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Jugendtreff im Blindflug

Einer der extrem heissen Juniabende. Generalversammlung des Trägervereins Jugendtreff Würenlos – womöglich ist es die zweitletzte überhaupt. Dem Verein ist irgendwie der Vereinszweck abhanden gekommen. Und obendrein auch die Mitglieder. Wir sind zu fünft: drei Vorstandsmitglieder, von denen eines am Abend seinen Rücktritt erklären wird, und das Fussvolk, der Gemeindeammann und ich.

Halloween-Party im Jugendtreff Würenlos, 2012. (Bild JTW/Facebook)

Gegründet wurde der Verein vor 20 Jahren, um den Jugendtreff «bei Öffentlichkeits- und politischer Arbeit» zu unterstützen, wie in den Statuten geschrieben steht. Ich war von Beginn weg dabei in dieser Jugendtreff-Lobby, die im Rahmen ihrer Möglichkeiten stets auch den Jugendtreff finanziell unterstützt hat.  

Nun braucht es den Verein, der noch 30 zahlende Mitglieder zählt, eigentlich nicht mehr, darin sind wir fünf uns einig. Der Jugendtreff wird seit einiger Zeit nicht mehr von Jugendlichen betrieben, die hin und wieder auf Rat und Tat älterer Menschen angewiesen wären – und wenn schon, wüssten sich heutige Jugendliche auch selber zu helfen. Auch an Projekten von Jugendlichen fehle es, die aus der Vereinskasse unterstützt werden könnten, so der Vorstand.

Dabei ist die Kasse prall gefüllt. Sie speist sich aus den Mitgliederbeiträgen und dem Erlös vom Herbstjass. Dieser alljährliche Anlass bleibt mir darum in besonderer Erinnerung, weil ich einmal als schlechtester Jasser des Tages zwar einen der schönsten Preise gewann, Bea, meine Frau, aber gleichzeitig zur Jasskönigin erkoren wurde, was das Machtgefüge in unserer Familie nachhaltig zementiert hat…

Mit dem Geldausgeben tut sich der Verein wirklich schwer. Im Hinblick auf sein 20-jähriges Bestehen und weil ausser der Überholung der Musikanlage im Jugendtreff kaum anderes zu bezahlen war, hat der Verein letztes Jahr 5000 Franken zugunsten des Schüler-Schneesportlagers bereitgestellt, abgerufen worden ist der Beitrag bisher nicht.

Angesichts dieser Sachlage widerspricht niemand, als Toni Möckel, der Gemeindeammann und Sozialvorsteher, vorschlägt, man solle doch der nächsten GV die Vereinsauflösung beantragen, sofern sich bis dahin nichts Grundlegendes ändere.

Das ist nicht gänzlich ausgeschlossen. Denn rund um den Jugendtreff und die bis dahin in seine Führung direkt eingebundene Jugendarbeit der Gemeinde gibts momentan viele offene Fragen. Auf sie sollen in den kommenden Monaten Antworten gefunden werden. Darum machen der Vereinspräsident Adi Güller und das einzige Vorstandsmitglied Daniel Holenweger halt einstweilen als Rumpfvorstand weiter. 

Offiziell zuständig für die Führung des Jugendtreff-Betriebs ist momentan niemand. Jugendarbeiterin Brigitte Walder, die in den letzten Jahren sowohl den Schüler- wie den Jugendtreff leitete, hat ihre Stelle Ende Juni Knall auf Fall verlassen. Die Führung des Jugendtreffs für die Älteren hatte sie übernommen, nachdem sich das von Jugendlichen gebildete Betriebsteam (ebenfalls ein Verein) 2015 mangels Mitglieder aufgelöst hatte. Zählen konnte Walder immerhin auf die sporadische Unterstützung durch wenige jüngere und ältere Jugendliche.

