Mit einem kurzen Weglein vom Kohlgrubenweg zur Landstrasse könnte das Fusswegnetz im Dorf optimiert werden. Es entstünde eine neue, attraktive Fussverbindung von der Dorfstrasse zum Bahnhof.
Ein schön angelegter öffentlicher Fussweg führt durch die neue Überbauung Gatterächer West.
Die Wohnüberbauung Gatterächer West ist fertig gebaut. Bald werden auch die letzten Wohnungen bezogen sein. Dann haben über 100 junge und alte Menschen ein neues Zuhause mitten im Dorf gefunden – nahe der Läden, nahe der Haltestellen des öffentlichen Verkehrs (Bus, S-Bahn), und mit Kindergärten sowie Kinderkrippe und –hort in nächster Nähe.
Zu den Bewohnern werden auch mein Blogger-Kollege Hans Arnold und seine Frau Margrit gehören. Ihnen, die bisher ein Einfamilienhaus im Buechquartier bewohnten, haben es nicht nur das Konzept und die Architektur der Überbauung angetan, sondern eben auch die zentrale Lage. Sie ist ideal für aktive Menschen im etwas fortgeschritteneren Alter, die nicht aufs Auto angewiesen sein wollen. Aber auch für jüngere Berufstätige, die mit dem öffentlichen Verkehr in den Raum Zürich oder nach Wettingen/Baden pendeln, sind die Wohnungen gut gelegen.
Die Gemeinde hat erfreulicherweise erwirkt, dass ein öffentlicher Fussweg quer durch die Überbauung von der Haselstrasse zum Kohlgrubenweg führt – eine wertvolle Ergänzung des Wegnetzes für den Langsamverkehr, von der das ganze Dorf profitiert. Die neue Fussverbindung hat aber noch einen Schönheitsfehler. Sie endet am Kohlgrubenweg. Es fehlt ein kurzes Verbindungsstück zur Landstrasse. Wer zu Fuss zum Bahnhof und dessen Umgebung gelangen will, muss weiterhin einen ziemlich grossen Umweg via Zebrastreifen bei der Bäckerei Schwab und die Landstrasse machen.
In der neuen Fussweg-Verbindung zwischen Dorf- und Landstrasse fehlt das kurze Teilstück zwischen den roten Pfeilen.
Hans Arnold hat darum in einem Brief an den Gemeinderat angeregt, die Lücke zur Landstrasse (Höhe Steinhof) möglichst bald zu schliessen. Wenn das Geld für eine definitive Lösung fehle, erfülle auch ein einfacher Kiesweg als Provisorium den Zweck. In einem vor Jahren erarbeiteten Gestaltungskonzept für die Landstrasse ist bei der Einmündung des vorgeschlagenen Fusswegs in die Landstrasse (vis-à-vis Steinhof-Parkplatz) eine Haltestelle für die RVBW-Busse vorgesehen. Hans Arnolds Vorschlag steht somit keineswegs quer in der Landschaft. Beim Aufwand für ein Provisorium ist aber zu bedenken, dass für ein sicheres Queren der Landstrasse (Zebrastreifen, allenfalls gar Mittelinsel) gesorgt werden müsste. Diese Investition käme aber auch den Anwohnern der Landstrasse auf der heute Trottoir-losen Seite zugute.
Inzwischen hat Bauverwalter Markus Roth mit einem Mail bereits auf Arnolds Schreiben reagiert: «Ich habe Ihr Anliegen aufgenommen und werde es abklären, es wird aber noch etwas dauern. Ich melde mich wieder, wenn ich etwas Neues weiss.» (Abschnitt ergänzt am 13.2.16)
Der Vorschlag für eine einfach gestaltete Wegverbindung erinnert an einen namenlosen Kiesweg, der früher von der Lättenstrasse zur Hürdlistrasse in Richtung Bahnhof geführt hat. Dieser Weg war von Bahnpendlern angeregt worden und trug darum im Volksmund den Namen Professorenwegli. Zustande kam der Weg, der bis zur Ablösung durch die neue Hungerbüelstrasse sehr rege benützt wurde, auch dank kooperativem Verhalten der Landbesitzer.
