Archiv der Kategorie: Dorfleben

Kampfwahl und leere Busse

Kein bürgerlicher Schulterschluss. Die SVP tritt in der Gemeinderats-Ersatzwahl vom 26. April mit ihrem Präsidenten Thomas Zollinger gegen die FDP und ihren Kandidaten Markus Hugi an. Die Sünneli-Partei will ihren zweiten Gemeinderatssitz zurückholen, den sie bei den letzten Gesamterneuerungswahlen durch die  Abwahl von Johannes Gabi verloren hat. Nach Ablauf der Anmeldefrist für Kandidaturen am Freitag, den Dreizehnten, mittags, steht fest, dass es beim Duell um den Sitz von Karin Funk Blaser (FDP) bleibt und kein «wilder» Kandidat und keine «wilde» Kandidatin in die Hosen steigt. Im ersten Wahlgang ist aber grundsätzlich jede stimm- und wahlberechtigte Person wählbar. Die CVP hat auf eine Kandidatur verzichtet oder besser musste verzichten – mangels AnwärterInnen.  Das hat CVP-Präsident Sigi Zihlmann gegenüber würenblicker bestätigt. Ein ausführlicher Beitrag über die Kandidaten, ihre Gemeinsamkeiten und Unterschiede wird nächste Woche erscheinen. (Aktualisiert am 14.3.)

Kein Bus mehr nach Hüttikon. Leser Guido Müller hat in einem Kommentar in diesem Blog die  vielen  Busse aufs Korn genommen, die fast leer durch die Schulstrasse und somit direkt vor seiner Nase  fahren. Geduld, Herr Müller! Ab Dezember stellen die Verkehrsbetriebe Glattal VBG den Betrieb ihrer Linie 491 zwischen Hüttikon und Würenlos (Raiffeisenbank) ein. Die VBG begründen dies mit der zu schwachen Nachfrage: Werktags wurden die 38 Kurse von durchschnittlich 0,89 Personen pro Kurs benützt, samstags waren es gar nur 0,86 Personen. In Würenlos fristeten die VBG-Busse ein Schattendasein, nicht einmal  eine Beschilderung bei den  Haltestellen Raiffeisenbank und Büntenstrasse hatte man in all den Jahren angebracht. Vielleicht bedauern es im nächsten Jahr doch einige, die Buslinie 491 nicht freudiger angenommen zu haben. Denn die S-Bahn fährt künftig zwischen Zürich und Regensdorf im 15-Minutentakt. Gäbe es den Bus von und nach Hüttikon dann noch, bestünde in Kombination der neuen  S 21 und Zusatzkursen des 491ers, die für die Morgen- und Abendspitze vorgesehen sind, auch zwischen Würenlos und Zürich HB ein Viertelstundentakt.

Ticketautomat sollte man sein

Wow, die haben’s gut. Bei jedem Wetter ein Plätzchen am Schärmen oder im Schatten und alle Jahre dank regelmässigen Tariferhöhungen mehr Geld im Sack. Ja, SBB-Billettautomat sollte man sein.

Offener Unterstand im Miniformat (mit Billettautomat).
Offener Unterstand im Miniformat (mit Billettautomat).

Vor einiger Zeit habe ich lobend über den zügig voran schreitenden Umbau des Bahnhofs Würenlos berichtet. Mit dem Resultat der Arbeiten darf man allerdings getrost weniger zufrieden sein. Darauf hat ein würenblicker-Leser, mit dem  geschärften Blick eines Planungskommissionsmitglieds, schon im Kommentar zu meinem ersten Beitrag hingewiesen.

Mich ärgert der fehlende Witterungsschutz auf dem Perron in Fahrtrichtung Zürich. Neu gebaut worden ist dort ein offener Unterstand in Hundehütteformat, in dem auch noch der Ticketautomat Platz finden musste. Hoffnungen, dass das alte Wartehäuschen zusätzlich bestehen bleibe, wie sie Hans Eppenberger hier geäussert hat, wurden enttäuscht. Das alte Wartehäuschen ist weg. Weil zudem die neuen Perronuhren auch Wochen nach Abzug der  Bauarbeiter stets nur 12.00 Uhr anzeigten, wandte ich mich mit zwei Fragen an die SBB-Pressestelle:

  1. Warum ist in der Hauptfahrrichtung Zürich nur gerade ein offener Personenunterstand mit minimalsten Ausmassen und erst noch am vorderen Perronende aufgestellt worden? In Fahrtrichtung Baden, wo das Passagieraufkommen etwa halb so gross sein dürfte, schützt dagegen ein etwa 20 Meter langes Dach die Wartenden.
  2. Warum sind die Bahnhofuhren auf beiden Perrons auch Wochen nach Abzug der Bauleute noch nicht in Betrieb?

