Schlechte Verlierer

Die Dusche war kalt, eiskalt. Nach Bekanntwerden des regierungsrätlichen Rekursentscheides zum Alterszentrum Würenlos fragte man sich, wie wohl Gemeinderat und Alterszentrum Würenlos AG darauf reagieren würden. Würden sie sich als gute oder als schlechte Verlierer erweisen? Nun, die erste Stellungnahme (Link) ist zum Fremdschämen.

Kalte Dusche. Denn jetzt sind kühle Köpfe gefragt.
Kalte Dusche. Nun sind kühle statt heisse Köpfe gefragt.  Bild würenblicker

Bevor sie mit ihren Anwälten das Regierungsprotokoll mit der ausführlichen Begründung des Entscheids auch nur etwas vertiefter studiert haben, fahren die Gemeinde- und Verwaltungsräte in der Stellungnahme vom 16. Juli der Kantonsregierung massiv an den Karren. Und zudem auch gleich allen, welche die Begeisterung für das Projekt Margerite nicht teilen. Klar, dürfen beide Gremien ihrer Enttäuschung und ihrem Ärger  Ausdruck geben. Doch gab es Grund, die Contenance in so hohem Mass zu verlieren? Der Entscheid kam nicht aus heiterem Himmel. Im Vorfeld der Kreditvorlage für das Beschreiten des Rechtsweges war doch wiederholt von einer Erfolgschance 50:50 die Rede.

Nötig gewesen wäre als Erstes neben dem Hinweis auf die Gefühlslage der  Stellungnehmenden bloss noch die Aussage, dass man den Entscheid eingehend studieren und dann gemeinsam darüber entscheiden werde, ob der Fall ans Verwaltungsgericht weitergezogen werde oder nicht. Leider liess man es nicht dabei bewenden. Wer  so Dampf ablässt,  wie das die zwei Gremien getan haben, dem glaubt man nicht unbedingt, «dass noch alles offen sei, und man sich noch nicht festgelegt habe, in welche Richtung es gehe». So zitiert das «Badener Tagblatt» Gemeindeammann Toni Möckel.

Um Vertrauen in der Bevölkerung zu schaffen,  spricht die erste Stellungnahme zu sehr die Sprache der wenigen Scharfmacher unter den Alterszentrum-Befürwortern. Diese tun so, als ob alle anderen nur nicht sie das Alterszentrum in den Schlamassel geritten hätten. Dabei hat genau solche Besserwisserei und Rechthaberei die Alterszentrum-Planung von Anfang an schwer belastet.

Möckel glaubt, es der Bevölkerung  schuldig zu sein, den Regierungsrat spüren zu lassen, «dass wir unzufrieden und verärgert sind.» Ob alle Gemeinderäte und Alterszentrum-Würenlos-AG-Verwaltungsräte wirklich so genau wissen, wie die ganze Bevölkerung tickt? Auch etwas  mehr Selbstkritik würde Vertrauen schaffen. Viele Würenloserinnen und Würenloser mögen das Projekt Margerite bis heute unterstützen, damit endlich etwas vorwärts geht beim Wohnen im Alter. Doch denken sie eben auch, dass die eigenen Verantwortungsträger die verfuhrwerkte Situation zumindest mitverursacht haben.

Als Gipfel der Verunglimpfung wird in der gemeinsamen Pressemitteilung das unsägliche Totschlagargument wiederholt: Wer gegen das Projekt Margerite ist, ist gegen die alten Menschen. Wie fies und populistisch ist das denn! Und wie unfair gegenüber dem knappen Drittel jener Würenloserinnen und Würenloser, die an der Urne das Geld für das Beschreiten des Rechtsweges verweigert haben. Wer sich im Auftrag der Bevölkerung auf einen Rechtsweg begibt, sollte das stets mit Besonnenheit und ohne rüdes Gepolter tun.

 

 

