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Blick in Würenloser Stuben (1)

Wie leben Herr und Frau Würenloser in ihren eigenen vier Wänden? würenblicker hat in den vergangenen Jahren die auf Internet-Immobilienportalen zur Vermietung oder zum Verkauf ausgeschriebenen Angebote aufmerksam studiert und die  Bilder der gezeigten Räume archiviert. In den kommenden Wochen werden – sofern nicht Aktualitäten nach einer aktuellen Kommentierung rufen – jeweils zehn Beispiele pro Woche präsentiert.  Neun Wohnzmmer und, quasi durchs Schlüsselloch geguckt, ein Schlafzimmer. Es wird lediglich die Strasse genannt, an welcher die betreffende Liegenschaft liegt, nicht aber aus Datenschutzgründen die Hausnummer. Für eine vergrösserte Ansicht die Bilder anklicken!

Nessie im Limmattal

So wie kein Sommer ohne Meldung aus Schottland vergeht, im Loch Ness sei wieder einmal Nessie gesichtet worden, so glimmt in unserer Region immer wieder das Thema der Limmattalstadt auf. Keine sechs Jahre sind es her, seit der damalige Badener Stadtammann und heutige Regierungsrat Stephan Attiger mit kecken Heiratsavancen die Regionsgemeinden verschreckt hat. Man erinnert sich noch gut an die im Tonfall ziemlich verunglückte, da zu aufgeregte Stellungnahme aus unserem Gemeindehaus.

Nun geistert die Grosstadt im aargauischen Limmattal erneut durch den Wanner’schen Blätterwald und Gelassenheit ist sicher auch diesmal angezeigt. Die in der AZ zitierte Stellungnahme von Gemeindeammann Hans Ueli Reber fällt auch jetzt dezidiert, aber massvoller aus: «Wir können und wollen unseren Weg alleine gehen.».

Die Badener haben sich ihre Grosstadtträume mit ihrem Nein zu der von Neuenhof ersehnten Fusion fürs Erste selbst vermasselt. Nun aber haben die Ennetbadener knapp eingewilligt in Fusionsgespräche mit Baden, und Neuenhof signalisiert, dass es immer noch zu haben wäre. Spreitenbach und Killwangen prüfen ihrerseits ein Zusammengehen. Doch eine Grossstadt inklusive dem Hagestolz Wettingen? Da scheint  ja selbst die Realisierungschance unseres Alterszentrums noch grösser zu sein. Weil aber zumindest mittelfristig kleinere Fusionen nicht auszuschliessen sind, tut unser Gemeinderat sicher gut daran, wenn die Entwicklung aufmerksam beobachten will.

Dem Treiben der anderen aus sicherer Distanz zusehen und am Eigenen festhalten, solange es geht, das machen die Würenloser gerne. Wird ein Zusammengehen schliesslich doch unumgänglich, so schickt man sich widerwillig drein… um nach einiger Zeit festzustellen, dass die Welt trotzdem nicht untergegangen ist. Das war bei der Regionalpolizei so, der man sich in letzter Minute anschliessen musste. Und das war bei der Verlegung des Schiessbetriebs nach Spreitenbach ebenso.

Auch anderswo bleibt man am liebsten sein eigener Herr und Meister. Dem Trend zu regionalisierten Spitexdiensten verweigert man sich und knüpft das Schicksal der Spitex Würenlos stattdessen an das des Alterszentrums – wenn das nur gut geht! Weil die Technischen Betriebe TBW ihre Leistungen zu aller Zufriedenheit erbringen und gut geführt sind, wird auch ihr Alleingang nicht als Problem wahrgenommen. Scharfer Wettbewerb und rasante Entwicklung im Strom- und Kommunikationsmarkt hin oder her. Und wer – wie die Ex-FDP-Grossrätin Maja Wanner an einer der letzten Gemeindeversammlungen – aus Kostengründen die Eigenständigkeit der Feuerwehr in Frage stellt, begeht schon fast einen Tabubruch.

Dieser Hang zum Alleingang ist unter einem Aspekt verständlich. Je dichter eine Gemeinde in ein Netz von Zweckverbänden und anderen regionalen Trägerschaften verstrickt ist, desto weniger hat der einzelne Bürger zu sagen. Zu immer mehr Themen kann er an der Gemeindeversammlung – ohne wirkliche Mitsprache – höchstens noch Ja oder Nein stimmen. Jeder neue Zweckverband stärkt die Macht des Gemeinderates. Er entsendet seine Vertreter in die Verbandsgremien, in denen die wahre Musik spielt.

