5G-Antennen: Traben statt galoppieren

Um diese Mobilfunkantenne auf einem Geschäftshaus am Rande des Gewerbegebietes im Grund, südlich des Bahnhofs, geht es im hängigen Baubewilligungsverfahren. (Foto: würenblicker)

7 Baueinsprachen sind meines Wissens im Mai gegen den 5G-Ausbau der Mobilfunk-Antenne auf dem Geschäftshaus an der Grundstrasse 1 eingegangen. In wenigen Tagen sind diese Einsprachen mit gegen 200 Begleitunterschriften bekräftigt worden. Dies obwohl die Unterschriften nur im erlaubten Einsprache-Umkreis von maximal 629 Metern gesammelt wurden. Wieso diese eindrücklichen Zahlen? Was bewegt unsere Miteinwohner*innen dazu?

Das Thema 5G ist sachlich komplex. Welchen Experten ist zu vertrauen? Schliesslich gilt jede Fachperson solange als Experte oder Expertin, bis sie widerlegt wird. Dies war schon in der Antike so, als die Menschheit zu wissen glaubte, die Erde sei eine Scheibe

Bei der 5G-Technologie sind viele Fachspezialisten am Erforschen verschiedenster Aspekte. Um nur einige davon hervorzuheben (ohne die anderen als weniger wichtig taxieren zu wollen): 

  • Wie sind die Beeinträchtigungen der menschlichen und tierischen Gesundheit? Gibt es schädliche biologische Effekte (Gefahr von Krebs, oxidativem Stress, DNA-Schäden), schädliche thermische Effekte (Nachteile für Menschen mit medizinischen Hilfsmitteln wie Herzschrittmachern oder Hörgeräten)? Wer haftet für diese Beeinträchtigungen?
  • Was sind die Einflüsse auf den Wert von Liegenschaften? Erhöht oder vermindert eine Antenne in der Nähe den Wert einer Liegenschaft? Momentan ist zu beobachten, dass 5G eher wertmindernd wirkt, doch wird dies so bleiben? Wer haftet für diese Minderungen? 
  • Welche noch fehlenden technischen Verfahren werden entwickelt, um Strahlenbelastungen und das Einhalten von Grenzwerten zu garantieren? Welche noch nicht vorhandenen Schweizer Immissionsgrenzwerte werden hier definiert?

Angesichts der verbreiteten Vorbehalte in unserem Wohngebiet stellt sich mir zudem die Frage: Wer ist in Würenlos in die Entscheidungen 5G-Ausbau einbezogen und wer nicht? Eignen sich dazu unsere Baugesuchs-Verfahren? Mir scheinen diese für diese Anlagen unzureichend. Zu meinem Erstaunen wurde mir gesagt, dass bereits 4 Antennen in unserer Gemeinde ausgebaut sind. Wer hat dies entschieden? 

Trauen wir Einspracheberechtigten oder der Bauverwaltung Kenntnisse über Strahlenschutz zu, wenn sich solche nicht einmal der Bundesrat zutraut? Er hat im April 2020 beschlossen, dass zunächst Tests notwendig sind, um Transparenz für die Bevölkerung darüber zu schaffen, wie stark 5G-Antennen den Menschen tatsächlich belasten. Erste Resultate werden bis Ende 2021 erwartet (https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/elektrosmog/mitteilungen.msg-id-78857.html ).  

Ausgeschlossen vom Entscheid zu sein, verärgert mindestens einen Teil der Bürger inklusive mir. Ich bin überzeugt davon, dass eine breite Akzeptanz der Antennen-Entscheide erst gegeben sein wird, wenn das Vorgehen bei den (positiven oder negativen) Entscheiden über Bewilligungen solcher Antennen demokratisch akzeptiert ist. Die Unterschriften bezeugen, dass die Bevölkerung mitentscheiden möchte

Was könnten wir aus ähnlichen Entwicklungen in der Vergangenheit lernen? Als vor über 140 Jahren das Kabeltelefon seine ersten Anhänger suchte, war ein solcher Apparat ‘des Teufels’. Heute ist er nicht wegzudenken. Wir sprechen immer wieder von neuen Technologien. Das Neue lockt, und wir sind im Glauben „ja, das kommt schon gut“.  Dabei gibt es noch keine festgelegten Grenzwerte, geschweige denn bewährte Methoden, um diese Grenzwerte zu messen.

Aus meinem beruflichen aviatischen Kontext, weiss ich, dass ohne zertifizierte Prüfverfahren und -methode kein neues Fluggerät zugelassen wird. So ist gegenwärtig das Drohnenthema heiss diskutiert, doch solange die Qualitätssicherung lückenhaft ist, wird keine kommerzielle Drohne über ihre Testphase hinwegkommen. Das wird noch Jahre und unzählige Ingenieurstunden beanspruchen. 

Wieso haben wir es also in Würenlos so eilig, Antennen auszubauen, wo wir (und auch die Fachexperten) nicht mal wissen, wo die Lücken sind? Wer hat Interesse, uns als Bewohner von Würenlos als «Versuchskaninchen» zu gebrauchen für diese neuen Antennen? Umso mehr, da in anderen Kantonen und Gemeinden (Beispiel Neuenhof) Moratorien bestehen.

Wenn es andere (Swisscom) so eilig haben mit 5G, ist die Frage gewiss berechtigt, ob es jetzt nicht angezeigt wäre, statt mit zu galoppieren langsamer zu traben nach dem Motto ‘Würenlos baut nicht aus und beobachtet jetzt mal’? 

Demokratie braucht Menschen, die miteinander reden. Von den Initiant*innen der Unterschriftensammlung wurde angekündigt, dass sie bestrebt sind, baldmöglichst eine fachliche Informationsveranstaltung für die Bevölkerung zu organisieren. Um auf diese Weise Sachverhalte und viele offene Fragen klären zu können. Ich freue mich darauf!

Wie denken Sie über die 5G-Problematik? Auch Ihre Meinung interessiert. Benützen Sie die Kommentarfunktion unter dem Titel dieses Gastbeitrages von Alessandro Camisani.

4 Gedanken zu „5G-Antennen: Traben statt galoppieren“

  1. Ist doch eigentlich Wurst. Die Flugzeuge dürfen doch dank amtlicher Absegnung in Zukunft auch vermehrt über Würenlos fliegen. So ganz unter dem Motto, ein bisschen mehr Strahlen und ein bisschen mehr Lärm. Herrliche Aussichten für Würenlos!

  2. Dem Gesagten gibt es nicht viel hinzuzufügen ausser vielleicht dies: Wenn bei so einem heiklen Thema die betroffene Bevölkerung nicht breiter informiert und bei Entscheidungen involviert wird, ist dies nicht bloss ein Versäumnis, sondern schon eher eine Frechheit.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.