Alle Beiträge von Peter Früh

✶ Adventliches Allerlei✶

200 bis 300 Stimmberechtigte und eine Versammlungsdauer von 4 Stunden erwartet Gemeindeammann Toni Möckel, wie er der «Limmatwelle». verriet Die Gemeindeversammlung vom 8. Dezember wird uns Stimmberechtigten also Einiges abverlangen: Vier Stunden mit Maske und ohne Vorfreude auf einen Schlusstrunk, welche die Debatttierlust etwas dämpfen könnte («abstimme, s’isch Zyt für de gmüetlich Teil»).

Trotz bestem Schutzkonzept und allen Vorkehrungen, um die Infektionsgefahr zu minimieren – es darf einem schon ein bisschen «gschmuech» werden bei der Vorstellung, mit 300 Mitmenschen so lange in einem Raum ausharren zu müssen. Eine Würenloserin meldete sich schon mal beim Gemeinderat schriftlich ab: «Viele haben für sich selber entschieden, in dieser ausserordentlichen Lage die persönlichen Kontakte auf ein Minimum zu beschränken – so wie es immer wieder gefordert wird! (…) Für mich ist dieser persönliche) Entscheid mit der Teilnahme an grossen Indoor-Versammlungen unvereinbar.» – Eine faule Ausrede? Mitnichten. Denn die Frau hatte ein Anliegen: «Bitte ermöglicht allen Interessierten, die Einwohnergemeindeversammlung als Live Stream mitverfolgen zu dürfen!». Es dürfe auch nur eine Einwegkommunikation sein. «Dies ist ohne grossen Aufwand absolut machbar (z.B. Videoanruf über Microsoft Teams o.ä)!» 

Schon Tags darauf bekam die Frau Antwort. Die vorgeschlagene Bild- und Tonübertragung einer Gemeindeversammlung sei «rechtlich grundsätzlich zu keiner Zeit zulässig». Doch der Gemeinderat könne auch nicht erkennen, «welchen Zweck es hat, wenn die Bürger die Gemeindeversammlung zuhause live mitverfolgen, aber sich weder zu Wort melden noch abstimmen können».

Dabeihat allein schon die Vorstellung reizvoll: Überall im Dorf höckeln Mannen und Frauen in der eigenen, warmen Stube, vor einem Glas Roten und ihrem Laptop, und verfolgen gebannt den «Strassenfeger» aus der Mehrzweckhalle. Da könnten der rasende Reporter vom tbwnet-TV, der «Kassensturz»-Schmezer und Netflix mit «The Crown» glatt einpacken.

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Aber wer weiss, in 20 Jahren werden wir vielleicht ganz selbstverständlich die Gemeindeversammlung digital abhalten und gemütlich vom Sofa aus mitregieren. Die Diskussionen über das, was wirklich wichtig ist im Dorf, werden ja längst auch im Internet geführt. In der Facebook-Gruppe «Du bisch vo Würelos!» etwa. Wer sich da nicht regelmässig einklickt,  erfährt nichts vom armen Velo oder Trotti, das am Strassenrand ausgesetzt worden ist, nichts von der handglismeten Handyhülle, die eine Start-up-Unternehmerin als ideales Weihnachtsgeschenk auf den Markt wirft.

So hält das digitale Zeitalter immer wieder Überraschungen parat, schöne und weniger schöne. Eiskalt erwischt hat’s Michael Spühler, den Präsi unseres Gewerbevereins. Da erinnerte sich eine gewisse Sandra, dass der Verein dieses Jahr zumindest einen Prototypen der neuen, aus einem Ideenwettbewerb unter der Bevölkerung hervorgegangenen Weihnachtsbeleuchtung hatte erstrahlen lassen wollen. Auf «Du bisch vo Würelos!» fragte sie: «Wie isch jetzt das gsi mit de neue Wiehnachtsbelüüchtig ab 2020?» Und schon hagelte es Kommentare dazu, 30 an der Zahl. Und das «Badener Tagblatt» realisierte blitzschnell, wo Würenloserinnen und Würenloser wirklich der Schuh drückt: «Ärger über Weihnachtsbeleuchtung» stand über dem halbseitigen Artikel. 

Spühler gab sich im «BT» zerknischt: «Mir war nicht bewusst, dass die Verschiebung solche Wellen wirft.» Wegen der Coronakrise habe die Weihnachtsbeleuchtung für die Gewerbler nicht oberste Priorität gehabt.», wofür man gewiss Verständnis habe. Dass die Verschiebung nicht kommuniziert worden sei, nehme er auf seine Kappe. 

