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Das Virus und ich (1)

Über 65? Risikogruppe! – Päng. Schlagartig wird mir bewusst: Ich zähle zu den Alten im Land, zu den besonders schützenswerten Alten. Möglichst nichts tun in diesen Tagen und Wochen. Nichts tun, womit man sich ausserhalb des eigenen Hauses oder Gartens nützlich machen könnte. Was macht das mit mir?

Sich nicht mit anderen Alten zusammenrotten, mit anderen Generationen noch viel weniger. Schon vor 3 Wochen haben wir die Einladung eines Grossneffen zu seinem 20. Geburtstag ausgeschlagen, vor zwei Wochen dann ein gemeinsames Mittagessen mit zwei befreundeten Paaren, auch aus der Risikogruppe. Abgesehen von kurzen Wortwechseln mit Nachbarn über den nicht vorhandenen Gartenzaun hinweg – nur noch fernmündliche Gespräche, Mails und vereinzelte Briefe.

Leider kann auch modernste Kommunikationstechnik nicht jede Lücke füllen. Meine bald 102 Jahre alte Mutter habe ich vor zwei Wochen letztmals im Pflegeheim besuchen dürfen und werde sie wohl lange Zeit nicht mehr in die Arme schliessen können. Mit ihr ist eine fernmündliche Kontaktnahme schlicht unmöglich. Zu fortgeschritten ist ihre Demenz, zu schlecht ihr Gehör. Zudem hat sie kurz bevor’s losging, noch eines ihrer Hörgeräte verloren. Ersatz läge beim Hörakustiker, aber er darf nicht rein ins Heim, sie nicht raus. Wird sie ihre Kinder noch kennen, wenn alles überwunden ist? Glücklicherweise sei sie frohgemut wie immer, höre ich.

Einer ihrer Enkel, der beruflich in meine Fussstapfen getreten ist, hat darüber Folgendes geschrieben:

Wolken schauen
Meine Grossmutter ist beinahe 102-jährig. Zurzeit kann sie keinen Besuch im Altersheim empfangen. Das dürfte ihr weniger zusetzen als uns. Sie besitzt nämlich eine Eigenschaft, um die wir sie beneiden: Sie kann stundenlang in den Himmel schauen, den Wolken zusehen und dabei glücklich sein. (Martin Sturzenegger im Tages-Anzeiger)

Und Camille, unsere Enkelin? Gegenseitige Besuche oder gar ein Hüten wären unvernünftig. Telefongespräche mit einer 1-jährigen sind nicht einfacher als mit einer 102-Jährigen. Wird sie uns dereinst wieder erkennen? Ihre ersten selbständigen Schritte werden wir wohl nur auf Video bewundern können. 

Schmerzliche Schnitte ins Familienleben. Doch was wiegen sie im Vergleich zu den Sorgen und Ängsten Schwerstbetroffener, von denen man liest, sieht und hört?

Gestern hat unsere liebe Nachbarin erstmals Einkäufe für uns getätigt. Ihr Angebot anzunehmen, hat uns etwas Überwindung gekostet. Hätte ich, der in den letzten zwei Wochen fast täglich auf den schwach begangenen Wald- und Feldwegen rund um Würenlos joggen oder spazieren gegangen bin, nicht ebenso gut im Volg oder beim Bäcker etwas posten können? Vielleicht. Aber eben, mit jedem Kunden weniger sinkt das Risiko für das Verkaufspersonal. 

Nachbarschaftshilfe und Solidarität funktionieren  – auch in Würenlos. Das ist schön. Weniger schön ist, dass das Virus uns zwingt, jedem und jeder zu misstrauen. Selbst uns selber. Ist mein gelegentliches Husten oder Niesen ganz so harmlos, wie ich meine, bin ich vielleicht doch ein „Gefährder“? Ebenso könnte es der oder die andere sein, der Arzt oder die hilfsbereite Nachbarin. Diesen Spagat gilt es auszuhalten.

Die ersten 10 Tage der Pandemie haben gezeigt, was wir eigentlich längst aus dem Strassenverkehr oder von der Skipiste wissen: Gefühlten 10 Prozent Charakterlumpen, Blödianen und Dummköpfen ist das Leben der anderen ein Pfifferling wert. Ja, reine Dummheit und Gedankenlosigkeit sind gefährlich. Nicht nur, aber gerade in diesen Zeiten. 

