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Deponie Steindler definitiv begraben

Nach gescheiterter Mediation hat der Gemeinderat Würenlos den sistierten Antrag zur Standortfestsetzung für die Aushubdeponie Steindler definitiv zurückgezogen. Dies hat laut „BT“ der Planungsverband Baden Regio mitgeteilt. In der kantonalen Vernehmlassung zur Änderung des kantonalen Richtplans waren über 3000 ablehnende Eingaben eingegangen, davon die meisten aus Otelfingen und Würenlos. Die Erfolgschancen der Mediation waren von Anfang gering.

Dazu eine Zuschrift: Das Thema Alterszentrum überschattet momentan den Beachtungserfolg, welcher die IG Nein Zur Aushubdeponie Steindler/Teufermoos erreicht hat. Der Gemeinderat hat endlich einen Schlussstrich gezogen und das Vorhaben begraben. Wir Würenloser haben unseren Nachbarn aus Otelfingen viel zu verdanken, denn nur dank deren Hartnäckigkeit, hohem Engagement und der eigens dafür gegründeten IG, aus welcher Aktionen wie die Ballonmarkierung und Unterschriftensammlung hervorgingen, konnte das Vorhaben abgewendet werden. Gerne möchte ich mich bei den Initianten und der IG mit einem kleinen Anlass bedanken und würde mich freuen, wenn sich Unterstützer einer solchen Aktion bei mir melden. Schliesslich möchte ich mich auch beim Gemeinderat bedanken, welcher nach zähem Ringen nun doch zur Einsicht gekommen ist und den Willen der Bevölkerung über die Partikularinteressen der Industrie gestellt hat. Roby Blarer 079/418 71 73

Süsser die Glocken nie klingen

Die Würenloser Kirchenglocken sorgen wieder mal für Gesprächsstoff. In grosser Aufmachung berichtete das «Badener Tagblatt» am 2. Juni  darüber, dass die Glocken der Katholischen Kirche seit gut sechs Wochen erst um 7 statt wie bisher um 6 Uhr zum Frühläuten ertönen. Es hätten sich zwar nur wenige Leute am 6-Uhr-Läuten gestört, doch aus Rücksicht auf sie und damit das «Gstürm» nicht noch grösser werde, habe man die Umstellung vorgenommen, begründete Kirchenpflegepräsidentin Verena Zehnder den Schritt. Nicht gerechnet hat man aber ihr zufolge damit, dass nun jene stürmen, welche dem 6-Uhr-Läuten nachtrauern. Im November soll darum die Kirchgemeindeversammlung entscheiden, was in Zukunft gelten soll.

Ob Kuh- oder Kirchengeläut – das Standardargument der Glockenliebhaber in Diskussionen darüber ist, dass Kühe beziehungsweise Kirchtürme schon immer gebimmelt hätten. Wer in die Nähe einer Kirche ziehe, wisse, was ihn oder sie erwarte. 

Eben – darum sehen viele Wohnungs- und Ruhesuchende die Nähe einer Kirche mit Glockenturm nicht gerade als Standortvorteil. Doch in nächster Nähe unseres Kirchturms mit dem Zwiebelhelm gelangt der Neubau Chilematt zur Vermietung.  Die katholische Kirchgemeinde erstellt ihn anstelle der Chilemetzg. Zu haben sind dort sechs 31/2-Zimmerwohnungen (Nettomietzins 1610 bis 1660 Franken), zwei 5-Zimmerwohnungen (2490 bzw. 2520 Franken), drei ebenerdige Wohnateliers entlang der Schulstrasse (1490 bis 1560 Franken) sowie ein Atelier mit Gewerberaum (3210 Franken). Ist die Vermutung gänzlich aus der Luft gegriffen, dass zwischen dem Vermietungsbeginn und dem späteren Frühläuten ein Zusammenhang bestehen könnte?

Überraschend viele, sogar nahe der Kirche Wohnende scheinen dem Frühgeläut aber nachzutrauern. Ihnen vermitteln die vertrauten Glocken das Gefühl von heimatlicher Geborgenheit – vor allem nachts oder oder vor dem ersten Hahnenschrei. Als Zeichen gelebter Oekumene darf darum gedeutet werden, dass die reformierten Glocken für die zum frühmorgendlichen Schweigen gezwungenen katholischen Schwestern eingesprungen sind. In der gleichen Nacht, in welcher der BT-Artikel über das Glocken«gstürm» in Druck ging, bimmelte eine Glocke im reformierten Kirchturm beim Wiemel oben rund 25 Minuten lang in die Nacht hinaus – bis kurz vor 23 Uhr. 

