Run auf Filet-Stücke

Bewegung in der lokalen Immobilien- und Gewerbeszene. Beck Schwab geschlossen, Rössli wird verkauft. Und zweiter Grossverteiler auf Standortsuche.

Betroffenheit nicht nur bei seinen Stammkunden ausgelöst hat das Geschwisterpaar Stefanie und Martin Schwab mit ihrer kurzfristig erfolgten Mitteilung, dass die Firma Schwab-Beck den Betrieb sofort einstelle. Grund sei der Pandemie-bedingte völlige Umsatzeinbruch beim Partyservice. Mochten die Meinungen auch auseinander gegangen sein, wer denn das beste Brot backe, so ist die Schliessung eines solchen Familienbetriebs immer ein Verlust. Auch wenn dadurch kein Versorgungsengpass eintritt. Mit zwei Bäckerei-Fachgeschäften neben Coop und Volg  hatten Brotliebhaber zuvor – und haben sie noch immer – mehr Auswahl als in vielen anderen Dörfern.

Dank der starken Bevölkerungszunahme konnte von einem Lädelisterben in Würenlos nie die Rede sein, weder nach Eröffnung der Einkaufszentren in Spreitenbach noch jetzt im Zeitalter des Online-Shoppings. Mehr Läden als vor 30, 40 Jahren sind es aber nicht geworden. Nun berichten Landbesitzer, die Migros Aare sei auf der Suche nach einem Standort für einen Supermarkt in Würenlos, Kommt Migros, könnte das den Handel mit Waren des täglichen Bedarfs im Dorfe gründlich durchschütteln. Allerdings: Für grössere Ladenflächen bieten sich nur noch ganz wenige Areale an.

Möglicherweise hat Migros eines davon bereits im Auge. Einen breiten Landstreifen entlang der Landstrasse vis-a-vis der Raiffeisenbank. Der Streifen ist heute mit dem alten Bauernhof Meier (letzte Mieterin: Tauchschule) und einem Einfamilienhaus (ehemals Dorfarzt Zindel) stark unternutzt. Die rund 5300 Quadratmeter, die teils in der Wohn- und Gewerbezone, teils in der Wohnzone W2 liegen, haben unlängst die Hand gewechselt. Wie eine Grundeigentümerabfrage  auf dem Online-Karten-Portal des Aargaus (Link) zeigt, gehört das Areal jetzt drei Tochtergesellschaften der Wettinger  KMP Architektur AG

Ein Grossverteiler und Publikumsmagnet auf diesem Areal wäre zwar den planerischen Zielen eines kompakteren Dorfzentrums im Dreieck zwischen Bahnhof, Raiffeisenkreisel und Gemeinde-/Schulanlage nicht unbedingt förderlich. Der Standort wäre aber, was die Verkehrserschliessung betrifft, weniger problematisch als irgendwelche andere Möglichkeiten im eigentlichen Dorfzentrum. 

Auch ein zweiter Immobilienhandel gibt zu reden. Der altehrwürdige Gasthof Rössli wird von der Besitzerfamilie Meier verkauft. Weil der Verkauf aber noch nicht in trockenen Tüchern sei, wollte die Wirtefamilie im Mai dem Badener Tagblatt (Link) den Käufer noch nicht nennen. Wie nun aus zuverlässiger Quelle zu erfahren ist, soll es eine andere in Würenlos bestens bekannte Wettinger Immobilienfirma sein: Thalmann Steger Architekten AG. Dass sie es mit alten Gasthöfen können, haben Thalmann Steger schon beim Steinhof bewiesen. Wobei sie dort ja nicht gleich Investoren waren. Was haben sie wohl mit dem Rössli vor? 

Noch eine aktuelle Meldung aus dem Gemeindehaus zum Thema Bau und Handel: Der Gemeinderat hat der Landi Furt- und Limmattal die Baubewilligung für ihren Neubau samt Tankstelle westlich des Bahnhofs Würenlos erteilt.

Mit Immobilien, allerdings in bescheidenerem Ausmass, hat sich auch die Gemeindeversammlung vom 8. Juni befasst. Erworben oder verkauft wurde zwar nichts. Aber sowohl dem Reitverein Würenlos und Umgebung wie dem SV Würenlos wurden zinslose, jährlich rückzahlbare Darlehen in der Höhe von je CHF 250’000 gewährt – für den Bau der neuen Reithalle bzw. des Garderobengebäudes beim neuen Sportplatz im Tägerhard. Dies missfiel einem Stimmbürger. Er persönlich würde auch nicht Nein sagen zu einem solchen zinslosen Darlehen der Gemeinde, meinte er. Nun, dass die Gemeinde den Dorfvereinen bei grösseren Investitionen unter die Arme greift, macht schon Sinn. Wir wollen schliesslich ein vielfältiges Dorf- und Vereinsleben. Und Sinn macht auch, dass jetzt nicht wie früher jeweils à-fonds-perdu-Beiträge–, sondern Darlehen ausgerichtet werden.

Leicht irritiert hat mich, dass SVW-Präsident Edgar Gut um die Aufstockung des vom Gemeinderat  beantragten Darlehens um 100’000 Franken ersuchen musste. Denn die Baukosten würden höher und der Beitrag vom Sport-Toto merklich geringer ausfallen als ursprünglich gedacht. Hätte man das nicht vor dem Darlehensgesuch an den Gemeinderat sorgfältiger abklären können? Da ist ja nur zu hoffen, dass beim Bau des Garderobengebäudes weniger salopp ans Werk gegangen wird und die Gemeinde später nicht nochmals um Hilfe angerufen werden muss. Weil den Stimmberechtigten klar war, dass wegen dem höheren Darlehen die Welt nicht untergehen würde, zogen sie mit grossem Mehr den Antrag Gut dem offiziellen des Gemeinderats vor.

Ein Gedanke zu „Run auf Filet-Stücke“

  1. Danke für Ihren Artikel. Ich habe dem Fussballverein auch den Kredit gegönnt. Unabhängig von der konkreten Geschäftssache sollten allgemein Anträge von über 50’000 CHF schon vor der Versammlung dem Stimmvolk bekannt sein, bzw. bei dringlichen Sachen eine 3/4 Mehrheit erfordern, und eine Prüfung und Kommentierung (nicht Empfehlung) durch den Gemeinderat erfolgen. Dann ist auch mehr Transparenz gesichert. Ob dies vom kantonalen Gemeindegesetz her zulässig ist, kann ich nicht beurteilen.

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