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Raus aus dem Untergrund

Eine menschenwürdigere Unterkunft für «unsere» Flüchtlinge rückt in greifbare Nähe. Der kommenden Gemeindeversammlung wird ein Kredit für den Kauf und Umbau der alten Landi an der Ecke Land-/Bahnhofstrasse unterbreitet. Der Gemeinderat will das Gebäude als neue Unterkunft für die Asylsuchenden nutzen und die ungeheizten Lagerräume Gewerbetreibenden zur Verfügung stellen.

Die alte Landi soll die neue Bleibe für die Würenloser Flüchtlinge werden.

Vor drei Jahren, Ende November 2016, bezogen die ersten Asylbewerber die unterirdische Zivilschutzanlage Wiemel. Seither hausen hier stets 26 oder 27 jungen Männer aus ganz verschiedenen Herkunftsländern, viele von ihnen tun dies von Beginn weg. 1000 Nächte im Massenlager, ohne Tageslicht, ohne Privatsphäre. Zur Gemeinschaft gezwungen mit Schicksalsgenossen aus anderen Ecken der Welt, mit denen man sich oft nur notdürftig verständigen kann. würenblicker hat mehrfach (hier und hier) hier darauf hingewiesen, dass die Zivilschutzanlage auf Dauer keine Lösung sein kann.

Unterirdische Anlagen gelten unter Fachleuten als schlechteste aller Möglichkeiten. Mit dem Bezug der Unterkunft im Wiemel waren Probleme vorprogrammiert. Sie liessen nicht auf sich warten – auch wenn unsere Bevölkerung davon wenig mitbekam. Befürchtungen im Vorfeld, die Sicherheit im Dorf werde durch die Asylsuchenden gefährdet, erwiesen sich als unbegründet. Doch unten in der Unterkunft sah es weniger gemütlich aus: Ausraster einzelner Bewohner, die auch mal blutig endeten, sinnlose Zerstörungen des Mobiliars, Klauereien, Alkoholexzesse – Leidtragende waren jene Bewohner, die sich an die Regeln hielten. Nun ergibt sich mit dem Landi-Gebäude endlich die Chance die Migranten besser unterzubringen und so jene Probleme zu lösen, die durch die bisherige Unterbringung verschärft oder gar verursacht wurden. Wegen Landi-internen Abläufen kann der Kauf erst im Frühjahr 2020 über die Bühne gehen, bis dahin will der Gemeinderat offenbar die Liegenschaft mieten, um einen raschen Unterkunftswechsel zu ermöglichen.

Doch der Kauf der Landi-Liegenschaft erfolgt nicht wegen der Asylsuchenden. Der Gemeinderat will das Landi-Haus primär aus strategischen Überlegungen erwerben. Das 1928 erstellte Gebäude nehme im heutigen Strassenbild eine wichtige Stellung ein, schreibt er im Traktandenbericht. Es sei wichtig, dass die Gemeinde grösstmöglichen Einfluss darauf nehmen könne, wie dieser «Eingangsbereich» zum Dorfzentrum und zum Bahnhofsbereich aussieht. Man muss kein Prophet sein, um vorauszusehen, dass dieser «Eingangsbereich» in 20, 30 Jahren ein grundlegend anderes Gesicht haben wird. Doch bis dann ist die Unterbringung der Asylanten sowie die Vermietung der Lagerräume ans Gewerbe eine sinnvolle Zwischennutzung.

Zwei bestehende kleinere Wohnungen im Haus wären bestimmt für Asylsuchende mit geregelter Tagesstruktur (Schule, Berufslehre, Arbeitsstelle). Ja, solche  gibt es! Sie  haben den widerwärtigen Wohnverhältnissen getrotzt und die Chance gepackt, die ihnen unser Land bietet. Der zweijährige Integrationskurs an der kantonalen Schule für Berufsbildung in Baden oder Aarau ist ein gutes Angebot und öffnete einigen «unserer» Migranten Türen.

