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Das Virus und ich (3) – Beitrag von E. Rohrbach

Eigeninitiative des Autors auf der Bachstrasse: Nachhilfeunterricht für Spazierende mit schlechtem Augenmass.

Ein weiterer Rentner möchte hier seine Eindrücke übermitteln. 
Man hat so seine Angewohnheiten beim zu Hause bleiben als ü65 Jähriger. Und was liegt da näher, als sich ein bisschen mit dem PC als Spielzeug zu vergnügen. Auch die Erstellung dieses Dokument gehört dazu. Und zwischendurch schweifen meine Blicke auf die 2,80 m breite Bachstrasse vom letzten Haus in Würenlos bis nach Ötlikon. 

Es ist schon erstaunlich was man da alles sieht. Zwei Fussgänger, die den Abstand zueinander halten und die ganze Strassenbreite ausnützen. Dazwischen dann die Velofahrer, die auf einer höheren Ebene Luft ein- und ausatmen. Dann gibt’s auch in Wohngemeinschaften lebende Paare, die nebeneinander laufen und sich mit anderen Fussgängern und Velofahrern kreuzen. Und auch Velofahrer, die nebeneinander fahren und Fussgänger kreuzen. 

Ja klar, der Abstand von 2 Metern gilt doch nur, wenn man sich unterhält und nicht wenn man sich kreuzt. Oder läuft auf diesem Strassenstück Einiges nicht nach der Bundesregel? Heute Nachmittag sind 5 Jugendliche in einer Reihe durchmarschiert, bewaffnet mit einer Bluetooth-Lautsprecherbox. Wo denn die Party losgehe, habe ich nicht fragen können.

Dann habe ich auch geschaut, wann ich meinen letzten Kommentar in diesem Blog publiziert habe. Es war zum Artikel «Das Alterszentrum ist ausgesteckt», erschienen am 18. August 2019. Ich habe versucht zu schauen, ob man den Link auf das Alterszentrum von Lana (bei Meran im Südtirol noch anwählen kann und siehe da: es geht. Was entdecken nun meine Augen: Ein neuer Artikel, der in der heutigen Zeit wunderbar passt. Italien ist besonders vom Virus betroffen. Es herrscht Ausgangssperre. Und da erscheint es nicht als logisch, wie man in Lana mit der Kommunikation rund um das Altersheim umgeht. Auf der Homepage vom Alterszentrum Lana kann gelesen werden: «Wir möchten DANKE sagen!»

Aktuelle Szene aus einem Altersheim – nicht im Aargau, sondern im Südtiroler Ort Lana. (Bild: Stiftung Lorenzerhof, Lana/I)

Wem alles gedankt wird und was uns die Leitung zur jetzigen Situation mitteilen möchte, mit entsprechenden Bildern vom momentanen Leben, könnt ihr im nachfolgenden Bericht selbst nachlesen. Ich empfehle Euch diesen Bericht zu lesen.
http://www.vds-suedtirol.it/de/swh/475/news/wir-moechten-danke-sagen 

Nun fragte ich mich, wie sieht das in den Alterszentren in der Umgebung aus? Überall sind im Internet nur Informationen zu finden, dass Besuche wegen dem Coronavirus nicht möglich sind. Dann kann man auch Informationen zum Coronavirus selbst nachlesen. In Wettingen ist sogar ein Hinweis wegen einem Corona-Fall im Pflegeteam vorhanden. Etwas Nähe zu den betreuten Personen und Pflegeteams, wie in Lana, vermisst man auf den Websites aller Alterszentren der Region.

Noch ein Blick auf den Stand des Alterszentrums von Würenlos. Man könnte meinen, auf der Zentrumswiese sei auch das Coronavirus aktiv. Nichts scheint mehr zu geschehen. Doch weit gefehlt. Es sind Einsprachen zum Vorentscheid von der Baukommission zu behandeln. Es wurden auch schon Gutachten zu den Einsprachen erstellt. Jetzt ist es durchaus möglich, dass nun zuerst beidseitig Juristen beschäftigt werden, bevor das Bauvorhaben an sich vorangetrieben werden kann.  

Geben wir die Hoffnung nicht auf, dass nach der Bewältigung der Coronakrise bald auch Architekten, Ingenieure und Bauunternehmen mit ihren Arbeitern Margarite richtiges Leben einhauchen können! 

Das Alterszentrum ist ausgesteckt

Blick vom Postparkplatz auf den Profilstangenwald. Auch der grüne Gmeumeriwald (hinten) wird hinter dem Neubau verschwinden.

Nun steht das Baugespann für das Alterszentrum auf der Zentrumswiese. Der Verwaltungsrat der Alterszentrum Würenlos AG hat das Gesuch um einen baurechtlichen Vorentscheid eingereicht. Der Gemeinderat als Baubehörde soll wichtige Eckpfeiler des Alterszentrum definitiv bewilligen, bevor das detaillierte Bauprojekt ausgearbeitet wird. Damit ist nun der Moment für allfällige Gegner des Projektes gekommen, Farbe zu bekennen.

Wie viel wird man vom Chile- oder Rössliweg aus noch sehen von unserem Wahrzeichen, dem Doppelzwiebel-Kirchturm? Wie viel Freiraum bleibt zwischen dem Furtbach oder der Zentrumsscheune und dem teilweise fünfstöckigen Neubau? Pläne und Skizzen vermitteln nie genau den Eindruck, wie sich ein Neubau später Passanten und Nachbarn präsentieren, wie gut er sich ins Dofbild und in die Landschaft einpassen wird. Deshalb lohnt sich jetzt ein Gang zur Zentrumswiese, um sich vor Ort ein Bild zu machen.

