Das Alterszentrum – clever angeordnet, aber hoch

Das Siegerprojekt von Fiechter Salzmann Architekten. Ansicht vom Rössliweg her. Der Haupteingang befindet sich im fünfstöckigen Trakt in der Bildmitte, in den 2 Geschossen darüber ist die Pflegeabteilung untergebracht. Im Trakt links davon und über der Pflegeabteilung sind betreute Alterswohnungen vorgesehen. Die Fassade besteht teils aus rötlichem Klinker, teils aus Betonpartien.
Der Studienwettbewerb für das Alterszentrum ist entschieden. Mit ihrem Projekt Margerite haben Fiechter Salzmann Architekten Zürich in Zusammenarbeit mit Andreas Geser Landschaftsarchitekten, Zürich, die gestellte Aufgabe am besten gelöst. Mit einem langen, stark gegliederten, bis zu fünfstöckigen Bau entlang des Furtbachs haben die Gewinner die beste Lösung für die komplexe Aufgabe gefunden.

Mit dem Ergebnis des Studienwettbewerbs fürs Alterszentrum, das nun in der Alten Kirche von der Alterszentrum Würenlos AG präsentiert wurde, steht man wieder fast dort, wo man mit den beiden gescheiterten Projekten Falter am Bach (1994) und Ikarus (2003) schon einmal gestanden ist. Lagen damals gar schon ausführungsreife Projekte vor, so müssen nun ein Vor- und ein Bauprojekt erst noch ausgearbeitet werden, bevor dann das Bewilligungsverfahren seinen Lauf nehmen kann. Doch dass einmal mehr ein Meilenstein gesetzt ist, wie Toni Möckel, Gemeindeammann und VR-Präsident der Alterszentrum Würenlos AG sagte, ist erfreulich. Und man darf wohl auch darauf vertrauen, dass das kompetent zusammengesetzte Gremium, das die Wettbewerbsarbeiten beurteilt hat, seinen Entscheid sorgfältig getroffen hat.

Was mir durch den Kopf geschossen ist beim ersten Blick auf die Stellwand mit den Plänen und den Bildern des Siegerprojektes? – Hoppla, das ist aber ein recht wuchtiger Riegel, der sich da zwischen Rössliweg und Furtbach schieben wird. Ob da der von den Würenlosern so heiss geliebte Doppelzwiebel-Kirchturm überhaupt noch drüber hervorlugen wird? Frappant, dass nach dem ersten Altersheimprojekt von 1994 nun auch das neueste Projekt die Nähe des Furtbachs sucht.

Auf den 2. Blick scheint mir die Fassade des Seniorenriegels noch stark verbesserungswürdig. Zwar überzeugt die durchdachte höhenmässige Abstufung des Gebäudes, doch finde ich die Gestaltung der Fassade zu unruhig. Aber das ist, wie ich im Gespräch mit anderen Vernissage-Besuchern gemerkt habe, Geschmacksache. Entstehen wird das grösste Gebäude, das im Dorf je gebaut worden ist. Und zusammen mit der jüngst vorgestellten Überbauung Steinhof wird es den Charakter des Dorfes verändern: Mit einem bis zu fünfstöckigen Gebäude mitten im Zentrum wird das Gesicht von Würenlos städtischer. Die verbliebenen Reste des alten Dorfes werden wortwörtlich kleiner, auch wenn die Planer auf die Einordnung des Neubaues in die Umgebung besonders zu achten hatten.

Aber es ist halt auch viel Nutzraum unter einen Hut zu bringen: 44 Pflegebetten, 40 Kleinwohnungen mit Dienstleistungen, eine Cafeteria, eine Tiefgarage sowie Räume für ergänzende Nutzungen wie Spitex-Stützpunkt oder Ärztezentrum. Für ein so grosses Bauvorhaben an diesem Standort im Dorfzentrum eine gute Lösung zu finden, war für die die sieben ausgewählten Planungsteams (darunter ein solches aus Nachwuchsleuten) eine anspruchsvolle Aufgabe. Wie der frühere Aarauer Stadtbaumeister und Mitglied des Beurteilungsgremiums Felix Fuchs ausführte, haben alle Teams Arbeiten von hoher Qualität abgeliefert.

Das Siegerprojekt hat von allen Projektstudien laut Fuchs „die besten Realisierungschancen“. Dies nicht nur, weil es mit dem langen Bau zwischen Rössliweg und Furtbach eine architektonisch und betrieblich überzeugende Lösung darstellt, sondern auch, weil es platzsparend ist – so bleibt ein schöner Teil der Zentrumswiese für andere öffentliche Nutzungen frei. Und auch baurechtlich dürfte der Aufwand laut Fuchs eher kleiner sein als bei den Projekten der anderen Teams. So hält das Siegerteam zum Beispiel die erforderlichen Bauabstände überall ein. Ihr Projekt dürfte das einzige sein, das sich ohne zeitraubenden Gestaltungsplan realisieren lässt.

Die Projekte der sieben Teams unterscheiden sich erheblich. Einige bringen das geforderte Raumprogramm in mehreren Einzelgebäuden unter. Das Siegerprojekt kommt mit einem einzigen, allerdings stark gegliederten Baukörper aus, der eine durchgängige und ebenerdige interne Verbindung ermöglicht. Bei einem Bau so nahe am Furtbach hat der Hochwasserschutz grosse Bedeutung. Der Sockel des Siegerprojektes liegt 1 Meter über Furtbachniveau – das soll ausreichend sein.

Das Siegerprojekt vermag indes nach Ansicht des Beurteilungsgremiums auch noch nicht in allen Punkten restlos zu überzeugen. Verbesserungswürdig sei die Wohnlichkeit der Pflegegeschosse, die Gestaltung sei hier noch etwas gar spitallastig, sagte Cornelia Pauletti, Architektin und Mitglied des Beurteilungsgremiums. Etwas im Stiche gelassen habe das Planungsteam die Bauherrschaft auch, was die Gestaltung des Aussenraums zum Furtbach hin betrifft. Aber das lässt sich im weiteren Verlauf der Planung ja noch nachholen.

Nicht nur die Alterszentrum Würenlos AG als Bauherrin, sondern auch der Gemeinderat sind laut Felix Fuchs weiter gefordert. Der Gemeinderat müsse sich etwa darüber Gedanken machen über die künftige Nutzung der Zentrumsscheune und des unüberbaut bleibenden Teils der Zentrumswiese.

In einem weiteren Beitrag wird würenblicker das Siegerprojekt noch genauer unter die Lupe nehmen. Die Arbeiten aller sieben Planungsteams sind ab Freitag, 25.1. – Dienstag, 29.1. im reformierten Kirchgemeindehaus ausgestellt (Zeiten:hier).

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