Täuscht der Eindruck aus der jüngsten Info-Veranstaltung des Gemeinderates nicht, so hat eine besserer Wohnsituation für solche Flüchtlinge in der Bevölkerung breiten Rückhalt. Kritischer gesehen wird die Unterbringung der«Wiemel-Sorgenkinder» im Landi-Gebäude. Es ist aber richtig, dass der Gemeinderat die Asylunterkunft im Wiemel ganz aufgeben will. Damit ist auch eine Hoffnung verbunden: Nämlich die, dass Würenlos künftig unproblematischere Flüchtlinge zugewiesen werden. Es mache den Eindruck, dass «Aarau» wegen der schlechten Unterkunft gerne solche Asylsuchende nach Würenlos geschickt habe, die andernorts untragbar geworden seien, sagte Gemeindeammann Toni Möckel an der Info-Veranstaltung. Die  Freiwilligengruppe, die sich im Rahmen ihrer beschränkten Möglichkeiten um die Wiemel-Bewohner kümmert, teilt diese Einschätzung. Sie hat im Falle eines besonders problematischen Bewohners auch schon bei dem für die Zuteilung der Asylsuchenden zuständigen Leiter des kantonalen Sozialdienstes interveniert.

Für die meisten Asylsuchenden sollen die bisherigen Landi-Verkaufsräume als Logis hergerichtet werden – zweckmässig, aber keinesfalls besonders komfortabel. Laut Möckel erwägt man, auch Asylsuchende für einfache Arbeiten zu beschäftigen. 250 000 Franken sind für den Ausbau budgetiert. Vergleichbare andere Gemeinden investieren wesentlich mehr in ihre Asylunterkünfte. So hat Fislisbach für seine 24 Flüchtlinge soeben neue Pavillons erstellen lassen. Kostenpunkt: Eine halbe Million Franken

«Unsere» Migranten sind vorläufig Aufgenommene. Asyl haben sie nicht erhalten, aber ein vorläufiges Aufenthaltsrecht. Wegen der Situation in ihren Herkunftsländern ist ihnen eine Rückkehr vorderhand – in der Praxis heisst das oft auf Dauer – nicht zuzumuten oder eine Rückschaffung ist nicht möglich. Sie dürfen hier arbeiten. Wenn dank des neuen Logis nur einigen mehr von ihnen der Einstieg ins Arbeitsleben gelingt, sind die Ausbaukosten gut investiert. Denn die Kostenuhr tickt: Für die Lebenskosten der meisten Flüchtlinge wird schon in drei, vier Jahren nicht mehr der Bund, sondern die Gemeinde aufkommen müssen. Jeder Flüchtling der dann ganz oder teilweise für seinen Lebensunterhalt selber aufkommt, entlastet unser Sozialhilfe-Budget um Tausende von Franken jährlich.

Auch Asylsuchende gärtnern im Garten jEden

Am Würenloser Früeligsmärt sind die Hochbeete der Aktion Garten jEden bepflanzt worden. Die Aktion wird nun schon zum zweiten Mal von der Jugendarbeit der Region in diversen Gemeinden durchgeführt. Unter den Würenloserinnen und Würenlosern, welche Hochbeete in unserer Gemeinde betreuen, sind neu auch Bewohner der Asylunterkunft Wiemel. Unter fachkundiger Anleitung von Gärtnermeister Thomas Hotz waren zwei der jungen Männer am Früeligsmärt fleissig am Werk. Sie bepflanzten nicht nur jene zwei Beete, die noch gleichentags vor der Asylunterkunft am Rande des Schwimmbadparkplatzes aufgestellt wurden,sondern auch gleich noch das Hochbeet der Kochschule.

