Die Überbauung von einer der letzten grossen Baulandreserven in Würenlos rückt näher. Der Gemeinderat hat kürzlich den Gestaltungsplan Huebacher verabschiedet. Gibt nun auch der Regierungsrat noch sein Okay, dann wird der Bau eines neuen Quartiers mit 40 bis 50 Wohneinheiten zwischen der Bachwiesenstrasse und der Gärtnerei Möckel konkreter.
Auch dieses Planungsvorhaben hat eine längere Geschichte. Es ist Teil einer grösseren Arealüberbauung, zu der auch der Rosenpark sowie die daran angrenzenden Mehrfamilienhäuser ob der Bachstrasse (alle bereits realisiert) gehören. Schon 2010 hat die Gemeindeversammlung einen Bruttokredit von 2,13 Millionen Franken für die Erschliessung bewilligt. Effektiv zu übernehmen hat die Gemeinde aber nur ein Drittel der Kosten, zwei Drittel bezahlen die Grundeigentümer. Die Erschliessungsbauten (insbesondere eine Stichstrasse in T-Form ab der Buechzelglistrasse sowie ein Teil der Fusswege) sind längst erstellt.
2010 wurde zudem festgelegt, dass für das jetzt zur Diskussion stehende Land in der Zone E 2 ein Gestaltungsplan ausgearbeitet werden muss. Es war dies eine Lehre aus der ziemlich missglückten Arealüberbauung Bickacher –im Volksmund Baumusterzentrale oder Hässlikon genannt. Der Gestaltungsplan für den Huebacher, dem eine Bebauungsstudie und ein Referenzprojekt von Walker Architekten AG Brugg zugrunde liegt, lag bereits vor einem Jahr öffentlich auf. Es gab dagegen relativ wenig Einwendungen, die zu gewisse Änderungen am Gestaltungsplan führten. Sie betreffen unter anderem die grössere Parzelle im nordöstlichsten Teil des Planungsgebietes (vis-à-vis der bereits erstellten Mehrfamilienhäuser). Link zu den Planungsunterlagen, in denen auch Pläne und Modelle zu finden sind.
Entstehen soll im im ruhigen Huebacher ein qualitativ hochwertiges Quartier mit unterschiedlich grossen Wohneinheiten für eine vielfältige Käuferschaft. Als Gebäudetypen vorgesehen sind Einfamilienhäuser, Duplexhäuser und Geschosswohnungen – alle mit Flachdächern, die entweder begehbar oder begrünt sind. In den Einfamilienhäusern sind Einliegerwohnungen möglich. Dies entspricht der Forderung nach Verdichtung und kann dazu beitragen, den Mangel an Kleinwohnungen in Würenlos zu mildern. Die Parkierung erfolgt grösstenteils zentral und unterirdisch.
Dass Ausarbeitung und Bereinigung des Gestaltungsplans mehrere Jahre dauerten, ist aus Sicht der Gemeinde wohl ein Segen. Eine frühere Überbauung des Areals hätte zum Beispiel die Schülerzahlen noch mächtiger anschwellen lassen. Jetzt ergibt sich zumindest eine gewisse zeitliche Staffelung bei der Fertigstellung der letzten grösseren Wohnüberbauungen, die gemäss dem aktuellen Zonenplan noch möglich waren und sind. Zuerst wurden das Hürdli, dann der Flüehügel bezugsbereit, jetzt ist es Gatterächer West, als Nächstes dürfte der Huebacher folgen und schliesslich Gatterächer Ost und Steinhof/Im Grund. Sollte diese Staffelung den Verzicht auf zusätzliche Kindergärten und Schulräume ermöglichen, so würde dies zur weiteren Gesundung der Gemeindefinanzen beitragen.
Am 3. September schrieb ich, wenn ich niemanden übersehen habe, so sei Gemeinderat Lukas Wopmann der einzige Nationalratskandidat aus Würenlos. Und jetzt wurde ich darauf aufmerksam gemacht, dass ich tatsächlich jemanden übersehen habe. Und erst noch eine junge Frau und Bloggerkollegin. Auf der Liste 2b, das ist jene der Juso (Jungsozialisten), kandidiert auf Platz 15 Darja Keller. Sie studiert seit einem Jahr an der Uni Zürich Germanistik, Philosophie und Slawistik und schreibt über ihre Uni-Erfahrungen als Bloggerin auf «NZZ Campus» (Link zum Blog). Ich entschuldige mich für den Lapsus.
