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Deponie-Gegner unfair und unsolidarisch?

Der Gemeinderat hat letzte Woche auf die vom Natur- und Vogelschutzverein Würenlos lancierte Petition gegen die im Würenloser Steindler geplante Aushubdeponie geantwortet. 341 Personen haben die Petition auf dem AZ-Portal petitio.ch unterstützt. Die gemeinderätliche Antwort dürfte die Fronten verhärten.

An der Antwort (Link zur Petition und zur Antwort) fällt auf, dass der Gemeinderat auf einige Argumente der Petitionäre gar nicht eingeht. So kritisieren diese, dass die Deponie zu einem «dauerhaften Verlust eines der beliebtesten und wichtigsten ortsnahen Naherholungsgebiete in Würenlos und zur Zerstörung einer landschaftlich sensiblen Pufferzone zum Lägernschutzgebiet» führe. Dazu schweigt der Gemeinderat. Er hat wohl von Anfang an unterschätzt, wie viel den Würenloserinnen und Würenlosern das Naherholungsgebiet Steindler/Birchwäldli bedeutet. Gerade die jetzige Pandemie zeigt, wie wichtig in einer dicht besiedelten Agglomerationsgemeinde ein abwechslungsreiches und weitläufiges Naherholungsgebiet ist. Die Spazier-, Wald- und Feldwege sind wesentlich stärker frequentiert als vor Corona – auch jene im Steindler.

Zu reden gab diese Woche der Abbruchbeginn beim Hochstudhaus «Chilemetzg», an dessen Stelle die Katholische Kirchgemeinde einen Bau mit Wohnungen, Gewerbelokalen und einem kleinen Saal erstellen will. Ein Nachruf  auf die Chilemetzg wird am 16. Februar aufgeschaltet.

Die Petition kritisiert auch, dass die Auswirkungen auf die Gewässer, Vögel, Säugetiere und die umliegende Landschaft nicht untersucht worden seien. Dieses Argument hat einiges Gewicht, weil nicht nur der lokale Natur- und Vogelschutzverein deutlich Stellung gegen die Deponie bezieht, sondern auch Pro Natura Aargau. Auch dazu «Schweigen im Walde» bzw. im Gemeindehaus.

Weit aus dem Fenster lehnt sich der Gemeinderat dafür anderswo. Zur Verkehrsproblematik schreibt er: «Die Behauptung, die Deponie führe zu mehr Lastwagenverkehr durch Würenlos, ist falsch.» Die Petition spricht zwar nur von einer «Befürchtung»  und die ist sehr wohl berechtigt, wie hier schon ausführlich dargestellt worden ist.

So wie der Gemeinderat in seiner Antwort die Schwerpunkte setzt, vermittelt er den Eindruck, die Interessen und Bedürfnisse aller anderen seien für ihn wichtiger als jene der eigenen Bevölkerung

Einige Erklärungen wirken grotesk. Beispiel 1: Weshalb er sich den Deponiestandort Steindler vorstellen könne, begründet der Gemeinderat so: «Die Gemeinde Würenlos ist seit vielen Jahrzehnten den Umgang mit Aushub und der Auffüllung von Kiesgruben gewohnt. Sie weiss, worauf es beim Bewilligungsverfahren ankommt.» Worauf denn? Das zu erfahren wäre in der jetzigen Planungsphase interessant gewesen. Rundum positiv waren die Erfahrungen mit Aushubdeponien jedenfalls nicht. Musste im Tägerhard – neuer Sportplatz und Gewerbegebiet – das Erdreich nicht mit beträchtlichen Kosten nachträglich stabilisiert werden, weil Kiesabbauer ihren Job beim Wiederauffüllen der Gruben mehr schlecht als recht erledigt hatten?

