Archiv der Kategorie: Dorfpolitik

Alle beschlossen wie vom Gemeinderat beantragt

Die Gemeindeversammlung vom 3. Dezember hat alle Traktanden im Sinne des Gemeinderates entschieden. Der Steuerfuss sinkt um 2 Prozentpunkte auf 97 Prozent. Mit Anträgen zu grösseren Steuerfusssenkungen (um 3 oder gar 4 %) unterlagen die Finanzkommission samt FDP (96%) und die SVP (95%) – ebenso mit Anträgen für eine geringfügigere Erhöhung der Stellendotation im Gemeindepersonal.

Nachdem die Rechnungen der letzten Jahre  mit Ertragsüberschüssen abgeschlossen und die Verschuldung markant zurückging, lag eine Steuerfussreduktion in der Luft. Die vom Gemeinderat beantragte, von der CVP unterstützte Senkung auf 97% ging der Finanzkommission zu wenig weit, sie beantragte 96%, die FDP schloss sich diesem Antrag an. Fiko-Präsident Pascal Renaud-dit-Louis liess durchblicken, es wäre  gar eine noch kräftigere Senkung möglich, ohne die finanzpolitischen Ziele zu verfehlen. Prompt beantragte die SVP einen Steuerfuss von 95%, unterlag damit aber schon bei in der ersten Gegenüberstellung der  Anträge. In der zweiten Ausmarchung ausser Abschied und Traktanden schied auch der mehrfach gestellte Antrag, den Steuerfuss unverändert zu belassen. In der Schlussabstimmung setzte sich der Gemeinderat mit seinem Antrag (bei 33 Gegenstimmen) klar durch.

Im Budget 25 missfiel der Finanzkommission, dass in weitaus der meisten Aargauer Gemeinden sowohl der Personalaufwand pro Einwohner/in wie auch der Sach- und Betriebsaufwand niedriger sind als in Würenlos. Statt einer Erhöhung des Stellenplans um 100 Stellenprozente plädierte die Fiko deswegen für eine Erhöhung um bloss 40% (wobei der Gemeinderat entscheiden sollte, wie die zusätzlichen Stellenprozente auf die Schulsozialarbeit, aufs Steueramt und aufs Finanzwesen verteilt würden), die FDP wollte plus 50% durchgehen lassen. Doch auch hier setzte sich der Gemeinderat klar durch.

Die vorgesehene Pensenerhöhung bei der  Schulsozialarbeit, die ins Visier von Fiko uns SVP geriet,  war wohl kein schlagkräftiges, eher weltfremdes Exempel für aufgeblähte Bürokratie. Zu Recht wurde aus der Versammlung auf die Kosten verhindernde Präventionstätigkeit und alarmierenden Probleme von Jugendlichen durch Stress, Mobbing, Depressionen, aber auch Wohlstandverwahrlosung (Gemeindeammann Toni Möckel: „Ja, auch  in Würenlos“) hingewiesen.

Im übrigen genehmigte die Versammlung oppositionslos einen Wasserlieferungsvertrag und einen Bruttoinverstitionskredit von rund CHF 2,1 Mio für den Wasserverbund Limmattal (Anteil Würenlos: CHF 260’000). Schlank gingen auch drei Bauabrechnungen sowie sechs Einbürgerungen durch. Diskussionslos winkten die 151 anwesenden Stimmberechtigten auch die beantragten Gemeinderatsentschädigungen für die Amtsperiode 2026 bis 2029 durch. Die seit 2014 unveränderten jährlichen Pauschalentschädigungen werden um je CHF 3000 erhöht: Gemeindeammann CHF 68’000,  Vizeammann CHF 33’000 und  übrige Gemeinderäte CHF 30’000. Eine zusätzliche Entschädigung von je CHF 10’000 pro Jahr erhalten die Zuständigen für das Ressort TBW und das Bildungsressort (Mehrbelastung nach Abschaffung der Schulpflege). Dieser Abschnitt enthält nachträgliche Korrekturen. In der ursprünglichen Fassung waren Aussagen und Zahlen falsch.

