Alle Beiträge von Peter Früh

Die Würenloserinnen und Würenloser des Jahres 2013

Etwas Versöhnliches zum Jahresausklang! In dieser total subjektiven Auswahl werden weder Extremsportler nochr Politstars geehrt, weder Wirtschafts- noch Geistesgrössen. Sondern Menschen wie Du und ich, deren Beitrag ans Dorfleben aber nicht hoch genug einzuschätzen ist. Ausschliesslich Gruppen sind es; zusammen gehts  leichter und machts mehr Spass! Als Preis gibt es weder einen vergoldeten Doppelzwiebelturm noch eine Gedenktafel am höchsten Punkt der Gemeinde im Gmeumeriwald. Eine einfache Erwähnung muss genügen – und  vielleicht kommt ja gelegentlich noch ein anerkennendes Wort von Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser hinzu?

Tusch…  hier sind sie, die Besten von 2013:

1. Die Organisatorinnen des Chrischtchindli-Märts: Brigitte Markwalder, Margrit Wieser und Karin Egloff (löste nach der Premiere 2011 Hans Strässle im OK ab). Weil sie mit viel Herzblut einen Adventsanlass geschaffen haben, den schon nach der dritten Austragung niemand mehr missen möchte. Dieses Jahr war der Märt noch grösser und mit der Krippenausstellung um eine Attraktion reicher. Wiederum sind sich ungezählte Würenloserinnen und Würenloser begegnet und fühlten sich wohl. Hoch anzurechnen ist dem OK auch, dass es das Juwel Zentrumsscheune samt Umgebung jeweils für kurze Zeit aus dem Dornröschenschlaf weckt. Dieser Ort taugt definitiv zu mehr als zur Abstellkammer.

2. Stellvertretend für die über 140 Frauen, Kinder und Männer, die am Freilichtspiel «Die Teufelsuhr» im Mittleren Steinbruch mitgearbeitet haben: Beatrix Lorenzana, Sigi Zihlmann und Urs Gebistorf (Vorstand TheaterGemeinschaft Würenlos), Silvia Riolo und Antonio Mestre (musikalische Leitung), Dodo Riolo (Regieassistenz/Inspizient), Albert Freuler (Hauptdarsteller). Sie haben gegen anfänglich grosse Skepsis und Zurückhaltung in der Bevölkerung bewiesen, dass sich mit Leidenschaft und Engagement Grosses zum Erfolg bringen lässt. Auch wenn die Zeiten längst vorbei sind, in denen ein Ereignis wie «Die Teufelsuhr»  das ganze Dorf ins Premierenfieber versetzte.

3. Die Schülerinnen und Schüler der 3. Sek b (Klassenlehrer Patrick Tanner), die zehn Tage nach dem verheerenden Taifun Haiyan auf den Philippinen übers Wochenende zu Hause Kuchen und andere Leckereien gebacken und am folgenden Montag vor dem Coop zugunsten der Katastrophenopfer verkauft haben. Mit ihrer Aktion und Solidarität hat die Schulklasse bewiesen, dass ihre Generation gewillt ist, ihren Beitrag an eine Gesellschaft mit menschlichem Gesicht zu leisten und Verantwortung zu übernehmen.

4. Die reformierte Kirchenpflege, hier repräsentiert durch Bernhard Meyer (Präsident) und Markus Hugi (Ressort Liegenschaften). Ziekstrebig hat sie die Lösung eines lange schwelendes Liegenschaftenproblems gefunden, von der nun das ganze Dorf profitiert. Drei Fliegen auf einen Streich sozusagen: 1. dient das alte Pfarrhaus – an die Gemeinde vermietet – nun der Schule und dem Kindergarten. 2. ist das in erstaunlich kurzer Zeit realisierte neue Kirchgemeindehaus ein Beispiel dafür, wie sich moderne Architektur gut ins Ortsbild einfügen lässt. Und 3. ist es schön, dass es Kirchgemeinden gibt, die verantwortungs- und qualitätsbewusst mit der ihr anvertrauten Bausubstanz umgehen – keine Selbstverständlichkeit!

Wunschzettel fürs Gemeindehaus-Christkindli

würenblicker wünscht frohe Weihnachten! Er kann es aber nicht lassen, seinen Schnabel doch noch kurz aufzureissen wegen einer politischen Aktualität.

Die SVP ergreift also laut «Aargauer Zeitung» das Referendum gegen den Kredit für die Sanierung und Erweiterung des Kindergartens Buech I. Das finde ich konsequent. Bei einem Nein an der Urne fehlen 770 000 Franken weniger in der Gemeindekasse. Und wir  wollen ja sparen. Noch etwas mehr Geld hätte die abgelehnte Steuererhöhung eingebracht. All die, welche die Kindergartensanierung für dringend nötig halten und jetzt ein Nein an der Urne befürchten, hätten halt beherzter für eine Steuererhöhung eintreten sollen. Hätte nämlich die Gemeindeversammlung die Steuern erhöht, so hätte die SVP vermutlich dagegen und nicht gegen den Kindergarten das Referendum ergriffen. Und im Buech hätten schon bald die Bauleute einfahren können. Nun wird’s wohl etwas später – wenn überhaupt.

