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Ein neuer Dorfteil nimmt Gestalt an

Die Informationsveranstaltung des Gemeinderates vom Dienstagabend war ausserordentlich stark besucht. Hauptattraktion war zweifellos die Präsentation des Gestaltungsplans Steinhof. Doch waren weitere Informationen überaus interessant, so etwa solche zur Post oder zum Alterszentrum.

Die Nicht-Steinhof-News gleich vorweg:

Die Post Würenlos bleibt bis mindestens 2020 so wie sie ist. Dies sicherte die Post dem Gemeinderat in einem Schreiben zu. Begründet wird dieser Entscheid von der Post unter anderem mit dem anhaltenden Wachstum der Gemeinde. Die Zusicherung gilt, sofern die Post bis 2020 im bestehenden, von der Gemeinde erworbenen Gebäude eingemietet bleiben kann. Der künftige Gemeindeammann Toni Möckel, der anstelle seines erkrankten Vorgängers Hans Ueli Reber die Veranstaltung leitete, verdankte den grossen Einsatz der Würenloserin Sonja Vionnet, die über 1600 Unterschriften für den Erhalt der Poststelle gesammelt hat.

Die Alterszentrum Würenlos AG, zu deren Gründung die Gemeindeversammlung vor einem Jahr grünes Licht gegeben hat, ist Ende Oktober endlich gegründet worden. Präsident des Verwaltungsrates ist der künftige Gemeindeammann Toni Möckel. Weitere Mitglieder des Verwaltungsrates sind Urs Aebischer, Ursula Blaser, Alain Cornuz, Gemeinderat Markus Hugi, Matthias Rufer. Die Geschäftsstelle befindet sich bei der Forensis Treuhand AG mit Hauptsitz in Olten und einer Zweigstelle an der Grosszelgstrasse 24 in Würenlos.

Doch nun zu den Informationen über das Steinhofareal.

Für das bestehende Steinhof-Ensemble wird nur noch auf das Okay aus Aarau für die Baubewilligung gewartet. Bauherrschaft und Architekten hoffen, mit dem Um- bzw. Neubau im nächsten Frühling beginnen zu können. Der Kopfbau mit Restaurant wird umfassend saniert, der Saalanbau sowie die Scheune werden mit Neubauten ersetzt – mit einem Mehrfamilienhaus in Form der alten Scheune und einem Saal mit darüberliegenden Hotelzimmern.

Die Überbauung Steinhof von der Landstrasse aus gesehen. Weiss im Hintergrund die später folgende Überbauung Im Grund.
Ein zweiter Schritt bringt dann eine markantere Veränderung des Ortsbild. Im Wiesland um das Gasthof-Ensemble sollen 8 Mehrfamilienhäuser entstehen, sieben davon mit 4 Vollgeschossen und Attikageschoss, eines mit drei Vollgeschossen und Attika. Der Gestaltungsplan soll einerseits sicherstellen, dass das Gasthof-Ensemble von den Neubauten nicht „erdrückt“ wird und seine das Ortsbild prägende Wirkung nicht verliert. Anderseits soll er ein attraktives, schönes Neubauquartier ermöglichen. Auch wenn die Höhe der Neubauten, die den Gasthof Steinhof beträchtlich überragen werden, im Dorf noch Einiges zu reden geben dürfte.

Das neue Quartier mit dem Hotel-Restaurant Steinhof oben links.
Obwohl man in der jüngeren Vergangenheit mangels breiten Diskussionen den Eindruck gewinnen konnte, es sei den Würenloserinnen und Würenloserin eigentlich ziemlich schnuppe, was im Dorf neu gebaut wird, lässt der beachtliche Aufmarsch zur Versammlung auf ein Umbesinnen schliessen. Man will nicht mehr einfach zusehen, wie auf Maximalrendite fixierte Investoren und Immobilienentwickler das Dorf nach ihrem Gusto verunstalten. Und erfreulich ist, dass der Gemeinderat die Zeichen der Zeit erkannt hat und beim Steinhofareal und ebenso bei den Arealen Grund, Grosszelg und Bahnhof – in den Planungsverfahren mehr Einfluss auf die Entwicklung des Dorfes nimmt. Eine solche planerische Sorgfalt hat man in Würenlos zu lange schmerzlich vermisst. Mit dem ehemaligen Aarauer Stadtbaumeister Felix Fuchs als Fachberater und dem Wettinger Landschaftsarchitekten Ingo Golz hat der Gemeinderat diesmal wohl auch die richtigen Experten beigezogen.

