Unser Verkehr in der Gesamtschau

Der Kreisel bei der Raiffeisenbank: Mitten im Dorf treffen regionale Verbindungsstrassen aus vier Himmelsrichtungen aufeinander.

Am 30. März, einem Samstag, findet wiederum ein allgemein zugänglicher Workshop im Rahmen der Gesamtrevision der Würenloser Nutzungsplanung statt. Thema ist der Verkehr. Die Teilnehmenden erhalten Einblick in einen Kommunalen Gesamtplan Verkehr, der von Fachleuten und einer Arbeitsgruppe in den letzten Monaten ausgearbeitet wurde. Wenn das nicht eine hoch spannende Veranstaltung zu werden verspricht!

Es ist Segen und Fluch zugleich: Würenlos liegt verkehrsmässig vorzüglich. Durchs Limmattal verlaufen die meistbefahrenen nationalen Verkehrsadern. Und mitten in unserem Dorf kreuzen sich wichtige regionale Verkehrsachsen. Der Kreisel bei der Raiffeisenbank ist Schnittpunkt von insgesamt 12 Verkehrsströmen aus allen vier Windrichtungen. Für nicht wenige Leute ist die gute Verkehrslage ein wichtiger Grund, in unserer Gemeinde Wohnsitz zu nehmen. Gleichzeitig aber spürt die Bevölkerung die negativen Auswirkungen des Verkehrs.

Die gewachsene Dorfbevölkerung liess auch den hausgemachten Verkehr beträchtlich anschwellen. Während der öffentliche Verkehr (S-Bahnen, RVBW) stark ausgebaut wurde in den letzten Jahrzehnten, haben die Verkehrswege für Fussgänger, Velos und teilweise auch für Autos mit der Entwicklung unseres Siedlungsgebietes nicht Schritt gehalten.

Grosse bauliche Würfe, wie das in den 1970er-Jahren gescheiterte Projekt für eine 4-spurige Expresstrasse von Wettingen nach Oetwil a.d.L., die am Rande des damaligen Siedlungsgebietes verlaufen sollte, sind heute undenkbar. Mögliche Trassen sind längst überbaut. Im Dorfzentrum kann der Strassenraum nicht erweitert werden, ohne den Charakter und das Bild des Dorfes massiv zu verändern. Was man auch immer tut: Irgendwer hat immer das Nachsehen.

Kein Wunder, ist das Thema «Verkehr» ein hoch emotionales. Zuweilen nehmen in der Verkehrspolitik Ideologie und Rechthaberei überhand. Da fighten Autofahrer gegen Velofahrer, Fussgänger gegen Velofahrer, als ginge es um den richtigen Weg in den Himmel. Aber wer, bitteschön, ist ausschliesslich im Auto, zu Fuss oder per Velo unterwegs?

Das Verkehrsgeschehen folgt keinem Naturgesetz, auch nicht in unserem Dorf. Es ist von Menschen gemacht. Wir alle prägen es mit unseren eigenen Verhaltensweisen und Bedürfnissen mit. Und wir alle können es mit entschlossenem Handeln ein Stück weit in die eine oder andere Richtung lenken. Die Möglichkeit, sich selber, aber auch Waren rasch und sicher von A nach B zu bewegen, ist einer der Pfeiler unseres Wohlstandes. Aber wir haben auch das Recht, uns vor schädlichen Auswirkungen des Verkehrs zu schützen.

Soll ein Kommunaler Gesamtplan Verkehr nicht blosses Papier bleiben, ist er zwangsläufig ein Kompromiss. Dies bedeutet aber nicht, dass er keine Bestandteile enthalten soll, die aus heutiger Sicht zu gewagt oder zu einschneidend erscheinen mögen. Schliesslich soll ein solcher Plan aufzeigen, wie das Verkehrsgeschehen auch in 20 Jahren noch zu bewältigen ist.

Als Mitglied der Arbeitsgruppe für den Gesamtplan Verkehr darf und will ich der Präsentation der Ergebnisse unserer Arbeit nicht vorgreifen. Drei Feststellungen aber erlaube ich mir:

1. Die Verkehrsproblematik in Würenlos und seinen Quartieren wird – je nach persönlicher Interessenlage – sehr unterschiedlich wahrgenommen und beurteilt. Es braucht aber den Blick aufs Ganze, um Lösungen zu finden, welche uns die Lebensqualität sicherstellen oder gar erhöhen.