Die 80-Prozent-Stelle in der Jugendarbeit wird vorderhand nicht zur Neubesetzung ausgeschrieben. Zunächst soll das Konzept überdacht werden. Auch eine Auslagerung in die Jugendarbeit der Gemeinde Wettingen werde erwogen, so Toni Möckel. Das grössere, aus Männern und Frauen bestehende Wettinger Team böte gewisse Vorteile, so etwa beim Einsatz an nächtlichen Hotspots, wo sich Jugendliche treffen und zuweilen mit Lärm, Littering oder Sachbeschädigungen für Ärger sorgen.

Die Professionalisierung beim Jugendtreff war offensichtlich eher eine Verlegenheitslösung als ein Erfolgsrezept. Notgedrungen zu wenig nachgelebt wurde damit dem ursprünglichen Grundsatz, dass der Jugendtreff nicht für die Jugendlichen, sondern primär von ihnen selbst betrieben wird – mit zurückhaltender Unterstützung durch Erwachsene.

Mir fällt zudem auf, dass sich der Jugendtreff in letzter Zeit auf immer jüngere Benützer ausgerichtet hat. So stand der Treff am Freitagabend, der ursprünglich vor allem für Jugendliche nach der obligatorischen Schulzeit gedacht war, nun schon für Oberstufenschüler offen. Am Schülertreff am Mittwoch waren dafür schon 9-Jährige willkommen.

Das mag einem Bedürfnis entsprochen haben. Möglicherweise führte die Verjüngung aber auch zur Situation, welche die Jugendarbeiterin in ihrem letzten Jahresbericht geschildert hat: von den Jugendlichen seien kaum je eigene Ideen eingebracht, geschweige denn realisiert worden. Und es würde mich auch nicht wundern, wenn Schulentlassene wegen der Verjüngung den Jugendtreff gemieden hätten. Denn zwischen 12- und 17-Jährigen liegen doch Welten!

Natürlich haben sich seit Bestehen des Jugendtreffs die Bedürfnisse der Jugendlichen geändert. Um untereinander Kontakt zu halten, braucht es im Handy- und Social-Media-Zeitalter nicht mehr unbedingt einen ortsfesten Treffpunkt. Und was kann der gute alte Töggelikasten gegen die immer attraktiveren Computergames ausrichten?

Wenn der Jugendtreff für ältere Oberstufenschülerinnen und -schüler sowie Schulentlassene weiter bestehen soll, scheint es mir unabdingbar, dass sich diese Altersgruppe aktiver einbringt – mit Ideen und Mitarbeit. Ein reines Konsumangebot braucht es für sie nicht in der heutigen Zeit mit ihrem übergrossem Angebot an Events, die auf ein junges Publikum zugeschnitten sind. 

Der Jugendtreff soll ein Freiraum sein, ein Experimentierfeld, wo junge Menschen ihre wirklichen Interessen entdecken, ihre individuellen Stärken und Schwächen ausloten können – Scheitern inklusive. Und das nicht unter dem ansonsten fast omnipräsenten Einfluss und Druck der Erwachsenenwelt. 

Heutige Jugendliche seien selbständiger, selbstbewusster, und zielstrebiger, als wir es in ihrem Alter waren, hört man von Lehrmeistern und Lehrpersonen. Wenn Schulabgängerinnen völlig selbständig eine Lehrstelle finden, wenn Auszubildende einen Supermarkt selbständig führen dürfen, dann dürfen wir ihnen auch die Hauptverantwortung dafür übertragen, ob sie noch einen Jugendtreff haben oder nicht. Die Räume unterm Schulhaus Ländli 1 könnten so oder so weiterhin vom Schülertreff gebraucht und sporadisch für Jugendpartys zur Verfügung gestellt werden.

Schluckstreik

Wir WürenloserInnen sind ein ordnungsliebendes Völklein. Und ein Recycling-freudiges dazu. So hat jede und jeder von uns im Jahre 2017 Flaschen, Confi- oder Gurkengläser im Gewicht von fast 31 Kilo in einen Altglas-Sammelbehälter geworfen –  das Schweizer Volk insgesamt bringt es nur auf 28 Kilo pro Kopf. Wir Würenloser, die Vorzeige-Entsorger. Oder saufen wir einfach mehr als der CH-Durchschnitt?

