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Um Haaresbreite hat Thomas Zollinger die Wahl geschafft

Glückspilz des 1. Wahlgangs für den Gemeinderat ist SVP-Kandidat Thomas Zollinger. In seinem zweiten Anlauf für ein Gemeinderatsmandat übertraf er das absolute Mehr von 921 um nur gerade eine Stimme  und ist gewählt. Ebenso wie die vier wieder kandidierenden Gemeinderatsmitglieder. Die vier weiteren neuen Kandidaten dagegen blieben alle unter dem absoluten Mehr. Bestätigt wurden auch Toni Möckel als Gemeindeammann und Nico Kunz als Vizeammann.

Gewählt in den Gemeinderat sind:

 

Nico Kunz (FDP, bisher) 1581

 

     Lukas Wopmann (Die Mitte, bisher) 1423

     Barbara Gerster Rytz (Die Mitte, bisher) 1299

    Toni Möckel (parteilos, bisher) 1248

    Thomas Zollinger (SVP neu) 922

Nicht gewählt sind:

Christoph Meier (GLP, neu): 786

Stephan Lüdi (parteilos,neu): 742

Olivier Rahm (parteilos, neu): 615

Fabio Blaževic (SP, neu): 412

Vereinzelte: 174

Es ist also nicht eingetroffen, was angesichts von neun Kandidaturen für fünf Gemeinderatssitze durchaus erwartet werden durfte. Es wurden auf Anhieb fünf Gemeinderatsmitglieder gewählt. Es findet – auch für den Gemeindeammann und den Vizeammann – kein zweiter Wahlgang statt. 

Für das Scheitern des Alterszentrum-Projektes Margerite auf der Zentrumswiese und die Bruchlandung mit der total überarbeiteten allgemeinen Nutzungsplanung erhielten die vier wiederkandidierenden Gemeinderatsmitglieder also keine schmerzliche Quittung. Glanzvoll wiedergewählt wurde aber niemand.  Die vier wiedergewählten Gemeinderatsmitglieder erhielten durchwegs weniger Stimmen als vor vier Jahren. Die teilweise unter lautem Geklapper von Kritikern erhobene Forderung nach einem umfassenden personellen Neuanfang wurde vom duldsam-braven Würenloser Wahlvolk nicht erhört.

Als Gemeindeammann bestätigt bei einem absoluten Mehr von 896 Stimmen: Toni Möckel (bisher): 1078

Stimmen haben weiter erhalten: Nico Kunz 316; Thomas Zollinger 141; Lukas Wopmann 58; Christoph Meier 56; Barbara Gerster Rytz 51; Stephan Lüdi 31; Fabio Blaževic 28;  Olivier Rahm 12; Vereinzelte 20.

Als Vizeammann bestätigt bei einem absoluten Mehr von 880 Stimmen: Nico Kunz (bisher): 1111.

Stimmen haben weiter erhalten: Lukas Wopmann 166; Thomas Zollinger 118; Barbara Gerster Rytz 96; Christoph Meier 69; Stephan Lüdi 58; Toni Möckel 48; Fabio Blaževic 39; Olivier Rahm 31; Vereinzelte 22.

Die  nicht in den Gemeinderat Gewählten blieben alle deutlich unter dem absoluten Mehr. Am deutlichsten der18-jährige für die SP antretende Fabio Blaževic.  Achtungserfolge erzielten Christoph Meier (GLP) und der parteilose Stephan Lüdi, denen zum absoluten Mehr weniger als 200 Stimmen fehlten. 

Dem erst seit zwei Jahren in Würenlos wohnhaften Olivier Rahm mangelte es für ein besseres Resultat wohl schlicht am Bekanntheitsgrad. Und dem Kantonsschüler Fabio Blazevic traute das Stimmvolk wohl nicht zu, dass er für ein Exekutivamt über genügend Lebens- und Berufserfahrung verfüge. Auch zum Verhängnis dürfte ihm geworden sein: Würenlos – und das hat sich an diesem Abstimmungssonntag bei den kantonalen und eidgenössischen Abstimmungen bestätigt – ist eine sehr bürgerliche Gemeinde mit vielen Eigenheimen. Da dürfte die Abschaffung des Eigenmietwertes vor allem Stimmberechtigte mobilisiert haben, die mit der SP gar nichts am Hut haben. 

