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Das Alterszentrum – clever angeordnet, aber hoch

Das Siegerprojekt von Fiechter Salzmann Architekten. Ansicht vom Rössliweg her. Der Haupteingang befindet sich im fünfstöckigen Trakt in der Bildmitte, in den 2 Geschossen darüber ist die Pflegeabteilung untergebracht. Im Trakt links davon und über der Pflegeabteilung sind betreute Alterswohnungen vorgesehen. Die Fassade besteht teils aus rötlichem Klinker, teils aus Betonpartien.
Der Studienwettbewerb für das Alterszentrum ist entschieden. Mit ihrem Projekt Margerite haben Fiechter Salzmann Architekten Zürich in Zusammenarbeit mit Andreas Geser Landschaftsarchitekten, Zürich, die gestellte Aufgabe am besten gelöst. Mit einem langen, stark gegliederten, bis zu fünfstöckigen Bau entlang des Furtbachs haben die Gewinner die beste Lösung für die komplexe Aufgabe gefunden.

Mit dem Ergebnis des Studienwettbewerbs fürs Alterszentrum, das nun in der Alten Kirche von der Alterszentrum Würenlos AG präsentiert wurde, steht man wieder fast dort, wo man mit den beiden gescheiterten Projekten Falter am Bach (1994) und Ikarus (2003) schon einmal gestanden ist. Lagen damals gar schon ausführungsreife Projekte vor, so müssen nun ein Vor- und ein Bauprojekt erst noch ausgearbeitet werden, bevor dann das Bewilligungsverfahren seinen Lauf nehmen kann. Doch dass einmal mehr ein Meilenstein gesetzt ist, wie Toni Möckel, Gemeindeammann und VR-Präsident der Alterszentrum Würenlos AG sagte, ist erfreulich. Und man darf wohl auch darauf vertrauen, dass das kompetent zusammengesetzte Gremium, das die Wettbewerbsarbeiten beurteilt hat, seinen Entscheid sorgfältig getroffen hat.

Was mir durch den Kopf geschossen ist beim ersten Blick auf die Stellwand mit den Plänen und den Bildern des Siegerprojektes? – Hoppla, das ist aber ein recht wuchtiger Riegel, der sich da zwischen Rössliweg und Furtbach schieben wird. Ob da der von den Würenlosern so heiss geliebte Doppelzwiebel-Kirchturm überhaupt noch drüber hervorlugen wird? Frappant, dass nach dem ersten Altersheimprojekt von 1994 nun auch das neueste Projekt die Nähe des Furtbachs sucht.

Auf den 2. Blick scheint mir die Fassade des Seniorenriegels noch stark verbesserungswürdig. Zwar überzeugt die durchdachte höhenmässige Abstufung des Gebäudes, doch finde ich die Gestaltung der Fassade zu unruhig. Aber das ist, wie ich im Gespräch mit anderen Vernissage-Besuchern gemerkt habe, Geschmacksache. Entstehen wird das grösste Gebäude, das im Dorf je gebaut worden ist. Und zusammen mit der jüngst vorgestellten Überbauung Steinhof wird es den Charakter des Dorfes verändern: Mit einem bis zu fünfstöckigen Gebäude mitten im Zentrum wird das Gesicht von Würenlos städtischer. Die verbliebenen Reste des alten Dorfes werden wortwörtlich kleiner, auch wenn die Planer auf die Einordnung des Neubaues in die Umgebung besonders zu achten hatten.

Aber es ist halt auch viel Nutzraum unter einen Hut zu bringen: 44 Pflegebetten, 40 Kleinwohnungen mit Dienstleistungen, eine Cafeteria, eine Tiefgarage sowie Räume für ergänzende Nutzungen wie Spitex-Stützpunkt oder Ärztezentrum. Für ein so grosses Bauvorhaben an diesem Standort im Dorfzentrum eine gute Lösung zu finden, war für die die sieben ausgewählten Planungsteams (darunter ein solches aus Nachwuchsleuten) eine anspruchsvolle Aufgabe. Wie der frühere Aarauer Stadtbaumeister und Mitglied des Beurteilungsgremiums Felix Fuchs ausführte, haben alle Teams Arbeiten von hoher Qualität abgeliefert.