Unter der Obhut der Asylsuchenden gedeihen die gepflanzten Gemüse, Salate und Erdbeeren prächtig. Dereinst dürfen sie gemäss den Zielen der Aktion Garten jEden auch von Passanten geerntet werden. Zudem sollen sie den Speiseplan der jungen Männer bereichern, von denen die meisten nun schon anderthalb Jahre in der unterirdischen Zivilschutzanlage leben. Diejenigen unter ihnen, die in Sprachkursen und schulischen Integrationsprogrammen teilweise erstaunlich rasch Deutsch gelernt haben, freuen sich über Kontakte mit der Bevölkerung, wagen es aber oft nicht, den ersten Schritt zu tun.

Asylsuchende aus dem Würenloser „Untergrund“ werden sich der Würenloser Bevölkerung in den kommenden Monaten noch einige Male in Erinnerung rufen. So etwa als freiwillige Helfer am bevorstehenden Kreisturnfest und an der 1- August-Feier. Im September dann werden Würenloserinnen und Würenloser eingeladen sein, gemeinsam mit Asylsuchenden im Gmeindschäller einen feinen Znacht zu kochen und zu geniessen.

(Dieser Text erschien in etwas kürzerer Form bereits in der „Limmatwelle“).

Keine Weihnachtsgeschichte

Alles andere als eine Luxusbleibe: Schlafraum in der Zivilschutzanlage Wiemel vor dem Einzug der Flüchtlinge.
Just im Advent lieferte Würenlos Schlagzeilen. Eine ziemlich unweihnächtliche Geschichte, welche diese Woche Radio DRS und die AZ-Medien erzählt haben.
Die Firma abs AG aus Pratteln (BL), welche die Flüchtlingsunterkunft in der Zivilschutzanlage Wiemel im Auftrag der Gemeinde betreibt, verlange von einem 25-jährigen dort untergebrachten Afghanen 550 Franken Miete pro Monat – rund die Hälfte dessen, was der Flüchtling mit einem 30%-Job bei der Ikea verdient. Und das für ein Bett in einem unterirdischen Massenlager.

«Wucher, da gibt es nichts zu diskutieren» lässt sich Patrizia Bertschi, die Präsidentin des Vereins Netzwerk Asyl Aargau und frühere SP-Grossrätin aus Ennetbaden, von den Medien zitieren. In solchen Fällen seien Mieten um die 300 Franken normal.

Im SRF-Regionaljournal Aargau/Solothurn liess die Gemeinde Würenlos verlauten, man wolle die Flüchtlinge gut betreuen, für die kritisierte Miete sei aber die Firma abs zuständig. Mit deren Arbeit sei man bisher gut gefahren. Probleme mit den Flüchtlingen habe es im Dorf nicht gegeben. Waren es vor einem Jahr noch deren 19, so sind es mittlerweile 23 junge Männer aus Eritrea, Afghanistan, Somalia, Syrien, Sudan und Sri Lanka.

abs-Sprecher Hans Klaus rechtfertigte gegenüber Radio DRS den Mietzins damit, dass der Afghane vorläufig aufgenommen sei und arbeite, weshalb er eben «eine Art Marktmiete» bezahlen müsse. Überdies könne er dafür nicht nur einen Schlafplatz, benützen, sondern auch Gemeinschaftsräume, Toiletten und Duschen. Und er erhalte «ab und zu» Betreuung durch den zuständigen abs-Mitarbeiter. Dieser ist von Montag bis Freitag jeweils rund drei Stunden vor Ort.

Was steht jedem Flüchtling nebst dem Schlafplatz (in einem von zwei Schlafsälen) sonst noch zur Verfügung? Die Küche mit mehreren Kochstellen und einer Spüle, ein grosser Ess- und Aufenthaltsraum, eine Fernsehecke, ein abschliessbares Schrankfach, sowie je ein PC und eine Waschmaschine zur gemeinsamen Benützung. Sogar Tageslicht hats im kleinen Aufenthaltsraum, den die Gemeinde auf dem Schwimmbadparkplatz aus zwei Baucontainern errichten liess. Darin steht nebst anderem ein Töggelikasten. – Ziemlich dreist, für all das eine Miete von 550 Franken als „eine Art Marktmiete“ zu bezeichnen.

