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Deponie Steindler: Unsere Haut nicht zu billig verkaufen

Kippen Aushub-Lastwagen ihre Fracht bald im Würenloser Steindler? (Symbolbild)

Die Planung für eine Aushubdeponie auf Würenloser Gemeindegebiet in eine heisse Phase getreten. Damit im Steindler rund 1,6 Millionen Kubikmeter sauberen Auhubs abgelagert werden können, braucht es eine Änderung des kantonalen Richtplanes. Noch bis 18. Dezember können sich alle Bürgerinnen und Bürger dazu äussern. Das Ganze einfach durchzuwinken könnte sich rächen.  

Das Areal im Steindler grenzt direkt an den Kanton Zürich und an die Gemeinde Otelfingen sowie an die durch ein-Schutzdekret geschützte Lägern-Landschaft. Das grösstenteils landwirtschaftlich genutzte Land gehört mehreren Eigentümern. 

Übersichtskarte Deponie
Das Areal der geplanten Deponie (rot umrandet)misst ca. 17 Hektaren und grenzt an zwei Seiten direkt an den Kanton Zürich. (Karte swisstopo/ilu AG)

Westlich der Häusergruppe im Steindler ist vor einiger Zeit eine ähnliche Senke bereits mit Aushubmaterial aufgefüllt worden. Während sich dort das Gelände heute als ebene Fläche präsentiert, ist nun jenseits der Steindlerstrasse ganz Anderes geplant: Aufgeschüttet würde das Gelände durchschnittlich 9,5 Meter und stellenweise bis zu 19,5 Meter hoch – das entspricht einem sechsstöckigen Gebäude. Ein neuer Hügel in der Landschaft.

Aktuell geht’s um die Eintragung des Areals als Standort für eine Regionale Aushubdeponie im kantonalen Richtplan. Antragsteller sind der Regionalplanungsverband BadenRegio und die Gemeinde Würenlos. Später wird die Gemeindeversammlung auch noch über eine Anpassung der kommunalen Nutzungsplanung entscheiden können und schliesslich muss der Gemeinderat die Baubewilligung erteilen.

Da Aushubdeponien landesweit knapp geworden sind und um der Bauwirtschaft trotzdem Entsorgungssicherheit zu bieten, dirigiert der Staat das Deponiewesen. Wilde Deponien– das war einmal. Im oft erbitterten Kampf um neue Deponiestandorte geht es auch um sehr viel Geld. Ist eine Deponie erstmals bewilligt, profitieren einige in besonderem Masse:. Die meist private Betreiberin – Im Steindler ist es die Dereba AG mit Sitz in Wettingen – sowie die Landeigentümer – in Würenlos sind es einzelne Landwirte, aber auch ganze Erbengemeinschaften. Dem Vernehmen nach sollen sie für das temporäre Zuverfügungstellen des Landes Entschädigungen bis zu einer halben Million Franken erhalten. «Eine Deponie ist wie ein Sechser im Lotto» hat die Zeitschrift Beobachter den Geschäftsführer des Verbands der Betreiber Schweizerischer Abfallverwertungsanlagen in einem Artikel zum Thema zitiert.  

Dem Gesuch für die Richtplanänderung liegt ein Planungsbericht zugrunde. In diesem wird der Steindler für eine solche Deponie als «bestens geeignet» bezeichnet. Gewisse Vorzüge des Standortes sind nicht von der Hand zu weisen: So liegt er direkt an der Furttalstrasse, und kann so von der A 1 ohne Durchfahrt einer Siedlung angefahren werden. Grössere Siedlungen lägen nicht in der Nähe, schützenswerte Ortsbilder würden nicht beeinträchtigt, so der Planungsbericht «Was soll’s?», wird sich da mancher Würenloser sagen.

Doch mehrere heikle Punkte sollten uns misstrauisch machen:

  1. Die Deponie wertet auf Jahre hinaus das beliebte Naherholungsgebiet Steindler/Teufermoos/ Birch ab und verändert das ursprüngliche Landschaftsbild für alle Zeiten. Mit der Senke im Teufermoos, den Anhöhen westlich von Otelfingen und den Lägern bietet sich insbesondere vom rege benützten Fuss- und Reitweg entlang dem Birchwald und hinüber zum Gmeumeriwald  ein abwechslungsreiches, harmonisches Bild. Dies würde künftig durch die hohe Böschung der Deponie weitgehend verstellt.
     