Alles halb so schlimm. Ob die blauen Doppelzwiebeltürme mit gelbem Stern die Gemüter tatsächlich immer noch so in Wallung bringen wie nach der ersten Montage vor 20 Jahren oder wie 2014, als würenblicker-Bloggerin Gwendoline Schmid den Weihnachtsschmuck scharfzüngig kommentierte («Moschee oder Babyschoppen?») und in Kommentaren dazu erstmals von Phallussymbol die Rede war? Ich bezweifle es. Was einen schon so lange durchs Leben begleitet, bekommt man doch einfach lieb, irgendwie.

Schön finde ich, dass die blauen Moscheen nun endlich auch ein Minarett bekommen haben. In schönstem türkischen Rot (Sponsor Erdogan?) ragt es aus der Steinhof-Baustelle gen Himmel. Mächtig überstrahlt das festliche Baukrankerzli des Nachts unseren altehrwürdigen Doppelzwiebelturm. Und auch dessen blaue Brüder am Strassenrand. Es ist halt nichts so hässlich, als das es an Hässlichkeit nicht noch übertroffen werden kann.

Strahlengegner machen mobil

Das Baurecht für das Alterszentrum dürfte nicht das einzige Traktandum sein, das an der Gemeindeversammlung vom 8. Dezember zu reden geben wird. An der Beschaffung sogenannter Smart-Meter für die Technischen Betriebe Würenlos TBW (Verpflichtungskredit von 1,85 Millionen Franken) übt eine lokale Interessengemeinschaft von Strahlengegnern heftige Kritik.

Die Energiestrategie 2050 des Bundes verlangt, dass die bestehenden Stromzähler gegen intelligente Messsysteme, sogenannte Smart-Meter, auszutauschen sind. Rund 3700 von den TBW installierte Zähler sollen gebietsweise innert drei Jahren ersetzt werden.

Dieser Tage flatterte nun ein Offener Brief an den Gemeinderat in die Briefkästen. Darin warnt der pensionierte Bezirkslehrer und Physiker Andreas Pestalozzi namens einer «IG Mitsprache 5G zWürelos«, mit Smart-Metern, welche die Daten über Mobilfunk mit den TBW austauschen würden, werde die Bevölkerung dauerhaft einer schädlichen elektromagnetischen Strahlung ausgesetzt.

Pestalozzi fordert, dass der Betrieb der Smart-Meter vor ihrem Einsatz klar geregelt wird. So müsse die Privatsphäre der Stromkunden bestmöglich gewahrt werden (keine unnötigen Abfragen).  

Der Offene Brief kündigt eine virtuelle Informationsveranstaltung mit Fragenbeantwortung an, die am Donnerstag, 26. November, 20 Uhr, über den Video-Chat-Dienst Zoom stattfinden soll. Referent ist Pestalozzi. Eine Anmeldung ist nicht nötig. Zugangsdaten: https://zoom.us/join «einem Meeting beitreten» Meeting-ID: 758 5323 3480 und Kenncode: 5868. 

Die IG Mitsprache 5G zWürelos ist entstanden im Zusammenhang mit einem Baugesuch der Swisscom für den Umbau einer Mobilfunk-Antenne auf 5G-Standard im Gewerbegebiet Grosszelg. Ihren Kern bilden Einwender gegen das Swisscom-Projekt. Ein Gast-Beitrag in würenblicker hatte darüber berichtet (Link). Das Bewilligungsverfahren ist noch hängig, der Gemeinderat hat über das Swisscom-Gesuch noch nicht entschieden. 

Sowohl bei den 5G-Antennen wie bei den Smart-Metern wirft die IG dem Gemeinderat vor, nicht alle Karten auf den Tisch zu legen und den konstruktiven Dialog zu verweigern. Aus dem Offenen Brief geht nicht hervor, ob die IG an der Gemeindeversammlung dem Kredit für die Beschaffung der Smart Meter opponieren wird. Gemäss würenblicker-Recherchen ist dies aber sehr wahrscheinlich. Die Abstimmung wird ein Gradmesser dafür sein, wie stark die Bewegung der Strahlengegner in Würenlos ist. In der IG engagieren sich erst wenige, weshalb die IG um neue neue Mitglieder wirbt. E-Mail-Kontakt: IG-Mitsprache5GzWuelo@tbwnet.ch 

Um die 5G-Technologie ist ein eigentlicher Glaubenskrieg entbrannt zwischen Strahlengegnern, die um ihre Gesundheit fürchten, und Anhängern einer raschen Digitalisierung. Die neue Technologie ist u.a. mit einem neuen Antennentyp, sogenannten adaptiven Antennen, voll nutzbar. Die Mobilfunkbetreiber haben zwar eine 5G-Konzession vom Bund erhalten. Wie deren Strahlung gemessen werden soll, müsste aber der Bund erst noch festlegen. Adaptive Antennen dürfen deshalb zwar gebaut, einstweilen aber nicht mit voller Leistung betrieben werden.

