Alle Beiträge von Peter Früh

Klappstühle mit Geschichte

Die Überlebenden des legendären Rolling-Stones-Konzertes im Zürcher Hallenstadion am 14. April 1967. Bild vom 1. Würen- loser Openair-Kino 2010.

Sie waren neben Mick Jagger und Co unverhofft die Hauptdarsteller, als vor genau 50 Jahren, am 14. April 1967  die Rolling Stones ihr erstes Schweizer Konzert im  Zürcher Hallenstadion gaben. Die helvetischen Teenager waren aus dem Häuschen. Schon bei der Ankunft der Stones auf dem Flughafen Zürich konnte die Polizei die  Fans kaum im Zaum halten. Erst recht ging dann die Post im Hallenstadion ab. Vorgruppe waren die «Schweizer Beatles», die Les Sauterelles (unter anderen mit mit Toni Vescoli und Düde Dürst),  Beim  Auftritt der Stones  liessen 12 000 jugendliche Besucher ihren Emotionen freien Lauf, gerieten ausser Rand und Band. Weil sie lieber tanzen statt brav auf den in Reih und Glied aufgestellten Klappstühlen sitzen wollten, kam es zum Tumult, dem die Ordnungshüter einigermassen hilflos gegenüber standen. Sömtliche Klappstühle seien zu Kleinholz gemacht  worden, hiess es in den folgenden Tagen. Das Bürgertum war verstört. Die NZZ schrieb: «Wenn auch die Ausschreitungen rund um das Konzert der Rolling Stones mit Entschiedenheit zu verurteilen sind, so hat der vergangene Freitagabend unseres Erachtens doch auch etwas Gutes gebracht: Er hat Anhaltspunkte dafür gegeben, dass das Phänomen der ‚Pop-Kultur‘ und ihrer Derivate nicht zu bagatellisieren ist, selbst in der Schweiz nicht

Doch was hat das alles mit Würenlos zu tun?  Der Bezug ist, dass  damals beileibe nicht das ganze  Sitzmobiliar im Hallenstadion  der Rock-Begeisterung der Schweizer Jugend zum Opfer fiel. Davon können sich Würenloserinnen und Würenloser regelmässig überzeugen. Bereits an sechs  Openair-Kinos des Kulturkreises bei der Zentrumsscheune und überdies bei grösseren Veranstaltungen im Steinhof leisteten Dutzende der legendären Hallenstadion-Klappsitze nach wie vor beste Dienste. Dank Eventmanagerin Franziska Arnold geniessen die braunlackierten Stühle in unserem Dorf den  aktiven Vor-Ruhestand. Und sie sind bestimmt nicht unfroh, dass sie vom hiesigen Publikum mit dem Respekt behandelt werden, der ihnen aufgrund ihrer historischen Bedeutung gebührt: das Stones-Konzert von 1967 gilt sozusagen als Startschuss zu den Zürcher Jugendunruhen von 1968 (Globus-Krawall)

Drei Viertel halten vollwertige Poststelle für unverzichtbar

An der würenblicker-Abstimmung über die Schliessung der Poststelle haben sich bis heute (17. März) 60 Leserinnen und Leser beteiligt (das sind etwa 1,2 Prozent der erwachsenen Wohnbevölkerung). Ihr Urteil fällt klar aus: Drei Viertel finden, dass Würenlos weiterhin eine Poststelle mit vollem Leistungsangebot braucht. Ein Viertel hält den Verlust der Poststelle für bedauerlich, aber verschmerzbar. Und nur gerade 2 Abstimmende lässt die Frage völlig kalt, weil sie die Post-Dienstleistungen kaum beanspruchen. Die genauen Ergebnisse finden Sie unter „Polls“ in der rechten Spalte. Es kann weiterhin abgestimmt werden.