In der Facebook-Gruppe «Du bisch vo Würelos» führte das zu einem wahren «Bellstorm». Kaum hatte der Klöppel zu schwingen begonnen, berichtete schon Daniela darüber. 29 weitere Würenloserinnen und Würenloser kommentierten im Minutentakt.«Ich glaub», so etwa Nicole, «die sind ghackt worde und dä Huuswart i dä Ferie». Doch vielleicht war’s ja ganz anders: Das zum Beispiel in der Gemeindebeilage zur Zeitung „reformiert“ zuweilen etwas gar frömmelnde reformierte Kirchenpersonal vom Wiemel oben mag erst einmal den lieben Gott und Jesus um Beistand gegen die wildgewordene Glocke ersucht haben. Und merkte später,, dass das bei so Irdischem wie dem Glockengeläut nichts bringt, analog zum alten Spruch «Gott sprach, es werde Licht. Doch Petrus fand den Schalter nicht.»

Gemeindeversammlung: Alles unbestritten
Die Einwohnergemeindegemeindeversammlung vom 2. Juni hat alle Traktanden ohne grosse Diskussionen durchgewinkt: So die erfreulich ausgefallene Rechnung und den Rechenschaftsbericht 2021, die Kreditabrechnung für die Strassen- und Werkleitungssanierung Buechzelglistrasse (Kreisel Ländle bis Altwiesenstrasse) mit einer Kreditüberschreitung von CHF 482’283 und die Kreditabrechnung für den Kauf der alten LANDI sowie vier Einbürgerungen. Mit dem Finanzgebaren der Gemeinde nicht ganz zufrieden war Bürger Franz Müller. Er stellte zwei Anträge: Für 2023 sei der Steuerfuss auf 99 % anzusetzen. Und die Ausgaben im Budget 2023 seien um 3 % zu senken. Als verbindliche Anträge liess der Gemeinderat die Vorschläge Müllers nicht gelten, liess über sie aber als Ideen für den Budgetierungsprozess abstimmen. Dabei sprachen sich die bloss 78 Anwesenden gegen eine Steuersenkung auf 99% aus, hiessen aber die Budgetkürzung gut. Mit längeren Ausführungen plädierte Marcus Meyer für eine Änderung der Tarifstruktur (Hoch- und Niedertarif) für die Stromversorgung durch die Technischen Betriebe Würenlos. Auf diese Weise lasse sich der Stromverbrauch so steuern, dass mehr Strom verbraucht werde in Zeiten, wo viel Elektrizität aus erneuerbarer Energie anfalle,

Strapazierte Geduld

Wir Würenloserinnen und Würenloser haben ja nicht den Ruf, politisch besonders flink zu agieren. Doch sogar unsere Geduld kann gehörig strapaziert werden. Etwa, wenn der Kanton in einer Gemeindeangelegenheit ein wichtiges Wort mitzureden hat. An der Info-Veranstaltung des Gemeinderats im Vorfeld der Sommer-Gemeindeversammlung ist das an zwei Beispielen illustriert worden.

Das Geld für die Revision der Allgemeinen Nutzungs
planung ist schon 2018 bewilligt worden.

7 Monate wird es gedauert haben, wenn der Kanton voraussichtlich im August zum Projekt Alterszentrum Würenlos Stellung nehmen wird, wie der neue Hochbauvorstand Consuelo Senn dem spärlich erschienen Pubikum am Info-Abend vorrechnete. Die Abteilung für Baubewilligungen des Departementes Bau, Verkehr und Umwelt prüft Baugesuche für ein Projekt, wenn dieses etwa die Verkehrsverhältnisse auf Kantonsstrassen (Landstrasse) beeinflusst oder Gewässer (Furtbach) tangiert. Die Projektunterlagen seien dem Kanton im Januar – parallel zur öffentlichen Auflage im Baubewilligungsverfahren – unterbreitet worden.. Bis die Stellungnahme aus Aarau eintreffe, sei der Gemeinderat als Baubehörde «auf Stand-by», so Senn.

Dass der Kanton für die Prüfung des Bauprojektes sieben oder mehr Monate brauche, sei unverständlich, sagte Sigi Zihlmann (Vorstandsmitglied des Vereins Alterszentrum) an der Info-Veranstaltung. Es sei schliesslich davon auszugehen, dass der Kanton schon lange vor dem Januar 2022  in die Projektierung einbezogen worden sei. 

Allerdings kommt vielleicht die Verzögerung gerade recht, hat doch auch auch die Gemeinde noch Hausaufgaben zu erledigen. Die verkehrsmässige Erschliessung der Zentrumswiese ist noch nicht endgültig geregelt. Für den Ausbau der Poststrasse im Süden ist das Baugesuch eben publiziert worden. Und über die Norderschliessung (Rössliweg bei Kinderoase) wird noch gehirnt. Ein erstes Projekt hat die Gemeindeversammlung Ende 2021 zurückgewiesen, weil für den Ausbaug  des Rössliwegs nicht nur angrenzendes Privatland beansprucht werden solle.

