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Lieber Geldsegen als Grüne Lunge

Vom Tägi-Parkplatz  bis fast zur Furttalstrasse (Grenze Würenlos) reicht das Kulturland (grün mit weissem Punkt) das Hitachi Energy zum Bau der Konzernzentrale im Baurecht abgetreten werden soll. 

2012 beschlossen Wettingen, Würenlos, Neuenhof und Killwangen zusammen mit dem Kanton den regionalen «Sachplan Landschaftsspange Rüsler-Sulperg». Zur Freihaltung des letzten grossen Grüngürtels im Limmattal. Nun will Wettingen einen grossen Teil davon opfern für die Ansiedlung eines grossen Industriekonzerns mit rund 3000 Arbeitsplätzen. Was möglicherweise Wettingen aus dem finanziellen Dauerschlammassel hilft, nimmt keinerlei Rücksicht auf die Nachbargemeinden. Würenlos sollte auf Gegenkurs gehen, will es seine eigenen moderaten Entwicklungsziele nicht aus den Augen verlieren. 

Mit viel Euphorie ist dieser Tage in Wettingen das Geheimnis gelüftet worden, welcher Konzern auf dem Kulturland direkt anschliessend an die Sport- und Freizeitanlage Tägi seine Zentrale mit bis 3200 Arbeitsplätzen erstellen will. Wie das «Badener Tagblatt» (Link leider nur für Abonnenten) berichtete,  gab an der Ortsbürgergemeindeversammlung  die Leiterin der kantonalen Standortförderung, Verena Rohrer, bekannt, es handle sich um den  Konzern Hitachi Energy. Die Firma ist mit einer kleineren Niederlassung bereits ortsansässig.

«Es wäre eine Riesenchance für Wettingen, die Region und den Kanton Aargau» frohlockte Rohrer  im Chor mit den vor Vorfreude auf den Geldsegen trunkenen Wettinger Ortsbürgern, dem Gemeindeammann Roland Kuster (Die Mitte) und dem kantonalen Finanzdirektor Markus Dieth (Die Mitte). Die Ortsbürger beschlossen,  Hitachi Energy zwei ihrer Parzellen im Baurecht abzugeben. Ende 2026 wird auch  der Wettinger Einwohnerrat die noch taufrische Nutzungsplanung für den Hitachi-Campus teilrevidieren müssen.

Da  noch zwei weitere Standorte im Rennen sind um den Konzern-Campus (wie toll diese Bezeichnung!), geht Wettingen aufs Ganze. Dem noch vagen Geldsegen wird nichts weniger als die Landschaftsspange Rüsler-Sulperg geopfert – der Streifen zwischen den Höhenzügen Heitersberg und Lägern, der einst als unentbehrliche Grüne Lunge für das stark überbaute Limmattal gesichert worden ist (siehe Kasten). Das Nachsehen haben vor allem Wettingens direkte Nachbargemeinden wie Würenlos. Hier, aber auch in Neuenhof, regt sich nun Widerstand. Denn wir laufen Gefahr, über den Tisch gezogen zu werden. 

Blick zurück: Gleich neben dem Handwerkercenter Peterhans auf Würenloser Boden klaffte eine grosse Kiesgrube.  Karls kühne Gassenschau feierte da mit ihrer Show «Aqua» Triumphe. Nun wurde die Grube aufgefüllt und wird grösstenteils wieder in Kulturland zurückverwandelt. Eine ökologische Ausgleichsfläche, gespiesen durch ein Bächein aus dem Gebiet Bifig soll Lebensraum für seltene Amphibien, Insekten und Vögel bieten – ganz im Sinne der Landschaftsspange. Würenlos hätte diese Ausgleichsfläche gerne etwas grosszügiger gestaltet und gleichzeitig provisorische Parkplätze der Firma Petershans am Rande der Kiesgrube in ein Definitivum gewandelt. Doch beiden Ansinnen schob der Kanton einen Riegel. Es müsse soviel landwirtschaftlich nutzbares Land wie möglich auf der Fläche der Kiesgrube zurückgewonnen werden.