  2. «Regionale Aushubdeponie» – wo regional drauf steht, ist nicht unbedingt regional drin. Für den Aushub aus der Region Baden würden die offenen Kiesgruben in der Region noch länger ausreichen. Doch nur 29 % des in der Region abgelagerten Aushubs kamen 2019 aus der Region (Vorjahr: 34 %), 36 % aus dem Kanton Zürich, der Rest aus den Regionen Aarau, Freiamt (je ca. 10 %) und Zurzach (ca. 5 %) und neu 4 % sogar aus dem Kanton Zug! Der Planungsbericht erwähnt ausdrücklich, dass der Zürcher Aushub auch in den Steindler gekarrt werden soll. Interkantonale Solidarität? Wohl eher Wirtschaftsförderung: Hiesige Aushubfirmen wie die im Steindler federführende Eduard Meier AG aus Wettingen generieren einen schönen Teil ihres Umsatzes im Kanton Zürich. Die an der  Dereba AG beteiligten Firmen stammen übrigens nicht alle aus der Region. Was hat die Beton- und Cementwaren AG Merenschwand hier verloren?
  3. Laut Planungsbericht deckt der Steindler den regionalen Deponiebedarf im Planungszeitraum von 30 Jahren nur zu einem Drittel, weshalb bald weitere Deponiestandorte festzulegen seien. Weshalb nicht gleich jetzt? Sind Alternativstandorte doch zu wenig ernsthaft geprüft worden? Oder haben sich andere Gemeinden widerspenstiger gezeigt?
  4. Nach Plan soll die Deponie neun Jahren lang aufgefüllt und dann rekultiviert werden. Allerdings wird eingeräumt, dass der Deponiebetrieb je nach Bautätigkeit auch länger dauern kann. Ein Abflachen des Baubooms ist mittelfristig nicht unwahrscheinlich. Gut möglich, dass also im Steindler 20 Jahre oder länger eine hässliche Wunde in der Landschaft klaffen wird. Im späteren Verfahrensschritten muss die Betriebsdauer unbedingt befristet werden.
  5. Die Deponie wird laut Planungsbericht ein Verkehrsaufkommen von 144 Lastwagenfahrten pro Werktag (je 72 Zu- und Wegfahrten) verursachen. Die Folgen für Würenlos erachten die Planer als vernachlässigbar: Die Deponie werde ja über die Furttalstrasse angefahren (via A1 oder via Adlikon/Regensdorf). Haben die Planer berücksichtigt, dass viel Schwerverkehr die fast täglichen A1-Staus via Würenlos auf der Landstrasse umfährt? Und werden die Lastwagen mit Aushub vom rechtsufrigen Limmattal tatsächlich den Umweg über die A1 nehmen? Spätestens in den nächsten Verfahrensschritten wird unsere Gemeinde darauf pochen müssen, dass kein einziger zusätzlicher Lastwagen wegen der Deponie durch unser Dorf fährt. 

In Würenlos war bisher nur vereinzelt Kritik zum Deponievorhaben zu hören. Als dieses im November 2018 an der öffentlichen Orientierungsversammlung vorgestellt wurde, tönte es von gemeinderätlicher Seite schon fast so, als hätten w i r mit der Deponie den Sechser im Lotto gewonnen. Ganz anders unsere zürcherischen Nachbarn. Angeführt vom ehemaligen SVP-Nationalrat und Ex-Gemeindepräsidenten Ernst Schibli wehrt sich die Gemeinde Otelfingen unentwegt gegen das Vorhaben. Unterstützt wird sie dabei vom Regionalplanungsverband des zürcherischen Furttals. Eine Deponie dieses Volumens direkt vor die Haustür gestellt zu bekommen, empfinden unsere Nachbarn als Affront. Zumal nach zürcherischem Recht eine Deponie mindestens 300 Meter von den nächsten Wohnbauten entfernt sein muss, im Steindler aber der Abstand zu den nächsten Otelfinger Wohnhäusern nur 200 Meter betragen würde. 

Es hinterlässt ein ziemlich mieses Geschmäckle, dass BadenRegio den besten Deponiestandort zwischen Würenlingen und Berdietikon, zwischen Schneisingen und Mägenwil ausgerechnet im äussersten Zipfel des Kantons und im wertvollen Grüngürtel um unsere sehr dicht bebaute Gemeinde gefunden haben will.

