Wahlschlacht

P1020166Wahlplakate in eindrücklicher Serie «zieren» momentan die Ortseingänge beim Bickacker und beim Steinbruch-Kreisel. Auch vis-à-vis des Steinhofs sowie aufgehängt an Laternenmasten (anderswo macht man das mit Regimegegnern)  zeigen uns Frauen und Männer, dass sie unbedingt nach Bern wollen.  Die Forderung, der  temporären Verschandelung von Dörfern und Landschaft mit Fotoshop-aufgepeppten Dauergrinsern sei mit einem Verbot Einhalt zu gebieten, finde ich übertrieben. Drei Monate nach dem Wahltag wird ja auch die letzte Partei ihr Werbematerial wieder engesammelt haben. Zudem könnte sich das Problem von selbst erledigen, wird  die Wirksamkeit der Kandidaten-Masseneinwanderung am Strassenrand doch  masslos überschätzt. Wer mit 50 km/h dahergefahren kommt, kann ja kaum erkennen, für wen da eigentlich geworben wird. Ist ja auch egal. Zumindest auf den Plakaten sind die Strahlemänner und -frauen und ihre hohlen Slogans ja austauschbar.

Clevere Wahlkampfmanager hecken sich da schon Originelleres aus. Was aber nicht ganz leicht ist, denn  fast alles haben wir schon gesehen: Von der Duschmittel verteilenden späteren Bundesrätin bis zu Jungsozialisten im Adams- und Evaskostüm.  Auf einer Reise durch das Hochland von Peru  vor einem Jahr (dort standen Regionalwahlen  bevor) habe ich aber doch einige schöne  Ideen aufgeschnappt, die ich hiesigen Wahlkämpfern nicht vorenthalten möchte.

P1010176Idee Nr. 1: Zustupf für die vom Staat schamlos ausgebeuteten Haueigentümer (Eigenmietwert!).  Hat Ihr Eigenheim nicht schon lange eine Fassadenauffrischung nötig? Ersparen Sie sich die Kosten für Maler und Farbe. Stellen Sie ihre Hausfassade der Partei Ihrer Wahl zur Verfügung. Und Sie kriegen Sie ein kleines Entgelt, das sich elegant am Steueramt vorbeischmuggeln lässt.

 

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Idee Nr. 2: Nutzen Sie die Werbekraft Ihres Sprösslings auf dem Schulweg. Ersetzen Sie reflektierende Warnstreifen, Schulthek und Regenjacke  ihrer Tochter oder Ihres Sohnes eine Zeit lang durch die fröhliche Ganzkörperwerbung im Dienste der Demokratie. Sparbewusste Schulpflegen bessern  ihre Budgets durch Verleih ganzer Klassen auf (Parteienproporz beachten!).

 

P1010512Idee Nr.3: Schaffen Sie dauerhafte  Werte. Ersparen Sie sich die Kosten für Prospekte, die gleich im Altpapier landen, oder für Plakate, die keiner ansehen will. Investieren Sie in Werbemittel, die nützlich sind und länger als Ihre mögliche Amtsdauer von Ihrer Grosszügigkeit und Weitsichtigkeit zeugen. Fast jede peruanische Bauernfamilie hat hinterm Haus das gleiche Hüsli stehen.  Kleine Präsente aus früheren Wahlkämpfen seien das, hört man. Der Spender ist zwar längst aus Amt und Würden gejagt, sitzt gar hinter Schloss und Riegel, doch gesch… wird in seinem Hüsli noch lange.

 

Was sich südlich des Bahnhofs tun soll

Der Gemeinderat hat den Entwicklungsrichtplan für die Gebiete Bahnhof, Gewerbe Grosszelg und Im Grund sowie Wohngebiet Steinhof /Im Grund veröffentlicht. Mit dem Planwerk sagt der Gemeinderat, wie sich dieses Baugebiet, das teils stark unternutzt, teils noch nicht überbaut ist, in den nächsten Jahrzehnten entwickeln soll. Diese Zielvorstellung spurt nächste Planungsschritte vor.