2. Problematisch sind auch Verkehrsachsen, deren Ausgestaltung die Gemeinde nur beschränkt beeinflussen kann: Bei der Bahnlinie, der Autobahn sowie bei den Kantonsstrassen (Land- und Schulstrasse) haben Andere das Sagen. Da brauchts für Verbesserungen eine gute Kooperation mit Nachbargemeinden, dem Kanton Aargau, dem Nachbarkanton Zürich oder dem Bund.

3. Abgesehen von diesen Hauptachsen sind die Gemeindeautonomie und damit der Handlungsspielraum des Gemeinderates und der Gemeindeversammlung grösser als zuweilen angenommen wird.

Ein positives Beispiel dafür ist Tempo 30 auf Quartierstrassen. Schon vor rund 20 Jahren begann Würenlos, Tempo-30-Zonen einzuführen. Es gab teilweise Opposition, andernorts aber verlangten ganze Quartiere das tiefere Tempolimit. Bis auf zwei Gemeindestrassen (Bünten- und Bahnhof-/Grosszelgstrasse) haben wir heute flächendeckend Tempo 30 auf Quartierstrassen. Um diesen Zustand, den sich wohl nur noch wenige wegwünschen, beneiden uns andere Gemeinden. Und wir wundern uns beispielsweise über das Kleinstädtchen Brugg, das sich gerne als Hoochschulstandort mit Zukunft brüstet, aber unlängst Tempo 30 in den Quartieren bachab geschickt hat.

Mit einem Grossaufmarsch zum Workshop am 30. März kann die Bevölkerung demonstrieren, dass sie mitreden will beim Verkehr. Und sie nimmt die Gelegenheit wahr, Einfluss zu nehmen auf Weichenstellungen – dies losgelöst von einzelnen Bau- oder regulatorischen Massnahmen wie einer Strassenverbreiterung da oder einem Abbiegeverbot dort. Denn eben: Der Blick aufs Ganze ist wichtig.

Deutliche Reaktionen aus der Bevölkerung helfen dem Gemeinderat, sich nicht in Planungen zu verrennen, die zuletzt an der Gemeindeversammlung Schiffbruch erleiden. Und sie bestärken ihn vielleicht auch, gewisse Massnahmen, vor denen er bisher zurückgeschreckt ist, energischer voranzutreiben.

Ob zu Fuss, ob auf dem Velo oder E-Bike oder am Autosteuer – alle, die in unserem Dorf unterwegs sind, seien ermuntert, sich in diese Diskussion einzubringen.

Details zum Workshop gibts hier. Anmeldungen bis 15. März an die Bauverwaltung, (056 436 87 50 / bauverwaltung@wuerenlos.ch. Diesen Text erst nach dem 15.3. gelesen? Bestimmt drückt die Bauverwaltung bei der einen oder anderen verspäteten Anmeldung ein Auge zu.

Es wird gut, das Alterszentrum

Der Grundriss des Erdgeschosses (EG) zeigt anschaulich, wie stark gegliedert der im EG fast 120 Meter lange Bau ist.

Bis jetzt keine bösen Leserbriefe und wenig Kritik hinter vorgehaltener Hand. Recht positiv scheint das siegreiche Alterszentrum-Projekt «Margerite» im Dorfe aufgenommen worden zu sein. Vermag der Vorschlag der Zürcher Architekten Fiechter und Salzmann auch auf den zweiten Blick zu bestehen? Der Würenloser Architekt und 80+-Senior Hans Arnold hat «Margerite» genauer unter die Lupe genommen. (Red.)

Ein bekannter Spruch lautet: Was lange währt, wird endlich gut. Gilt dies auch für die Planung unseres Alterszentrums?

Was das heute vorliegende Konzept anbelangt ja, es hat sich den heutigen Bedürfnissen der alten Leute angepasst. Wäre es nach den vor Jahren durchgeführten Projektwettbewerben gegangen, hätten wir heute eine Lösung, die nicht mehr den Bedürfnissen entspricht. Warum? Die alten Leute möchten heute so lange wie möglich selbständig leben und nur die Dienstleistungen beziehen, die für sie nötig sind – im Gegensatz zum Konzept Altersheim, wo nur die Lösung «Vollpension» besteht, die auch zu einer Überbetreuung führen kann.

Dem Beurteilungsbericht (Download auf der Website des Vereins Alterszentrum Würenlos) ist zu entnehmen: «Der Alterszentrum-Neubau soll sich eigenständig und prägnant präsentieren und der Entwicklung des Dorfzentrums einen neuen Schub verleihen. Seine respektvolle gestalterische Antwort auf die heterogene Baustruktur der Nachbarschaft wird vorausgesetzt. Mit der präzisen Setzung im Terrain soll die städtebauliche Situation geklärt und die verschiedenen Nutzungszonen der Zentrumswiese, insbesondere des Zentrumsplatzes definiert werden.» – Erfüllt das prämierte Projekt diese Forderungen?