Kampfwahlen gab es auch für die Finanzkommission. Gewählt wurden bei einem absoluten Mehr von 810 Stimmen:

Markus Städler (FDP, bisher) 1371

Andreas Schorno (Die Mitte, bisher) 1361

Marcus Meyer (parteilos, bisher) 1044

Marion Moosbrugger-Caluori (FDP, neu) 1019

Christoph Schibli (parteilos, neu) 1008

Weiter Stimmen haben erhalten: Martin Sekinger (SVP, neu, fällt als überzählig aus der Wahl); Hermann Jäger (SVP, neu) 781; Roger Seger (GLP, neu) 558; Vereinzelte 138.

Eine Urnenwahl fand ferner auch für ein Ersatzmitglied der Steuerkommission statt. Eine offizielle Kandidatur lag nicht vor und das absolute Mehr von 330 Stimmen erreichte niemand. Es wird  eine Anmeldefrist bis 8. Oktober für den zweiten Wahlgang angesetzt.  Sollte zu diesem nur eine angemeldete Person antreten, käme es zur stillen Wahl. Vielleicht eine Herausforderung für nicht gewählte Gemeinderatskandidaten??

2 Fragen und 9×2 Antworten

Würenblicker hat allen neun Kandidierenden für den Gemeinderat die gleichen 2 Fragen gestellt und bat sie, „diese in je einem Satz zu beantworten.“ In der Kürze liegt doch die …. Nun ja, was stellen angehende und bereits aktive Politiker mit einer solchen Vorgabe an? Die einen nehmen sie wörtlich, die anderen weniger. Die Redaktion hat ohne Rückfragen gewisse Kürzungen vorgenommen – Längenunterschiede der Texte aber bewusst in Kauf genommen. Sollen die Lesenden doch ihre eigenen Schlüsse daraus ziehen.

Frage 1:  Was stört dich/Sie am meisten an Würenlos, was sich in maximal 2 Jahren von der Gemeinde beheben liesse?

Fabio Blazevic: Mich stört am meisten, dass die Nachtbusse nur bis 3 Uhr fahren, was für junge Leute unattraktiv ist.

 

Barbara Gerster Rytz: Würenlos kann und sollte die Kommunikation mit der Bevölkerung verbessern – durch frühzeitige Information, verständliche Sprache und echten Dialog.

Nico Kunz: Mich stören weniger grosse Missstände als Dinge im Alltag, die man mit gesundem Menschenverstand und etwas Eigeninitiative verbessern könnte. In den Quartieren ist die Verkehrssituation zum Teil unübersichtlich, Begegnungszonen wie in Oetlikon könnten an ausgewählten Stellen im Dorf Entlastung bringen und mehr Sicherheit schaffen. Nicht überall, aber in bestimmten Bereichen wären Tempo-20-Zonen sinnvoll. Zudem beschäftigt mich die zunehmende Bürokratie; Vieles muss heute mit der obersten Stelle in Aarau abgestimmt werden. Wir sollten als Gemeinde wieder mehr Mut haben, selber Entscheide zu fällen und auch einmal etwas zu realisieren, bei dem wir notfalls nachbessern oder zurückbauen. Das Dorf wirkt mit dem Wachstum auch anonymer. Deshalb setze ich mich stark für das Gemeindeleben ein, etwa als OK-Präsident des  Dorffests auf der Zentrumswiese. Dort haben wir sogar einen Spielplatz aufgebaut – mit einfachen Mitteln, ohne hohe Kosten, aber mit viel Wirkung.  Es geht also auch unkompliziert, wenn man will. Genau deshalb mache ich Lokalpolitik.

Stephan Lüdi: Mich stören Fehlplanungen wie die BNO und es gilt laufende Projekte diesbezüglich nochmals zu überprüfen.

 

Christoph Meier: Da die Zentrumswiese sich nicht überbauen lässt, wünsche ich mir bis in zwei Jahren einen spruchreifen raumplanerischen Vorschlag, wie sich die Wiese zukünftig als ein lebendiger Treffpunkt mit Platz für Begegnung, Spiel und einem naturnah gestalteten Bach für unser Dorfes sichern lässt.

Toni Möckel: Eine bessere Kommunikation mit den Einwohnerinnen und Einwohnern, um Aktuelles schneller und besser vermitteln zu können.