Dem würenblicker liegt zudem der Briefwechsel zwischen einem Leser mittleren Alters und dem Kommunikationsverantworlichen der Post-Region Ost vor. Der Leser fand insbesondere einen vom Kommunikationsverantwortlichen in der «Limmatwelle» gemachten Vergleich zwischen den Poststellen Spreitenbach und Würenlos unfair, dies wegen der doch ganz unterschiedlichen Verhältnisse an beiden beiden Orten (Einwohnerzahl und Zahl der Geschäftskunden).

Zitat aus der ausführlichen Antwort der Post: «Ich habe gegenüber der Journalistin in der Tat die Nutzung der Filiale Würenlos mit derjenigen in Spreitenbach verglichen. Damit habe ich versucht zu unterstreichen, dass Würenlos eine recht geringe Nutzung aufweist. Es ging mir insbesondere darum, aufzuzeigen, dass die Menschen sich in der Region sehr mobil bewegen. Die Kundinnen und Kunden nutzen längst nicht mehr nur Postangebote an ihrem Wohnort, sondern beispielsweise auch an ihrem Arbeitsort oder auf dem Arbeitsweg.

Die Post prüft die Möglichkeit, in Würenlos in Zukunft eine Filiale zusammen mit einem lokalen Partner zu führen. (…) Postagenturen bewähren sich bereits an mehr als 800 Standorten in der ganzen Schweiz. Wir machen mit diesem Modell sehr gute Erfahrungen und erhalten von unseren Kundinnen und Kunden gute Feedbacks.

Das Angebot einer Postagentur deckt die von der Bevölkerung täglich nachgefragten Postdienstleistungen ab. So können die Kundinnen und Kunden Briefe und Pakete aufgeben, eingeschriebene Sendungen abholen und Briefmarken kaufen. Mit der PostFinance Card und mit den Maestro-Karten der Banken lassen sich bargeldlose Einzahlungen erledigen – direkt über ein Post- oder Bankkonto (auch mit dem «Gelben Büchlein»). In Würenlos streben wir eine Lösung mit einem bedienten Angebot an: Dabei erhalten die Kundinnen und Kunden Postdienstleistungen in einem Partnergeschäft an einer separaten Theke, die durch geschultes Personal bedient wird.

Noch sind in Würenlos keine Entscheide gefallen, und die Gespräche und Abklärungen mit der Gemeinde gehen weiter. Sobald alle offenen Punkte geklärt sind, wird die Post die Öffentlichkeit in Absprache mit der Gemeindebehörde im Detail informieren. Bis dahin bleibt die heutige Postfiliale unverändert in Betrieb

 

Es rumort im Gebälk

Es tut sich was im Hinblick auf die Gesamterneuerungswahlen der Gemeindebehörden im Herbst. Nicht nur die Ortsparteien überlegen, wer in den nächsten vier Jahren die Geschicke unserer Gemeinde lenken soll. Nun hat sich auch eine überparteiliche Gruppe von Mitbürgerinnen und –bürgern mit einem Leserbrief in der «Limmatwelle» und in einem redaktionellen Beitrag des «Badener Tagblatts» zu Wort gemeldet. Sie ruft nach frischem Wind und neuen Köpfen. Und sie lädt politisch Interessierte ein, sich ihr anzuschliessen und sich allenfalls auch für ein politisches Amt zur Verfügung zu stellen. Noch ist es eine formlose Gruppierung von Menschen unter 50 Jahren. Doch die Gründung einer Interessengemeinschaft wird nicht ausgeschlossen.

Dass neue Akteure auf die Politbühne unserer Gemeinde treten und dazu noch Leute aus der voll im Berufs- und Familienleben stehenden Altersgruppe U 50 ist sehr zu begrüssen. Noch ist nicht deutlich sichtbar, wie die Gruppe Einfluss nehmen wird auf die Gemeindewahlen. Ist gar mit einer Gemeinderatskandidatur aus der Gruppe selbst zu rechnen? Man wird es sehen. Das BT jedenfalls nimmt heute schon vorweg, was passieren könnte, titelte es doch: „Bürger mischen Politleben in der Gemeinde auf».

