Schlagwort-Archive: Alterszentrum Würenlos AG

Alterszentrum soll abspecken

Die Überraschung ist perfekt als Ende Juni das Gesuch für einen Vorentscheid zum Alterszentrum-Projekt Margerite zurückgezogen wird. Auch im Kreis der Einwender reibt man sich die Augen, wie einer von ihnen gegenüber würenblicker bestätigt. Fürs Erste hat man sie ins Leere laufen lassen. Nun wird direkt die eigentliche Baubewilligung angepeilt. Geht es so schneller voran mit dem Alterszentrum? Die Projektgegner zeigen sich weiterhin kampfbereit. Können sie doch noch zum Einlenken gebracht werden? Vieles deutet darauf hin, dass das Gebäudevolumen reduziert wird. Jedenfalls ist der Rückzug des Gesuchs eine weitere abrupte Kehrtwende in der endlos scheinenden Alterszentrumsgeschichte (siehe farbig unterlegter Text am Schluss)

2019 reicht die von Gemeindeammann Toni Möckel präsidierte Alterszentrum Würenlos AG das Gesuch für einen Vorentscheid zum Alterszentrum ein. Mit diesem sollen wichtige  baurechtliche Fragen wie Gebäudevolumen und -höhen usw. vor dem eigentlichen Baubewilligungsverfahren verbindlich geklärt werden. So liessen sich Planungskosten sparen, sollte Margerite nicht so realisiert werden können wie beabsichtigt. Gegen das Vorentscheidsgesuch gehen neun gültige Einwendungen (Einsprachen) ein. Unter anderem werden von den Einwendern zu grosse Gebäudevolumen und -höhen sowie die damit verbundene schlechte Einpassung ins Dorf- und Landschaftsbild moniert. Aus diesem Grund holt der Gemeinderat ein entsprechendes Gutachten bei einem fachkundigen Architekten ein.

Der Rückzug erfolgt, nachdem mit den Einwendern keine Einigung erzielt werden konnte. An einer nach Lockerung des Covid19-Lockdowns doch noch durchgeführten Einigungsverhandlung habe man ihnen gegenüber keinerlei Entgegenkommen gezeigt, erklärt ein Einwender. Doch auch sein Lager zeigt sich wenig kompromissbereit und macht klar, dass man einen Vorentscheid zugunsten von Margerite  durch alle Instanzen hindurch anfechten werde. 

«Wir wollten nicht darauf warten, bis die Juristen mit ihrer Arbeit fertig sind», begründet Alterszentrum-VR-Präsident Möckel den Verzicht auf einen Vorentscheid in der « Limmatwelle (Link). Fragt sich nur, weshalb man denn überhaupt einen Vorentscheid erwirken wollte. Denn kein anderer als Möckel hat von Anfang an gesagt, realistischerweise sei im Vorentscheidsverfahren  mit Einwendungen zu rechnen. Dass das gerade bei diesem Bauvorhaben mit Zeitverlust und viel, sehr viel Juristenfutter verbunden sein würde, muss doch auch dem Verwaltungsrat der Alterszentrum Würenlos AG bewusst gewesen sein. 

Hat die Bauherrin die möglichen Gegner von Margerite und ihre Entschlossenheit massiv  unterschätzt? Zumindest die zehnmonatige Verzögerung, als wegen des Vorentscheidgesuchs die Projektierungsarbeit ruhte, muss die Alterszentrum Würenlos AG unter Toni Möckel ganz auf ihre Kappe nehmen. 

Allerdings scheint auch der Verwaltungsrat der AG  von der ursprünglichen Margerite-Idee nicht mehr restlos überzeugt zu sein. «Ein aus betrieblicher Sicht funktionierendes Gebäude würde nicht zwingend ins Dorfbild passen», lässt sich Möckel in der «Limmatwelle» zitieren und tönt Änderungen an der ursprünglichen Projektidee an: «Hier sind die Architekten gefordert. Sie sollten etwas entwerfen, das der Bevölkerung gefällt.».  

