Wie leben Herr und Frau Würenloser in ihren eigenen vier Wänden? würenblicker hat in den vergangenen Jahren die auf Internet-Immobilienportalen zur Vermietung oder zum Verkauf ausgeschriebenen Angebote aufmerksam studiert und die Bilder der gezeigten Räume archiviert. In den kommenden Wochen werden – sofern nicht Aktualitäten nach einer aktuellen Kommentierung rufen – jeweils zehn Beispiele pro Woche präsentiert. Neun Wohnzmmer und, quasi durchs Schlüsselloch geguckt, ein Schlafzimmer. Es wird lediglich die Strasse genannt, an welcher die betreffende Liegenschaft liegt, nicht aber aus Datenschutzgründen die Hausnummer. Für eine vergrösserte Ansicht die Bilder anklicken!
Archiv der Kategorie: Dorfleben
Ewige Gräben
Die Sommerferien nahen mit Riesenschritten. Vor dem Kofferpacken noch ein kleines Themen-Potpourri aus dem sommerlichen Würenlos.
Gewiss, Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut. Doch hätten sich die Römer beim Errichten ihrer Hauptstadt so viel Zeit gelassen wie die Bauleute am Schliffenenweg, dann würden wohl noch heute Sklaven Steine klopfen rund ums Kolosseum. Arg strapaziert wird die Geduld und das Schuhwerk der Anwohner beim täglichen Schotterslalom um Löcher, in denen nichts geschieht. Seit acht Monaten geht das schon so mit der Leitungs- und Strassensanierung. Grosse Felsbrocken im Untergrund seien an Verzögerungen schuld, hiess es einmal. Doch das allein kann’s ja nicht sein.
Eilen tut es der roten Baucrew aus dem Fricktal jedenfalls nicht sonderlich – nach Fronleichnam sei locker die arbeitsfreie «Brücke» gemacht worden, berichten Anwohner. Hat das Bauunternehmen all seine Energie verbraucht, als es darum ging, den Auftrag zu ergattern? Zweimal wehrte es sich bis vor Verwaltungsgericht gegen die Vergabe an die Konkurrenz. Zweimal siegte es, das muss anerkannt werden, im juristischen Hickhack. Doch schon der Baubeginn verzögerte sich deswegen um Jahre. Und mittlerweile scheint es den Fricktalern an Furtbach und Limmat so gut zu gefallen, dass sie gar nicht mehr weg wollen…
Auch nicht eben pressant hatte es der Gewerbler, dem die nicht eben schöne Brache zwischen Marktgasse und Landstrasse neben dem Coop gehört. Mehr als ein Dutzend Jahre nach Bezug der übrigen Zentrumsüberbauung liess er nun das Baugespann für ein Mehrfamilienhaus aufstellen, welches die Lücke in der Überbauung schliessen soll. Beim Betrachten des Baugespanns stellte sich allerdings eine alteingessene Würenloserin die nicht unberechtigte Frage (ihren Kommentar finden Sie hier), ob das Gebäude tatsächlich so nahe an die Landstrasse gestellt werden dürfe. Nun, warten wir das Baubewilligungsverfahren mal ab. Eines kann aber jetzt schon gesagt werden: Die heiss ersehnten Super-Steuerzahler werden sich an dieser Lage wohl kaum einquartieren.
Zeitlich nichts anbrennen lassen wollen die SVP und die FDP. Noch rechtzeitig vor dem grossen Aufbruch in die Sommerferien haben sie die Unterschriftenbogen fürs Referendum gegen den Sportplatz-Projektierungskredit verteilt. Bis 21. Juli müssen sie 406 Unterschriften zusammenzukriegen. Sollte eigentlich zu schaffen sein (fürs Referendum gegen die Kindergartensanierung Buech I kamen 636 Unterschriften zusammen). Aber wer weiss: Vielleicht schoss Shaqiri mit seinen drei Toren nicht nur die Schweiz in die WM-Achtelfinals, sondern Würenlos in einen Fussball-Taumel, der auch die grössten Geldsorgen vergessen macht. Für alle, die trotz WM-Fieber finanzpolitisch kühlen Kopf bewahren, gibts den Unterschriftenbogen auch zum Downloaden, nämlich hier.
Waldweg-Treppe saniert
Anfang Jahr schrieb Hans Eppenberger über den teilweise schlechten, ja gefährlichen Zustand der Spazierwege im Würenloser Wald. Jetzt ist dazu Erfreuliches zu melden.
Der Weg durch den Buechwald und über die Treppe zum Taunerwiesenweg wird viel begangen. Die Treppe aus Eisenbahnschwellen war aber inzwischen ins Alter gekommen. Die Tritte waren schief und bei Nässe schwer begehbar. Veranlasst durch unseren Bauverwalter Werner Huber hat der Zivilschutz nun diese Treppe mit gut begehbaren Blockstufen erneuert. Ein Bravo für Werner Huber und für die gute Arbeit der Zivilschutzleute.
Anita & Albert – ein Sicherheitsrisiko?
Eine grosse Liebe und der Amtsschimmel. Eine Würenloser Geschichte passend zum Wonnemonat Mai.
Im Internet-Auktionshaus Ricardo habe ich ein Liebespaar ersteigert – für 32 Franken inklusive Versandkosten. Der Clou: Die Zwei leben in Würenlos. Vor langer Zeit haben sie für Aufsehen ohnegleichen gesorgt, ja Anstoss erregt und sture Behörden auf den Plan gerufen.