7 Monate – von Juni 2021 bis Februar 2022 – lag  auch die Gesamtrevision der Allgemeinen Nutzungsplanung beim Kanton zur Vorprüfung. Nach der Kreditbewilligung durch die Gemeindeversammlung Ende 2016 gings im Januar 2018 richtig los. Das beauftragte Planungsbüro, Fachspezialisten, eine Spezialkommission und Arbeitsgruppen, für welche sich über 40 Bürgerinnen und Bürger beworben hatten, nahmen ihre Arbeit auf. Gemäss damaligem Ablaufplan hätte die Gesamtrevision von der Sommergmeind 2021 verabschiedet und bis Ende 2021 vom Regierungsrat in Kraft gesetzt werden sollen.
 
Doch Ende letzten Jahres war das kantonale Baudepartement (Abteilung für Baubewilligungen) noch an der Vorprüfung des Entwurfs. Im Februar 22 dann die Stellungnahme aus Aarau mit 25 Vorbehalten und 50 so genannten Hinweisen. Ins Gewicht fallen vor allem die Vorbehalte. Dazu zwei Beispiele: Aarau hält das Würenloser Bevölkerungsziel von 7300 Personen für den Planungszeitraum von 15 – 20 Jahren für zu tief –  Stichwort innere Verdichtung.  Und verlangt wird die Einführung der Grünflächenziffer (zwecks besserer Durchgrünung des Siedlungsgebiets) nicht nur in Wohnzonen, sondern auch in gemischten Wohn- und Gewerbezonen. Im Juni treffen sich Gemeinde- und Kantonsvertreter zu einer ersten Besprechung. Wird die neue Nutzungsplanung teilweise noch korrigiert, unterzieht sie der Kanton einer zweiten Vorprüfung . Man hofft, sie möge weniger lang dauern als die erste.

Parallel zur Vorprüfung lief im Juli und August 2021 das öffentliche Mitwirkungsverfahren. Dabei wurden 60 Anträge zu insgesamt 200 diversen Punkten der Nutzungsplanung gestellt. Nach den Sommerferien will der Gemeinderat über die Anträge beschliessen und seine Entscheide in einem Mitwirkungsbericht zusammenfassen und begründen. Es folgen zwei Info-Veranstaltungen, eine Im August 22 für alle Grundeigentümer und eine im Herbst für die Furtbachanstösser, welche teilweise durch einen neu festgelegten «Gewässerraum» eingeschränkt werden.

Die weiteren Etappen, bis die geänderte Nutzungsplanung rechtskräftig wird, sind:

  • öffentliche Auflage mit Einwendungsmöglichkeit für alle. 
  • Verabschiedung durch die —Gemeindeversammlung. Laut Senn könnte  sie bestenfalls im Dezember 2023 stattfinden – der zweitgenannte Termin vom Sommer 2024 scheint mir realistischer. 
  • Inkraftsetzung durch den Regierungsrat. Wird’s Anfang 2024? Mit zweijähriger Verspätung auf den ursprünglichen Zeitplan, wovon ein Teil auf pandemiebedingte Erschwernisse zurückzuführen sein mag

Ein sechsjähriger Planungs- und Entscheidungsprozess ist zu lang für eine Nutzungsplanung, die laut Raumplanungsrecht auf einen Betrachtungszeitraum von 15 Jahren auszurichten ist. Viele der zugrundeliegenden Fakten und Annahmen sind nach sechs Jahren  durch die Wirklichkeit längst überholt. Sollte man nicht schon 2024 die nächste Gesamtrevision einleiten, ganz nach dem Motto «Meister, die Arbeit ist fertig. Soll ich sie gleich flicken?»….

Dem Gemeinderat „die Knöpfe eingetan“

Die Referendumsabstimmung über den Zusatzkredit für den erweiterten Umbau des Gemeindehauses ist mit einer klaren Niederlage des Gemeinderat ausgegangen. Gerade mal 439 Stimmberechtigte haben dessen Antrag unterstützt, 1133 haben ihn abgelehnt.

Nur 28 % der Abstimmenden sind somit dem Gemeinderat gefolgt und wollten im Zuge der Umbauarbeiten auch das gesamte Untergeschoss des Westtraktes auszubauen. 72 % finden das im Moment unnötig. Sie haben auf die Finanzkommission gehört, die schon an der Gemeindeversammlung Ablehnung des Zusatzkredites empfohlen hatte. Bei einem Stimmenpatt war die Vorlage damals nur dank Stichentscheid von Gemeindeammann Toni Möckel angenommen worden. Die SVP ergriff das Referendum. Mit durchschlagendem Erfolg, wie die Abstimmung zeigt.