Zum Meinungsumschwung beigetragen haben dürfte das von der Gemeinde eingeholte, bisher unveröffentlichte Ortsbild-Fachgutachten. Der Gutachter – so viel ist durchgesickert – äussert sich kritisch zum 5. Geschoss des höchsten Gebäudetraktes. Deshalb dränge sich eine genauere Überprüfung des Raumprogramms auf, sagen selbst Mitglieder des Verwaltungsrates der Alterszentrum Würenlos AG. 

Das läuft auf ein Abspecken von Margerite hinaus. Dabei dürfte an den 44 Pflegebetten weniger gerüttelt werden als an den bisher vorgesehenen 40 Wohnungen mit Dienstleistungen. Eine Massierung so vieler Alterswohnungen (deren Mieter Dienstleistungen des Alterszentrums beanspruchen könnten) an einem Ort mag zwar betrieblich optimal sein, ist aber weder zwingend noch von allen Seniorinnen und Senioren gewünscht (Stichwort Altersgetto). Der Bau eines Teils dieser Wohnungen an einem anderen Ort im Dorf böte den interessierten Seniorinnen und Senioren mehr Wahlmöglichkeiten. Zudem könnte der Bezug der Wohnungen so etappiert und damit das Leerstandsrisiko minimiert werden.

Fragt sich bloss, ob ein volumenmässig reduziertes Projekt die Einwender davon abhalten wird, im Baubewilligungsverfahren den Rechtsweg bis zum Gehtnichtmehr auszuschöpfen. Denn noch immer geben sie sich kampfentschlossen. Mit Projektkosmetik wie einem genaueren  Beschreiben der Fassadengestaltung und der Verkehrserschliessung, wovon Möckel in der «Limmatwelle» spricht, werden sie sich wohl kaum zufrieden geben. Zumal unter ihnen solche sind, die  am liebsten gar kein Alterszentrum auf der Zentrumswiese hätten und noch immer dem Standort Wiemel nachtrauern.

Ob selbst ein deutliches Abspecken von Margerite rascher zur Baubewilligung führen wird, ist deshalb fraglich. Doch die Alterszentrum Würenlos AG wird den Versuch wohl unternehmen müssen, wenn sie dem klaren Gemeindeversammlungsentscheid von 2013  zu Gunsten des Standorts Zentrumswiese Rechnung tragen will.

Doch man ahnt es: Der Planungs- und Bewilligungsprozess dürfte sich noch in die Länge ziehen. Die von Toni Möckel in der Lokalpresse genannten zwei Ziele, das Baugesuch schon Ende  dieses Jahres einzureichen und 2021 mit dem Bau zu beginnen, sind wohl reines Schönreden

Nicht die erste Kehrtwende.

Der Rückzug des Gesuchs für einen Vorentscheid ist nicht die erste abrupte Kehrtwende in der endlos scheinenden Alterszentrumsgeschichte.

2012 erweist sich, dass ein grösseres Alterszentrum als das bisher vorangetriebene Projekt Ikarus benötigt wird. Ikarus, an dem lange geplant und geschräubelt worden ist, wird beerdigt. Wie schon ein  erstes Altersheimprojekt namens Falter.

2013 überrascht der Gemeinderat alle, auch den damals einflussreichen Verein Alterszentrum. Er schlägt vor, das Alterszentrum nicht auf der Zentrumswiese, sondern im Wiemel zu bauen. Es kommt zum «Volksaufstand». In einer mittels Initiative erzwungenen Abstimmung spricht sich die Sommer-Gmeind klar für den Standort Zentrumswiese aus. 

2016 beschliesst die Dezember-Gemeindeversammlung die Gründung einer gemeinnützigen Aktiengesellschaft, die das Alterszentrum bauen soll. Weil diese Organisationsform mehr Effizienz bei der Realisierung verspricht, beschneidet sich das Stimmvolk seine Mitwirkungsrechte: Zum Bauprojekt wird es nichts mehr zu sagen haben. Bedenken zerstreut der Gemeinderat: Im damaligen Traktandenbericht schreibt er, ein weiterer Meilenstein werde die  «Ausarbeitung eines Gestaltungsplans für das gesamte Zentrum (inkl. Zentrumswiese)» sein. Gestaltungspläne dienen gemäss kantonalem Planungs- und Baugesetz «der architektonisch guten, auf die bauliche und landschaftliche Umgebung und die besonderen Nutzungsbedürfnisse abgestimmten Überbauung».

