Hitachi entscheidet sich für Otelfingen – gut so

Genugtuung – das ist wohl die angemessene Würenloser Reaktion auf die am Donnerstag vom «Badener Tagbatt» verbreitete Meldung, wonach sich die Geschäftsleitung von Hitachi Schweiz für Otelfingen und nicht für Wettingen entschieden hat, um ihre neue Schweizer Firmenzentrale zu errichten. 

So weit den Ausführungen im BT zu entnehmen ist, haben vor allem das einfachere Planungsverfahren und die bessere Verkehrserschliessung wie die bestehende S-Bahn-Haltestelle direkt neben dem Jelmoli-Areal den Ausschlag gegeben. Andere, von Wettingen ins Feld geführte Vorzüge wie niedrigere Firmensteuern scheinen weniger massgebend gewesen sein. Aber Hitachi hat keine Details zum Auswahlverfahren veröffentlicht.

In welchem Masse die ablehnende Haltung des Würenloser Gemeindeammanns Toni Möckel und des gesamten Gemeinderats zum Standort Tägerhardächer die Hitachi-Führung beeinflusst hat, muss offen bleiben. Die im Hauruck-Verfahren aufgegleiste Richtplanänderung, die den Campus erst möglich gemacht hätte, sei ein Skandal. Man werde dagegen «alle rechtlichen Mittel ausschöpfen – wenn nötig bis vor Bundesgericht», hatte Möckel klipp und klar erklärt.

Zugegeben, es fielen auch im Würenloser Gemeindehaus harte Worte. Aber das beeindruckte über die Ortsgrenze hinaus. Im Bekenntnis zu der von den Gemeinden Wettingen, Neuenhof, Killwangen und Würenlos vertraglich vereinbarten Landschaftsspange Sulperg-Rüsler und zum Siedlungstrenngürtel wurde der Gemeinderat Würenlos nicht nur von unseren Ortsparteien, sondern auch von den Gemeinderäten Neuenhof und Killwangen unterstützt. 

Diplomatisch hat Toni Möckel auf die Kunde vom Hitachi-Hauptsitz reagiert: «Zufrieden, machen aber keine Jubelschreie» (BT). Doch wäre es schlimm, wenn er wie andere in der Bevölkerung durchaus etwas Schadenfreude empfinden würden? Erstens ist uns von der Wettinger Lobby mit viel arroganter Besserwisserei begegnet worden: Wir, die etwas Kurligen aus dem Furttal, welche die Zeichen der Zeit nicht erkennen.  

Zweitens erinnert man sich als Würenloser oder Würenloserin durchaus daran, wie der damalige Wettinger Stadtpräsident, pardon Dorfkönig, schon einmal versucht hat, uns hinters Licht zu führen. Er verbot unserer Gemeinde, unsere Nachbarn ennet der Kantonsgrenze über den Plan einer Aushubdeponie direkt an der Grenze zu informieren, bevor alles unter Dach und Fach sei. Dabei bestand gar keine rechtliche Grundlage für ein Amtsgeheimnis.

Die Quittung folgte auf dem Fuss: Aus beiden Grenzgemeinden hagelte es so viele Unterschriften, dass das  Vorhaben fallen gelassen wurde. Eine Lehre hat Alt-Gemeindeammann Roland Kuster aus dem Debakel nicht gezogen. Selbstbewusst übernahm er nach seinem Ausscheiden aus dem Ammannamt die behördliche Leitung des Hitachi-Projekts. 

Natürlich hätte Wettingen die Hitachi-Zentrale gerne bei sich gehabt. Wettingen steckt in finanziell argen Nöten. Der Steuerfuss kann nicht durch Verschuldung künstlich tief gehalten werden. Er kann, nicht unbedingt wegen des Hitachi-Entscheides, höher steigen, als es manche in ihren ärgsten Alpträumen erlebt haben…

Hätte Wettingen in früheren Jahren seinen Firmen einen ähnlich prunkvollen Roten Teppich ausgebreitet wie nun Hitachi, wäre die Wettinger Wirtschaftsstruktur nicht derart verödet und würden die Firmensteuern auch ohne Hitachi kräftiger sprudeln.

Eine Hitachi-Zentrale, die nicht auf der grünen Wiese entsteht, sondern auf einem seit Jahrzehnten bestehenden Firmenareal mit Bahn-Haltestelle ist jedenfalls nachhaltiger. Gut möglich, dass die Umnutzung nach Um- und teilweise Neubauten sogar preisgünstiger sein wird und besser etappiert werden kann als das Projekt Tägerhardächer.

Das Wehklagen in Wettingen scheint mir übertrieben und kleinkariert. Die Folgen einer Wirtschaftsentwicklung machen doch in einer urbanen Region wie dem Limmat- und dem Furttal nicht an der Kantonsgrenze Halt. Dies- und jenseits der Grenze entstehen interessante Jobs und Lehrstellen oder sie entstehen eben nicht. Die Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum kann die Nachfrage hier und dort übersteigen. Gut bezahlte Kaderleute werden sich dort niederlassen, wo etwas Schönes zu finden ist, da kann das Autokennzeichen schon mal die Buchstaben ZG, SZ oder LU tragen. 

Würenlos fährt mit der Nichtberücksichtigung des Standorts Wettingen in einigen Bereichen (Natur, Verkehrsproblematik) eindeutig besser und braucht sich deswegen nicht aus falsch verstandener Aargauer Solidarität zu schämen.

  

  

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