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Um Haaresbreite hat Thomas Zollinger die Wahl geschafft

Glückspilz des 1. Wahlgangs für den Gemeinderat ist SVP-Kandidat Thomas Zollinger. In seinem zweiten Anlauf für ein Gemeinderatsmandat übertraf er das absolute Mehr von 921 um nur gerade eine Stimme  und ist gewählt. Ebenso wie die vier wieder kandidierenden Gemeinderatsmitglieder. Die vier weiteren neuen Kandidaten dagegen blieben alle unter dem absoluten Mehr. Bestätigt wurden auch Toni Möckel als Gemeindeammann und Nico Kunz als Vizeammann.

Gewählt in den Gemeinderat sind:

 

Nico Kunz (FDP, bisher) 1581

 

     Lukas Wopmann (Die Mitte, bisher) 1423

     Barbara Gerster Rytz (Die Mitte, bisher) 1299

    Toni Möckel (parteilos, bisher) 1248

    Thomas Zollinger (SVP neu) 922

Nicht gewählt sind:

Christoph Meier (GLP, neu): 786

Stephan Lüdi (parteilos,neu): 742

Olivier Rahm (parteilos, neu): 615

Fabio Blaževic (SP, neu): 412

Vereinzelte: 174

Es ist also nicht eingetroffen, was angesichts von neun Kandidaturen für fünf Gemeinderatssitze durchaus erwartet werden durfte. Es wurden auf Anhieb fünf Gemeinderatsmitglieder gewählt. Es findet – auch für den Gemeindeammann und den Vizeammann – kein zweiter Wahlgang statt. 

Für das Scheitern des Alterszentrum-Projektes Margerite auf der Zentrumswiese und die Bruchlandung mit der total überarbeiteten allgemeinen Nutzungsplanung erhielten die vier wiederkandidierenden Gemeinderatsmitglieder also keine schmerzliche Quittung. Glanzvoll wiedergewählt wurde aber niemand.  Die vier wiedergewählten Gemeinderatsmitglieder erhielten durchwegs weniger Stimmen als vor vier Jahren. Die teilweise unter lautem Geklapper von Kritikern erhobene Forderung nach einem umfassenden personellen Neuanfang wurde vom duldsam-braven Würenloser Wahlvolk nicht erhört.

Als Gemeindeammann bestätigt bei einem absoluten Mehr von 896 Stimmen: Toni Möckel (bisher): 1078

Stimmen haben weiter erhalten: Nico Kunz 316; Thomas Zollinger 141; Lukas Wopmann 58; Christoph Meier 56; Barbara Gerster Rytz 51; Stephan Lüdi 31; Fabio Blaževic 28;  Olivier Rahm 12; Vereinzelte 20.

Als Vizeammann bestätigt bei einem absoluten Mehr von 880 Stimmen: Nico Kunz (bisher): 1111.

Stimmen haben weiter erhalten: Lukas Wopmann 166; Thomas Zollinger 118; Barbara Gerster Rytz 96; Christoph Meier 69; Stephan Lüdi 58; Toni Möckel 48; Fabio Blaževic 39; Olivier Rahm 31; Vereinzelte 22.

Die  nicht in den Gemeinderat Gewählten blieben alle deutlich unter dem absoluten Mehr. Am deutlichsten der18-jährige für die SP antretende Fabio Blaževic.  Achtungserfolge erzielten Christoph Meier (GLP) und der parteilose Stephan Lüdi, denen zum absoluten Mehr weniger als 200 Stimmen fehlten. 

Dem erst seit zwei Jahren in Würenlos wohnhaften Olivier Rahm mangelte es für ein besseres Resultat wohl schlicht am Bekanntheitsgrad. Und dem Kantonsschüler Fabio Blazevic traute das Stimmvolk wohl nicht zu, dass er für ein Exekutivamt über genügend Lebens- und Berufserfahrung verfüge. Auch zum Verhängnis dürfte ihm geworden sein: Würenlos – und das hat sich an diesem Abstimmungssonntag bei den kantonalen und eidgenössischen Abstimmungen bestätigt – ist eine sehr bürgerliche Gemeinde mit vielen Eigenheimen. Da dürfte die Abschaffung des Eigenmietwertes vor allem Stimmberechtigte mobilisiert haben, die mit der SP gar nichts am Hut haben. 