Seit es beim Bahnhof die chicen Unterflur-Sammelbehälter gibt, macht mir das Entsorgen ja noch viel mehr Spass. Jede Flasche Barbera, Cabernet Sauvignon (oder von mir aus auch Bicker) die ich hier nochmals in die Hand nehme, weckt wohlige Erinnerungen. Und dann, wenn sie, in den gefrässigen Schlund gesteckt, tief unten zerschmettert – fast schon erotisch, dieser Sound!  Und erst die knisternde Spannung, wenn die im Familienkreise gesammelten Yoghurt-Deckeli oder Energy-Döschen luftig-leicht der dunklen Unterwelt zuschweben. 

Heute, als ich um 11.20 Uhr frohgemut auf die im Sonnenlicht glitzernden, in tadelloser Formation stramm stehenden Schluckspechte zusteuerte, war alles anders: Die Alu- und Weissblech-Schlucker schienen ihre Funktion zum Kotzen satt zu haben: Nein, diese Büchse ess ich nicht, grollte es aus fernen Tiefen. Und so strebte ich mit meiner Schachtel voller guter Entsorgungs-Vorsätze frustriert wieder meinem Heime zu. Eine nette, jüngere Frau tat es mir gleich. Sie war ihre Tasche voller güldener Sheba-Schälchen nicht los geworden. Doch diese könnten ihr noch viel Freude bereiten. Kindergärtnerinnen wissen mit ihren Kindern aus Sheba-Schälchen reizende Gestecke für den Muttertag zu fertigen. Und so kann das Nachlässige, Unperfekte in der Welt eben auch sein Gutes haben. 

Verwüstete Krippe, Abschied vom Kondom und ein neuer Pfarrer – es weihnachtet

Die verwüstete Weihnachtskrippe (Bild Fabienne Speckert auf Facebook)
«Eifach unglaublich» – So und ähnlich die Facebook-Kommentare von Würenloserinnen und Würenlosern zur Meldung, dass Vandalen die Weihnachtskrippe bei der Alten Kirche verwüstet haben. Beizufügen ist diesen Äusserungen eigentlich nichts. Höchstens dies: Gar so geborgen und getragen fühlen sich offenbar nicht alle jungen Würenloser, wenn sie sich an solchen Taten aufgeilen – stoffbesoffen oder nicht. Der Lichterschein all der tollen Rentiergespanne, Leuchtgirlanden und der offiziellen Weihnachtsbeleuchtung (darüber mehr am Schluss dieses Beitrags) vermag offenbar nicht alle Herzen zu erwärmen.

In den Gemeindenachrichten rät der Gemeinderat, in Fällen von «mutwilliger Nachruhestörung, Vandalismus, Littering und dergleichen umgehend die regionalpolizei wettingen-limmattal zu verständigen». Nun hat mir aber jüngst ein Bewohner des Dorfkerns berichtet, er habe zuerst das Gespräch mit den Jungen gesucht, die nächtens seine Nachtruhe empfindlich gestört hätten. Bei einem nächsten Mal habe er die Polizei verständigt. Die habe sich dann aber leider nicht blicken lassen, solange die jungen Leute noch in der Nähe seines Hauses gelärmt hätten. Das kann ja vorkommen, die Ressourcen der Regionalpolizei sind nicht unbegrenzt.

Und muss muss es immer die Polizei sein? Noch so grosse Verbotstafeln und der Ruf nach Überwachungskameras und harten Strafen nützen vermutlich wenig. Blosse Symptombekämpfung. Vandalismus, Nachtruhestörungen und Littering sind gewiss kein auf Würenlos begrenztes Phänomen. Aber wir dürfen auch nicht davon ausgehen, unser «Wunderdorf» bleibe «einfach so» davor verschont.