Es vergingen keine 24 Stunden, und ich erhielt Antwort: Lea Meyer, Presseprecherin der SBB in Zürich, schrieb zur ersten Frage:

«Für die Ausstattung der Perronanlagen werden auf dem Netz der SBB einheitliche Grundsätze angewendet. Ein wichtiges Kriterium ist unter anderem die Anzahl der Reisenden, welche im Bahnhof Ein- und Aussteigen. Aus diesem Grund wird in Würenlos beim Gleis 2 ein überdachtes Kundencenter und beim Gleis 3 wie bisher eine Wartehalle platziert sein. Die bestehende Wartehalle beim Gleis 3 war in einem baulich sehr schlechten Zustand, weshalb sie ersetzt wurden musste. Dies erlaubte uns eine Neuplatzierung, welche aus unserer Sicht den Bedürfnissen der Kunden besser entsprechen sollte. Das Häuschen steht nun unmittelbar beim Rampenaufgang und näher beim Dorf als vorher. Es befindet sich im Haltebereich sämtlicher Züge in Würenlos. Eine vertauschte Platzierung (Kundencenter mit grosser Überdachung beim Gleis 3 und ein kleiner Unterstand beim Gleis 1) war aus Platzgründen leider nicht möglich. Eine geänderte Gleisbenützung der S-Bahn Züge ist aus betrieblichen Gründen zurzeit leider ebenfalls nicht möglich.»

Und zu den stillstehenden Uhren: «Eine Uhr ist in Betrieb. Bei der zweiten Uhr ist leider zurzeit ein Kabel beschädigt und muss repariert werden. Dies wird demnächst erledigt.»

Jetzt wissen wir’s also. SBB-Normen liessen nichts Kundenfreundlicheres zu. Wollen in der Hundehütte zwei, drei Reisende eine Fahrkarte lösen, hat gerade noch eine Handvoll Wartende Platz. Doch es ist Norm, die Kunden im Regen stehen zu lassen. Sollen die doch einen Schirm dabei haben. Nur – wohin mit dem Knirps, wenn man dann im Zug sitzt? Legt man ihn auf den noch freien Sitz nebenan, wird schon bald ein unschuldiges Opfer ein nasses Füdli haben, legt man ihn auf die Hutablage, wird man auch noch im Zug verschifft.

Schon beim nächsten Halt macht der Zürich-Reisende Waggonräder-grosse Augen. Beim  Bahnhof in Otelfingen hat es für eine grosszügige Perronüberdachung gereicht, obwohl das Passagieraufkommen nicht wahnsinnig viel grösser ist. Ob’s daran liegt, dass die Gemeinde Otelfingen seinerzeit eine Million Franken an den Bahnhofumbau bezahlt hat? Nun, dafür hätte Würenlos erstens momentan gar kein Geld gehabt und zweitens ja noch keine klare Vorstellung davon, wie die Umgebung unseres Bahnhofs in der Zukunft aussehen soll. Es wird seit Jahren geplant…

Ja, Billettautomat sollte man sein. Soeben lese ich im «Badener Tagblatt», dass sich einige RVBW-Fahrgäste sorgen, weil in unserem Ortsbus nun auch ein Ticketautomat installiert wird. Der Chauffeur soll vom Billettverkauf entlastet werden. Tatsächlich ist in Spitzenzeiten das Minibüsli, das wegen der engen Strassen und der Brücke offenbar kein grösseres sein darf, restlos überfüllt. Für einen Billettautomat scheint kein Raum zu sein. Aber eben: Für sie hat’s immer ein geschütztes Plätzchen.

Holidays on Ice

«Schade, dass Sie sich nicht zum reduzierten Winterdienst äussern. Damit will ja der Gemeinderat ca. 15 500 Fr. sparen, was bei einer Schuld von 20 Mio. Fr. nicht einmal einem Promille entspricht. Selbstverständlich bin auch ich der Meinung, dass Kleinvieh Mist macht, aber irgendwie habe ich den Eindruck, dass dem Gemeinderat der gesunde Menschenverstand fehlt.»

Dies hat mir vor einem Jahr ein jüngerer würenblicker-Leser geschrieben. Ich griff damals das Thema nicht auf. Selbst Petrus schien den Würenloser Sparappell  erhört zu haben. Den ganzen Winter 2013/14 über verirrte sich kaum ein Schneeflöcklein bis in unsere Höhenlage hinunter.

Doch in den letzten Tagen des Jahres machte Petrus den Würenlosern dann doch noch einen Strich durch die Milchmädchenrechnung. Dorf und Landschaft präsentierten sich  endlich wieder einmal im wunderschönsten Winterkleid, am Schlittelhang am Gipf herrschte fröhliches Treiben, und wenn sich zwischendurch gar mal die Sonne zeigte, fühlte man sich auf dem Feiertagsspaziergang wie in Arosa oder St. Moritz.

Doch plötzlich war auch wieder Schneeräumung angesagt. Die dafür für die meisten Strassen definierte Schneehöhe von 10 Zentimetern war mehr als erreicht. Voll zum Tragen kam vom Winterdienst-Sparkonzept also bloss noch die stark reduzierte Schwarzräumung mit Streusalz. Arschglatt waren viele Quartierstrassen und Fusswege und das während Tagen. Man merke sofort, ob man noch in Wettingen oder schon in Würenlos sei, sagte unser Postbote. Er rückt ja jeden Tag mit seinem Elektro-Dreirad von Wettingen her an und muss es wissen.

