal, Furttal – Wettingen, Limmattal – Furttal) wurden nicht analysiert. So lässt sich gut behaupten, ein Grossteil des Verkehrs durch unser Dorf sei «hausgemacht». Unser Kommunaler Gesamtplan Verkehr (2020 vom Gemeinderat verabschiedet) musste sich auf veraltete Verkehrsmessungen auf der Landstrasse (K 275) und der Schulstrasse (K 423) aus dem Jahr 2009 abstützen – ein Witz! 

Ferienzeit ist Einbruchzeit – und Regionalpolizei in prekärer Lage

„Drei Zahlen für Ihre Sicherheit.“ Türhänger, vor wenigen Jahren mal an unsere Haustüren gehängt. Doch die Regionalpolizei Wettingen-Limmattal hat nach einer Kündigungswelle zu wenig Leute, um einen Rund-um-die-Uhr-Betrieb aufrecht zu erhalten. Zwar kommt ihr die Kantonspolizei zu Hilfe. Doch ist das aargauische Polizeisystem so gut, wie viele Regionalfürsten behaupten?

Endlich Sommerferien! Wohnungen und Häuser stehen für Tage oder Wochen leer. Für Einbrecher ist diese Zeit ähnlich attraktiv wie die «dunkle Jahreszeit». Die zuhause Gebliebenen werden aufgefordert, aufeinander zu achten und ungewöhnliche Beobachtungen, Personen oder Fahrzeuge der Polizei zu melden.  Doch unsere Regionalpolizei steckt in einer schweren Krise.

Bei der Regionalpolizei Wettingen-Limmattal  herrscht Personalmangel und dicke Luft. Darüber haben das «Badener Tagblatt» (BT) und andere CH-Media-Kanäle  seit Anfang 2023  wiederholt berichtet. Die Fakten liegen auf dem Tisch.

Anfang Jahr erschien ein erster, alarmierender Bericht ( Link 1) In den Monaten zuvor hatten 17 Polizeiangehörige gekündigt. Als Höhepunkt vermeldete das BT am 12. Mai (Link 2), Wettingens Gemeindeammann Roland Kuster habe die Kantonspolizei zu Hilfe gerufen. Die Repol könne bis auf Weiteres ihren vertraglich vereinbarten Auftrag, einen 24-Stundenbetrieb  an 7 Tagen in der Woche nicht mehr erfüllen. Um die Sicherheit in den 6 Repol-Gemeinden mit insgesamt rund 54’000 Einwohnerinnen und Einwohnern zu gewährleisten, übernehme die Kantonspolizei einen Teil der Patrouillentätigkeit, so das BT. Grundlage ist eine vorerst auf sechs Monate befristete Leistungsvereinbarung. Gratis ist eine solche nicht. Kommen ungeplante Mehrkosten auf uns zu? Die Verantwortlichen schweigen. Wenigstens nimmt die Kantonspolizei ihre neue Aufgabe offenbar ernst: In unseren Quartieren sind im Vergleich zu vorher öfter Fahrzeuge der Kantonspolizei unterwegs.

Ende letzten Jahres haben die Gemeindeversammlungen von Würenlos und 4 weiteren Repol-Gemeinden sowie der Einwohnerrat Wettingen  einem neuen Gemeindevertrag mit neuem Kostenverteilschlüssel zugestimmt. Ab 2024 werden die Repol-Kosten neu gemäss Einwohnerzahlen auf die 6 Vertragsgemeinden aufgeteilt. Damit fährt Wettingen etwas besser, die fünf anderen Gemeinden zahlen etwas mehr (Würenlos etwa + 90’000 Franken pro Jahr). Daran gab und gibt es eigentlich nichts auszusetzen. Hätte nicht ein Sätzchen im damaligen Würenloser Traktandenbericht unsere Polizeiwelt etwas gar rosig dargestellt: «Die Regionalpolizei Wettingen-Limmattal hat sich in den vergangenen bald zehn Jahren sehr gut etabliert und leistet einen sehr wichtigen Beitrag zur Sicherheit in der Region.»

