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✶ Adventliches Allerlei✶

200 bis 300 Stimmberechtigte und eine Versammlungsdauer von 4 Stunden erwartet Gemeindeammann Toni Möckel, wie er der «Limmatwelle». verriet Die Gemeindeversammlung vom 8. Dezember wird uns Stimmberechtigten also Einiges abverlangen: Vier Stunden mit Maske und ohne Vorfreude auf einen Schlusstrunk, welche die Debatttierlust etwas dämpfen könnte («abstimme, s’isch Zyt für de gmüetlich Teil»).

Trotz bestem Schutzkonzept und allen Vorkehrungen, um die Infektionsgefahr zu minimieren – es darf einem schon ein bisschen «gschmuech» werden bei der Vorstellung, mit 300 Mitmenschen so lange in einem Raum ausharren zu müssen. Eine Würenloserin meldete sich schon mal beim Gemeinderat schriftlich ab: «Viele haben für sich selber entschieden, in dieser ausserordentlichen Lage die persönlichen Kontakte auf ein Minimum zu beschränken – so wie es immer wieder gefordert wird! (…) Für mich ist dieser persönliche) Entscheid mit der Teilnahme an grossen Indoor-Versammlungen unvereinbar.» – Eine faule Ausrede? Mitnichten. Denn die Frau hatte ein Anliegen: «Bitte ermöglicht allen Interessierten, die Einwohnergemeindeversammlung als Live Stream mitverfolgen zu dürfen!». Es dürfe auch nur eine Einwegkommunikation sein. «Dies ist ohne grossen Aufwand absolut machbar (z.B. Videoanruf über Microsoft Teams o.ä)!» 

Schon Tags darauf bekam die Frau Antwort. Die vorgeschlagene Bild- und Tonübertragung einer Gemeindeversammlung sei «rechtlich grundsätzlich zu keiner Zeit zulässig». Doch der Gemeinderat könne auch nicht erkennen, «welchen Zweck es hat, wenn die Bürger die Gemeindeversammlung zuhause live mitverfolgen, aber sich weder zu Wort melden noch abstimmen können».

Dabeihat allein schon die Vorstellung reizvoll: Überall im Dorf höckeln Mannen und Frauen in der eigenen, warmen Stube, vor einem Glas Roten und ihrem Laptop, und verfolgen gebannt den «Strassenfeger» aus der Mehrzweckhalle. Da könnten der rasende Reporter vom tbwnet-TV, der «Kassensturz»-Schmezer und Netflix mit «The Crown» glatt einpacken.

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Aber wer weiss, in 20 Jahren werden wir vielleicht ganz selbstverständlich die Gemeindeversammlung digital abhalten und gemütlich vom Sofa aus mitregieren. Die Diskussionen über das, was wirklich wichtig ist im Dorf, werden ja längst auch im Internet geführt. In der Facebook-Gruppe «Du bisch vo Würelos!» etwa. Wer sich da nicht regelmässig einklickt,  erfährt nichts vom armen Velo oder Trotti, das am Strassenrand ausgesetzt worden ist, nichts von der handglismeten Handyhülle, die eine Start-up-Unternehmerin als ideales Weihnachtsgeschenk auf den Markt wirft.

So hält das digitale Zeitalter immer wieder Überraschungen parat, schöne und weniger schöne. Eiskalt erwischt hat’s Michael Spühler, den Präsi unseres Gewerbevereins. Da erinnerte sich eine gewisse Sandra, dass der Verein dieses Jahr zumindest einen Prototypen der neuen, aus einem Ideenwettbewerb unter der Bevölkerung hervorgegangenen Weihnachtsbeleuchtung hatte erstrahlen lassen wollen. Auf «Du bisch vo Würelos!» fragte sie: «Wie isch jetzt das gsi mit de neue Wiehnachtsbelüüchtig ab 2020?» Und schon hagelte es Kommentare dazu, 30 an der Zahl. Und das «Badener Tagblatt» realisierte blitzschnell, wo Würenloserinnen und Würenloser wirklich der Schuh drückt: «Ärger über Weihnachtsbeleuchtung» stand über dem halbseitigen Artikel. 

