Kommt Kunstrasenplatz vor’s Volk?

Gut 3 Wochen vor der am 13. Juli ablaufenden Referendumsfrist gegen Beschlüsse der letzten Gemeindeversammlung ist ein Referendumsbogen in die Briefkästen geflattert: Ein Referendumskomitee «Kunstrasenplatz Tägerhard» verlangt, dass der mit 263 gegen 70 Stimmen angenommene Verpflichtungskredit für den Bau eines Kunstrasen-Sportplatzes neben dem bestehenden Naturrasenplatz im Tägerhard der Urnenabstimmung unterstellt wird.

Was ist davon zu halten? Abgesehen davon, dass es grundsätzlich rechtens ist, gegen einen Beschluss der Gemeindeversammlung (GV) das Referendum zu ergreifen? Und auch davon, dass die Meinung vertretbar ist, von der Gemeindeversammlung beschlossene Verpflichtungskredite gehörten grundsätzlich vor’s Volk?

Das Referendumskomitee, für das auf dem Unterschriftenbogen nur Olivier Ruppen in Erscheinung tritt, hat sich ein ambitiöses Ziel gesetzt. Am 4. Juli beginnen die Sommer-Schulferien. Bis dann sollen die für ein Zustandekommen des Referendums nötigen 445 Unterschriften zusammen kommen.

Vielleicht macht schon der neue Superstar der Schweizer Fussball-Nati, der 21-jährige Johan Manzambi, dem Referendumskomitee einen Strich durch die Rechnung und treibt das Fussballfieber hierzulande in neue Höhen. Keine Zeit, um sich Argumente gegen einen Fussballplatz zu Gemüte zu führen.

Es mag aber auch so sein, dass zu jenen, die sich an der GV als Gegner des bewilligten Kredits outeten, noch Stimmberechtigte stossen, die in einer geheimen Abstimmung anders gestimmt hätten. Aber ein grosser Teil der Ja-Stimmenden war das sicher nicht. Die aufmarschierten SV Würenlos-Aktiven und ihre Sympathisanten dürften eine Mehrheit gebildet haben.

Unter den übrigen Versammlungsteilnehmern dürfte es anderseits solche – wie mich – gegeben haben, die ohne grosse Begeisterung Ja gestimmt haben und finden, das Gschtürm für einen weiteren Sportplatz mit Kunstrasen möge möglichst rasch ein Ende finden – dem Frieden zuliebe.

Natürlich sind die 3,84 Mio. Franken eine abstrus hohe Summe, für einen Sportplatz, der im Wesentlichen einem einzigen Fussballclub zu Gute kommen wird. Natürlich wird es kaum sein, dass der zweimal überprüfte Kostenvoranschlag unterschritten werden wird. Auch wenn sattsam bekannte Kostenauguren des SV Würenlos noch lange das Gegenteil behaupten.

Doch das Referendumskomitee macht es sich auch zu einfach mit seiner Milchbüechlirechnung, die Investition entspreche einer Investition von rund 13’000 Franken pro aktivem Mitglied von SV und Rugbyclub. An der Gemeindeversammlung ist auch vom Gemeinderat, der mit seinem Ablehnungsantrag unterlag, nicht bestritten worden, dass in Würenlos die In- und Outdoor-Sportanlagen knapp – sehr knapp – sind. Der Kunstrasenplatz spiele Hallen- und Rasenplätze bei den Schulanlagen frei, die auch dem TV und dem freien Breitensport zugute kommen.

Selbst das Referendumskomitee schreibt: Die vorhandenen Trainingskapazitäten in Hallen und auf Sportplätzen in Würenlos sind nahezu ausgeschöpft. „Es braucht weitere Kapazitäten, um die Trainingsbedürfnisse ALLER Sportvereine langfristig abdecken zu können.“ Doch für das Komitee ist der Kunstrasenplatz Tägerhard dazu «das falsche Projekt».

Und wieder aufs Tapet gebracht wird der an der GV schlecht angekommene Vorschlag von Maja Wanner (FDP), stattdessen einen Kunstrasenplatz bei den Schulanlagen ernsthaft zu prüfen. Was brächte das denn? Das jahrzehntelange Trauerspiel um den dortigen Sportplatz vor Augen, wird das Ziel des Komitees durchschaubar: Die ganze Sportanlage-Misere soll auf die lange Bank geschoben werden.

Kein Wort davon, dass der SV für seinen Trainingsbetrieb praktisch im ganzen Furttal Natur- und Kunstrasen-Sportplätze suchen und teilweise anmieten muss. Die Spielplanung ist für die SV-Verantwortlichen knifflig, sollen doch zum Beispiel Kinder- oder Jungmädchnenteams nicht zum Training ins Tägerhard – ins Niemandsland hinter dem Gewerbegebiet – geschickt werden.

Natürlich geht es dem Komitee auch um die Steuern: Angedeutet wurde nach dem sehr guten Rechnungsabschluss von 2025 von den amtlichen Finanzern ein mögliche Steuersenkung um ein, zwei Prozentpunkte. Das Komitee rechnet schon mal vor, Abschreibung und Unterhalt des Kunstrasenplatzes werde etwa einem Steuerprozent pro Jahr entsprechen. Aber wer weiss das schon, bevor das Budget 2027 vorliegt. Und als finanziell untragbar, wie’s Referendumskomitee durchblicken lässt, erweist sich dieses unbescheidene Zusatzprojekt vielleicht keineswegs…