Darum, so paradox es klingt: Angesichts immer mehr Kompetenzabtretungen an überkommunale Einrichtungen müssten gerade die glühendsten Anhänger der direkten (Gemeindeversammlungs-)Demokratie auch die grössten Verfechter von Gemeindefusionen sein. Denn träte ein Gemeinwesen anstelle all der Kooperationen, so würde das Mitspracherecht der Bürger wieder gestärkt.

Ewige Gräben

Die Sommerferien nahen mit Riesenschritten. Vor dem Kofferpacken noch ein kleines Themen-Potpourri aus dem sommerlichen Würenlos.

Gewiss, Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut. Doch hätten sich die Römer beim Errichten ihrer Hauptstadt so viel Zeit gelassen wie die Bauleute am  Schliffenenweg, dann würden wohl noch heute Sklaven Steine klopfen rund ums Kolosseum. Arg strapaziert wird die Geduld und das Schuhwerk der Anwohner beim täglichen Schotterslalom um Löcher, in denen nichts geschieht. Seit acht Monaten geht das schon so mit der Leitungs- und Strassensanierung. Grosse Felsbrocken im Untergrund seien an Verzögerungen schuld, hiess es einmal. Doch das allein kann’s ja nicht sein.

Eilen tut es der roten Baucrew aus dem Fricktal jedenfalls nicht sonderlich – nach Fronleichnam sei locker die arbeitsfreie «Brücke» gemacht worden, berichten Anwohner. Hat das Bauunternehmen all seine Energie verbraucht, als es darum ging, den Auftrag zu ergattern? Zweimal wehrte es sich bis vor Verwaltungsgericht gegen die Vergabe an die Konkurrenz. Zweimal siegte es, das muss anerkannt werden, im juristischen Hickhack. Doch schon der Baubeginn verzögerte sich deswegen um Jahre. Und mittlerweile scheint es den Fricktalern an Furtbach und Limmat so gut zu gefallen, dass sie gar nicht mehr weg wollen…

Auch nicht eben pressant hatte es der Gewerbler, dem die nicht eben schöne Brache zwischen Marktgasse und Landstrasse neben dem Coop gehört. Mehr als ein Dutzend Jahre nach Bezug der übrigen Zentrumsüberbauung liess er nun das Baugespann für ein Mehrfamilienhaus aufstellen, welches die Lücke in der Überbauung schliessen soll. Beim Betrachten des Baugespanns stellte sich allerdings eine alteingessene Würenloserin die nicht unberechtigte Frage (ihren Kommentar finden Sie hier), ob das Gebäude tatsächlich so nahe an die Landstrasse gestellt werden dürfe. Nun, warten wir das Baubewilligungsverfahren mal ab. Eines kann aber jetzt schon gesagt werden: Die heiss ersehnten Super-Steuerzahler werden sich an dieser Lage wohl kaum einquartieren.

Zeitlich nichts anbrennen lassen wollen die SVP und die FDP. Noch rechtzeitig vor dem grossen Aufbruch in die Sommerferien haben sie die Unterschriftenbogen fürs Referendum gegen den Sportplatz-Projektierungskredit verteilt. Bis 21. Juli müssen sie 406 Unterschriften zusammenzukriegen. Sollte eigentlich zu schaffen sein (fürs Referendum gegen die Kindergartensanierung Buech I kamen 636 Unterschriften zusammen). Aber wer weiss: Vielleicht schoss Shaqiri mit seinen drei Toren nicht nur die Schweiz in die WM-Achtelfinals, sondern Würenlos in einen  Fussball-Taumel, der auch die grössten Geldsorgen vergessen macht. Für alle, die trotz WM-Fieber finanzpolitisch kühlen Kopf bewahren, gibts den Unterschriftenbogen auch zum Downloaden, nämlich hier.

Ja zum Fussballplatz – vorerst…

Mit 144 Ja gegen 108 Nein hat die Gemeindeversammlung dem Projektierungskredit von 160 000 Franken für einen neuen Fussballplatz im Tägerhard samt Erschliessungsstrasse zugestimmt. Torjubel ist verfrüht. Höchstwahrscheinlich kommt es darüber noch zur Urnenabstimmung. Letztlich könnte der neue Sportplatz doch noch aufs Eis gelegt werden.

