Der direkte Weg

P1020077Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Für einmal lassen wir den Blick über die Gemeindegrenze wandern. Am Trampelpfad – nennen wir ihn Würenloser Wegli – zum Bahnhof Killwangen-Spreitenbach zeigt sich wunderschön, dass Menschen zu Fuss etwas gar nicht gerne machen: Umwege. 

Links und rechts des Kiesfeldes könnten die Passanten zwar auch asphaltierte Wege benützen, um von der Limmatbrücke zur Bahnhofunterführung zu gelangen oder umgekehrt, Aber diese Wege wären einige Dutzend Meter länger. Und die Zeitersparnis zählt, vor allem auf dem Weg zum Bahnhof.

Eine Zeitlang war das Würenloser Wegli nicht passierbar, als das Brachland zwischen Autobahn und SBB-Gleisen als Lager- und Installationsplatz für den Neubau der Kläranlage diente. Kaum war das Areal geräumt – und mit grossen Steinblöcken vor Wildparkierern geschützt – wählten die Fussgänger wieder den direkten Weg und dieser war schon nach kürzester Zeit deutlich als solcher erkennbar. Wenn sich gesunder Menschenverstand doch nur häufiger so leichtfüssig über planerisches Unvermögen hinwegsetzen würde!

Irgendwie wundert man sich ja, dass nach dem zig-Millionen teuren Kläranlagenbau nicht einige 1000 Franken locker gemacht wurden, um das viel begangene Würenloser Wegli  etwas komfortabler auszugestalten. Denn es liegt an exakt der richtigen Stelle. Das sage nicht ich, sondern das Bundesamt für Strassen (ASTRA). In seinem Handbuch für die Fusswegnetzplanung sagt es, attraktive Fusswege zeichneten sich durch dreierlei aus: 1. direkte Verbindungen, 2.hohen Gehkomfort, 3. Umfeldqualität.

«Fussgängerinnen und Fussgänger möchten ihr Ziel direkt erreichen. Weil sie  zudem den Einwirkungen von Wetter und Verkehr ausgesetzt sind, reagieren sie sensibel auf Wartezeiten und Umwege. Deshalb sind die Wege mit Blick auf eine möglichst kurze Gehzeit direkt zu führen. (…) In der kleinräumigen Betrachtung zeigt sich, dass Umwege von 5 bis 10 m von vielen bereits nicht mehr akzeptiert werden. Trampelpfade durch Grünanlagen  oder Spuren im Schnee zeugen von dieser geringen Umwegakzeptanz; so werden auch bei Einmündungen zurückversetzte Fussgängerstreifen nicht benutzt.» Das ist ein Zitat aus dem erwähnten Handbuch des Bundesamtes für Strassen.

Die Direktheit der Verbindung scheint von den drei Attraktivitätskriterien für Fusswege das wichtigste zu sein. Denn weder mit dem Gehkomfort kann das Würenloser Wegli punkten noch mit der Gegend, durch welche es führt. Ja, ungastlicher als dieser Winkel zwischen Auto- und Eisenbahn und schäumenden Abwasserbecken könnte ein Ort nicht sein. Aber wir Würenloser müssen da nun halt mal durch.

Was lehrt uns das Würenloser Wegli? Dass Fusswegverbindungen wohl überlegt sein wollen und dass Fussgängern weniger Umwege zuzumuten sind als Auto- und Velofahrern.  Es lohnt  sich, beim nächsten Gang durchs Dorf einmal darauf zu achten, wie sehr diesen Erkenntnissen in Würenlos nachgelebt wurde und wird. Würenlos hat viele attraktive Fussverbindungen (zum Beispiel  Rössli- und  Chileweg bei der Zentrumswiese, Haselstrasse zwischen Gatterächer und Zelglistrasse, Buechzelgliweg beim Kindergarten Buech, die öffentlichen Treppenwege am Limmathang,  Schulrain zwischen Schul- und Bachstrasse, neue Fusswege im Gebiet Huebacher). Diesen Fussverbindungen ist Sorge zu tragen und bei bei künftigen Neuüberbauungen grösserer Areale ist auf kurze, attraktive und – wichtig vor allem für ganz junge und betagte Benützer – auch sichere Fusswege besonders zu achten.

Die Lösung im Sommerquiz noch nicht eingesandt? Nicht vergessen, am 3. August ist Einsendeschluss!

 

2 Gedanken zu „Der direkte Weg“

  1. Dieser Artikel hat mir aus dem Herzen gesprochen. Ähnliches dachte ich, als ich gestern eben diesen Trampelpfad benutzte. Ich erinnerte mich dabei an Ascona. Als dort die Strasse vor dem Parkhaus neu gesataltet wurde, entstand eine schöne Blumenrabatte zwischen der Strasse und dem Parkausausgang. Wollte man Richtung „Städtli“ gehen, musste man einen Umweg um diese Rabatte machen, obwohl der direkte Weg eben durch diese Rabatte hätte führen sollen. Die Fussgänger korrigierten aber den Planungsfehler und trampelten sich einen direkten Weg durch die Rabatte. Die Stadt Ascona hat nach einem knappen Jahr den Fehler erfreulicherweise korrigiert.

  2. Ja genau! Danke, dass dieses Thema recherchiert, analysiert wurde und hier einen öffentlichen Platz findet.
    Seit bald 40 Jahren habe ich unterschiedliche Lebensabschnitte in diesem Dorf durchlebt und mich nicht selten geärgert, weil ein direkter Weg entweder nicht vorhanden, oftmals privat oder selten unwegsam war. Da wünsche ich mir eine echte Verbesserung der Verbindungen zwischen den Quartieren, Höhenunterschieden und Strassenseiten (auch Fussgängerstreifen am richtigen Ort sind schon viel wert!).
    Das Netz der Fusswege ist sicher ein wichtiger Parameter für die generelle Lebensqualität in einem Dorf. Wird hier weniger getan als in anderen Dörfern? Sind öffentliche Fusswege teuer als Strassen, Trottoirs oder Kreisel? Der Kostenfaktor für den Unterhalt ist also möglicherweise ein Hindernis. Denn auch schmale Fusswege müssen u.U. häufig gereinigt und gepflegt werden. Der Waldweg in den Buechwald wird jedenfalls deutlich hörbar regelmässig von Laub befreit. Auch den Strassenrändern wird viel Sorgfalt gewidmet. Vielleicht könnten diese Kosten etwas gestrafft werden…
    Mein Motto: jedes Jahr ein neues Fusswegli und gleich noch eine Sitzbank dazu! Sponsoren sollen sich melden.

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