Der Entwicklungsrichtplan betrifft fast das ganze Gebiet zwischen Bahnlinie (oben), Landstrasse (rechts) und Hürdlistrasse (unten). (Bild aus der Publikation der Gemeinde).
Der Entwicklungsrichtplan betrifft fast das ganze Gebiet zwischen Bahnlinie (oben), Landstrasse (rechts) und Hürdlistrasse (unten). (Bild aus der Publikation der Gemeinde).


Das Wichtigste in Kürze:

Nutzung (Download Richtplankarte : entwicklungsrichtplan_im_grund_nutzungen_zonen_ortsbild:

  • Wohn- und Gewerbezone WG3 im vorderen Areal Steinhof (entlang Landstrasse). Gasthof-Kopfbau und Gartenwirtschaft sollen erhalten bleiben.
  • Wohnzone im hinteren Areal Steinhof und im angrenzenden Gebiet Im Grund, dreigeschossig, in einem Streifen links und rechts der Grundstrasse zweigeschossig (je plus Attika). Damit wird die Siedlungsstruktur des Quartiers Hürdli grossomodo übernommen. Das Land westlich der Grundstrasse müsste aber erst eingezont werden.
  • Gewerbezone Bahnhof sowie Grosszelg. Vorrangig bleibt die gewerbliche Nutzung. Wohnungen dürfen nur für Hauswarte bzw, Betriebsinhaber gebaut werden. Im Dreieck südlich des Bahnhofs (heute Tankstelle und Lagerschuppen) soll die neue Landi gebaut werden.

Verkehr–Download Richtplankarte Mobilität, Verkehr, Parkierung und Erschliessung: entwicklungsrichtplan_im_grund_mobilitaet_verkehr_erschliessung_parkierung

  • Ganzes Gebiet Bahnhof (mit P&R und neuer Landi) + Gewerbegebiet Grosszelg: Zu- und Wegfahrt via Bahnhofstrasse.
  • Gebiet Steinhof: Zu- und Wegfahrt ab Landstrasse mit neuer Stichstrasse. Parkplatz Gasthof wie bisher.
  • Wohngebiet Im Grund: Zu- und Wegfahrt ab Landstrasse via Lättenstrasse-Hürdlistrasse.
  • Neue Fusswege zwischen Hürdlistrasse und Bahnhof, zwischen Juch- und Lättenstrasse sowie Unterführung für Langsamverkehr bei der SBB-Barriere.
  • Neue Streckenführung des Ortsbusses: ab Bahnhof via Grosszelgstrasse-Grundstrasse-Hungerbühlstrasse-Lättenstrasse in die Landstrasse. Alternative: Ab Hungerbühlstrasse via Juchstrasse.
  • Als blosse Option: Bahnüberführung Grundstrasse – Tägerhardweg für Velos und allenfalls Busse.

Der Entwicklungsrichtplan enthält auf den ersten Blick viele vernünftige Ideen und  Anordnungen. So werden für fürs Wohngebiet Im Grund sowie das gesamte Steinhof-Areal Sondernutzungspläne (Erschliessungs- und Gestaltungspläne) vorgeschrieben. Die Parkierung soll hier unterirdisch sein und es ist Raum für einen Kindergarten (allenfalls Kindertagesstätte) vorzusehen. Download Bestimmungen: entwicklungsrichtplan_im_grund_bestimmungen

Der nun vorgelegte  Entwicklungsrichtplan ist der Versuch, möglichst allen der sich teilweise widersprechenden Interessen Rechnung zu tragen.  Damit soll wohl eine noch längere Blockierung von Bauvorhaben in einzelnen Gebieten (z.B. Steinhof) vermieden werden. Der Kompromiss hat Schwachstellen. So sollen bestehende Wohngebiete durch den entstehenden Mehrverkehr möglichst wenig belastet werden. Mit der Erschliessung des neuen Wohngebiets im Grund (via Hürdlistrasse) geschieht aber genau das im Quartier Hürdli. Wäre aber die an sich sinnvollere Verkehrserschliessung via Bahnhof- und Grosszelglistrasse gewählt worden, hätte wohl die Landi ihren Grossmarkt nie bauen können. Auch so wird sie zuwarten müssen, bis für die schwierige Verkehrssituation bei der Einmündung der Bahnhof- in die Landstrasse eine Lösung nicht nur gefunden, sondern auch realisiert ist. .