Schaut man sich die gebaute Umgebung an, kann darauf eigentlich nur mit eigenständiger Architektur geantwortet werden und dies tut das Projekt. Denn wo sollte es sich anbinden, an das Rössli, an die Post, an die Coop-Überbauung?

Entsteht ein Dorfzentrum? Ich meine ja. Der Platz im Zugangsbereich von der Landstrasse her könnte ein Dorfplatz werden. Eine leichte Verschiebung des vorderen Blocks von der Zentrumsschür weg würde diese Wirkung verstärken. Die Zentrumsschür sollte stärker in die ganze Anlage eingebunden werden. Der Umgebungsgestaltung sollte bei der Weiterplanung grosse Beachtung geschenkt werden.

Die kompakte Gebäudeform und die Platzierung der Anlage längs dem Furtbach schafft eine neue, attraktive Zentrumswiese.

Die Anordnung und Staffelung sowohl im Grundriss wie auch in der Höhe, gestaltet das beträchtliche Bauvolumen erträglich. Man lasse sich aber von der Computergrafik der Aussenansicht nicht täuschen, die Bäume darauf sind so gross, wie sie vielleicht einmal in hundert Jahren sind, die Gebäude wirken darum bescheiden in der Grösse.

Es entstehen sowohl auf der Seite Zentrumswiese wie auch auf Seite Furtbach abwechslungsreiche Fronten. Der Weg von der Landstrasse zur Dorfstrasse gewinnt an Attraktivität sowohl wenn man über den alten Rössliweg geht, wie auch über den neuen Weg entlang des Furtbaches.

Die Idee den Pflegebereich und die Alterswohnungen in einem Gebäudekomplex unterzubringen und diese im Erdgeschoss miteinander zu verbinden, ist überzeugend. Die Erschliessung wird vereinfacht und die Bewohner der Alterswohnungen erreichen so alle internen Servicestellen, wie Spitex, Therapie oder Verpflegung, ohne das Haus zu verlassen.

Sowohl im Pflegebereich wie auch im Bereich der Alterswohnungen hat es in jedem Geschoss immer einen kleinen «Dorfplatz», welcher der Gemeinschaftspflege dient.

Man kann sagen: Was lange währt, wird endlich gut.

Liebe Leserinnen und Leser: Was halten Sie vom Projekt? Benützen Sie die Kommentarfunktion, um begründete Kritik oder Anregungen einer breiteren Leserschaft und der Bauherrschaft (Alterszentrum Würenlos AG) zu Kenntnis zu bringen. Das definitive Projekt wird nun erst ausgearbeitet.

Das Alterszentrum – clever angeordnet, aber hoch

Das Siegerprojekt von Fiechter Salzmann Architekten. Ansicht vom Rössliweg her. Der Haupteingang befindet sich im fünfstöckigen Trakt in der Bildmitte, in den 2 Geschossen darüber ist die Pflegeabteilung untergebracht. Im Trakt links davon und über der Pflegeabteilung sind betreute Alterswohnungen vorgesehen. Die Fassade besteht teils aus rötlichem Klinker, teils aus Betonpartien.
Der Studienwettbewerb für das Alterszentrum ist entschieden. Mit ihrem Projekt Margerite haben Fiechter Salzmann Architekten Zürich in Zusammenarbeit mit Andreas Geser Landschaftsarchitekten, Zürich, die gestellte Aufgabe am besten gelöst. Mit einem langen, stark gegliederten, bis zu fünfstöckigen Bau entlang des Furtbachs haben die Gewinner die beste Lösung für die komplexe Aufgabe gefunden.

Mit dem Ergebnis des Studienwettbewerbs fürs Alterszentrum, das nun in der Alten Kirche von der Alterszentrum Würenlos AG präsentiert wurde, steht man wieder fast dort, wo man mit den beiden gescheiterten Projekten Falter am Bach (1994) und Ikarus (2003) schon einmal gestanden ist. Lagen damals gar schon ausführungsreife Projekte vor, so müssen nun ein Vor- und ein Bauprojekt erst noch ausgearbeitet werden, bevor dann das Bewilligungsverfahren seinen Lauf nehmen kann. Doch dass einmal mehr ein Meilenstein gesetzt ist, wie Toni Möckel, Gemeindeammann und VR-Präsident der Alterszentrum Würenlos AG sagte, ist erfreulich. Und man darf wohl auch darauf vertrauen, dass das kompetent zusammengesetzte Gremium, das die Wettbewerbsarbeiten beurteilt hat, seinen Entscheid sorgfältig getroffen hat.