Würenlos läuft Gefahr, seine Haut zu billig zu verkaufen. Die Landschaft zwischen Würenlos und Wettingen wird seit mehreren Generationen durch Dereba-Aktionäre mit Gruben und Anlagen verunstaltet. Da sollen zu Gunsten unserer Lebensqualität der Dereba AG wenigstens am anderen Ortsende Zugeständnisse bis an die Schmerzgrenze abgerungen werden.  Es ist zu hoffen, dass die Würenloser Bevölkerung, vielleicht auch Parteien und andere Gruppierungen sich im laufenden Richtplanverfahren kritisch vernehmen lassen. Denn wer zu solchen Projekten zu früh mit dem Kopf nickt, ist meist der Verlierer.

Die Dokumente zur Richtplanänderung liegen noch bis 18. Dezember auf der Gemeinde auf. Sie sind auch online auf www.ag.ch/anhoerungen einzusehen. Einwendungen von Bürgerinnen und Bürgern und Gruppierungen ebenfalls bis 18. Dezember mittels Kontaktformular auf www.ag.ch/anhoerungen oder in schriftlich an die Gemeinde oder an BVU, Abteilung Raumentwicklung, Entfelderstrasse 22, 5001 Aarau.

Die Visualisierungen der Deponie im Planungsbericht sind ein fertiger „Witz“. Sie zeigen die angeblich gute Einpassung der Aufschüttung in die Landschaft aus jeweils grosser Entfernung, zwei davon aus Sicht einer Drohne in 180 bzw. 60 Meter Flughöhe. Wir WürenloserInnen mögen zwar komische Vögel sein, betrachten unsere Landschaft auf dem Sonntagsspaziergang aber kaum je aus der Vogelschau. Man merkt die Absicht: Aus hoher Höhe und weiter Distanz wirkt noch die höchste Staumauer als kleines Mäuerchen.

Strassenbau-Euphoriker in Sommerlaune

Limmattaler Kreuz heute.
Der Direktor des Bundesamtes für Strassen (Astra), Jürg Röthlisberger, dachte in diesem Hitzesommer gleich über zwei Ideen öffentlich nach, welche Würenlos und die übrigen Gemeinden im oberen Limmattal zur erhöhten Wachsamkeit veranlassen sollten. Die eine würde das Limmattal noch viel mehr zum Verkehrskanal machen – mit allen damit verbundenen Nachteilen. Und die andere wäre eine reine Kapitulation vor der Unvernunft.

Die Überlastung gewisser Autobahnabschnitte ist eine Tatsache. An ganzen 22 Tagen im Jahr ist das Limmattaler Kreuz gänzlich staufrei (Quelle: www.limmatstadt.ch) Sich Gedanken zu machen, wie die Anzahl der Staustunden reduziert werden könnte, gehört wohl zum Pflichtenheft eines Astra-Direktors. Von mehreren Ideen zur Leistungssteigerung der Autobahnen, die Röthlisberger in einem Artikel der „NZZ am Sonntag“ erwähnte, sorgte vor allem eine für Aufsehen. Im Limmattal, wo aus Platz- oder Naturschutzgründen zusätzliche Fahrspuren nicht überall möglich sind, prüft das Astra den Bau von doppelstöckigen Autobahn-Abschnitten (Link zum Bericht der SRF-Tagesschau) Ganz neu ist die Idee nicht, zuvor hatten schon SVP-Nationalrat Ueli Giezendanner und Andreas Burgener, der Verbandsboss der Autoimporteure, ins gleiche Horn gestossen.

Das Astra sieht bezüglich Doppelstock-Autobahnen laut Röthlisberger noch offene Fragen bei der Raumplanung und der Umweltverträglichkeit. Diese Fragen sind keine Lappalien, da geht es sehr Grundsätzliches – um die Zukunft des Lebensraums Limmattal. Ob zweistöckige Autobahn oder acht Fahrspuren nebeneinander, das macht letztlich kaum einen Unterschied. Die betroffenen Regionen kämen so oder so zunehmend unter die Räder. Das relativ enge Limmattal kann doch nicht ewig immer mehr Verkehr aushalten.

In den limmatseitigen Ortsteilen von Würenlos ist die Lärmbelastung trotz nachträglichem Bau von Lärmschutzwänden noch immer sehr hoch. Und erst die Landschaft: Beim seinerzeitigen Bau der A1 im Limmattal vor 50 Jahren ist das Trassee ohne Rücksicht auf Verluste festgelegt worden. Gerade im einstmals idyllischen Limmatbereich vor Würenlos sind Eingriffe ins Landschaftsbild erfolgt (zum Beispiel mit der 600 Meter langen Limmatbrücke), die man schon 20 Jahre später tunlichst vermieden hätte. Die Zürcher Nord- und Westumfahrung sind jedenfalls wesentlich landschaftsschonender gebaut worden. .