Alterszentrum im aufkommenden Gegenwind

Ein anonymer Flyer an alle Haushalte, ein Offener Brief an den Gemeinderat, Leserbriefe, Nachfragen der regionalen Medien, Kommentare auf würenblicker.ch (siehe Spalte rechts) – die Gegner des Alterszentrums auf der Zentrumswiese legen einen Zacken zu und treiben den Gemeinderat sowie den Verwaltungsrat der Alterszentrum Würenlos AG vor sich her. Ist das Jahrhundert-Vorhaben in Gefahr?

Die offizielle Kommunikation zum Alterszentrum ist ausgesprochen dürftig. Nichts illustriert das besser als die Informationstafel auf der Zentrumswiese: Auch diese Woche noch – ein halbes Jahr nach dem Rückzug des Vorentscheid-Gesuchs – steht sie da. Nie kam jemand auf die Idee, das Poster mit den längst zur Makulatur gewordenen Gebäudeansichten, Plänen und Erklärungen zu entfernen, geschweige denn durch ein solches mit einer Erklärung zum momentanen Planungsstand zu ersetzen. Pfahlbauer-Kommunikation!

Da hatten es die Margerite-Gegner leicht, die Kommunikations-Führerschaft zu übernehmen. Ihr Flyer mit Offenem Brief an den Gemeinderat hat für Aufregung gesorgt. Inhalt, Tonart und Gestaltung absolut professionell – doch mit einem grossen Schönheitsfehler: Die Autoren hätten unbedingt namentlich statt nur mit «Einwender gegen das Vorentscheid-Gesuch» zeichnen müssen. Für die Öffentlichkeit war’s darum ein anonymer Flyer und das hat ihn Glaubwürdigkeit gekostet.

Deponie Steindler mit Ballonen markiert
An diesem Samstag, 7. November, haben Opponenten der im Steindler geplanten Aushubdeponie die Ausmasse der Aufschüttung mit roten Ballonen markiert. Sich ein eigenes Bild zu machen von der möglichen Landschaftsveränderung im Würenloser Naherholungsgebiet lohnt sich. D’Ballöön hanged bis am Sunntigabig. Nähere Infos zur Deponie im jetzt an 2. Stelle dieses Blogs stehenden Artikel.

Der Gemeinderat als Adressat des Offenen Briefes hat mit einer Stellungnahme (Link) reagiert. Diese hätte etwas kürzer, klarer und sachlicher ausfallen dürfen. Tonlage und Wortwahl verraten, dass die Opponenten nerven. Ob es gelungen ist, die zum Teil happigen Vorwürfe im Offenen Brief zu entkräften? Ich konnte mich beim Lesen des Eindrucks nicht erwehren, dass der wahre Sachverhalt – wie schon von Alterszentrum-VR Präsident Toni Möckel in einem Limmatwelle-Interview vom 2. Juli – eher vernebelt als beleuchtet wird. 

Zitat: «Die Einwender haben es mithin selber provoziert, dass der Verwaltungsrat der Alterszentrum Würenlos AG sein Vorentscheidgesuch zurückgezogen hat, noch bevor der Gemeinderat sich eingehend mit den gestellten Fragen auseinandersetzen konnte.» Was will uns der Gemeinderat damit sagen? – Eine Bauherrschaft zieht ihr Baugesuch zurück, weil sie die Aussichtslosigkeit ihres Unterfangens eingesehen hat. Wer hat denn nun was provoziert?