Mit diesem Artikel hätte ich wieder mal ins Schwarze getroffen, sagte die Würenloserin, die mich jüngst auf der Strasse angesprochen hat. Sie meinte den Beitrag über Mama-Taxis. Sie war mit ihrem persönlichen Feedback nicht die einzige. Wie zuvor schon eine andere Grossmutter machte sie mich darauf aufmerksam, dass die Situation beim Kindergarten Gatterächer eher noch schlimmer sei als vor der Schule.
Landstrasse 53, Schild an der Haustüre.
Eigentlich aber brannte die Frau ein anderes Thema unter den Nägeln, das ich Ende letzten Jahres aufgegriffen habe (Link). Und da ging sie schon weniger einig mit mir. Es sei doch ungerecht, was Eigentümern erhaltenswerter Häuser zugemutet werde. Als Beispiel nannte sie, wie zuvor schon ein Online-Kommentator, das Haus Landstrasse 53 bei der Einmündung der Dorfstrasse. Der Eigentümerin ist zwar der Abbruch des angebauten Oekonomiegebäudes und der Errichtung eines Ersatzbaues bewilligt worden, der Wohntrakt direkt an der Landstrasse muss aber stehen bleiben. Auch wenn er offenbar so marode ist, dass ein Schild an der Haustür warnt « Einsturzgefahr».
Das ausgehöhlte Wohnhaus Landstrasse 53.
Das Gebäude aus dem 19. Jahrhundert ist «ortsbildprägend», wie Gemeindeschreiber Daniel Huggler in seiner Beschreibung von ortsgeschichtlich interessanten Gebäuden in den Würenloser Blättern 2010 ausgeführt hat. Es war früher das erste Haus unseres Dorfes, das die aus Richtung Wettingen Kommenden zu Gesicht bekamen. Und es ist fast das letzte noch stehende einer ganzen Reihe von Bauernhäusern, die der Dorfstrasse bis in die 1980er-Jahre hinein ein ausgesprochen ländliches Gepräge gaben.
Aber heute ist nichts mehr mit ländlicher Idylle. Tag und Nacht braust der Autoverkehr unmittelbar vor den Fenstern des Hauses durch. Ein prominentes Gebäude also an einer eher unattraktiven Lage. Dieses Schicksal teil es mit anderen historischen Bauzeugen entlang der viel befahrenen Land- und Schulstrasse. Umso lobenswerter ist es, dass zum Beispiel das von der Eigentümerfamilie Nötzli selbst bewohnte ehemalige Weinbauernhaus an der Landstrasse 86 als Bereicherung des Ortsbilds integral erhalten blieb. Oder dass das ehemalige Doppelwohnhaus an der Schulstrasse 65 (ehemals Bauernhof Markwalder) umfassend renoviert wurde.
Eigentümern erhaltenswerter Liegenschaften, die um- oder gar neu bauen wollen, wird tatsächlich einiges mehr abverlangt als anderen Bauherren. Der Planungsaufwand ist grösser, die Baukosten sind höher, die Auflagen strenger. Die Freiheit des Eigentümers wird zugunsten eines höher gewichteten öffentlichen Interesses noch stärker eingeschränkt als es das Baurecht sonst schon tut. Das aber ist vom Gesetzgeber – und das sind wir alle – so gewollt. Eine Ungerechtigkeit mag man darin sehen, dass der Staat den Eigentümern schützenswerter Bauten viel dreinredet, sich aber – wenn schon – in eher geringem Mass an den Mehrkosten beteiligt. An die Renovation des Dillingerhauses an der Mühlegasse etwa zahlte die Ortsbürgergemeinde 30 000 Franken aus ihrem Ortsbild- und Denkmalpflegefonds.
Gewisse denkmalpflegerische Überlegungen sind nicht auf den ersten Blick plausibel. Warum soll ein altes Gebälk unbedingt erhalten bleiben, wenn ein neues seinen Zweck eher besser erfüllen würde? Warum darf in der Weilerzone Oetlikon bei einem Um- oder Neubau keine unterirdische Parkgarage erstellt werden? Denkmalpfleger und Baubehörden müssen viel Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit leisten, wollen sie nicht als lästige Bauvögte wahrgenommen werden. Umgekehrt darf von Eigentümern erwartet werden, dass sie die Beratung, die ihnen angeboten wird, auch in Anspruch nehmen und sich nicht völlig resistent zeigen gegen Ratschläge der Fachleute. Es braucht Kompromissbereitschaft auf beiden Seiten.