Das Siegerprojekt hat von allen Projektstudien laut Fuchs „die besten Realisierungschancen“. Dies nicht nur, weil es mit dem langen Bau zwischen Rössliweg und Furtbach eine architektonisch und betrieblich überzeugende Lösung darstellt, sondern auch, weil es platzsparend ist – so bleibt ein schöner Teil der Zentrumswiese für andere öffentliche Nutzungen frei. Und auch baurechtlich dürfte der Aufwand laut Fuchs eher kleiner sein als bei den Projekten der anderen Teams. So hält das Siegerteam zum Beispiel die erforderlichen Bauabstände überall ein. Ihr Projekt dürfte das einzige sein, das sich ohne zeitraubenden Gestaltungsplan realisieren lässt.

Die Projekte der sieben Teams unterscheiden sich erheblich. Einige bringen das geforderte Raumprogramm in mehreren Einzelgebäuden unter. Das Siegerprojekt kommt mit einem einzigen, allerdings stark gegliederten Baukörper aus, der eine durchgängige und ebenerdige interne Verbindung ermöglicht. Bei einem Bau so nahe am Furtbach hat der Hochwasserschutz grosse Bedeutung. Der Sockel des Siegerprojektes liegt 1 Meter über Furtbachniveau – das soll ausreichend sein.

Das Siegerprojekt vermag indes nach Ansicht des Beurteilungsgremiums auch noch nicht in allen Punkten restlos zu überzeugen. Verbesserungswürdig sei die Wohnlichkeit der Pflegegeschosse, die Gestaltung sei hier noch etwas gar spitallastig, sagte Cornelia Pauletti, Architektin und Mitglied des Beurteilungsgremiums. Etwas im Stiche gelassen habe das Planungsteam die Bauherrschaft auch, was die Gestaltung des Aussenraums zum Furtbach hin betrifft. Aber das lässt sich im weiteren Verlauf der Planung ja noch nachholen.

Nicht nur die Alterszentrum Würenlos AG als Bauherrin, sondern auch der Gemeinderat sind laut Felix Fuchs weiter gefordert. Der Gemeinderat müsse sich etwa darüber Gedanken machen über die künftige Nutzung der Zentrumsscheune und des unüberbaut bleibenden Teils der Zentrumswiese.

In einem weiteren Beitrag wird würenblicker das Siegerprojekt noch genauer unter die Lupe nehmen. Die Arbeiten aller sieben Planungsteams sind ab Freitag, 25.1. – Dienstag, 29.1. im reformierten Kirchgemeindehaus ausgestellt (Zeiten:hier).

würenblicker-Abstimmung bestätigt Workshop

Wieviele Einwohner sollen in Würenlos Platz finden?
Unsere Leserinnen und Leser haben abgestimmt: Grossmehrheitlich wünschen sie, dass unser Dorf in den nächsten Jahren möglichst wenig wächst. Dieses Abstimmungsergebnis deckt sich mit dem Fazit, das sich aus dem ersten öffentlichen Workshop zur Allgemeinen Nutzungsplanung ziehen liess (Link dazu).

(Ergebnisse der würenblicker-Abstimmung am 16.2.19 aktualisiert)

Es sei wichtig, den dörflichen Charakter in Würenlos beizubehalten, so zitiert die „Limmatwelle“ in ihrem Bericht über den Neujahrsapéro Gemeindemammann Toni Möckel. Das „Dorf“, der „dörfliche Charakter“ wird meistens in solchen Orten besonders inbrünstig beschworen, die nicht mehr ganz Dorf, aber auch noch nicht ganz Stadt sind. Wie eben in Würenlos oder in Wettingen, das offiziell keine Stadt sein will, zwischenzeitlich aber die grösste Stadt im Aargau war.

Wann ist man kein Dorf mehr? Wenn sich die Leute auf der Strasse nicht mehr grüssen? Oder wenn nicht mehr alles, was zwei Beine hat, in die Turnhalle strömt, zum Chränzli des Turnvereins? Oder wenn von selbstgekrönten Dorfkönigen nicht mehr nach Herzenslust gemauschelt und gemischelt werden kann? Ob ein Dorf ein Dorf ist, hängt von verschiedensten Faktoren ab, einer von vielen ist die Grösse der Bevölkerung.