Die Überbauung der Areale Steinhof und Grund bringt der Gemeinde einen neuerlichen Wachstumsschub. Wie viele neue Einwohner in den vorerst 85 Wohnungen beim Steinhof leben werden, darüber scheinen sich die Planer nicht ganz einig zu sein. Während das Badener Tagblatt, offenbar gestützt auf Informationen des Architekten Martin Thalmann der massgeblich beteiligten Thalmann und Steger in Wettingen, am Dienstag von einem „neuen Quartier für 180 Einwohner“ schrieb, rechnet Felix Fuchs mit zusätzlichen 200 bis 250 Einwohnern.

500 Menschen wird das neue Quartier aber dereinst zählen. Denn im angrenzenden Gebiet Im Grund sollen in einem weiteren Schritt etwa nochmals so viele neue Wohnungen dazu kommen. Die Gestaltung wird sich an jene rund um den Steinhof anlehnen. Das Areal im Grund muss aber im Laufe der Zonenplanrevision erst von der Gewerbe- in die Wohnzone umgeteilt werden. Bis zur Baureife dauert es da noch etliche Jahre.

Ob wegen des Wachstumsschubs der Schulraum schon wieder knapp werde, wurde vom Publikum gefragt. Der Bau eines weiteren Schulhauses scheint sich wegen der Grossüberbauung zwar nicht aufzudrängen, doch der Gemeinderat ist sich im Klaren, dass bei den Kindergärten Handlungsbedarf entstehen dürfte. Westlich der Landstrasse zwischen Flüehügel und Furtbach gibt es keinen Kindergarten. Spätestens beim Gestaltungsplan für das Gebiet Im Grund werde man einen solchen einplanen müssen, sagte Toni Möckel.

Etliches Stirnrunzeln beim Publikum löste auch die Verkehrserschliessung des neuen Quartiers aus. In einer unterirdischen Parkgarage sind 140 Parkplätze für die Bewohner und 37 weitere für das Hotel-Restaurant Steinhof vorgesehen. Ein- und Ausfahrt direkt in die Landstrasse und zwar gleich neben der Liegenschaft Coiffure Gruber. Das entlastet zwar das benachbarte Quartier Hürdli, dürfte aber in den Stosszeiten einige Probleme bereiten. Nicht direkt von der Landstrasse her kann dereinst das Areal Im Grund erschlossen werden.

Positiv aufgenommen wurde das Bemühen, bei der Anordnung der Gebäude und bei der Gestaltung des Freiraumes neue Wege zu beschreiten. Die Baukörper werden so angeordnet, dass dazwischen grössere Hofräume für gemeinschaftliche Nutzung entstehen. Gewisse Flächen dürfen nicht für die Parkgarage unterkellert werden, damit auch grössere Baumgruppen gepflanzt werden können. Und die Umgebung wird naturnah gestaltet sein, mit Feldgehölzen etwa. Öffentliche Fusswege werden durch das Quartier führen. Auch zwischen den Arealen Steinhof und Im Grund wird ein 3 Meter breiter Fuss- und Veloweg verlaufen – eine willkommene Alternative zur stark befahrenen Landstrasse. Das Trassee für eine Fortsetzung bis zum Bahnhof wird mit einem eigenen kleinen Gestaltungsplan jetzt gesichert. Direkt vor dem Steinhof sind überdies zusätzliche Haltestellen für den 1er-Bus vorgesehen.

Den erwähnten BT-Artikel finden Sie hier und hier die Planungsunterlagen für das laufende öffentliche Mitwirkungsverfahren. Stellungnahmen aus der Bevölkerung sind bis 18. Dezember dem Gemeinderat schriftlich einzureichen.

Landi-Planung auf der Zusatzrunde

Gewerbegebiet Grosszelg mit Standort der neuen Landi (schwarz umrandet).
Im Planungsmarathon für die neue Landi (beim Bahnhof) ist eine Zusatzrunde zu absolvieren. Das vorgeschriebene Mitwirkungsverfahren für die Nutzungsplanänderung in der Gewerbezone Grosszelg (Lex Landi) wird wiederholt, weil der ursprüngliche Entwurf nachgebessert werden musste.