Kampfwahlen gab es auch für die Finanzkommission. Gewählt wurden bei einem absoluten Mehr von 810 Stimmen:

Markus Städler (FDP, bisher) 1371

Andreas Schorno (Die Mitte, bisher) 1361

Marcus Meyer (parteilos, bisher) 1044

Marion Moosbrugger-Caluori (FDP, neu) 1019

Christoph Schibli (parteilos, neu) 1008

Weiter Stimmen haben erhalten: Martin Sekinger (SVP, neu, fällt als überzählig aus der Wahl); Hermann Jäger (SVP, neu) 781; Roger Seger (GLP, neu) 558; Vereinzelte 138.

Eine Urnenwahl fand ferner auch für ein Ersatzmitglied der Steuerkommission statt. Eine offizielle Kandidatur lag nicht vor und das absolute Mehr von 330 Stimmen erreichte niemand. Es wird  eine Anmeldefrist bis 8. Oktober für den zweiten Wahlgang angesetzt.  Sollte zu diesem nur eine angemeldete Person antreten, käme es zur stillen Wahl. Vielleicht eine Herausforderung für nicht gewählte Gemeinderatskandidaten??

2 Fragen und 9×2 Antworten

Würenblicker hat allen neun Kandidierenden für den Gemeinderat die gleichen 2 Fragen gestellt und bat sie, „diese in je einem Satz zu beantworten.“ In der Kürze liegt doch die …. Nun ja, was stellen angehende und bereits aktive Politiker mit einer solchen Vorgabe an? Die einen nehmen sie wörtlich, die anderen weniger. Die Redaktion hat ohne Rückfragen gewisse Kürzungen vorgenommen – Längenunterschiede der Texte aber bewusst in Kauf genommen. Sollen die Lesenden doch ihre eigenen Schlüsse daraus ziehen.

Frage 1:  Was stört dich/Sie am meisten an Würenlos, was sich in maximal 2 Jahren von der Gemeinde beheben liesse?

Fabio Blazevic: Mich stört am meisten, dass die Nachtbusse nur bis 3 Uhr fahren, was für junge Leute unattraktiv ist.

 

Barbara Gerster Rytz: Würenlos kann und sollte die Kommunikation mit der Bevölkerung verbessern – durch frühzeitige Information, verständliche Sprache und echten Dialog.

Nico Kunz: Mich stören weniger grosse Missstände als Dinge im Alltag, die man mit gesundem Menschenverstand und etwas Eigeninitiative verbessern könnte. In den Quartieren ist die Verkehrssituation zum Teil unübersichtlich, Begegnungszonen wie in Oetlikon könnten an ausgewählten Stellen im Dorf Entlastung bringen und mehr Sicherheit schaffen. Nicht überall, aber in bestimmten Bereichen wären Tempo-20-Zonen sinnvoll. Zudem beschäftigt mich die zunehmende Bürokratie; Vieles muss heute mit der obersten Stelle in Aarau abgestimmt werden. Wir sollten als Gemeinde wieder mehr Mut haben, selber Entscheide zu fällen und auch einmal etwas zu realisieren, bei dem wir notfalls nachbessern oder zurückbauen. Das Dorf wirkt mit dem Wachstum auch anonymer. Deshalb setze ich mich stark für das Gemeindeleben ein, etwa als OK-Präsident des  Dorffests auf der Zentrumswiese. Dort haben wir sogar einen Spielplatz aufgebaut – mit einfachen Mitteln, ohne hohe Kosten, aber mit viel Wirkung.  Es geht also auch unkompliziert, wenn man will. Genau deshalb mache ich Lokalpolitik.

Stephan Lüdi: Mich stören Fehlplanungen wie die BNO und es gilt laufende Projekte diesbezüglich nochmals zu überprüfen.