Bis zum 16. Februar haben sich 125 Leserinnen und Leser an der würenblicker-Abstimmung über die erwünschte Gemeindegrösse beteiligt. Das sind zwar gerade mal 2% der Gesamtbevölkerung, aber immerhin mehr als anderthalb mal so viele Leute wie am ersten öffentlichen Workshop zur Allgemeinen Nutzungsplanung teilgenommen haben. Dort ging es um die Planungsziele und um breitgefächerte Anliegen aus der Bevölkerung. würenblicker stellte nur vier Wachstumsziele zur Wahl: 7000, 7300, 7600 oder 8000 Einwohner bis im Jahre 2035.

68 % der Abstimmenden (=85 Personen) finden, 2035 sollten 7300 oder weniger Personen in Würenlos wohnen. Das wären maximal 900 Personen oder 14% mehr als heute. Zum Vergleich: In den vergangenen 16, 17 Jahren ist die Einwohnerzahl mehr als doppelt so kräftig gestiegen. Das hält auch der Gemeinderat für zuviel. Vor drei Jahren hat er in seinem Leitbild zur Gemeindeentwicklung erklärt, man wolle in den kommenden 15 Jahren (also bis 2031) auf maximal 7300 Einwohner wachsen.

Unsere Leserschaft möchte lieber noch kräftiger auf die Bremse treten. 60 % der Abstimmenden halten schon 7300 Einwohner für zu viel und 7000 Einwohner für ideal.

Das wird wohl Wunschdenken bleiben. 7300 Einwohner sind schon aufgrund der heute gültigen Nutzungsordnung zu erwarten. Um ein geringeres Wachstum zu erreichen, müsste also Bauland ausgezont oder abzoniert werden. Dies wäre aber nicht nur teuer, sondern würde auch der eidgenössischen und kantonalen Raumplanung widersprechen, die das das bestehende Baugebiet besser ausnützen wollen.

Im würenblicker-Abstimmungsergebnis kommt auch zum Ausdruck, dass sich eine beträchtliche Minderheit von 32 % ein grösseres Bevölkerungswachstum vorstellen kann als es der Gemeinderat anpeilt. 10 % votierten für 7600 und gar 22 % für 8000 Einwohner. Ein moderates Wachstumsziel à la Gemeinderat dürfte politisch der goldene Mittelweg sein. Auch wenn ich persönlich an der früher hier vertretenen Meinung festhalte, dass ein etwas ambitiöseres Wachstumsziel Würenlos gut tun, den Realitäten eher entsprechen und unsere Gemeinde planerisch für die Zukunft besser positionieren würde.

Verwüstete Krippe, Abschied vom Kondom und ein neuer Pfarrer – es weihnachtet

Die verwüstete Weihnachtskrippe (Bild Fabienne Speckert auf Facebook)
«Eifach unglaublich» – So und ähnlich die Facebook-Kommentare von Würenloserinnen und Würenlosern zur Meldung, dass Vandalen die Weihnachtskrippe bei der Alten Kirche verwüstet haben. Beizufügen ist diesen Äusserungen eigentlich nichts. Höchstens dies: Gar so geborgen und getragen fühlen sich offenbar nicht alle jungen Würenloser, wenn sie sich an solchen Taten aufgeilen – stoffbesoffen oder nicht. Der Lichterschein all der tollen Rentiergespanne, Leuchtgirlanden und der offiziellen Weihnachtsbeleuchtung (darüber mehr am Schluss dieses Beitrags) vermag offenbar nicht alle Herzen zu erwärmen.

In den Gemeindenachrichten rät der Gemeinderat, in Fällen von «mutwilliger Nachruhestörung, Vandalismus, Littering und dergleichen umgehend die regionalpolizei wettingen-limmattal zu verständigen». Nun hat mir aber jüngst ein Bewohner des Dorfkerns berichtet, er habe zuerst das Gespräch mit den Jungen gesucht, die nächtens seine Nachtruhe empfindlich gestört hätten. Bei einem nächsten Mal habe er die Polizei verständigt. Die habe sich dann aber leider nicht blicken lassen, solange die jungen Leute noch in der Nähe seines Hauses gelärmt hätten. Das kann ja vorkommen, die Ressourcen der Regionalpolizei sind nicht unbegrenzt.