Solidarität heisst auch Verzichten. Wäre es so schlecht, wenn dies auch in normalen Zeiten gelten würde? Und die scheinbar grenzen- und masslose Spass- und Genussgesellschaft etwas zurückgebunden bliebe?

Vor gerade mal zwei Wochen hat der Bundesrat erste einschneidende Einschränkungen verfügt, zehn Tage nur sind vergangen, seit die Massnahmen verschärft worden sind. Drei weitere Wochen gelten sie …und höchstwahrscheinlich noch länger. Da sind Durchhaltewille und Geduld gefragt. – Werde ich nachlässiger, nervöser? Oder werden die Verhaltensregeln zur Routine? Bereits zucke ich zusammen, wenn sehe, wie der „rasende Reporter“ auf tbwnet-TV dem interviewten Würenloser Spitzenruderer Scott Bärlocher zum Schluss die Hand schüttelt. (Nicht schlimm, Jürg, mit dem Hinweis aufs folgende Hände-Desinfizieren hast Du die Kurve souverän gekriegt).

Fortsetzung folgt.

Werden im Juni die Korken knallen?

Das Corona-Virus hat die Schweiz im Griff. Das Thema beherrscht private Gespräche ebenso wie die Berichterstattungen in den Medien. Von Tag zu Tag scheint die Situation unkontrollierbarer zu werden, und fast von von Tag zu Tag werden auch die Präventionsmassnahmen und Empfehlungen verschärft. Was bedeutet das für unser Dorffest?

Nachtrag vom 21. März 2020: Das OK des Dorffestes wird am 20. April darüber entscheiden, ob das Dorffest wie geplant stattfindet. Im Raum steht eine Verschiebung auf 2021.

Am morgigen Freitag den Dreizehnten strömen keine gut gelaunte Hundertschaften aus Würenlos ins Wettinger Tägi. Die beliebte Generalversammlung der Raiffeisenbank ist auf unbestimmte Zeit verschoben. Und auch ein Informationsabend für die Anwohner   des Dorffestes, der am kommenden Montag hätte stattfinden sollen, ist vom OK abgeblasen worden. Doch das ist wohl nur das Vorspiel.

Momentan steht in den Sternen, wie lange das vom Bund für ausgesprochene Verbot von Grossanlässen, das vermutlich morgen Freitag verlängert und verschärft wird, letztlich gelten wird. Am heutigen 12. März sind drei von Epidemiologen berechnete Szenarien für den Epidemieverlauf in der Schweiz veröffentlicht worden. Bei mittleren bis starken Gegenmassnahmen (Szenario 2) würde die Infektionskurve im Mai ihren Höchststand erreichen und dann allmählich wieder sinken. Mitte Juni lägen die Fallzahlen aber immer noch zwei- bis dreimal höher als heute (12. März). Die Experten warnen zudem davor, die Notstandsmassnahmen zu früh wieder aufzuheben, weil dann die Infektionsrate rasch wieder ansteigen könnte. 

Kurz, die Wahrscheinlichkeit, dass das Dorfest wie geplant vom 19. – 21. Juni durchgeführt werden kann, scheint momentan kaum grösser zu sein als die, dass es abgesagt werden muss.

Die Gemeinde Niederhasli ZH hat ihr Dorffest, das sogar eine Woche nach dem unsrigen hätte stattfinden sollen, schon letzte Woche abgesagt. Der Gemeinderat wolle für das engagierte Organisationskomitee und die beteiligten Dorfvereine und Gruppierungen rasch möglichst Klarheit schaffen. «Die Vorbereitungsarbeiten befinden sich derzeit nämlich in der besonders aufwändigen Endphase. Mit dem vorzeitigen Entscheid können anstehende Bestellungen und Verpflichtungen allenfalls noch gestoppt werden», so der Gemeinderat.

Der Entscheid im Zürcher Unterland mag vielleicht vorschnell gefallen sein. Auch die Organisatoren unseres Dorffestes werden um den heiklen Entscheid „durchführen oder nicht?“ kaum herumkommen. Allzu lange sollten sie diese Entscheidung , um die ich sie nicht beneide, nicht hinausschieben. Ende April wäre wohl allerletzter Termin. Ein längeres Zuwarten wäre ein Vabanque-Spiel auf Kosten der Steuerzahler. So oder so wäre eine Absage für Viele eine grosse Enttäuschung, viel freiwillige Arbeit wäre für die Katz geleistet worden. Aber wer weiss heute schon, was uns in den nächsten Wochen bevorsteht und ob wir im Juni schon wieder in unbeschwerter Festlaune sein werden.

