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Hitachi: Nachbargemeinden mit ungleichem Ziel

Das frühere Jelmoli-Areal in Otelfingen. Der von unserem Gemeinderat favorisierte Campus-Standort. Bereits eingezont und überbaut, mit eigener S-Bahn-Station, guter Strassenerschliessung und grossvolumigen Bauten zum Umbauen und Umnutzen. Bild: wübli

Wohin kommt die Konzernzentrale von Hitachi Energy? Bald ein halbes Jahr dauert das Rätselraten schon, wo der Campus mit Arbeitsplätzen für angeblich bis zu 3000 Beschäftigte errichtet werden wird. Jetzt stehen wichtige Entscheide an. Welcher Standort das Rennen machen wird, entscheidet sich nicht nur  auf lokaler oder regionaler Ebene. Und die Chancen, dass Wettingen im Standortwettbewerb gewinnt, sind in jüngster Zeit nicht unbedingt gestiegen.

Eher schlecht passt das Vorhaben von Hitachi Energy, seine Konzernzentrale in der Schweiz in einem grossen Campus zu konzentrieren,  zu der von Vorsicht geprägten  wirtschaftlichen Grosswetterlage. Man denke nur an die Unzuverlässlichkeit des amerikanischen Präsidenten Trump mit seiner Hüst und Hott-Zollpolitik. Oder an die Unterbrechung wichtiger Lieferketten wegen des Seilziehens um die Strasse von Hormuz.

Auch national gibt’s Unwägbarkeiten. So stimmt das Schweizer Stimmvolk am 14 Juni, also in knapp einem Monat, über die Initiative «keine 10-Millionen Schweiz» ab. Im neuen Campus würden rund 1000 Arbeitsplätze diverser Hitachi-Standorte In der Schweiz konzentriert, rund 2000 Arbeitsplätze wären neu zu schaffende. Die Neuansiedlung so vieler Arbeitsplätze im erfolgreichsten Wirtschaftsraum der Schweiz steht im Gegensatz zum Ziel der chancenreichen Initiative: keine Schweiz, die sich in  endloser Verdichtung befindet.

Ein Hitachi-Campus mit Aberhunderten neuer Arbeitsplätze wird auf jeden Fall auch mehr Grenzgänger bedeuten und die problematische Mehrbelastung deren Anfahrtswege verschärfen.

Eine Zerstörung von Naturräumen im dicht besiedelten Limmattal, wie sie das Hitachi-Campus Wettingen darstellt, ist ein Frevel. Vor- und Nachteile eingerechnet, ist der volkswirtschaftliche Nutzen nicht so gross, wie in Aussicht gestellt wird. Und nebenbei bemerkt: wie die Faust aufs Auge passt dieser Campus zu Wettingen, der Stadt, die lieber Dorf sein will.

Das erweiterte Limmattal gehört zum Millionen-Zürich, das boomt wie nur wenige andere Wirtschaftsräume im Land. Der Arbeitsmarkt ist ebenso ausgetrocknet wie der Wohnungsmarkt. Es ist eine hohle Phrase zu sagen, dieser Campus sichere unserer jungen Generation die Zukunft. Ein junger Mensch, der den Anforderungen eines internationalen Techkonzerns zu genügen vermag, wird im Millionen-Zürich auch ohne Hitachi nicht lange stellenlos sein. Und die anderen bleiben auch mit Hitachi auf der Strecke.

Die Lobby für den Campus in Wettingen hat in den ersten Monaten des Standortwettbewerbs immer wieder betont, die Tägerhardächer neben der Sportanlage Tägi seien der absolut bestgeeignete Standort und breitest akzeptiert. In Würenlos allerdings bildete sich eine bis ins Lager der bürgerlichen Parteien reichende Campus-Gegnerschaft (siehe blauer Text am Ende).

Gegen den Campus in der Tägerhardächern, so wurde der Eindruck erweckt,  gebe es nur diese eine Opposition aus Würenlos – die schrulligen Aargauer aus dem Furttal eben. «Mit Ausnahme von Würenlos steht die ganze Region, inklusive Planungsverband Baden Regio, hinter uns», posaunte Wettingens neuer Gemeindeammann Markus Haas (FDP) im Badener Tagblatt vom 6. Mai. Nur Tage später wusste es die ganze Region besser: Würenlos stand schon damals und steht auch jetzt nicht allein.