Fakt und vom Gemeinderat mit keinem Wort erwähnt wird, dass der Gemeinderat erst aufgrund der Einwendungen ein ortsbauliches Gutachten eingeholt hat und dieses zum Schluss kam, Margerite in der vorgelegten Grösse sei kaum bewilligungsfähig. Wäre das Gesuch nicht zurückgezogen worden, hätte es der Gemeinderat ablehnen müssen oder eine Niederlage vor Verwaltungsgericht riskiert

Dem Ortsbildschutz wurde von Anfang an zu wenig Beachtung geschenkt. Das gilt auch für die Vorgaben und die Jurierung des Studienwettbewerbs. Als dessen Ergebnisse präsentiert wurden, war offensichtlich, dass das Siegerprojekt Margerite die wohl prominenteste Dorfansicht von Würenlos schwer beeinträchtigen würde. Trotzdem wurde schnell der Vorentscheid beantragt. Hätte es daraufhin keine Einwendungen gegeben, hätte man die krasse Verschandelung des Ortsbildes in Kauf genommen

Das forcierte Tempo war vielleicht gut gemeint, hat aber zu Pfusch und Vorgehensfehlern geführt. Die dadurch gestärkten Margerite-Gegner, die am liebsten kein Alterszentrum auf der Zentrumswiese sähen, ergreifen nun die erstbeste Gelegenheit, um ein «Zurück an den Start» zu erzwingen. Sie nehmen offenbar an der Gemeindeversammlung im Dezember das beantragte Baurecht für die Alterszentrum Würenlos AG ins Visier. Es soll solange nicht erteilt erden, bis die unselige Standortdiskussion (Zentrumswiese oder Wiemel) nochmals geführt worden ist. Man schaut der Gemeindeversammlung nicht nur wegen Corona mit gemischten Gefühlen entgegen. Ein entspannter Abend dürfte das nicht werden. Zumal der geplante Info-Abend am 17. November, wo ausführlicher hätte informiert und diskutiert werden können, wegen Covid19 abgesagt worden ist.  

Einen Standortwechsel halte ich noch auf längere Sicht für illusorisch. Dem gegnerischen Vorgehen ist höchstens insofern etwas Positives abzugewinnen, als  eine vorläufige Verweigerung des Baurechts die Alterszentrum Würenlos AG davon abhalten könnte, im bisherigen Hauruck-Stil weiter zu machen. Denn es gilt jetzt nicht, das Alterszentrum möglichst rasch durchzupeitschen. Vielmehr ist das Projekt mit allergrösster Sorgfalt zu überarbeiten. So ist die Chance für eine Baubewilligung in absehbarer Zeit am grössten. Auch wenn der Weg dazu über die Gerichte führen dürfte. 

Eine Frage stellt sich noch: Ist die Alterszentrum Würenlos AG gut genug aufgestellt, um diesem Vorhaben, das bezüglich Grösse und Komplexität alles bisher in Würenlos Dagewesene übertrifft, zum Durchbruch zu verhelfen? Fehlen im Verwaltungsrat nicht (allenfalls auswärtige) Topleute, die schon einmal ein vergleichbares Projekt erfolgreich durch alle politischen, juristischen und baulichen Klippen gesteuert haben? 

Deponie Steindler: Unsere Haut nicht zu billig verkaufen

Kippen Aushub-Lastwagen ihre Fracht bald im Würenloser Steindler? (Symbolbild)

Die Planung für eine Aushubdeponie auf Würenloser Gemeindegebiet in eine heisse Phase getreten. Damit im Steindler rund 1,6 Millionen Kubikmeter sauberen Auhubs abgelagert werden können, braucht es eine Änderung des kantonalen Richtplanes. Noch bis 18. Dezember können sich alle Bürgerinnen und Bürger dazu äussern. Das Ganze einfach durchzuwinken könnte sich rächen.  

Das Areal im Steindler grenzt direkt an den Kanton Zürich und an die Gemeinde Otelfingen sowie an die durch ein-Schutzdekret geschützte Lägern-Landschaft. Das grösstenteils landwirtschaftlich genutzte Land gehört mehreren Eigentümern. 

Übersichtskarte Deponie
Das Areal der geplanten Deponie (rot umrandet)misst ca. 17 Hektaren und grenzt an zwei Seiten direkt an den Kanton Zürich. (Karte swisstopo/ilu AG)

Westlich der Häusergruppe im Steindler ist vor einiger Zeit eine ähnliche Senke bereits mit Aushubmaterial aufgefüllt worden. Während sich dort das Gelände heute als ebene Fläche präsentiert, ist nun jenseits der Steindlerstrasse ganz Anderes geplant: Aufgeschüttet würde das Gelände durchschnittlich 9,5 Meter und stellenweise bis zu 19,5 Meter hoch – das entspricht einem sechsstöckigen Gebäude. Ein neuer Hügel in der Landschaft.