 

Olivier Rahm: Ich bin überzeugt, dass der Gemeinderat gemeinsam mit der Wohnbevölkerung die Kommunikation und Transparenz bei wichtigen Planungsfragen noch weiter verbessern kann, damit alle Anliegen frühzeitig und offen diskutiert werden können; damit dies noch besser gelingen kann, braucht es meiner Meinung nach viel Raum und Zeit für Begegnungen und Austausch.

Lukas Wopmann:
Bei der Erarbeitung der neuen BNO (und Projekt Alterszentrum) sind wir schlussendlich nicht viel weiter als vor vielen Jahren. In den nächsten zwei Jahren müssen aber die Weichen für eine erfolgreiche neue BNO gestellt werden, um die Bevölkerung dieses Mal zu überzeugen.

Thomas Zollinger: 2-3% der Stimmberechtigen können über Millionensummen an der Gemeindeversammlung entscheiden. Dazu habe ich 2024 parteiübergreifend ein Postulat im Grossen Rat an den Regierungsrat überwiesen, damit wir im Rahmen der Gesamtrevision 2026 des Gemeindegesetzes die Voraussetzung schaffen, über Verpflichtungskredite künftig an der Urne zu befinden.

Frage 2:  Worauf kann Würenlos stolz sein, das die Gemeinde in den letzten 4 Jahren aus eigener Kraft realisiert hat?

Fabio Blazevic: Dass Würenlos das Angebot der Jugendarbeit diversifiziert und qualitativ verbessert hat, was für junge Menschen sehr bemerkbar ist.

Barbara Gerster Rytz: Würenlos kann stolz darauf sein, Schulden abgebaut und den Steuerfuss gesenkt zu haben – jetzt braucht es den Mut, auch wieder gezielt in Zukunftsthemen wie Bildung, Umwelt und Begegnungsräume zu investieren.

Nico Kunz: Würenlos kann stolz darauf sein, dass sich unsere Gemeinde trotz vieler Herausforderungen stabil und kontinuierlich weiterentwickelt hat. Die Finanzen sind solide geblieben, die familienergänzende Betreuung wurde verbessert, und es konnten mehrere sehr erfolgreiche Infrastrukturprojekte umgesetzt werden. Unsere Versorgung funktioniert, das Dorf lebt, und vieles läuft, ohne dass man es täglich wahrnimmt – gerade weil es zuverlässig funktioniert. Wenn wir diskutieren, kritisieren oder streiten, dann tun wir das auf einem beachtlich hohen Niveau.

Stephan Lüdi: Die Verschuldung pro Bürger ist wirklich minimal, und der Weg dahin verdient meine volle Anerkennung.

Christoph Meier: So richtig stolz macht mich das Erreichte nicht, denn es wurde zu oft reagiert statt agiert, zu wenig vorausschauend geplant und entsprechend stecken viele Langzeitprojekte in Würenlos (zB. Alterszentrum, Verkehrsführung im Zentrum und Fussballplatz) bis auf Weiters fest.

Toni Möckel: Grosser Schuldenabbau mit Reduktion des Steuerfusses.

Olivier Rahm: Würenlos kann stolz darauf sein, dass der Steuerfuss in den letzten Jahren mehrfach gesenkt und damit die Steuerbelastung für die Bevölkerung nachhaltig reduziert wurde.

Lukas Wopmann: Die Gemeinde hat sich positiv entwickelt und gleichzeitig konnten die Verschuldung und der Steuerfuss mehrfach gesenkt werden – etwas was alle Steuerzahler nun positiv betrifft.

Thomas Zollinger: Das Reglement der familienergänzenden Betreuung wurde dahingehend geändert, dass Abzüge von Hausrenovationen und Einkäufen in die 2. und 3. Säule beim steuerbaren Einkommen aufgerechnet werden. So werden diejenigen unterstützt, die es nötig haben, und die anderen, welche ihr Einkommen künstlich nach unten drücken, nicht mehr.

 

Wer erbt den 2. FDP-Sitz im Gemeinderat?

Eine Frau und acht Männer möchten am 28. September in den Gemeinderat gewählt werden, vier Bisherige und fünf Neue. Die FDP verzichtet auf den bisher von Consuelo Senn gehaltenen Sitz. Wer erbt die Stimmen? 

(Kommentierende  Ergänzung der Meldung vom 16.8. über die Kandidaturen für den Gemeinderat,  die Finanz- sowie die Steuerkommission).