Und muss muss es immer die Polizei sein? Noch so grosse Verbotstafeln und der Ruf nach Überwachungskameras und harten Strafen nützen vermutlich wenig. Blosse Symptombekämpfung. Vandalismus, Nachtruhestörungen und Littering sind gewiss kein auf Würenlos begrenztes Phänomen. Aber wir dürfen auch nicht davon ausgehen, unser «Wunderdorf» bleibe «einfach so» davor verschont.

2003 schon haben wir eine Stelle für aufsuchende Jugendarbeit geschaffen. Viele Würenloser mögen sich davon erhofft haben, genau solche Fehlentwicklungen besser in den Griff zu bekommen. Weil sie sich von einer Fachperson verstärkte Präsenz versprachen an Orten, wo sich junge Menschen treffen. Präsenz nicht als Ordnungshüter oder Polizistin. Sondern als Gesprächspartner/in mit offenem Ohr für die Probleme und Anliegen von jungen Menschen, die nicht spuren wie gewünscht. Das Jobprofil der Jugendarbeit ist im Hinblick auf häufigere Präsenz an nächtlichen Hotspots wohl zu überdenken.

Weihnachtsgeschenk für die Evangelisch-Reformierte Kirchgemeinde. Die seit dem abrupten Abgang von Martin Schweizer Ende Juni verwaiste Pfarrstelle wird vermutlich ab März wieder besetzt sein. Einer ausserordentlichen Kirchgemeindeversammlung am 20.Januar zur Wahl vorgeschlagen wird der gebürtige Kanadier, seit 2003 mit seiner Familie in der Schweiz lebende Timothy Cooke. Als Pfarrer gewirkt hat er hierzulande im Solothurnischen (zusammen mit seiner Frau, einer Schweizer Theologin), Gränichen und jetzt in Rupperswil. Auf eine erste Stellenausschreibung war keine einzige Bewerbung eingegangen, im zweiten Anlauf meldeten sich sechs Interessenten.

In der reformierten Kirchgemeinde, die in der Vergangenheit von mehreren grösseren und kleinen Krisen geschüttelt wurde, werden mit der Pfarrwahl nicht alle Probleme gelöst sein. So kommt es zu einem kräftigen Aderlass in der Kirchenpflege, nachdem Präsident Erich Thommen und zwei weitere Mitglieder auf Ende dieses Jahres demissioniert haben und bis anhin erst ein neues Mitglied gewählt worden ist.

Wie sehr das kirchliche Leben unter dem Krisenmodus gelitten hat, kann ich schwer beurteilen – ich bin ein Papierli-Reformierter, der zwar Kirchensteuern bezahlt, am Kirchenleben aber nicht teilnimmt. Die Statistik aber lässt aufhorchen: Die Kirchgemeinde hat vom Bevölkerungswachstum der vergangenen Jahre nicht profitiert, sondern ist im Gegenteil geschrumpft. (Die Zahl der Katholiken ist im gleichen Zeitraum leicht gewachsen). Die Zahl der Reformierten sank von 2007 bis 2017 von 1653 auf 1564 Personen, der prozentuale Anteil an der Gesamtbevölkerung von rund 32 auf 24 Prozent.

Ein Teil dieses Mitgliederschwundes dürfte hausgemacht sein. Auch wenn die Evangelisch-Reformierte Kirche der Schweiz gesamthaft grosse Verluste erleidet und soeben mit einer Neustrukturierung den Versuch einer Trendwende gestartet hat.

Wie in der katholischen Kirche beanspruchen auch in der reformierten Kirche verschiedenste Strömungen und Anschauungen nebeneinander Platz. Je kleiner eine Kirchgemeinde ist, desto weniger kann sie den verschiedensten Bedürfnissen Rechnung tragen. Als einziger Pfarrer in der Gemeinde wird es auch der Neue nicht allen Leuten recht machen können.

Aber mehr Schwung und Offenheit, ein breiterer Fächer im kirchlichen Angebot und in der Diakonie wäre dringend wünschbar. Wer weiss, vielleicht fühlten sich dann auch Menschen wie ich mehr angesprochen – Menschen, die gewisse «christliche Werte» durchaus zu leben versuchen, aber für die grossen Fragen, die sich einem Menschen stellen, eher philosophische denn religiöse Antworten suchen.