Anfang Dezember hatte die Gemeinde nochmals über ihr Winterdienst-Konzept informiert. «Gehwege, Fusswege, Treppen und die Bereiche der Bushaltestellen werden ebenfalls wie bis anhin in der gleichen Qualität unterhalten», steht da. Der Haken ist nur: Viele Quartierstrassen haben kein Trottoir.

Weisse Quartierstrassen, so schön sie tags und abends anzusehen sind, haben ihre Tücken. Bleibts kalt, wird ihre Fahrbahn im Nu glatt und glätter. Das Nachsehen haben nicht die Automobilisten. Die müssen einfach noch vorsichtiger fahren. Das Nachsehen haben all jene, die nicht rasch das Auto nehmen können oder wollen, um irgendwohin im Dorf zu gelangen. Das Unfallrisiko steigt für sie markant. Die Sturzgefahr ist gross, und auch die Gefahr angefahren zu werden steigt wegen des längeren Bremswegs. Schwere Tage etwa für Seniorinnen und Senioren. Viele von ihnen bewegen sich sonst täglich mit bewundernswerter Ausdauer zu Fuss durchs Dorf, oft mit dem Rollator oder anderen Gehhilfen. Sie hatten rund um den Jahreswechsel tagelang amtlich verordneten Hausarrest.

Der eingangs zitierte Leser hat natürlich Recht. Diese Sparmassnahme ist Verhältnisblödsinn und Budgetkosmetik in reinster Form. Und reine Augenwischerei obendrein. Denn wenn Petrus bestimmt, ob gespart werden kann oder nicht, dann kann man gerade so gut im Budget schon mal die Steuereinnahme aus einem Euro-Millions-Supergewinn eines Würenlosers einplanen. Fortuna wird’s schon richten – oder eben nicht.

Selbst wenn das Bauamt mit dem Sparkonzept letztlich weniger ausgeben muss, bleibt es allemal fraglich, ob die Allgemeinheit etwas spart. Schon wenn ein einziger älterer Mensch auf vereister Strasse seine Knochen bricht, kann uns dies rasch so viel kosten wie manche Tonne Streusalz. Wir erwarten keinen Winterdienst de luxe, aber wenn auf ergiebige Schneefälle längere Kälteperioden folgen, darf ein Winterdienst-Konzept, das in der warmen Amtsstube und von mehrheitlich auf vier Rädern im Dorf verkehrenden Leuten beschlossen wurde, nur bedingt Gültigkeit haben. Situatives Handeln und gesunder Menschenverstand sind dann gefragt.

Nicht vergessen: Wie soll es weiter gehen mit würenblicker? Wie wäre der Würenlos-Blog zu verbessern? Was macht er falsch? Das möchten wir gerne mit Ihnen, liebe Leserinnen und Lesern, diskutieren – für einmal nicht online, sondern von Angesicht zu Angesicht. würenblicker lädt Sie alle herzlich ein zu einem verspäteten Geburtstag-Apéro am Mittwoch, 14. Januar 2015. Zwischen 18 und 19.30 Uhr in der Steinhof-Bar «la cage aux folles».

 

 

Moschee oder Babyschoppen?

Offizielle Weihnachtsbeleuchtung Würenlos 2014-1Jetzt strahlt sie wieder von jeder Strassenlaterne herab in die Würenloser Gassen. Bloss, was ist das nur, dieses blaue Ding neben dem gelben Stern? Eine Moschee, eine Kerze oder sogar ein Milchschoppen, fragen mich meine Kinder alle Jahre wieder. Okay, ein Zeichen setzt die Beleuchtung alleweil, denn jetzt weiss ich definitiv, dass ich mich wirklich beeilen muss mit dem Aufhängen der hauseigenen Beleuchtung und dem Binden des Adventskranzes. Und die Kinder wissen, bald steht Weihnachten vor der Tür. Und noch besser, jetzt dürfen sie Tag für Tag ein Türchen im Adventskalender öffnen. Oh je, der ist ja auch noch nicht fertig…! Wie auch immer, eröffnet ist sie nun also offiziell, die besinnlich schöne Adventszeit.

Für mich könnte man die türkische Bazarbeleuchtung aber getrost wieder löschen. Zumindest solange, bis das Finanzamt unserer Gemeinde von den wegfallenden Stromkosten genug Geld für eine neue und etwas filigranere Variante der Weihnachtsbeleuchtung zusammengespart hat. Leider haben wir in Würenlos keine gutbetuchte Tina Turner, die dem reichen Küsnacht locker eine Weihnachtsbeleuchtung für eine Viertelmillion Franken geschenkt hat.

Eine heimeligere und weihnächtlichere Stimmung verbreitet der alljährliche Christchindlimärt.
Eine heimeligere und weihnächtlichere Stimmung verbreitet der alljährliche Christchindlimärt.

In diesem Sinne wünsche ich all unseren treuen Würenblicker-Lesern eine stimmungsvolle und besinnliche Vorweihnachtszeit.