Lange Zeit schien es so, dass alle fünf bisherigen Mitglieder des Gemeinderates für die neue Amtsdauer 2026 bis 2029 kandidieren werden. Doch dann erklärte Hochbauvorsteher Consuelo Senn (FDP) überraschend seinen Verzicht auf eine nochmalige Kandidatur.

Für den Gemeinderat kandidieren nun:

Toni Möckel (parteilos, bisher), 1963, einziger Gemeindeammann-Kandidat, Buchenweg 6

 

 

Nico Kunz (FDP, bisher, 1984), einziger Vizeammann-Kandidat, Juchstrasse 15

 

 

 

Lukas Wopmann (Die Mitte, bisher), 1984, Zelglirain 4

 

 

Barbara Gerster Rytz (Die Mitte, bisher), 1965, Buechzelgliring 55

 

 

 

Fabio Blazevic  (SP, neu), 2007,
Roggenweg 28

 

 

 

Stephan Lüdi (parteilos, neu), 1965,
Buechmatt 6

 

 

 

Christoph Meier (GLP, neu), 1979, Schulrain 1

 

 

 

Olivier Rahm (parteilos, neu), 1974, Buechzelglistrasse 57

 

 

 

Thomas Zollinger (SVP, neu), 1976, Haldeweg 6

 

 

 

Auch Gedränge bei Finanzkommission

Für die fünfköpfige Finanzkommission kandidiert ein Oktett: Andreas Schorno (Die Mitte), Markus Städler (FDP), Marcus Meyer (parteilos), Hermann Jäger (SVP), Marion Moosbrugger-Caluori (FDP), Christoph Schibli (parteilos), Roger Seger (GLP), Martin Sekinger (SVP).

Für die dreiköpfige Steuerkommission kandidieren: Robert Nötzli (SVP), Roman Waller (FDP), Bettina Dössegger-Villiger (Die Mitte).

Wer beerbt im Gemeinderat die FDP? 

Der Rücktritt von Consuelo Senn brachte die FDP, deren Personalreservoir nicht übervoll ist, in eine offensichtlich heikle Lage. Sie liess es bis zum Ende der Anmeldefrist offen, ob sie eine
2. Kandidatur anmelde oder nicht. Gerätselt wurde im Dorf,  ob die  bisherigen Finanzkommissionsmitglieder Markus Städler und Pascal Renaud-dit-Louis sich dafür gewinnen liessen.

Die SVP versucht erneut, ihren 2021 verlorenen Gemeinderatssitz zurückzuerobern. Ihr Kandidat,  der 49-jährige Thomas Zollinger  hatte schon 2015 einmal erfolglos für den Gemeinderat kandidiert. SVP-Ortspräsident Pascal Pfeffer räumt ihm diesmal deutlich grössere Wahlchancen ein. Als nunmehriger Grossrat und langjähriges Mitglied der Würenloser Finanzkommission (davon 6 Jahre als Präsident) sei Zollinger breiter abgestützt und politisch erfahrener als vor 10 Jahren. In früheren Jahren war er zuweilen mit  unausgegorenen Vorschlägen und sehr radikalen Ansichten nicht überall gut angekommen. Zollinger ist verheiratet und Vater von vier Kindern. Als eidg. dipl. Finanzanalyst und Vermögensverwalter arbeitet er auf einer Bank. Neuerdings präsidiert er auch die SVP-Bezirkspartei.  

Die Mitte (frühere CVP, fusioniert mit BDP) konzentriert sich darauf, ihre bisherigen zwei Mandate zu halten. Ihre beiden Vertreter im Gemeinderat,  Finanzvorsteher Lukas Wopmann (seit 2014 im GR) und Barbara Gerster Rytz ( Ressortvorsteherin Bildung und Kultur, seit 2018 im GR) treten erneut an und hätten  kaum um ihre Wiederwahl bangen müssen, wenn Consuelo Senn nicht nach der gescheiterten BNO-Revision das Handtuch geworfen hätte.

Doch nun, da die FDP ihren 2. Sitz kampflos preisgibt, fragt sich, an wen diese Stimmen gehen werden. Zollinger wird die Stimmen aus dem stramm rechtsfreisinnigen Lager erben, aber wie gross ist dieses? Und wie gross wird das Stück vom Kuchen sein, das die Kandidaten der Grünliberalen  (GLP) und der Sozialdemokraten (SP) ergattern? Beide Parteien haben auch ohne eigene  Ortspartei in Würenlos ein Sympathielager, das ihnen bei nationalen und kantonalen Wahlen jeweils eine ansehnliche Parteienstärke beschert. Es geht auch ohne eine Hausmacht mit Parteibüchlein, Gemeinderatswahlen sind in erster Linie Persönlichkeitswahlen.