Darja Keller. (Bild NZZ-Campus)
Und weil ich vor einem Monat verraten habe, auf welchem Platz Lukas Wopmann bei mir im Vimentis-Kandidatencheck gelandet ist (158.) möchte ich die Plazierung von Darja Keller den Leserinnen und Lesern nicht vorenthalten: Zu meiner nicht geringen Überraschung finde ich sie schon auf dem 41. Platz von insgesamt 288 Kandidierenden. Aber checken Sie doch selber, welche Kandidatinnen und Kandidaten am besten zu Ihnen und ihren Ansichten passen. Hier ist nochmals der Link zum interaktiven Fragebogen.
Zum Schluss noch eine Information in eigener Sache: Ende August überschritt würenblicker eine magische Marke. Erstmals verzeichnete der Würenlos-Blog innert zwöf Monaten, also von September 2014 bis August 2015, über 100 000 Besuche. Zum Vergleich: Im ersten vollen Betriebsjahr (von November 2013 bis Oktober 2014) waren es erst gut
55 000 Besuche gewesen. Ein rechter Sprung nach oben also! Die wachsende Leserschaft ist für die würenblicker-Blogger natürlich ein grosser Ansporn. Dass die Würenloserinnen und Würenloser sich gerne online über Lokales informieren, zeigt auch dies: Die Betreiber der App «Würenlos Info» konnten dieser Tage melden, soeben sei die App zum 2000. Mal heruntergeladen worden. Herzliche Gratulation an Jürgen und Petra Berger-Russi.würenblicker finden Sie auf der App übrigens unter Vereine/Lokalpolitik, Parteien.
Wer hat sich nicht schon gefragt, zu welchem Zweck dieses hübsche Häuschen neben der Furtbachbrücke im Kempfhof gebaut wurde?
Das schmucke Wöschhüsli nahe der Brücke an der Bachstrasse.
Wie mir die heutige Eigentümerin, Frau Michèle Meier, erzählte, wird sie immer wieder von Leuten befragt, wenn diese dort vorbeigehen. Auch Kinder meinten schon: «Gäll das isch doch es Häxehüsli?». Ob sie denn wie eine Hexe aussehe, habe sie gegengefragt.
Weshalb ich mich der Geschichte des kleinen Hauses annehme, hat einen besonderen Grund: Anfang der Siebzigerjahre erwarb die Bauunternehmung Schildknecht und Haderer in Wettingen die Liegenschaft Bachstrasse 53 und nutzte sie als Werkhof. Weil dieses kleine Haus auch dazugehörte und man dessen Platz gut als Deponieplatz hätte nutzen können, wollte man es abbrechen. Ich wehrte mich dagegen und konnte die Unternehmer davon überzeugen, dass es als historischer Bau erhaltenswert sei. Anerkennenswert sei erwähnt, dass die Bauunternehmung das Häuschen danach in Stand stellte.
Immer wenn ich heute daran vorbeikomme frage ich mich, welche Geschichten mir dieses Häuschen erzählen könnte, wenn ich die Tür öffnen würde, ähnlich einer Musikdose, bei der Musik ertönt, wenn man den Deckel öffnet. Mit Erlaubnis von Michèle Meier öffne ich nun die Türe und lasse das Häuschen uns seine Geschichte erzählen.
Die Treppe zum Furtbach.
Tatsache ist, dass ich schon viele Jahre auf dem Buckel habe, sicher an die zweihundert. Weil ich unbedeutend bin, wurde das Geburtsjahr nicht in den Türsturz eingemeisselt. Sicher ist, dass ich als Wöschhüsli gedient habe. Hier im hinteren Teil des einzigen Raumes stand früher ein Holzofen mit einem kupfernen Kessi darüber. Gegenüber dem Eingang ist ebenfalls eine Türe und dahinter eine Treppe, die zum Furtbach hinunter führt.
In der rückwärtigen Wand kannst du noch zwei Löcher sehen. Sie dienten als Auflager für zwei Balken. Genau kann ich mich nicht mehr erinnern, aber die Konstruktion dürfte etwa so wie die Zeichnung unten ausgesehen haben.
Jede Woche trafen sich bei mir Frauen aus dem Kempfhof, um ihre Wäsche zu waschen. Zuerst feuerten sie tüchtig an und mengten dem Wasser geraffelte Kernseife bei, denn es gab damals noch kein Waschpulver. War das Wasser heiss genug,
Die Löcher in der Wand für die Balkenkonstruktion.
taten sie die Kochwäsche ins Kessi. Während dann der Sud so vor sich hin köchelte, rührten und
stampften sie mit einer grossen Holzkelle öfters darin, damit die Seifenlauge die ganze Wäsche durchdringen konnte. Das war eine schwere Arbeit und der ganze Raum war so voller Dampf, dass sich die Frauen oft kaum sehen konnten. Das hinderte sie aber nicht daran, sich ihre Sorgen und Freuden zu erzählen und darüber zu berichten, was sich im Dorf so alles ereignet hatte.
Überm offenen Feuer wurde das Wasser im Kessel zum Kochen gebracht.
