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Tempo 30 auf der Land- und Schulstrasse?

Auf Hauptstrassen innerorts gilt in der Schweiz grundsätzlich Tempo 50. Liegen besondere Umstände vor, ist aber auch Tempo 30 möglich. Gemeinden finden daran zunehmend Gefallen. Auch Würenlos scheint Tempo 30 auf der Land- und Schulstrasse nicht abgeneigt zu sein, wie der jüngste öffentliche Workshop zum Verkehr im Dorf gezeigt hat.

In Würenlos haben Ende März rund 80 Frauen und Männer aus der Bevölkerung – junge und alte, solche mit und ohne Stimmrecht – an einem Workshop über die künftige Verkehrspolitik der Gemeinde diskutiert – in bemerkenswert sachlicher Atmosphäre. Grundlage war der Entwurf für einen kommunalen Gesamtplan Verkehr (KGV), den eine vom Gemeinderat eingesetzte Arbeitsgruppe zusammen mit Verkehrsplaner Thomas Belloli (Brugg) erabeitet hat.

Aufgrund einer umfassenden Analyse der Verkehrssituation formuliert der KGV Ziele für die nächsten 15 Jahre. Diese recht allgemein formulierten Ziele werden nach der Genehmigung durch den Kanton für die Behörden verbindlich sein. «Innerhalb des Siedlungsgebietes fliesst der Verkehr mit einem angemessen tiefen Geschwindigkeitsniveau lautet zum Beispiel ein solches Ziel, «Teilnehmende des Fuss- und Veloverkehrs fühlen sich auf den Wegen innerhalb der Gemeinde wohl und sicher» ein zweites.

Wesentlich konkreter tönen die gegen 20 im KGV aufgelisteten Massnahmen, mit denen die gesteckten Ziele erreicht werden sollen. Dabei handelt es sich um blosse Vorschläge, die zumeist ein längeres Genehmigungsverfahren durchlaufen müssten, ehe sie umgesetzt werden könnten. Dann erst wird es «an Läbige gehen». Eine dieser im KGV-Entwurf vorgesehenen Massnahmen ist Tempo 30 auf Teilstücken der Land- und Schulstrasse.

Auf der Landstrasse zwischen Raiffeisen-Kreisel und SBB-Barriere sowie auf der Schulstrasse zwischen Raiffeisen-Kreisel und Büntenstrasse sind mit baulichen Massnahmen weitere Verbesserungen für die schwächeren Verkehrsteilnehmer kaum zu erreichen. Der Strassenraum bietet dafür einfach nicht genügend Platz. Deshalb drohen Verteilungskämpfe um den knappen Platz.

Für die Planung der Land- und der Schulstrasse ist der Kanton zuständig, die Gemeinde darf an Baumassnahmen nur kräftig mitzahlen. Der Kanton legt grossen Wert auf ungehinderten Fluss des motorisierten Verkehrs und scheint deshalb in seiner Planung für die Landstrasse einen Mehrzweckstreifen in der Fahrbahnmitte (der vor allem als Linksabbiegespur und somit dem Autoverkehr dienen würde) den Vorzug zu geben gegenüber durchgehenden Velostreifen. Fehlen diese, so weichen viele Velofahrende verständlicherweise aufs Trottoir aus, wo sie wiederum Fussgänger gefährden. Die Situation ist absurd, hat doch der Kanton die Landstrasse als Velo-Hauptroute klassiert.

Mit Tempo 30 liesse sich die Sicherheit für die Fussgänger und Velofahrenden trotzdem erhöhen. Es käme weniger zu waghalsigen Überholmanövern mit zu kleinem seitlichen Abstand zwischen Autos oder Lastwagen und Velos. Und auf den Trottoirs und Zebrastreifen würden sich die Fussgänger sicherer fühlen. Eine tiefere Durchschnittsgeschwindigkeit käme auch der Aufenthaltsqualität im Dorfzentrum zu Gute. Die heute starke Trennwirkung der Landstrasse würde abgeschwächt.

