Haushoher Sieg für Maja Riniker auch in Würenlos

In der Ersatzwahl für den zurücktretenden Regierungsrat und Baudirektor Stephan Attiger (FDP) ist erwartungsgemäss  die ebenfalls freisinnige Nationalrätin Maja Riniker mit einem Stimmenanteil von 75 Prozent gewählt worden. Erstmals sitzen mit ihr und Martina Bircher (SVP) zwei Frauen in der fünfköpfigen Kantonsregierung. 

In Würenlos erhielt Riniker 822 von 1062 gültigen Stimmen. Weitere Stimmen erhielten
– Schöni Theres (parteilos) 97
– Nigro Loredana (Juso, unterstützt von der SP) 86
– Zurfluh Stephan (Musikpartei) 24
Vereinzelte und leere Stimmen 34
Die Wahlbeteiligung betrug in Würenlos 23,9%.

Maja Riniker erzielte in allen Bezirken mit grossem Abstand die höchste Stimmenzahl. Im gesamten Kanton und in den Bezirken Aarau, Baden, Brugg, Lenzburg, Rheinfelden und Zurzach platzierte sich Loredana Nigro (Juso) auf dem zweiten Platz.

Kein Kunstrasenplatz im Tägerhard

Eine herbe Enttäuschung für die Würenloser Fussballwelt. An der Urne ist der Verpflichtungskredit von CHF 3,84 Mio. äusserst knapp abgelehnt worden. 1317 Nein standen 1234 Ja gegenüber. Die Stimmbeteiligung betrug 60,39%. 

Die Ablehnung der Vorlage mag viele überraschen. An der Gemeindeversammlung vom 2. Juni war die Vorlage mit 263 Ja gegen 70 Nein noch deutlichst angenommen worden. Dagegen hat ein kleines Komitee aus dem bürgerlichen Lager vor allem aus finanziellen Gründen das Referendum ergriffen. Dieser Gruppe gibt der knappe Urnenentscheid im Nachhinein Recht, aber ebenso  dem Gemeinderat, welcher von Anfang an den 3,84 Mio-Kredit zur Ablehnung empfohlen hat.

Die Kunstrasen-Befürworter muss besonders frustrieren, dass sie verloren, weil sie im kurzen Abstimmungskampf, wenn man das so bezeichnen kann,  allein auf weiter Flur kämpften. Seit dem Flugblatt, mit dem es Unterschriften fürs Referendum sammelte, liess das Referendumskomitee  kaum mehr von sich hören. Auch in ihrem Beitrag im Abstimmungsbüchlein wiederholten der ehemalige FDP-Gemeinderat Consuelo Senn, der jetzige Ko-Präsident der FDP-Ortspartei, Pascal Renaud, Oliver Ruppen und Patrick Moosbrugger mehr oder weniger die Argumente aus ihrem ersten Flugblatt. Es schien, als hätten sie ihren Kampf längst aufgegeben. Nur vereinzelte Stimmberechtigte setzten sich öffentlich für ein Nein ein.

Und nun also das Ergebnis an der Urne, welches die Öffentliche Meinung um ein Vielfaches besser repräsentiert als der seinerzeitige Beschluss der Gemeindeversammlung. Kein Lager kann nun für sich beanspruchen, es wisse eine Mehrheit hinter sich.

Das ist eine Blamage für die ganze Parteienlandschaft in Würenlos. Denn keine Partei kann sich zur Siegerin erklären. Die FDP war kampfesunlustig, aber immerhin fuhr sie ihrem Gemeinderat Nico Kunz nicht in die Parade. Anders Die Mitte. Mit dem Gemeinderat gehört Mitte-Finanzminister Lukas Wopmann einerseits zum Gewinnerlager, anderseits glaubte seine Partei, künftige Fussballer-Stimmen zu erhalten, wenn sie ein Ja empfehle. Dabei müssen  Mitte-, wie übrigens auch SVP-Sympathisanten in erheblichem Ausmass zu den 1317 Nein-Stimmen beigetragen haben.