Spühler gab sich im «BT» zerknischt: «Mir war nicht bewusst, dass die Verschiebung solche Wellen wirft.» Wegen der Coronakrise habe die Weihnachtsbeleuchtung für die Gewerbler nicht oberste Priorität gehabt.», wofür man gewiss Verständnis habe. Dass die Verschiebung nicht kommuniziert worden sei, nehme er auf seine Kappe. 

Alles halb so schlimm. Ob die blauen Doppelzwiebeltürme mit gelbem Stern die Gemüter tatsächlich immer noch so in Wallung bringen wie nach der ersten Montage vor 20 Jahren oder wie 2014, als würenblicker-Bloggerin Gwendoline Schmid den Weihnachtsschmuck scharfzüngig kommentierte («Moschee oder Babyschoppen?») und in Kommentaren dazu erstmals von Phallussymbol die Rede war? Ich bezweifle es. Was einen schon so lange durchs Leben begleitet, bekommt man doch einfach lieb, irgendwie.

Schön finde ich, dass die blauen Moscheen nun endlich auch ein Minarett bekommen haben. In schönstem türkischen Rot (Sponsor Erdogan?) ragt es aus der Steinhof-Baustelle gen Himmel. Mächtig überstrahlt das festliche Baukrankerzli des Nachts unseren altehrwürdigen Doppelzwiebelturm. Und auch dessen blaue Brüder am Strassenrand. Es ist halt nichts so hässlich, als das es an Hässlichkeit nicht noch übertroffen werden kann.

Unser täglich Brot

Die geplante Bäckerei mit Café in der ehemaligen Drogerie.

Während immer mehr gewerbliche Metzgereien für immer schliessen, wittern innovative Bäcker Morgenluft.
Waren das noch Zeiten, als wir im Dorf zwei Metzgereien hatten! Nun ist ein Geschäft noch an zwei Tagen pro Woche für die Privatkundschaft geöffnet. Gerade noch je eine Metzgerei gibt es in Baden und Wettingen. Nicht allein die Fleischabteilungen der Grossverteiler machen den Metzgereien den Garaus. Fleischverzehr ist zur weltanschaulichen Frage, zur Gewissensfrage, geworden. Und das dürfte mehr als eine vorübergehende Zeiterscheinung sein.

Brot dagegen steht wieder hoch im Kurs. Mit dem faden Industriebrot, das die Grossverteiler vor 20 Jahren in ihre Filialen karrten, wäre heute kein Staat mehr zu machen. Doch trotz immer mehr Hausbäckereien von Migros, Coop, Aldi & Co, boomen innovative gewerbliche Bäckereien. Trendsetter wie John Baker in Zürich machen den Brotkauf zum Lifestyle-Erlebnis. Läden, wo das Mehl nur so stäubt, mit stilgerecht eingekleidetem Personal und einem Duft, der das Wasser in die Mundhöhle schiessen lässt. Klar, dass nicht per Auto, sondern mit dem smarten Lastenvelo geliefert wird.

Auch bei uns tut sich was. Vor einiger Zeit hat die junge Generation der Bäckerei Schwab den Laden an der Landstrasse wieder in Eigenregie übernommen (das Brot vom zuvor eingemieteten Limmatbeck, das mir ebenfalls geschmeckt hat, gibts weiterhin im Volg). Nun will es auch die zweite Würenloser Bäckerdynastie wieder nach frischem Brot duften lassen – in der früheren Drogerie am Bach. Für Backwaren der Familie Arnet gibts Läden in Baden und Zürich, aber nicht mehr im Dorf, seit die Bäckereiliegenschaft an der Mühlegasse einem Einfamilienhaus Platz gemacht hat. Bis zur Betriebsübernahme durch Grossvater Arnet 1948 hatte hier lange Zeit die Bäckersfamilie Ernst geschäftet.