2003 schon haben wir eine Stelle für aufsuchende Jugendarbeit geschaffen. Viele Würenloser mögen sich davon erhofft haben, genau solche Fehlentwicklungen besser in den Griff zu bekommen. Weil sie sich von einer Fachperson verstärkte Präsenz versprachen an Orten, wo sich junge Menschen treffen. Präsenz nicht als Ordnungshüter oder Polizistin. Sondern als Gesprächspartner/in mit offenem Ohr für die Probleme und Anliegen von jungen Menschen, die nicht spuren wie gewünscht. Das Jobprofil der Jugendarbeit ist im Hinblick auf häufigere Präsenz an nächtlichen Hotspots wohl zu überdenken.

Weihnachtsgeschenk für die Evangelisch-Reformierte Kirchgemeinde. Die seit dem abrupten Abgang von Martin Schweizer Ende Juni verwaiste Pfarrstelle wird vermutlich ab März wieder besetzt sein. Einer ausserordentlichen Kirchgemeindeversammlung am 20.Januar zur Wahl vorgeschlagen wird der gebürtige Kanadier, seit 2003 mit seiner Familie in der Schweiz lebende Timothy Cooke. Als Pfarrer gewirkt hat er hierzulande im Solothurnischen (zusammen mit seiner Frau, einer Schweizer Theologin), Gränichen und jetzt in Rupperswil. Auf eine erste Stellenausschreibung war keine einzige Bewerbung eingegangen, im zweiten Anlauf meldeten sich sechs Interessenten.

In der reformierten Kirchgemeinde, die in der Vergangenheit von mehreren grösseren und kleinen Krisen geschüttelt wurde, werden mit der Pfarrwahl nicht alle Probleme gelöst sein. So kommt es zu einem kräftigen Aderlass in der Kirchenpflege, nachdem Präsident Erich Thommen und zwei weitere Mitglieder auf Ende dieses Jahres demissioniert haben und bis anhin erst ein neues Mitglied gewählt worden ist.

Wie sehr das kirchliche Leben unter dem Krisenmodus gelitten hat, kann ich schwer beurteilen – ich bin ein Papierli-Reformierter, der zwar Kirchensteuern bezahlt, am Kirchenleben aber nicht teilnimmt. Die Statistik aber lässt aufhorchen: Die Kirchgemeinde hat vom Bevölkerungswachstum der vergangenen Jahre nicht profitiert, sondern ist im Gegenteil geschrumpft. (Die Zahl der Katholiken ist im gleichen Zeitraum leicht gewachsen). Die Zahl der Reformierten sank von 2007 bis 2017 von 1653 auf 1564 Personen, der prozentuale Anteil an der Gesamtbevölkerung von rund 32 auf 24 Prozent.

Ein Teil dieses Mitgliederschwundes dürfte hausgemacht sein. Auch wenn die Evangelisch-Reformierte Kirche der Schweiz gesamthaft grosse Verluste erleidet und soeben mit einer Neustrukturierung den Versuch einer Trendwende gestartet hat.

Wie in der katholischen Kirche beanspruchen auch in der reformierten Kirche verschiedenste Strömungen und Anschauungen nebeneinander Platz. Je kleiner eine Kirchgemeinde ist, desto weniger kann sie den verschiedensten Bedürfnissen Rechnung tragen. Als einziger Pfarrer in der Gemeinde wird es auch der Neue nicht allen Leuten recht machen können.

Aber mehr Schwung und Offenheit, ein breiterer Fächer im kirchlichen Angebot und in der Diakonie wäre dringend wünschbar. Wer weiss, vielleicht fühlten sich dann auch Menschen wie ich mehr angesprochen – Menschen, die gewisse «christliche Werte» durchaus zu leben versuchen, aber für die grossen Fragen, die sich einem Menschen stellen, eher philosophische denn religiöse Antworten suchen.