War die Wäsche gekocht, wurde sie mit einer grossen gelochten Kelle aus dem heissen Wasser gefischt und mit einem Korb zum Furtbach hinunter getragen. Dort wurde sie gespült und falls notwendig auf dem Waschbrett nochmals tüchtig geschrubbt.
Die Hausierer wussten, wann Waschtag war und dass sie dann fast alle Frauen dort antreffen würden. Zu dieser Zeit gab es noch kein Shoppingcenter und auch keinen Coop. Alles, was man zum täglichen Bedarf nötig hatte und nicht im eigenen Garten wuchs, kaufte man beim Hausierer. Nebst Nadeln, Faden, Wolle, Stoffen etc. hielt er auch Pülverchen und Salben gegen Hexenschuss oder Rheumaschmerzen, aber auch schöne Ringlein oder Ketten feil.
Ja, das war eine schöne Zeit. Dann aber wurden im Kempfhof Wasserleitungen verlegt und die meisten Familien hatten danach fliessendes Wasser im Haus. Das bedeutete auch das Ende meiner Funktion als Wöschhüsli.
Damit ich nicht nur unnütz herumstand, war ich bereit, einige Zeit als Unterkunft für Kälber zu dienen. Daran kann sich Isidor Moser, der seit seiner Geburt im Kempfhof lebt, noch gut erinnern. Als Bub kam er immer zu mir, um im Furtbach zu fischen. Hier fand er auch die nötigen Köder, nämlich Würmer, das hatte mit dem Kälbermist zu tun.
Das vom Verfall bedrohte Wöschhüsli vor der Aussenrenovation.
Bald ging auch diese Zeit vorbei. Die Tiere mussten sich an eine andere Bleibe gewöhnen, denn der Bauer, dem die Scheune mit Wohnhaus Bachstrasse 53 und meine Wenigkeit gehörten, verkaufte die Liegenschaft an einen Bauunternehmer. Ich fürchtete das Schlimmste. Warum sollte ein Baumeister mich armes Hüsli, das am Verfallen war, noch erhalten? Meinen Platz konnte er als Deponieplatz besser nutzen. Ich versuchte mich unter dem Efeu zu verstecken. Das half aber nichts. Eines Tages warfen Bauarbeiter meine Ziegel vom Dach in eine Mulde und ich war überzeugt, meine letzte Stunde habe geschlagen.
Aber nein, statt mit dem Abbruch zu beginnen, ersetzten die Männer einige der morschen Balken und deckten mich mit schönen, handgefertigten Ziegeln wieder ein. Auch an meine Schönheit dachten sie und machten ein gründliches Facelifting. Die runzelige Steinfassade wurde sauber ausgefugt; Fenster und Türe wurden ersetz oder repariert. Ich sah schön aus und freute mich sehr darüber, und war dann auch gerne bereit als Magazin der Firma gute Dienste zu leisten.
Einige Jahre vergingen, das Baugeschäft wurde grösser. Die Liegenschaft genügte den Bedürfnissen nicht mehr. Mein Wohltäter verkaufte mich an Peter Frey, Cheminéebau Wettingen und der verkaufte mich dann später an Stefan Meier, Gipsergeschäft Wettingen. Damit begann für mich wieder ein anderes Leben.
Michèle Meier.
Für die Tochter dieses Unternehmers, Michèle Meier, war ich ein beliebter Ort zu verweilen . Weil mein Inneres nicht mehr sehr gesund war und gelegentlich Steine aus den Wänden brachen, sagte Vater Meier zu seiner Tochter, er werde meine Innenseite auch einmal in Ordnung bringen, habe aber jetzt keine Zeit dazu. Sie solle alle Steine und den Ort wo sie heraus gefallen sind mit einer Nummer versehen. Als es dann aber viele Steine waren verlor Michèle die Übersicht, und so nahm sich der Gipsermeister Zeit, die Innenseite zu renovieren. Ihm muss ich ein grosses Kompliment machen. Er nahm nicht einfach einen Fertigmörtel, sondern mischte einen nach altem Rezept, der genau auf meine Bedürfnisse abgestimmt war. Ganz besonders freute ich mich darüber, dass die Mutter von Michèle für mich schöne Vorhänge nähte und mich so auch im Innern gut aussehen liess.
Es gab aber auch viele Momente des Schreckens, wenn Lastwagen mir zu nahe kam und mein Dach beschädigte. Der Dachdecker Wagner aus Wettingen pflegt mich dann und brachte den Schaden wieder in Ordnung.
Für die Nachbarskinder von Michèle war ich ein beliebter Aufenthaltsort. Gelegentlich übernachteten sie bei mir in Hängematten, die an meinen Balken befestigt waren. Inzwischen ist es bei mir wieder ruhiger geworden. Ich diene Michèle jetzt als Gartenhüsli und das ist mir auch recht so. Nun aber genug der Geschichten. Schliesse mir die Türe, ich möchte nun meine Ruhe haben!