Eigentümer, die ihr erhaltenswertes Haus nur als Hypothek empfinden,sollten sich wohl besser von diesem trennen. In Würenlos, gibt es Beispiele genug, die zeigen, was aus Objekten in Liebhaberhänden Schönes werden kann. Paradebeispiel ist sicher die Alte Mühle an der Mühlegasse, deren Oekonomieteil eben durch einen architektonisch und denkmalpflegerisch überzeugenden Wohntrakt ersetzt wurde. Manchmal aber ist das mit dem Verkauf leichter gesagt als getan. Wer will denn schon ein baufälliges Haus an einer lärmigen Strasse kaufen, das mit hohen Kosten erhalten werden muss? Ortsbild- und Denkmalpflege ist und bleibt ein Minenfeld. Und in der Regel wird in einem Dorf umso verbissener um den Erhalt alter Häuser gerungen, je weniger davon noch übrig geblieben sind.
PS: Nochmals zurück zum Thema Mama-Taxi: Man könnte doch bei der Schule und den Kindergärten grosse Spruchbänder über die Strasse hängen mit der Aufschrift «Mama-Taxi ist doof». Spätestens dann, wenn der Sprössling aus dem Kindersitzli nach vorne fragen wird, „Du Mami, was steht da geschrieben?“ werden wohl auch die Unverbesserlichsten das Auto stehen lassen.
Noch bis 13. Februar liegt das Baugesuch für den Gasthof Steinhof in der Bauverwaltung öffentlich auf. Das eingereichte Projekt wird viele Würenloser beruhigen, für die das 1850 als Brauerei erbaute, geschichtsträchtige Wirtshaus ein unverzichtbares Stück Würenlos darstellt.
Das künftige Steinhof-Ensemble mit Gasthof (rechts) sowie Mehrfamilienhaus und Einfahrt Tiefgarage (links), von der Landstrasse aus gesehen.
Der Steinhof bleibt Gasthof mit Restaurant, Gästezimmern (insgesamt 28 Betten) und einem Saal. Erhalten bleibt der Kopfbau mit dem Restaurant im Parterre und der Baum bestandenen Gartenwirtschaft auf die Landstrasse hinaus. Im unverändert grossen Restaurant finden 50 Gäste Platz. In den grossen Kellerräumen, in denen zur Brauereizeit das Bier gelagert wurde, wird eine Bar eingerichtet und auch ein Weinkeller soll zum gemütlichen Beisammensein einladen. Hinweis an jene, die das Baugespann vor Ort studieren wollen: Nichts zu besagen hat, dass die Profilstangen von den Aussenmauern des Kopfbaues abgerückt sind. Die Aussenmauern bleiben. Die Profile stehen nur deshalb ausserhalb, weil man dem maroden Dachstock nicht zutraut, sie sicher tragen zu können.
Der Kopfbau (links) mit dem langen Ersatzbau, von Norden (Parkplatz) aus betrachtet.
Abgebrochen werden die an den Kopfbau anschliessenden hinteren Gebäudeteile mit einem Teil der Küche, den Toiletten, der Bar «La cage aux folles», dem grossen, seit langem unbenützbaren Saal im Obergeschoss sowie der Wirtewohnung. Geplant ist ein länglicher Ersatzbau mit etwa gleich grossen Kubaturen. Im Erdgeschoss ist vor allem eine unterteilbarer Saal mit Buffet geplant, im 1. Ober- und im Dachgeschoss Studios sowie wiederum eine Wirtewohnung . Der Saal soll gemäss Baueingabe künftig auch die Funktion eines Gemeinschaftsraums erfüllen, der mit der auf dem weiteren Steinhof-Land geplanten Grossüberbauung erstellt werden müsste.
Blick von Süden (Coiffeur Gruber) auf das anstelle der grossen Scheune geplante Mehrfamilienhaus.