Anschauungsunterricht auf dem Gipf

Aussichtspunkt Gipf, der ideale Ort, um das Verkehrsgeschehen in und um Würenlos 1:1 zu beobachten.
Der Gipf oberhalb des Bickguts: Ein guter Ort, um das Verkehrsgeschehen in und um Würenlos 1:1 und in Echtzeit zu studieren.

Erfundene Szene, basierend auf realen Beobachtungen: Kurz vor 16 Uhr auf dem Gipf, oberhalb des Rebbergs, unweit der Stelle, wo jeweils am 1. August das Höhenfeuer lodert, Die Abendsonne steht schon tief überm Heitersberg und taucht die Landschaft in warmes Licht. Am Horizont schimmern rötlich die frisch verschneiten Alpen. Eine Schulklasse mit Lehrer (pardon, Lehrperson). 

LehrerIn: Wir sind hier für einen Anschauungsunterricht. Lasst bitte den Blick schweifen hinüber zur Autobahn hinter den dampfenden Kaminen der Zweifel-Pommes-Chips-Fabrik. Was seht Ihr?

SchülerIn: Die Autobahn, der Verkehr darauf ist dicht, rollt aber flüssig.

Richtig. Und wendet jetzt den Blick nach rechts, was seht Ihr auf dem Teilstück der Landstrasse zwischen Bickgut und Raiffeisenkreisel?

Es fahren in beide Richtungen nur wenige Autos.

Behaltet nun die Landstrasse einige Minuten lang im Auge.

(5 Minuten später:) Jetzt kommen mehr Autos, viel mehr Autos! 

Richtig. Blickt jetzt zur Autobahn rüber.

Dort stockt auf beiden Spuren in Richtung Baden der Verkehr.

Was passiert jetzt auf der Landstrasse unter uns?

Die Autos stauen sich, der Stau reicht schon bis zu Wanners Schlössli.

Was könnte der Grund sein?

Aehhh… (ratlose Blicke)

Schaut mal rüber zum Dorfzentrum, was seht ihr hinter dem Turm der katholischen Kirche?

Eine S-Bahn fährt in Richtung Otelfingen. Da muss die Barriere wohl schon einige Minuten geschlossen sein. Und hier unten beim Bickacker biegen immer mehr Autos von der Landstrasse rechts ab.

Gut beobachtet. Das sind wohl solche, die dem Stau vor dem Raiffeisenkreisel über den Ländliweg oder die Feldstrasse ausweichen wollen. Aber löst sich der Stau jetzt auf, da der Zug sich schon Otelfingen nähert und die Barriere längst wieder offen sein muss? 

Nein, jetzt stehen die Autos schon vor der Kurve beim Bickgut. (Es vergehen vier Minuten.) Sehen Sie, jetzt kommt eine S-Bahn von Otelfingen her!

Dieser Zug ist verspätet, Normalerweise kreuzen sich die S-Bahn-Züge ja in Würenlos. Ob die Barriere zwischen den beiden Zügen kurz geöffnet wurde, konnten wir von hier aus nicht sehen. 

(Wieder drei Minuten später:) Die Kolonne auf der Landstrasse fährt wieder. 

Interessant! Was seht ihr auf der Autobahn?

Die Autos schleichen noch immer in Richtung Baden. Aber hier unten ist die Landstrasse manchmal ganz leer, dann kommen wieder Päckli mit mehreren Autos.

Ja, diese Päckli entstehen durch die Lichtsignale bei der Autobahnausfahrt Dietikon. Machen wir eine halbe Stunde Pause.

(Nach der Pause:) Wie siehts auf der Landstrasse unten aus? 

Kein Stau weit und breit. Aber jetzt fährt die S6 nach Otelfingen. Wegen der Barriere wird der Rückstau auf der Landstrasse wohl bald wieder bis zum Bickgut reichen.

Ich sehe aber hier unten eine ziemlich leere Landstrasse. 

Die S6 in Richtung Baden hat schon wieder Verspätung und naht erst jetzt von Otelfingen. Also muss die Barriere schon wieder oder noch immer zu sein. Trotzdem bleibt’s hier unten ruhig. 