Nanu. Die schlimme Personalentwicklung muss schon damals etlichen politischen Verantwortlichen bekannt gewesen sein. Nicht ausgeschlossen, dass an den Gemeindeversammlungen zum Geschäft „neuer Gemeindevertrag“ sehr kritische Fragen gestellt worden wären, wenn die Probleme einer weiteren Öffentlichkeit bekannt gewesen wären.

Das BT hat gestützt auf eine Umfrage bei allen 15 aargauischen Regionalpolizeien enthüllt, dass die Zahl unbesetzter Stellen bei der Repol Wettingen-Limmattal sowohl in absoluten Zahlen als auch im Verhältnis zum Sollbestand im Mai 23 weitaus am höchsten war. Von 38 Soll-Stellen waren nur gerade 22,6 (knapp 60%) besetzt. Bei den 14 anderen Regionalpolizeien zusammen waren in jenem Zeitpunkt per Saldo insgesamt 4,5 Stellen unbesetzt.

Wie Philipp Zimmermann am 5. Juli im BT schrieb (Link 3), hat sich die Situation bei der Repol  seither kaum entschärft: Noch immer waren 14 der 39 Vollzeitstellen unbesetzt. Und 13 Polizisten und Angestellte der Repol Wettingen-Limmattal wandten sich mit einem Hilferuf an den Wettinger Gesamtgemeinderat  und baten um eine Aussprache in Abwesenheit des Kommandanten Oliver Bär, denn «Die Lage ist so prekär wie noch nie seit dem Bestehen der Repol Wettingen-Limmattal». Auch die Politik kam ihr Fett ab: «Eine grundsätzliche Resignation sowie das Gefühl eines mangelnden Vertrauens seitens der Politik sind bereits etabliert.» Päng.

Der Gemeinderat Wettingen und insbesondere Gemeindeammann Roland Kuster, der auch dem Ressort Polizei vorsteht und oberster politischer Vorgesetzter der Regionalpolizei ist, wird gegenüber uns Partnergemeinden noch genauer erklären müssen, was er unter einer  guten  politischen Polizeiführung versteht und wie die Repol in diese Krise schlittern konnte.

Kuster nannte gegenüber dem BT als einen der Hauptgründe für die Kündigungen den Wechsel zu den Stadtpolizeien Zürich und Winterthur sowie anderen Regionalpolizeien: «Überall sollen mehr Möglichkeiten bestehen und es soll ein besserer Lohn bezahlt werden.». Doch mit dem durch den allgemeinen Fachkräftemangel verschärften Wettbewerb um Polizistinnen und Polizisten sind auch die anderen Regionalpolizeien konfrontiert.

Das BT hat auch  publik gemacht, dass sich ein Teil der Regionalpolizeien im Aargau jahrelang um die Ausbildung polizeilichen Nachwuchses foutiert haben. Auch die Repol Wettingen-Limmattal. Das räumte auch  Kuster im BT ein. Die Repol Wettingen-Limmattal bilde seit 2 Jahren wieder Aspirantinnen und Aspiranten aus (aktuell 5). Vorher habe die letzte Ausbildung 2009 stattgefunden.

Vor einem Jahr ist es zu einem  Kommandantenwechsel bei der Repol gekommen.  Der neue Kommandant Oliver Bär eckt bei einem Teil des Korps an. Da sind eigentlich nur 2 Szenarien denkbar: Entweder war es bitter nötig, dass Bär die Zügel anzog und von seinen Leuten mehr verlangte. Dann stellt sich die Frage, ob die politische Führung beim früheren Kommandanten zu viel durchgehen liess. – Oder Bär hat den Draht zur Mannschaft nie richtig gefunden. Dann hätten klärende Gespräche mit dem Korps, die jetzt stattfinden sollen, wohl besser schon vor einem Jahr stattgefunden.

Die Personalprobleme der zweitgrössten aargauischen Regionalpolizei (Nr. 1 ist die Stadtpolizei Baden, unbesetzte Stellen im Mai: 0)) haben auch eine alte Diskussion wieder aufflammen lassen: Wäre der  Aargau ohne Regionalpolizeien, aber mit einer personell besser dotierten Kantonspolizei als Einheitspolizei nicht besser bedient? Darüber mehr in einem Beitrag, der Anfang August aufgeschaltet wird.