
Die FF19 Spielerinnen des SV Würenlos spielten in Nordfrankreich einen denkwürdigen Freundschaftsmatch.
«Ce sera un moment inoubliable pour Paula et les joueueses – et pour moi!», sagt Guillaume Benon beim Einlaufen. Guillaume war bis 2011 Profispieler, zuletzt bei Dijon FCO und USL Dunkerque. Er hat 2004 immerhin vor ausverkauftem Haus den Halbfinal zum französischen Cup bestritten. Und doch steht er nun zum ersten Mal überhaupt in seinem Leben auf dem schönen Kunstrasen seines Heimatstädtchens Linselles und fiebert dem Anpfiff entgegen. Wie ist es dazu gekommen?
Ende August 2024 spielt die Würenloser Spielerin Paula Brunner ihr vorerst letztes Meisterschaftsspiel für das Würenlos-Windischer FF19. Sie wächst über sich hinaus und führt das Team zu einem ungefährdeten Auswärtssieg beim jahrelang ungeschlagenen FC Erlinsbach. Danach geht es für Paula schulisch für ein knappes Jahr von der Kanti Wettingen nach Linselles in Nordfrankreich. Und ihr Gastvater dort wird ebendieser Guillaume Benon. Schnell findet man sich beim Thema Fussball und Paula kann vor Ort in der u18 des FC Linselles einsteigen.
Über whatsapp bleibt Paula in Kontakt mit ihrem alten Team. Irgendwann Anfang Jahr mal so dahingeschrieben: „Und wenn wir dich besuchen kommen für ein Freundschaftsspiel?“ Une idée folle… dazwischen liegen immerhin 715 Kilometer. Linselles ist ganz in der Nähe von Lille im Département Nord. Die Nordsee in Sprungweite.

Doch die Idee gärt weiter. Bei Paula, bei ihrem französischen Trainer Corentin, bei ihren Gasteltern Guillaume und Anouk, beim örtlichen Rotaryclub (der Paulas Austausch organisiert hat und beschliesst, die Idee zu unterstützen), bei Dominique Sinnaeve, dem Vize-Bürgermeister (der im Rotaryclub von den Plänen erfährt und die Übernachtungsmöglichkeit und alles Administrative organisiert), bei den Eltern von Paula (die den Rückflug stornieren und sich selber ins Auto setzen, um Paula und einige Spielerinnen mit zurück nach Würenlos zu fahren), beim Gönnerverein des SV Würenlos (der die Reise finanziell unterstützt – merci!), bei uns Würenlos-Windischer Trainern und vor allem bei unseren Spielerinnen, die offen sind für einen solchen Kraftakt, und finden, dass man sich so eine einmalige Chance im Leben nicht entgehen lassen darf. Hinzu kommen zwei weitere Spielerinnen von anderen Vereinen aus der Region, die die Idee cool finden.
Eins gibt am Ende das andere. Und so steht das FF19 Würenlos-Windisch am Freitag nach Fronleichnam nach 10 Stunden Autofahrt in Linselles vor dem «Clubhouse» und kommt bei flämischen Fritten schnell ins Gespräch mit allen, die diesen Besuch ermöglicht haben. Auf dem Fussballplatz ist danach schnell auch schon ein gemischter Match im Gange. Die Jungs vor Ort haben gefagt und nicht locker gelassen, und irgendwann läuft der Ball… solange, bis es dunkel wird. Und das ist an einem 20. Juni spät

Am Samstagmorgen ein Ausflug ins schöne Lille, eine flämisch geprägt Stadt, in der übrigens bis ins Mittelalter niederländisch gesprochen wurde und in Belgien heute noch ihren alten Namen Rijsel (ter Ijssel ‘bei der Insel’) hat. Am Nachmittag begeben sich dieTeams bei erbarmungslosen 35° in voller Sonne auf den Kunstrasen. Und dies führt dazu, dass neben den Teamtrainern auch Guillaume seinen ersten halboffiziellen Einsatz in einem FF-Match hat – einfach um den Spielerinnen immer wieder eine Pause zu gönnen. Trotz der hohen Temperatur ist es ein rassiger Match mit ausgeprägter Vertikalität. Der Kunstrasen erlaubt chirurgisch genaues Passspiel. Lange auf hohem Niveau torlos, erzielt Linselles. kurz vor Schluss nach einem Fehler im Mittelfeld das 1:0. Dies provoziert aber die bis dahin in Schönheit sterbenden Schweizer Stürmerinnen, mit dem Schlusspfiff doch noch eine ihrer vielen hundertprozentigen Chancen im Nachschuss zum verdienten 1:1 zu verwerten. Ein perfektes Resultat für diesen Match.
Mit Spalier und Dusche wird Paula, die im Match für beide Teams gespielt hat, auf dem Spielfeld standesgemäss verabschiedet. Bei einigen französischen Spielerinnen fliessen Tränen, es ist ein bewegender Moment.

Am Abend chillen die Spielerinnen im Nachbarort an der fête de la musique bei gut gemixten Beats in einem Kulturbauernhof, bevor sie auf dem Fussballplatz ihre Schlafsäckeausrollen und à la belle étoile ziemlich genudelt einschlafen. Nicht nur für Guillaume Benon Des moments vraiment inoubliables!