Beispiel 2: Rund 70 Prozent des Aushubmaterials im Steindler wird laut Planungsbericht nicht aus der engeren Region stammen.Die Petitionäre zweifeln darum den Bedarfsnachweis für eine neue regionale (!) Aushubdeponie an. Der Gemeinderat unterstellt ihnen darum «eine Denkart nach dem St.Florians-Prinzip» und er mahnt Solidarität an. Auch viele von ihnen hätten hier ihr Eigenheim realisieren können. «Da ist es nach Dafürhalten des Gemeinderates nicht mehr als fair, wenn sich die Region auch dafür bereit erklärt, sauberes Aushubmaterial bei sich selber irgendwo zu deponieren. » Richtig, doch muss es ausgerechnet wieder in Würenlos sein? Und Aushub von Richterswil, Zürich-Wipkingen oder Zug

Würenlos leistet in Sachen Aushubablagerung seit Jahrzehnten einen grossen Beitrag, wie im Planungsbericht für die Deponie Steindler nachzulesen ist. Nur dank den Deponievolumen in unserer Gemeinde blieb offenbar ein regionaler Deponie-Notstand bisher aus. Ein schlechtes Gewissen muss nicht haben, wer die neue Deponie bekämpft. Oder gilt bei der Deponieplanung der Grundsatz: Wer den Schwarzen Peter einmal gezogen hat, behält ihn für immer? Da lachen sich doch alle anderen Gemeinden der Region den Ranzen voll. Es sind doch eher sie, die dem St.-Florians-Prinzip frönen. Auf unsere Kosten.

Weshalb, einfach so als Idee, könnte es nicht mal Wettingen treffen, das noch näher bei der Autobahn A1 liegt? Ein Aushubhügel auf dem Wettinger Kies- und Betonwerkareal im Tägi wäre doch landschaftlich nachgerade eine Bereicherung. Doch für jenes Land haben die schlauen Nachbarn wohl lukrativere Pläne.

Wir dürfen ja nicht wissen, wo die anderen möglichen Deponiestandorte sind, die angeblich auch geprüft wurden. Sie bleiben im Steindler-Planungsbericht anonym. Warum? Weil die Ergebnisse der Standortevaluation hinterfragt werden könnten? Doch wer nicht mit offenen Karten spielt, schafft kein Vertrauen. Erfolgreiche Deponieplanung ist Vertrauenssache. Den Antrag an den Grossen Rat, den Steindler als Deponiestandort im kantonalen Richtplan festzulegen, stellen unser Gemeinderat und der Regionalplanungsverband BadenRegio. Das Vertrauen in beide Gremien ist nicht grenzenlos. Das zeigen rund 2000 Einwendungen, die im laufenden Richtplanverfahren beim Kanton eingegangen sind, und nun auch die Petition eindrücklich.

Neues über Gemeinderäte und ein Ärztezentrum

Im Verwaltungsrat der Alterszentrum Würenlos AG ist es zu einem gewichtigen Abgang gekommen. Und zwei Gemeinderäte werden gemeinsam unternehmerisch tätig. Sie sind Verwaltungsräte der neu gegründeten Ärztezentrum Würenlos AG.

Ärztezentrum kommt in die neue Landi – mit Zvizdic und Huber (Ergänzung vom 21.1.)

Ein Tag nach Veröffentlichung der ersten Fassung dieses Artikels gab die Arztezentrum Würenlos AG in einer Medienmitteilung Details zum geplanten Vorhaben bekannt. Ziel sei es, die mit der Ärztegemeinschaft von Hari Zvizdic und Hans Jürg Huber etablierte ärztliche Grundversorgung in Würenlos auch nach einer allfälligen Pensionierung von Zwizdic und Huber aufrecht zu erhalten. 

Dank der Planung von grosszügigen und barrierenfreien Räumlichkeiten am neuen Standort der Landi beim Bahnhof werde das Ärztezentrum das Potenzial haben, das bestehende Behandlungsangebot zu erweitern und den aktuellen Bedürfnissen der Würenloser Bevölkerung anzupassen. Der Bezug des Ärztezentrums in der Landi ist auf Anfang 2023 geplant. Klinischer Leiter wird Hari Zvizdic sein. Das Leistungsangebot soll namentlich in den Bereichen Geburtshilfe/Gynäkologie und Kindermedizin ausgebaut werden. Voraussichtlich ab Herbst dieses Jahres wird sodann die Ärztegemeinschaft mit dem in Würenlos wohnhaften Sebastian Nordbeck hausärztliche Unterstützung erhalten, so die Pressemitteilung.