Und nun soll gerade ennet der Gemeindegrenze Kulturland im grossen Stil zubetoniert werden für ein grosses Bauvorhaben. Wie rechtfertigt der Kanton seine offensichtlich widersprüchliche Praxis? 

Einer den diese Entwicklung massiv stört, ist der frühere Gemeinderat und Vizeammann Johannes Gabi (SVP). In einer Zuschrift fährt er der Nachbargemeinde hart an den Karren. «Damit können sie ihren Steuerfuss weiterhin tief halten und ihre grosse Verschuldung eliminieren. Unterschriebener Sachplan, Natur und Umwelt sind offenbar nicht so wichtig, wenn es ums grosse Geld geht. Auch der Kanton hat da offenbar Geld gerochen und findet seine ursprünglichen Landschaftsschutz-Absichten offenbar nicht mehr so wichtig. Es geht um eine riesige Fläche. Soll man wirklich alles zubauen nur des Geldes wegen?»

Schützenhilfe erhält er vom jetzigen Gemeindeammann Toni Möckel (parteilos), der in etlichen Gremien, in denen er von Amtes wegen sitzt, den Warnfinger erhoben hat. Denn Gabi wie Möckel stört am Wettinger Goldesel mehr als nur die Preisgabe der Landschaftsspange. «3000 Arbeitsplätze werden das Verkehrschaos im Limmattal zusätzlich vergrössern.» Zwar ist eine zusätzliche S-Bahn-Haltestelle Tägi geplant. Aber mit dieser könne man das Problem niemals lösen. Man wisse ja gar nicht, woher überall die Tausenden von Beschäftigten kommen werden, sagt Möckel. 

«Und was ist mit den Bauern, die diese grossen Flächen bis jetzt gepachtet haben?», fragt Gabi. «Da wird dann schnell ein Betrieb nicht mehr lebensfähig sein.» Es wäre gut, wenn sich da möglichst viele Leute gegen diese Pläne zur Wehr setzen und ihren Unmut äussern würden, sagt Gabi.– Mit den betroffenen Bauern wird laut «Badener Tagblatt»  das Gespräch gesucht. Sehr wahrscheinlich ist, dass ihnen Realersatz angeboten wird. Auf der wiederaufgefüllten Kiesgrube in Würenlos? Ein Schelm, der Böses dabei denkt…  

Würenlos wird sich auch weiteren Folgeerscheinungen der Konzernansiedlung kaum entziehen können:  Noch mehr Staus auf den sich in unserem Dorf kreuzenden Strassenverkehrsachsen. Und der Wohnraum in der Region wird sich zusätzlich verknappen, und zwar im höheren wie – wegen der im Campus geplanten Produktionsabteilungen – auch im preisgünstigen Bereich. Das Wettinger Entwicklungsziel, Wachstum um jeden Preis, steht in krassem Gegensatz zum mehrheitlichen Wunsch der Würenloser Bevölkerung nach einem nur noch sehr moderaten Wachstum der Gemeinde in den kommenden Jahren.

Noch habe sich der Gemeinderat Würenlos noch nicht offiziell gegen die Wettinger Pläne ausgesprochen, sagt Gemeindeammann Toni Möckel. Aber er hoffe, es komme noch dazu. Denn der Gemeinderat könnte mit einem Nein zur Änderung de Sachplans Landschaftsspange bzw. mit einem allfälligen Rekurs das ganze Ansiedlungsprojekt blockieren. Und von ähnlichen solchen Projekten weiss man, dass Investoren zeitliche Verzögerungen gar nicht lieben und auf andere Standorte ausweichen. Gleichzeitig steht auch die Befürchtung im Raum, der Grosse Rat, der einer für das Campus-Projekt notwendigen Richtplanänderung auch noch zustimmen muss, könnte die Rechte einer oppositionellen Gemeinde wie Würenlos aushebeln.        