Zurück zur Weihnachtsbeleuchtung. In dem vom Gewerbeverein veranstalteten Wettbewerb für eine Neugestaltung gingen zwar nur wenige Vorschläge ein. Über sie haben am Christchindlimärt 347 Personen abgestimmt. Gewonnen hat laut «Limmatwelle» der Vorschlag von Eveline Amacher. Die Konfiseurin hat mit Schokolade-Kunstwerken die Confiserie Sprüngli schon an internationalen Ausstellungen vertreten. Sie schlägt ein Remake des Gehabten vor. das brav wirkt – vielleicht gerade darum passend für Würenlos. Der Doppelzwiebelturm ist nun deutlicher als solcher zu erkennen. Jetzt muss laut Gewerbevereinspräsident Michael Spühler nur noch die Finanzierung klappen, dann verbreitet in unseren Strassen nicht mehr ein Kondom, Minarett oder Schnuller Weihnachtsstimmung.

Frohe Festtage und ein gutes Neues Jahr!

Steindler soll in die Höhe wachsen

Die Senke im Steindler: Links hinten das gleichnamige Gehöft an der Furttalstrasse, rechts hinten das Dorf Otelfingen. Die Deponie würde zwischen der Furttalstrasse und dem parallel zu ihr verlaufenden Feldweg (Bildmitte) durchs Teufermoos angelegt.

Nachbarn im zürcherischen Furttal haben schon vor Monaten Alarm geschlagen. Nun hat auch unser Gemeinderat die Katze aus dem Sack gelassen. An seiner Informationsveranstaltung neulich informierte er erstmals offiziell über den Plan, entlang der Furttalstrasse im Würenloser Gebiet Steindler eine Deponie für sauberen Aushub einzurichten. Diese Deponiepläne dürften auch diesseits der Kantonsgrenze noch viel zu reden geben.

«Es ist schon paradox», meinte ein Würenloser beim Apéro nach der Orientierungsversammlung, an der auch über die Renaturierung des Furtbaches zwischen dem Kempfhof und der Abwasserreinigungsanlage bei Otelfingen/Hüttikon informiert worden war. An einem Ort werde die Landschaft mit erheblichem Aufwand aufgewertet, an einem anderen auf Jahre hinaus aber in Mitleidenschaft gezogen. In der Senke des Teufermoos – im äussersten Zipfel unserer Gemeinde gegen das Dorf Otelfingen hin – sollen dereinst rund 1,8 Millionen Kubikmeter sauberen Aushubmaterials abgelagert werden.

Die Deponie würde etwa zehn Jahre lang betrieben – etappenweise. Nicht das ganze Areal wäre also 10 Jahre lang eine Wunde in der Landschaft. Schliesslich wird die ganze Fläche wieder zu Kulturland. Im besten Fall wird der Eingriff ins Landschaftsbild später kaum erkennbar sein. Anstelle der Senke wird sich ein flacher Hügel erheben.

Seit rund sechs Jahren evaluiert Baden Regio zusammen mit regionalen Aushubfirmen mögliche Standorte für eine Aushubdeponie. Federführend beim Standort Steindler ist die Wettinger Kies- und Erdbaufirma Eduard Meier AG. Das Vorgehen entspricht dem Prozedere laut Aargauischem Abfallkonzept. Zwischen den Landeigentümern und der Eduard Meier AG sollen bereits Verträge bestehen.

In erster Linie werden mit Aushubmaterial ausgebeutete Kiesgruben wieder aufgefüllt. Ein Bedarf an zusätzlichen Aushubdeponien zeichnet sich ab, weil seit einigen Jahren der Landschaft weniger Kies und Sand entnommen wird als Aushubmaterial bei Neubauten anfällt. Zudem sind die Kiesabbaugebiete ungleichmässig übers Land verteilt, weshalb aus gewissen Gebieten der Aushub über weite Distanzen weggeführt werden muss.

Trotzdem stellen sich Fragen zum Bedarf. Mit der regen Bautätigkeit in Würenlos selber hat das Vorhaben herzlich wenig zu tun. Das meiste Aushubmaterial wird aus dem Kanton Zürich stammen. An der Versammlung wies Sigi Zihlmann darauf hin, dass im Raum Würenlos-Wettingen noch grosse Kieslöcher klaffen, ein ziemlich grosses Ablagerungsvolumen für Aushub also vorhanden ist. Ein Fragezeichen hinter Aushubdeponien darf man auch setzen, weil die Recyclingtechnik laufend weiter entwickelt wird. In der Schweiz gibt es bereits Firmen (darunter die aargauische Erne-Gruppe) , welche die wertvollen Rohstoffe Kies und Sand aus Aushub gewinnen, in dem sie diesen brechen, waschen und sieben. Vielleicht nicht die billigste Lösung, sicher aber die ökologischste.