Der in Aussicht gestellte Gestaltungsplan wird nie erstellt. Stattdessen führt die Alterszentrum Würenlos AG  2018/19 einen Ideenwettbewerb nur für das Alterszentrum durch. Das künftige Aussehen der gesamten Dorfmitte kann so nie breit diskutiert werden. Die Zentrumsplanung bleibt ein Flickwerk.

Nach der Kinder- nun die SeniorenOase

Die Katze ist aus dem Sack. Im Ausschreibungsverfahren für einen Betreiber des künftigen Alterszentrums ist der Zuschlag erfolgt. Die Wahl fiel auf die Oase Service AG mit Sitz in Dübendorf. Das relativ junge Unternehmen, das bisher im Aargau nicht tätig war, betreibt Alterszentren an fünf Orten im Kanton Zürich sowie ab Frühjahr 2020 eines im Kanton Solothurn.

Die gemeindeeigene Alterszentrum Würenlos AG wird bekanntlich das auf der Zentrumswiese geplante Alterszentrum nicht selber betreiben. Damit wird ein in der Branche bereits tätiges Unternehmen beauftragt. Sechs Bewerber haben sich im offenen Ausschreibungsverfahren um den Betrieb des Alterszentrums beworben. Am 9. Dezember ist der Zuschlag an die Oase Service AG erfolgt, wie dem kantonalen Amtsblatt vom 12. Dezember 2019 zu entnehmen ist. Die Firma ist eine Tochtergesellschaft der «Oase Holding AG Wohnen im Alter» und erbringt für Gemeinden und andere Trägerschaften (wie die Alterszentrum Würenlos AG) umfassende Dienstleistungen im Betrieb von Seniorenzentren und Alterswohnungen. Sie übernimmt die gesamte Leitung und Organisation der jeweiligen Betriebe. Das Unternehmen führt bisher Alterszentren in Eglisau, Effretikon, Oetwil am See, Rümlang und Wetzikon sowie ab Frühjahr 2020 ein weiteres in Obergösgen SO. (Link zur Oase-Homepage)

Die Oase-Gruppe investiert auch in eigene Wohneinrichtungen für Betagte. So ist sie Bauherrin des geplanten Alters- und Pflegezentrums Hintermatt in Bergdietikon. Die Oase Holding ist laut eigenen Angaben im Besitz weniger Schweizer Aktionäre. Zu ihnen gehört Eva Maria Bucher-Haefner, Tochter und Erbin des Amag-Gründers und Milliardärs Walter Haefner. 

Präsidentin des Verwaltungsrates der Oase Holding ist Beatrice Tschanz, die bis zum Grounding der Swissair deren Pressechefin war. Dem Verwaltungsrat gehört auch der frühere Zürcher Regierungsrat und Gesundheitsdirektor Thomas Heiniger (FDP) an. Er präsidiert seit Mai 2019 Spitex Schweiz, den Dachverband der Nonprofit-Spitex-Organisationen.

2020 – worauf freue ich mich, worauf bin ich gespannt?

Auch im sechsten Jahr seines Bestehens konnte dieser Blog auf viele interessierte Leserinnen und Leser zählen. Ihnen allen dankt würenblicker für die Treue und wünscht frohe Festtage und alles Gute im neuen Jahr. – Was wird in Würenlos 2020 zu reden geben? Hier drei Themen, die uns mit einiger Sicherheit beschäftigen werden.

Alterszentrum. würenblicker ist gespannt, wie rasch es mit diesem Megaprojekt im kommenden Jahr vorangehen wird. Vor Jahresfrist herrschte Optimismus. Im Januar, nach der Präsentation des Siegerprojektes «Margerite», meldete das «Badener Tagblatt»: «Läuft alles nach Plan, wird im Sommer 2020 mit dem Bau begonnen, der bis 2022 dauern wird.» Das Baugesuch solle bis Ende Jahr vorliegen. Das tut es nicht, wie wir inzwischen wissen. Daran konnte auch die vom BT zitierte Absichtserklärung von Gemeindeammann und Alterszentrum-Verwaltungsratspräsident Toni Möckel «Wir geben nochmals Vollgas» nichts ändern.
 