Aktuell geht’s um die Eintragung des Areals als Standort für eine Regionale Aushubdeponie im kantonalen Richtplan. Antragsteller sind der Regionalplanungsverband BadenRegio und die Gemeinde Würenlos. Später wird die Gemeindeversammlung auch noch über eine Anpassung der kommunalen Nutzungsplanung entscheiden können und schliesslich muss der Gemeinderat die Baubewilligung erteilen.

Da Aushubdeponien landesweit knapp geworden sind und um der Bauwirtschaft trotzdem Entsorgungssicherheit zu bieten, dirigiert der Staat das Deponiewesen. Wilde Deponien– das war einmal. Im oft erbitterten Kampf um neue Deponiestandorte geht es auch um sehr viel Geld. Ist eine Deponie erstmals bewilligt, profitieren einige in besonderem Masse:. Die meist private Betreiberin – Im Steindler ist es die Dereba AG mit Sitz in Wettingen – sowie die Landeigentümer – in Würenlos sind es einzelne Landwirte, aber auch ganze Erbengemeinschaften. Dem Vernehmen nach sollen sie für das temporäre Zuverfügungstellen des Landes Entschädigungen bis zu einer halben Million Franken erhalten. «Eine Deponie ist wie ein Sechser im Lotto» hat die Zeitschrift Beobachter den Geschäftsführer des Verbands der Betreiber Schweizerischer Abfallverwertungsanlagen in einem Artikel zum Thema zitiert.  

Dem Gesuch für die Richtplanänderung liegt ein Planungsbericht zugrunde. In diesem wird der Steindler für eine solche Deponie als «bestens geeignet» bezeichnet. Gewisse Vorzüge des Standortes sind nicht von der Hand zu weisen: So liegt er direkt an der Furttalstrasse, und kann so von der A 1 ohne Durchfahrt einer Siedlung angefahren werden. Grössere Siedlungen lägen nicht in der Nähe, schützenswerte Ortsbilder würden nicht beeinträchtigt, so der Planungsbericht «Was soll’s?», wird sich da mancher Würenloser sagen.

Doch mehrere heikle Punkte sollten uns misstrauisch machen:

  1. Die Deponie wertet auf Jahre hinaus das beliebte Naherholungsgebiet Steindler/Teufermoos/ Birch ab und verändert das ursprüngliche Landschaftsbild für alle Zeiten. Mit der Senke im Teufermoos, den Anhöhen westlich von Otelfingen und den Lägern bietet sich insbesondere vom rege benützten Fuss- und Reitweg entlang dem Birchwald und hinüber zum Gmeumeriwald  ein abwechslungsreiches, harmonisches Bild. Dies würde künftig durch die hohe Böschung der Deponie weitgehend verstellt.
     
  2. «Regionale Aushubdeponie» – wo regional drauf steht, ist nicht unbedingt regional drin. Für den Aushub aus der Region Baden würden die offenen Kiesgruben in der Region noch länger ausreichen. Doch nur 29 % des in der Region abgelagerten Aushubs kamen 2019 aus der Region (Vorjahr: 34 %), 36 % aus dem Kanton Zürich, der Rest aus den Regionen Aarau, Freiamt (je ca. 10 %) und Zurzach (ca. 5 %) und neu 4 % sogar aus dem Kanton Zug! Der Planungsbericht erwähnt ausdrücklich, dass der Zürcher Aushub auch in den Steindler gekarrt werden soll. Interkantonale Solidarität? Wohl eher Wirtschaftsförderung: Hiesige Aushubfirmen wie die im Steindler federführende Eduard Meier AG aus Wettingen generieren einen schönen Teil ihres Umsatzes im Kanton Zürich. Die an der  Dereba AG beteiligten Firmen stammen übrigens nicht alle aus der Region. Was hat die Beton- und Cementwaren AG Merenschwand hier verloren?
  3. Laut Planungsbericht deckt der Steindler den regionalen Deponiebedarf im Planungszeitraum von 30 Jahren nur zu einem Drittel, weshalb bald weitere Deponiestandorte festzulegen seien. Weshalb nicht gleich jetzt? Sind Alternativstandorte doch zu wenig ernsthaft geprüft worden? Oder haben sich andere Gemeinden widerspenstiger gezeigt?
  4. Nach Plan soll die Deponie neun Jahren lang aufgefüllt und dann rekultiviert werden. Allerdings wird eingeräumt, dass der Deponiebetrieb je nach Bautätigkeit auch länger dauern kann. Ein Abflachen des Baubooms ist mittelfristig nicht unwahrscheinlich. Gut möglich, dass also im Steindler 20 Jahre oder länger eine hässliche Wunde in der Landschaft klaffen wird. Im späteren Verfahrensschritten muss die Betriebsdauer unbedingt befristet werden.
  5. Die Deponie wird laut Planungsbericht ein Verkehrsaufkommen von 144 Lastwagenfahrten pro Werktag (je 72 Zu- und Wegfahrten) verursachen. Die Folgen für Würenlos erachten die Planer als vernachlässigbar: Die Deponie werde ja über die Furttalstrasse angefahren (via A1 oder via Adlikon/Regensdorf). Haben die Planer berücksichtigt, dass viel Schwerverkehr die fast täglichen A1-Staus via Würenlos auf der Landstrasse umfährt? Und werden die Lastwagen mit Aushub vom rechtsufrigen Limmattal tatsächlich den Umweg über die A1 nehmen? Spätestens in den nächsten Verfahrensschritten wird unsere Gemeinde darauf pochen müssen, dass kein einziger zusätzlicher Lastwagen wegen der Deponie durch unser Dorf fährt. 