Der Standort der neuen Landi ist und bleibt alles andere als ideal. Aber nach siebenjährigem Geknorze sollten nun wenigstens die raumplanerischen Rahmenbedingungen so formuliert sein, wie sie an ein Vorhaben dieser Bedeutung gestellt werden dürfen. Schliesslich geht es nicht bloss darum, der Landi den Bau eines Grossmarkts zu ermöglichen, sondern auch um die Zukunft eines ganzen Dorfteils.

Die neue Landi darf einer Aufwertung des Bahnhof-und Gewerbegebietes nicht im Wege stehen. Der von ihr erzeugte Mehrverkehr darf die Erreichbarkeit des Bahnhofs keinesfalls verschlechtern. In Würenlos benützen immer mehr Leute die S-Bahn. Der Bahnhofvorplatz, wo sich auch die Ortsbus-Endhaltestelle, die P+R-Anlage, die Unterflur-Entsorgungsstelle und ein öffentliches WC befinden, soll endlich weniger chaotisch, einladender und benützerfreundlicher gestaltet werden können.

Zu diesem Zweck wird es nun eine gesamtheitliche Erschliessungs- und Freiraumgestaltung für das Gebiet Landi und Bahnhof geben. Die heikle Verkehrserschliessung der neuen Landi via die Bahnhofstrasse hält der neu formulierte Planungsbericht (wie schon der frühere) für ausreichend, sofern gewisse Massnahmen ergriffen werden. Der Katalog dieser Massnahmen ist gegenüber vorher erweitert worden.

Zu einem Mehrzweckstreifen auf der Landstrasse zwischen Bahnhof- und Dorfstrasse und einer Linksabbiegespur auf der Bahnhofstrasse (für den Verkehr mit Ziel Furtbachkreuzung/Wettingen) kommen neu
– eine Dosierung der Ausfahrten aus der Bahnhofstrasse mittels Lichtsignal, falls sie sich als nötig erweisen sollte,
– ein Mobilitätskonzept der Landi und die Bewirtschaftung ihrer Kundenparkplätze ((mit Gebühren).
– eine neue Route der Buslinie 11; der Ortsbus wird über die Lätten-, Hürdli- und Grundstrasse statt über die Landstrasse zum Bahnhof geführt.
Mit diesen Massnahmen werden Forderungen des Kantons erfüllt. Erstens soll der Verkehr auf der Landstrasse absoluten Vorrang haben gegenüber jenem aus der Bahnhofstrasse, sobald der vor der Barriere gestaute Verkehr wieder zu rollen beginnt. Und zweitens darf der Landi-Mehrverkehr die Pünktlichkeit des Ortsbusses nicht beeinträchtigen.

Das schon in der Erstauflage kaum benützte Mitwirkungsverfahren läuft noch bis 13. November. Die überarbeitete Lex Landi soll dann der Gemeindeversammlung im nächsten Sommer vorgelegt werden. Eine Zustimmung wäre aber noch lange nicht der Startschuss zum Bau.

In Gang gekommen ist mittlerweile auch die Totalrevision der allgemeinen Nutzungsplanung. Um neuen Kräften die Chance geben, sich für die Entwicklung der Gemeinde zu engagieren, sucht der Gemeinderat Frauen und Männer, die in der zu bildenden Spezialkommission oder in drei thematischen Arbeitsgruppen mitwirken möchten. Interessierte können sich bis Ende Oktober beim Gemeinderat schriftlich bewerben. Näheres dazu hier.

Die Lex Landi – das Dilemma

Die geplante Landi im Gewerbegebiet ist vorderhand wegen der Grösse ihrer Verkaufsflächen (1600 Quadratmeter) nicht bewilligungsfähig. Die Nutzungsplanung Gewerbezone «Grosszelg» muss dafür geändert werden. Bis 3. Oktober läuft das Mitwirkungsverfahren (Näheres hier). Die Gemeinde steckt im Dilemma. Dass die Landi etwas Zeitgemässeres bauen will, ist verständlich. Doch das Vorhaben verträgt sich schlecht mit der Verkehrssituation und einer zukunftsorientierten Planung.

Die Krux: Der Problemknoten Land-/Bahnhofstrasse bei der Bahnschranke.
Der Problemknoten Land-/Bahnhofstrasse bei der Barriere.