 

Christoph Meier: Da die Zentrumswiese sich nicht überbauen lässt, wünsche ich mir bis in zwei Jahren einen spruchreifen raumplanerischen Vorschlag, wie sich die Wiese zukünftig als ein lebendiger Treffpunkt mit Platz für Begegnung, Spiel und einem naturnah gestalteten Bach für unser Dorfes sichern lässt.

Toni Möckel: Eine bessere Kommunikation mit den Einwohnerinnen und Einwohnern, um Aktuelles schneller und besser vermitteln zu können.

 

Olivier Rahm: Ich bin überzeugt, dass der Gemeinderat gemeinsam mit der Wohnbevölkerung die Kommunikation und Transparenz bei wichtigen Planungsfragen noch weiter verbessern kann, damit alle Anliegen frühzeitig und offen diskutiert werden können; damit dies noch besser gelingen kann, braucht es meiner Meinung nach viel Raum und Zeit für Begegnungen und Austausch.

Lukas Wopmann:
Bei der Erarbeitung der neuen BNO (und Projekt Alterszentrum) sind wir schlussendlich nicht viel weiter als vor vielen Jahren. In den nächsten zwei Jahren müssen aber die Weichen für eine erfolgreiche neue BNO gestellt werden, um die Bevölkerung dieses Mal zu überzeugen.

Thomas Zollinger: 2-3% der Stimmberechtigen können über Millionensummen an der Gemeindeversammlung entscheiden. Dazu habe ich 2024 parteiübergreifend ein Postulat im Grossen Rat an den Regierungsrat überwiesen, damit wir im Rahmen der Gesamtrevision 2026 des Gemeindegesetzes die Voraussetzung schaffen, über Verpflichtungskredite künftig an der Urne zu befinden.

Frage 2:  Worauf kann Würenlos stolz sein, das die Gemeinde in den letzten 4 Jahren aus eigener Kraft realisiert hat?

Fabio Blazevic: Dass Würenlos das Angebot der Jugendarbeit diversifiziert und qualitativ verbessert hat, was für junge Menschen sehr bemerkbar ist.

Barbara Gerster Rytz: Würenlos kann stolz darauf sein, Schulden abgebaut und den Steuerfuss gesenkt zu haben – jetzt braucht es den Mut, auch wieder gezielt in Zukunftsthemen wie Bildung, Umwelt und Begegnungsräume zu investieren.

Nico Kunz: Würenlos kann stolz darauf sein, dass sich unsere Gemeinde trotz vieler Herausforderungen stabil und kontinuierlich weiterentwickelt hat. Die Finanzen sind solide geblieben, die familienergänzende Betreuung wurde verbessert, und es konnten mehrere sehr erfolgreiche Infrastrukturprojekte umgesetzt werden. Unsere Versorgung funktioniert, das Dorf lebt, und vieles läuft, ohne dass man es täglich wahrnimmt – gerade weil es zuverlässig funktioniert. Wenn wir diskutieren, kritisieren oder streiten, dann tun wir das auf einem beachtlich hohen Niveau.

Stephan Lüdi: Die Verschuldung pro Bürger ist wirklich minimal, und der Weg dahin verdient meine volle Anerkennung.

Christoph Meier: So richtig stolz macht mich das Erreichte nicht, denn es wurde zu oft reagiert statt agiert, zu wenig vorausschauend geplant und entsprechend stecken viele Langzeitprojekte in Würenlos (zB. Alterszentrum, Verkehrsführung im Zentrum und Fussballplatz) bis auf Weiters fest.

Toni Möckel: Grosser Schuldenabbau mit Reduktion des Steuerfusses.

Olivier Rahm: Würenlos kann stolz darauf sein, dass der Steuerfuss in den letzten Jahren mehrfach gesenkt und damit die Steuerbelastung für die Bevölkerung nachhaltig reduziert wurde.

Lukas Wopmann: Die Gemeinde hat sich positiv entwickelt und gleichzeitig konnten die Verschuldung und der Steuerfuss mehrfach gesenkt werden – etwas was alle Steuerzahler nun positiv betrifft.