Der Sachplan Landschaftsspange Sulzberg-Rüsler

Im Juni/Juli 2012 beschlossen die vier Gemeinden Wettingen, Neuenhof, Killwangen und Würenlos, diesen Sachplan, der noch 2012 in dieser Form vom Aargauer Regierungsrat genehmigt worden ist. Erarbeitet worden ist der Sachplan von einer Arbeitsgruppe unter Vorsitz des heutigen Finanzdirektor Markus Dieth, damals Gemeindeammann von Wettingen und  Präsident von BadenRegio. 

Der Planungsraum umfasste 2012 ein Gebiet von etwa 400 Hektaren, wovon mehr als die Hälfte Landwirtschaftsland und Wald. Nur ungefähr 20% waren Siedlungsgebiet, Verkehrsflächen und Kiesgruben. Die vier Gemeinden verpflichteten sich, für die Landschaftsspange langfristig Raum und kommunalen Rückhalt sicherzustellen.

Entstehen sollte ein von Siedlungselementen möglichst frei gehaltener Grünraum im dichtbesiedelten Limmattal. Landschaftliche Zusammenhänge sollten wieder hergestellt und erlebbar gemacht werden. Die landwirtschaftliche Produktion sollte erhalten und gestärkt und mit den Bedürfnissen der erholungssuchenden Bevölkerung abgestimmt werden.

Beschlossen wurde zum Schluss Folgendes: Falls spätere Projekte die Grundsätze und Ziele des Sachplans gefährden sollten, sei der Sachplan vorgängig anzupassen bzw. abzuändern. Dafür gelte das gleiche Verfahren wie zur Erstellung des Sachplans. – Daraus leiten die Kritiker aus Würenlos vermutlich  zu Recht ab, dass alle vier Gemeinden die Änderungen beschliessen und der Regierungsrat diese Beschlüsse genehmigen muss. Dass nicht alle vier Gemeinden zustimmen werden, liegt durchaus im Rahmen des Möglichen.

Um Haaresbreite hat Thomas Zollinger die Wahl geschafft

Glückspilz des 1. Wahlgangs für den Gemeinderat ist SVP-Kandidat Thomas Zollinger. In seinem zweiten Anlauf für ein Gemeinderatsmandat übertraf er das absolute Mehr von 921 um nur gerade eine Stimme  und ist gewählt. Ebenso wie die vier wieder kandidierenden Gemeinderatsmitglieder. Die vier weiteren neuen Kandidaten dagegen blieben alle unter dem absoluten Mehr. Bestätigt wurden auch Toni Möckel als Gemeindeammann und Nico Kunz als Vizeammann.

Gewählt in den Gemeinderat sind:

 

Nico Kunz (FDP, bisher) 1581

 

     Lukas Wopmann (Die Mitte, bisher) 1423

     Barbara Gerster Rytz (Die Mitte, bisher) 1299

    Toni Möckel (parteilos, bisher) 1248

    Thomas Zollinger (SVP neu) 922

Nicht gewählt sind:

Christoph Meier (GLP, neu): 786

Stephan Lüdi (parteilos,neu): 742

Olivier Rahm (parteilos, neu): 615

Fabio Blaževic (SP, neu): 412

Vereinzelte: 174

Es ist also nicht eingetroffen, was angesichts von neun Kandidaturen für fünf Gemeinderatssitze durchaus erwartet werden durfte. Es wurden auf Anhieb fünf Gemeinderatsmitglieder gewählt. Es findet – auch für den Gemeindeammann und den Vizeammann – kein zweiter Wahlgang statt. 

Für das Scheitern des Alterszentrum-Projektes Margerite auf der Zentrumswiese und die Bruchlandung mit der total überarbeiteten allgemeinen Nutzungsplanung erhielten die vier wiederkandidierenden Gemeinderatsmitglieder also keine schmerzliche Quittung. Glanzvoll wiedergewählt wurde aber niemand.  Die vier wiedergewählten Gemeinderatsmitglieder erhielten durchwegs weniger Stimmen als vor vier Jahren. Die teilweise unter lautem Geklapper von Kritikern erhobene Forderung nach einem umfassenden personellen Neuanfang wurde vom duldsam-braven Würenloser Wahlvolk nicht erhört.