Seit Eröffnung des Ärztehauses an der Juchstrasse durch die Vorgänger von Zvizdic und Huber hat die ärztliche Versorgung vor Ort  mit der Bevölkerungszunahme in Würenlos nicht ganz Schritt gehalten. Umso erfreulicher ist sicher, dass mit dem Ärztezentrum in der neuen Landi das bestehende Angebot nicht nur längerfristig gesichert, sondern ausgebaut werden kann. Eher positiv ist gewiss auch, dass sich nicht irgendeine anonyme Praxiskette den interessanten Markt in Würenlos unter den Nagel reisst. Das Ärztezentrum stützt sich vielmehr auf lokale Personen und deren vielfältige Erfahrungen in- und ausserhalb der Medizin ab. 

Noch vor der Gemeindeversammlung vom vergangenen 8. Dezember, die mit grossem Mehr den Baurechtsvertrag mit der Alterszentrum Würenlos AG genehmigt hat, hat Gemeinderat Markus Hugi seinen Rücktritt aus dem Verwaltungsrat dieser gemeindeeigenen Aktiengesellschaft erklärt.

Hugi begründet seinen Entscheid gegenüber würenblicker wie folgt: Die Planung, die Realisierung und der Betrieb des Alterszentrums stellt für die Gemeinde ein „Jahrhundert-Projekt“ dar. Deshalb sei es gemäss seiner Wahrnehmung speziell für die aktuell „heisse“ Phase des Bewilligungsprozesses „äusserst ungünstig, wenn zwei von fünf Mitgliedern des Gemeinderates wegen Befangenheit (genauer als Mitglieder des Verwaltungsrates) für bedeutende gemeindepolitische Entscheide in den Ausstand treten müssen. Nach meinem Rücktritt wird es mir jetzt möglich sein, meine Gemeinderatskollegin und -kollegen diesbezüglich mit aller Kraft zu unterstützen und meine Verantwortung als Ressortverantwortlicher Hochbau unbefangen wahrzunehmen. Auch freue ich mich darauf, meine Kolleginnen und Kollegen aus der Bauverwaltung wo nötig in baurechtlichen Fragestellungen tatkräftig zu unterstützen.“

Der Gemeinderat ist also künftig nur noch mit Gemeindeammann Toni Möckel im Verwaltungsrat der Alterszentrum Würenlos AG vertreten. Die Behörde hat bisher nichts darüber verlauten lassen, ob der Verwaltungsrat mit einem neuen Mitglied ergänzt wird.

Zu den drei Gemeinderatsmitgliedern, die bis zu Hugis Abgang über die Baubewilligung fürs Alterszentrum hätten entscheiden müssen, gehören Vizeammann Nico Kunz und Finanzvorsteher Lukas Wopmann. Diese beiden wollen offenbar inskünftig auch unternehmerisch zusammenspannen. Wie der letzten Ausgabe des kantonalen Amtsblattes im Jahr 2020 zu entnehmen war, ist am 7. Dezember die Ärztezentrum Würenlos AG gegründet worden. Laut Handelsregister ist Zweck der Gesellschaft , wie der Name schon sagt, der Betrieb eines Ärztezentrums, insbesondere die Bereitstellung der dafür notwendigen Infrastruktur und Voraussetzungen.

Verwaltungsratspräsident ist Beat Kunz, weitere Verwaltungsräte sind seine Söhne Nico und Timo Kunz sowie Lukas Wopmann und dessen Vater Markus Wopmann. Dieser war bis zu seiner kürzlichen Pensionierung Chefarzt der Kinderklinik am Kantonsspital Baden und wegen seiner Verdienste um den Kinderschutz „Aargauer des Jahres 2017“. Sitz hat die neue AG am Tägerhardring 8, dem erst noch zu erstellenden Gewerbebau der Kunz-Gruppe. Bemerkenswert ist die Regelung der Unterschriftsberechtigung in der AG: Alle VR-Mitglieder zeichnen zu zweien, Wopmann Junior und Senior aber jeweils nur mit jemandem aus dem Kunz-Trio.

Frohi Wienachte und e guets Nöis

würenblicker wünscht allen seinen Leserinnen und Lesern schöne Festtage und ein glückliches neues Jahr. Lassen wir wegen Corona den Kopf nicht hängen und freuen wir uns auf hoffentlich bald wieder normalere Zeiten. Und halten wir, bis es soweit ist, unverzagt Augen und Herz offen für kleine und grosse Freuden, die der jetzige Alltag für uns bereit hält.