Eine Frau und acht Männer möchten am 28. September in den Gemeinderat gewählt werden, vier Bisherige und fünf Neue. Die FDP verzichtet auf den bisher von Consuelo Senn gehaltenen Sitz. Wer erbt die Stimmen?
(Kommentierende Ergänzung der Meldung vom 16.8. über die Kandidaturen für den Gemeinderat, die Finanz- sowie die Steuerkommission).
Lange Zeit schien es so, dass alle fünf bisherigen Mitglieder des Gemeinderates für die neue Amtsdauer 2026 bis 2029 kandidieren werden. Doch dann erklärte Hochbauvorsteher Consuelo Senn (FDP) überraschend seinen Verzicht auf eine nochmalige Kandidatur.
Für den Gemeinderat kandidieren nun:
Toni Möckel (parteilos, bisher), 1963, einziger Gemeindeammann-Kandidat, Buchenweg 6
Nico Kunz (FDP, bisher, 1984), einziger Vizeammann-Kandidat, Juchstrasse 15
Lukas Wopmann (Die Mitte, bisher), 1984, Zelglirain 4
Barbara Gerster Rytz (Die Mitte, bisher), 1965, Buechzelgliring 55
Fabio Blazevic (SP, neu), 2007,
Roggenweg 28
Stephan Lüdi (parteilos, neu),
1965,
Buechmatt 6
Christoph Meier (GLP, neu), 1979, Schulrain 1
Olivier Rahm (parteilos, neu), 1974, Buechzelglistrasse 57
Thomas Zollinger (SVP, neu), 1976, Haldeweg 6
Auch Gedränge bei Finanzkommission
Für die fünfköpfige Finanzkommission kandidiert ein Oktett: Andreas Schorno (Die Mitte), Markus Städler (FDP), Marcus Meyer (parteilos), Hermann Jäger (SVP), Marion Moosbrugger-Caluori (FDP), Christoph Schibli (parteilos), Roger Seger (GLP), Martin Sekinger (SVP).
Für die dreiköpfige Steuerkommission kandidieren: Robert Nötzli (SVP), Roman Waller (FDP), Bettina Dössegger-Villiger (Die Mitte).
Wer beerbt im Gemeinderat die FDP?
Der Rücktritt von Consuelo Senn brachte die FDP, deren Personalreservoir nicht übervoll ist, in eine offensichtlich heikle Lage. Sie liess es bis zum Ende der Anmeldefrist offen, ob sie eine
2. Kandidatur anmelde oder nicht. Gerätselt wurde im Dorf, ob die bisherigen Finanzkommissionsmitglieder Markus Städler und Pascal Renaud-dit-Louis sich dafür gewinnen liessen.
Die SVP versucht erneut, ihren 2021 verlorenen Gemeinderatssitz zurückzuerobern. Ihr Kandidat, der 49-jährige Thomas Zollinger hatte schon 2015 einmal erfolglos für den Gemeinderat kandidiert. SVP-Ortspräsident Pascal Pfeffer räumt ihm diesmal deutlich grössere Wahlchancen ein. Als nunmehriger Grossrat und langjähriges Mitglied der Würenloser Finanzkommission (davon 6 Jahre als Präsident) sei Zollinger breiter abgestützt und politisch erfahrener als vor 10 Jahren. In früheren Jahren war er zuweilen mit unausgegorenen Vorschlägen und sehr radikalen Ansichten nicht überall gut angekommen. Zollinger ist verheiratet und Vater von vier Kindern. Als eidg. dipl. Finanzanalyst und Vermögensverwalter arbeitet er auf einer Bank. Neuerdings präsidiert er auch die SVP-Bezirkspartei.
Die Mitte (frühere CVP, fusioniert mit BDP) konzentriert sich darauf, ihre bisherigen zwei Mandate zu halten. Ihre beiden Vertreter im Gemeinderat, Finanzvorsteher Lukas Wopmann (seit 2014 im GR) und Barbara Gerster Rytz ( Ressortvorsteherin Bildung und Kultur, seit 2018 im GR) treten erneut an und hätten kaum um ihre Wiederwahl bangen müssen, wenn Consuelo Senn nicht nach der gescheiterten BNO-Revision das Handtuch geworfen hätte.
Doch nun, da die FDP ihren 2. Sitz kampflos preisgibt, fragt sich, an wen diese Stimmen gehen werden. Zollinger wird die Stimmen aus dem stramm rechtsfreisinnigen Lager erben, aber wie gross ist dieses? Und wie gross wird das Stück vom Kuchen sein, das die Kandidaten der Grünliberalen (GLP) und der Sozialdemokraten (SP) ergattern? Beide Parteien haben auch ohne eigene Ortspartei in Würenlos ein Sympathielager, das ihnen bei nationalen und kantonalen Wahlen jeweils eine ansehnliche Parteienstärke beschert. Es geht auch ohne eine Hausmacht mit Parteibüchlein, Gemeinderatswahlen sind in erster Linie Persönlichkeitswahlen.
SP-Kandidat Fabio Blazevic hat Schlagzeilen gemacht hat mit einem von ihm initiierten, eher belanglosen Wirbel um reservierte Sitzplätze in der Kantonsschulmensa. Ob er von einem eigentlichen Jugendbonus profitieren wird im Sinne von «toll, wenn sich ein so Junger engagieren will» ist schwierig abzuschätzen. Er selber rechnet sich gute Chancen aus. Bei einer Wahl wäre er der jüngste Gemeinderat der Schweiz, wie das «Badener Tagblatt» schrieb. Aber ob der 18-jährige Kantonsschüler die zeitlichen Belastungen und die mannigfachen Herausforderungen der politischen Führung ganzer Verwaltungseinheiten richtig einschätzt? Grosses politisches Interesse ist nur die halbe Miete. Wäre er – ohne jede berufliche Erfahrung – gewappnet für den nicht immer leichten Umgang mit älteren, fachlich kompetenten Fachleuten der ihm unterstellten Ressorts und der von ihm geleiteten Kommissionen? Nico Kunz und Lukas Wopmann gehörten bei Amtsantritt zu den wohl jüngsten Gemeinderäten in der Würenloser Geschichte. Sie waren aber schon 30-jährig, standen voll im Berufsleben und hatten sich betriebswirtschaftlich weitergebildet.
Die Grünliberalen (GLP) schicken den 46-jährigen Christoph Meier ins Rennen. Er ist verheiratet und Vater zweier Kleinkinder. Er verfügt über ein abgeschlossenes Universitätsstudium als Biologe. Insgesamt 5 Jahre hat er im Ausland verbracht, er war Mitarbeiter der Vogelwarte Sempach und arbeitet nun bei Pro Natura Aargau, wo er für Recht und Politik zuständig ist. Von da her sind ihm die in einer Gemeindeexekutive immer wichtiger werdenden Verhandlungen und Absprachen mit Bundes- und Kantonalverwaltungen, aber auch mit betroffenen Einzelpersonen vertraut.
Eine Überraschung wäre, wenn die zwei weiteren parteilosen Kandidaten entscheidend ins Geschehen eingreifen könnten. Beide sind seit Jahren im Immobilienfach zu Hause. Der 60-jährige Stephan Lüdi wohnt zwar schon seit vielen Jahren in Würenlos, ist lokalpolitisch aber erst im Zusammenhang mit der Revision der Allgemeinen Nutzungsplanung in Erscheinung getreten. Zusammen mit anderen Gegnern hatte er an der ausserordentlichen Gemeindeversammlung einen längeren Auftritt. Später dann an der Sommergmeind stellte er den erfolgreichen Antrag, die zweite geplante Perronrampe beim Bahnhof SBB mit einem Zusatzkredit auch zu überdachen.
Lüdi und noch mehr der 51-jährige Olivier Rahm, der noch nicht allzu lange hier lebt und geschäftet, werden bis zum Wahltag ihren Bekanntheitsgrad stark erhöhen müssen, sollte ihnen nicht bloss eine Aussenseiterrolle zukommen.
Sicher ist, am 28. September wird es so spannend wie bei Gemeindewahlen schon lange nicht mehr. Das bisherige Gemeinderatsgremium hat keine makellose Erfolgsbilanz vorzuweisen. Ausgerechnet die beiden wichtigsten lokalpolitischen Geschäfte wurden unrettbar vergeigt. Da kann sich niemand in einer Kollegialbehörde hinter den in erster Linie involvierten Kollegen, den Ressortverantwortlichen, verstecken.
Erst der 28. September wird zeigen, wie sehr auch Bisherige, die gerne weiter amten möchten, an der Urne dafür abgestraft und an ihrer Stelle neue Kräfte gewählt werden. Toni Möckel wurde 2021 zwar als Gemeindeammann sehr gut gewählt, Als Mitglied des Gemeinderates belegte er damals aber nur Platz 4 der gewählten Fünf.
Je mehr Kandidaten sich um Stimmen balgen, desto grösser ist die Wahrscheinlichkeit, dass im 1. Wahlgang nicht gleich fünf Kandidierende gewählt werden und es am 30. November zu einem 2. Wahlgang kommt. Für diesen könnte sich die Ausgangslage wieder ganz neu präsentieren.
Dieser Artikel wird voraussichtlich am 25. August um ein weiteres Element ergänzt: Alle Gemeinderatskandidaten beantworten kurz zwei Fragen, die ihnen würenblicker gestellt hat.

Der Bericht ist spannend und zeigt, wie viel Bewegung derzeit in der Würenloser Politik steckt. Für unser Dorf geht es dabei um mehr als nur eine neue Person im Gemeinderat. Entscheidend ist, wer die Kompetenzen mitbringt, um aktuelle Probleme zu lösen. Bei der Bau- und Nutzungsordnung sind in der Vergangenheit Herausforderungen sichtbar geworden. Gefragt ist nun eine Person, die die verschiedenen Interessen zwischen Bevölkerung, Kanton, Eigentümern und Gemeinde einordnen und vermitteln kann. Ein Kandidat ist Stephan Lüdi. Er bringt Erfahrung aus der Immobilienwirtschaft und aus der öffentlichen Bauplanung mit. Zudem hat er bereits in Projekten gearbeitet, in denen komplexe Themen aufbereitet und der Bevölkerung zugänglich gemacht werden mussten. Entgegen dem Bericht setzt sich Lüdi schon länger für lokalpolitische Themen ein.
Ich würde es begrüssen, wenn künftig mehrere neue Gesichter im Gemeinderat vertreten wären, die mit neuen Impulsen, Gestaltungswillen und einem offenen Dialog die Weiterentwicklung von Würenlos vorantreiben. Für mich ist er daher ein sehr spannender Kandidat.
Für die BNO und die Planung eines Altersheims setze ich auf Thomas Zollinger, Christoph Meier und Stephan Lüdi. Sie alle stehen für seriöse Planungsschritte.
Beim Strassenverkehrsamt hat der Prüfer eine Checkliste, Bremsen, Licht, Hupe… Der Kanton verwendet für Bauprojekte wie z. B. BGK Schulstrasse ebenfalls Checklisten. Auf diesen Checklisten sind die Worte Ortsbildschutz und Denkmalschutz explizit erwähnt. Bei normalen Planungsschritten bittet man die zuständige Ortsbildschutzkommission per E-mail um Stellungnahme. Dort sind ja alle Informationen vorhanden. Wer ein Eigenheim plant, prüft zunächst überschlägig, ob man überhaupt bauen kann. In Würenlos wird zuerst das Land erworben. Dann folgt Dezember 2016 ein Verpflichtungskredit von 4 Mio CHF für Planungsarbeiten der Alterszentrum Würenlos AG. Consuleo Senn stellte einen Antrag, dass innerhalb von sechs Monaten ein grober Projektplan erstellt wird. Der damalige Vize-Ammann überzeugte die Mehrheit (61:119), dass dies nicht realistisch sei. Wenn die Schwierigkeiten so gross sind, dass man keinen Projektplan vorlegen kann, dann sollte man den Verpflichtungskredit nicht beantragen. Man beginnt mit einer Machbarkeitsprüfung unter genehmigungsrechtlichen Aspekten und einer neutralen Wirtschaftlichkeitsprüfung. Fraglich, was bei Baden Regio vorgelegt werden musste, damit die Pflegeheimplätze reserviert blieben. Ich bitte um Vertrauen für die drei eingangs erwähnten Gemeinderatskandidaten.