Die Firma abs ist seit 2014 eine Tochterfirma der gewinnorientierten ORS-Gruppe, dem grössten Player im Geschäft mit der Flüchtlingsbetreuung. Die Firma ist wegen ihrem Geschäftsgebaren schon früher in Kritik geraten, so 2012 im Baselbiet. Die Recherchen der Journalisten zeigten im Fall Würenlos rasch Wirkung. Am Schluss des Beitrags im Radio-Regionaljournal wurde vermeldet, der Mietzins sei dem Afghanen nun auf die Hälfte reduziert worden.

Gleichwohl wirft die Geschichte Fragen auf. Namentlich solche zum Vertrag, den die Gemeinde mit der abs AG abgeschlossen hat. Wie wird die Firma eigentlich entschädigt? Ist es vertretbar, dass sie und nicht die Gemeinde den Mietzins für arbeitende Bewohner festlegt? Und kann sie dieses Geld womöglich gar einbehalten und so ihren Gewinn steigern?

Der Betrieb einer unterirdischen Unterkunft mit so vielen Bewohnern unterschiedlichster Herkunft ist anspruchsvoll. Es war zweifellos richtig, dass die Gemeinde diese Führung einer erfahrenen Organisation übertrug, als sie Ende letzten Jahres blitzartig Asylbewerber aufnehmen musste und sie nur in der Zivilschutzanlage unterbringen konnte. Aber die Auftragsvergabe ist das eine, die Kontrolle des Beauftragten das andere. Wenn ein übersetzter Mietzins verlangt worden ist, haben die Gemeindebehörden der Firma zu wenig auf die Finger geschaut.

Ich gehöre einer kleinen Gruppe von Würenloserinnen und Würenlosern an, die sich jeden Sonntagnachmittag mit jenen Bewohnern der Zivilschutzanlage trifft, die Kontakt mit Schweizern suchen und ihre Deutschkenntnisse im lockeren Gespräch verbessern wollen. Ein bisschen Einblick in ihre Lebensverhältnisse gewinnen wir dabei schon. Auch uns haben sich Fragen zum Betrieb der Asylunterkunft gestellt, diese haben wir aber bisher im Direktkontakt mit der Gemeinde und der Firma abs zu klären versucht.

Die unterirdische Unterbringung von Menschen darf kein Dauerzustand sein. Die meisten Wiemel-Bewohner werden unsere Gemeinde nicht so bald verlassen. Und ebenso wenig werden die meisten von ihnen in absehbarer Zeit wirtschaftlich auf eigenen Füssen stehen. Sieben Jahre lang nach der Einreise zahlt der Bund die Sozialhilfe für vorläufig Aufgenommene, dann muss die Gemeinde dafür aufkommen. Das kann ins dicke Tuch gehen, wenn bis dahin nicht wenigstens ein Teil der jungen Männer ins Arbeitsleben integriert werden kann.

Damit dies gelingt, genügt es nicht, diesen Menschen nur das nackte Überleben zu sichern. Sie müssen fürs Arbeitsleben fit gemacht werden. Zum Beispiel mit Beschäftigungsprogrammen. Doch der Kanton Aargau, und das sagen sogar abs-Mitarbeiter, gehört zu den Kantonen, wo es Flüchtlinge extrem schwer haben, in einem solchen unterzukommen. Auch die Wohnverhältnisse beeinflussen die Integrationsfähigkeit. Im ureigensten Interesse sollte Würenlos darum eine Ersatzlösung für die Zivilschutzanlage suchen.

(Hören Sie hier die beiden SRF-Sendungen „Regional diagonal“ und „Regionaljournal AG/SO“ vom 12.12. Der erste Bericht über Würenlos startet nach 3 Min.)