Thomas Zollinger: Das Reglement der familienergänzenden Betreuung wurde dahingehend geändert, dass Abzüge von Hausrenovationen und Einkäufen in die 2. und 3. Säule beim steuerbaren Einkommen aufgerechnet werden. So werden diejenigen unterstützt, die es nötig haben, und die anderen, welche ihr Einkommen künstlich nach unten drücken, nicht mehr.

 

Wer erbt den 2. FDP-Sitz im Gemeinderat?

Eine Frau und acht Männer möchten am 28. September in den Gemeinderat gewählt werden, vier Bisherige und fünf Neue. Die FDP verzichtet auf den bisher von Consuelo Senn gehaltenen Sitz. Wer erbt die Stimmen? 

(Kommentierende  Ergänzung der Meldung vom 16.8. über die Kandidaturen für den Gemeinderat,  die Finanz- sowie die Steuerkommission).

Lange Zeit schien es so, dass alle fünf bisherigen Mitglieder des Gemeinderates für die neue Amtsdauer 2026 bis 2029 kandidieren werden. Doch dann erklärte Hochbauvorsteher Consuelo Senn (FDP) überraschend seinen Verzicht auf eine nochmalige Kandidatur.

Für den Gemeinderat kandidieren nun:

Toni Möckel (parteilos, bisher), 1963, einziger Gemeindeammann-Kandidat, Buchenweg 6

 

 

Nico Kunz (FDP, bisher, 1984), einziger Vizeammann-Kandidat, Juchstrasse 15

 

 

 

Lukas Wopmann (Die Mitte, bisher), 1984, Zelglirain 4

 

 

Barbara Gerster Rytz (Die Mitte, bisher), 1965, Buechzelgliring 55

 

 

 

Fabio Blazevic  (SP, neu), 2007,
Roggenweg 28

 

 

 

Stephan Lüdi (parteilos, neu), 1965,
Buechmatt 6

 

 

 

Christoph Meier (GLP, neu), 1979, Schulrain 1

 

 

 

Olivier Rahm (parteilos, neu), 1974, Buechzelglistrasse 57

 

 

 

Thomas Zollinger (SVP, neu), 1976, Haldeweg 6

 

 

 

Auch Gedränge bei Finanzkommission

Für die fünfköpfige Finanzkommission kandidiert ein Oktett: Andreas Schorno (Die Mitte), Markus Städler (FDP), Marcus Meyer (parteilos), Hermann Jäger (SVP), Marion Moosbrugger-Caluori (FDP), Christoph Schibli (parteilos), Roger Seger (GLP), Martin Sekinger (SVP).

Für die dreiköpfige Steuerkommission kandidieren: Robert Nötzli (SVP), Roman Waller (FDP), Bettina Dössegger-Villiger (Die Mitte).

Wer beerbt im Gemeinderat die FDP? 

Der Rücktritt von Consuelo Senn brachte die FDP, deren Personalreservoir nicht übervoll ist, in eine offensichtlich heikle Lage. Sie liess es bis zum Ende der Anmeldefrist offen, ob sie eine
2. Kandidatur anmelde oder nicht. Gerätselt wurde im Dorf,  ob die  bisherigen Finanzkommissionsmitglieder Markus Städler und Pascal Renaud-dit-Louis sich dafür gewinnen liessen.

Die SVP versucht erneut, ihren 2021 verlorenen Gemeinderatssitz zurückzuerobern. Ihr Kandidat,  der 49-jährige Thomas Zollinger  hatte schon 2015 einmal erfolglos für den Gemeinderat kandidiert. SVP-Ortspräsident Pascal Pfeffer räumt ihm diesmal deutlich grössere Wahlchancen ein. Als nunmehriger Grossrat und langjähriges Mitglied der Würenloser Finanzkommission (davon 6 Jahre als Präsident) sei Zollinger breiter abgestützt und politisch erfahrener als vor 10 Jahren. In früheren Jahren war er zuweilen mit  unausgegorenen Vorschlägen und sehr radikalen Ansichten nicht überall gut angekommen. Zollinger ist verheiratet und Vater von vier Kindern. Als eidg. dipl. Finanzanalyst und Vermögensverwalter arbeitet er auf einer Bank. Neuerdings präsidiert er auch die SVP-Bezirkspartei.  