SP-Kandidat Fabio Blazevic hat Schlagzeilen gemacht hat mit einem von ihm initiierten, eher belanglosen Wirbel um reservierte Sitzplätze in der Kantonsschulmensa. Ob er von einem eigentlichen Jugendbonus profitieren wird im Sinne von «toll, wenn sich ein so Junger engagieren will» ist schwierig abzuschätzen. Er selber rechnet sich gute Chancen aus. Bei einer Wahl wäre er der jüngste Gemeinderat der Schweiz, wie das «Badener Tagblatt» schrieb. Aber ob der 18-jährige Kantonsschüler die zeitlichen Belastungen und die mannigfachen Herausforderungen der politischen Führung ganzer Verwaltungseinheiten richtig einschätzt? Grosses politisches Interesse ist nur die halbe Miete. Wäre er – ohne jede berufliche Erfahrung – gewappnet für den nicht immer leichten Umgang mit älteren, fachlich  kompetenten Fachleuten der ihm unterstellten Ressorts und der von ihm geleiteten Kommissionen? Nico Kunz und Lukas Wopmann gehörten bei Amtsantritt zu den wohl jüngsten Gemeinderäten in der Würenloser Geschichte. Sie waren aber schon 30-jährig, standen voll im Berufsleben und hatten sich betriebswirtschaftlich weitergebildet.

Die Grünliberalen (GLP) schicken den 46-jährigen Christoph Meier ins Rennen. Er ist verheiratet und Vater zweier Kleinkinder.  Er verfügt über ein abgeschlossenes Universitätsstudium als Biologe. Insgesamt 5 Jahre hat er im Ausland verbracht, er war Mitarbeiter der Vogelwarte Sempach und arbeitet nun bei Pro Natura Aargau, wo er für Recht und Politik zuständig ist. Von da her sind ihm die in einer Gemeindeexekutive immer wichtiger werdenden Verhandlungen und Absprachen mit Bundes- und Kantonalverwaltungen, aber auch mit betroffenen Einzelpersonen vertraut.

Eine Überraschung wäre, wenn die zwei weiteren parteilosen Kandidaten entscheidend ins Geschehen eingreifen könnten. Beide sind seit Jahren im Immobilienfach zu Hause. Der 60-jährige Stephan Lüdi wohnt zwar schon seit vielen Jahren in Würenlos, ist lokalpolitisch aber erst im Zusammenhang mit der Revision der Allgemeinen Nutzungsplanung in Erscheinung getreten. Zusammen mit anderen Gegnern hatte er an der ausserordentlichen Gemeindeversammlung einen längeren Auftritt. Später dann an der Sommergmeind stellte er den erfolgreichen Antrag, die zweite geplante Perronrampe beim Bahnhof SBB mit einem Zusatzkredit auch zu überdachen. 

Lüdi und noch mehr der 51-jährige Olivier Rahm, der noch nicht allzu lange hier lebt und geschäftet, werden bis zum Wahltag ihren Bekanntheitsgrad stark erhöhen müssen, sollte ihnen nicht bloss eine Aussenseiterrolle zukommen.

Sicher ist, am 28. September wird es so spannend wie bei Gemeindewahlen schon lange nicht mehr. Das bisherige Gemeinderatsgremium hat keine makellose Erfolgsbilanz vorzuweisen. Ausgerechnet die beiden wichtigsten lokalpolitischen Geschäfte  wurden unrettbar vergeigt. Da kann sich niemand in einer Kollegialbehörde hinter den in erster Linie involvierten Kollegen, den Ressortverantwortlichen, verstecken.

Erst der 28. September wird zeigen, wie sehr auch Bisherige, die gerne weiter amten möchten,  an der Urne dafür abgestraft und an ihrer Stelle neue Kräfte gewählt werden. Toni Möckel wurde 2021 zwar als Gemeindeammann sehr gut gewählt, Als Mitglied des Gemeinderates belegte er damals aber nur Platz 4 der gewählten Fünf.