Bei der Gruppe handelt es sich keineswegs um Stänkerer oder Wutbürger, die an der Arbeit unserer Politiker keinen guten Faden lassen. Einerseits attestieren sie dem Gemeinderat, dass er einen guten Job gemacht habe. Anderseits üben sie an seiner Arbeit auch Kritik, eher leise, zuweilen etwas verklausuliert. Vermisst werden konkrete Aussagen und Lösungsansätze der Behörden zu recht vielen Themen – von der Autolawine im Dorf bis zu den Tagesstrukturen an der Schule.

Der Gemeinderat, aber auch die Ortsparteien sollten die Gruppe nicht unterschätzen. Zwei ihrer Mitglieder, Martin Brogle, parteiloser Schulpfleger, und Daniel Zehnder, Mitglied der Planungskommission und früher auch mal Grossratskandidat der CVP, sind in der Gemeinde sehr gut verankert und haben vertiefte Einblicke in die Behördenarbeit. Für einen allfälligen Wahlkampf könnten sie durchaus den einen oder anderen Pfeil im Köcher haben.

Die Gruppe sieht es schon richtig: Der jetzige Gemeinderat hat um einiges glücklicher operiert als sein Vorgängergremium. Doch hat auch er sich nicht besonders profiliert mit eigenen Ideen für die Zukunft unserer Gemeinde. Wo aber kein Gemeindeparlament dauernd Impulse und Anstösse gibt, hat der Gemeinderat den Lead in der längerfristigen Gemeindeentwicklung zu übernehmen. Kommt dazu, dass sich auch unsere Ortsparteien höchst zurückhaltend und nur punktuell in dieses Thema einbringen. Und ihre Mitgliederbasis ist eher schwach.

Ohne Mitdenken einer breiteren Bürgerschaft geht es aber nicht. Darum wäre es ein grosser Gewinn für die Gemeinde, wenn es der noch kleinen Gruppe gelänge, mehr Sympathisanten um sich zu scharen, Mehr Leute auch, die sich für die Gemeinde engagieren wollen, ohne in einer Partei mitwirken zu müssen. In diesem Zusammenhang erstaunt es ein wenig, dass sich die Bürgergruppe – so Martin Brogle im BT – nicht nur als überparteiliche, sondern auch „als Mitte-Links-Gruppierung“ versteht. Was bedeutet dieses Mänteli schon? Auf lokaler Ebene verlaufen politische Fronten doch selten entlang des LInks/Mitte/Rechts-Schemas. Auch ein FDP-Sympathisant kann für ein attraktiveres Dorfzentrum eintreten und eine SVP-Sympathisantin für eine 100-Meter-Laufbahn, um an zwei konkrete Anliegen anzuknüpfen, welche die Gruppe in ihrem Leserbrief erwähnt.

Nichts mit Links oder Rechts zu tun hat auch die vielleicht wichtigste Frage, welche die Gruppe  aufwirft: «Wie will unsere Gemeinde in 10 bis 20 Jahren aussehen? 7000 Einwohner, 8000 oder gar mehr?» Die Frage  ist im Hinblick auf die nun beginnende Revision der Allgemeinen Nutzungsplanung von grosser Bedeutung. Und auf sie hat der Gemeinderat eine klare Antwort bereits gegeben. In dem am 25. Januar letzten Jahres verabschiedeten «Leitbild zur Gemeindeentwicklung» steht: «Wir wollen in den nächsten 15 Jahren qualitativ moderat wachsen (auf maximal 7300 Einwohner).»

Ist das auch die Meinung der breiten Bevölkerung? Das Wachstumsziel und das ganze Leitbild sind in  der Öffentlichkeit nie breit diskutiert worden – der Gemeinderat hat bei der Veröffentlichung in Aussicht gestellt, dazu im Frühjahr 2018 eine Zukunftswerkstatt unter Einbezug der Bevölkerung durchzuführen. Der Termin ist reichlich spät angesetzt, angesichts der nun beginnenden Nutzungsplanung. Das Wachstumsziel muss unbedingt breit diskutiert werden können, bevor die Ziele der neuen Bau- und Nutzungsordnung formuliert werden. Das Beispiel zeigt: Das  Betätigungsfeld ist jedenfalls  gross für eine überparteiliche Kraft, die offen ist für zukunftsweisende Ideen, die eintritt für vorausschauende Planungen und die vor negativen Entwicklungen in unserer Gemeinde nicht einfach kapitulieren will.