Der dreiwöchige A1-Raststättenspuk ist vorüber. Endlich. Als Glanzpunkt in der neueren Ortsgeschichte wird der viel zu lange Event kaum in Erinnerung bleiben.
Das Eventareal am Mittwoch, 19. August, abends um 18.45 Uhr.
Selbst wenn einzelne Programmpunkte in der zweiten und dritten Woche doch noch etliche Besucher mehr an den Autobahnrand gelockt haben als die paar hundert in der ersten Woche, von denen ein enttäuschter Gemeindeschreiber Daniel Huggler in der «Limmatwelle» sprach – im grossen Ganzen war’s kein Renner. Auch bei der Würenloser Bevölkerung hielt sich das Interesse in engen Grenzen. An zu wenig Werbung kann’s kaum gelegen haben. Allein die «Limmatwelle» als Medienpartner stellte Inserateraum im Wert von über 10 000 Franken bereit.
Am rührenden Einsatz der lokalen Freiwilligen hat’s gewiss auch nicht gefehlt und die Ideen des OK und deren Realisierung waren angesichts der kurzen Vorbereitung nicht ohne. Der Beitrag von Aargau Tourismus allerdings war leider so bieder und verstaubt, als gelte es eine Ferienmesse in Nordkorea zu beschicken. Der Slow-down-Ansatz mit Anreizen, die im Vergleich zur Raststätte viel schönere Umgebung kennenzulernen, war an sich reizvoll, nur funktionierte er nicht wie erhofft..
Es war wohl schlicht der falsche Event, am falschen Ort, zur falschen Zeit. Die Strahl- und Anziehungskraft der werktäglich 20 Minuten dauernden TV-Livesendung wurde massiv überschätzt – von den Entscheidungsträgern in der Gemeinde ebenso wie von Aargau Tourismus. Die Macher von«Schweiz aktuell» hatten im Vorfeld das Blaue vom Himmel versprochen. Wenn sie auf den grossen Zuspruch hinwiesen, den der Begleitevent des Vorjahres im abgelegen-ländlichen Bauma fand, verglichen sie Äpfel mit Birnen.
Würenlos gehört zur Agglomeration Zürich. Da tut sich das Fernsehen generell schwer mit direktem Einbezug des Publikums. Dieses ist wählerischer, anspruchsvoller und hat eine Vielzahl von Unterhaltungsmöglichkeiten zur Auswahl. Das Publikum stimmt mit den Füssen ab. Und da gibt es nichts zu deuteln: Auch eine Mehrheit der Würenloserinnen und Würenloser fand den Begleitevent zu «A1 – Die Raststätte» ziemlich überflüssig.
Das grosse Engagement der Standortgemeinde wäre allenfalls dann gerechtfertigt gewesen, wenn unser Dorf mit dem Event sein (unzutreffendes) Image als gesichtsloser Durchfahrtsort zwischen Zürich und Basel/Bern hätte aufpolieren können. Wenn wir künftig beim Nennen unseres Wohnorts nicht jedes Mal das ätzende «aha, beim Fressbalken» hören müssten. Doch dem ist nicht so. Dank YouTube-Star Bendrit, viel TV-Eigenwerbung, seichten Boulevard- und Gratismedien hat zwar das ganze Land mitbekommen, dass da in Würenlos etwas los war an der Autobahn. Doch der falsche Eindruck, die Autobahn und der Fressbalken seien Würenlos, liess sich nicht korrigieren. Er wurde noch verstärkt.
Die beste Werbung für Würenlos ist jene, welche die Autobahn ausser acht lässt. Unsere Gemeinde hat bessere Trümpfe, die für sich sprechen. So erwies sich in diesem heissen Sommer unser Schwimmbad, dieses Bijou, bei Tausenden auswärtiger Besucher als Werbeträger erster Güte. Der A1-Event aber brachte Würenlos keinerlei Nutzen. Profitiert hat allein das Fernsehen SRF.
Umso mehr interessiert, wie tief die Steuerzahler für diesen Spuk werden in die Tasche greifen müssen. Darüber wird hoffentlich auf Franken und Rappen genau Rechenschaft abgelegt werden. Und zwar auch über indirekte Kosten wie der Einsatz von Personal der Verwaltung und der technischen Betriebe. Je geringer der Betrag, umso besser. Denn es kann doch nicht sein, dass wir als Sparmassnahme den jährlichen Beitrag an die Trachtengruppe auf 1000 Franken halbieren, für eine am Zürcher Leutschenbach orchestrierte, uns aufgedrängte TV-Sause aber ein Mehrfaches davon ausgeben.