Zurück zur Weihnachtsbeleuchtung. In dem vom Gewerbeverein veranstalteten Wettbewerb für eine Neugestaltung gingen zwar nur wenige Vorschläge ein. Über sie haben am Christchindlimärt 347 Personen abgestimmt. Gewonnen hat laut «Limmatwelle» der Vorschlag von Eveline Amacher. Die Konfiseurin hat mit Schokolade-Kunstwerken die Confiserie Sprüngli schon an internationalen Ausstellungen vertreten. Sie schlägt ein Remake des Gehabten vor. das brav wirkt – vielleicht gerade darum passend für Würenlos. Der Doppelzwiebelturm ist nun deutlicher als solcher zu erkennen. Jetzt muss laut Gewerbevereinspräsident Michael Spühler nur noch die Finanzierung klappen, dann verbreitet in unseren Strassen nicht mehr ein Kondom, Minarett oder Schnuller Weihnachtsstimmung.

Frohe Festtage und ein gutes Neues Jahr!

Sperrzone Ötlikon

Es war einmal. Während Jahrzehnten war der Müliwiesenweg längs der historischen Mühle im Weiler Ötlikon Teil der beliebten Spazier- und Veloroute entlang des Furtbachs. Das Teilstück war sogar signalisiertes Teilstück der nationalen Veloroute Nummer 5 vom Boden- bis zum Genfersee. Jetzt versperren rot-weisse Abschrankungen einer Baufirma den Zugang von beiden Seiten. (Nachtrag am Schluss des Artikels beachten.)

Das gesperrte Wegstück ist eine Privatstrasse und gehört zur Mühle. Ein Fuss- und Fahrwegrecht zugunsten der Allgemeinheit besteht nicht, die Grundeigentümerin ist also berechtigt, den Weg abzusperren. «Uns sind die Hände gebunden», heisst es bei der Bauverwaltung.

Neben der Abschrankung ein altes Schild mit einem richterlichen Verbot aus den 1970er-Jahren, das schon immer da war: Unbefugten ist das Befahren des Wegstückes unter Androhung von Busse untersagt. Vom Richter nicht verboten wurde damals das Begehen des Weges. Dies zu verbieten fanden die damaligen Eigentümer, das Ehepaar Eric und Ruth Funk, wohl unnötig oder unverhältnismässig. Später haben sie auch das Befahren mit Velos grosszügig toleriert. Jetzt verbietet ein zweites Schild auch das Begehen, doch ein richterliches Verbot ist das nicht.

Auch auf der anderen Seite ist der Zutritt verboten.
Eigentümerin der Mühle und damit auch des Wegstücks ist nun die Erbengemeinschaft der verstorbenen Ruth Funk-Hardmeier. Ihr gehören die frühere Würenloser FDP-Gemeinderätin Karin Funk Blaser und deren zwei Geschwister an. Karin Funk hat mit ihrer Familie früher einen Teil des Mühlengebäudes bewohnt. Von 2009 bis 2015 war sie Gemeinderätin der FDP, 2013 hatte sie die Wiederwahl nur knapp geschafft, 2015 trat sie aus beruflichen Gründen zurück.

Die Erbengemeinschaft möchte die Mühle, die seinerzeit vom erfolgreichen Reinigungsunternehmer Funk erworben und 1971 umfassend umgebaut und saniert wurde, loswerden. Auf dem Internetportal Homegate steht die 4400 Quadratmeter grosse Liegenschaft zum Verkauf. Den Preis für das «herrschaftliche Anwesen mit dem Charme früherer Jahrhunderte», so der Inserattext, gibt die Maklerfirma Walde und Partner nur auf Anfrage bekannt. Die Wohnfläche des Gebäudes mit Baujahr 1637 beträgt 753 Quadratmeter. Im parkartigen Garten befindet sich eine Schwimmhalle.