Nichts ging mehr

David hat Goliath lahmgelegt. Letzter Tag der Sportferien, 11 Uhr morgens. Im 1er-Bus von Wettingen her war es angenehm ruhig. Auch ein Kinderwagen  und das  Einkaufswägeli meiner Nachbarin L. fanden bestens Platz Sieben Bände Harry Potter für ihre Enkelin zum Geburtstag hatte die Nachbarin heim zu karren. Es gibt eben noch hungrigen Leseratten-Nachwuchs  und Grossmütter, die diesen Hunger grosszügig stillen.

Im leichten Kinderwagen döste ein Kleinkind, begleitet war es vom Papi und einem wenig älteren Bruder. Es ist ja  eine rechte logistische Herausforderung, so eine Fuhre  rechtzeitig wieder aus dem Bus zu kriegen, ohne dass drinnen irgendein Stofftierli, Händschli, Schoppen oder Nuggi liegen bleibt. Doch dieser Papi schien alles  im Griff zu haben. Kaum hielt der Bus an der Haltestelle Post und öffnete sich die Tür, stand er mit seiner ganzen Gugelfuhr schon draussen – fast wenigstens. Wenn nur der Gelenkbus nicht einer der besonders höflichen Sorte gewesen wäre, einer von der Sorte, die sich an der Haltestelle leicht zur Seite neigt, damit das Aussteigen leichter fällt.  Jetzt aber  war es gerade umgekehrt. Ein Rädchen des Kinderwagens geriet zwischen den Randstein und den sich immer noch absenkenden Bus. Schliesslich war es total verklemmt, da mochte der Papi rupfen und zupfen, soviel er wollte, sein Gefährt sass unverrückbar fest.

Was nun? Modernste Fahrzeugtechnik bringt auch RVBW-Chauffeure an ihre Grenzen. Der Absenkmechanismus des Busses liess sich nicht rückgängig machen, solange die Tür geöffnet war. Und sooft der Chauffeur auch den Schliessvorgang einleitete, die beiden Türflügel schnellten jeweils sofort wieder zurück, kaum kamen sie dem im Wege stehenden Kinderwagen nahe. Bei offenen Türen aber lasse sich auch der Busboden nicht anheben, erkläre uns der Chauffeur. Und solange der Busboden nicht wieder angehoben sei, könne er das Fahrzeug auch nicht von der Stelle bewegen, sprich, etwas vom Randstein weg fahren.

Im Bus vorne hupte unentwegt ein Alarm. Das Kind im festgeklemmten Wägelchen verfolgte nun  mit grossen Augen das Geschehen. Wir Mitreisenden traten näher, um die Sache  zu begutachten, traten  schon mal gegen das kleine Rädchen, um es vielleicht so frei zu kriegen. Es machte keinen Wank.  Der Chauffeur tat dies und das und nervte sich wohl gewaltig über unsere  wohlfeilen Ratschläge, was auch noch getan werden könnte. Nach längerem fragte er den Vater höflich, ob dieser nicht mal seinen Sprössling aus dem Wägeli nehmen könne.

Minute um Minute verging. Wie die Geschichte endete, weiss ich nicht. Irgendwann machten wir Mitreisenden uns zu Fuss auf den Heimweg und überliessen den Chauffeur, den Papi und seinen Nachwuchs ihrem Schicksal. Moderne Technik hat eben ihre Tücken.  Und die lassen sich nicht einfach so wegzaubern, selbst mit sieben Bänden über die Erlebnisse eines Zauberlehrlings im Gepäck nicht.