Der Gemeinderat Neuenhof hatte Ende Februar in der Vernehmlassung zur Richtplanänderung für den Campus geschrieben, die Überarbeitung des Regionalen Sachplans «Sulperg-Rüsler» lehne man zum aktuellen Zeitpunkt ab. Nach Haasens peinlicher Schönfärberei doppelten die Neuenhofer in schärferem Ton nach: Es könne keine Rede sein, dass nur eine Nachbargemeinde (Würenlos) klar ablehne. «Wir lehnen das Projekt derzeit klar ab.»

Es fehle weiterhin ein verbindlicher Standortentscheid des Investors, «so dass eine Richtplanfestlegung auf unsicherer Basis einer unzulässigen, spekulativen Vorfestlegung gleich käme. «Die Kombination aus aus nicht erfüllten Zulässigkeitskriterien und fehlender planerischer Reife macht die Anpassung unverhältnismässig und rechtsfehlerhaft

Auch der Gemeinderat Killwangen schlug in seiner Medienmitteilung zur Richtplananpassung «Tägerhardächer» kritische Töne an. Man stimme der Richtplananpassung nur mit klaren Vorbehalten zu und lehne die Anpassung des regionalen Sachplans Landschaftsspange Sulperg–Rüsler vorerst ab. Erheblicher Klärungs- und Verbesserungsbedarf bestehe bezüglich Verkehrsbelastung,  öffentlicher Verkehr und  Parkierung. Der Grüngürtel der Landschaftsspange sei für die Region von grosser Bedeutung, der vorgesehene Eingriff toleriere der Gemeinderat nur als Ausnahme, welche nicht Schule machen dürfe.

Falls der Hitachi-Campus nach Wettingen käme, befürchten Würenlos, Neuenhof und Killwangen eine Verkehrszunahme auf Strasse und Schiene, welche die heute schon bestehende Überlastung des Verkehrsnetzes arg verschlimmern werde.

Die Bevölkerung der ganzen Region wurde bisher nur vage über die Pläne von Hitachi informiert. Der Regionalplanungsverband Baden Regio schwadroniert in in einer Medienmitteilung vom 19. März zum Beispiel über eine «ÖV-Haltestelle Tägerhard», deren Realisierung höchste Priorität habe. – Sind darunter höhere Haltekanten für die Busse gemeint, eine Haltepunkt für die verlängerte Limmattalbahn oder gar die S-Bahn-Haltestelle?

Auch mit Behauptungen wider besseres Wissen sollen die Befürchtungen der abweichenden Gemeinden entkräftet werden: Der Grünliberale Orun Palit ist Wettinger Gemeinderat und Finanzvorstand. Er sagte laut Badener Tagblatt vom 18. März: «Wenn Hitachi Energy nach Otelfingen käme, gäbe es in Sachen Verkehr das gleiche Problem.» Palit verschweigt diskret, dass der Standort Otelfingen seit Jahrzehnten direkt neben einer S-Bahn-Station liegt.

In Wettingen dagegen von einer S-Bahn-Station Tägerhard keine Spur. Seit Jahrzehnten wird davon gesprochen, doch kein Finger dafür gerührt. Ein entscheidender Standortnachteil. Eine Station für die S-Bahn Zürich mit ihren langen Zügen ist ein teurer Spass und die Planung erfordert viel Zeit. Zudem passt ein zusätzlicher Halt der S6  nicht ins Fahrplangefüge der SBB.

Man dürfte eigentlich annehmen, dass Hitachi, die Standortgemeinde und der Kanton Aargau einen Grossteil der Kosten tragen wird, als Preis dafür, über 10 Hektaren Kulturland und Naturflächen auf Dauer zerstören zu dürfen. Und auch, um den Bau der Haltestelle zu beschleunigen. Aber die Aargauer Standortförderin Verena Rohrer (BT vom 6. Mai) tempiert schon Hoffnungen ab,  die im Richtplan festzulegende S-Bahn-Haltestelle stehe bei Fertigstellung des Campus bereit. Vorerst setze man auf Sofortmassnahmen wie  eine Taktverdichtung der Buslinien oder Shuttlebusse zu den Bahnhöfen Baden, Wettingen, Würenlos und Killwangen-Speitenbach. Guet Nacht am Foifi!