(5 Minuten später:) Wow, jetzt kommt noch ein Güterzug von Otelfingen. Die Barriere muss schon wieder unten sein.

Aber noch immer kein Stau vom Raiffeisenkreisel her. Schaut doch mal wieder zur Autobahn hinüber.

Aha, der Verkehr in Richtung Baden rollt wieder flüssig, flüssiger noch als vor einer Stunde.

Gut, brechen wir ab. Was habt Ihr gelernt?

Stockt der Verkehr auf der Autobahn, nimmt der Verkehr auf der Landstrasse sofort zu. Kommst auch hier zum Stau, wird sofort versucht, ihm auf Quartierstrassen auszuweichen.

Gut, noch etwas?

Ist die Barriere beim Bahnhof Würenlos mal längere Zeit oder mehrmals mehrmals innert kurzer Zeit zu, so kann sich bei starkem Verkehr ein Rückstau bis hinter das Bickgut bilden. 

Und?

Was auf den Strassen durch Würenlos passiert, ist kompliziert und hängt sehr stark vom Verhalten der AutofahrerInnen ab.

Sehr gut. Genug für heute! Jetzt noch die Hausaufgabe. Überlegt bis morgen, was wohl in Würenlos abgehen wird, wenn in fünf Jahren die dritte Röhre des Gubristtunnels in Betrieb geht und dank einer dritten Fahrspur im Tunnel in einem bestimmten Zeitraum anderthalb mal so viele Autos wie heute ins Limmattal fahren können. 

Die Sonne versinkt hinter dem Heitersberg, das Limmattal versinkt im Schatten. Laut rattert ein Güterzug von Würenlos kommend zum Rangierbahnhof. 

Nach der Kinder- nun die SeniorenOase

Die Katze ist aus dem Sack. Im Ausschreibungsverfahren für einen Betreiber des künftigen Alterszentrums ist der Zuschlag erfolgt. Die Wahl fiel auf die Oase Service AG mit Sitz in Dübendorf. Das relativ junge Unternehmen, das bisher im Aargau nicht tätig war, betreibt Alterszentren an fünf Orten im Kanton Zürich sowie ab Frühjahr 2020 eines im Kanton Solothurn.

Die gemeindeeigene Alterszentrum Würenlos AG wird bekanntlich das auf der Zentrumswiese geplante Alterszentrum nicht selber betreiben. Damit wird ein in der Branche bereits tätiges Unternehmen beauftragt. Sechs Bewerber haben sich im offenen Ausschreibungsverfahren um den Betrieb des Alterszentrums beworben. Am 9. Dezember ist der Zuschlag an die Oase Service AG erfolgt, wie dem kantonalen Amtsblatt vom 12. Dezember 2019 zu entnehmen ist. Die Firma ist eine Tochtergesellschaft der «Oase Holding AG Wohnen im Alter» und erbringt für Gemeinden und andere Trägerschaften (wie die Alterszentrum Würenlos AG) umfassende Dienstleistungen im Betrieb von Seniorenzentren und Alterswohnungen. Sie übernimmt die gesamte Leitung und Organisation der jeweiligen Betriebe. Das Unternehmen führt bisher Alterszentren in Eglisau, Effretikon, Oetwil am See, Rümlang und Wetzikon sowie ab Frühjahr 2020 ein weiteres in Obergösgen SO. (Link zur Oase-Homepage)

Die Oase-Gruppe investiert auch in eigene Wohneinrichtungen für Betagte. So ist sie Bauherrin des geplanten Alters- und Pflegezentrums Hintermatt in Bergdietikon. Die Oase Holding ist laut eigenen Angaben im Besitz weniger Schweizer Aktionäre. Zu ihnen gehört Eva Maria Bucher-Haefner, Tochter und Erbin des Amag-Gründers und Milliardärs Walter Haefner. 

Präsidentin des Verwaltungsrates der Oase Holding ist Beatrice Tschanz, die bis zum Grounding der Swissair deren Pressechefin war. Dem Verwaltungsrat gehört auch der frühere Zürcher Regierungsrat und Gesundheitsdirektor Thomas Heiniger (FDP) an. Er präsidiert seit Mai 2019 Spitex Schweiz, den Dachverband der Nonprofit-Spitex-Organisationen.