Die Würenloser mussten zweifellos schon über wichtigere Geschäfte abstimmen als über diese Vorlage. Es wäre ein schlechtes Signal, wenn unsere Verwaltung nach dem Nein nun schlechter funktionieren als zuvor. Weil nach dem Nein nach dem Wegzug von TBW und Bauamt in den eigenen Werkhof nur 1,9 statt 2,77 Millionen Franken verbaut werden, geht die Welt gewiss nicht unter. Es können dafür etwas mehr Schulden abgebaut werden.

Weil neben der Gemeindeabstimmung keine kantonale oder nationale Abstimmung stattfand, lag die die Stimmbeteiligung tiefer als sonst. Bei einem solchen Sololauf gehen vor allem jene abstimmen, die sich für Politik auf Gemeindeebene interessieren. Stimmen auch viele andere mit, haben Behördenvorlagen eher leichtes Spiel.

Das Resultat zeigt, dass der Gemeinderat bei einem beträchtlichen Teil der Stimmberechtigten kein blindes Vertrauen geniesst. Zieht man in Betracht, dass an der Gemeindeversammlung zwei weitere gemeinderätliche Vorlagen zurückgewiesen worden sind (Verkauf des Postareals und Ausbau des Rössliweges Ostteil) liegt der Schluss nahe, dass die Stimmberechtigten nun die Gelegenheit wahrnahmen, dem Gemeinderat zu zeigen „wo Gott hockt“. Mit gleich mehreren überstürzt zur Abstimmung gebrachten Vorlagen hat der Gemeinderat jedenfalls eine bedenkliche Hemdsärmeligkeit und Überrumpelungstaktik an den Tag gelegt.

Umso positiver, dass die Finanzkommission – die letzte vom Volk gewählte – Kommission sich von den gemeinderrätlichen Argumenten nicht hat einlullen lassen. An der Gemeindeversammlung war es ja zu seinem überaus gehässigen Wortgefecht zwischen einem Kommissionsmitglied und dem Gemeindeammann gekommen. Und darauf wurden aus den Reihen der „Mitte“ der Finanzkomission wegen Amtsanmassung die Leviten gelesen. Doch die Finanzkommission ist eben nicht eine beratende Kommission des Gemeinderates wie all die anderen – oft zu ihrem eigenen Leidwesen ziemlich zahnlosen – Kommissionen.

Die Finanzkommsion prüft die dem Souverän vorgelegten Finanzgeschäfte (inkl. Budgets und Rechnungen) nicht als Hilfsorgan des Gemeinderates, sondern sie tut dies im Auftrage des Souveräns (aller Stimmberechtigten). Nach Abschaffung der Schulpflege ist die Aiko das einzige Gremium auf lokaler Ebene mit einer (beschränkten) Aufsichtsfunktion über den Gemeinderat. So gesehen kam das durchaus vertretbare Nein zur genau richtigen Zeit.

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Und noch kurz zu einem anderen Thema. Seit Anfang Jahr stehen auf der Zentrumswiese die Bauprofile für das Alterszentrum-Projekt. Vier Einwendungen sind bekanntlich während der Projektauflage eingegangen, darunter eine von mehreren Anwohnern. Sie üben unter anderem wegen des Ortsbildschutzes seit langem Kritik am Projekt und an dessen Standort entlang des Furtbachs. Alle Einwender sind nicht namentlich bekannt. Nun ist in der Gemeinde da und dort zu hören, wahrscheinlich sei auch der Aargauer Heimatschutz unter den Einwendern. Dem ist nicht so, wie eine Anfrage von würenblicker bim Aargauer Heimatschutz ergab.

Heimatschutz-Geschäftsführer Henri Leuzinger schrieb würenblicker: „Der Aargauer Heimatschutz hat sich in der Tat intensiv mit den verschiedenen Phasen der Planung und Projektierung des Alterszentrums befasst. Am Ende und in Abwägung aller Verfahrensschritte hat die Geschäftsleitung entschieden, von einer Intervention abzusehen, weil das Projekt selbst sowie die Änderungen, welche an ihm vorgenommen wurden, zu einem vertretbaren Resultat geführt haben.“

Das ist eine gute Botschaft für all jene, die bangen und hoffen, das Baubewilligungsverfahren möge durch die Einwender nicht allzu sehr in die Länge gezogen werden. Der Heimatschutz wäre ein Kontrahent gewesen, mit dem nicht zu spassen gewesen wäre.