Die Mitte (frühere CVP, fusioniert mit BDP) konzentriert sich darauf, ihre bisherigen zwei Mandate zu halten. Ihre beiden Vertreter im Gemeinderat,  Finanzvorsteher Lukas Wopmann (seit 2014 im GR) und Barbara Gerster Rytz ( Ressortvorsteherin Bildung und Kultur, seit 2018 im GR) treten erneut an und hätten  kaum um ihre Wiederwahl bangen müssen, wenn Consuelo Senn nicht nach der gescheiterten BNO-Revision das Handtuch geworfen hätte.

Doch nun, da die FDP ihren 2. Sitz kampflos preisgibt, fragt sich, an wen diese Stimmen gehen werden. Zollinger wird die Stimmen aus dem stramm rechtsfreisinnigen Lager erben, aber wie gross ist dieses? Und wie gross wird das Stück vom Kuchen sein, das die Kandidaten der Grünliberalen  (GLP) und der Sozialdemokraten (SP) ergattern? Beide Parteien haben auch ohne eigene  Ortspartei in Würenlos ein Sympathielager, das ihnen bei nationalen und kantonalen Wahlen jeweils eine ansehnliche Parteienstärke beschert. Es geht auch ohne eine Hausmacht mit Parteibüchlein, Gemeinderatswahlen sind in erster Linie Persönlichkeitswahlen.

SP-Kandidat Fabio Blazevic hat Schlagzeilen gemacht hat mit einem von ihm initiierten, eher belanglosen Wirbel um reservierte Sitzplätze in der Kantonsschulmensa. Ob er von einem eigentlichen Jugendbonus profitieren wird im Sinne von «toll, wenn sich ein so Junger engagieren will» ist schwierig abzuschätzen. Er selber rechnet sich gute Chancen aus. Bei einer Wahl wäre er der jüngste Gemeinderat der Schweiz, wie das «Badener Tagblatt» schrieb. Aber ob der 18-jährige Kantonsschüler die zeitlichen Belastungen und die mannigfachen Herausforderungen der politischen Führung ganzer Verwaltungseinheiten richtig einschätzt? Grosses politisches Interesse ist nur die halbe Miete. Wäre er – ohne jede berufliche Erfahrung – gewappnet für den nicht immer leichten Umgang mit älteren, fachlich  kompetenten Fachleuten der ihm unterstellten Ressorts und der von ihm geleiteten Kommissionen? Nico Kunz und Lukas Wopmann gehörten bei Amtsantritt zu den wohl jüngsten Gemeinderäten in der Würenloser Geschichte. Sie waren aber schon 30-jährig, standen voll im Berufsleben und hatten sich betriebswirtschaftlich weitergebildet.

Die Grünliberalen (GLP) schicken den 46-jährigen Christoph Meier ins Rennen. Er ist verheiratet und Vater zweier Kleinkinder.  Er verfügt über ein abgeschlossenes Universitätsstudium als Biologe. Insgesamt 5 Jahre hat er im Ausland verbracht, er war Mitarbeiter der Vogelwarte Sempach und arbeitet nun bei Pro Natura Aargau, wo er für Recht und Politik zuständig ist. Von da her sind ihm die in einer Gemeindeexekutive immer wichtiger werdenden Verhandlungen und Absprachen mit Bundes- und Kantonalverwaltungen, aber auch mit betroffenen Einzelpersonen vertraut.

Eine Überraschung wäre, wenn die zwei weiteren parteilosen Kandidaten entscheidend ins Geschehen eingreifen könnten. Beide sind seit Jahren im Immobilienfach zu Hause. Der 60-jährige Stephan Lüdi wohnt zwar schon seit vielen Jahren in Würenlos, ist lokalpolitisch aber erst im Zusammenhang mit der Revision der Allgemeinen Nutzungsplanung in Erscheinung getreten. Zusammen mit anderen Gegnern hatte er an der ausserordentlichen Gemeindeversammlung einen längeren Auftritt. Später dann an der Sommergmeind stellte er den erfolgreichen Antrag, die zweite geplante Perronrampe beim Bahnhof SBB mit einem Zusatzkredit auch zu überdachen. 