Doch lassen wir das. Es leuchtet und blinkt allenthalben aus Gärten und Schaufenstern. Es weihnachtet sehr. Kinder legen ihre Wunschzettel fürs Christchindli vors Fenster, und würenblicker tut’s ihnen gleich. Er veröffentlicht Ihre Wünsche an den Gemeinderat und die Gemeindeverwaltung. So gehts: Schreiben Sie den Wunsch einfach als Kommentar zu diesem Artikel (am Ende dieses Textes  «Kommentar schreiben/lesen» anklicken und Formular ausfüllen).

Aber Vorsicht! Würenlos will sparen. Ihr Wunsch darf darum nichts kosten. Wünschen Sie sich also weder Alterszentrum noch Sportplatz. Gefragt sind Wünsche, die allein mit gutem Willen erfüllbar sind. Vieles liesse sich verbessern, wenn die Verantwortlichen nur daran denken – oder eben vom Christchindli daran erinnert würden.

Erstes Beispiel: Die wenigen offiziellen Anschlagstellen, wo Ortsvereine für ihre Veranstaltungen werben dürfen, sind oft zugekleistert mit Plakaten für auswärtige Events. Was aber haben die Party in Wallisellen oder die Esotherik-Messe in Frauenfeld da zu suchen? Rein gar nichts – auch wenn die Plakate hochoffiziell einen Stempel der Regionalpolizei oder der Einwohnerkontrolle tragen. Also, liebes Christkind, sorge dafür, dass der Stempel schön in der Pultschublade bleibt, wenn die Profitrupps mit ihren Plakaten für auswärtige Kommerz-Anlässe anrücken!

Zweites Beispiel: Warum erfahren die Würenloser aus einem Interview der «Limmatwelle» mit dem Chef der Regionalpolizei, dass der Polizeiposten im Dorf geschlossen wird? Liebes Christchind, mach doch, dass der Gemeinderat nicht immer wieder mit Informationen – auch möglicherweise unangenehmen –  so lange hinterm Berg hält, bis ihm andere die Kohlen aus dem Feuer holen!

Nachtrag vom 26.12.: Vor und über Weihnachten sind bloss wenige Wünsche ans Christkindli eingegangen. Entweder sind also die Würenloserinnen und Würenloser wunschlos glücklich. Oder es ist doch nicht so einfach, einen Verbesserungsvorschlag zu machen, der nichts kostet. Oder – höchst unwahrscheinlich – die Leute hatten über die Festtage keine Zeit, würenblicker.ch zu lesen.

Freie Fahrt für den Würenloser Schulden-Express

Es ist das herbe Schicksal so manchen Spitzenportlers: zu erleben, wie der eben errungene Rekord bald schon von einem Mitkonkurrenten pulverisiert wird. Dieses Schicksal wenigstens bleibt Würenlos erspart. Den Rekord, die am höchsten verschuldete Gemeinde im Bezirk Baden zu sein, wird ihr nicht so bald eine andere Gemeinde streitig machen.

Die Gemeindeversammlung vom Donnerstagabend hat beschlossen, den Steuerfuss auf der bisherigen Höhe von 104 Prozent zu belassen. Streichungen am Budget hat die Versammlung aber nicht vorgenommen. Nicht erreicht wird so das Hauptziel, das den Gemeinderat bei der Ausarbeitung des Budgets geleitet hat – die Schuldenobergrenze von 22,3 Millionen.  Wenn keine Wunder passieren, werden die Schulden weiter wachsen, von einem Schuldenabbau wird noch während Jahren keine Rede sein können.

Da wird an einem fort über die missliche Finanzlage gejammert und dann das. Alle drei realexistierenden Ortsparteien lehnen die Steuerfusserhöhung ab. Es sei noch zu früh dafür, sagte SVP-Präsident Thomas Zollinger. Was nun? Ist die Verschuldung bedrohlich oder halt doch nicht so schlimm? Schuldenabbau oder wenigstens -stabilisierung wäre nur dann möglich, wenn ab sofort konsequent und drastisch gespart würde. Aber ob dazu der Wille vorhanden ist?  In Würenlos herrscht weiterhin das Prinzip des Betens und Hoffens – man wird den Bären schon waschen können, ohne den Pelz nass zu machen.

Schon die erstbeste Gelegenheit zum Sparen wurde jedenfalls gründlich verpasst. Die Versammlung bewilligte mit deutlichem Mehr einen Kredit von 770 000 Franken für die Sanierung und die Erweiterung des Kindergarten Buech I. Die Finanzkommission hat nach der verweigerten Steuerfusserhöhung folgerichtig Ablehnung der Kindergartenvorlage verlangt. Und anders als die arg lavierenden übrigen zwei Ortsparteien verlangte die SVP wenigstens, aber erfolglos Rückweisung der Vorlage.

Klar, dieses Kindergartenprojekt gerade jetzt zu realisieren, dafür gibt es viele gute Gründe. Aber eine Katastrophe wäre es auch nicht gewesen, hätte man noch ein paar Jahre mit dem bisherigen Gebäude kutschieren müssen. Wirkungsvolles Sparen ist kein Spaziergang. Die Grenze zu ziehen zwischen dem absolut Notwendigen und dem nur Wünschbaren ist oft verdammt schwierig.

Mir fehlt bis zum Beweis des Gegenteils der Glaube, dass die nun von allen Seiten – und  angesichts der verweigerten Mehreinnahmen auch zu Recht – geforderten Sparvorschläge dereinst in notwendigem Umfang umgesetzt werden. Es wird ähnlich laufen wie beim Buech-Chindsgi. Immer wird es viele gute Gründe geben, warum gerade da der Rotstift nicht angesetzt werden soll.

Dem grossen Wort vom Sparen folgen in der Realität  meist nur kleine Taten. Budgetdebatten umweht stets ein Hauch  der Unehrlichkeit. Sinnig, dass die Gemeindeversammlung einen Tag vor dem 6. Dezember stattfand. Haben wir seinerzeit nicht auch dem Samichlaus Besserung in vielen Dingen versprochen und wir würden dem Mami fortan helfen beim Abwaschen – und haben dann doch lieber Fussball gespielt?

Die nächste Stunde der Wahrheit schlägt  an der Gemeindeversammlung im Juni. Die Stimmbürger haben nämlich auf Vorschlag der CVP hin den Gemeinderat beauftragt, bis dahin Vorschläge zu unterbreiten, wie 300 000 Franken eingespart werden können. Toll, mutig, gegenseitiges Schulterklopfen! Nur – solche Hauruckaufträge taugen wenig. Sie laden geradezu ein zu weiteren eher peinlichen Alibiübungen wie dem gestrichenen Altersausflug. Oder zu kleinen durchaus legalen Budgettrickli.

Immerhin, etwas Hoffnung bleibt. Die Finanzkommission forderte zur Gesamtsanierung der Finanzen eine Strategie für Würenlos – eine Gesamtschau, was die Gemeinde in Zukunft sein und ihren Bewohnern bieten will und was nicht. Der Gemeinderat nahm den Auftrag entgegen, bis zur Sommergmeind aufzuzeigen, wie dieses Projekt aufgegleist werden soll. Vielleicht weiss Würenlos so tatsächlich irgendwann, was es eigentlich will und wie es seine Zukunft zu finanzieren gedenkt.

Umherirren in finanzieller Finsternis

Die Party ist vorbei, jetzt muss der Gürtel enger geschnallt werden – so der häufige Tenor auf die gegenwärtige Finanzmisere in Würenlos. Aber hallo! Wo fand hier eine Party statt, habe ich vielleicht etwas verpasst? Lebe ich etwa in einer Gemeinde, die das Geld korbweise aus dem Fenster geworfen hat?

Auch ich kann Ausgaben aufzählen, die ich überflüssig fand, den Kreisel Steinbruch etwa. Und in den Sand gesetzt haben wir auch viele Franken mit allerlei Planungen, wobei ich Planungen an sich durchaus okay finde. Nur sollte man dann halt auch den Mut und den Willen haben, das Geplante umzusetzen und es nicht beim erstbesten Gegenwindchen über den Haufen werfen.

Wir hätten uns halt viel zu viel geleistet, hört man. Ja, was denn? Ein schönes Alterszentrum? Grossartige Fussballplätze? Einen zweckmässigen Werkhof? Ein Dorfzentrum, das eher zum Verweilen als zum Parkieren und Durchfahren einlädt? Eine öffentliche Bibliothek gar? Fehlanzeige über Fehlanzeige! Wir leisten uns bestenfalls eine Infrastruktur, die für Gemeinden dieser Grösse schlicht Standard ist. Luxus sieht anders aus. Die Party wird anderswo gefeiert.

Luxusausgaben und Leerläufe waren es wohl kaum, die uns in die finanzielle Finsternis geführt haben. Der absolut grösste Schuldentreiber ist doch das ausser Rand und Band geratene Wachstum, verbunden mit dem entstandenen Bevölkerungsmix. In nur 10 Jahren wuchs Würenlos um rund 1000 Menschen oder ein Fünftel. Das ist 1,5 mal Hüttikon. Wir sind sehr attraktiv für junge Familien – schön, aber ein finanzpolitischer Alptraum. Ja, wer glaubt denn, ein solches Wachstum sei zum Nulltarif zu haben?

Ein Vergleich: Das fast gleich grosse und auch sonst gut mit Würenlos vergleichbare Küttigen bei Aarau (bisher fast gleicher Steuerfuss, Bezirksschule in der Nachbargemeinde, eigenes Schwimmbad, Fussballplatz) hat ein ebenso grosses Wachstum hinter sich wie Würenlos, aber 109 Schüler weniger. Rechne!

Wenn ich richtig zusammengezählt habe, so mussten wir in grössere schulische Bauten (inkl. 30% der Erweiterungskosten Mehrzweckhalle und Kindergärten) in den vergangenen fünf Jahren rund 12,5 Millionen Franken investieren. Ausgaben, deren Notwendigkeit im Ernst nicht bestritten werden kann, die aber in einer ersten Phase zwangsläufig zum Ansteigen der Schulden führen mussten. In einer zweiten Phase müssten nun die Investitionen gedrosselt und die Schulden abgebaut werden. Doch nun erkennen wir, dass diese Phase 2 so schnell nicht kommen wird.

Der weiter anhaltende Wachstumskurs ist vor Jahren mit übermässigen, unüberlegten Bauland-Einzonungen eingeschlagen worden. Wenn es eine Wachstumsstrategie war und nicht bloss ein „Wer wird Millionär?“-Spielchen der Landbesitzer, so ist sie glorios gescheitert. Die Ausgaben fürs Wachstum übersteigen die Einnahmen daraus. Statt mehr gute Steuerzahler haben wir mehr schlechtere. Und auch das wird sich so rasch wohl nicht ändern lassen.

Sorgen darüber hat man sich allzu lange kaum gemacht. Spätestens der Finanzplan von 2008 (Voranschlag 2009 mit Finanzplan) sagte ein starkes Schuldenwachstum für die jetzigen Jahre voraus. Den Steuerfuss hat man aber erst 2011 und – wie wir jetzt wissen – zu zaghaft angehoben. Viele, die nun mahnen, Würenlos dürfe nächsten Generationen keinen so hohen Schuldenberg hinterlassen, blieben damals still wie Furtbachforellen. Gilt ihre Sorge vielleicht gar nicht so den Kindern und Enkeln, sondern ihrer nächsten Steuerrechnung? Und sie feiern Party – im privaten Keller halt? Das nennt man wohl entsolidarisierte Gesellschaft.

Hört man sich um, so sind jetzt unterschiedlichste Patentrezepte zu hören: „Die Landreserven rasch möglichst verkaufen und die Schulden sind auf einen Schlag weg“ – ja schon, aber weg ist dann auch das Tafelsilber und die Bevölkerungsexplosion wird noch angeheizt. „Die Steuern auf mehr als 109 Prozent erhöhen“ – aber werden wir dann für gute Steuerzahler nicht gänzlich unattraktiv? „Die Gemeindeverwaltung ausmisten“ – aber werden wir nachher effizienter verwaltet?

Und vor allem immer wieder: „den Gürtel enger schnallen“. Sparen ist gut, denken aber noch besser. Gutes Sparen in einer extremen Wachstumsphase ist schwierig und mit einer Gemeindeversammlung noch schwieriger. Wir haben kein Parlament, das in vielstündigen Debatten ein wohl austariertes Sparpaket schnüren könnte. Das Sparen lässt sich auch nicht einfach an den Gemeinderat delegieren. Zwar vermissen viele bei ihm einen klaren Kurs und konkretere Vorschläge, wohin die Reise konkret gehen soll. Aber das letzte Wort haben wir Bürgerinnen und Bürger. In erster Linie müssen wir uns klar werden übers Reiseziel. Wir müssen uns auf Prioritäten einigen!

Nach meiner Vorstellung von Gerechtigkeit geht das nur, wenn das in einer sehr breiten Diskussion geschieht. In einer Diskussion, in der nicht einfach die Rücksichtslosesten, Lautesten und Bestorganisierten sich Gehör verschaffen und ihre Interessen durchsetzen. Sonst nimmt die Gemeinschaft Schaden. Sie müsste auf zu Vieles verzichten, das ihr lieb und teuer ist.

„Würenblicker.ch“ will eine breite Bürgerdiskussion anstossen. – Ihre Meinung, liebe Leserin, lieber Leser, interessiert. Kommentieren Sie mit und verraten Sie uns in einigen prägnanten Sätzen Ihren Standpunkt. Machen Sie nicht die Faust im Sack, reden Sie mit! Ab jetzt jede Woche von neuem.