Als Gemeindeammann bestätigt bei einem absoluten Mehr von 896 Stimmen: Toni Möckel (bisher): 1078

Stimmen haben weiter erhalten: Nico Kunz 316; Thomas Zollinger 141; Lukas Wopmann 58; Christoph Meier 56; Barbara Gerster Rytz 51; Stephan Lüdi 31; Fabio Blaževic 28;  Olivier Rahm 12; Vereinzelte 20.

Als Vizeammann bestätigt bei einem absoluten Mehr von 880 Stimmen: Nico Kunz (bisher): 1111.

Stimmen haben weiter erhalten: Lukas Wopmann 166; Thomas Zollinger 118; Barbara Gerster Rytz 96; Christoph Meier 69; Stephan Lüdi 58; Toni Möckel 48; Fabio Blaževic 39; Olivier Rahm 31; Vereinzelte 22.

Die  nicht in den Gemeinderat Gewählten blieben alle deutlich unter dem absoluten Mehr. Am deutlichsten der18-jährige für die SP antretende Fabio Blaževic.  Achtungserfolge erzielten Christoph Meier (GLP) und der parteilose Stephan Lüdi, denen zum absoluten Mehr weniger als 200 Stimmen fehlten. 

Dem erst seit zwei Jahren in Würenlos wohnhaften Olivier Rahm mangelte es für ein besseres Resultat wohl schlicht am Bekanntheitsgrad. Und dem Kantonsschüler Fabio Blazevic traute das Stimmvolk wohl nicht zu, dass er für ein Exekutivamt über genügend Lebens- und Berufserfahrung verfüge. Auch zum Verhängnis dürfte ihm geworden sein: Würenlos – und das hat sich an diesem Abstimmungssonntag bei den kantonalen und eidgenössischen Abstimmungen bestätigt – ist eine sehr bürgerliche Gemeinde mit vielen Eigenheimen. Da dürfte die Abschaffung des Eigenmietwertes vor allem Stimmberechtigte mobilisiert haben, die mit der SP gar nichts am Hut haben. 

Kampfwahlen gab es auch für die Finanzkommission. Gewählt wurden bei einem absoluten Mehr von 810 Stimmen:

Markus Städler (FDP, bisher) 1371

Andreas Schorno (Die Mitte, bisher) 1361

Marcus Meyer (parteilos, bisher) 1044

Marion Moosbrugger-Caluori (FDP, neu) 1019

Christoph Schibli (parteilos, neu) 1008

Weiter Stimmen haben erhalten: Martin Sekinger (SVP, neu, fällt als überzählig aus der Wahl); Hermann Jäger (SVP, neu) 781; Roger Seger (GLP, neu) 558; Vereinzelte 138.

Eine Urnenwahl fand ferner auch für ein Ersatzmitglied der Steuerkommission statt. Eine offizielle Kandidatur lag nicht vor und das absolute Mehr von 330 Stimmen erreichte niemand. Es wird  eine Anmeldefrist bis 8. Oktober für den zweiten Wahlgang angesetzt.  Sollte zu diesem nur eine angemeldete Person antreten, käme es zur stillen Wahl. Vielleicht eine Herausforderung für nicht gewählte Gemeinderatskandidaten??

2 Fragen und 9×2 Antworten

Würenblicker hat allen neun Kandidierenden für den Gemeinderat die gleichen 2 Fragen gestellt und bat sie, „diese in je einem Satz zu beantworten.“ In der Kürze liegt doch die …. Nun ja, was stellen angehende und bereits aktive Politiker mit einer solchen Vorgabe an? Die einen nehmen sie wörtlich, die anderen weniger. Die Redaktion hat ohne Rückfragen gewisse Kürzungen vorgenommen – Längenunterschiede der Texte aber bewusst in Kauf genommen. Sollen die Lesenden doch ihre eigenen Schlüsse daraus ziehen.

Frage 1:  Was stört dich/Sie am meisten an Würenlos, was sich in maximal 2 Jahren von der Gemeinde beheben liesse?