Unter Verschiedenem gab Gemeindeammann Toni Möckel bekannt, dass eine Arbeitsgruppe eingesetzt werde, die sich mit der Überbauung von zwei Parzellen der Einwohner- und der Ortsbürgermeinde im Gebiet Gatteräcker Ost befassen werde. Zur prüfen sein wird unter anderem, ob das Bauland  durch die beiden Gemeinden selbst gemeinsam mit zahlbarem Wohnraum überbaut werden könnte anstatt von Privaten aufgrund von Baurechten. Einer der nächsten würenblicker-Beiträge wird sich diesem wegen dem rasanten Anstieg der Wohnkosten in Würenlos hoch aktuellen Thema annehmen.

Wir müssen jetzt am Kunstrasenplatz dranbleiben (Gastbeitrag)

Nach der gemeinderätlichen Orientierungsversammlung vom
12. November 24 erschien im würenblicker ein Beitrag zum kurzfristig abgesetzten Traktandum der Gemeindeversammlung vom 3. Dezember, dem Verpflichtungskredit für einen neuen Kunstrasen-Sportplatz im Tägerhard. Dazu ist ein Kommentar von Daniel Zehnder eingetroffen. Weil die Reaktion aus Kreisen des SV Würenlos die Länge eines Blog-Kommentars sprengt, wird sie  als Gastbeitrag veröffentlicht.

Wir sind froh, dass würenblicker die Thematik eines zweiten Sportplatzes im Tägerhard in Form eines Kunstrasenplatzes im Würenblicker aufgreift. Zu den Ausführungen braucht es jedoch ein paar Berichtigungen und Ergänzungen.

Der SV Würenlos ist in der Sportkommission genau mit einer Stimme vertreten. Ich, Dani Zehnder, darf den SVW seit 2011 in dieser Kommission vertreten. Damit bin ich mit recht grossem Abstand langjährigstes Kommissionsmitglied und meine zu wissen, was in der Sportkommission mit Erfolg lanciert werden kann und was eher nicht. Weiter ist der SVW in dieser separat für die Ausarbeitung des Kunstrasenprojekts durch den Gemeinderat beauftragten Arbeitsgruppe ‘Erweiterung Sportplatz Tägerhard’ zwar mit zwei Mitgliedern auch vertreten, aber nur unser Präsident Edgar Gut hat dort ein Stimmrecht. Ich darf in der Arbeitsgruppe auch mittun und versuche dabei, mein Wissen zweckmässig einzubringen, darf aber nicht mitstimmen, wenn es um die Wurst geht.

Der Vorschlag bzw. Antrag des SVW an der Wintergemeinde 2023 war es, wie Peter Früh richtig schreibt, die Ausarbeitung des Bauprojekts inkl. einem belastbaren Verpflichtungskredit selbständig vorzubereiten, im Sinne einer Vorfinanzierung. Dass wir, der SVW, das mit der nötigen Sorgfalt gemacht und die jetzt aufgetretenen Schwierigkeit ebenfalls rechtzeitig erkannt hätten, kann ich Dir gerne versichern (vielleicht wäre es einfach etwas schneller gegangen…). Dass der Gemeinderat an der Versammlung dann das Tempo etwas rausnahm und anpasste, um dann an Sommergemeindeversammlung 2024 vorerst über den Projektierungskredit abstimmen lassen zu können, wurde von den anwesenden Würenloserinnen und Würenlos verstanden. Mit der Deutlichkeit der Zustimmung haben sie aber gleichzeitig klar signalisiert, dass mit dem Kunstrasenplatz im Tägerhard vorwärts gemacht werden soll. Genau das war auch die Absicht des SVW, und nichts anderes.