Die neue Landi mit Tankstelle/Shopsoll im Dreieck Grosszelg-/Bahnhof-/
Grundstrasse entstehen. 55 Parkplätze werden wohl mehr zusätzlichen Verkehr erzeugen, als ihn jede andere gewerbliche Nutzung bringen würde.

Das ist der Haken, denn die Strassenerschliessung ist problematisch. Die Entwicklung im ganzen Planungsgebiet Im Grund (umfassend die Teilgebiete Bahnhof, Grosszelg und Steinhof) führe zu einer «ungenügenden Verkehrssituation», falls keine Massnahmen getroffen würden, stellte eine Verkehrsstudie 2014 fest. Erstellt wurde sie als Grundlage für den Entwicklungsrichtplan «Im Grund», den der Gemeinderat als Richtschnur für alle weiteren Planungen in diesem Gebiet mittlerweile beschlossen hat (Näheres hier).

Ist die Verkehrserschliessung eh schon problematisch, so sollte wenigstens darauf geachtet werden, dass nicht ausgerechnet Neubauten erstellt werden, die viel Verkehr generieren.  Da ist es erstaunlich, dass die Nutzungsplanung nun zugunsten eines Grossmarkts mit viel Kundenverkehr geändert werden soll. Mit täglich 1100 Fahrten zur neuen Landi wird gerechnet.

Die Zu- und Wegfahrt zum Gewerbegebiet (inkl. Landi) soll weiterhin über den Knoten Land-/Bahnhofstrasse erfolgen. Dessen Kapazität wird massgeblich beeinflusst von der SBB-Barriere. In den Morgen- und Abendspitzen ist sie zwischen 15 und 25 Minuten pro Stunde geschlossen. Das führt regelmässig zu Staus. Auf der Landstrasse blockieren zudem Linksabbieger (die in die Bahnhofstrasse wollen) den Verkehr in Richtung Wettingen. In der Bahnhofstrasse müssen vor allem Linksbbieger lange Wartezeiten in Kauf nehmen. Das alles würde noch schlimmer werden, bliebe alles beim Alten.

Was aber tun? In der Studie wurden mehrere Massnahmen geprüft: Ein Kreisel (zu gefährlich bei Staus und sich schliessender Barriere), ein Linksabbiegeverbot in der Bahnhofstrasse, ein Bypass durchs Wohngebiet. Doch als zweckmässig erwiesen sich nur zwei Massnahmen:

  1. ein Mehrzweckstreifen in der Landstrassen-Mitte und zwar auf voller Länge von der Bäckerei Schwab bis zur heutigen Landi. Er kann teilweise verhindern, dass Linksabbieger den Verkehr in Richtung Wettingen blockieren.
  2. Eine Links- und eine Rechtsabbiegespur in der Bahnhofstrasse. Die Wartezeiten für die Linksabbieger würden aber kaum kürzer – es sei denn, eine Lichtsignalanlage würde ab und zu freie Fahrt geben. Doch dazu wird das kantonale Baudepartement niemals Ja sagen. Es sagt, der Verkehr auf der Landstrasse müsse Vorrang haben. Nach einer Barrierenöffnung müssten die Staus auf der Landstrasse vollständig abgebaut sein, bevor der Verkehr aus den Seitenstrassen einbiegen könne.

Die vorgesehenen Massnahmen sollen selbst bei einem Vollausbau der ganzen Gewerbezone ausreichen. «Somit ist es zulässig», so der Planungsbericht, «dass der Neubau der Landi vorab erstellt und in Betrieb genommen wird, bevor sämtliche Massnahmen gemäss Verkehrsgutachten umgesetzt sind.» Proscht Nägeli, soweit kommts noch: Zuerst wird  das Verkehrschaos vergrössert, und irgendwann, Anno Tubak, folgen dann die nötigen Strassenausbauten! Gewiss, der Knoten Land-/Bahnhofstrasse lässt sich erst ausbauen, wenn die alte Landi gekauft und abgerissen ist. Dennoch muss gelten: Erst die Strassen, dann die Landi. Eine vorübergehende Ladenschliessung oder ein Provisorium ist zumutbar.