Im Laufe des Jahres entschied sich die Alterszentrum Würenlos AG, vor dem eigentlichen Baubewilligungsverfahren in einem Vorentscheid wichtige Eckpunkte des Projektes definitiv klären zu lassen. Ein an sich kluges Vorgehen. Bloss: einen Zeitgewinn scheint es nicht zu bringen. Gegen das Vorentscheidsgesuch gingen mehr Einwendungen ein als vermutlich erwartet. Deren 10 meldete das BT, später sprach Toni Möckel von deren 11.
 
Weil sich die Einsprecher bedeckt halten, lässt sich von aussen nicht beurteilen, wie stichhaltig ihre Begründungen sind. Rügen sie bloss untergeordnete Mängel des Projektes oder ist bei einigen mehr «Fleisch am Knochen»? Erfolgten die Einsprachen aus eigennützigen Motiven oder in einem wie auch immer gearteten Allgemeininteresse? Lassen sich die Einsprachen in den Einspracheverhandlungen unkompliziert erledigen oder sind die Einsprecher wild entschlossen,  den Weg durch die Instanzen zu gehen? Je nachdem könnte es markant länger dauern bis die Baubewilligung vorliegt – oder eben auch nicht. Einen Baustart im kommenden Jahr halte ich jedenfalls für unwahrscheinlich.

Auf sich warten lässt auch der bis Ende dieses Jahres in Aussicht gestellte Entscheid darüber, wer das Alterszentrum betreiben wird. Das deutet darauf hin, dass der Vertrag mit einem Betreiber noch nicht in trockenen Tüchern ist. Nun, als Mieter würde ich auch keinen Vertrag unterzeichnen für ein Objekt, von dem ich nicht weiss, ob und wie es überhaupt gebaut werden kann. (Siehe Präzisierung zu diesem Abschnitt im voranstehenden, neueren Artikel.)

Steinhof. Der Teilneubau und die Totalsanierung des Gasthofs an der Landstrasse schreitet zügig voran. Die zwölf Wohnungen im anstelle der Scheune errichteten Mehrfamilienhaus sind bezugsbereit, nur noch eine ist laut Steinhof-Homepage noch nicht vermietet. Bis zur Wiedereröffnung der Traditionsgaststätte wird es noch eine Weile dauern. Umso gespannter ist man auf das gastronomische Konzept. Wird es die Gastronomie im Dorf auf innovative Art bereichern? Einen so grossen, aufwändig neu- und umgebauten Betrieb erfolgreich zu führen, wird eine grosse Herausforderung sein. Das Gästepotential dürfte vorhanden sein. Die «Werkstatt» , die Bar/Lounge im Bahnhof Güterschuppen, und Arnets Bäckerei/Café-Kombi konnten Marktlücken füllen. Doch der «Steinhof» wird von der Grösse her doch in einer anderen Kategorie spielen. Und wie werden die bestehenden Lokale im Dorf auf die neue Konkurrenz reagieren? Wird Restauranttester Bumann nach seinem Troubleshooting im Bahnhöfli zur letzten Hoffnung auch für weitere Würenloser Wirte?

Dorffest. Ich bin kein ausgesprochener Enthusiast grosser Volksfeste. Aber auf die drei Tage im Juni freue ich mich. Mutig kann man es schon finden, dass wir ausgerechnet im selben Sommer feiern, in dem unsere Nachbargemeinde Wettingen mit einer 10-tägigen Sause ihr 975-jähriges Bestehen feiert. Aber erstens können wir 175 Jährchen mehr in die Waagschale werfen, begehen also 2020 unser 1150-Jahr-Jubiläum. Aber auch ohne dieses wäre wieder mal ein Dorffest angezeigt, liegt das letzte doch auch schon wieder acht Jahre zurück.