Man wagt sich ja kaum vorzustellen, wie unser Limmatraum aussehen würde, wenn noch weitere Fahrspuren hinzukämen oder die A1 gar doppelstöckig geführt würde. Wie hoch müssten die Lärmschutzwände sein? Müssten Wohngebiete wie am Würenloser Schliffenenweg für unbewohnbar erklärt werden? Zunichte gemacht würden in jedem Fall die in den letzten Jahren intensivierten Anstrengungen der Anrainergemeinden, den Limmatraum als Naherholungsgebiet für die Bevölkerung aufzuwerten.

Und alle diese Nachteile nur, um für eine Wirkungsdauer von wenigen Jahren die Zahl der Staustunden zu reduzieren. Denn soviel ist klar: Die Vorteile der A1-Ausbauten wurden regelmässig nach kurzer Zeit durch die Verkehrszunahme zunichte gemacht. Immer breitere oder mehrgeschossige Autobahnen schaffen zudem anderswo neue Probleme. Denn irgendwann verlässt jedes Auto die Autobahn. Die Gleichung ist einfach: Je mehr Autos auf der Autobahn desto mehr Autos auch auf den Kantons-, Ortsverbindungs- und Gemeindestrassen.

Aber die Lösung dieses Problems könnte Röthlisbergers zweite Hundstage-Idee sein: Breitere Strassen. Die Strassenbaunormen müssen entsprechend geändert werden, denn die Autos (SUVs!) würden schliesslich auch immer breiter. Der Astra-Direktor folgt da einer Logik, die der Menschheit nicht zutraut, ein bisschen vernünftiger zu werden. Denn das Mami-Taxi, mit dem der 20 Kilo wiegende Kindergärtler herumgekarrt wird, muss ja nicht unbedingt 2500 Kilogramm wiegen.

Breitere Strassen? Wie das in Würenlos ginge, wo doch schon heute um jeden zusätzlichen Zentimeter zugunsten des Langsamverkehrs (Fussgänger, Velos) gerungen werden muss? In einem Punkt könnte Röthlisbergs Vorschlag aber durchaus sein Gutes haben: Müssten die öffentlichen Parkfelder in Städten. Dörfern und in Parkhäusern breiter werden, stünden auch weniger davon zur Verfügung. Wenigstens in diesem Punkt würde sich die (Auto-)Schlange in den Schwanz beissen.

Wäre es da nicht zielführender und zukunftsträchtiger, wenn alle im Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation am gleichen Strickende ziehen würden? Wenn alle Chefbeamten von Bundesrätin Doris Leuthard sich prioritär solchen Lösungsansätzen zuwenden würden, mit welchen der Teufelskreis «Immer mehr Strassen – immer mehr Verkehr» durchbrochen würde und die einen schonungsvolleren Umgang mit der Bevölkerung in der dichtbesiedelten Agglomeration versprechen?

Immerhin hält es auch das Astra für möglich, dass sich mit automatisierter Mobilität (fahrerlose Autos) die Kapazität der Autobahnen merklich erhöhen liesse. Der Verkehrsfluss würde ruhiger und die Fahrzeugabstände könnten kleiner sein. Und es gibt auch konkrete Ideen, welche die Kapazitäten auf der Ost-Westachse erhöhen würden, ohne das obere Limmattal zum lebensfeindlichen Landstrich verkommen zu lassen.

Da wäre einmal das Projekt Cargo sous Terrain, eine unterirdische Güterbahn, die im Endausbau den Lastwagenverkehr auf Schweizer Strassen um bis zu 40 Prozent senken könnte. Die erste Etappe würde von Zürich nach Härkingen-Niederbipp führen. An Investitionen in die Planung sind interessierte Schweizer Firmen wie Migros, Coop, Credit Suisse oder Schweizerische Post ebenso beteiligt wie ausländische Investoren. Oder für den Personenverkehr ein neuer 28 Kilometer langer Eisenbahntunnel von Zürich-Altstetten bis Aarau. Die Fahrzeit Zürich – Bern würde dadurch nochmals um rund eine Viertelstunde kürzer – das Auto könnte da kaum mehr mithalten.