Das hauchdünne Nein ist für die Würenloser Fussballwelt ernüchternd. Gerade weil sie glaubte, die richtigen Argumente auf ihrer Seite zu haben. Doch das Sparen der öffentlichen Hand hat für viele Stimmberechtigte offenbar ebenso viel Priorität wie die soziale Funktion des Sports, eines Fussball- oder auch Rugby-Clubs. Ein Teil der Kunstrasen-Befürworter hat diese Funktion in ihren Meinungsäusserungen geradezu überbetont. Aber es ist –ebensowenig wie das Gegenteil – bewiesen, dass wer einmal ein FC-Liebli getragen hat, später im Leben weniger unter die Räder gerät als irgendein anderer Teen.

Sozialkitsch habe ich das genannt und damit Etliche erzürnt. Der Fussball boomt in der Jugend fussend auf den Stars der durch und durch kommerzialisierten Sportart. Mit Mächtigen wie Infantino. Und Stars auf dem Rasen, die mit teuersten Autos und entsprechenden Raserstrafen protzen oder irgendwelche Urkunden fälschen. Gar nicht zu sprechen von gefährlichen Schlägereien unter Teams auch unterster Ligen, Schiedsrichtern, die klagen, vermehrt wegen Entscheiden hart angegangen zu werden. Oder der Hooligan-Szene, gegen die Grossclubs nur ungern vorgehen.

Ein örtlicher Club kann vielleicht gar nichts für das stark angekratzte Image des Fussballs. An einer lokalen Urnenabstimmung wirkt sich das aber stärker aus wie an einer Gemeindeversammlung. Wer beim Ausfüllen des Stimmzettels zweifelt, ob so viel Geld richtig ausgegeben werde, tendiert eher zu einem Nein als an einer Gemeindeversammlung, wo legitim mobilisierte Befürworter links und rechts ihre Hand für ein Ja heben.

Die nächsten Jahre werden für den SV Würenlos schwierige Jahre. Vor allem im Winter bleibt die Knappheit an Plätzen auf mittlere Sicht ein Problem. Für eine  rasche neue Kunstrasen-Vorlage sind die Druckmöglichkeiten am Sonntag geschwunden. Meiner Meinung nach ist nun auch die Rechtsgrundlage entfallen für das von der Gemeindeversammlung beschlossene Gremium, welches sich mit der Kostenoptimierung des nun abgelehnten Projekts befassen sollte. Es hat bisher drei Mal getagt. Der Gemeinderat wird nicht darum herum kommen, die Rolle des SVW im Gremium zu überdenken, weniger zu gewichten und dafür kritische Kreise mehr zu berücksichtigen.

«Es ist eine bittere Niederlage. Und durch die Knappheit ist sie nochmals eine Stufe härter», sagt am Sonntag Daniel Zehnder im Namen des SV Würenlos gegenüber dem «Badener Tagblatt». Nach zwei bis drei Jahren intensiver Arbeit sei es frustrierend, so knapp zu verlieren. Er nennt es einen harten Schlag: «Das macht viel mit uns.»

Besonders mit Blick auf den Fussballnachwuchs könne er das Nein nur schwer nachvollziehen. Würenlos habe mit dem grössten Turnverein im Kanton, dem Fussballclub mit seiner grossen Juniorenabteilung und dem Rugby Club eine besondere Kombination von Sportvereinen, sagt Zehnder. Die hohe Stimmbeteiligung zeige, wie sehr das Thema die Bevölkerung bewegt habe.

Nun gelte es, den Entscheid zu akzeptieren und nach anderen Lösungen zu suchen. Als mögliche Alternative war bereits an der Gemeindeversammlung der Standort Ländli ins Spiel gebracht. Dieser befinde sich allerdings mitten im Wohngebiet, gibt Zehnder zu bedenken. Mit mehreren Argumenten hatten die Kunstrasen-Befürworter in einem Abstimmungsflyer den Wechsel auf das Areal Ländli noch ziemlich kategorisch ausgeschlossen. Das Tägerhard am Rand des Dorfes wäre aus Sicht des Vereins ideal gewesen, sagt Zehnder noch immer.

Überrascht vom knappen Ausgang zeigt sich auch Olivier Ruppen vom Referendumskomitee. Angesichts der intensiven Werbung des Sportvereins in den vergangenen Wochen habe er nicht wirklich daran geglaubt, dass sich das Nein durchsetzen würde. Entscheidend sei für ihn, dass diesmal rund 2500 Personen über das Millionenprojekt entschieden hätten und nicht nur rund 330 wie an der Gemeindeversammlung.

In den Sauren Apfel „Kunstrasenplatz“ beissen

Soeben sind die Abstimmungsunterlagen für die Volksabstimmung vom 27. September den Stimmberechtigten zugeschickt worden. Neben den beiden eidgenössischen Vorlagen (Neutralitätsinitiative und Ernährungsinitiative) stimmt Würenlos auch über den Bau des Kunstrasen-Sportplatzes Tägerhard ab. Die Gemeindeversammlung vom 2. Juni hatte dem Verpflichtungskredit von 3,84 Millionen Franken gegen den Antrag des Gemeinderates überaus deutlich zugestimmt. Gegen das «Ja» hat daraufhin ein kleines Komitee das Referendum ergriffen. 

Das Komitee begründete dies damit, dass das Ja vom 2. Juni vor allem deshalb zustande gekommen sei, weil der SV Würenlos, der Rugby-Club Würenlos und andere Sportvereine ihre Mitglieder und Sympathisanten sehr erfolgreich mobilisiert hätten. Deshalb wird jetzt über den Kunstrasen-Sportplatz an der Urne entschieden. 330 Stimmberechtigte haben an der Gemeindeversammlung das Bauvorhaben abgesegnet, jetzt aber haben rund 4400 Stimmberechtigte die Möglichkeit , mitbestimmen zu können. Dies macht den demokratischen Entscheid, wie er auch ausfallen wird,  gewiss repräsentativer.

Falls sich aber das Referendumskomitee grössere Chancen für ein Nein an der Urne erhofft hat, könnte es sich getäuscht haben. Denn fast zeitlich mit den Stimmunterlagen ist auch ein vierseitiger Flyer der Kunstrasenplatz-Befürworter in die Haushalte geflattert. Erneut ist die Mobilisierungsmaschinerie der Sportvereine angelaufen – auch auf Social Media.  

Als Stimmbürger habe ich schon an der Gemeindeversammlung den 3,84-Millionen-Baukredit gutheissen. Obwohl er nicht im Finanzplan enthalten war. Ich tat das nicht aus purer Begeisterung, sondern um dem Sportplatz-«Gschtürm» beizeiten ein Ende zu bereiten.  Damit die Fussballerinnen und Fussballer der Nachwuchs-Teams  in den Genuss besserer Trainings- und Wettkampfbedingungen kommen, bevor sie im Veteranenalter sind.

Das Referendumskomitee führt für ein Nein vor allem finanzielle Gründe ins Feld. Der Platz am Standort Tägerhard sei das falsche Projekt, um dem Mangel an Trainingskapazitäten in Hallen und im Freien zu begegnen. Tatsächlich sind etwa die Bodenbeschaffenheit oder die Nähe zum SBB-Gleis und dem Reitplatz kostentreibende Faktoren, welche ursprüngliche Kostenschätzungen Makulatur werden liessen. 

Andere Standorte zu prüfen, verspricht aber nicht unbedingt Erfolg. Im Vordergrund steht das das Areal Ländli neben den Schulanlagen. Hier wurde jahrelang ein zweiter Sportplatz geplant. Zuletzt scheiterte er an Anwohnern, die konkret den zu erwartenden Lärm und Mehrverkehr anprangerten und vor Bundesgericht Recht bekamen. Neuen Plänen würde es wohl nicht anders ergehen. Ein Nein an der Urne zur jetzigen Vorlage würde wohl eher Stillstand auf längere Sicht bedeuten. 

Der Umbau des bestehenden Rasenplatzes im Ländli in einen Kunstrasenplatz könnte für den Fussball- und den Rugby-Club gar existenzielle Folgen haben. Mindestens ein Jahr lang (wohl eher länger) stünde beiden Vereinen nur noch der Rasenplatz Tägerhard mit regulärer Grösse zur Verfügung. Das könnte die beiden Vereine schlimmstenfalls finanziell ruinieren. 