Was mir durch den Kopf geschossen ist beim ersten Blick auf die Stellwand mit den Plänen und den Bildern des Siegerprojektes? – Hoppla, das ist aber ein recht wuchtiger Riegel, der sich da zwischen Rössliweg und Furtbach schieben wird. Ob da der von den Würenlosern so heiss geliebte Doppelzwiebel-Kirchturm überhaupt noch drüber hervorlugen wird? Frappant, dass nach dem ersten Altersheimprojekt von 1994 nun auch das neueste Projekt die Nähe des Furtbachs sucht.

Auf den 2. Blick scheint mir die Fassade des Seniorenriegels noch stark verbesserungswürdig. Zwar überzeugt die durchdachte höhenmässige Abstufung des Gebäudes, doch finde ich die Gestaltung der Fassade zu unruhig. Aber das ist, wie ich im Gespräch mit anderen Vernissage-Besuchern gemerkt habe, Geschmacksache. Entstehen wird das grösste Gebäude, das im Dorf je gebaut worden ist. Und zusammen mit der jüngst vorgestellten Überbauung Steinhof wird es den Charakter des Dorfes verändern: Mit einem bis zu fünfstöckigen Gebäude mitten im Zentrum wird das Gesicht von Würenlos städtischer. Die verbliebenen Reste des alten Dorfes werden wortwörtlich kleiner, auch wenn die Planer auf die Einordnung des Neubaues in die Umgebung besonders zu achten hatten.

Aber es ist halt auch viel Nutzraum unter einen Hut zu bringen: 44 Pflegebetten, 40 Kleinwohnungen mit Dienstleistungen, eine Cafeteria, eine Tiefgarage sowie Räume für ergänzende Nutzungen wie Spitex-Stützpunkt oder Ärztezentrum. Für ein so grosses Bauvorhaben an diesem Standort im Dorfzentrum eine gute Lösung zu finden, war für die die sieben ausgewählten Planungsteams (darunter ein solches aus Nachwuchsleuten) eine anspruchsvolle Aufgabe. Wie der frühere Aarauer Stadtbaumeister und Mitglied des Beurteilungsgremiums Felix Fuchs ausführte, haben alle Teams Arbeiten von hoher Qualität abgeliefert.

Das Siegerprojekt hat von allen Projektstudien laut Fuchs „die besten Realisierungschancen“. Dies nicht nur, weil es mit dem langen Bau zwischen Rössliweg und Furtbach eine architektonisch und betrieblich überzeugende Lösung darstellt, sondern auch, weil es platzsparend ist – so bleibt ein schöner Teil der Zentrumswiese für andere öffentliche Nutzungen frei. Und auch baurechtlich dürfte der Aufwand laut Fuchs eher kleiner sein als bei den Projekten der anderen Teams. So hält das Siegerteam zum Beispiel die erforderlichen Bauabstände überall ein. Ihr Projekt dürfte das einzige sein, das sich ohne zeitraubenden Gestaltungsplan realisieren lässt.

Die Projekte der sieben Teams unterscheiden sich erheblich. Einige bringen das geforderte Raumprogramm in mehreren Einzelgebäuden unter. Das Siegerprojekt kommt mit einem einzigen, allerdings stark gegliederten Baukörper aus, der eine durchgängige und ebenerdige interne Verbindung ermöglicht. Bei einem Bau so nahe am Furtbach hat der Hochwasserschutz grosse Bedeutung. Der Sockel des Siegerprojektes liegt 1 Meter über Furtbachniveau – das soll ausreichend sein.

Das Siegerprojekt vermag indes nach Ansicht des Beurteilungsgremiums auch noch nicht in allen Punkten restlos zu überzeugen. Verbesserungswürdig sei die Wohnlichkeit der Pflegegeschosse, die Gestaltung sei hier noch etwas gar spitallastig, sagte Cornelia Pauletti, Architektin und Mitglied des Beurteilungsgremiums. Etwas im Stiche gelassen habe das Planungsteam die Bauherrschaft auch, was die Gestaltung des Aussenraums zum Furtbach hin betrifft. Aber das lässt sich im weiteren Verlauf der Planung ja noch nachholen.

Nicht nur die Alterszentrum Würenlos AG als Bauherrin, sondern auch der Gemeinderat sind laut Felix Fuchs weiter gefordert. Der Gemeinderat müsse sich etwa darüber Gedanken machen über die künftige Nutzung der Zentrumsscheune und des unüberbaut bleibenden Teils der Zentrumswiese.