Ähnliches gilt auch für die Schulstrasse, die an der Schulanlage vorbeiführt. In Zeiten, da keine Lotsen die Übergänge sichern, ist das Überqueren der Strasse vorab für kleinere Schüler ein heikles Unterfangen. Die Verkehrssituation im Einmündungsbereich Feldstrasse/Dorfstrasse ist trotz Verengung der Schulstrasse komplex und wäre mit Tempo 30 von Kindern, aber auch von älteren Menschen leichter zu erfassen.

In Würenlos dürfte in den nächsten 15 Jahren nicht nur die Bevölkerung weiter wachsen, sondern auch der Verkehr. Der Kanton prognostiziert eine 25-prozentige Verkehrszunahme. Die Wohn- und Lebensqualität im Dorf wird stark davon abhängen, mit welchen Fortbewegungsmitteln diese Zunahme bewältigt wird. Im Workshop kristallisierte sich deutlich heraus, dass die Wahl umweltverträglicherer Verkehrsmittel weniger durch Verbote erzwungen als durch Attraktivitätssteigerungen gefördert werden soll.

Gegen Tempo 30 auf den beiden Hauptstrassenabschnitten wurde überraschend wenig grundsätzliche Kritik laut. Am ehesten wurde bezweifelt, ob die Massnahme überhaupt Realisierungschancen habe. In der Tat ist der Kanton Aargau im Vergleich mit anderen Kantonen (etwa Bern oder Luzern) überaus zurückhaltend mit der Signalisation von Tempo 30 auf Hauptstrassen. Bis Mitte 2018 sind laut AZ vom 4.6.2018 nur zwei Ausnahmen bewilligt worden, in Windisch und Olsberg – beide aus Sicherheitsgründen.

Ob die restriktive Bewilligungspraxis auf Dauer Bestand haben wird, ist fraglich. Denn verkehrstechnische Fakten stützen sie nicht. «Eine Senkung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit hat in den meisten Fällen keinen nennenswerten Einfluss auf die Leistungsfähigkeit einer Hauptverkehrsstrasse», steht in einer Publikation des deutschen Bundesamtes für Umwelt aus dem Jahre 2016. Andere Faktoren wie ein hoher Schwerverkehrsanteil, geringe Fahrstreifenbreiten oder Abbiegeradien sowie starker Fuss- und Radverkehr hätten in der Regel einen grösseren Einfluss.

Auch ein Vorstoss des Zürcher SVP-Nationalrats Gregor Rutz, der bei Tempo 30 auf Hauptstrassen innerorts zurückbuchstabieren möchte, würde der Massnahme in Würenlos nicht unbedingt gefährlich. Denn Rutz möchte vor allem erreichen, dass Tempo 30 auf Hauptstrassen innerorts aus Lärmschutzgründen nicht mehr eigeführt werden dürfte, und er hat wohl vor allem die Stadt Zürich im Visier, die auf etlichen Haupstrassenabschnitten zwecks Lärmschutz Tempo 30 eingeführt hat. Auf unserer Land- und Schulstrasse ginge es aber weniger um Lärmschutz als um die Verkehrssicherheit. Auch wenn das Ortsbild gewiss keinen Schaden nähme, wenn nicht noch mehr Häuser hinter Lärmschutzwänden verschwinden müssten.

Am Workshop war auch die Idee zu hören, das Tempo auf der Land- und Schulstrasse nur temporär, wenn viele Schüler unterwegs sind, auf 30 km/h zu reduzieren. Das wäre meiner Meinung nach eine Scheinlösung. Der Langsamverkehr als Ganzes würde nicht gefördert. Während der meisten Stunden am Tag und am Abend bliebe die Situation so unbefriedigend wie sie heute ist.

würenblicker wird in loser Folge weitere Massnahmen aus dem KGV, die am Workshop vorgestellt wurden, näher beleuchten.

Zentrumsplanung parallel zum Alterszentrum vorantreiben

Im Namen der Gruppe „Initiative 5436“ nimmt Daniel Zehnder Stellung zum neuen Projekt für das Alterszentrum auf der Zentrumswiese, zu dem bereits zwei Beiträge von Hans Arnold und Peter Früh erschienen sind. Die „Initiative 5436“ erachtet es insbesondere als wichtig, dass die Aufwertung des Freiraums drum herum und die Umnutzung gemeindeeigener Liegenschaften wie der Zentrumsscheune oder der Post gleichzeitig und mit gleicher Sorgfalt geplant werden. Diese Chance für ein attraktiveres Dorfzentrum gelte es zu nutzen. (Red.)