Die Vorfreude in der Bevölkerung ist jedenfalls da und sie ist grösser als vor 8 Jahren. Erfreulicherweise grösser ist auch die Bereitschaft, aktiv mitzuwirken. Über 30 Festbeizen und -Bars  sind angekündigt. Sind Wirt oder Bardame die heimlichen Traumberufe aller WürenloserInnen? Nun, die geschäftlichen Aussichten sind ja auch nicht schlecht. Festbeizen werden nichts über Umsatzgaben an die Festkosten beitragen müssen, ebensowenig die Besucher – das ist nicht überall so. Wettingen berappt zwar für sein Fest unter dem Motto «Atmosphäre» 450 000 Franken aus Steuergeldern. Doch das deckt bloss ein Sechstel der Gesamtkosten, den weitaus grösseren Teil müssen Sponsoren und vor allem die Festbeizen mit Umsatzabgaben und die Besucher mit Eintrittsgeldern bezahlen.

Mit dem Verzicht auf Beizenabgaben und Eintrittsgelder zeigt sich Würenlos von seiner grosszügigen Seite. Ein wenig erstaunt hat es mich aber doch, dass an der letzten Gemeindeversammlung die budgetierten 156’600 Franken fürs Dorffest schlank durchgegangen sind. Verargen kann man es ja schliesslich niemandem, wenn er oder sie Volksfesten nichts abgewinnen kann und sie deshalb auch nicht subventionieren möchte. Aber wenn es dem Dorffest gelingt, unsere stark gewachsene Bevölkerung näher zusammen zu schweissen, dann haben sich die 156’600 Franken gelohnt.

Überdies rührt Würenlos sein Fest mit markant kleinerer Kelle an als die Nachbarn. Doch viel mehr Besucher und viel höhere Kosten sind kein Garant für bessere «Atmosphäre». Würenlos hat es nicht nötig, mit Rekorden an verzehrten Bratwürsten, an gesoffenen Litern oder an gefüllten ToiTois sein Ego zu stärken. Mir ist es recht, wenn es vom 19. bis 21. Juni etwas beschaulicher, gediegener und intimer zugeht. Ich freue mich vor allem darauf, viele nette, fröhliche Würenloserinnen und Würenloser (gibt es andere?) zu treffen..

Das Alterszentrum ist ausgesteckt

Blick vom Postparkplatz auf den Profilstangenwald. Auch der grüne Gmeumeriwald (hinten) wird hinter dem Neubau verschwinden.

Nun steht das Baugespann für das Alterszentrum auf der Zentrumswiese. Der Verwaltungsrat der Alterszentrum Würenlos AG hat das Gesuch um einen baurechtlichen Vorentscheid eingereicht. Der Gemeinderat als Baubehörde soll wichtige Eckpfeiler des Alterszentrum definitiv bewilligen, bevor das detaillierte Bauprojekt ausgearbeitet wird. Damit ist nun der Moment für allfällige Gegner des Projektes gekommen, Farbe zu bekennen.

Wie viel wird man vom Chile- oder Rössliweg aus noch sehen von unserem Wahrzeichen, dem Doppelzwiebel-Kirchturm? Wie viel Freiraum bleibt zwischen dem Furtbach oder der Zentrumsscheune und dem teilweise fünfstöckigen Neubau? Pläne und Skizzen vermitteln nie genau den Eindruck, wie sich ein Neubau später Passanten und Nachbarn präsentieren, wie gut er sich ins Dofbild und in die Landschaft einpassen wird. Deshalb lohnt sich jetzt ein Gang zur Zentrumswiese, um sich vor Ort ein Bild zu machen.

Schon mal vorweg: Das Alterszentrum wird nicht nur das grösste je auf einen Schlag im Dorfe realisierte Bauwerk sein, es wird den Charakter unserer Dorfmitte nochmals gründlich verändern. Altvertraute Anblicke werden verschwinden, ein weiteres Gebäude mit urbanem Gepräge wird das Dorfzentrum dominieren. Das war allerdings bereits absehbar, als sich die gut besuchte Gemeindeversammlung vom Juni 2013 klar und einmal mehr für die Zentrumswiese als Standort des Alterszentrum entschied. Dieses wird immerhin 44 Pflegezimmer und 40 betreute Alterswohnungen umfassen. Die beiden gescheiterten Vorgängerprojekte waren erheblich kleiner dimensioniert. Umso erstaunlicher, dass bisher kaum nennenswerte Kritik am Projekt Margerite laut geworden ist.