4 Gedanken zu „Schlechte Verlierer“

  1. Faktencheck zu den Medienverlautbarungen des Gemeinderates und der Alterszentrum Würenlos AG (AZW AG). Die Anführer der Rekurrenten, Anton Möckel, Gemeindeammann und früherer Verwaltungsratspräsident AZW AG, Matthias Rufer, jetziger VR-Präsident AZW AG, sowie Alain Cornuz, Verwaltungsrat der AZW AG und Präsident Verein Alterszentrum Würenlos, schieben die Schuld am Scheitern dem Regierungsrat (RR) und den Einwendern zu. Tatsache ist, dass die ‚behördlichen Immobilienentwickler‘ das Projekt Margerite zum Absturz gebracht haben. Die zahlreichen Versäumnisse werden im 21-seitigen Protokoll der Sitzung des Regierungsrates vom 3. Juli 2024 akribisch aufgearbeitet und detailliert begründet.
    Die AZW AG hat das Verfahren durch umfangreiche Repliken verzögert, sodass der Schriftwechsel durch den Rechtsdienst des Regierungsrates erst am 13. März 2024 geschlossen werden konnte. Der RR hat am 3. Juli 2024 die Beschwerde der AZW abgewiesen – also innert 4 Monaten, inklusive komplexer juristischer Abklärungen. Die Behauptung von Möckel, „dass der Entscheid des Regierungsrates ein Jahr und zehn Monate auf sich warten liess“ ist falsch. Wir vertrauen darauf, dass die neu gewählten Verwaltungsräte und die übrigen Gemeinderäte dieses konstruierte Narrativ korrigieren können.

  2. Das Nein des Regierungsrates ist ein grosser Gewinn für unser Dorf. Bereits 2013 bei der Abstimmung über den Standort des Alterszentrums lag der Gemeinde ein Schreiben der Kantonalen Denkmalpflege vor. Darin wurde darauf hingewiesen, dass bei einem Bauvorhaben auf der Zentrumswiese die Kantonale Denkmalpflege in die Projektierung einzubeziehen ist. Das wurde bewusst unterlassen und wird nun vom Regierungsrat als Negativpunkt bewertet.
 Damit man schneller zum Ziel kommt, verzichtete man bei der Planung auf den oberen, westlichen Teil der Zentrumswiese, weil dort eine Gestaltungsplan-Pflicht besteht. Ohne die Konsequenzen zu berücksichtigen, wählte man den östlichen, bachseitigen Teil für das Alterszentrum. 
Das war der grösste Fehler. Alle Einwände der Einsprecher wurden ignoriert und weiter viel Geld in die Planung investiert. So haben die Verantwortlichen «Margerite» selber zum «Verblühen» gebracht! Die Leidtragenden sind die alten Menschen, die weiterhin vertröstet werden müssen. Dass die Enttäuschung bei den Verantwortlichen gross ist, ist nachvollziehbar. Trotzdem sollte man Grösse zeigen, und nicht gegen den Regierungsrat und die Einsprecher schiessen, und sich mit gewissen Aussagen lächerlich machen.
    
Es ist zu hoffen, dass nun die Verantwortlichen und die Bevölkerung endlich zur Einsicht gelangen, dass genügend Steuergelder verschwendet wurden, und nur ein Neustart aus diesem Dilemma führen kann. Würenlos hat Alternativen zum Bau eines Alterzentrums, die schneller zum Ziele führen. Wenn man den 21-seitigen regierungsrätlichen Rekursbericht liest, bestehen wenig Chancen bei einem Weiterzug ans Verwaltungsgericht. Das Erfreuliche daran ist, dass dieser Platz nun anderweitig genutzt werden kann, für verschiedene Feste, als Park mit Bäumen, als Begegnungszentrum für Jung und Alt, als Kinderspielplatz. 
Man sollte das Geld besser dafür investieren. Würenlos kann stolz sein, einen so schönen Platz mitten im Dorf zu besitzen.

  3. Herr Nüssli, Sie zählen in ihrem Schreiben etliche Namen auf. Mich persönlich würde auch Interessieren, wer denn zu den Einwendern zählt. Die bleiben immer schön anonym im Hintergrund und lachen sich ins Fäustchen. Leider wurden wegen diesen Leuten (dabei handelt es sich vermutlich um Ortsbürger) schon hunderdtausende von Franken für Projektkosten verbuttert.

    Anmerkung der Red.: Die Namen von Privatpersonen und -firmen, die Einwendungen gegen ein Bauprojekt machen, werden im würenblicker in der Regel nicht genannt, anders aber Vereinigungen mit Beschwerderecht (beim AZW der Verein Domus Antiqua Aargau). Weniger weit geht der Persönlichkeitsschutz auch bei Personen, die als Inhaber eines Behördenamtes oder als Verwaltungsrat einer AG öffentlich Stellung nehmen in einem Streit um eine Baubewilligung.

  4. Meines Erachtens ist es nun an der Zeit, dass man die Zeichen der Gegebenheiten wahr-und ernstnimmt, indem der Regierungsratsbeschluss akzeptiert wird und man eine neue und effizientere Lösung sucht. Die Verantwortlichen haben sich für das Wohlergehen der älteren Bevölkerung engagiert, jedoch wurden dabei die gesetzlichen Fakten vergessen beziehungsweise wiederholt ignoriert. Margerite begann schon vor Baubeginn zu bröckeln und wird es, so wie es geplant wurde, bestimmt kein weiteres Denkmal.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert