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Gemeinderat im Deponie-Dilemma

Jede sechste Würenloserin, jeder sechste Würenloser hat sich mit einer Eingabe  gegen die geplante Aushubdeponie im Gebiet Steindler/Teufermoos ausgesprochen. Blöd für den Gemeinderat, der der Deponie zugestimmt hat, ohne sich vorher beim Volk rückversichert zu haben . Der Vorwurf, er habe die eigene Bevölkerung miserabel vertreten, wenn nicht gar verraten, steht im Raum.

Fuss- und Spazierweh entlang des Steindlerbachs. Mit Ballonen markierte  die IG Nein zur Aushubdeponie Sendler/Teufermoos die Auffüllhöhe der geplanten Deponie.
Der Feld- und Spazierweg entlang des Steindlerbachs. Mit Ballonen hatte die IG Nein zur Aushub-
deponie Steindler/Teufermoos die Auffüllhöhe der geplanten Deponie markiert. (Bild würenblicker)

Mit einer so hohen Zahl von Eingaben hat selbst die «IG Nein zur Aushubdeponie Steindler/Teufermoos» nicht gerechnet: Total 3150 Eingaben sind gegen die die Festsetzung der Deponie im kantonalen Richtplan beim Departement für Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) in Aarau eingegangen. Es waren mehrheitlich von der gegnerischen IG vorformulierte, aber auch individuell abgefasste Eingaben.

Laut BVU-Sprecherin Simone Britschgi  stammen 1060 Eingaben aus Würenlos selber, weitere 1200 aus Otelfingen («Badener Tagblatt, BT»  vom 26. März). Aus dem Aargau insgesamt gab es 1150 Eingaben, aus Zürcher Gemeinden deren 1900. Die Ablehnung ist also dies- und jenseits der Kantonsgrenze gross. Es waren ja auch aargauische Natur- und Vogelschutzkreise, die eine Online-Petition im BT lanciert hatten, die in Kürze 314mal unterzeichnet worden ist.

Trotz der vielen Eingaben hält das Departement BVU an der Deponie fest, so Britschgi im BT. Nicht erstaunlich! Somit ist davon auszugehen, dass als Nächstes der Grosse Rat über den Eintrag der Deponie im kantonalen Richtplan entscheiden wird. Ob er sich von der unerwartet grossen Ablehnung in den betroffenen Gemeinden beeindrucken lässt? Wenn nicht, wird die Würenloser Gemeindeversammlung später die Notbremse ziehen und die für die Deponie erforderliche Umzonung verweigern können. 

Der zeitliche Ablauf lässt unseren Gemeinderat nicht gut aussehen. Schon am 14. Mai 2018 hat er laut Planungsbericht (S. 6) seinen Antrag auf Festsetzung der Deponie im kantonalen Richtplan gutgeheissen. Ohne vorher die Stimmung in der eigenen Bevölkerung seriös erkundet zu haben. Erst ein halbes Jahr später, im November 2018, wurde die Bevölkerung an einer Orientierungsversammlung im Gmeindschäller vor die vollendete Tatsache gestellt: Der Gemeinderat will eine Deponie in unserem Naherholungsgebiet! Übrigens ist auch der Nachbarkanton Zürich erst im November 2018 über das Vorhaben direkt an seiner Grenze informiert worden, wie das «BT» am 10. April enthüllt hat. 

Mit dem vorschnellen Ja zur Deponie hat sich unser Gemeinderat in einen Loyalitätskonflikt hinein manöveriert. Was auch immer seine Motive gewesen sein mögen, jedenfalls wurde er Opfer einer krassen politischen Fehleinschätzung. Will er die beteiligten Tiefbaufirmen, die anderen Regionsgemeinden und den Kanton nicht desavouieren, muss der Gemeinderat die Deponie durch alle Böden hindurch verteidigen. Gleichzeitig steht ihm eine starke lokale Gegnerschaft gegenüber, die sich von ihm nicht ernst genommen fühlt.

Auf die Belehrungen und Beschuldigungen, mit denen der Gemeinderat und Gemeindeammann Toni Möckel persönlich in zwei langen BT-Artikeln Anfang Februar auf die Eingabenflut reagierten, sei hier nicht näher eingegangen. Zu hilflos wirkten diese zu einem Zeitpunkt, als längst eine ernsthafte Auseinandersetzung mit gegnerischen Argumenten angezeigt gewesen wäre. 

Bis anhin vermitteln die Behördenreaktionen eher den Eindruck, die skeptische Bevölkerung werde  vor allem als Störfaktor gering geschätzt. Doch die Bevölkerung sorgt sich – wie hier schon mehrmals aufgezeigt – nicht grundlos um ihre Lebensqualität, um ein Naherholungsgebiet, um das Landschaftsbild sowie um die Tier- und Pflanzenwelt.

Roland Kuster, Präsident von BadenRegio (und Wettinger Ammann), streute im BT-Artikel vom 26. März vor allem Beruhigungspillen unters Volk. Im Verfahren nach dem Richtplaneintrag könnten «all die Fragen bezüglich Wirkung auf die Umwelt, verträgliche Ausgestaltung, harmonische Einbettung und so weiter beantwortet und verbindlich geregelt werden», liess er im BT verlauten – Jawohl, Herr Kuster, sofern dann überhaupt jemand von den involvierten Behörden und Amtsstellen bereit ist, die Forderungen und Kritikpunkte aufzugreifen. Überschätzen Sie Ihre Glaubwürdigkeit in dieser Sache nicht! Die Bevölkerung erwartet verbindliche Zugeständnisse jetzt, und nicht erst, wenn der Mist im Grossen Rat geführt ist und es heissen wird: Sorry, nun ist der Zug abgefahren…

Mut macht, dass trotz dieser Hinterrücksli- und Salamitaktik das Volk erwacht und somit die Chance intakt ist, die Deponie an der Würenloser Gemeindeversammlung begraben zu können.

Bald im würenblicker: Weshalb die Bezeichnung «Regionale Aushubdeponie» für das Steindler-Projekt ein riesiger Etikettenschwindel ist und wie der Begriff korrekt zu verwenden wäre (Beispiel aus der Praxis). 

Von Geheimniskrämern und Salzschmugglern – Adventliches Allerlei (2)

Grosstransparent eingangs Würenlos (Bettlen)

Damit haben die treibenden Kräfte hinter der geplanten Aushubdeponie Steindler wohl nicht gerechnet. Im öffentlichen Auflageverfahren sind rund 2000 Eingaben gegen den beantragten Richtplaneintrag und damit gegen die geplante Aushubdeponie auf Würenloser Boden eingegangen. Ein Warnsignal für den Regionalplanungsverband BadenRegio und für unseren Gemeinderat, die zusammen beim Kanton den Richtplaneintrag verlangen. 

Es schien alles so schlau arrangiert: in einer der entlegensten Ecken des Bezirks und des Kantons glaubte man den idealen Standort für eine Regionale Aushubdeponie gefunden zu haben. Hauptbetroffen: eine ausserkantonale Gemeinde – super!  Angeblich fast gar nicht betroffen: Die Standortgemeinde Würenlos – super! Doch ohalätz! Jenseits der Kantonsgrenze liess man sich nicht so leicht über den Tisch ziehen. Und auch in Würenlos dämmerte es vielen. Zu lange war es ruhig geblieben, nachdem der Gemeinderat vor zwei Jahren die Katze vorsichtig aus dem Sack gelassen hatte und die Deponiepläne publik machte – im Rahmen einer mit anderen Themen vollgespickten Info-Veranstaltung im Gmeindschäller, vor wenigen Dutzenden Interessierter.   

Doch massiv unterschätzt worden ist offenbar, welch hohen Wert die Bevölkerung im unteren Furttal der Erhaltung ihres Naherholungsgebietes und des vertrauten Landschaftsbildes beimisst. Sonst wären nicht so viele Eingaben zusammen gekommen – auch aus Würenlos, eine individuelle Eingabe auch vom Verfasser dieses Artikels. Die zuerst nur in Otelfingen aktive «IG Nein zur Aushubdeponie Steindler/Teufermoos» leistete Erstaunliches: Informationsmaterial samt vorgedruckter Eingabe zu tausenden gestreut, Riesentransparente an den Eingängen der Dörfer, mit roten Ballonen das Höhenprofil der Deponie im Gelände markiert und die regionalen Medien geschickt einbezogen… Und sie vernetzte sich über die Kantonsgrenze hinweg. So lancierten hiesige Naturschutzkreise eine Petition im «Badener Tagblatt», die Grünliberalen des Bezirks Baden sprangen auf den gegnerischen Zug auf – so geht Lokal- und Regionalpolitik 2020! Und das ist gut so.

Die Deponiegegner kritisieren BadenRegio und unseren Gemeinderat scharf. «Sie wollten die Bevölkerung umgehen, indem sie die Deponie erst im Richtplan festsetzen und erst danach informieren» wetterte der Alt-SVP-Nationalrat, ehemalige Otelfinger Gemeindepräsident und IG-Mitbegründer Ernst Schibli im «BadenerTagblatt». Die Kritik mag nicht nicht hundertprozentig zutreffen. Aber wer den veröffentlichten Planungsbericht studiert, staunt. So haben BadenRegio und Gemeinderat Würenlos Hand geboten zu einer unsäglichen Geheimniskrämerei. Für einem Standortvergleich sind andere Standorte geprüft worden, aber wir dürfen nicht erfahren, wo diese Areale liegen. Der Vergleich, in dem dem der Standort Steindler/Teufermoos mit kleinem Abstand am besten abgeschnitten haben soll, ist für uns Bürger so schlicht nicht überprüfbar.

Vorweihnächtliche Stimmung will bei einer älteren Würenloserin einfach nicht aufkommen. Das Ja der Gemeindeversammlung zum Baurecht fürs Alterszentrum lässt ihr keine Ruhe. So besorgte sie sich 50 Unterschriftenbogen auf der Gemeindekanzlei, um das Referendum zu ergreifen. Doch nachdem sie einmal darüber geschlafen hatte, schrieb sie dem Gemeinderat, pandemiebedingt könne sie ihr Recht, die Unterschriften zu sammeln – 420 bräuchte es – doch nicht wahrnehmen. Sie bitte aber «um konstruktive Vorschläge, wie ein Referendum, beziehungsweise eine anschliessende briefliche Abstimmung trotz Pandemie erreicht werden kann.» 

Der Gemeinderat antwortete postwendend. Der Bundesrat habe das Sammeln von Unterschriften für Initiativen und Referenden keineswegs unterbunden, und Unterschriften müssten auch nicht zwingend physisch vor Ort gesammelt werden. So könnten Unterschriftenbögen auch zum Herunterladen ins Internet gestellt werden. – Selbst wenn sich Einiges geändert hat, seit besagte Würenloserin vor 25 Jahren wesentlich daran beteiligt war, das erste Altersheimprojekt mit einem Referendum zu bodigen, so schleckt es doch keine Geiss weg, dass das Sammeln der nötigen Unterschriften bis 18. Januar wegen Corona und den Festtagen alles andere als ein Kinderspiel wäre. «Zum Glück» werden die einen sagen, «leider» die andern. 

Wegen den Deponieplänen ist unser Verhältnis mit den anderen Furttalgemeinden momentan ziemlich zerrüttet. «Zleid gwerched» hat man sich schon in früheren Zeiten, allerdings auf lustigere Weise. Davon berichtet das neueste Mitteilungsheft der Heimatkundlichen Vereinigung Furttal. Der Autor Kurt Bannwart spürt darin dem Wandel des Detailhandels im Furttal inklusive Würenlos nach.

Auch die Würenloser Bäckerei Ernst an der Mühlegasse lieferte ihr Brot mit einem Hundegespann aus (rechts Lina Ernst). Um 1900.
Um 1900 in Würenlos. Die Bäckerei Ernst an der Mühlegasse lieferte ihr Brot mit einem Hundegespann aus (rechts Lina Ernst).

Bis 1973 war der Verkauf von Salz kantonal geregelt und nur auserwählten Verkaufsstellen vorbehalten. Die Salzpreise unterschieden sich von Kanton zu Kanton. Davon profitierte, wie schon der verstorbene Hans Ehrsam in den Würenloser Blättern 1994 beschrieben hat, lange Zeit das Gasthaus Alpenrösli. Noch um 1937 ernannte die Aargauische Finanzdirektion die Alpenrösli-Wirtin Witwe Markwalder zum «Salzauswäger», was eine Abbildung im Heft belegt. 

Die Bauern benötigten für ihr Vieh viel Salz. Dass sie dieses im Alpenrösli holen mussten, kam ihnen sehr gelegen, hatten sie doch so einen guten Grund für einen Beizenbesuch. Weil das Salz im Kanton Zürich teurer war als im Aargau, deckten sich auch Däniker, Hüttiker und Otelfinger im Alpenrösli mit dem «weissen Gold» ein und schmuggelten es über die Kantonsgrenze. Das war an sich verboten. Die Würenloser machten sich einen Spass daraus, die Salzschmuggler auf ihre Weise zu bestrafen. So belud an einem Fasnachtsmontag eine Gruppe maskierter Würenloser Jungmänner ein Fuhrwerk mit Salzsäcken, die allerdings nur Sägemehl enthielten. Dieses streuten sie den Schmugglern aus dem Züribiet in die Stuben und liessen sich erst nach üppiger Verpflegung mit gehörig Most, Brot und Speck wieder vertreiben.  

Das 130-seitige Heft kann bestellt werden bei Françoise Roth, Lettenring 29, 8114 Dänikon, E-Mail Philippe.roth@bluewin.ch, Tel. 044 844 20 61, Preis Fr. 20.–.

 

Deponie Steindler: Unsere Haut nicht zu billig verkaufen

Kippen Aushub-Lastwagen ihre Fracht bald im Würenloser Steindler? (Symbolbild)

Die Planung für eine Aushubdeponie auf Würenloser Gemeindegebiet in eine heisse Phase getreten. Damit im Steindler rund 1,6 Millionen Kubikmeter sauberen Auhubs abgelagert werden können, braucht es eine Änderung des kantonalen Richtplanes. Noch bis 18. Dezember können sich alle Bürgerinnen und Bürger dazu äussern. Das Ganze einfach durchzuwinken könnte sich rächen.  

Das Areal im Steindler grenzt direkt an den Kanton Zürich und an die Gemeinde Otelfingen sowie an die durch ein-Schutzdekret geschützte Lägern-Landschaft. Das grösstenteils landwirtschaftlich genutzte Land gehört mehreren Eigentümern. 

Übersichtskarte Deponie
Das Areal der geplanten Deponie (rot umrandet)misst ca. 17 Hektaren und grenzt an zwei Seiten direkt an den Kanton Zürich. (Karte swisstopo/ilu AG)

Westlich der Häusergruppe im Steindler ist vor einiger Zeit eine ähnliche Senke bereits mit Aushubmaterial aufgefüllt worden. Während sich dort das Gelände heute als ebene Fläche präsentiert, ist nun jenseits der Steindlerstrasse ganz Anderes geplant: Aufgeschüttet würde das Gelände durchschnittlich 9,5 Meter und stellenweise bis zu 19,5 Meter hoch – das entspricht einem sechsstöckigen Gebäude. Ein neuer Hügel in der Landschaft.

Aktuell geht’s um die Eintragung des Areals als Standort für eine Regionale Aushubdeponie im kantonalen Richtplan. Antragsteller sind der Regionalplanungsverband BadenRegio und die Gemeinde Würenlos. Später wird die Gemeindeversammlung auch noch über eine Anpassung der kommunalen Nutzungsplanung entscheiden können und schliesslich muss der Gemeinderat die Baubewilligung erteilen.

Da Aushubdeponien landesweit knapp geworden sind und um der Bauwirtschaft trotzdem Entsorgungssicherheit zu bieten, dirigiert der Staat das Deponiewesen. Wilde Deponien– das war einmal. Im oft erbitterten Kampf um neue Deponiestandorte geht es auch um sehr viel Geld. Ist eine Deponie erstmals bewilligt, profitieren einige in besonderem Masse:. Die meist private Betreiberin – Im Steindler ist es die Dereba AG mit Sitz in Wettingen – sowie die Landeigentümer – in Würenlos sind es einzelne Landwirte, aber auch ganze Erbengemeinschaften. Dem Vernehmen nach sollen sie für das temporäre Zuverfügungstellen des Landes Entschädigungen bis zu einer halben Million Franken erhalten. «Eine Deponie ist wie ein Sechser im Lotto» hat die Zeitschrift Beobachter den Geschäftsführer des Verbands der Betreiber Schweizerischer Abfallverwertungsanlagen in einem Artikel zum Thema zitiert.  

Dem Gesuch für die Richtplanänderung liegt ein Planungsbericht zugrunde. In diesem wird der Steindler für eine solche Deponie als «bestens geeignet» bezeichnet. Gewisse Vorzüge des Standortes sind nicht von der Hand zu weisen: So liegt er direkt an der Furttalstrasse, und kann so von der A 1 ohne Durchfahrt einer Siedlung angefahren werden. Grössere Siedlungen lägen nicht in der Nähe, schützenswerte Ortsbilder würden nicht beeinträchtigt, so der Planungsbericht «Was soll’s?», wird sich da mancher Würenloser sagen.

Doch mehrere heikle Punkte sollten uns misstrauisch machen:

  1. Die Deponie wertet auf Jahre hinaus das beliebte Naherholungsgebiet Steindler/Teufermoos/ Birch ab und verändert das ursprüngliche Landschaftsbild für alle Zeiten. Mit der Senke im Teufermoos, den Anhöhen westlich von Otelfingen und den Lägern bietet sich insbesondere vom rege benützten Fuss- und Reitweg entlang dem Birchwald und hinüber zum Gmeumeriwald  ein abwechslungsreiches, harmonisches Bild. Dies würde künftig durch die hohe Böschung der Deponie weitgehend verstellt.
     
  2. «Regionale Aushubdeponie» – wo regional drauf steht, ist nicht unbedingt regional drin. Für den Aushub aus der Region Baden würden die offenen Kiesgruben in der Region noch länger ausreichen. Doch nur 29 % des in der Region abgelagerten Aushubs kamen 2019 aus der Region (Vorjahr: 34 %), 36 % aus dem Kanton Zürich, der Rest aus den Regionen Aarau, Freiamt (je ca. 10 %) und Zurzach (ca. 5 %) und neu 4 % sogar aus dem Kanton Zug! Der Planungsbericht erwähnt ausdrücklich, dass der Zürcher Aushub auch in den Steindler gekarrt werden soll. Interkantonale Solidarität? Wohl eher Wirtschaftsförderung: Hiesige Aushubfirmen wie die im Steindler federführende Eduard Meier AG aus Wettingen generieren einen schönen Teil ihres Umsatzes im Kanton Zürich. Die an der  Dereba AG beteiligten Firmen stammen übrigens nicht alle aus der Region. Was hat die Beton- und Cementwaren AG Merenschwand hier verloren?
  3. Laut Planungsbericht deckt der Steindler den regionalen Deponiebedarf im Planungszeitraum von 30 Jahren nur zu einem Drittel, weshalb bald weitere Deponiestandorte festzulegen seien. Weshalb nicht gleich jetzt? Sind Alternativstandorte doch zu wenig ernsthaft geprüft worden? Oder haben sich andere Gemeinden widerspenstiger gezeigt?
  4. Nach Plan soll die Deponie neun Jahren lang aufgefüllt und dann rekultiviert werden. Allerdings wird eingeräumt, dass der Deponiebetrieb je nach Bautätigkeit auch länger dauern kann. Ein Abflachen des Baubooms ist mittelfristig nicht unwahrscheinlich. Gut möglich, dass also im Steindler 20 Jahre oder länger eine hässliche Wunde in der Landschaft klaffen wird. Im späteren Verfahrensschritten muss die Betriebsdauer unbedingt befristet werden.
  5. Die Deponie wird laut Planungsbericht ein Verkehrsaufkommen von 144 Lastwagenfahrten pro Werktag (je 72 Zu- und Wegfahrten) verursachen. Die Folgen für Würenlos erachten die Planer als vernachlässigbar: Die Deponie werde ja über die Furttalstrasse angefahren (via A1 oder via Adlikon/Regensdorf). Haben die Planer berücksichtigt, dass viel Schwerverkehr die fast täglichen A1-Staus via Würenlos auf der Landstrasse umfährt? Und werden die Lastwagen mit Aushub vom rechtsufrigen Limmattal tatsächlich den Umweg über die A1 nehmen? Spätestens in den nächsten Verfahrensschritten wird unsere Gemeinde darauf pochen müssen, dass kein einziger zusätzlicher Lastwagen wegen der Deponie durch unser Dorf fährt. 

In Würenlos war bisher nur vereinzelt Kritik zum Deponievorhaben zu hören. Als dieses im November 2018 an der öffentlichen Orientierungsversammlung vorgestellt wurde, tönte es von gemeinderätlicher Seite schon fast so, als hätten w i r mit der Deponie den Sechser im Lotto gewonnen. Ganz anders unsere zürcherischen Nachbarn. Angeführt vom ehemaligen SVP-Nationalrat und Ex-Gemeindepräsidenten Ernst Schibli wehrt sich die Gemeinde Otelfingen unentwegt gegen das Vorhaben. Unterstützt wird sie dabei vom Regionalplanungsverband des zürcherischen Furttals. Eine Deponie dieses Volumens direkt vor die Haustür gestellt zu bekommen, empfinden unsere Nachbarn als Affront. Zumal nach zürcherischem Recht eine Deponie mindestens 300 Meter von den nächsten Wohnbauten entfernt sein muss, im Steindler aber der Abstand zu den nächsten Otelfinger Wohnhäusern nur 200 Meter betragen würde. 

Es hinterlässt ein ziemlich mieses Geschmäckle, dass BadenRegio den besten Deponiestandort zwischen Würenlingen und Berdietikon, zwischen Schneisingen und Mägenwil ausgerechnet im äussersten Zipfel des Kantons und im wertvollen Grüngürtel um unsere sehr dicht bebaute Gemeinde gefunden haben will.

Würenlos läuft Gefahr, seine Haut zu billig zu verkaufen. Die Landschaft zwischen Würenlos und Wettingen wird seit mehreren Generationen durch Dereba-Aktionäre mit Gruben und Anlagen verunstaltet. Da sollen zu Gunsten unserer Lebensqualität der Dereba AG wenigstens am anderen Ortsende Zugeständnisse bis an die Schmerzgrenze abgerungen werden.  Es ist zu hoffen, dass die Würenloser Bevölkerung, vielleicht auch Parteien und andere Gruppierungen sich im laufenden Richtplanverfahren kritisch vernehmen lassen. Denn wer zu solchen Projekten zu früh mit dem Kopf nickt, ist meist der Verlierer.

Die Dokumente zur Richtplanänderung liegen noch bis 18. Dezember auf der Gemeinde auf. Sie sind auch online auf www.ag.ch/anhoerungen einzusehen. Einwendungen von Bürgerinnen und Bürgern und Gruppierungen ebenfalls bis 18. Dezember mittels Kontaktformular auf www.ag.ch/anhoerungen oder in schriftlich an die Gemeinde oder an BVU, Abteilung Raumentwicklung, Entfelderstrasse 22, 5001 Aarau.

Die Visualisierungen der Deponie im Planungsbericht sind ein fertiger “Witz”. Sie zeigen die angeblich gute Einpassung der Aufschüttung in die Landschaft aus jeweils grosser Entfernung, zwei davon aus Sicht einer Drohne in 180 bzw. 60 Meter Flughöhe. Wir WürenloserInnen mögen zwar komische Vögel sein, betrachten unsere Landschaft auf dem Sonntagsspaziergang aber kaum je aus der Vogelschau. Man merkt die Absicht: Aus hoher Höhe und weiter Distanz wirkt noch die höchste Staumauer als kleines Mäuerchen.

Wehrt sich Würenlos zu wenig?

Wegen seiner Lage am Rande des Kantons und der Region fällt es Würenlos nicht immer leicht, sich für seine Anliegen Gehör zu verschaffen. Sollte sich der Gemeinderat selber vehementer für die Bevölkerung einsetzen – etwa beim Fluglärm, in der regionalen Verkehrsplanung oder bei der regionalen Deponieplanung?

Wir sind schon ein Spezialfall. Die meisten im übrigen Kanton kennen unser Dorf höchstens dem Namen nach, ein Kaff irgendwo kurz vor Zürich. Was mich immer wieder überrascht, ist die fast totale Ignoranz, mit der selbst die meisten mir bekannten Badener, Gebenstorfer oder Mellinger meinem Wohnort begegnen.

Würenlos gehört zwar dem Regionalplanungsverband Baden Regio an. Doch wir gehören nicht zur Agglomeration Baden-Brugg. Für die Raumplaner und Statistiker des Bundes sind wir und wenige andere Gemeinden im Bezirk (Bellikon, Bergdietikon, Künten, Killwangen und Spreitenbach) Teil der Agglomeration Zürich. Dies weil wir messbar in diversen Belangen engere Beziehungen haben zur Stadt Zürich und ihrem Umfeld als zu Baden oder Wettingen. Der jüngst eröffnete Radweg nach Oetwil an der Limmat zeigt, wie wichtig bei uns interkantonale Zusammenarbeit ist.

Selbst in der eigenen Region sind wir also etwas aussen vor. Da dürfen wir uns nicht wundern, wenn wir in dem vom Kanton zusammen mit Baden Regio erarbeiteten so genannten «Regionalen Gesamtverkehrskonzept Ostaargau» (Oase) überhaupt nicht vorkommen.

Dieser Tage war das neue Betriebsreglement für den Flughafen Zürich wiederum Thema in der Regionalpresse. Das Reglement sieht neu für Starts prioritär die Piste 28 vor. Dabei wird via Furttal direkt nach Westen über das Limmattal, den Rohrdorferberg und das Reusstal geflogen. Neu werden die Flugzeuge länger den Lägern entlang fliegen und erst auf der Höhe Würenlos/Wettingen abdrehen. Das bedeutet eine höhere Lärmbelastung für Würenlos und Wettingen, während der Mutschellen, Bergdietikon und Spreitenbach von Überflügen entlastet werden, wie Hans-Martin Plüss, Fluglärmexperte des kantonalen Departements für Bau, Verkehr und Umwelt vor einem Jahr im «BT» erklärt hat.

Gegen das neue Betriebsreglement erhebt Baden Regio Einsprache. Das ist gut so. Doch hat mittlerweile hat auch Spreitenbach – wie zuvor schon Wettingen – bekanntgegeben, zusätzlich noch eine eigene Einsprache zu machen. In einem Bericht im «Badener Tagblatt» vom 2. Oktober begründete dies der Spreitenbacher Gemeindeammann Valentin Schmid wie folgt: «Der Verbund muss eine ganze Region vertreten und dementsprechend auf andere Punkte eingehen.» Die Gemeindeeinsprache dagegen konzentriere sich auf den einzigen Punkt , der für die Gemeinde wichtig sei: Entweder frühere Überflüge am Morgen oder spätere am Abend, aber nicht beides zusammen.

Im gleichen Bericht wird auch unser Gemeindeammann Toni Möckel dahingehend zitiert, Würenlos halte an seiner Haltung fest, auf eine eigene Einsprache zu verzichten. Die Gemeinde sehe ihre Interessen mit der Einsprache von Baden Regio am effizientesten vertreten.

Diese Haltung, die damals mit äusserst Flughafen-freundlichen Formulierungen erläutert wurde, hat schon Ende 2018 Kritik und Verärgerung ausgelöst. In Leserbriefen und auch in einem «BT»-Artikel warfen Bürger dem Gemeinderat  vor, einzelne Vorteile des neuen Abflugregimes – etwa die höhere Flugsicherheit – höher zu gewichten als die Interessen der eigenen Bevölkerung. Nun ist im Dorf die Frage zu hören, ob der Gemeinderat seine passive Haltung nicht überdenken sollte. Immerhin seien doch beträchtliche Nachteile für unser Dorf zu befürchten.

Politisch wäre dies vielleicht klug und ein Beitrag zur Vertrauensbildung – selbst wenn es reine Symbolpolitik bliebe. Denn ob Einsprachen von Gemeinden oder Regionen überhaupt etwas bringen, ist mehr als fraglich. BadenRegio-Präsident und Wettinger Gemeindeammann Roland Kuster jedenfalls zieht im «BT» eine ernüchternde Bilanz: «Die Bedenken und Interessen der Bevölkerung im Ostaargau werden offenbar beim Flughafen Zürich sowie den zuständigen Bundesstellen in keiner Weise ernstgenommen.» 

Solidarität ist etwas Schönes und Wertvolles. Bisweilen aber grenzt die Solidarität, die unser Gemeinderat mit anderen Regionsgemeinden demonstriert, an Willfährigkeit. Auch dazu ein Beispiel. würenblicker und andere Medien haben schon vor geraumer Zeit darüber berichtet, jetzt aber ist die «Limmatwelle» vom 26.9 in grosser Aufmachung darauf zurückgekommen. Unsere Nachbargemeinde Otelfingen wehrt sich weiterhin vehement gegen die Aushubdeponie, welche gemäss einem im Auftrag von BadenRegio und regionalen Aushubfirmen entwickeltes regionales Deponiekonzept im Würenloser Gebiet Steindler vorsieht. Nach zürcherischen Kriterien käme die Deponie zu nahe an das Siedlungsgebiet von Otelfingen zu liegen.

Unser Siedlungsgebiet wird die Deponie zwar nicht direkt beeinträchtigen, sehr wohl aber aber die Landschaft in unserem Naherholungsgebiet. Eine geplante Deponie auf Gemeindegebiet – da ist jede Exekutive wohl gut beraten, das Projekt sehr kritisch zu begleiten und sich durchaus etwas sperrig zu zeigen. Es geht darum, bei einer Realisierung des Vorhabens die Nachteile für die Standortgemeinde minim zu halten und den wahren Profiteuren der Deponie so viele Zugeständnisse als möglich abzuringen.

Davon war an der Orientierungsversammlung in diesem Sommer wenig zu spüren. Der Gegenwind aus dem Kanton Zürich wurde vom Gemeinderat heruntergespielt. Unserem Gemeinderat ist offensichtlich die Solidarität mit der aargauischen Region wichtiger als das gute Einvernehmen mit den Zürcher Nachbarn, auf die wir so sehr angewiesen sind bei der Lösung vieler unserer Probleme.

Die Deponie ist ja nicht wegen den vielen Würenloser Neubauten nötig. Für diesen Aushub würden die noch offenen Kiesgruben auf Gemeindegebiet noch lange ausreichen. Die regionale Planung zeigt klar, wie der Hase läuft:  Wohin mit einer hässlichen Deponie? In eine Gemeinde ganz am Rand der Region und des Kantons und dort noch in die hinterste Ecke!