Abgerissen wird auch das grosse Ökonomiegebäude, das längst nicht mehr landwirtschaftliche genutzt wurde, in dem aber das «Jägerstübli» manchem fröhlichen Festchen Platz bot. In praktisch gleicher Kubatur und mit Holz verkleideter Fassade entsteht anstelle der grossen Scheune ein Mehrfamilienhaus mit 3,5- und 2,5-Zimmer-Wohnungen und einer Tiefgarage. Ingesamt sind für den ganzen Steinhof-Komplex mit Restaurant, Bar, Hotel und Wohnungen 37 Autoabstellplätze geplant, davon 17 auf dem bestehenden Parkplatz. Die Einfahrt in die Tiefgarage soll kaum in Erscheinung treten, wird sie doch von der Landstrasse her durch einen Einschnitt in der Erdrampe erfolgen, über die einst die Heufuder direkt in die Scheune hoch fuhren.
Projektverfasser sind Thalmann Steger Architekten, Wettingen, die schon die Überbauung Hürdli geplant haben und auch bei der Grossüberbauung auf dem noch unüberbauten Steinhof-Land am Werk sind. Die Baukosten werden im Baugesuch mit 9,1 Millionen Franken veranschlagt, zuzüglich Umgebungsgestaltung.. Bauherren sind Juan und Lisa Rodriguez. Die 2009 im hohen Alter verstorbene letzte Steinhof-Wirtin Verena Maduz hatte die gesamte Liegenschaft (inkl. Bauland) testamentarisch ihren beiden langjährigen Angestellten vermacht.
Später war für den in der Wohn- und Gewerbezone liegenden Steinhof ein Gesuch für den vollständigen Abbruch eingereicht und von der Gemeinde auch bewilligt worden. (Link zum damaligen Artikel). Die Befürchtung wurde laut, die Tage des Steinhofs als Gasthof könnten gezählt sein. Jetzt präsentiert sich die Lage anders. Allerdings dürfte es eine ziemlich grosse betriebswirtschaftliche Herausforderung sein , die Gastronomie in dem für viel Geld um- und neu gebauten Haus erfolgreich zu gestalten. Ob die Besitzerfamilie selbst oder jemand anders den Betrieb führen wird, ist dem Vernehmen nach noch offen.
Lange Zeit war das Projekt Steinhof blockiert durch die Entwicklungsplanung «Im Grund», die das ganze Gebiet südlich des Bahnhofs umfasst. Auch schien es lange so, als sei das Gasthof-Projekt erst finanzierbar, wenn das ebenfalls von der Familie Rodriguez geerbte Bauland im Gebiet «Im Grund» baureif sei und verkauft werden könne. Auch darüber hat würenblicker schon berichtet. (Link dazu) Nun konnte das Schicksal des Steinhofs planerisch und offenbar auch finanziell abgekoppelt werden.
Vor zwei Wochen erschien zu meinem Beitrag «Altes weicht Neuem» ein Kommentar von Guido Müller. Er vertritt die Meinung, dass der Abbruch erhaltenswerter Häuser erleichtert werden sollte, wenn das Äussere des Ersatzbaues einigermassen dem Vorgängerbau entspricht.
Ich fände das nicht gut. Solche Ersatzbauten befriedigen architektonisch oft nicht, ihr historischer Wert ist gering. Wiederaufbau statt Sanierung lässt zwar keinen Ballenberg entstehen, dafür aber ein Disneyland – es wird einem etwas vorgegaukelt. Auf diese Art sind schon zu viele erhaltenswerte Gebäude in Würenlos verschwunden. Die historische Bausubstanz und das Bild unseres Dorfes hat übermässig gelitten. Obwohl die Ortsteile, um die es geht, oft in der sogenannten Dorfzone mit Bauvorschriften liegen, die strenger sind als für die übrigen Bauzonen.
Oft machen eben Details und verborgene Kostbarkeiten, wie ein Gewölbekeller oder ein Kachelofen, das Cachet eines alten Hauses aus. Sie lassen spätere Generationen nachvollziehen, wie früher in solchen Häusern gewohnt und gearbeitet wurde. Ersatzbauten können das selten. Und wenn, dann sind es Rekonstruktionen, die sehr, sehr teuer sind, indem zum Beispiel auf Normbauteile oder moderne Baustoffe verzichtet wird und spezialisierte Handwerker zum Zuge kommen.