Fabio Blazevic: Mich stört am meisten, dass die Nachtbusse nur bis 3 Uhr fahren, was für junge Leute unattraktiv ist.

 

Barbara Gerster Rytz: Würenlos kann und sollte die Kommunikation mit der Bevölkerung verbessern – durch frühzeitige Information, verständliche Sprache und echten Dialog.

Nico Kunz: Mich stören weniger grosse Missstände als Dinge im Alltag, die man mit gesundem Menschenverstand und etwas Eigeninitiative verbessern könnte. In den Quartieren ist die Verkehrssituation zum Teil unübersichtlich, Begegnungszonen wie in Oetlikon könnten an ausgewählten Stellen im Dorf Entlastung bringen und mehr Sicherheit schaffen. Nicht überall, aber in bestimmten Bereichen wären Tempo-20-Zonen sinnvoll. Zudem beschäftigt mich die zunehmende Bürokratie; Vieles muss heute mit der obersten Stelle in Aarau abgestimmt werden. Wir sollten als Gemeinde wieder mehr Mut haben, selber Entscheide zu fällen und auch einmal etwas zu realisieren, bei dem wir notfalls nachbessern oder zurückbauen. Das Dorf wirkt mit dem Wachstum auch anonymer. Deshalb setze ich mich stark für das Gemeindeleben ein, etwa als OK-Präsident des  Dorffests auf der Zentrumswiese. Dort haben wir sogar einen Spielplatz aufgebaut – mit einfachen Mitteln, ohne hohe Kosten, aber mit viel Wirkung.  Es geht also auch unkompliziert, wenn man will. Genau deshalb mache ich Lokalpolitik.

Stephan Lüdi: Mich stören Fehlplanungen wie die BNO und es gilt laufende Projekte diesbezüglich nochmals zu überprüfen.

 

Christoph Meier: Da die Zentrumswiese sich nicht überbauen lässt, wünsche ich mir bis in zwei Jahren einen spruchreifen raumplanerischen Vorschlag, wie sich die Wiese zukünftig als ein lebendiger Treffpunkt mit Platz für Begegnung, Spiel und einem naturnah gestalteten Bach für unser Dorfes sichern lässt.

Toni Möckel: Eine bessere Kommunikation mit den Einwohnerinnen und Einwohnern, um Aktuelles schneller und besser vermitteln zu können.

 

Olivier Rahm: Ich bin überzeugt, dass der Gemeinderat gemeinsam mit der Wohnbevölkerung die Kommunikation und Transparenz bei wichtigen Planungsfragen noch weiter verbessern kann, damit alle Anliegen frühzeitig und offen diskutiert werden können; damit dies noch besser gelingen kann, braucht es meiner Meinung nach viel Raum und Zeit für Begegnungen und Austausch.

Lukas Wopmann:
Bei der Erarbeitung der neuen BNO (und Projekt Alterszentrum) sind wir schlussendlich nicht viel weiter als vor vielen Jahren. In den nächsten zwei Jahren müssen aber die Weichen für eine erfolgreiche neue BNO gestellt werden, um die Bevölkerung dieses Mal zu überzeugen.

Thomas Zollinger: 2-3% der Stimmberechtigen können über Millionensummen an der Gemeindeversammlung entscheiden. Dazu habe ich 2024 parteiübergreifend ein Postulat im Grossen Rat an den Regierungsrat überwiesen, damit wir im Rahmen der Gesamtrevision 2026 des Gemeindegesetzes die Voraussetzung schaffen, über Verpflichtungskredite künftig an der Urne zu befinden.

Frage 2:  Worauf kann Würenlos stolz sein, das die Gemeinde in den letzten 4 Jahren aus eigener Kraft realisiert hat?

Fabio Blazevic: Dass Würenlos das Angebot der Jugendarbeit diversifiziert und qualitativ verbessert hat, was für junge Menschen sehr bemerkbar ist.

