Würenloserinnen machen Schlagzeilen

In den Medien sind mir kürzlich drei Würenloserinnen begegnet, die ich nicht persönlich kenne und deren Namen bisher wohl den wenigsten Würenlosern geläufig war.    Zwei der Frauen haben einen Immigrations-Hintergrund.

Freschta Akbarzada
Freschta Akbarzada

Die jüngste ist Freschta Akbarzada. Am Samstag ist sie ein zweites Mal zur Hauptsendezeit im Fernsehen SRF zu sehen. Zugegeben, ihr Name kommt uns nicht so leicht über die Lippen wie Meier, Moser oder Markwalder. Die 17-jährige Wirtschaftsmittelschülerin, deren Eltern aus Afghanistan stammen, hat als Kandidatin in der Talentshow «The voice of Switzerland» mit einem Song von Amy Winehouse viele begeistert: «Unglaublich. S’erscht mal dass ich voll und ganz chan säge: besser als s’original», schwärmt ein Urs im Internet. Jetzt geht’s in die zweite Runde.

Nachtrag: Freschta Akbarzada hat die Battle-Runde und die Knockout-Runde gemeistert: Die Würenloserin ist auch in der  1. Live-Runde vom 5.4. dabei. Ab jetzt entscheiden die TV-Zuschauer, ob Freschta die neue Voice of Switzerland wird.

Iris Karahusic

Die zweite der drei ist Iris Karahusic. Sie studiert Latein und Musik. Erst 21-jährig unterrichtet sie Latein an einer Mittelschule und präsidiert einen Verein, der sich für die Sprache der Römer einsetzt. Das verrät uns AZ-Redaktor Dieter Minder in einem langen Porträt. Auch sie eine Seconda, aus Bosnien-Herzegowina stammend. Bei ihrer Einbürgerung 2004 hiess es im Weisungsbüchlein über die damalige Bezirksschülerin: «Die spärlicher gewordene Freizeit widmet sie ihrer grossen Leidenschaft, dem Klavier- und Flötenspielen. Auf die weitere Mitgliedschaft in der Mädchenriege muss sie bedingt durch den Schulübertritt aus Zeitgründen leider verzichten.» Die vielseitige Frau ist offensichtlich auch an unserem Staat interessiert. 2012 kandidierte sie auf der SP-Liste für den Grossen Rat.

Isabelle Nüssli-Sekinger
Isabelle Nüssli-Sekinger

Der Mädchenname der dritten Frau sagt alles: Sekinger. Eine waschechte Würenloserin! Die NZZ hat sie unter dem Titel «Auf allen Bühnen zu Hause» porträtiert, für die Handelszeitung ist sie «Die stille Macherin». Isabelle C. Nüssli-Sekinger, wie sie heute heisst, hat nicht nur in einen Familienbetrieb im Thurgau eingeheiratet, sie ist auch oberste Chefin des Unternehmens, dem man überall auf der Welt begegnet: Ob an Formel-1-Rennen, am Eurovision Song Contest, an Olympischen Spielen, an der Art Basel Miami oder am Eidgenössischen Schwingfest – das Nüssli-Logo prangt an Tribünen und Temporärbauten. Bevor sie den Chefjob übernahm, hat die 37-Jährige ehemalige Flight Attendant mit MBA-Titel einer amerikanischen Uni das elterliche Baugeschäft an die Wettinger Baugruppe Hächler verkauft. Die Baufirma zu übernehmen hat sie laut NZZ nicht gereizt, allzu regional und lokal sei dieses Geschäft.

Drei ganz unterschiedliche, aber gleichermassen weltoffene, willenstarke und zielstrebige Frauen. Würenlos scheint keine schlechte Basis für interessante Frauen-Laufbahnen zu sein. Und da frage ich mich, weshalb im politischen Leben der Gemeinde die Frauen derart krass untervertreten sind. Im Gemeinderat, in der Finanzkommission und sogar in der Schulpflege gerade mal je eine Frau – Frauenanteil in diesen politisch bedeutsamen Behörden also 20 Prozent.

Auch hier, nicht nur beim Schuldenberg, nimmt Würenlos eine unrühmliche Spitzenposition ein: Im gleichen Masse dominant sind die Männer nur in 5 der 25 anderen Gemeinden des Bezirks Baden (Bergdietikon, Killwangen, Mägenwil, Niederrohrdorf und Stetten). Ist das Verhältnis 1:4 in Gemeinderäten noch relativ häufig, so ist es in Schulpflegen absolut ungewöhnlich.

Ich lasse es bleiben, über Gründe und Auswirkungen zu spekulieren. Aber was meinen Sie, liebe Leserinnen (und Leser)? Benützen Sie die Kommentarfunktion.

3 Gedanken zu „Würenloserinnen machen Schlagzeilen“

  1. Es ist Sonntagmittag. „Schau doch mal im Würenblicker.. vielleicht steht etwas Neues drin“ sage ich zu mir. Und siehe da. Mit Freude lese ich den Kommentar zu den drei Frauen aus Würenlos. Die Substanz des leichten Gefühls von Stolz, das mich beim Lesen positiv berührt, entnehme ich für mich, ganz gratis dargeboten, dem Glanz der drei Frauen. Ohne, dass dadurch deren Glanz abnehmen würde. Ganz für mich mache ich eine verrückte Rechnung: Das Positive, das uns hier in diesen drei Frauengeschichten erzählt wird, könnte alle WürenloserInnen mit leichtem Stolz erfüllen und trotzdem hätte der Glanz der drei Frauen dadurch kein Quäntchen verloren. Aber soweit wird es nicht kommen, denn 8 von 13 vorangegangenen Leser finden das Berichtete gar nicht gut. Ich bin konsterniert und muss mir unser Dorf wohl wieder mal etwas von oben betrachten. Zeit für meinen Sonntags“gwaggel“. Aber nicht ohne vorher den drei Frauen zu gratulieren und Danke zu sagen für den ausgezeichneten Artikel.

    1. Lieber Tom. Ich schliesse mich deiner Konsternation an. Vielleicht kann uns jemand, der mit dem Daumen nach unten zeigt, den Grund erklären.

  2. Auch ich habe ein Problem mit dieser „Daumen nach unten“-Plage. Seinerzeit, als ich diese Seiten für den Würenblicker eingerichtet habe, war ich stolz auf diese Daumen-Option, die Peter Früh gewünscht und ich dann realisiert habe. Aber hoppla – im Gespräch mit jungen, Social-Media und Blog-gewohnten Leuten erfuhr ich kürzlich Folgendes: im Web gibt es „like“ bzw. „Daumen hoch“, allenfalls „gefällt mir nicht mehr“. Aber den „Daumen runter“ sollte man nicht anbieten. Das ist also total verpönt. Mein Vorschlag/Wunsch wäre also, diese unfreundlichen „Dislikes“ aus der Welt zu schaffen. Wer würde die vermissen? Offene Kritik ist sicher auch zukünftig sehr willkommen.

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