In einem weiteren Beitrag wird würenblicker das Siegerprojekt noch genauer unter die Lupe nehmen. Die Arbeiten aller sieben Planungsteams sind ab Freitag, 25.1. – Dienstag, 29.1. im reformierten Kirchgemeindehaus ausgestellt (Zeiten:hier).

würenblicker-Abstimmung bestätigt Workshop

Wieviele Einwohner sollen in Würenlos Platz finden?
Unsere Leserinnen und Leser haben abgestimmt: Grossmehrheitlich wünschen sie, dass unser Dorf in den nächsten Jahren möglichst wenig wächst. Dieses Abstimmungsergebnis deckt sich mit dem Fazit, das sich aus dem ersten öffentlichen Workshop zur Allgemeinen Nutzungsplanung ziehen liess (Link dazu).

(Ergebnisse der würenblicker-Abstimmung am 16.2.19 aktualisiert)

Es sei wichtig, den dörflichen Charakter in Würenlos beizubehalten, so zitiert die „Limmatwelle“ in ihrem Bericht über den Neujahrsapéro Gemeindemammann Toni Möckel. Das „Dorf“, der „dörfliche Charakter“ wird meistens in solchen Orten besonders inbrünstig beschworen, die nicht mehr ganz Dorf, aber auch noch nicht ganz Stadt sind. Wie eben in Würenlos oder in Wettingen, das offiziell keine Stadt sein will, zwischenzeitlich aber die grösste Stadt im Aargau war.

Wann ist man kein Dorf mehr? Wenn sich die Leute auf der Strasse nicht mehr grüssen? Oder wenn nicht mehr alles, was zwei Beine hat, in die Turnhalle strömt, zum Chränzli des Turnvereins? Oder wenn von selbstgekrönten Dorfkönigen nicht mehr nach Herzenslust gemauschelt und gemischelt werden kann? Ob ein Dorf ein Dorf ist, hängt von verschiedensten Faktoren ab, einer von vielen ist die Grösse der Bevölkerung.

Bis zum 16. Februar haben sich 125 Leserinnen und Leser an der würenblicker-Abstimmung über die erwünschte Gemeindegrösse beteiligt. Das sind zwar gerade mal 2% der Gesamtbevölkerung, aber immerhin mehr als anderthalb mal so viele Leute wie am ersten öffentlichen Workshop zur Allgemeinen Nutzungsplanung teilgenommen haben. Dort ging es um die Planungsziele und um breitgefächerte Anliegen aus der Bevölkerung. würenblicker stellte nur vier Wachstumsziele zur Wahl: 7000, 7300, 7600 oder 8000 Einwohner bis im Jahre 2035.

68 % der Abstimmenden (=85 Personen) finden, 2035 sollten 7300 oder weniger Personen in Würenlos wohnen. Das wären maximal 900 Personen oder 14% mehr als heute. Zum Vergleich: In den vergangenen 16, 17 Jahren ist die Einwohnerzahl mehr als doppelt so kräftig gestiegen. Das hält auch der Gemeinderat für zuviel. Vor drei Jahren hat er in seinem Leitbild zur Gemeindeentwicklung erklärt, man wolle in den kommenden 15 Jahren (also bis 2031) auf maximal 7300 Einwohner wachsen.

Unsere Leserschaft möchte lieber noch kräftiger auf die Bremse treten. 60 % der Abstimmenden halten schon 7300 Einwohner für zu viel und 7000 Einwohner für ideal.

Das wird wohl Wunschdenken bleiben. 7300 Einwohner sind schon aufgrund der heute gültigen Nutzungsordnung zu erwarten. Um ein geringeres Wachstum zu erreichen, müsste also Bauland ausgezont oder abzoniert werden. Dies wäre aber nicht nur teuer, sondern würde auch der eidgenössischen und kantonalen Raumplanung widersprechen, die das das bestehende Baugebiet besser ausnützen wollen.

Im würenblicker-Abstimmungsergebnis kommt auch zum Ausdruck, dass sich eine beträchtliche Minderheit von 32 % ein grösseres Bevölkerungswachstum vorstellen kann als es der Gemeinderat anpeilt. 10 % votierten für 7600 und gar 22 % für 8000 Einwohner. Ein moderates Wachstumsziel à la Gemeinderat dürfte politisch der goldene Mittelweg sein. Auch wenn ich persönlich an der früher hier vertretenen Meinung festhalte, dass ein etwas ambitiöseres Wachstumsziel Würenlos gut tun, den Realitäten eher entsprechen und unsere Gemeinde planerisch für die Zukunft besser positionieren würde.

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