Lex Landi schadet dem Dorf

Für die Landi geht es an an der Gemeinderversammlung vom 7. Juni um viel. Lehnen die Stimmberechtigten die Teiländerung Nutzungsplanung «Grosszelg» (Lex Landi) ab, muss sie ihr Vorhaben begraben, den heutigen Laden bei der Barriere durch einen Grossmarkt mit Tankstelle und Shop zu ersetzen.

Gewerbegebiet Grosszelg mit Standort der neuen Landi (schwarz umrandet).
Seit bald 10 Jahren beschäftigen die Baupläne der mittlerweile zur überregionalen landwirtschaftlichen Genossenschaft mutierten LANDI Furt- und Limmattal mit Sitz in Regensdorf ZH Behörden, Planungsbüros und Arbeitsgruppen. (Siehe dazu auch frühere würenblicker-Artikel hier und hier.) Die lange Planungsgeschichte zeigt: Es geht um ein heikles Vorhaben. Nur mit der Nutzungsplanänderung wird eine grossflächigere Verkaufsnutzung im Gewerbegebiet Grosszelg südlich des Bahnhofs überhaupt zulässig. Doch damit handelt sich Würenlos mehr Nachteile als Vorteile ein.

Grundsätzlich wertet das Bauvorhaben die Bahnhofsumgebung nicht auf – die Hälfte des grossen Areals werden oberirdische Parkierflächen beanspruchen. Dies ist ein krasser Verstoss gegen das Gebot des haushälterischen Umgangs mit Bauland im Weichbild einer Ortschaft. Die Hauptkrux ist aber die strassenseitige Erschliessung – ein Problem, das auch mit allen Mobilitäts- und Erschliessungskonzepten nicht annähernd zufriedenstellend zu lösen ist.

Heutige Situation beim Problemknoten Land-/Bahnhofstrasse bei der Bahnschranke.

Die heutige Landi mit dem Laden vis—vis der Barriere und den übers südliche Bahnhofareal verstreuten Lagerschuppen und Freilagerflächen ist gewiss nicht mehr zeitgemäss, und das unter allen Gesichtspunkten. Sicher passt sie nicht mehr in das Shop-Konzept des mächtigen Agrokonzerns Landi. Der Laden mit den Parkplätzen davor sowie der gegenüberliegende Lagerschuppen mit einer Freilagerfläche sind aber auch ursächlich für das hässliche und gefährliche Verkehrs-Chrüsimüsi am Hauptzugang zum Bahnhof und zum Gewerbegebiet.

Aber leider ist es nicht so, dass mit dem Neubau weiter hinten im Gewerbegebiet alles besser wird. Zwar eröffnet sich die Chance, das Chrüsimüsi im Zugangsbereich des Bahnhofs etwas zu entwirren. Weil aber der neue Fachmarkt samt Tankstelle und Lebensmittelshop (auch Sonntags- und Spätabend-Verkauf möglich!) erheblichen Mehrverkehr generiert – man spricht von über 1000 Fahrten (500 Zu- und 500 Wegfahrten) pro Tag – entstehen neue Probleme.

Gemäss einem Verkehrsgutachten wird der Betrieb der neuen Landi nicht gleich zu einem totalen Verkehrschaos führen. In der Morgen- und vor allem in der Abendspitze, wo heute schon oft ziemlich prekäre Verhältnisse herrschen, wird die Belastung des Knotens Land-/Bahnhofstrasse kritisch. Baulichen Massnahmen sollen das totale Chaos verhindern. Eine Linksabbiegespur in der Bahnhofstrasse soll bei geschlossener Barriere die freie Wegfahrt in Richtung Dorf ermöglichen, und auf einem Mehrzweckstreifen zwischen den Fahrbahnen der Landstrasse (von der Einmündung der Dorfstrasse bis zur Barriere) sollen Linksabbieger einspuren und den Verkehr in Richtung Wettingen nicht zusätzlich behindern.

Selbst wenn dadurch das totale Chaos verhindert werden kann: Passt ein neu verursachtes Fast-Chaos in ein Dorf, das sich eine Verbesserung der Lebensqualität seiner Bevölkerung auf die Fahne geschrieben hat?