Keine Insel mehr im Flüchtlingsstrom

Würenlos steht vor einer Herausforderung. Der Kanton will unserer Gemeinde ab 2. November bis zu 22 zusätzliche Asylsuchende zuweisen. Untergebracht werden sie in der unterirdischen Zivilschutzanlage Wiemel beim Feuerwehrmagazin. Eine Informationsveranstaltung für die Anwohner und die ganze Bevölkerung stiess auf  grosses Interesse und verlief erfreulich ruhig.

Alles andere als eine Luxusbleibe: Schlafraum in der Zivilschutzanlage Wiemel.
Alles andere als eine Luxusbleibe: Schlafraum in der Zivilschutzanlage Wiemel.

Es musste schnell gehen: Am 27. September beschied der Kanton unserer Gemeinde, dass sie ab 2. November bis  zu 22  Asylsuchende aufnehmen muss.  Bisher lebten gerade mal deren 4 in der Gemeinde. Unverzüglich hat der Gemeinderat abgeklärt, wo so viele Menschen untergebracht werden können. Kurzfristig bot sich laut Sozialvorsteher und Vizeammann Toni Möckel  einzig  die Zivilschutzanlage an. Die Anwohner im Büntenquartier hat man  am 4. Oktober mit einem Brief informiert, die übrige Bevölkerung zwei Tage darauf mit einer Mitteilung in der «Limmatwelle». Und nun also noch die Veranstaltung vor Ort, an der sich schätzungsweise 80 Personen näher informieren liessen.

Würenlos wird künftig  keine Insel im Flüchtlingsstrom mehr sein. Dabei hatte man auf der sicheren Seite gewähnt – dank einer Vereinbarung, die Würenlos und weitere Regionsgemeinden 2015 mit Neuenhof abgeschlossen hatten. Da Neuenhof weit mehr Asylsuchende beherbergt, als es gemäss kantonalem Verteilschlüssel aufnehmen müsste, hofften die Vertragspartner, so auf eigene Unterkünfte verzichten zu können. Der Kanton vertritt nun aber die Auffassung, Würenlos und drei weitere Gemeinden könnten sich mit diesem Vertrag nicht von der Aufnahmepflicht befreien. Eine Beschwerde gegen die Verfügung aus Aarau, wie sie der Gemeinderat offenbar erwägt, hat keine aufschiebende Wirkung. Die 22 Plätze müssen bis 2. November bereitgestellt werden. Ausser, man würde sich freikaufen, ganz nach dem schlechten Vorbild der Gemeinde Oberwil-Lieli unter ihrem SVP-Gemeindeammann, dem Scharfmacher Andreas Glarner,

Die Bezahlung einer Ersatzabgabe  kommt für unseren Gemeinderat löblicherweise nicht in Frage. Man will sich solidarisch zeigen mit allen anderen Gemeinden, die auch Asylsuchende aufnehmen, . Eine solche Ersatzabgabe ginge finanziell überdies ins dicke Tuch. Würenlos müsste 883 300 Franken pro Jahr bezahlen. Die Aufnahme der Leute mit Unterbringung in der Zivilschutzanlage wird laut  Toni Möckel einen Bruchteil davon kosten. Vorläufig gehe man von jährlichen Kosten um die 120 000 Franken aus.

Soeben gab der Kanton bekannt, dass nach Würenlos ausschliesslich männliche Asylsuchende kommen werden. Aus welchen Ländern sie stammen werden, steht noch nicht fest. Und  am 2. November werden wohl nicht gleich 22 im Wiemel einziehen. Ausschliesslich Männer sind es wohl auch darum, weil für Familien, die als weniger problematisch gelten, unterirdische Unterkünfte denkbar ungeeignet sind. Jeder Schweizer, der im Militärdienst schon mal das Vergnügen hatte, eine Woche oder zwei in einer unterirdischen Zivilschutzanlage zu hausen, weiss: Auch für Männer ist das kein Schleck, erst recht, wenn sie viele Monate darin zubringen müssen.