Was veranlasste die Erbengemeinschaft zur Sperrung des Weges? Errichtet wurden die Sperren im Zusammenhang mit einer Erneuerung des Daches im Sommer. Weshalb sie jetzt weiterhin bestehen, darüber kann man nur mutmassen. Wenn nicht mehr Kretipleti am Gebäude vorbei marschiert oder radelt, mag das den Wert der Liegenschaft und deren Verkaufschancen erhöhen. Vielleicht will man auch nur neugierige Gaffer oder gar mögliche Besetzer fern halten. Oder will man einfach jegliche Haftung ausschliessen, falls jemand auf dem Privatweg verunfallt?

Jedenfalls werden Fussgänger und Velofahrer nun auf einen Umweg geschickt, Er führt hinter dem Bauernhaus von Ueli Markwalder auf die Otelfingerstrasse. Die ist in Spitzenzeiten ziemlich stark befahren. Es gilt zwar Tempo 30, doch das mit einem gelben Streifen markierte sogenannte «Aargauer»- (oder besser Alibi-) «Trottoir» bietet Familien mit Kindern nur unzureichenden Schutz und lässt alte Menschen sich unsicher fühlen.

Der Gemeinderat hat bisher über die Sperrung des viel benützten Wegstücks nicht informiert. Will er keinen Staub aufwirbeln, um mögliche Verhandlungen mit der Eigentümerschaft um ein Wegrecht nicht zu gefährden? Oder ist es den Gemeindebehörden gar etwas peinlich, dass sich die Gemeinde nie um eine rechtliche Absicherung eines Fuss- und Fahrwegrechts gekümmert hat? Spätestens mit der Markierung als nationale Veloroute hätte Anlass dazu bestanden.

Die arrogant wirkende Sperrung des Müliwiesenweges erinnert an die mittlerweile wieder aufgehobene Sperrung des Fussweges zwischen der Florastrasse und dem Emma-Kunz-Zentrum. Das in Ötlikon gesperrte Wegstück ist pittoresk – ein Highlight an der beliebten Wander- und Veloroute entlang des Furtbachs. Die Öffentlichkeit sollte nicht darauf verzichten müssen.

Der Gemeinderat schöpft hoffentlich all seine rechtlichen und politischen Möglichkeiten aus, um ein Fuss- und Fahrwegrecht zu erwirken. Von der jetzigen und künftigen Eigentümerschaft darf ein grosszügiges Entgegenkommen erwartet werden. Allenfalls wäre der Bau eines Weges oder Steges auf dem schmalen Uferstreifen entlang der Mühle eine Notlösung. Dieser Streifen am Furtbach gehört nämlich dem Kanton und nicht der Erbengemeinschaft.
(Mitarbeit: Ernst Rohrbach. Alle Eigentümerangaben gemäss Geografisches Informationssystem Kanton Aargau, agis, Stand 1.11.2018)

Nachtrag vom 27.11.18: „Ein Weihnachtswunder“ jubelt ein Leser. Und auch andere Würenloserinnen und Würenloser haben es auf einem Spaziergang bereits freudig bemerkt: Die Sperren auf dem Wegstück vor der Mühle Ötlikon sind weg. Ganz so wie zum vergangenen Sommer präsentiert sich die Situation aber nicht, wie ein anderer Leser richtig bemerkt hat. Weiterhin verbietet ein kleines weisses Schild den Durchgang. Und statt des früheren Fahrverbots für Motorfahrzeuge hängt weiterhin das runde Schild „Allgemeines Fahrverbot“. Die Benützung des Wegstücks ist somit Fussgängern und Velofahrern faktisch zwar wieder möglich, bleibt aber rechtlich verboten. Verzichtet die Erbengemeinschaft wie seinerzeit die Eltern grosszügig darauf, das Verbot durchzusetzen, dann ist ihr für ihr Entgegenkommen der uneingeschränkte Dank der Öffentlichkeit gewiss.

Wie gross soll die Bevölkerung von Würenlos im Jahre 2035 sein? Stimmen Sie ab! In der rechten Randleiste. Auch das bisherige Zwischenresultat kann dort abgerufen werden.