Überhaupt: Die Verkehrserschliessung ist – wie schon wiederholt dargestellt – die Krux bei diesem Planungsvorhaben. Die schwierigen Rahmenbedingungen und auseinandergehenden Meinungen von Gemeinderat und Kanton erschweren den Planungsprozess wohl auch weiterhin.

Der Entwicklungsrichtplan hat eine längere Vorgeschichte. Im Rahmen eines sogenannten Testplanverfahrens machte ein Expertenteam schon 2010 Vorschläge für die bauliche Entwicklung in diesem Gebiet. Dem Gemeinderat passten diese Ideen aber nicht und er beauftragte die Zürcher Raumentwicklungsfirma SwissSpaGroup (Ex-Würenloser Rolf Wieland ist Mitglied der Geschäftsleitung) mit der Ausarbeitung des Entwicklungsrichtplans.

Mitgeredet hat eine 14-köpfigen Arbeitsgruppe unter Vorsitz von Gemeindeammann Hans Ueli Reber. Ihre Besetzung ist beachtenswert: Dabei waren je zwei Vertreter des Bauamtes, der Planungskommission, des mit der Ortsplanung beauftragten Büros Minikus Vogt & Partner AG,  je ein Vertreter der Steinhof-Grundstücke und des Expertenteams im Testplanverfahren sowie – man staune – volle vier  Landi-Interessenvertreter (wobei bei einem im Bericht der SwissSpaGroup die enge Beziehung zur Landi unerwähnt bleibt.)

In einem sogenannten Mitwirkungsverfahren können nun Landeigentümer und Anstösser, denen das Planwerk an einer Versammlung vorgestellt wurde, bis 1. Oktober schriftlich Stellung nehmen. Die Eingaben werde der Gemeinderat bewerten und beurteilen und im Entwicklungsrichtplan berücksichtigen, heisst es in der Mitteilung auf der Gemeinde-Homepage. In einem Mitwirkungsbericht wird der Gemeinderat sagen, wie er die Eingaben bewertet hat.

Den Entwicklungsrichtplan beschliessen kann der Gemeinderat. Damit wird der Plan für den Gemeinderat, nicht aber für die Grundeigentümer verbindlich. Der Regionalplanung und dem Kanton wird er zur Kenntnisnahme unterbreitet. Die Gemeindeversammlung kommt erst zum Zug, wenn die Bauordnung und der Zonenplan abgeändert oder Projektierungs- und Baukredite nötig werden (z.B für Strassen).

Der Kandidat

Am 18. Oktober wird gewählt. 288 Aargauerinnen und Aargauer wollen in den Nationalrat. Neu hat der Aargau 16 Sitze. Auf den 22 Listen steht – wenn ich niemanden übersehen habe – gerade mal ein Name aus Würenlos.

Lukas Wopmann.
Lukas Wopmann.

Arithmetisch sind wir untervertreten. Gemessen an der Einwohnerzahl müsste Würenlos zwei bis drei Kandidaten stellen. Wenigstens tritt einer an. Und erst noch ein Junger, von denen es stets zu wenige hat in Bern. Stutzig macht höchstens, dass dieser eine gewiss nicht an Unterbeschäftigung leidet. Er hat einen Führungsjob auf dem Flughafen, präsidiert die Bezirkspartei Baden der BDP und spielt leidenschaftlich Laientheater. Und nicht zuletzt ist Lukas Wopmann ja auch Gemeinderat und hat eben das anspruchsvolle Amt des Finanzvorstands übernommen, garniert mit der nicht minder heiklen Verantwortung für die Altersbetreuung  (Alterszentrum).

Seine Agenda muss sehr voll sein. Gelegentlich hört man Klagen aus offiziellen Gremien über Absenzen und dass es schwer sei, Termine mit ihm zu finden. Nun gut, Wopmann ist voll berufstätig und der einzige Gemeinderat, dessen Arbeitsplatz sich nicht in der engsten Region befindet.

Jetzt will er also noch ins Bundeshaus. Der junge Mann ist ja auch schon Alt-Grossrat. 2012, als seine kurz zuvor gegründete Partei auf Anhieb sechs Grossratssitze eroberte, war er ins Kantonsparlament gewählt worden. Doch bald darauf auch noch zum Gemeinderat gewählt, sah er ein, dass beides nicht drin lag. Er entschied sich für den Gemeinderat und trat, kaum war er vereidigt, als Grossrat auch schon wieder zurück. Jene seiner Wähler, die explizit mehr Junge im Grossratssaal sehen wollten, mag er so enttäuscht haben.

Doch sein damaliger Entscheid verdient Respekt. Wopmann entschied sich für das schwierigere Mandat, welches mit mehr persönlich zu tragender Verantwortung verbunden ist und mehr Präsenz erfordert. (Im Grossen Rat kann man sich notfalls ganz bequem in den hinteren Bänken verstecken.)

Mit seiner jetzigen Kandidatur leistet er vor allem seiner Partei einen Dienst. Kandidaten mit etwas politischer Erfahrung stehen der BDP nicht im Überfluss zur Verfügung. Zudem schadet eine neuerliche Kandidatur gewiss nicht Wopmanns späteren Politkarriere.

Doch wie würde er das viel Zeit raubende Nationalratsmandat überhaupt mit seinen anderen Pflichten unter einen Hut bringen? Ich habe ihn per Mail angefragt und auch sehr rasch eine Antwort bekommen. Danke!

Er sieht es realistisch. Seine Chancen, nach Bern gewählt zu werden, sind nicht sehr gross. Seine Partei, die BDP, muss um ihren einzigen Aargauer Sitz im Nationalrat kämpfen. Der Amtsinhaber, Bernhard Guhl, kandidiert wieder, mit dem Vorteil des Bisherigen. Zudem ist er auch Ständeratskandidat, was Publizität verspricht und mehr Nationalratsstimmen bringt. «Eine grosse Änderung seit meinem Rücktritt aus dem Grossen Rat gab es so nicht», schreibt Wopmann. Trotz der nicht sehr grossen Wahlchance habe er aber mit seinem Arbeitgeber gesprochen. Eine konkrete Lösung sei aber nicht vereinbart worden. Doch werde der Arbeitgeber bei einem Nationalratsmandat zu Zugeständnissen eher bereit sein.

«Für mehr Sachpolitik statt Selbstinszenierung» lautet das Motto von Lukas Wopmann im BDP-Kandidatenprofil. Schauen wir doch, wie weit sich unsere persönlichen sachpolitischen Präferenzen, Meinungen und Wünsche mit den seinen decken. Im Internet gibt es dafür Instrumente. Ich empfehle für den Kandidaten- (und Parteien-)Check den von «Blick» angebotenen interaktiven Vimentis-Fragebogen mit 73 zu beantwortenden Sachfragen. Das Erstellen dieses Ratings erfordert vom Wähler einiges Nachdenken, aber das darf doch sein. Dafür spuckt mir der Computer eine individuelle Rangliste aller Kandidaten und Listen aus sowie einen Wahlvorschlag mit jenen 16 Kandidaten, die meine Interessen in Bern am ehesten vertreten dürften.

Natürlich möchten Sie jetzt wissen, was  herausgekommen ist. So viel sei Ihnen verraten: Wäre ich ausschlaggebend, so würde Lukas Wopmann die politischen Sporen weiterhin nur auf Gemeindebene abverdienen. Von allen 288 Kandidaten rangiert er für mich erst an 158. Stelle, seine BDP-Liste erst an 14.  (von 22). Sorry.

Das Wöschhüsli

Wer hat sich nicht schon gefragt, zu welchem Zweck dieses hübsche Häuschen neben der Furtbachbrücke im Kempfhof gebaut wurde?

Das schmucke Wöschhüsli nahe der Brücke an der Bachstrasse.
Das schmucke Wöschhüsli nahe der Brücke an der Bachstrasse.


Wie mir die heutige Eigentümerin, Frau Michèle Meier, erzählte, wird sie immer wieder von Leuten befragt, wenn diese dort vorbeigehen. Auch Kinder meinten schon: «Gäll das isch doch es Häxehüsli?». Ob sie denn wie eine Hexe aussehe, habe sie gegengefragt.

Weshalb ich mich der Geschichte des kleinen Hauses annehme, hat einen besonderen Grund: Anfang der Siebzigerjahre erwarb die Bauunternehmung Schildknecht und Haderer in Wettingen die Liegenschaft Bachstrasse 53 und nutzte sie als Werkhof. Weil dieses kleine Haus auch dazugehörte und man dessen Platz gut als Deponieplatz hätte nutzen können, wollte man es abbrechen. Ich wehrte mich dagegen und konnte die Unternehmer davon überzeugen, dass es als historischer Bau erhaltenswert sei. Anerkennenswert sei erwähnt, dass die Bauunternehmung das Häuschen danach in Stand stellte.

Immer wenn ich heute daran vorbeikomme frage ich mich, welche Geschichten mir dieses Häuschen erzählen könnte, wenn ich die Tür öffnen würde, ähnlich einer Musikdose, bei der Musik ertönt, wenn man den Deckel öffnet.  Mit Erlaubnis von Michèle Meier öffne ich nun die Türe und lasse das Häuschen uns seine Geschichte erzählen.

Die Treppe zum Furtbach.
Die Treppe zum Furtbach.

Tatsache ist, dass ich schon viele Jahre auf dem Buckel habe, sicher an die zweihundert. Weil ich unbedeutend bin, wurde das Geburtsjahr nicht in den Türsturz eingemeisselt.  Sicher ist, dass ich als Wöschhüsli gedient habe. Hier im hinteren Teil des einzigen Raumes stand früher ein Holzofen mit einem kupfernen Kessi darüber. Gegenüber dem Eingang ist ebenfalls eine Türe und dahinter eine Treppe, die zum Furtbach hinunter führt.

In der rückwärtigen Wand kannst du noch zwei Löcher sehen. Sie dienten als Auflager für zwei Balken. Genau kann ich mich nicht mehr erinnern, aber die Konstruktion dürfte etwa so wie die Zeichnung unten ausgesehen haben.

Jede Woche trafen sich bei mir Frauen aus dem Kempfhof, um ihre Wäsche zu waschen. Zuerst feuerten sie tüchtig an und mengten dem Wasser geraffelte Kernseife bei, denn es gab damals noch
kein Waschpulver. War das Wasser heiss genug,

Die Löcher in der Wand für die Balkenkonstruktion.
Die Löcher in der Wand für die Balkenkonstruktion.

taten sie die Kochwäsche ins Kessi. Während dann
der Sud so vor sich hin köchelte, rührten und

stampften sie mit einer grossen Holzkelle öfters darin, damit die Seifenlauge die ganze Wäsche durchdringen konnte. Das war eine schwere Arbeit und der ganze Raum war so voller Dampf, dass sich die Frauen oft kaum sehen konnten. Das hinderte sie aber nicht daran, sich ihre Sorgen und Freuden zu erzählen und darüber zu berichten, was sich im Dorf so alles ereignet hatte.

Überm offenen Feuer wurde das Wasser im Kessel zum Kochen gebracht.
Überm offenen Feuer wurde das Wasser im Kessel zum Kochen gebracht.

War die Wäsche gekocht, wurde
sie mit einer grossen gelochten Kelle aus dem heissen Wasser gefischt und mit einem Korb zum Furtbach hinunter getragen. Dort wurde sie gespült und falls notwendig auf dem Waschbrett nochmals tüchtig geschrubbt.

Die Hausierer wussten, wann Waschtag war und dass sie dann fast alle Frauen dort antreffen würden. Zu dieser Zeit gab es noch kein Shoppingcenter und auch keinen Coop. Alles, was man zum täglichen Bedarf nötig hatte und nicht im eigenen Garten wuchs, kaufte man beim Hausierer. Nebst Nadeln, Faden, Wolle, Stoffen etc. hielt er auch Pülverchen und Salben gegen Hexenschuss oder Rheumaschmerzen, aber auch schöne Ringlein oder Ketten feil.