Autobahn-Weiterausbau: Ja oder Nein – stimmen Sie ab, in der Randspalte rechts

Trauermarsch und Tunnelblick

Trauermarsch: Sie passt zur leisen Melancholie jedes, auch des sonnigsten Herbstes, die Ankündigung der Musikgesellschaft Würenlos. Sie oder genauer die vor zehn Jahren gebildete Spielgemeinschaft Würenlos-Neuenhof wird im nächsten Frühling ihren Betrieb einstellen. Zu gross seien die Besetzungssorgen und Nachwuchs-Schwierigkeiten. Mit fehlendem Nachwuchs begründete jüngst auch die Jugendmusik Wettingen die Einstellung ihres Probenbetriebes. Blasinstrumente seien bei den Jungen nicht mehr so in wie früher , sagte Matthias Rufer, Präsident der MG Würenlos und der Spielgemeinschaft, in einem Artikel des «Badener Tagblatts». Und jene Blasmusiker, die es noch gebe, auch ältere, seien nicht mehr gewillt, ihre Ferien und Termine nach dem Spiel- und Probeplan eines Musikvereins zu gestalten. Einen weiteren Grund sieht Rufer im grossen Angebot an Vereinen und Freizeitaktivitäten in urbanen Regionen wie dem Limmattal. Viele Hobbymusiker seien in mehreren Vereinen tätig, hätten Familie und einen Job. «Irgendwann wird es zu viel und sie geben die Spielgemeinschaft auf», so Rufer.

Am 22. November findet nun das letzte Kirchenkonzert in Würenlos und im April dann das eigentliche Abschiedskonzert statt. Das Kirchenkonzert im Spätherbst und das Jahreskonzert im Frühsommer waren seit vielen Jahren fester Bestandteil des Würenloser Veranstaltungsprogramms. Und ungezählt sind die anderen Dorfanlässe, die die Musikgesellschaft auch noch musikalisch begleitet hat. Für Aussenstehende kam die Ankündigung vom Aus überraschend, denn die Spielgemeinschaft mit den Neuenhofern und die Besetzung des Doppel-Präsidiums MGW und Spielgemeinschaft durch Matthias Rufer schienen eine zukunftsträchtige Lösung zu sein. An den letzten Konzerten wehte sicht- und hörbar ein frischer Wind. würenblicker dazu im Sommer 2014.. Zudem stärkte seit etlichen Jahren ein 140 Mitglieder zählender Gönnerverein der Musikgesellschaft den Rücken.

Eine kleine Gruppe aktiver Musiker will zwar laut Rufer unter neuem Namen, mit neuem Konzept und ausgedünntem Spielplan weiter musizieren. Aber das ändert letztlich nichts daran, dass mit der aktiv musizierenden Musikgesellschaft ein Stück Dorftradition verschwindet. Mit Gründungsjahr 1892 ist die Musikgesellschaft der zweitälteste Dorfverein, nur die Schützengesellschaft ist noch älter.

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Tunnelblick: Wenige Tage, nachdem Bernhard Guhl als Ständeratskandidat gescheitert und als Nationalrat bestätigt worden war, präsentierte der BDP-Mann in der AZ seine Lösung für die Verkehrsprobleme in den Regionen Baden-Wettingen und Brugg-Windisch: Eine Schnellstrasse von der A1-Ausfahrt Wettingen Ost bis Hunzenschwil, entlang der Limmat und der Aare. Dafür möchte Guhl unter anderem die Landstrasse in Wettingen untertunneln. Bei einigen von der AZ befragten Politikern, so beim Wettinger Gemeindammann Markus Dieth (CVP), ist der Vorschlag auf mässige Begeisterung gestossen. Nicht nur der vermutlich horrenden Kosten wegen. Aus Würenloser Sicht darf die Idee als unausgereift, wenn nicht gar als Schnapsidee bezeichnet werden. Wenn Guhl zur Begründung seines Vorschlags auf die Überlastung der A1 verweist, übersieht er , dass der fast allabendliche Stau vor dem Baregg in Richtung Bern-Basel jeweils im Nu zurück bis Dietikon reicht. Und was dann passiert, wissen wir nur zu gut. Der Verkehr auf der Landstrasse durch unser Dorf schwillt lawinenartig an. Daran würde die neue Schnellstrasse, die ja erst bei der Furttalkreuzung bei der Ausfahrt Wettingen Ost begänne, nicht ändern. Im Gegenteil. Es würden wohl noch mehr Schlaumeier den vermeintlich schnelleren Schleichweg durch Würenlos wählen.