Zunächst aber – und nicht unerwartet – war das Powerplay der Rasensportvereine erfolgreich. Doch ihr Aufmarsch zur Versammlung war nicht so gross, wie von den einen erhofft und den anderen befürchtet. Die Mobilisierungskraft der Sportvereine dürfte überschätzt werden.

Weshalb brachte der Gemeinderat die Kreditvorlage überhaupt vor die Gemeindeversammlung, wo er doch aus finanzpolitischen Gründen dagegen ist? Gemeindeammann Hans Ulrich Reber begründete dies damit, dass das Geschäft eben sowohl für die Sportvereine wie für die Gemeindefinanzen von grosser Bedeutung sei. Deshalb solle der Souverän darüber entscheiden. Womöglich gab der Gemeinderat den finanzpolitischen Lead aber vorschnell aus der Hand.

Der aus der Versammlung geäusserte Wunsch, nach einem Ja möge das Referendum ergriffen werden und so der Entscheid repräsentativer ausfallen, dürfte erhört werden. Und SVP-Präsident Thomas Zollinger (seine Partei und die FDP haben sich klar gegen die Vorlage ausgesprochen) zeigte sich nach der Versammlung überzeugt, dass das Referendum gewonnen wird. Sein Optimismus ist nicht unbegründet. Die Sanierung des Kindergartens Buech I wurde mit gleich hohem Ja-Stimmen-Anteil wie jetzt die Sportplatzprojektierung (56 bzw. 57 %) an der Gemeindeversammlung gutgeheissen, an der Urne dann aber mit 69 % Nein-Stimmen wuchtig abgelehnt.

Dass es beim Projektierungskredit nur um 160 000 Franken geht, ein Referendum der Gemeinde aber Kosten von 8000 bis 10 000 Franken verursacht, ist kein Verhältnisblödsinn. Denn würde, wie das der Befürworter Marcel Moser schmackhaft zu machen versuchte, die Sportanlage jetzt zwar projektiert und später, beim Baukredit, die Notbremse gezogen, wären locker wieder einmal 160 000 Franken  in den Sand gesetzt – nach bester Würenloser Manier.

Sollten die Stimmberechtigten schliesslich wollen, dass projektiert wird, muss auch rasch gebaut werden. Alles andere wäre verlogen. Aber zuvor muss die Finanzierung sichergestellt sein. Und dass ist sie bislang nicht. Auch wenn CVP-Sprecher und Sportplatz-Befürworter, welche sich die ganz grosse Rosa-Brille  aufgesetzt hatten, ziemlich unverfroren das Gegenteil behaupteten.

Marco Galli, der Präsident der Finanzkommission, hat absolut recht: Ohne Steuerhöhung kommt der Bau der Sportanlage Tägerhard nicht in Frage. Für den Fall, dass der Projektierungskredit endgültig bewilligt wird, schlug Galli vor, den Baukredit  an eine Erhöhung des Steuerfusses zu koppeln.

Das Mindeste aber wäre eine Staffelung der Geschäfte: Steuerhöhung im Dezember 2014, Baukredit im Sommer 2015. Denn käme der Baukredit, wie von den Befürwortern in ihrer Werbebroschüre vorgezeichnet, schon im Dezember 14 vor die Gemeindeversammlung, bestünde das Risiko, dass der Sportplatzbau beschlossen, die Steuererhöhung aber (allenfalls nach einem Referendum) doch wieder scheitert. Dann wäre das Desaster perfekt.

Bis zur Vorlage des Baukredits muss auch mehr Klarheit bestehen über die Folgekosten der Sportanlage (Unterhalt, Abschreibungen, Kosten der vorgeschriebenen Erschliessung mit dem Bus).  Total können sie gut und gerne 250 000 Franken pro Jahr erreichen und sind laut FiKo-Präsident Galli finanziell noch verheerender als der Bau der Sportanlage.

Man kann es drehen und wenden wie man will – die Ablehnung der Steuererhöhung  im letzten Dezember war ein Riesenfehler. Der finanzielle Spielraum der Gemeinde ist bedrückend eng geworden. Hässliche Verteilkämpfe stehen an. Das Dorf wächst unaufhörlich, die öffentliche Hand aber ist wie gelähmt. Jetzt braucht es einen Befreiungsschlag nicht nur auf der Ausgaben-, sondern auch auf der Einnahmenseite.  Der SV Würenlos will laut  seinem Sprecher Daniel Zehnder dazu beitragen, einer Steuerhöhung zum Durchbruch zu verhelfen. Das ist gut. Doch letztlich traue ich solchen Beteuerungen bis zum Tatbeweis nicht so recht.