Und die S-Bahn-Haltestelle ist ja nicht der Gipfel des Wunschkataloges. Praktisch jede Organisation, die sich – wenn auch mit Vorbehalten – für den Campus ausspricht, verfolgt Partikularinteressen. Umweltverbände wollen die bedrohte Kreuzkröte und den Neuntöter retten und das mit einer 350 Meter langen Überdeckung des Autobahnzubringers beim Handwerkerzentrum Peterhans. Der kantonale Bauernverband stellt Forderungen, die Wettinger Landwirte  wollen Realersatz für ihre Produktionsflächen. Womöglich gar, und das wäre der Gipfel, in Würenlos.

Es erstaunt, wieviel die Lobby für Wettingen bereit ist, den Interessen eines internationalen Grosskonzern zu opfern. Und wie viel Vertrauen man ihm entgegenbringt. So wird nicht hinterfragt, ob die über 3000 Arbeitsplätze bis zur Vollendung des Campus überhaupt Wirklichkeit werden oder ob es am Schluss halt doch nur 1000 sein werden. Aber sei’s drum.

In Konkurrenz zu den Tägerhardächern steht das fast gleich grosse ehemalige Jelmoli-Areal in Otelfingen – heute im Eigentum der Immobiliengesellschaft Swiss Prime Site. Es ist ein gutes Beispiel dafür, wie rasch eine Betriebsstätte, die speziell für ein Unternehmen oder eine  Branche konzipiert wurde, ihre Bedeutung verliert, wenn sich die äusseren Umstände ändern. Jelmoli gibt’s als Warenhauskette und Versandhändler längst nicht mehr.

Zukunftsgerichtet und Ressourcen schonend ist es, solche Firmenareale, die ihren ursprünglichen Zweck verloren haben, durch bauliche Anpassungen attraktiv für neue Nutzer zu machen – ohne unnötig Bausubstanz zu vernichten oder gar unüberbaute Flächen anzutasten. Das würde in Otelfingen passieren; geschützte Bauteile würden innen umgebaut, andere durch Neubauten ersetzt. Die Dorfbevölkerung habe auf dieses Konzept sehr positiv reagiert, zitiert die «Limmatwelle» vom 19. März 2026 Otelfingens Gemeindepräsidentin und GLP-Nationalrätin Barbara Schaffner.

Dass der Würenloser Gemeinderat in seltener Einmütigkeit Hitachi das Areal im zürcherischen Otelfingen als neuen Standort empfiehlt, ärgert im Aargau viele. Doch der Standort knapp ausserhalb der Kantonsgrenze kann jedem Vergleich mit den Tägerhardächern standhalten, zumal er in wichtigen Punkten klar besser abschneidet.

Der Standort befindet sich bereits in einer Bauzone, ein vorgängiges Richtplanverfahren entfällt. Die Verkehrserschliessung ist eindeutig besser: Ein unschätzbarer Vorteil ist die bereits bestehende S-Bahn-Haltestelle unmittelbar nebenan. Zudem führt der Autobahnzubringer – anders als in Wettingen – sehr nahe am Areal vorbei und selbst die grossen Parkfelder des Golfplatzes und etliche Logistikfirmen generieren kaum Staus. Solche bilden sich erst vor der Furttalkreuzung.

Die Wettinger Lobby mag die niedrigeren Unternehmensteuern im Aargau ins Feld führen. Aber aus steuerlichen Gründen mögen einige Firmen den Kanton Zürich in letzter Zeit gemieden haben, doch  Weltkonzerne wie Google, IBM oder andere haben deswegen noch nicht die Flucht ergriffen.

Ende dieses Monats Mai dürfte der aargauische Grosse Rat den Richtplan im Sinne von Hitachi ändern. Der Standortentscheid von Hitachi Energy könnte anschliessend nicht lange auf sich warten lassen. Dann wird sich entscheiden, ob die Kreuzkröten und Landwirte in den Tägerhardächern noch länger ein Plätzli finden.

Beherzter Widerstand

Als im Sommer letzten Jahres bekannt wurde, dass ein grosser Konzern seine schweizerische Zentrale möglicherweise in den Tägerhardächern neben der Sportanlage Tägi bauen wolle und  ein halbes Jahr später der Schleier des Geheimnisses über dem Namen des Konzern gelüftet wurde, realisierten aufmerksame Würenloser schnell, dass ihre Gemeinde vom Hitachi-Campus vor allem Nachteile zu befürchten hätte.. Hinter den Kulissen wurden kritische Stimmen laut.

Würenlos ist eine beliebte Wohngemeinde mit solidem Gewerbe und geordneten Finanzen. Ein zusätzlicher Bevölkerungsdruck wegen des Campus hätte Nachteile. Bereits jetzt geben die hohen Immobilienpreise und Mieten zur Besorgnis Anlass. Die Verdrängung von gut eingelebten Bevölkerungsteilen ist keine Fiktion.

Würenlos strebt nicht Wachstum um jeden Preis an, wie es das Wettingen aus purer Finanznot tut. Von 2020 bis 2025 stieg die Bevölkerung in der Gemeinde um 550 Personen auf 7068 Personen. Schon das war vielen Würenloserinnen und Würenlosern zu viel. Das Dorf hat sich mehrmals für eine moderatere Siedlungsentwicklung ausgesprochen als dem Kanton vorschwebt. Als sich die Gemeinde anschickte, ihre Allgemeine Nutzungsplanung zu revidieren, trug der Gemeinderat dieser Grundstimmung Rechnung. Dann lichtete sich der Schleier um Hitachi Energy und ihre Pläne.

Gemeindeammann Toni Möckel (parteilos) und Ex-Vizeammann Johannes Gabi (SVP) traten  Ende 2025 als erste kampfbereite Gegner des  Campus in Wettingen in den Medien an die Öffentlichkeit. Im Laufe weniger Monate können sie zwar nicht die ganze Bevölkerung ihres Dorfes hinter sich scharen, aber mit ihrem beherzten und offenen Eintreten für Natur und Landschaft gewinnen sie in ihrer Gemeinde und darüber hinaus Sympathie und Unterstützung.

Als der Gemeinderat Würenlos in seltener Einmütigkeit bekanntgibt, er werde den Campus Tägerhardächer notfalls bis vor Bundesgericht bekämpfen und Hitachi den Standort Otelfingen empfehlen, löst das in allen Nachbargemeinden – auch in Wettingen – viele positive Reaktionen aus. Auch nationale Medien greifen den Standort-Wettstreit zwischen zwei Nachbargemeinden in zwei Kantonen auf.

Wo Kartonberge sich erheben – Umfrage

«Bei uns türmen sich bis zur nächsten Sammlung Berge von Karton, die dann dazu verleiten, mit dem Auto zu einer Sammelstelle zu fahren, um dort den Berg loszuwerden. Das ist aus meiner Sicht nicht sinnvoll. » Das schreibt dem würenblicker  der regelmässige Leser P.P.  «Sinnvoller wäre, wenn dies mit einem Fahrzeug mit einer höheren Regelmässigkeit eingesammelt würde» findet er und meint: «Ob dies im Interesse der Bevölkerung ist, könnten wir beispielsweise mit einer Umfrage auf Würenblicker in Erfahrung bringen.»

Gute Idee, machen wir doch! Doch werfen wir zuerst einen Blick in die Entsorgungskalender 2022 unserer Nachbargemeinden

– 4x pro Jahr: Ennetbaden und Killwangen wobei Altpapier und Karton in Ennetbaden auch bei der öffentlichen Wertstoffsammelstelle zusammen mit anderen Abfällen (wie Altglas, Weissblech/Alu usw.) abgegeben werden kann.

– 6x pro Jahr: Otelfingen

– 8x pro Jahr: Wettingen und Spreitenbach, wobei an beiden Orten auch die Abgabemöglichkeit in Wertstoffsammelstellen (öffentlich oder privat) bestehen. 

– 9x pro Jahr: Würenlos

– 10x pro Jahr: Neuenhof

In einer Mehrheit der nächsten Regionsgemeinden wäre der Kartonberg von P.P. also noch höher. In Baden übrigens wird Altpapier und Karton auch 8x pro Jahr eingesammelt, allerdings nicht zusammen, sondern an unterschiedlichen Daten.

Ein Blick in die Rechenschaftsberichte der Einwohnergemeinde Würenlos zeigt überdies, dass die Gesamtmenge an eingesammeltem Altpapier und Karton seit längerem zurückgeht. Betrug die Gesamtmenge 2013 noch 451 Tonnen, betrug sie im letzten Vorpandemiejahr 2019 gerade noch 350 Tonnen. Doch die Entwicklung verläuft bei Altpapier und Karton gegenläufig: die Altpapiermenge geht stark zurück (immer weniger und dünnere Zeitungen und Zeitschriften, weniger Briefe, immer mehr Stopp-Werbung-Kleber an den Briefkästen). Die Kartonmenge aber nimmt zu (Trend zu immer mehr Online-Einkäufen, der sich in der Coronazeit noch verstärkt hat) und Karton braucht mehr Platz als Altpapier.

Dass keine Regionsgemeinde mehr als 10x pro Jahr Altpapier und Karton einsammelt, hat auch damit zu tun, dass in unserer Gegend die Dorfvereine in die Sammlungen eingespannt sind und so ihre Vereinskasse füllen können. Vor allem in den Zeiten, in denen viele Leute Ferien machen, hätten sie wohl Mühe, genügend Helfer zu finden. Zwischen den Sammlungen am 14. Juni und am 27. August dieses Jahres war der zeitliche Abstand mit 10 Wochen aber zu gross.

Doch nun ist Ihre Meinung gefragt: Abstimmen können Sie in der rechten Randspalte.

Deponie Steindler definitiv begraben

Nach gescheiterter Mediation hat der Gemeinderat Würenlos den sistierten Antrag zur Standortfestsetzung für die Aushubdeponie Steindler definitiv zurückgezogen. Dies hat laut „BT“ der Planungsverband Baden Regio mitgeteilt. In der kantonalen Vernehmlassung zur Änderung des kantonalen Richtplans waren über 3000 ablehnende Eingaben eingegangen, davon die meisten aus Otelfingen und Würenlos. Die Erfolgschancen der Mediation waren von Anfang gering.

Dazu eine Zuschrift: Das Thema Alterszentrum überschattet momentan den Beachtungserfolg, welcher die IG Nein Zur Aushubdeponie Steindler/Teufermoos erreicht hat. Der Gemeinderat hat endlich einen Schlussstrich gezogen und das Vorhaben begraben. Wir Würenloser haben unseren Nachbarn aus Otelfingen viel zu verdanken, denn nur dank deren Hartnäckigkeit, hohem Engagement und der eigens dafür gegründeten IG, aus welcher Aktionen wie die Ballonmarkierung und Unterschriftensammlung hervorgingen, konnte das Vorhaben abgewendet werden. Gerne möchte ich mich bei den Initianten und der IG mit einem kleinen Anlass bedanken und würde mich freuen, wenn sich Unterstützer einer solchen Aktion bei mir melden. Schliesslich möchte ich mich auch beim Gemeinderat bedanken, welcher nach zähem Ringen nun doch zur Einsicht gekommen ist und den Willen der Bevölkerung über die Partikularinteressen der Industrie gestellt hat. Roby Blarer 079/418 71 73

Gemeinderat im Deponie-Dilemma

Jede sechste Würenloserin, jeder sechste Würenloser hat sich mit einer Eingabe  gegen die geplante Aushubdeponie im Gebiet Steindler/Teufermoos ausgesprochen. Blöd für den Gemeinderat, der der Deponie zugestimmt hat, ohne sich vorher beim Volk rückversichert zu haben . Der Vorwurf, er habe die eigene Bevölkerung miserabel vertreten, wenn nicht gar verraten, steht im Raum.

Fuss- und Spazierweh entlang des Steindlerbachs. Mit Ballonen markierte  die IG Nein zur Aushubdeponie Sendler/Teufermoos die Auffüllhöhe der geplanten Deponie.
Der Feld- und Spazierweg entlang des Steindlerbachs. Mit Ballonen hatte die IG Nein zur Aushub-
deponie Steindler/Teufermoos die Auffüllhöhe der geplanten Deponie markiert. (Bild würenblicker)

Mit einer so hohen Zahl von Eingaben hat selbst die «IG Nein zur Aushubdeponie Steindler/Teufermoos» nicht gerechnet: Total 3150 Eingaben sind gegen die die Festsetzung der Deponie im kantonalen Richtplan beim Departement für Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) in Aarau eingegangen. Es waren mehrheitlich von der gegnerischen IG vorformulierte, aber auch individuell abgefasste Eingaben.

Laut BVU-Sprecherin Simone Britschgi  stammen 1060 Eingaben aus Würenlos selber, weitere 1200 aus Otelfingen («Badener Tagblatt, BT»  vom 26. März). Aus dem Aargau insgesamt gab es 1150 Eingaben, aus Zürcher Gemeinden deren 1900. Die Ablehnung ist also dies- und jenseits der Kantonsgrenze gross. Es waren ja auch aargauische Natur- und Vogelschutzkreise, die eine Online-Petition im BT lanciert hatten, die in Kürze 314mal unterzeichnet worden ist.