Je mehr Kandidaten sich um Stimmen balgen, desto grösser ist die Wahrscheinlichkeit, dass im 1. Wahlgang nicht gleich fünf Kandidierende gewählt werden und es am 30. November zu einem 2. Wahlgang kommt. Für diesen könnte sich die Ausgangslage  wieder ganz neu präsentieren.

Dieser Artikel  wird voraussichtlich am 25. August um ein weiteres Element ergänzt: Alle Gemeinderatskandidaten beantworten kurz zwei Fragen, die ihnen würenblicker gestellt hat.

Finanzielle Dribbelkünstler

Das Geschäft, das an Gemeindeversammlung vom 3. Dezember die  grössten Emotionen ausgelöst hätte, wird gar nicht behandelt. So entschied der Gemeinderat. Denn der Kunstrasen-Sportplatz im Tägi kommt viel teurer zu stehen als bisher angenommen. Wurden 3,5 Millionen Franken von Lobbyisten des Sportvereins Würenlos SVW noch im Sommer als viel zu hoch bezeichnet, sollen es nach seriöserer Berechnung jetzt gar 4,6 Millionen sein.

Situation Sportanlagen Tägerhard (gemäss Masterplan von 2012): Spielfeld 1, gebauter Naturrasenplatz; Spielfeld 2, geplanter Kunstrasenplatz; am unteren Bildrand die SBB-Linie Würenlos – Wettingen.

An der Wintergmeind vor einem Jahr lancierte der SVW einen Überraschungscoup. Unter dem Traktandum Verschiedenes stellte Daniel Zehnder namens des SV Würenlos folgenden Antrag: «Der Gemeinderat bringt den Antrag für einen Baukredit zum Bau eines zweiten Sportplatzes im ‚Tägerhard‘ Würenlos in Form eines Kunstrasenplatzes mit Ziel Sommer-Gemeindeversammlung 2024 zur Abstimmung.»

Die Sportkommission (in der zwei SVW-Vertreter sitzen) und der Gemeinderat waren quasi in letzter Minute über den Antrag ins Bild gesetzt worden und hätten so umdribbelt werden sollen. Aushebeln wollte der SVW auch das ordentliche Verfahren – zuerst ein Projektierungskredit vor die Gemeindeversammlung, später der Verpflichtungskredit. Die Fussballer wollten das Projekt inklusive Kostenvoranschlag gleich selbst liefern. Als Vorleistung, das der Gemeinde Kosten erspare. Die Gemeindeversammlung hätte so nur noch den Verpflichtungs- (Baukredit) absegnen müssen. Das Publikum applaudierte.

Zum Glück liess sich der Gemeinderat nicht übertölpeln. Gemeindeammann Toni Möckel wies daraufhin, dass der Kunstrasenplatz nicht auf dem Finanzplan für die nächsten Jahre stehe. Aber wenn die Stimmberechtigten einen vorgezogenen Bau wünschten, lasse die gute Finanzlage der Gemeinde einen solchen zu. Das aber nur, wenn zuerst über einen Projektierungskredit abgestimmt werde. Möckel laut Protokoll: «Wir müssen hier schon korrekt bleiben.» Der  Gemeinderat könne den SVW-Vorschlag in abgeschwächter Form entgegennehmen und der nächsten Gemeindeversammlung einen Projektierungskredit unterbreiten.» Ein Verpflichtungskredit könne dann frühestens an der Dezember-Gmeind 24 zur Abstimmung kommen.

Den abgeschwächten Antrag genehmigte die damalige Versammlung mit grosser Mehrheit und 15 Gegenstimmen. Dass ein weiterer Sportplatz mit Kunstrasen im Tägi möglichst rasch realisiert werden sollte, leuchtete den Stimmberechtigten ein. Denn die bestehenden Rasenplätze genügen für die zahlreichen SVW-Mannschaften und den Rugby-Club kaum noch. Im Winter müssen die Fussballer fürs Training oft in die ohnehin stark belegte Mehrzweckhalle ausweichen. Ein Kunstrasen kann auch bei schlechtem Wetter intensiver genutzt werden als ein Naturrrasen, die Mehrzweckhalle würde also von Fussballtrainings entlastet.