Schon mal vorweg: Das Alterszentrum wird nicht nur das grösste je auf einen Schlag im Dorfe realisierte Bauwerk sein, es wird den Charakter unserer Dorfmitte nochmals gründlich verändern. Altvertraute Anblicke werden verschwinden, ein weiteres Gebäude mit urbanem Gepräge wird das Dorfzentrum dominieren. Das war allerdings bereits absehbar, als sich die gut besuchte Gemeindeversammlung vom Juni 2013 klar und einmal mehr für die Zentrumswiese als Standort des Alterszentrum entschied. Dieses wird immerhin 44 Pflegezimmer und 40 betreute Alterswohnungen umfassen. Die beiden gescheiterten Vorgängerprojekte waren erheblich kleiner dimensioniert. Umso erstaunlicher, dass bisher kaum nennenswerte Kritik am Projekt Margerite laut geworden ist.

Vom vorderen Chileweg (beim Coop) aus gesehen, güxlet gerade noch das Turmkreuz hinter dem Neubau hervor.
Vom vorderen Rössliweg…
…ebenso wie vom mittleren Rössliweg und …
…vom hinteren Rössliweg (Kinderoase) aus gesehen, verschwindet das ganze Kirchenareal mit dem Turm, der Alten Kirche und der architektonisch ebenso bedeutsamen neuen katholischen Kirche (1936/37, Architekt: Alois Moser) hinter dem Alterszentrum. Nur einige niedrigere Trakte des stark gegliederten Neubauprojektes werden weiterhin den Blick auf den Kirchenhügel freigeben.
Das Alterszentrum wird auch das Panorama von der Terrasse beim Friedhof dominieren.
Wer auf der Mühlegasse inmitten des schmucken Ensembles mit Alter Mühle, Zentrumsscheune und ehemaligem Weinbauernhaus Mühlegasse 12 steht, wird vom Alterszentrum nichts zu sehen bekommen.

Doch jetzt ist für allfällige Gegner der Moment gekommen, die sichere Deckung zu verlassen. Ab Freitag, 16. August, liegt das Vorentscheidsgesuch bei der Bauverwaltung zur Einsicht auf. Bis Montag, 16. September, kann Einsprache dagegen eingereicht werden. Nachher wird für viele mögliche Einwände der Zug abgefahren sein.

Mit dem Vorentscheid will der Verwaltungsrat die wichtigsten Eckwerte um die Positionierung und Höhe der Gebäudetrakte, um die Erschliessung sowie um den Hochwasserschutz geklärt haben, bevor die teure Detailplanung für das eigentliche Baugesuch erfolgt. Das macht Sinn, weil so eventuell Planungskosten und Zeit gespart werden können, sollte das Projekt wider Erwarten mit Einsprachen und Rekursen doch noch zu Fall gebracht werden.

Der Begriff Vorentscheid soll nicht trügen.Wird über das Vorentscheidsgesuch positiv entschieden, so erlangen die behandelten Punkte definitive Rechtskraft. Sie können also im späteren Baubewilligungsverfahren nicht mehr gerügt werden. Es sei denn, das Projekt werde nach dem Vorentscheid nochmals erheblich abgeändert.

«Blauäugig» wäre es, davon auszugehen, es gebe im jetzt laufenden Verfahren keine Einsprachen, sagte der Gemeindeammann und VR-Präsident der Bauherrschaft, Toni Möckel, im Juli gegenüber der «Limmatwelle». Der Kreis der Einspracheberechtigten ist recht gross. Berechtigt ist laut aargauischer Baurechtspraxis schon, wer direkten Blickkontakt zum Neubau hat – sei es als Grundeigentümer oder Mieterin/in. Und das Alterszentrum wird von weit her sichtbar sein. Einsprachen müssen aber einen Antrag enthalten und begründet sein, etwa mit fehlender Einpassung ins Ortsbild oder mit zu grossen Nachteilen für benachbarte Liegenschaften. 

Allfällige Einsprecher werden die Einhaltung der Ausstandsregeln wohl mit Argusaugen überwachen. Denn zwei der fünf Gemeinderatsmitglieder, Gemeindeammann Toni Möckel und Markus Hugi, Ressortverantwortlicher Hochbau, sitzen im Verwaltungsrat der Bauherrschaft, der Alterszentrum Würenlos AG, und müssen wohl bereits beim Vorentscheid in den Ausstand treten. Allfällige Einspracheverhandlungen wären vermutlich von Vizeammann Nico Kunz zu führen. 

In der «Limmatwelle» vom 25. Juli war zu lesen, der Alterszentrum-Verwaltungsrat gehe davon aus, dass der Vorentscheid bis kommenden November und die Baubewilligung bis Herbst 2020 vorliegen werden. Das Zentrum könnte dann Ende 2022 bezugsbereit sein. Die «Limmatwelle» bezeichnet diesen Zeitplan als «sportlich». Das ist freundlich ausgedrückt.

Mit dem aus einem Wettbewerb siegreich hervorgegangenen Projekt Margerite haben sich bereits frühere Beiträge hier, hier sowie hier beschäftigt. würenblicker wird weiterhin am Thema dran bleiben.