Lüdi und noch mehr der 51-jährige Olivier Rahm, der noch nicht allzu lange hier lebt und geschäftet, werden bis zum Wahltag ihren Bekanntheitsgrad stark erhöhen müssen, sollte ihnen nicht bloss eine Aussenseiterrolle zukommen.

Sicher ist, am 28. September wird es so spannend wie bei Gemeindewahlen schon lange nicht mehr. Das bisherige Gemeinderatsgremium hat keine makellose Erfolgsbilanz vorzuweisen. Ausgerechnet die beiden wichtigsten lokalpolitischen Geschäfte  wurden unrettbar vergeigt. Da kann sich niemand in einer Kollegialbehörde hinter den in erster Linie involvierten Kollegen, den Ressortverantwortlichen, verstecken.

Erst der 28. September wird zeigen, wie sehr auch Bisherige, die gerne weiter amten möchten,  an der Urne dafür abgestraft und an ihrer Stelle neue Kräfte gewählt werden. Toni Möckel wurde 2021 zwar als Gemeindeammann sehr gut gewählt, Als Mitglied des Gemeinderates belegte er damals aber nur Platz 4 der gewählten Fünf.

Je mehr Kandidaten sich um Stimmen balgen, desto grösser ist die Wahrscheinlichkeit, dass im 1. Wahlgang nicht gleich fünf Kandidierende gewählt werden und es am 30. November zu einem 2. Wahlgang kommt. Für diesen könnte sich die Ausgangslage  wieder ganz neu präsentieren.

Dieser Artikel  wird voraussichtlich am 25. August um ein weiteres Element ergänzt: Alle Gemeinderatskandidaten beantworten kurz zwei Fragen, die ihnen würenblicker gestellt hat.

Begehrte Grossratssitze und Achtungserfolg für G5-Skeptiker

11 Würenloserinnen und Würenloser bewerben sich in den Grossratswahlen vom kommenden 20. Oktober für einen Sitz im Kantonsparlament – das sind mehr als jeweils in den drei vorangegangenen Grossratswahlen.

2012 waren es 9 Kandidaturen aus unserem Dorf, 2016 gar nur 8 und 2020 deren 10. Im ganzen Kanton sind diesmal  1023  Kandidaturen angemeldet worden –4 weniger als 2020. Wieviele es diesmal aus jeder der 196 anderen  Gemeinden sind, ist aus einer interaktiven Karte der AZ/Badener Tagblatt (Link) ersichtlich. Demnach kandidieren für sechs Parteien folgenden Personen aus Würenlos, darunter drei Mitglieder des Gemeinderates:

SVP: Thomas Zollinger (bisher) und Jürg Frei;
FDP: Nico Kunz (Vizeammann) und Consuelo Senn (Gemeinderat);
Mitte: Lukas Wopmann (Gemeinderat);
GLP: Christoph Meier;
EVP: Hans Peter Hardmeier, Monique Holland und Godi Brun;
EDU: Carla Suter und Marco Suter

Eine Mehrheit der Kandidat:innen hat zuvor schon mindestens einmal für den Grossen Rat kandidiert. So Thomas Zollinger schon 2012 und 2020 (weil er 2023 nachrückte, kandidiert er nun als Einziger als Bisheriger), Nico Kunz ebenfalls 2012 und 2020, Consuelo Senn 2016 und 2020, Lukas Wopmann 2012 und 2016 (noch für die BDP, wobei er 2012 gewählt wurde, aber nach wenigen Wochen wegen der Wahl in den Gemeinderat zurücktrat). Carla und Marco Suter schon 2020. Ein Kandidatin-Dauerabo in ihrer Partei, der EVP, hat Monique Holland: Sie bewirbt sich nun seit 2012 zum 4. Mal in Folge für ein Grossratsmandat, die letzten drei Mal allerdings ohne Erfolg.. Dafür nominiert die EVP trotz ihres in unserer Gemeinde eher geringen Stimmenanteils diesmal gleich 3 Personen fürs Kantonalparlament. 