Gewisse Konzessionen hat die Landi schon gemacht, in einem privatrechtlichen Vertrag, den der Gemeinderat am 27. Juni dieses Jahres mit der Landi Furt- und Limmattal abgeschlossen hat. Die wichtigsten sind:

  • Zwei  Wegrechte: Das eine gilt nur für den den Ortsbus, damit er wie bisher vom Bahnhof durchs Landiareal in die Grosszelgstrasse gelangen kann. Das zweite für einen öffentlichen Fuss- und Radweg vom Bahnhof zur Grosszelglistrasse quer durchs  Landiareal.
  • Ein Vorkaufsrecht: für die Parzelle mit dem Landi-Schuppen neben der Barriere. Die Parzelle wird benötigt, sollte dereinst eine Fussgänger- und Velounterführung parallel zum  Niveauübergang gebaut werden.
  • Die Landi zahlt pauschal maximal 60 000 Franken für bauliche Anpassungen  der Bahnhofstrasse und maximal 20 000 Franken für einen Fuss- und Radweg durch ihr Areal.

Mit dem Abschluss eines privatrechtlichen Vertrages hat sich der Gemeinderat nach Auffassung des kantonalen Baudepartementes. vergaloppiert. Dies geht aus einem Schreiben der Abteilung Raumentwicklung vom 23. Juni 2016 hervor. Gut für den Gemeinderat, dass es nur empfehlenden Charakter hat. Denn nach Strich und Faden zerzaust wird darin der seinerzeit zur unverbindlichen Vorprüfung vorgelegte Entwurf für den Entwicklungsrichtplan. Dieser genüge weder den formalen noch den raumplanerischen Anforderungen, kritisiert man aus Aarau. Ziel einer solchen Vornutzungsplanung sei die Erarbeitung einer Zukunftsvision für ein bestimmtes Gebiet. Doch Aussagen zur Siedlungsentwicklung fehlten fast völlig und die wenigen Aussagen seien «wenig konkret und nur bedingt verständlich».

Das Bahnhofsgebiet ist aus kantonaler Sicht ein «bedeutsames Entwicklungsgebiet». Der Kanton begrüsst zwar die im Entwicklungsrichtplan vorgesehene Pflicht Gestaltungspläne auszuarbeiten, stellt dann aber fest «Der wichtigste Bereich um den Bahnhof soll jedoch von der Gestaltungsplanpflicht ausgeklammert und in einem Teilbereich privatrechtlich gelöst werden können. Wir können uns nicht vorstellen, wie damit die sehr wichtigen städtebaulichen Zielsetzungen hinreichend gesichert werden können.»

Das Land um den Bahnhof ist eigentlich viel zu kostbar, als dass es längerfristig mit oberirdischen Kundenparkplätzen sowie Paletten voller Düngersäcke überstellt werden sollte. Bei anderen S-Bahn-Stationen (Schlieren, Dietikon, Otelfingen, Buchs-Dällikon) sind in letzter Zeit vor allem grosse Wohnüberbauungen entstanden, oft kombiniert mit mässig störenden Gewerbe- und Dienstleistungsbetrieben.

Laut Planungsbericht besteht ein «wesentliches öffentliches Interesse», dass die traditionsreiche Landi mit ihren Leistungen für die Bevölkerung und die Landwirtschaft eine Zukunftsperspektive im Dorf erhält. Na ja,  ist sie denn der einzige Hobby-, Bau- und Gartenmarkt weit und breit? Hat das Interesse der Öffentlichkeit an eher weniger statt mehr Verkehr, an einer besseren Erreichbarkeit des Bahnhofs und des Gewerbegebietes, an einer zukunftsgerichteten Weiterentwicklung unseres Dorfes – kurz: an mehr Lebens- und Standortqualität – nicht doch ein bisschen mehr Gewicht?

Die entscheidende Interessenabwägung nimmt die Gemeindeversammlung vor (frühestens im Juni 2017). Nach dem Mitwirkungsverfahren, in dem jedermann zur Nutzungsplanänderung schriftlich Stellung nehmen kann, folgt vorher noch das eigentliche Auflage- und Einspracheverfahren. 

Beachten Sie auch die neue Rubrik «Events in Würenlos» mit Hinweisen auf lokale Veranstaltungen, in der Menüleiste oben.