Vom vorderen Chileweg (beim Coop) aus gesehen, güxlet gerade noch das Turmkreuz hinter dem Neubau hervor.
Vom vorderen Rössliweg…
…ebenso wie vom mittleren Rössliweg und …
…vom hinteren Rössliweg (Kinderoase) aus gesehen, verschwindet das ganze Kirchenareal mit dem Turm, der Alten Kirche und der architektonisch ebenso bedeutsamen neuen katholischen Kirche (1936/37, Architekt: Alois Moser) hinter dem Alterszentrum. Nur einige niedrigere Trakte des stark gegliederten Neubauprojektes werden weiterhin den Blick auf den Kirchenhügel freigeben.
Das Alterszentrum wird auch das Panorama von der Terrasse beim Friedhof dominieren.
Wer auf der Mühlegasse inmitten des schmucken Ensembles mit Alter Mühle, Zentrumsscheune und ehemaligem Weinbauernhaus Mühlegasse 12 steht, wird vom Alterszentrum nichts zu sehen bekommen.

Doch jetzt ist für allfällige Gegner der Moment gekommen, die sichere Deckung zu verlassen. Ab Freitag, 16. August, liegt das Vorentscheidsgesuch bei der Bauverwaltung zur Einsicht auf. Bis Montag, 16. September, kann Einsprache dagegen eingereicht werden. Nachher wird für viele mögliche Einwände der Zug abgefahren sein.

Mit dem Vorentscheid will der Verwaltungsrat die wichtigsten Eckwerte um die Positionierung und Höhe der Gebäudetrakte, um die Erschliessung sowie um den Hochwasserschutz geklärt haben, bevor die teure Detailplanung für das eigentliche Baugesuch erfolgt. Das macht Sinn, weil so eventuell Planungskosten und Zeit gespart werden können, sollte das Projekt wider Erwarten mit Einsprachen und Rekursen doch noch zu Fall gebracht werden.

Der Begriff Vorentscheid soll nicht trügen.Wird über das Vorentscheidsgesuch positiv entschieden, so erlangen die behandelten Punkte definitive Rechtskraft. Sie können also im späteren Baubewilligungsverfahren nicht mehr gerügt werden. Es sei denn, das Projekt werde nach dem Vorentscheid nochmals erheblich abgeändert.

«Blauäugig» wäre es, davon auszugehen, es gebe im jetzt laufenden Verfahren keine Einsprachen, sagte der Gemeindeammann und VR-Präsident der Bauherrschaft, Toni Möckel, im Juli gegenüber der «Limmatwelle». Der Kreis der Einspracheberechtigten ist recht gross. Berechtigt ist laut aargauischer Baurechtspraxis schon, wer direkten Blickkontakt zum Neubau hat – sei es als Grundeigentümer oder Mieterin/in. Und das Alterszentrum wird von weit her sichtbar sein. Einsprachen müssen aber einen Antrag enthalten und begründet sein, etwa mit fehlender Einpassung ins Ortsbild oder mit zu grossen Nachteilen für benachbarte Liegenschaften. 

Allfällige Einsprecher werden die Einhaltung der Ausstandsregeln wohl mit Argusaugen überwachen. Denn zwei der fünf Gemeinderatsmitglieder, Gemeindeammann Toni Möckel und Markus Hugi, Ressortverantwortlicher Hochbau, sitzen im Verwaltungsrat der Bauherrschaft, der Alterszentrum Würenlos AG, und müssen wohl bereits beim Vorentscheid in den Ausstand treten. Allfällige Einspracheverhandlungen wären vermutlich von Vizeammann Nico Kunz zu führen. 

In der «Limmatwelle» vom 25. Juli war zu lesen, der Alterszentrum-Verwaltungsrat gehe davon aus, dass der Vorentscheid bis kommenden November und die Baubewilligung bis Herbst 2020 vorliegen werden. Das Zentrum könnte dann Ende 2022 bezugsbereit sein. Die «Limmatwelle» bezeichnet diesen Zeitplan als «sportlich». Das ist freundlich ausgedrückt.

Mit dem aus einem Wettbewerb siegreich hervorgegangenen Projekt Margerite haben sich bereits frühere Beiträge hier, hier sowie hier beschäftigt. würenblicker wird weiterhin am Thema dran bleiben.