Das Kernproblem ist und bleibt, dass das Gewerbegebiet Grosszelg aus heutiger Sicht eigentlich am falschen Ort liegt. Früher war die Bahnhofsnähe für die Spedition von Gütern noch wichtig. Heute ist die Bahnnähe nur noch ein Hindernis. Für die strassenseitige Erschliessung des Gewerbegebietes lässt sich so nahe der SBB-Barriere nie und nimmer eine auch nur einigermassen befriedigende Lösung finden.

Ausgerechnet in einem solchen Gebiet neu eine Verkaufsnutzung auf grosser Fläche zu ermöglichen, ist mehr als fragwürdig. Der Landi-Fachmarkt ist ja nicht allein für die Würenloser Kundschaft gedacht. Für diese bräuchte es nicht rund 50 Parkplätze – rund fünfmal mehr als beim heutigen Laden. Wenn der Gemeinderat die Meinung vertritt, die Ansiedlung der Landi am neuen Standort liege im öffentlichen Interesse, hat er das Wohlergehen der Gemeinde aus den Augen verloren. Es geht primär ums Wohlergehen des Landi-Konzerns. Unter einem noch grösseren Verkehrspuff bei der Barriere werden nicht zuletzt die heute schon im „Grosszelg“ ansässigen Gewerbebetriebe leiden.

Dazu kommt, dass die vom Kanton im Zusammenhang mit dem Landi-Bauvorhaben energisch geforderte Privilegierung des Verkehrs auf der Landstrasse weitreichende Folgen hat. Der Kanton hat das in einer ersten Fassung längst vorliegende Konzept für eine Neugestaltung der Landstrasse überarbeitet. Bei Publikation dieses Artikels, 10 Tage vor der Abstimmung über die Lex Landi, weiss die Öffentlichkeit noch nicht, wie es im Detail aussieht. Zu erwarten ist, dass wegen des langen Mehrzweckstreifens im Landstrassenabschnitt Dorfstrasse bis Barriere keine Radstreifen mehr Platz finden. Wegen der neuen Landi also null Sicherheitsgewinn für den Langsamverkehr (z.B. Bez-Schüler)!

Wesentlich mehr im öffentlichen Interesse als die Lex Landi liegt die Doppelvorlage für einen zentralen Werkhof des Bauamtes und der Technischen Betriebe im neuen Gewerbegebiet Tägerhard. Mit einem zweifachen Ja – zum Baurechtsvertrag mit der Ortsbürgergemeinde und zum Verpflichtungskredit von rund 5 Millionen Franken (1,9 Mio. Franken hat die Einwohnergemeinde zu übernehmen) können TBW und Bauamt ihren Betrieb effizienter gestalten. Heute sind ihr Material, ihre Fahrzeuge und Maschinen an diversen, teils eher ungeeigneten Standorten untergebracht.

Nach Bezug des Werkhofs wird eine ziemlich grosse Fläche im Gemeindehaus frei für andere Nutzungen durch die Gemeindeverwaltung. Zudem entfallen Mietausgaben und auch für die Nutzung der historischen Zentrumsscheune eröffnen sich neue Möglichkeiten.

2 Gedanken zu „Lex Landi schadet dem Dorf“

  1. Die Argumente gegen die LANDI im Artikel überzeugen nicht.
    Das Bauvorhaben wertet die heutige Bahnhofsumgebung durchaus auf. Unter anderem verschwinden mehrere überaus hässliche Gebäude und der weitläufige und unansehnliche Gebrauchtwagenhandel . Natürlich gäbe es ansprechendere Gestaltungen als einen Baumarkt. Man darf aber nicht vergessen, dass es um ein Gewerbegebiet geht Es erscheint zudem sehr unwahrscheinlich, dass Alternativen realisiert werden, wenn die Landi nicht kommt. Anders gesagt: Es bleibt dann einfach alles, wie es heute ist.
    Dass es zu Mehrverkehr kommt, ist wohl unbestritten und tatsächlich ein gewichtiger Nachteil des Projekts (wobei das Hauptproblem in Würenlos der Durchgangs- und Umwegverkehr ist). Ich erachte aber die vor allem für Fussgänger ausserordentlich gefährliche Situation rund um die heutige Landi als weitaus problematischer als etwas Mehrverkehr (wildes Parkieren, Zu- und Wegfahren, Parkieren von Kunden ohne Parkfelder, mit Ware vollgestelltes Trottoir, fehlendes Trottoir, fehlender Fussgängersteifen etc.) . Mit der heutigen Landi können diese Probleme nicht gelöst werden. Hier bietet sich die Gelegenheit, die Kreuzung neu zu gestalten.