Für die Aushubanlieferung werde mit bis zu 80 Lastwagenfahrten pro Tag gerechnet, wurde an der Orientierungsversammlung gesagt. Ein Vorteil des Standorts Steindler ist die günstige Verkehrslage. Die Furttalstrasse führt direkt am Areal vorbei. Und der Wert des Gebiets Steindler als Naherholungsgebiet ist schon heute erheblich vermindert durch die lärmige Furttalstrasse sowie die grossflächigen Kulturen unter Glas und Plastic dies- und jenseits der Kantonsgrenze. Was kümmert es uns also, wenn auch noch in dieser Ecke der Gemeinde (und nicht nur im Tägerhard) die Landschaft etwas zu leiden hat?

In Otelfingen dagegen hat das Deponievorhaben bereits beträchtlich Staub aufgewirbelt. Der ehemalige SVP-Nationarat und frühere Otelfinger Gemeindepräsident Ernst Schibli (der mit dem Geissbock Zottel) und ein weiterer Otelfinger haben schon im September von ihrem Gemeinderat mit einer Initiative Unterstützung im Kampf gegen die Deponie verlangt. Darüber berichtete damals die Regionalzeitung «Zürcher Unterländer» (Link) in grosser Aufmachung. Die Initianten schrieben in einer Medienmitteilung, die mit dem grossen Lastwagenverkehr verbundenen «Immissionen und Emissionen aller Art verunmöglichen ein qualitativ vernünftiges Leben und Wohnen».

Inzwischen hätten Gespräche mit den Opponenten jenseits der Kantonsgrenze stattgefunden und die Wogen hätten sich etwas geglättet, sagte Gemeindeammann Toni Möckel an der Orientierungsversammlung. Er beruhigte die Zürcher in ihrer Regionalzeitung seinerzeit damit, es sei ja noch keineswegs sicher, dass die Deponie komme, und wenn schon, würden bis dahin noch Jahre vergehen. Jetzt laufe ja erst das Richtplanverfahren und das Projekt werde noch von diversen Stellen geprüft. Im Gmeindschäller sagte Möckel, irgendwann werde das Geschäft auch vor die Gemeindeversammlung kommen. Mal sehen. Mitspielen mag bei der Opposition aus Otelfingen, dass zwar die Gemeinde Würenlos und die Würenloser Landbesitzer an den Deponiegebühren beteiligt sein werden, nicht aber Otelfingen.

Auch die Würenloser Dorfbevölkerung tut indes gut daran, das weitere Geschehen aufmerksam und mit Skepsis zu verfolgen. Denn mögen im Steindler sich auch Fuchs und Hase gute Nacht sagen und die Verkehrserschliessung an sich gut sein, unter Umständen kann auch unser Siedlungsgebiet von der Deponie direkt betroffen sein. Nämlich dann, wenn der Lastwagenverkehr durch unser Dorf zunähme. Im Auge zu behalten ist insbesondere die Anlieferung aus der Stadt Zürich und dem zürcherischen Limmattal. Idealerweise wird diese via A 1, Furttalkreuzung und Furttalstrasse erfolgen. Der Lebensqualität im Dorf höchst abträglich wäre es, wenn die Chauffeure bei Stau auf der A 1 die Schleichroute via Oetwil und Landstrasse bis zur Furttalkreuzung wählen würden.

Dies gilt es unter allen Umständen zu verhindern. Auch Würenlos tut gut daran, seine Haut so teuer wie möglich zu verkaufen. Wie ein Experte an der Orientierungsversammlung bestätigte, können in der Bewilligung dem Deponiebetreiber exakte Routen für die Zu- und Wegfahrten vorgeschrieben werden. Die Deponieanlieferung wird überwacht und Zuwiderhandlungen mit hohen Konventionalstrafen geahndet werden müssen. Die Deponiepläne könnten darüber hinaus auch der Idee Auftrieb verleihen, mit Pförtneranlagen dem Verkehr durchs Dorf wirkungsvoller als heute Einhalt zu gebieten.