Für mehr Perrondach und mehr Sitzbänke

«Ziemlich aufs Auto fixiert», Peter Frühs Beitrag hat mich animiert, ein paar Gedanken zu schreiben, die auch mit dem Lebensraum Würenlos zu tun haben. Ich hatte mich ja schon vor einiger Zeit ( 2014) über diesen Lebensraum geäussert und betont, dass man sehr Sorge dazu tragen muss, um du verhindern, dass unser Dorf bloss noch zum Agglomerationsgebilde, nicht etwa von Baden, sondern von Zürich wird (Inserat z.B. : Immobilien : Würenlos bei Zürich ).

Es ist erstaunlich, wie Neuzuzüger nicht so sicher sind, in welchem Kanton sie eigentlich jetzt wohnen; wohl bis die erste Steuerrechnung kommt. Auch wenn ich in Basel gross geworden bin und immer noch mehr oder weniger «Baseldietsch» rede, ist mir klar , dass ich jetzt seit bald 45 Jahren im Kanton Aargau lebe.

Nun  ein paar Details, die mich beschäftigen. Ich bin ein ziemlich professioneller Bahn- und Busfahrer, also ÖV, und hatte, nicht zum ersten Mal das nasse Vergnügen, im Regen auf die S-Bahn 6 nach Zürich zu warten. Auch in Würenlos werden die Züge immer länger und vorallem in Richtung Zürich hat es in der Regel etwa 10 mal mehr Passagiere, die auf dem immer längeren Perron auf den Zug warten müssen und dabei ( siehe oben) Im Regen stehen dürfen. Das Wartehäuschen mit Billettautomat und 3 ! Sitzplätzen steht auf Höhe der S 6-Zugspitze. In der Gegenrichtung nach Baden mit viel weniger Passagieren gibt es einen wesentlich grösseren, geschützten Warteraum, obwohl die meisten Leute auf dieser Seite aussteigen und sich nach Hause bewegen oder den Bus 11 nehmen.

Offener Unterstand im Miniformat (mit Billettautomat).
Das minimalistische Wartehäuschen für Bahnreisende in Richtung Zürich .

Ich war keineswegs der einzige , der sich während des Umbaus der Bahnhofanlage auch bei den SBB erkundigte, warum da nicht ein vernünftigerer Warteraum gebaut wird. Antwort war meistens «zu teuer» und die Gemeinde wolle nichts beitragen, so wie das z.B. Otelfingen getan hatte. Der früher erstellte Warteraum wurde dafür abgerissen. Würenlos sollte eigentlich wirklich etwas tun. Es braucht keinen Prachtsbau, einfach ein Dach! (Siehe dazu auch den Beitrag vom Januar 2015.)

Ich habe vor ein paar Tagen den neuesten Würenloser Gemeinde Ortsplan erworben und musste dort feststellen, dass Würenlos überhaupt keinen  Bahnhof mehr hat, sondern nur die No. 15 ( in der Legende = SBB Haltestelle ). Otelfingen und Wettingen haben einen Bahnhof; Würenlos mit mindestens so viel Personenverkehr (immer zunehmend) hat nur noch eine «Bahnhofstrasse» ,  immerhin.

Dazu noch etwas: Vor dem Bahnhofumbau gab es eine Anzahl von Sitzbänken, heute noch eine Bank auf der Badener Seite; auf der Seite Zürich keine. Ich denke, auch hier könnte die Gemeinde etwas tun, obwohl es etwas kosten würde.

Wenn schon Bänke erwähnt werden, dann könnte die Gemeinde an ein paar tollen Plätzen auf dem Gemeindegebiet Sitzbänke hinstellen, von wo man in Ruhe einen hervorragenden Blick auf das wachsende Würenlos hat. Meine Frau, unser Hund Ronja und ich wären gerne bereit ein paar Plätze – nicht nur am Bahnhof ( = No 15 ) – vorzuschlagen. Wir beschauen das Dorf auch sehr oft zu Fuss. So zum Beispiel  vom Waldrand im  Sood (hinter dem Reitstall Bopp) aus, vom  Oberbick und Weinbergrain (oberhalb des Bickguets).

Der Ortsplan , 1 : 5000 , nachgeführt 2014, kostet 10 Franken und ist auf der Gemeindeverwaltung erhältlich und zeigt wesentlich mehr als alles , was man online produzieren kann. Schein mir wichtig, auch für jene, die Würenlos nur aus dem Auto kennen ( siehe oben ) .