Das Siegerprojekt vom Rössliweg her gesehen. Wenn der grosse Baukomplex dereinst steht, sollte auch seine Umgebung zum attraktiven Dorfzentrum umgestaltet sein.
Das neue Projekt für das Alterszentrum mitten im Zentrum von Würenlos ging aus einem rund drei Viertel Jahre dauernden Studienauftragsverfahren hervor. Das Verfahren wurde von einer kompetenten Jury begleitet, welche schliesslich das nun vorliegende Siegerprojekt Margerite auserkoren und zur Weiterbearbeitung empfohlen hat. Wir dürfen also davon ausgehen, dass die Auswahl sorgfältig und unter Berücksichtigen aller Kriterien getroffen wurde.

Das eher ambitionierte Raumprogramm – die Vorgabe im Verfahren für die Architekten und Landschaftsarchitekten – entspricht offenbar den heutigen Anforderungen, in Umfang und Diversität. Ob eine neue Arztpraxis da auch zwingend reingehört, darf zumindest hinterfragt werden, auch weil noch andere Liegenschaften der Gemeinde in nächster Umgebung dafür grundsätzlich in Frage kämen (Bsp. Postgebäude).

Das neue Gebäude ist hoch und lang und wird im Zentrum von Würenlos zu einer deutlich erkennbaren und erlebbaren Veränderung führen. Das birgt Risiken, aber gleichzeitig auch Chancen, die es nun zu nutzen gilt. Neben der Weiterentwicklung des Alterszentrums in der anstehenden Projektierungsphase muss parallel dazu ein Freiraumkonzept erarbeitet werden. Wir erwarten hier eine Gleichzeitigkeit und Gleichwertigkeit dieser beiden Planungen. Nur so können wir diesem Ort mitten im Zentrum von Würenlos gerecht werden. Ein Abgleich dieser beiden Bearbeitungen soll, ja muss in der Projektierungsphase möglich sein.
Als Basis für diese ganzheitliche Gestaltung im Zentrum wurden bereits verschiedene Planungen durchgeführt. Sie liegen in Form des Masterplans von 2007 (Masterplan Zentrum) und des Masterplans PLUS, der im Sommer 2018 in Form eines öffentlichen Mitwirkungsverfahrens der Öffentlichkeit vorgestellt wurde (Masterplan PLUS Zentrum), vor und sind auf der Gemeindewebsite (Online-Schalter) verfügbar. Kern dieser Planungen war und ist es, ein attraktives Dorfzentrum zu schaffen, gleichermassen für Jung bis Alt.
Für die bevorstehende Weiterentwicklung des Zentrums sind neben einer gezielten Planung des Alterszentrums auch überzeugende Lösungen für
– die Gestaltung der Aussenräume (u.a. vor der Zentrumsscheune),
– die Führung des Langsamverkehrs (Durchgängigkeit von allen Seiten),
– das Angebot an Parkplätzen im Zentrum,
– die Nutzung der Zentrumsscheune,
– einen Kinderspielplatz und schliesslich auch
– den Umgang und das Potential der Nähe zum Furtbach für alle
zu finden.
Wenn wir das Würenloser Alterszentrum hoffentlich in einigen Jahren eröffnen dürfen, sollen bis dann auch die gerechtfertigten Erwartungen der Würenloserinnen und Würenloser an die Entwicklung eines attraktiven Dorfzentrum erfüllt sein. Wir bleiben dran und werden unsere Vorstellungen konstruktiv in diesen Prozess miteinbringen.

Fussweg-Lücke bald schliessen

Mit einem kurzen Weglein vom Kohlgrubenweg zur Landstrasse könnte das Fusswegnetz im Dorf optimiert werden. Es entstünde eine neue, attraktive Fussverbindung von der Dorfstrasse zum Bahnhof.

