Soeben sind die Abstimmungsunterlagen für die Volksabstimmung vom 27. September den Stimmberechtigten zugeschickt worden. Neben den beiden eidgenössischen Vorlagen (Neutralitätsinitiative und Ernährungsinitiative) stimmt Würenlos auch über den Bau des Kunstrasen-Sportplatzes Tägerhard ab. Die Gemeindeversammlung vom 2. Juni hatte dem Verpflichtungskredit von 3,84 Millionen Franken gegen den Antrag des Gemeinderates überaus deutlich zugestimmt. Gegen das «Ja» hat daraufhin ein kleines Komitee das Referendum ergriffen.
Das Komitee begründete dies damit, dass das Ja vom 2. Juni vor allem deshalb zustande gekommen sei, weil der SV Würenlos, der Rugby-Club Würenlos und andere Sportvereine ihre Mitglieder und Sympathisanten sehr erfolgreich mobilisiert hätten. Deshalb wird jetzt über den Kunstrasen-Sportplatz an der Urne entschieden. 330 Stimmberechtigte haben an der Gemeindeversammlung das Bauvorhaben abgesegnet, jetzt aber haben rund 4400 Stimmberechtigte die Möglichkeit , mitbestimmen zu können. Dies macht den demokratischen Entscheid, wie er auch ausfallen wird, gewiss repräsentativer.
Falls sich aber das Referendumskomitee grössere Chancen für ein Nein an der Urne erhofft hat, könnte es sich getäuscht haben. Denn fast zeitlich mit den Stimmunterlagen ist auch ein vierseitiger Flyer der Kunstrasenplatz-Befürworter in die Haushalte geflattert. Erneut ist die Mobilisierungsmaschinerie der Sportvereine angelaufen – auch auf Social Media.
Als Stimmbürger habe ich schon an der Gemeindeversammlung den 3,84-Millionen-Baukredit gutheissen. Obwohl er nicht im Finanzplan enthalten war. Ich tat das nicht aus purer Begeisterung, sondern um dem Sportplatz-«Gschtürm» beizeiten ein Ende zu bereiten. Damit die Fussballerinnen und Fussballer der Nachwuchs-Teams in den Genuss besserer Trainings- und Wettkampfbedingungen kommen, bevor sie im Veteranenalter sind.
Das Referendumskomitee führt für ein Nein vor allem finanzielle Gründe ins Feld. Der Platz am Standort Tägerhard sei das falsche Projekt, um dem Mangel an Trainingskapazitäten in Hallen und im Freien zu begegnen. Tatsächlich sind etwa die Bodenbeschaffenheit, die Nähe zum SBB-Gleis und kostentreibende Faktoren, welche ursprüngliche Kostenschätzungen Makulatur werden liessen.
Andere Standorte zu prüfen, verspricht aber nicht unbedingt Erfolg. Im Vordergrund steht das das Areal Ländli neben den Schulanlagen. Hier wurde jahrelang ein zweiter Sportplatz geplant. Zuletzt scheiterte er an Anwohnern, die konkret den zu erwartenden Lärm und Mehrverkehr anprangerten und vor Bundesgericht Recht bekamen. Neuen Plänen würde es wohl nicht anders ergehen. Ein Nein an der Urne zur jetzigen Vorlage würde wohl eher Stillstand auf längere Sicht bedeuten.
Der Umbau des bestehenden Rasenplatzes im Ländli in einen Kunstrasenplatz könnte für den Fussball- und den Rugby-Club gar existenzielle Folgen haben. Mindestens ein Jahr lang (wohl eher länger) stünde beiden Vereinen nur noch der Rasenplatz Tägerhard mit regulärer Grösse zur Verfügung. Das könnte die beiden Vereine schlimmstenfalls finanziell ruinieren.
Wenn schon müsse die Benützung eines teuren Kunstrasen-Platzes auch der breiten Öffentlichkeit ausserhalb des Vereinsbetriebs möglich sein, fordern die Gegner des Kunstrasenplatzes Tägerhard. Dazu sollten Fussball- und Rugby-Club nicht Hand bieten. Zu gross ist die Gefahr, dass die teure Anlage Schaden nimmt durch Vandalismus und Allotria. Ein teurer Kunstrasenplatz soll so intensiv wie möglich durch jene Sportvereine genutzt werden, die darauf angewiesen sind und ihn auch zu schätzen wissen.
Wenn die von allen Lagern betonte Bedeutung der Sportvereine für die Zukunft unserer Jugend und für die Gesundheit aller Generationen nicht bloss Heuchelei und kitschige Phrasendrescherei sein soll, gilt es wohl in den sauren Apfel zu beissen und dem Kunstrasenplatz Tägerhard freie Bahn zu geben.
Wenn sich die Stimmberechtigten ein solchen «Nice-to-have»-Sportplatz leisten wollen, müssen sie meiner Meinung nach aber nicht unbedingt mit einer weiteren Steuersenkung belohnt werden. So könnte sich der Gemeinderat seine ohnehin beschränkte finanzielle Handlungsfreiheit bewahren und würde nicht zum Sparen am falschen Ort verknurrt.