Trotz der vielen Eingaben hält das Departement BVU an der Deponie fest, so Britschgi im BT. Nicht erstaunlich! Somit ist davon auszugehen, dass als Nächstes der Grosse Rat über den Eintrag der Deponie im kantonalen Richtplan entscheiden wird. Ob er sich von der unerwartet grossen Ablehnung in den betroffenen Gemeinden beeindrucken lässt? Wenn nicht, wird die Würenloser Gemeindeversammlung später die Notbremse ziehen und die für die Deponie erforderliche Umzonung verweigern können. 

Der zeitliche Ablauf lässt unseren Gemeinderat nicht gut aussehen. Schon am 14. Mai 2018 hat er laut Planungsbericht (S. 6) seinen Antrag auf Festsetzung der Deponie im kantonalen Richtplan gutgeheissen. Ohne vorher die Stimmung in der eigenen Bevölkerung seriös erkundet zu haben. Erst ein halbes Jahr später, im November 2018, wurde die Bevölkerung an einer Orientierungsversammlung im Gmeindschäller vor die vollendete Tatsache gestellt: Der Gemeinderat will eine Deponie in unserem Naherholungsgebiet! Übrigens ist auch der Nachbarkanton Zürich erst im November 2018 über das Vorhaben direkt an seiner Grenze informiert worden, wie das «BT» am 10. April enthüllt hat. 

Mit dem vorschnellen Ja zur Deponie hat sich unser Gemeinderat in einen Loyalitätskonflikt hinein manöveriert. Was auch immer seine Motive gewesen sein mögen, jedenfalls wurde er Opfer einer krassen politischen Fehleinschätzung. Will er die beteiligten Tiefbaufirmen, die anderen Regionsgemeinden und den Kanton nicht desavouieren, muss der Gemeinderat die Deponie durch alle Böden hindurch verteidigen. Gleichzeitig steht ihm eine starke lokale Gegnerschaft gegenüber, die sich von ihm nicht ernst genommen fühlt.

Auf die Belehrungen und Beschuldigungen, mit denen der Gemeinderat und Gemeindeammann Toni Möckel persönlich in zwei langen BT-Artikeln Anfang Februar auf die Eingabenflut reagierten, sei hier nicht näher eingegangen. Zu hilflos wirkten diese zu einem Zeitpunkt, als längst eine ernsthafte Auseinandersetzung mit gegnerischen Argumenten angezeigt gewesen wäre. 

Bis anhin vermitteln die Behördenreaktionen eher den Eindruck, die skeptische Bevölkerung werde  vor allem als Störfaktor gering geschätzt. Doch die Bevölkerung sorgt sich – wie hier schon mehrmals aufgezeigt – nicht grundlos um ihre Lebensqualität, um ein Naherholungsgebiet, um das Landschaftsbild sowie um die Tier- und Pflanzenwelt.

Roland Kuster, Präsident von BadenRegio (und Wettinger Ammann), streute im BT-Artikel vom 26. März vor allem Beruhigungspillen unters Volk. Im Verfahren nach dem Richtplaneintrag könnten «all die Fragen bezüglich Wirkung auf die Umwelt, verträgliche Ausgestaltung, harmonische Einbettung und so weiter beantwortet und verbindlich geregelt werden», liess er im BT verlauten – Jawohl, Herr Kuster, sofern dann überhaupt jemand von den involvierten Behörden und Amtsstellen bereit ist, die Forderungen und Kritikpunkte aufzugreifen. Überschätzen Sie Ihre Glaubwürdigkeit in dieser Sache nicht! Die Bevölkerung erwartet verbindliche Zugeständnisse jetzt, und nicht erst, wenn der Mist im Grossen Rat geführt ist und es heissen wird: Sorry, nun ist der Zug abgefahren…

Mut macht, dass trotz dieser Hinterrücksli- und Salamitaktik das Volk erwacht und somit die Chance intakt ist, die Deponie an der Würenloser Gemeindeversammlung begraben zu können.

Bald im würenblicker: Weshalb die Bezeichnung «Regionale Aushubdeponie» für das Steindler-Projekt ein riesiger Etikettenschwindel ist und wie der Begriff korrekt zu verwenden wäre (Beispiel aus der Praxis).