Der Gemeindeversammlung vom Sommer 24 wurde ein Projektierungskredit in der Höhe von 72’000 Franken tatsächlich vorgelegt und mit nur 4 Gegenstimmen gutgeheissen. Erstmals waren  auch Zahlen über die Kosten des Bauvorhabens zu hören. Lukas Wopmann, für Sport zuständiger Gemeinderat, nannte nach Vorabklärungen einen Betrag von 2,5 – 3,5 Mio. Franken. Darauf folgte eine Debatte, die Stoff für eine Realsatire mit dem Thema «Donald Trump orchestriert die Fussball-Lobby an einer Aargauer Gemeindeversammlung». Originalton aus dem Protokoll:

Jürg Frei (Präsident Verein für ein lebenswertes Würenlos, Ex-Präsident SVW , rasender Reporter): «Ich habe gleich noch eine kleine Korrektur. Ein Kunstrasenplatz, ich habe das auch mal ausgerechnet, kostet etwa 1,8 bis 2 Mio. Franken. Herr Wopmann hat, wenn ich mich recht erinnere, vorhin von 2 bis 2,5 Mio. Franken gesprochen…»

Lukas Wopmann: «Es dürften 2,5 bis 3,5 Mio. Franken sein.»

Jürg Frei: «Also 3,5 Mio. Franken finde ich sehr sehr viel – aber egal.»

Edgar Gut ( SVW-Präsident): «Dass der Platz dort 3,5 Mio. Franken kosten soll, kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Wir haben Folien vorbereitet, wo von viel tieferen Zahlen die Rede ist, also etwa in der Grössenordnung von vielleicht 1,9 bis maximal 2,3 Mio. Franken.»

Im vergangenen September nun präsentierten die beauftragten Planer ihr Projekt samt Kostenvoranschlag – eine böse Überraschung. Auf 4,6 Millionen Franken schätzen sie die Baukosten. Nur ein Beispiel zum Vergleich: Schon im Jahre 2019 war in Muhen AG ein vergleichbarer Kunstrasenplatz zu Kosten von 3,8 Mio. Franken dem Volk vorgelegt worden.

Zu Recht hatte der SVW darauf hingewiesen, dass Würenlos einen Sonderbeitrag von 400 000 Franken für den Sportplatz erhalten könne aus dem Swisslos-Sportfonds Aargau. Der Regierungsrat will so das Manko an Kunstrasenplätzen im Kanton beheben. Wenn nur das Wörtchen wenn nicht wär. 11 Gemeinden kriegen was, nun wollen aber 23 an den Sondertopf. Eine Zusicherung, dass es bei Erfüllung aller Kriterien (inkl. Baubewilligung) bis 2027 einen Betrag erhalte, hat Würenlos bisher nicht erhalten.

Finanziell nicht unbeachtlich sind  die Folgekosten des Vorhabens. Der Kunstrasen hält bestenfalls 15 Jahre und muss dann ersetzt werden, Kostenpunkt etwa 800’000 Franken. Abgeschrieben muss der ganze Sportplatz aber gemäss Finanzverordnung innert 10 Jahren. Macht nach Inbetriebnahme pro Jahr etwa 460’000 Franken. Oder wie Pascal Renaud-dit-Louis , Präsident der Finanzkommission, an der Info-Veranstaltung ergänzte: «2 Steuerprozente während 10 Jahren». Und das in Jahren, in denen gemäss Finanzplan andere grosse Investitionsbrocken auf die Gemeinde zukommen.

Aufgrund der Sachlage hat der Gemeinderat darum kurzfristig entschieden, das Traktandum für die kommende Gemeindeversammlung zu streichen. «Ein Projekt in diesem finanziellen Ausmass in so kurzer Zeit für die Gemeindeversammlung vorzubereiten, empfanden wir als unseriös. Zudem erachten wir es als sehr schwierig, vom Stimmvolk einen Betrag von 4,5 Millionen für einen Platz zum Fussball-, Rugbyspielen und Turnen zu verlangen», sagte Lukas Wopmann jüngst am Info-Anlass des Gemeinderates. Auch Einsparmöglichkeiten sollen nun geprüft werden.

Mögen die finanziellen Dribbelkünstler vom SVW mit ihrem Powerplay bloss nicht ein Eigentor geschossen haben!

Link zum AZ-Bericht über die Informationsveranstaltung des Gemeinderates vom 12. November, an der auch über den jetzigen Stand bezüglich Alterszentrum und Gesamtrevision der Allgemeinen Nutzungsplanung informiert wurde.