Darum will der Gemeinderat die Asylsuchenden nicht einfach sich selbst überlassen, Eine professionelle und erfahrene Betreuungsperson  soll die Unterkunft leiten. Und allenfalls werden sich  für gewisse Betreuungsaufgaben auch Freiwillige aus dem Dorf finden. Auch Sport- und andere Vereine könnten um Mithilfe gebeten werden, so ein Vorschlag aus dem Publikum.

Die  unterirdische Wohnsituation entschärfen will der Gemeinderat mit einem oberirdischen Aufenthaltsraum aus Bürocontainern samt abgegrenztem Umgelände auf dem hintersten Teil des Schwimmbad-Parkplatzes  (das Baugesuch soll noch in diesem Monat ausgeschrieben werden). Für die Asylunterkunft wird nur ein Teil der Zivilschutzanlage benötigt. Kleinere bauliche Anpassungen sind geplant im Duschraum, wo es künftig auch Warmwasser geben soll, sowie in der Küche, wo die Asylsuchenden auf Rechauds selber kochen werden. Einkaufen (jeder erhält rund 8 Franken pro Tag für den täglichen Bedarf)., Kochen, Waschen und Reinigen der Unterkunft sind willkommene Beschäftigungen für Asylsuchende, die noch keiner bezahlten Arbeit nachgehen dürfen. Den Leuten eine Tagesstruktur zu geben, wird wichtig sein. So sinkt das Risiko, dass sie auf Langeweile einfach irgendwo «herumhängen».

Aus dem Kreis der Bevölkerung wurden am Informationsabend zahlreiche kritische oder skeptische Fragen gestellt.  Wird die Gemeinde mit dieser Aufgabe nicht überfordert sein? Gibt es einen Sicherheitsdienst oder zumindest häufigere Polizeipatrouillen?Werden sich Frauen im Dorf noch unbehelligt bewegen können?  An wen wird man sich bei Problemen wenden können? Da offenbarten sich Ängste, wie sie praktisch immer zum Ausdruck kommen, wenn irgendwo eine Asylunterkunft entstehen soll. Und glücklicherweise erweisen sie sich in den meisten Fällen als unbegründet oder übertrieben.

Während die baulichen Fragen  schon geklärt seien, müssten für viele betriebliche Fragen Lösungen erst erarbeitet werden.  Klar sei aber, sagte Toni Möckel, dass vor Inbetriebnahme klare Regeln aufgestellt sein müssten, an die sich die Asylsuchenden zu halten hätten (z.B. wann sie sich abends in der Unterkunft einzufinden haben).

Möckel warnte aber auch zu Recht davor, hinter jedem der Asylsuchenden einen Kriminellen oder gar Terroristen zu sehen. Und Susanne Voser, Gemeindeammann in Neuenhof, versicherte,  man beherberge in ihrer Gemeinde über 100 Asylsuchende und das ohne grössere Probleme,  – Es ist wahrscheinlich schon so, wie auch einige Stimmen aus dem Publikum meinten: Je offener wir diesen Menschen begegnen, desto wohlwollender werden auch sie uns gegenüber treten. Es soll nichts schön geredet werden. Die kulturellen Unterschiede zwischen uns und den meisten dieser Asylsuchenden sind gross, Missverständnisse  und wohl auch Enttäuschungen im Zusammenleben werden unvermeidlich sein. Wir haben diese Menschen nicht gerufen. Doch die meisten befinden sich – was immer auch ihr Fluchtgrund gewesen sein mag – in einer prekären,  belastenden Situation.

Der ruhige Verlauf der Informationsveranstaltung lässt hoffen, dass das Verständnis dafür in unserer Bevölkerung vorhanden ist.Und so bin ich zuversichtlich, dass es Würenlos gelingen wird, was vielen anderen Gemeinden schon gelungen ist: Diese Herausforderung  mit Anstand und Menschlichkeit zu meistern.