Wenn schon müsse die Benützung eines teuren Kunstrasen-Platzes auch der breiten Öffentlichkeit  ausserhalb des Vereinsbetriebs möglich sein, fordern die Gegner des Kunstrasenplatzes Tägerhard. Dazu sollten Fussball- und Rugby-Club nicht Hand bieten. Zu gross ist die Gefahr, dass die teure Anlage Schaden nimmt durch Vandalismus und Allotria. Ein teurer Kunstrasenplatz soll so intensiv wie möglich durch jene Sportvereine genutzt werden, die darauf angewiesen sind und ihn auch zu schätzen wissen.

Wenn die von allen Lagern betonte Bedeutung der Sportvereine für die Zukunft unserer Jugend und für die Gesundheit aller Generationen nicht bloss Heuchelei und kitschige Phrasendrescherei sein soll, gilt es wohl in den sauren Apfel zu beissen und dem Kunstrasenplatz Tägerhard freie Bahn zu geben. 

Wenn sich die Stimmberechtigten einen solchen «Nice-to-have»-Sportplatz leisten wollen, müssen sie meiner Meinung nach aber nicht unbedingt mit einer weiteren Steuersenkung belohnt werden. So könnte sich der Gemeinderat seine ohnehin beschränkte finanzielle Handlungsfreiheit bewahren und würde nicht zum Sparen am falschen Ort verknurrt.

Welche Ruhe!

Die Wette, wäre ich sie mit irgend jemandem eingegangen, hätte ich glatt verloren. Nein, nicht eine Wette wie jene des 25-jährigen Wunderkindes mit  Babyface namens Leopold Aschenbrenner, der mit grossen Wetten auf  KI laut NZZ soeben Milliarden verloren haben soll. 

Nein, darauf hätte ich gewettet, dass das Feuerwerk- und Feuerverbot von irgendwelchen Ignoranten oder Blödianen am 1. August irgendwo im Dorf gebrochen würde. Doch junge und alte Würenloserinnen und Würenloser haben sich vorbildlich an das wegen Dürre und Rekordhitze ausgesprochene Verbot von jeglichem Feuerwerk und offenen Feuern draussen und mit Ausnahmen auch drinnen gehalten. Und aus den meisten Gemeinden im Lande wurde Gleiches berichtet.

So gut ich meine Ohren auch spitzte, kein Frauenfürzchen – Sprachpolizei ganz ruhig bleiben, so oder auch Lady-Cracker, Klein- oder Jugendfeuerwerk heissen die Dinger im Handel – zerriss die Ruhe vom frühen Morgen bis in die späte Nacht. Ganz zu schweigen von jenen Überseekoffer-grossen Feuerwerksbatterien, mit welchen an früheren Bundesfeiertagen (und Silvestern) jung gebliebene Mannsbilder mit Vorliebe nach Mitternacht Böllersalven gen Himmel schickten, währenddessen ihre Gattinnen im tiefen Keller hockten und  ihren vierbeinigen Liebling sedierten.

Und nun das. Gespräche konnten mit normaler Stimmstärke geführt werden, die Natur atmete auf. Jugendliche entdeckten den Reiz, auf lautlosen Elektro-Scootern und mit deren LED-Lampen auf dunklen Quartierstrassen stille Lichterballette aufzuführen. 

Beste Werbung für die sogenannnte «Feuerwerksinitiative». Ein Organisationskomitee aus parteilosen Privatpersonen hat sie lanciert. Sie kommt vors Volk, nachdem das Bundesparlament sich nicht auf einen griffigen indirekten Gegenvorschlag einigen konnte.

Laut einer Umfrage sind die Chancen gross, dass in der Bundesverfassung künftig stehen wird: «Der Verkauf und die Verwendung von Feuerwerkskörpern, die Lärm erzeugen, sind verboten». Nichtlärmendes Feuerwerk wie Vulkane oder Bengal-Hölzer blieben erlaubt. Auch lärmiges öffentliches Feuerwerk bliebe ausnahmsweise erlaubt. Für Anlässe von überregionaler Bedeutung, zum Beispiel Seenachtsfeste, könnten die Kantone Bewilligungen erteilen. 

Und auch unser Höhenfeuer auf dem Bick gäbe es wieder, falls nicht Dürresommer wie der jetzige zur Regel werden sollten. Wie würdevoll und friedlich ist doch so ein traditionelles Feuer im Vergleich zur privaten, martialischen Billig-Ballerei made in China.  

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