                                                                      °°°

In der Bildmitte das Baugespann für die Sunrise-Ersatzantenne, links die damalige Baustelle für den Landi-Neubau . (Bild wübli)

«Würenlos wird vom Kanton Aargau zurückgepfiffen, behält jedoch durch Auflagen die Kontrolle», so fasst die IG Mitsprache 5G zWürelos (nachfolgend IG genannt) den Ausgang des Baubewilligungsverfahrens für den Bau einer neuen Mobilfunk-Antenne an der Bahnhofstrasse 10  (anstelle der früheren 5G-Antenne neben der alten Landi-Tankstelle). Die Gemeinde hatte im Februar 2024 die Teilgenehmigung für den Bau der Anlage erteilt. Nicht bewilligt wurden die zusätzliche adaptive Antenne (sog. Beamforming*), weil vor allem unabhängige Messungen der Strahlung von Beamforming-Antennen nicht möglich sind.

Gegen diesen Entscheid  legte Sunrise Beschwerde beim Aargauer Regierungsrat ein. Der forderte den Gemeinderat daraufhin auf, seinen Entscheid nochmals zu überprüfen. Denn die Bewilligung der Strahlenemission (sog. Nichtionisierende Strahlung NIS) falle in die Kompetenz des Kantons und nicht der Gemeinde, die sei nur für die umweltrechtliche Beurteilung des Baugesuchs zuständig. 

Am 13. Mai hat nun die Gemeinde nach erneuter Prüfung das Baugesuch mit zwei Auflagen genehmigt. Diese erachtet die IG  für besonders wichtig.
1. Die Gemeinde erhält eine Kopie aller Abnahmemessungen der neuen Anlage statt nur eine summarische Erfolgsmeldung und gewinnt so Einsicht in alle Messdaten.
2. Die Gemeinde  behält sich das Recht vor, die Anlage bei Bedarf zu überprüfen.

Beide Auflagen helfen laut der IG, «den Schutz der Bevölkerung vor nichtionisierender Strahlung (NIS) zu verbessern «und geben uns mehr Kontrolle darüber, was die Telekommunikationskonzerne in unserem Gemeindegebiet tun.» Die IG dankt dem Gemeinderat und der Bauverwaltung für die sorgfältige Prüfung des Sunrise-Gesuchs und für die Möglichkeit der Mitsprache. Dadurch habe ein verantwortungsvoller Umgang mit Mobilfunkantennen erzielt werden können. Dies zeige, «dass den Gemeindevertretern die Sorgen von uns Einwohnerinnen und Einwohnern wichtig sind.»

Die Auflagen zur Baubwilligung sind gewiss ein Achtungserfolg für die IG, welche die technisch komplexe Thematik rund um die Strahlungsbelastung der Mobilfunkantennen seit längerem mit Beharrlichkeit aufs Tapet bringt. 

Ob die Auflagen allerdings ein Schuss vor den Bug der Bauherrin Sunrise sind oder bloss ein harmloses Zückerli für die 5G-Skeptiker, muss sich erst noch weisen. Bestehen auf Gemeindeebene überhaupt die nötigen personellen Ressourcen und Kompetenzen, um das Tun der Mobilfunkbetreiber kontinuierlich zu überwachen?

Ursprünglich hatte die IG gar den Verzicht auf den Ersatz der fraglichen Antenne gefordert, weil  Würenlos für den nicht mobilen Datenverkehr über zwei fast flächendeckende Glasfasernetze (von Swisscom und tbwnet ) verfüge und sich Sunrise da problemlos einmieten könne. Antennen mit noch mehr Power und Beamforming zu bauen, sei keine zeitgemässe Lösung, schrieb Andi Pestalozzi von der IG in einem Gastbeitrag auf diesem Blog (Link). 

*Mittels mehrerer Antennen wird ein Funksignal so geformt, dass es gezielt auf das Endgerät eines einzelnen Kunden ausgerichtet werden kann, wodurch sehr hohe Übertragungsleistungen möglich werden.