Blieb hier die Eigenart der einstigen Dorfstrasse erhalten? Mit den beliebigen Spitzgiebeln wohl kaum und der scheusslich-billigen Sichtschutzwand ganz sicher nicht.
Statt eines halbbatzigen Ersatzbaus, der auf hilflose Weise versucht, doch noch irgendwie einem Bauernhaus zu ähneln, und sei es auch nur mit einem putzigen Ziegeldächli über der Rampe zur Tiefgarage, wäre ein moderner Neubau oft ehrlicher und überzeugender. Natürlich müsste er von hoher architektonischer Qualität sein und sich in die Umgebung einfügen – mit moderner Formensprache, ohne Anbiederung. In einer solchen Umgebung kämen auch die verbliebenen alten Bauten besser zur Geltung.
Die Sichtweise der Denkmal- und Ortsbildpflege hat sich verändert. Das zeigt sich am Wakkerpreis, mit dem seit 1972 alljährlich eine Ortschaft mit vorbildlichem Ortsbild ausgezeichnet wird. Wurden im ersten Jahrzehnt ab 1972 noch Postkartenidyllen wie Stein am Rhein, Guarda oder Ernen (VS) ausgezeichnet, so erhielt 2002 Turgi den begehrten Preis, weil es seine Verantwortung für das frühindustrielle Bauerbe und für hochwertige zeitgenössische Architektur erkannt habe. Und 2011 folgte die Gemeinde Fläsch im Churer Rheintal. Fläsch hat seinen Charakter als Weinbaudorf vorbildlich zu erhalten gewusst, indem es auch auf architektonisch qualitätsvolle, zeitgemässe Neubauten setzte.
In unseren alten Dorfteilen dagegen ist zu viel Geschmäcklerisches und Überangepasstes entstanden, aber zu wenig architektonisch Qualitätsvolles. Dabei hatte es mit dem mutigen Bau der neuen katholischen Kirche vor bald 79 Jahren so gut begonnen. Aber schon 1995, als in der Buchreihe «Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau» der Band VII erschien, stand da, die Würenloser Kernzone habe wesentliche Teile ihrer Altsubstanz durch Hausabbrüche oder einschneidende Umbauten verloren und sei «mit neuen, zumTeilsehr fragwürdigen Gebäuden» durchsetzt. Trotzdem, so wurde damals festgestellt, sei «die einstige Struktur der Kernzone an einer Anzahl intakt gebliebener Landwirtschaftbauten noch ablesbar».
So marode, dass es fast schon pitoresk wirkt: Das seit Jahrzehnten schamlos dem Verfall preisgegebene Bauernhaus am Furtbach, oberhalb der Dorfstrassen-Brücke.
Heute ist sie es kaum noch. Denn seit 1995 sind viele der Landwirtschaftsbauten verschwunden und weitere werden in absehbarer Zeit wohl noch folgen. Eine aussterbende Gattung sind die für Würenlos einst typischen «Mittertenderhäuser» – Kleinbauernhäuser, die unter einem Dach Wohntrakt, Stall und dazwischen das Tenn vereinen. Während einzelne wenige Eigentümer ihre Gebäude mit viel Liebe in Schuss halten, haben andere «zielstrebig nichtstuend» ihre Häuser bis zur Abbruchreife verlottern lassen.
Entstanden sind anstelle der platt gemachten Bauten meist relativ simple Mehrfamilienhäuser. Die Dorfzone soll, so die Bauordnung, «wertvolle Ortsteile in ihrer baulichen Einheit und Eigenart erhalten». Dieser Zweck wurde oft krass verfehlt. Die in der in der Bauordnung für die Dorf- und für die Kernzone vorgeschriebenen Satteldächer haben sich eher als Handidcap erwiesen. Weil die grösstmögliche Dachneigung von 50 Prozent aus Rentabilitätsgründen fast überall ausgenützt wurde, ergab sich ein Siedlungsbild, das mit dem früheren, von ganz unterschiedlich hohen Gebäuden geprägten wenig mehr gemeinsam hat und viel uniformer wirkt. Einigermassen ihren Zweck erfüllt haben die Spezialvorschriften der Dorfzone nur im Gebiet Mühlegasse/Dorfstrasse (ab Speicher bis Schulstrasse), beidseits des Furtbachs oberhalb der Dorfstrassenbrücke und grösstenteils im Kempfhof.
Dorfstrasse: Abgebrochen worden ist soeben das Haus, in dem einst der Konsum (heute Coop) untergebracht war, bevor er in die heutige Kinderoase umzog.
Die «bauliche Einheit und Eigenart» verloren hat die Dorfstrasse zwischen Land- und Haselstrasse. Hier gehört die eine Strassenseite zur Kern- und die andere zur Dorfzone – an sich schon eine Fragwürdigkeit.
Wie in der Dorfzone gebaut werden darf, offenbart sich am augenfälligsten ausserhalb des Dorfzentrums, wo vor allem frühere Obstgärten und überflüssüg gewordene landwirtschaftliche Bauten dran-glauben mussten: An der Schulstrasse (einst der ausgesiedelte Bauernhof Markwalder) und an der Bachstrasse im Kempfhof stehen nun hohe Wohnblöcke mit spitzen Giebeln militärisch stramm in Kolonne – unter einem Dorf stellt man sich etwas ganz anderes vor.
Die Vorschriften für die Kern- und für die Dorfzone sind revisionsbedürftig. Sie entstanden in der Zeit, als das Dorf noch ein anderes war. Laut Bauordnung ist die Dorfzone unter anderem für die Landwirtschaft bestimmt. Anders als damals, als diese Definition verfasst wurde, gibt es aber in der gesamten Dorfzone nur gerade noch einen aktiven Landwirtschaftsbetrieb – jenen von Isidor Moser bei der Kempfhof-Barriere. Alle anderen noch bewirtschafteten Landwirtschaftsbetriebe liegen ausserhalb des Baugebietes oder im streng geschützten Weiler Oetlikon.
Neubauten an der Schulstrasse in Reih und Glied: Oed und langweilig, als stünden sie in der ehemaligen DDR.Wenns der Liebe Hergott bzw. die katholische Kirchgemeinde will, läutet auch für das eindrückliche Hochstudhaus mit dem Blumenladen (ehemals Chilemetzg) das Totenglöcklein.
Die Nagelprobe kommt für die Dorfzone, wenn die katholische Kirchgemeinde ihre Absicht in die Tat umsetzen will, das Hochstudhaus (ehemals Chilemetzg) an der Schulstrasse durch einen Neubau zu ersetzen. Das ehemalige Doppelbauernhaus bildet mit den Kirchenbauten eines der reizvollsten Ensembles im ganzen Dorf; neben dem Haus Dorfstrasse 19 (mit Speicher) ist es sicher das imposanteste ehemalige Bauernhaus im alten Dorf. Ein Ersatzbau wird architektonisch alles, was in der Dorfzone je neu gebaut worden ist, um Klassen übertreffen müssen, wenn die Verantwortlichen der Kirche und der Baubehörden nicht direkt ins Fegefeuer wandern wollen.
Profilstangen beim Steinhof-Kopfbau un der daneben stehenden Scheune zeigen: Hier soll sich was tun.
Auch ausserhalb der Kern- und Dorfzone stehen Gebäude, die fürs Dorf wichtig und identitätsstiftend sind., wie der der Steinhof (in der Wohn- und Gewerbezone). Er soll bis auf den Kopfbau mit dem Restaurant ebenso wie die daneben stehende Scheune abgerissen werden. Auch hier ist es fraglich, ob zum Beispiel der Ersatzbau für die Scheune dieser in der Form unbedingt ähneln soll (wie ein gestelltes Bauprofil andeutet), oder ob nicht ein spannender baulicher Gegensatz die ganze Gebäudegruppe aufwerten würde.
(Im würenblicker wird die Planung im Dorfzentrum 2016 einen thematischen Schwerpunkt bilden.)
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