Nun müssen wir etwas ausholen: Im Herbst des Jahres 2019 hat uns der Gemeinderat an einer Sitzung zur Klärung der baurechtlichen Situation auf der Parzelle im Tägerhard, dort wo heute das Garderobengebäude steht, folgendes mitgegeben (festgehalten in einem Kurzprotokoll zu dieser Sitzung): «Ein zweiter Sportplatz im Tägerhard ist in sehr weiter Ferne. Man hält den Platz einfach frei.» Die Situation mit den Würenloser Sportplätzen war aber schon damals nicht viel anders als heute. Die Plätze waren sehr gut belegt und teilweise auch bereits übernutzt. Zu was dann ein wettertechnisch nasses Jahr führen kann, haben alle erfahren, die sich in diesem Jahr auf den Rasenplätzen von Würenlos sportlich betätigt haben. Und die Hallenbelegung stellt schon seit vielen Jahren eine besondere Herausforderung dar, und eben nicht nur für den Fussball, sondern auch für die anderen  Sportvereine.

Dass wir nun unter diesen Voraussetzungen versucht haben, den Bau eines zweiten Sportplatzes im Tägerhard voranzutreiben, ist, meinen wir, nachvollziehbar. Dass Peter Früh hier von einem ‘Trumpschen Powerplay’ des SVW spricht, ist in unseren Augen schon ein polemischer Missgriff der gröberen Art und für uns absolut nicht verständlich. Es geht uns um die zweckmässige Nutzbarkeit und Attraktivität der Sportanlagen in Würenlos als Gesamtes, wovon schliesslich alle Sportvereine profitieren würden. Und dies umso mehr, als ein zweiter Sportplatz im Tägerhard im ‘Ganzheitlichen Sportanlagenkonzept’ der Gemeinde aus dem Jahr 2015 nämlich bereits vorgesehen war.

Und nun zu den Kosten: Es ist in Fachkreisen unbestritten, dass ein neuer Kunstrasenplatz auf einer grünen Wiese – d.h. in einem einigermassen horizontalen Gelände, mit vernünftig sickerfähigem Untergrund und verkehrlich erschlossen – für rund CHF 2.0 bis 2.5 Mio. realisiert werden kann. Auf einem bestehenden Naturrasen kann ein Kunstrasen sogar für CHF 1.5 Mio realisiert werden, wie das vor wenigen Tagen an der Fislisbacher Gemeindeversammlung genehmigte Projekt belegt. Nun haben wir im Tägerhard eine andere Ausgangslage: Wir bauen auf einer ehemaligen Kiesgrube, wo bis in eine Tiefe von rund 40 Meter Kies abgebaut und mit Material wiederaufgefüllt wurde. Dieses Material ist setzungsempfindlicher und vor allem deutlich undurchlässiger als das abgebaute Kies, was das Bauen aufwendiger und somit teurer macht. Wieviel teurer das am Ende sein wird, muss und soll in dieser Arbeitsgruppe nun genauer analysiert werden.

Aufgrund eines ersten Projektentwurfs wurden vom beauftragten Planer mit CHF 4.6 Mio deutlich höhere Kosten abgeschätzt als erwartet wurde oder auch erwartet werden konnte. Diese Mehrkosten gegenüber den ‘Standardkosten’ sind auf die oben beschriebenen Mehraufwendungen infolge der notwendigen Baugrundverbesserung und dem Bau einer funktionstüchtigen und den Vorgaben entsprechenden Versickerungsanlage zurückzuführen. Diese Mehrkosten von gut CHF 2.0 Mio sind der wesentliche Kostentreiber, welcher im Übrigen auch entstehen würde, wenn dort ein Naturrasenplatz erstellt würde.

Dass im Tägerhard die baulichen Randbedingungen nicht ganz einfach sind, ist natürlich keine neue Erkenntnis und führte beim Bau des ersten Sportplatzes für eine fast einjährige Bauverzögerung  und zu Mehrkosten. Der im Jahr 2018 fertiggestellte Naturrasenplatz kostete schliesslich CHF 1.54 Mio und wurde mit einem Beitrag von CHF 0.25 Mio vom Swisslos-Fonds unterstützt.

Die Kostenabschätzung für CHF 4.6 Mio. liegt nun seit Mitte September 2024 vor. Eine erste Sitzung in der Arbeitsgruppe fand leider erst vergangene Woche statt, zwei Monate nach Bekanntwerden dieser neuen Zahlen. Rückblickend müssen wir sicher sagen, dass Angaben zu Kosten erst nach Vorliegen eines Projekts sinnvoll sind, da haben wir uns als SVW sicher etwas zu stark auf die ‘Standardkosten’ für Kunstrasenplätze, aber auch auf die Kosten des im Tägerhard realisierten Naturrasenplatzes berufen.