Barbara Gerster Rytz: Würenlos kann stolz darauf sein, Schulden abgebaut und den Steuerfuss gesenkt zu haben – jetzt braucht es den Mut, auch wieder gezielt in Zukunftsthemen wie Bildung, Umwelt und Begegnungsräume zu investieren.

Nico Kunz: Würenlos kann stolz darauf sein, dass sich unsere Gemeinde trotz vieler Herausforderungen stabil und kontinuierlich weiterentwickelt hat. Die Finanzen sind solide geblieben, die familienergänzende Betreuung wurde verbessert, und es konnten mehrere sehr erfolgreiche Infrastrukturprojekte umgesetzt werden. Unsere Versorgung funktioniert, das Dorf lebt, und vieles läuft, ohne dass man es täglich wahrnimmt – gerade weil es zuverlässig funktioniert. Wenn wir diskutieren, kritisieren oder streiten, dann tun wir das auf einem beachtlich hohen Niveau.

Stephan Lüdi: Die Verschuldung pro Bürger ist wirklich minimal, und der Weg dahin verdient meine volle Anerkennung.

Christoph Meier: So richtig stolz macht mich das Erreichte nicht, denn es wurde zu oft reagiert statt agiert, zu wenig vorausschauend geplant und entsprechend stecken viele Langzeitprojekte in Würenlos (zB. Alterszentrum, Verkehrsführung im Zentrum und Fussballplatz) bis auf Weiters fest.

Toni Möckel: Grosser Schuldenabbau mit Reduktion des Steuerfusses.

Olivier Rahm: Würenlos kann stolz darauf sein, dass der Steuerfuss in den letzten Jahren mehrfach gesenkt und damit die Steuerbelastung für die Bevölkerung nachhaltig reduziert wurde.

Lukas Wopmann: Die Gemeinde hat sich positiv entwickelt und gleichzeitig konnten die Verschuldung und der Steuerfuss mehrfach gesenkt werden – etwas was alle Steuerzahler nun positiv betrifft.

Thomas Zollinger: Das Reglement der familienergänzenden Betreuung wurde dahingehend geändert, dass Abzüge von Hausrenovationen und Einkäufen in die 2. und 3. Säule beim steuerbaren Einkommen aufgerechnet werden. So werden diejenigen unterstützt, die es nötig haben, und die anderen, welche ihr Einkommen künstlich nach unten drücken, nicht mehr.

 

Wer erbt den 2. FDP-Sitz im Gemeinderat?

Eine Frau und acht Männer möchten am 28. September in den Gemeinderat gewählt werden, vier Bisherige und fünf Neue. Die FDP verzichtet auf den bisher von Consuelo Senn gehaltenen Sitz. Wer erbt die Stimmen? 

(Kommentierende  Ergänzung der Meldung vom 16.8. über die Kandidaturen für den Gemeinderat,  die Finanz- sowie die Steuerkommission).

Lange Zeit schien es so, dass alle fünf bisherigen Mitglieder des Gemeinderates für die neue Amtsdauer 2026 bis 2029 kandidieren werden. Doch dann erklärte Hochbauvorsteher Consuelo Senn (FDP) überraschend seinen Verzicht auf eine nochmalige Kandidatur.

Für den Gemeinderat kandidieren nun:

Toni Möckel (parteilos, bisher), 1963, einziger Gemeindeammann-Kandidat, Buchenweg 6

 

 

Nico Kunz (FDP, bisher, 1984), einziger Vizeammann-Kandidat, Juchstrasse 15

 

 

 

Lukas Wopmann (Die Mitte, bisher), 1984, Zelglirain 4

 

 

Barbara Gerster Rytz (Die Mitte, bisher), 1965, Buechzelgliring 55

 

 

 

Fabio Blazevic  (SP, neu), 2007,
Roggenweg 28

 

 

 

Stephan Lüdi (parteilos, neu), 1965,
Buechmatt 6

 

 

 

Christoph Meier (GLP, neu), 1979, Schulrain 1

 

 

 

Olivier Rahm (parteilos, neu), 1974, Buechzelglistrasse 57

 

 

 

Thomas Zollinger (SVP, neu), 1976, Haldeweg 6

 

 

 

Auch Gedränge bei Finanzkommission

Für die fünfköpfige Finanzkommission kandidiert ein Oktett: Andreas Schorno (Die Mitte), Markus Städler (FDP), Marcus Meyer (parteilos), Hermann Jäger (SVP), Marion Moosbrugger-Caluori (FDP), Christoph Schibli (parteilos), Roger Seger (GLP), Martin Sekinger (SVP).