Genauer gesagt habe ich einen Saurer-Sattelschlepper ersteigert, gebaut im Modelleisenbahn-Massstab H0, in 87facher Verkleinerung also. Produziert von der längst nicht mehr existierenden deutschen Modellautoherstellerin Roskopf unter der Bezeichnung «Anita & Albert».

Das Original des Autos war am
27. Januar 1983 auf dem Badener Cordulaplatz der Öffentlichkeit präsentiert worden. Die damalige Genossenschaft Migros Aargau-Solothurn hatte zuvor einen Wettbewerb ausgeschrieben zur künstlerischen Gestaltung ihrer zwei neuesten Verteilfahrzeuge. Die Migros-Leute wollten für einmal etwas Besonderes durch die Lande fahren lassen.
Mit seinem Vorschlag «Anita & Albert» konnte der damals 33-jährige Badener Künstler Andy Wildi die Jury zu überzeugen. Er durfte einen der Lastwagen gestalten. «Offizielle Vorstellungen des Fahrzeuges», so steht im Beipackzettel zum Modell, «riefen allgemeinen Beifall hervor, alles freute sich über das schöne, extravagante Aussehen. Nicht jedoch die Zulassungsbehörde in Schafisheim: Andere Verkehrsteilnehmer könnten durch den Anblick vom Verkehrsgeschehen abgelenkt werden. Anita & Albert also ein Sicherheitsrisiko?» Das Fahrzeug musste jedenfalls wieder abgelaugt werden und lief danach in den üblichen Migros-Farben.
Fotorealistische Liebeserklärung
Heute würde das Gefährt kaum mehr auffallen, ausssergewöhnliche Fahrzeugbemalungen gehören längst zum Strassenbild. Aber damals war das noch anstössig: Auf dem Dach ein riesiges rotes Herz und die Schriftzüge «ANITA LIEBT ALBERT» sowie «ALBERT LIEBT ANITA». Auf der linken Fahrzeugseite die blonde, stark geschminkte Anita im Profil, flach auf dem Rücken liegend, in roten Jeans und mit ebensolchen Highheels: «ANITA DENKT AN ALBERT» steht über ihr. Auf der anderen Fahrzeugseite liegt Albert mit langem gewellten Haar (und sonderbar zierlichen Schühlein an den Füssen): «ALBERT DENKT AN ANITA».
Der Amtsschimmel konnte zwar dem Kunstwerk Wildis den Garaus machen – mitnichten aber der Liebe von Anita und Albert. Seit mehr als 30 Jahren sind sie nun zusammen. Seit Langem leben sie in Würenlos, in einem modernen Einfamilienhaus, das sie im grossen Garten an der Ecke Juchstrasse/Lättenstrasse gebaut haben. Im Haus nebenan ist Anita inmitten von viel Natur aufgewachsen.
Andy Wildi brauchte in der damals äusserst lebendigen Badener Kunst- und Kulturszene nicht lange nach Modellen für seine Truck-Art zu suchen. Er entwarf gelegentlich auch Bühnenbilder für das seinerzeit weit herum bekannte Badener Kleintheater Claque. Im Claque-Ensemble spielte bis zu seinem Wechsel ans Zürcher Neumarkttheater im Jahre 1983 auch der Schauspieler Albert Freuler. Und dieser war frisch und heftig verliebt in die 15 Jahre jüngere Würenloser Studentin Anita Pfau – dieses Paar sollte es sein! „Auf die Idee mit Anita und mir kam Andy Wildi während der Badenfahrt 1982, an der wir alle drei aktiv waren. Und wir machten ohne zu zögern mit», erinnert sich Freuler.


Die Kulturszene war noch stark geprägt vom unruhigen Aufbruchjahr 1968. Ebenso unkonventionell wie Wildis Lastwagen-Idee war auch die Claque – das erste Theaterkollektiv der Schweiz mit lauter gleichberechtigten Mitgliedern. Als Regisseur wirkte Jean Grädel.
Hätte nicht die von Wildi bildlich festgehaltene Liebe Albert Freuler nach Würenlos geführt, so hätten er und Grädel wohl nicht drei Jahrzehnte später im hiesigen Steinbruch gemeinsam für Furore gesorgt – im Freilichttheater «Die Teufelsuhr». Grädel als Regisseur und Freuler in der Rolle als Abt von Wettingen.
Aus der damaligen Studentin Anita ist längst eine anerkannte Dozentin und Forscherin für Sprachdidaktik an der Uni Zürich geworden – und eine experimentierfreudige Fotografin. Mit ihren Fotogrammen von Gräsern, Blättern und Blüten hat sie ihre ganz eigene Bildsprache gefunden.
Unglaublich, wie viele farbige Geschichten ein kleines Modellauto doch zu erzählen weiss!
Mehr zur Geschichte von Anita & Albert auf dieser Website von Saurer-Fans in einem Bericht der «Eisenbahn Zeitschrift 1/89»
Mehr zu Anita Pfau, Albert Freuler und Andy Wildi.