Ein gutes Bauprojekt braucht Zeit, insbesondere wenn die Randbedingungen anspruchsvoll sind, das versteht auch der SV Würenlos. Geben wir der Arbeitsgruppe ‘Erweiterung Sportplatz Tägerhard’ diese Zeit, um alle Möglichkeiten zu prüfen, wie die Kosten reduziert und optimiert werden können. Aber wir müssen jetzt dranbleiben! Und selbstverständlich werden die Würenloserinnen und Würenlos am Ende mit transparenten Zahlen bedient, um schliesslich selbst entscheiden zu können, ob dieser dringend benötigte zweite Sportplatz im Tägerhard in Form eines Kunstrasenplatzes realisiert werden soll.

Dass im Journalismus auch eine etwas weniger polemische Berichterstattung möglich ist, zeigt übrigens der Artikel im Badener Tagblatt zur kürzlich durchgeführten Fislisbacher Abstimmung. Der Kunstrasen in Würenlos ist kein Ellenbogenprojekt fanatischer Trumpfans, sondern eine wirklich bitter benötigte Voraussetzung für tausende von ehrenamtlich geleisteten Stunden in der dörflichen Jugendarbeit, die auch dann gewertschätzt werden sollte, wenn die eigenen Interessen in der ebenfalls wichtigen (und von der Gemeinde ihrerseits bestens unterstützten) Kulturarbeit liegen.

Finanzielle Dribbelkünstler

Das Geschäft, das an Gemeindeversammlung vom 3. Dezember die  grössten Emotionen ausgelöst hätte, wird gar nicht behandelt. So entschied der Gemeinderat. Denn der Kunstrasen-Sportplatz im Tägi kommt viel teurer zu stehen als bisher angenommen. Wurden 3,5 Millionen Franken von Lobbyisten des Sportvereins Würenlos SVW noch im Sommer als viel zu hoch bezeichnet, sollen es nach seriöserer Berechnung jetzt gar 4,6 Millionen sein.

Situation Sportanlagen Tägerhard (gemäss Masterplan von 2012): Spielfeld 1, gebauter Naturrasenplatz; Spielfeld 2, geplanter Kunstrasenplatz; am unteren Bildrand die SBB-Linie Würenlos – Wettingen.

An der Wintergmeind vor einem Jahr lancierte der SVW einen Überraschungscoup. Unter dem Traktandum Verschiedenes stellte Daniel Zehnder namens des SV Würenlos folgenden Antrag: «Der Gemeinderat bringt den Antrag für einen Baukredit zum Bau eines zweiten Sportplatzes im ‚Tägerhard‘ Würenlos in Form eines Kunstrasenplatzes mit Ziel Sommer-Gemeindeversammlung 2024 zur Abstimmung.»

Die Sportkommission (in der zwei SVW-Vertreter sitzen) und der Gemeinderat waren quasi in letzter Minute über den Antrag ins Bild gesetzt worden und hätten so umdribbelt werden sollen. Aushebeln wollte der SVW auch das ordentliche Verfahren – zuerst ein Projektierungskredit vor die Gemeindeversammlung, später der Verpflichtungskredit. Die Fussballer wollten das Projekt inklusive Kostenvoranschlag gleich selbst liefern. Als Vorleistung, das der Gemeinde Kosten erspare. Die Gemeindeversammlung hätte so nur noch den Verpflichtungs- (Baukredit) absegnen müssen. Das Publikum applaudierte.

Zum Glück liess sich der Gemeinderat nicht übertölpeln. Gemeindeammann Toni Möckel wies daraufhin, dass der Kunstrasenplatz nicht auf dem Finanzplan für die nächsten Jahre stehe. Aber wenn die Stimmberechtigten einen vorgezogenen Bau wünschten, lasse die gute Finanzlage der Gemeinde einen solchen zu. Das aber nur, wenn zuerst über einen Projektierungskredit abgestimmt werde. Möckel laut Protokoll: «Wir müssen hier schon korrekt bleiben.» Der  Gemeinderat könne den SVW-Vorschlag in abgeschwächter Form entgegennehmen und der nächsten Gemeindeversammlung einen Projektierungskredit unterbreiten.» Ein Verpflichtungskredit könne dann frühestens an der Dezember-Gmeind 24 zur Abstimmung kommen.

Den abgeschwächten Antrag genehmigte die damalige Versammlung mit grosser Mehrheit und 15 Gegenstimmen. Dass ein weiterer Sportplatz mit Kunstrasen im Tägi möglichst rasch realisiert werden sollte, leuchtete den Stimmberechtigten ein. Denn die bestehenden Rasenplätze genügen für die zahlreichen SVW-Mannschaften und den Rugby-Club kaum noch. Im Winter müssen die Fussballer fürs Training oft in die ohnehin stark belegte Mehrzweckhalle ausweichen. Ein Kunstrasen kann auch bei schlechtem Wetter intensiver genutzt werden als ein Naturrrasen, die Mehrzweckhalle würde also von Fussballtrainings entlastet.

Der Gemeindeversammlung vom Sommer 24 wurde ein Projektierungskredit in der Höhe von 72’000 Franken tatsächlich vorgelegt und mit nur 4 Gegenstimmen gutgeheissen. Erstmals waren  auch Zahlen über die Kosten des Bauvorhabens zu hören. Lukas Wopmann, für Sport zuständiger Gemeinderat, nannte nach Vorabklärungen einen Betrag von 2,5 – 3,5 Mio. Franken. Darauf folgte eine Debatte, die Stoff für eine Realsatire mit dem Thema «Donald Trump orchestriert die Fussball-Lobby an einer Aargauer Gemeindeversammlung». Originalton aus dem Protokoll:

Jürg Frei (Präsident Verein für ein lebenswertes Würenlos, Ex-Präsident SVW , rasender Reporter): «Ich habe gleich noch eine kleine Korrektur. Ein Kunstrasenplatz, ich habe das auch mal ausgerechnet, kostet etwa 1,8 bis 2 Mio. Franken. Herr Wopmann hat, wenn ich mich recht erinnere, vorhin von 2 bis 2,5 Mio. Franken gesprochen…»

Lukas Wopmann: «Es dürften 2,5 bis 3,5 Mio. Franken sein.»

Jürg Frei: «Also 3,5 Mio. Franken finde ich sehr sehr viel – aber egal.»

Edgar Gut ( SVW-Präsident): «Dass der Platz dort 3,5 Mio. Franken kosten soll, kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Wir haben Folien vorbereitet, wo von viel tieferen Zahlen die Rede ist, also etwa in der Grössenordnung von vielleicht 1,9 bis maximal 2,3 Mio. Franken.»

Im vergangenen September nun präsentierten die beauftragten Planer ihr Projekt samt Kostenvoranschlag – eine böse Überraschung. Auf 4,6 Millionen Franken schätzen sie die Baukosten. Nur ein Beispiel zum Vergleich: Schon im Jahre 2019 war in Muhen AG ein vergleichbarer Kunstrasenplatz zu Kosten von 3,8 Mio. Franken dem Volk vorgelegt worden.

Zu Recht hatte der SVW darauf hingewiesen, dass Würenlos einen Sonderbeitrag von 400 000 Franken für den Sportplatz erhalten könne aus dem Swisslos-Sportfonds Aargau. Der Regierungsrat will so das Manko an Kunstrasenplätzen im Kanton beheben. Wenn nur das Wörtchen wenn nicht wär. 11 Gemeinden kriegen was, nun wollen aber 23 an den Sondertopf. Eine Zusicherung, dass es bei Erfüllung aller Kriterien (inkl. Baubewilligung) bis 2027 einen Betrag erhalte, hat Würenlos bisher nicht erhalten.

Finanziell nicht unbeachtlich sind  die Folgekosten des Vorhabens. Der Kunstrasen hält bestenfalls 15 Jahre und muss dann ersetzt werden, Kostenpunkt etwa 800’000 Franken. Abgeschrieben muss der ganze Sportplatz aber gemäss Finanzverordnung innert 10 Jahren. Macht nach Inbetriebnahme pro Jahr etwa 460’000 Franken. Oder wie Pascal Renaud-dit-Louis , Präsident der Finanzkommission, an der Info-Veranstaltung ergänzte: «2 Steuerprozente während 10 Jahren». Und das in Jahren, in denen gemäss Finanzplan andere grosse Investitionsbrocken auf die Gemeinde zukommen.

Aufgrund der Sachlage hat der Gemeinderat darum kurzfristig entschieden, das Traktandum für die kommende Gemeindeversammlung zu streichen. «Ein Projekt in diesem finanziellen Ausmass in so kurzer Zeit für die Gemeindeversammlung vorzubereiten, empfanden wir als unseriös. Zudem erachten wir es als sehr schwierig, vom Stimmvolk einen Betrag von 4,5 Millionen für einen Platz zum Fussball-, Rugbyspielen und Turnen zu verlangen», sagte Lukas Wopmann jüngst am Info-Anlass des Gemeinderates. Auch Einsparmöglichkeiten sollen nun geprüft werden.

Mögen die finanziellen Dribbelkünstler vom SVW mit ihrem Powerplay bloss nicht ein Eigentor geschossen haben!

Link zum AZ-Bericht über die Informationsveranstaltung des Gemeinderates vom 12. November, an der auch über den jetzigen Stand bezüglich Alterszentrum und Gesamtrevision der Allgemeinen Nutzungsplanung informiert wurde.

Der Rüebligraben durchs Aargauer Limmattal

FDP-Kandidat Daniel Grotzky aus Bergdietikon  hat  gerechnet. Er vertrat in einem Leserbrief im «Badener Tagblatt» (BT) die Ansicht, das aargauische Limmattal sei im Kantonsparlament bisher stark untervertreten, nämlich nur gerade mit zwei SVP-Grossräten. Einer ist der in der zu Ende gehenden Amtsperiode nachgerückte Würenloser Thomas Zollinger. Mehr Stimmen aus dem Limmattal täten dem Aargau gut, meint Grotzky. Zumal auch in Bergdietikon, Grotzkys Wohngemeinde, mit einer nicht ganz halb so grossen Bevölkerung wie in Würenlos unproportional wenige Personen für den Grossen Rat kandidieren: Vier Männer, darunter eben Grotzky, Kommunikationsleiter in einem grossen Chemieunternehmen.

Grotzky hat mit seiner These des schlecht vertretenen Limmattals die Politikszene in Aufregung versetzt. Allerdings eher ein Sturm im Wasserglas, wie er in Vorwahlzeiten von der Politszene gerne heraufbeschworen wird. Eine gewisse Rolle spielt dabei spielt, was unter «aargauischem Limmattal» eigentlich zu verstehen ist. Auch das BT hat nachgerechnet und schrieb, im Aargauer Limmattal zwischen Spreitenbach und Untersiggenthal seien derzeit 27 der 31 GrossrätInnen wohnhaft.

Auch die Wettinger SP-Grossrätin Lea Schmidmeister stört sich an Grotzkys Aussage. Die direkte Anwohnerin der Limmig fühlt sie sich auch als Vertreterin des Aargauer Limmattals. Auch Jonas Fricker, Grossrat der Grünen, kann den Ruf nach mehr Gehör fürs Limmattal nicht nachvollziehen. Mit aktuell 27 Grossratsmitglieder aus dem ganzen Aargauer Limmattal hersche sogar eine Übervertretung. 

Grotzky meinte dazu, er habe er habe eben eine etwas andere Definition des Limmattals, nämlich die im Agglomerationsprogramm Limmattal genannten vier Gemeinden Spreitenbach, Killwangen, Würenlos und Bergdietikon. Tatsächlich gehören sie nicht zur Agglomeration Baden-Wettingen, sondern zur Grossagglomeration Zürich. Das schmerzt natürlich hiesige Politikerinnen und Politiker,  weil so die Agglomeration Baden-Wettingen etwas kleiner gemacht wird als sie sie sehen. Nur – das gemeine Fussvolk kümmert dies herzlich wenig.  