    1. Lieber Herr Giger – Ihre Beurteilung scheint vordergründig durchaus stichhaltig, bei genauerer Analyse des Dossiers erweist sie sich aber als oberflächlich und wenig zutreffend.

      Zur Aufwertung des Bahnhofareals argumentieren sie, dass einige eher schäbige (mein Wort) Hallenbauten und eine offene Parkfläche verschwinden würden. Stimmt. Und ersetzt werden sie… durch Parkflächen und eine grosse Halle… Verbesserung? Wobei nicht die ideenlose Architektur der Punkt ist, wieso die Landi wenig bis nichts zur vom Gemeinderat im „Entwicklungsrichtplan für die Gebiete Bahnhof, Grosszelg, Im Grund und Steinhof „verlangten Aufwertung des Bahnhofareals beiträgt. Sondern der Umstand, dass der geplante Bau keinerlei Bezug zum Bahnhofsareal nimmt. So sind z.B. alle Zugänge auf der Südseite des Landineubaus geplant – maximal entfernt vom Bahnhof. Eine mögliche Form der Aufwertung wäre auch, wenn die neue Landi z.B. eine Platzfläche zum Bahnhof hin fassen würde. Mit Ausnahme der Durchlässigkeit für Fussgänger Richtung Bahnhof hat die Landi hier nie mit sich reden lassen.

      Ihre Argumente bzgl. Verkehr schliesslich machen den Bock zum Gärtner. Ja, die heutige Situation ist unhaltbar. Aber zu einer Verbesserung braucht es mitnichten einen Landi-Neubau. Das vor vielen Jahren beschlossene, leider aber nie umgesetzte Betriebs- und Gestaltungskonzept (BGK) Landstrasse sah auf der Landstrasse einen bergseitigen Radstreifen und auf der Bahnhofstrasse einen attraktiven, mit einer Insel geschützten Fussgängerstreifen in unmittelbarer Nähe der Barriere vor. Nun aber wurde das BGK in „geheimer Mission“ so überarbeitet, dass es „heb chlepf“ eine minimale verkehrliche Erschliessung der Landi ermöglicht und gleichzeitig den Autoverkehr auf der Landstrasse minimalst tangiert. Wer bezahlt den Preis dafür? Velofahrerinnen und Fussgänger, denn auf Wunsch des Kantons wird der Radstreifen auf der Landstrasse einem Mehrzweckstreifen weichen müssen und der barriere-nahe Fussgängerstreifen auf der Bahnhofstrasse wird auf Höhe der ehemaligen Delal-Pizzeria zurückversetzt. Dies ist nicht attraktiv und wird dazu führen, dass mehr als ein Passant nicht den offiziellen Weg über den Fussgängerstreifen, sondern direttissima zur Barriere gehen wird. Und schon sind wir wieder gleich weit. Wirkliche Verbesserungen für den Langsamverkehr sind ohne Landineubau viel effektiver möglich.
      Zu guter Letzt: Sie sprechen von „etwas Mehrverkehr“. Die neue Landi wird laut eigenen Angaben netto 1078 Fahrten Mehrverkehr pro Tag bringen. Also zusätzlich zu den heutigen Landi- und Tankstellen-Kunden. Das entspricht 10% des heutigen Verkehrs auf der Landstrasse. Eine solche Steigerung ist massiv.
      In Summe: Es wird trotz mahnender Stimmen seit mind. 2012 versucht, die Voraussetzung dafür zu schaffen, dass eine Nutzung, die im Grosszelg am falschen Ort ist, doch realisiert werden kann. Mir kommt da nur noch die „Weisheit der Dakota-Indianer“ in den Sinn. Von einem toten Pferd sollte man absteigen… Würenlos legt lieber frisches Futter hin.

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