Mit der Firma Ladenmacher AG, einem Ladenbauer in Hägendorf (SO) als Partner (Inhaber ist die Würenloser Familie Städler), soll in der ehemaligen Drogerie eine Bäckerei mit Cafe entstehen. Das Besondere daran: Das Brot wird direkt im Laden produziert und gebacken werden. Man wolle so den Kunden «die Kunst und Tradition des Brotbackens näherbringen», beschreiben die Bauherren ihr Projekt auf der Crowdfunding-Plattform «wemakeit» im Internet (Link mit Videohier).

Janek Arnet und sein Sohn Andrej, der in den Startlöchern steht für die Weiterführung der Betriebe in vierter Generation, finanzieren einen Teil der Investition in das neue Geschäft auf eine Art, die für ein Traditionsunternehmen eher ungewöhnlich ist: mittels Crowdfunding. Viele Geldgeber ermöglichen das Vorhaben mit kleineren und grösseren Beiträgen.

Wer auf wemakeit Geld sucht, setzt sich einen Frankenbetrag als Ziel, der innert einer bestimmten Zeit zusammen kommen soll. Beim Bäckereiprojekt sind es 25 000 Franken. Wird der Betrag erreicht oder überschritten, fliesst das Geld ins Projekt, wenn nicht, erhalten die Unterstützer ihr Geld zurück. Kommt das Projekt zustande, erhalten die Unterstützer eine Belohnung, die von der Höhe ihres Einsatzes abhängt. Für 10 Franken gibt es zum Beispiel einen gefüllten Brotsack, für 50 Franken einen Champagnerbrunch. Wer 1000 Franken hinblättert, nach dem wird ein Brot oder ein Gebäck benannt.

Innert eines Monats hatten 72 Unterstützer 12 207 Franken einbezahlt. Die Kampagne schien eher mittelmässig zu laufen. Bis zum 30. Juni sind nun aber schon 20 284 Franken zusammengekommen und die Kampagne läuft noch 8 Tage (Stichtag: 30.6.18). Gutes Marketing für das Ladenprojekt ist das Crowdfunding auf jeden Fall.

In der Facebook-Gruppe «Du bisch vo Würenlos wenn…» wird kräftig um Unterstützung fürs Bäckereiprojekt geworben. Facebook-Mitglied Markus Waltert kommentierte: «Das Projekt finde ich super. Wenn es denn die erste Bäckerei in unserem Dorf wäre. Wie sollen zwei Bäckereien innerhalb 500m an der gleichen Strasse überleben?» Mitinitiant Markus Städler antwortete: «mhhm gute Frage. Indem Sie eine völlig andere Ausrichtung haben. Die Bäckerei Arnet wird ein Kaffee haben mit Sitzplätzen und die andere Bäckerei ist spezialisiert auf Catering und Apero, wie auch Mittagessen.»

Ein Gewinn fürs Dorfzentrum wäre das neue Geschäft allemal. Aber beim Brot und Gebäck wird sich der Wettbewerb zweifellos verschärfen, wahrscheinlich auch im Gastgewerbe. In Würenlos (ohne A1-Shoppingbrücke) gibt es heute drei Verkaufsstellen für Brot (Schwab, Coop, Volg), künftig werden es vier oder gar fünf sein, sollte auch der neue Landi-Tankstellenshop beim Bahnhof kommen. Ziemlich viel für eine Gemeinde von fast 6500 Einwohnern – gar zu viel? Die Schwabs machten jedenfalls flugs auf Facebook Werbung für ihren neuen Apéro-Webshop. Arnet dagegen hat bis anhin nicht mal eine Website.

Den Kunden kann mehr Wettbewerb nur recht sein. Brot ist Geschmacksache. Je grösser die Auswahl, desto grösser die Chance, das Brot zu finden, das einem mundet. Auch bei den Ladenöffnungszeiten und der Kundenfreundlichkeit der Ladenlokale besteht Potential nach oben, man sehe sich nur einmal die sonntägliche Kundenfrequenz im Geschäft der aargauischen Bäckerei Frei in Geroldswil an, einem wirklich anmächeligen Laden mit Café (ebenfalls von Ladenmacher AG).