BT-Hauskarikaturist Silvan Wegmann hat Grotzky gezeichnet, wie er  bei Killwangen mit einem Baggerchen einen Graben schaufelt. «Was baut der Grotzky da?» fragt ein Spaziergänger seinen Begleiter. «Antwort: «Den Rüebligraben.»  Nur, diesen Rüebligraben gibts tatsächlich ein Stück weit.. Und das ist nicht die Schuld Grotzkys, sondern jene der kantonalen und regionalen Raum- und Verkehrsplaner. 

Wo blieben unsere vier Gemeinden diesseits des Rüebligrabens bei der Zangengeburt «Regionales Gesamtverkehrskonzept Ostaargau»? – Nirgends. So wurde der Durchgangsverkehr durch den Ostaargau erstmals  an der Gemeindegrenze Wettingen nach der Furttalkreuzung gemessen. Selbst für den Präsidenten von Baden Regio, den Wettinger Gemeindepräsidenten,  beginnt offenbar der Ostargau erst auf seinem Gemeindegebiet. 

Ein von natürlichen Grenzen _ Gewässer, Hügelzüge – durchzogenes Gebiet bildet den Bezirk Baden und das Regionalplanungsgebiet BadenRegio. Dies- und jenseits des Bareggs ticken die Gemeinden nicht im Gleichtakt, wie die Neuenhofer Grossrätin Petra Kuster erwähnt.  Das  gilt auch für die Gemeinden entlang des 36 Kilometer langen aargauischen Limmatabschnitts. Aber auch wegen der Kantonsgrenze mit Zürich, dem anderen Limmatkanton, gebe es «keine spezifische Limmattal-Identität», steht im Vorwort zum Buch «Das Limmattal – Hinschauen statt durchfahren» (erschienen im Verlag Hier und Jetzt). 

Gehört das Siggental (es schreibt sich im Gegensatz zu den Gemeinden Ober- und Untersiggenthal ohne ‚h‘) überhaupt noch zum Limmattal?» fragt sich etwa der Badener Autor Urs Tremp zu Beginn seines Beitrags im besagten Buch. Die beiden Gemeinden im Siggental – heute typische Pendlergemeinden) seien lange Zeit landwirtschaftlicher Vorgarten der Stadt Baden gewesen und für nicht wenige Badener hätten hätten die Siggentaler als bockige Bauern gegolten, die sich der modernen Entwicklung widersetzten. 

Lokal- oder Regionalidentitäten wirken in der heutigen Zeit mit ihrer mobilen Bevölkerung ohnehin etwas antiquiert. So darf von einem Grossrat aus der Aargauer Reusstalgemeinde Mellingen doch erwartet werden, dass er berechtigte Interessen von Gemeinden auch ennet des Heitersbergs vertritt und umgekehrt. Wenn die Aargauer Politik von etwas entschlackt werden soll, dann gewiss von übertriebenen lokal- oder regionalpolitischem Gärtlidenken. 

Wenn nun am 20. Oktober sich aus aus einigen Aargauer Limmattalgemeinden proportional weniger und aus anderen mehr Frauen und Männer um ein Grossratsmandat bewerben, so hat dies verschiedenste Gründe. Das hat die Debatte um Grotzkys Rüebligraben gezeigt.

Das beginnt beim Umstand, dass die Bewohnerinnen und Bewohner der Aargauer Gemeinden zuoberst im Limmattal halt weit von Aarau oder gar Zofingen entfernt wohnen und sie sich wegen ihrer Herkunft oder ihres Pendlerdaseins mindestens so sehr für das Geschehen im Nachbarkanton Zürich interessieren.

Und es hört da auf, womit das BT Thomas Zollinger zitiert, der sagt: «Die akademische Bevölkerungsschicht nimmt ihr Wahl und Stimmrecht überproportional wahr.» Und Kandidatinnen und Kandidaten aus Baden und Wettingen hätten einen höheren Bekanntheitsgrad. – Wenigstens an seinem Bekanntheitsgrad hat der Bergdietiker Daniel Grotzky gekonnt gearbeitet.