Ja, das war eine schöne Zeit. Dann aber wurden im Kempfhof Wasserleitungen verlegt und die meisten Familien hatten danach fliessendes Wasser im Haus. Das bedeutete auch das Ende meiner Funktion als Wöschhüsli.

Damit ich nicht nur unnütz herumstand, war ich bereit, einige Zeit als Unterkunft für Kälber zu dienen. Daran kann sich Isidor Moser, der seit seiner Geburt im Kempfhof lebt, noch gut erinnern. Als Bub kam er immer zu mir, um im Furtbach zu fischen. Hier fand er auch die nötigen Köder, nämlich Würmer, das hatte mit dem Kälbermist zu tun.

Das vom Verfall bedrohte Wäschhüsli vor der Aussenrenovation.
Das vom Verfall bedrohte Wöschhüsli vor der Aussenrenovation.

Bald ging auch diese Zeit vorbei. Die Tiere mussten sich an eine andere Bleibe gewöhnen, denn der Bauer, dem die Scheune mit Wohnhaus Bachstrasse 53 und meine Wenigkeit gehörten, verkaufte die Liegenschaft an einen Bauunternehmer. Ich fürchtete das Schlimmste.  Warum sollte ein Baumeister mich armes Hüsli, das am Verfallen war, noch erhalten? Meinen Platz konnte er als Deponieplatz besser nutzen. Ich versuchte mich unter dem Efeu zu verstecken. Das half aber nichts. Eines Tages warfen Bauarbeiter meine Ziegel vom Dach in eine Mulde und ich war überzeugt, meine letzte Stunde habe geschlagen.

Aber nein, statt mit dem Abbruch zu beginnen, ersetzten die Männer einige der morschen Balken und deckten mich mit schönen, handgefertigten Ziegeln wieder ein. Auch an meine Schönheit dachten sie und machten ein gründliches Facelifting. Die runzelige Steinfassade wurde sauber ausgefugt; Fenster und Türe wurden ersetz oder repariert. Ich sah schön aus und freute mich sehr darüber, und war dann auch gerne bereit als Magazin der Firma gute Dienste zu leisten.

Einige Jahre vergingen, das Baugeschäft wurde grösser. Die Liegenschaft genügte den Bedürfnissen nicht mehr. Mein Wohltäter verkaufte mich an Peter Frey, Cheminéebau Wettingen und der verkaufte mich dann später an Stefan Meier, Gipsergeschäft Wettingen. Damit begann für mich wieder ein anderes Leben.

Michèle Meier.
Michèle Meier.

Für die Tochter dieses Unternehmers, Michèle Meier, war ich ein beliebter Ort zu verweilen . Weil mein Inneres nicht mehr sehr gesund war und gelegentlich Steine aus den Wänden brachen, sagte Vater Meier zu seiner Tochter, er werde meine Innenseite auch einmal in Ordnung bringen, habe aber jetzt keine Zeit dazu. Sie solle alle Steine und den Ort wo sie heraus gefallen sind mit einer Nummer versehen. Als es dann aber viele Steine waren verlor Michèle die Übersicht, und so nahm sich der Gipsermeister Zeit, die Innenseite zu renovieren. Ihm muss ich ein grosses Kompliment machen. Er nahm nicht einfach einen Fertigmörtel, sondern mischte einen nach altem Rezept, der genau auf meine Bedürfnisse abgestimmt war. Ganz besonders freute ich mich darüber, dass die Mutter von Michèle für mich schöne Vorhänge nähte und mich so auch im Innern gut aussehen liess.

Es gab aber auch viele Momente des Schreckens, wenn Lastwagen mir zu nahe kam und mein Dach beschädigte. Der Dachdecker Wagner aus Wettingen pflegt mich dann und brachte den Schaden wieder in Ordnung.

Für die Nachbarskinder von Michèle war ich ein beliebter Aufenthaltsort. Gelegentlich übernachteten sie bei mir in Hängematten, die an meinen Balken befestigt waren. Inzwischen ist es bei mir wieder ruhiger geworden. Ich diene Michèle jetzt als Gartenhüsli und das ist mir auch recht so.  Nun aber genug der Geschichten. Schliesse mir die Türe, ich möchte nun meine Ruhe haben!

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