Für die dreiköpfige Steuerkommission kandidieren: Robert Nötzli (SVP), Roman Waller (FDP), Bettina Dössegger-Villiger (Die Mitte).

Wer beerbt im Gemeinderat die FDP? 

Der Rücktritt von Consuelo Senn brachte die FDP, deren Personalreservoir nicht übervoll ist, in eine offensichtlich heikle Lage. Sie liess es bis zum Ende der Anmeldefrist offen, ob sie eine
2. Kandidatur anmelde oder nicht. Gerätselt wurde im Dorf,  ob die  bisherigen Finanzkommissionsmitglieder Markus Städler und Pascal Renaud-dit-Louis sich dafür gewinnen liessen.

Die SVP versucht erneut, ihren 2021 verlorenen Gemeinderatssitz zurückzuerobern. Ihr Kandidat,  der 49-jährige Thomas Zollinger  hatte schon 2015 einmal erfolglos für den Gemeinderat kandidiert. SVP-Ortspräsident Pascal Pfeffer räumt ihm diesmal deutlich grössere Wahlchancen ein. Als nunmehriger Grossrat und langjähriges Mitglied der Würenloser Finanzkommission (davon 6 Jahre als Präsident) sei Zollinger breiter abgestützt und politisch erfahrener als vor 10 Jahren. In früheren Jahren war er zuweilen mit  unausgegorenen Vorschlägen und sehr radikalen Ansichten nicht überall gut angekommen. Zollinger ist verheiratet und Vater von vier Kindern. Als eidg. dipl. Finanzanalyst und Vermögensverwalter arbeitet er auf einer Bank. Neuerdings präsidiert er auch die SVP-Bezirkspartei.  

Die Mitte (frühere CVP, fusioniert mit BDP) konzentriert sich darauf, ihre bisherigen zwei Mandate zu halten. Ihre beiden Vertreter im Gemeinderat,  Finanzvorsteher Lukas Wopmann (seit 2014 im GR) und Barbara Gerster Rytz ( Ressortvorsteherin Bildung und Kultur, seit 2018 im GR) treten erneut an und hätten  kaum um ihre Wiederwahl bangen müssen, wenn Consuelo Senn nicht nach der gescheiterten BNO-Revision das Handtuch geworfen hätte.

Doch nun, da die FDP ihren 2. Sitz kampflos preisgibt, fragt sich, an wen diese Stimmen gehen werden. Zollinger wird die Stimmen aus dem stramm rechtsfreisinnigen Lager erben, aber wie gross ist dieses? Und wie gross wird das Stück vom Kuchen sein, das die Kandidaten der Grünliberalen  (GLP) und der Sozialdemokraten (SP) ergattern? Beide Parteien haben auch ohne eigene  Ortspartei in Würenlos ein Sympathielager, das ihnen bei nationalen und kantonalen Wahlen jeweils eine ansehnliche Parteienstärke beschert. Es geht auch ohne eine Hausmacht mit Parteibüchlein, Gemeinderatswahlen sind in erster Linie Persönlichkeitswahlen.