In Würenlos war bisher nur vereinzelt Kritik zum Deponievorhaben zu hören. Als dieses im November 2018 an der öffentlichen Orientierungsversammlung vorgestellt wurde, tönte es von gemeinderätlicher Seite schon fast so, als hätten w i r mit der Deponie den Sechser im Lotto gewonnen. Ganz anders unsere zürcherischen Nachbarn. Angeführt vom ehemaligen SVP-Nationalrat und Ex-Gemeindepräsidenten Ernst Schibli wehrt sich die Gemeinde Otelfingen unentwegt gegen das Vorhaben. Unterstützt wird sie dabei vom Regionalplanungsverband des zürcherischen Furttals. Eine Deponie dieses Volumens direkt vor die Haustür gestellt zu bekommen, empfinden unsere Nachbarn als Affront. Zumal nach zürcherischem Recht eine Deponie mindestens 300 Meter von den nächsten Wohnbauten entfernt sein muss, im Steindler aber der Abstand zu den nächsten Otelfinger Wohnhäusern nur 200 Meter betragen würde. 

Es hinterlässt ein ziemlich mieses Geschmäckle, dass BadenRegio den besten Deponiestandort zwischen Würenlingen und Berdietikon, zwischen Schneisingen und Mägenwil ausgerechnet im äussersten Zipfel des Kantons und im wertvollen Grüngürtel um unsere sehr dicht bebaute Gemeinde gefunden haben will.

Würenlos läuft Gefahr, seine Haut zu billig zu verkaufen. Die Landschaft zwischen Würenlos und Wettingen wird seit mehreren Generationen durch Dereba-Aktionäre mit Gruben und Anlagen verunstaltet. Da sollen zu Gunsten unserer Lebensqualität der Dereba AG wenigstens am anderen Ortsende Zugeständnisse bis an die Schmerzgrenze abgerungen werden.  Es ist zu hoffen, dass die Würenloser Bevölkerung, vielleicht auch Parteien und andere Gruppierungen sich im laufenden Richtplanverfahren kritisch vernehmen lassen. Denn wer zu solchen Projekten zu früh mit dem Kopf nickt, ist meist der Verlierer.

Die Dokumente zur Richtplanänderung liegen noch bis 18. Dezember auf der Gemeinde auf. Sie sind auch online auf www.ag.ch/anhoerungen einzusehen. Einwendungen von Bürgerinnen und Bürgern und Gruppierungen ebenfalls bis 18. Dezember mittels Kontaktformular auf www.ag.ch/anhoerungen oder in schriftlich an die Gemeinde oder an BVU, Abteilung Raumentwicklung, Entfelderstrasse 22, 5001 Aarau.

Die Visualisierungen der Deponie im Planungsbericht sind ein fertiger „Witz“. Sie zeigen die angeblich gute Einpassung der Aufschüttung in die Landschaft aus jeweils grosser Entfernung, zwei davon aus Sicht einer Drohne in 180 bzw. 60 Meter Flughöhe. Wir WürenloserInnen mögen zwar komische Vögel sein, betrachten unsere Landschaft auf dem Sonntagsspaziergang aber kaum je aus der Vogelschau. Man merkt die Absicht: Aus hoher Höhe und weiter Distanz wirkt noch die höchste Staumauer als kleines Mäuerchen.