Ein schön angelegter öffentlicher Fussweg führt durch die neue Überbauung Gatterächer West.
Ein schön angelegter öffentlicher Fussweg führt durch die neue Überbauung Gatterächer West.

Die Wohnüberbauung Gatterächer West ist fertig gebaut. Bald werden auch die letzten Wohnungen bezogen sein. Dann haben über 100 junge und alte Menschen ein neues Zuhause mitten im Dorf gefunden  – nahe der Läden, nahe der Haltestellen des öffentlichen Verkehrs (Bus, S-Bahn), und mit Kindergärten sowie Kinderkrippe und –hort in nächster Nähe.

Zu den Bewohnern werden auch mein Blogger-Kollege Hans Arnold und seine Frau Margrit gehören. Ihnen, die bisher ein Einfamilienhaus im Buechquartier bewohnten, haben es nicht nur das Konzept und die Architektur der Überbauung angetan, sondern eben auch die zentrale Lage. Sie ist ideal für aktive Menschen im etwas fortgeschritteneren Alter, die nicht aufs Auto angewiesen sein wollen. Aber auch für jüngere Berufstätige, die mit dem öffentlichen Verkehr in den Raum Zürich oder nach Wettingen/Baden pendeln, sind die Wohnungen gut gelegen.

Die Gemeinde hat erfreulicherweise erwirkt, dass ein öffentlicher Fussweg quer durch die Überbauung von der Haselstrasse zum Kohlgrubenweg führt – eine wertvolle Ergänzung des Wegnetzes für den Langsamverkehr, von der das ganze Dorf profitiert. Die neue Fussverbindung hat aber noch einen Schönheitsfehler. Sie endet am Kohlgrubenweg. Es fehlt ein kurzes Verbindungsstück zur Landstrasse. Wer zu Fuss zum Bahnhof und dessen Umgebung gelangen will, muss weiterhin einen ziemlich grossen Umweg via Zebrastreifen bei der Bäckerei Schwab und die Landstrasse machen.

In der neuen Fussweg-Verbindung zwischen Dorf- und Landstrasse fehlt das kurze Teilstück zwischen den roten Pfeilen.
In der neuen Fussweg-Verbindung zwischen Dorf- und Landstrasse fehlt das kurze Teilstück zwischen den roten Pfeilen.

Hans Arnold hat darum in einem Brief an den Gemeinderat angeregt, die Lücke zur Landstrasse (Höhe Steinhof) möglichst bald zu schliessen. Wenn das Geld für eine definitive Lösung fehle, erfülle auch ein einfacher Kiesweg als Provisorium den Zweck. In einem vor Jahren erarbeiteten Gestaltungskonzept für die Landstrasse ist bei der Einmündung des vorgeschlagenen Fusswegs in die Landstrasse (vis-à-vis Steinhof-Parkplatz) eine Haltestelle für die RVBW-Busse vorgesehen. Hans Arnolds Vorschlag steht somit keineswegs quer in der Landschaft. Beim Aufwand für ein Provisorium ist aber zu bedenken, dass für ein sicheres Queren der Landstrasse (Zebrastreifen, allenfalls gar Mittelinsel) gesorgt werden müsste. Diese Investition käme aber auch den Anwohnern der Landstrasse auf der heute Trottoir-losen Seite zugute.

Inzwischen hat Bauverwalter Markus Roth mit einem Mail bereits auf Arnolds Schreiben reagiert: «Ich habe Ihr Anliegen aufgenommen und werde es abklären, es wird aber noch etwas dauern. Ich melde mich wieder, wenn ich etwas Neues weiss.» (Abschnitt ergänzt am 13.2.16)

Der Vorschlag für eine einfach gestaltete Wegverbindung erinnert an einen namenlosen Kiesweg, der früher von der Lättenstrasse zur Hürdlistrasse in Richtung Bahnhof geführt hat. Dieser Weg war von Bahnpendlern angeregt worden und trug darum im Volksmund den Namen Professorenwegli. Zustande kam der Weg, der bis zur Ablösung durch die neue Hungerbüelstrasse sehr rege benützt wurde, auch dank kooperativem Verhalten der Landbesitzer.