SP-Kandidat Fabio Blazevic hat Schlagzeilen gemacht hat mit einem von ihm initiierten, eher belanglosen Wirbel um reservierte Sitzplätze in der Kantonsschulmensa. Ob er von einem eigentlichen Jugendbonus profitieren wird im Sinne von «toll, wenn sich ein so Junger engagieren will» ist schwierig abzuschätzen. Er selber rechnet sich gute Chancen aus. Bei einer Wahl wäre er der jüngste Gemeinderat der Schweiz, wie das «Badener Tagblatt» schrieb. Aber ob der 18-jährige Kantonsschüler die zeitlichen Belastungen und die mannigfachen Herausforderungen der politischen Führung ganzer Verwaltungseinheiten richtig einschätzt? Grosses politisches Interesse ist nur die halbe Miete. Wäre er – ohne jede berufliche Erfahrung – gewappnet für den nicht immer leichten Umgang mit älteren, fachlich  kompetenten Fachleuten der ihm unterstellten Ressorts und der von ihm geleiteten Kommissionen? Nico Kunz und Lukas Wopmann gehörten bei Amtsantritt zu den wohl jüngsten Gemeinderäten in der Würenloser Geschichte. Sie waren aber schon 30-jährig, standen voll im Berufsleben und hatten sich betriebswirtschaftlich weitergebildet.

Die Grünliberalen (GLP) schicken den 46-jährigen Christoph Meier ins Rennen. Er ist verheiratet und Vater zweier Kleinkinder.  Er verfügt über ein abgeschlossenes Universitätsstudium als Biologe. Insgesamt 5 Jahre hat er im Ausland verbracht, er war Mitarbeiter der Vogelwarte Sempach und arbeitet nun bei Pro Natura Aargau, wo er für Recht und Politik zuständig ist. Von da her sind ihm die in einer Gemeindeexekutive immer wichtiger werdenden Verhandlungen und Absprachen mit Bundes- und Kantonalverwaltungen, aber auch mit betroffenen Einzelpersonen vertraut.

Eine Überraschung wäre, wenn die zwei weiteren parteilosen Kandidaten entscheidend ins Geschehen eingreifen könnten. Beide sind seit Jahren im Immobilienfach zu Hause. Der 60-jährige Stephan Lüdi wohnt zwar schon seit vielen Jahren in Würenlos, ist lokalpolitisch aber erst im Zusammenhang mit der Revision der Allgemeinen Nutzungsplanung in Erscheinung getreten. Zusammen mit anderen Gegnern hatte er an der ausserordentlichen Gemeindeversammlung einen längeren Auftritt. Später dann an der Sommergmeind stellte er den erfolgreichen Antrag, die zweite geplante Perronrampe beim Bahnhof SBB mit einem Zusatzkredit auch zu überdachen. 

Lüdi und noch mehr der 51-jährige Olivier Rahm, der noch nicht allzu lange hier lebt und geschäftet, werden bis zum Wahltag ihren Bekanntheitsgrad stark erhöhen müssen, sollte ihnen nicht bloss eine Aussenseiterrolle zukommen.

Sicher ist, am 28. September wird es so spannend wie bei Gemeindewahlen schon lange nicht mehr. Das bisherige Gemeinderatsgremium hat keine makellose Erfolgsbilanz vorzuweisen. Ausgerechnet die beiden wichtigsten lokalpolitischen Geschäfte  wurden unrettbar vergeigt. Da kann sich niemand in einer Kollegialbehörde hinter den in erster Linie involvierten Kollegen, den Ressortverantwortlichen, verstecken.

Erst der 28. September wird zeigen, wie sehr auch Bisherige, die gerne weiter amten möchten,  an der Urne dafür abgestraft und an ihrer Stelle neue Kräfte gewählt werden. Toni Möckel wurde 2021 zwar als Gemeindeammann sehr gut gewählt, Als Mitglied des Gemeinderates belegte er damals aber nur Platz 4 der gewählten Fünf.

Je mehr Kandidaten sich um Stimmen balgen, desto grösser ist die Wahrscheinlichkeit, dass im 1. Wahlgang nicht gleich fünf Kandidierende gewählt werden und es am 30. November zu einem 2. Wahlgang kommt. Für diesen könnte sich die Ausgangslage  wieder ganz neu präsentieren.

Dieser Artikel  wird voraussichtlich am 25. August um ein weiteres Element ergänzt: Alle Gemeinderatskandidaten beantworten kurz zwei Fragen, die ihnen würenblicker gestellt hat.